WELT: Boris Kálnoky macht sich Gedanken

Boris Kálnoky, Journalist und hier im Blog aktiv mitwirkender Kommentator, hat einen sehr persönlich gehaltenen Beitrag zur Situation in Ungarn verfasst, den die WELT heute veröffentlicht:

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13800895/Judenstern-am-Briefkasten.html

Kálnoky plädiert – wie bereits in dem mit dem Schriftsteller György Dalos geführten Interview zu sehen ist – für einen längst überfälligen verbalen Waffenstillstand zwischen den beiden politischen Lagern. Man müsse endlich damit aufhören, die Linken / Liberalen als „Kommunisten und Juden“, die Fidesz als „faschistoid“ oder „diktatorisch“ zu betiteln. In der Gewichtung liegt dieser Tage der letztgenannte Vorwurf vorne; das war aber nicht immer so.

Schändlicher Höhepunkt in Kálnokys persönlichen Erfahrungen waren Schmähungen (gegen ihn und György Dalos) im ungarischen Nazi-Internetportal „Hunhír“ als Reaktion auf das Welt-Interview sowie ein weiterer Vorfall: Ein unbekannter Nazi-Sympathisant (hier ist das Wort zutreffend) klebte ihm Ende 2011 einen Judenstern an den Briefkasten. Erfahrungen eines Menschen, der versucht, seinen Teil für einen Dialog zu leisten, der die ideologischen Trennungslinien überschreitet. Noch ist dieser Versuch des Dialogs – jedenfalls in der ungarischen Politik – auf beiden Seiten die absolute Ausnahme.

Entsprechend vorsichtig sollten ausländische Beobachter sein, der einen oder anderen unversöhnlichen Seite kritiklos zu folgen, sich deren Wortwahl zu eigen zu machen und damit weiter Öl ins Feuer zu gießen – es wäre wichtiger, differenziert zu berichten und so den Versuch zu unternehmen, das Lagerdenken endlich zu überwinden. Meist fehlt jedoch das Verständnis für die tiefgreifenden Ursachen der gesellschaftlichen Spaltung völlig: Die Politik entzweit Familien, Menschen beider Lager laufen Gefahr, in der Öffentlichkeit beschimpft und angespuckt (!) zu werden, nur weil sie die falsche Zeitung lesen. Parlamentarier der Opposition verlassen (und das nicht erst seit 2010) das Parlament, die Abgeordneten beschimpfen sich als „Hurensöhne“. All das ist Teil der ungarischen Realität, die leider von deutschsprachigen Journalisten bei ihren, die Spaltung nur zu oft weiter vertiefenden, Berichten nicht beachtet wird. Die Schuld trifft die gesamte politische Elite des Landes, und das seit etwa 20 Jahren.

Bekannt ist, dass es in Ungarn für den Faschismus- oder Kommunismusvorwurf weder Faschisten noch Kommunisten, für Antisemitismus keine Juden braucht. Man muss einfach nur anderer Meinung sein. Dies zu überwinden, ist Aufgabe der ungarischen Gesellschaft, insbesondere auch der mit überwiegender Mehrheit gewählten Regierung nebst 2/3-Parlamentsmehrheit. Eine Aufgabe für jede Regierung, die sich die „nationale Einheit“ auf die Fahnen schreibt. Stattdessen scheint sich die Politik nicht davon losmachen zu können, reflexartig alte Rechnungen begleichen zu wollen. Patriotismus sieht in meiner Welt anders aus.

Hier der Beitrag in französischer Sprache:

http://www.courrierinternational.com/article/2012/01/09/a-ceux-qui-ont-colle-une-etoile-jaune-sur-ma-boite-aux-lettres

Nachtrag:
Die als regierungsnah geltende Wochenzeitung Heti Válasz hat den o.g. Beitrag von Boris Kálnoky zusammengefasst unter dem Titel: „Áll a bál – Ezt nem teszi zsebre sem a kormány, sem az ellenzék“ (wohl sinngemäß: „Das steckt weder die Regierung, noch die Position so einfach weg“). Die Message scheint bei ersten interessierten Kreisen angekommen zu sein.

http://hetivalasz.hu/vilag/magyarorszagon-mindenki-a-masikat-gyuloli-44671/

Von mir nochmals meinen Dank an Herrn Kálnoky für seinen hervorragenden Beitrag.

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42 Kommentare zu “WELT: Boris Kálnoky macht sich Gedanken

  1. Lieber Herr Kalnoky,

    vielen Dank für diesen persönlichen und erhellenden Bericht. Für mich eine Sternstunde in der Ungarn-Berichterstattung, der ohne einseitige Schuldzuweisungen die Probleme benennt, die die ungarische Gesellschaft plagen.

    So sehr ich bekanntermaßen sehr viele Kritikpunkte an der Regierung Orbán und an der neuen Verfassung teile, so schwer ist manche Berichterstattung der letzten Tage zu ertragen, die sich größtenteils in wohlfeilem und uniformierten Ungarn-Bashing erschöpft und jeweils einen hasserfüllten Kommentarkrieg nach sich zieht. So geht es nicht weiter.

    Diejenigen, die das „Faschismus“ und „Diktatur“-Vokabular missbrauchen, müssen sich zu Recht vorwerfen lassen, die Situation vor Ort noch zu verschlechtern.

      • „Judenstern am Briefkasten“

        „Der Judenstern (auch: Gelber Stern) war eine im Nationalsozialismus eingeführte Zwangskennzeichnung für Personen, die nach nationalsozialistischem Recht als Juden galten. Er bestand aus zwei überlagerten, schwarzumrandeten gelben Dreiecken, die einen handtellergroßen sechszackigen Stern nach Art eines Davidsterns bildeten. Darin befand sich die schwarze Aufschrift „Jude“, deren nach links geschwungene Buchstaben die Hebräische Schrift verhöhnen sollten. (Konrad Kwiet: „Rassenpolitik und Völkermord“ in Enzyklopädie des Nationalsozialismus)

        Ich mache mir auch Gedanken, nicht erst wegen der Provokation an Ihrem Briefkasten, sondern warum dieses Thema immer wieder so medienwirksam ausgeschlachtet wird. Neu ist der latente Hass gegen die vermeintlich Anderen ja nicht in Ungarn . Der latente Hass gegen vermeintliche Juden loderte dort schon Anfang der 90-er Jahre auf. Trotzdem scheiterte ich Anfang der neunziger Jahre mit meinem Plan, Elisabeth Endres Buch: „Die gelbe Farbe. Die Entwicklung der Judenfeindschaft aus dem Christentum“ in ungarischer Übersetzung herauszugeben. Alle winkten nur ab. Es sei doch ein deutsches Problem. So auch die Soros-Stiftung.

        „Haltet den Dieb!“

        Meine Großeltern wohnten in den Dreißigern in einer „Fabrikantenvilla“ in Bad Muskau. Als ich meine Mutter einmal fragte, wie der Großvater sich als Lehrer so eine Villa habe leisten können, sagte sie, er hätte nur zur Miete gewohnt. Da bohrte ich nach. Er hätte die Miete an die Partei gezahlt. Der Gedanke, dass es sich bei der Villa um „jüdischen Besitz“ handeln musste, war ihr nie gekommen. Achtzigjährig begriff sie endlich, dass sie als Kind im Hause eines wegen seines Eigentums ermordeten Menschen gelebt hat, dass mein Großvater ein Günstling war. Wir haben dann beide darüber geschwiegen. .

        Warum Öl in die Glut schütten? Warum gerade hier in Deutschland das über Ungarn?

        Haben Sie denn den Stern von Bethlehem schon völlig aus den Augen verloren?

  2. Danke, HV, für die Kommentierung und Verlinkung, danke, Herr Kálnoky, für Ihren Artikel. Mich haben besonders die persönlichen Erfahrungen angerührt. Ich mache hier in Budapest ähnliche, wenn auch noch nicht so extreme Erfahrungen: Feine Risse gehen durch Familien, Freundschaften werden angeknackst, am Arbeitsplatz herrscht plötzlich Stille, Nachbarschaften tauchen in eine ungemütliche Atmosphäre. Ihren Aufruf zum Innehalten und Nachdenken kann ich nur unterstützen. Was wir jetzt brauchen, ist Augenmaß und Fingerspitzengefühl.

  3. dem darf und muss man sich anschliessen.Es muss aufhören,alle sollten an einem Strang ziehen.Alle Seiten sollten sich beruhigen und sich gegenseitig mehr achten.

  4. Vielleicht hat V.O. diesen ausgezeichneten Artikel von Koll. Kálnoky gelesen und sich daraufhin mit dem bete noir des Fidesz mit Simor getroffen.
    Gyurcsány hat sich seinerzeit auch mit konservativen Wirtschaftsfachleuten zusammengesetzt und V.O. könnte sich auch mit den kritischen Wirtschaftsfachleuten zusammensetzen, die vielleicht beitragen könnten, den Karren aus dem Schlamm zu ziehen.

    Übrigens eine Anmerkung zum obigen Artikel, wie immer man Rákosi & Co beurteilt, er hat weniger Ungarn hinrichten lassen als Kádár.
    Ich publizierte darüber eine Glosse in Élet és Irodalom am 20. 6. 2008.
    Den Terror während des Stalinismus hat es in allen volksdemokratischen Ländern gegeben. In der CSR war er auch antisemitisch wie in Polen oder der DDR und auch in Ungarn kamen Juden durch diesen Terror zum Tod. In der CSR wurden im Slansky-Prozess 14 Menschen gehängt, 11 davon waren „jüdischer Abstammung“ und der Prager Staatsanwalt sprach von der „typisch kosmopolitischen Visage“ von Rudolf Slansky. Paul Lendvai hat seinerzeit ein ausgezeichnetes Buch über diesen Antisemitismus in den Volksdemokratien publiziert.
    Manche verknüpfen zwar den Terror des Stalinismus in Ungarn mit Juden, jedoch nicht denjenigen von Kádár mit Katholiken, obwohl Kádár katholisch getauft war.
    Es ist sehr traurig, wenn man im 21. Jahrhundert darauf aufmerksam machen muss.

    • @ Herrn Pfeifer: Herr Kálnoky hat in seinem Beitrag keine Vergleiche bei den Opfern angestrengt, lediglich Tatsachen benannt. Der aus Ungarn wohlbekannte „Aufrechnungsreflex“, die Frage, welcher Kommunist denn schlimmer war oder wer mehr Menschenleben auf dem Gewissen hat, kommt aus Ihrem Munde. Ich finde diese Vergleiche und Relativierungen („hat es in allen volksdemokratischen Ländern gegeben“) nicht angemessen. Im Beitrag von Herrn Kálnoky sind m.E. keine Fehler bei den Fakten oder bei den Bewertungen enthalten. Er versucht, die Ursachen des gegenseitigen Hasses seinen Lesern näher zu bringen. Ich denke, mit großem Erfolg.

    • Wäre der ungarische Normalbürger Historiker, müssten Politiker nicht lernen, mit den Stereotypen in der Mentalität der Bürger umzugehen.

      Im kollektiven Gedächtnis haben sich Rákosi und Gerö viel tiefer eingebrannt, weil es ein sehr sichtbar jüdisches Macht-Tandem war, und vom traumatischen Effekt her die brutale Machtergreifung (1947/8 etc) und später der Aufstand von 1956 einfach tiefer in die Seele schnitten als alles, was danach kam.

  5. @ Kullancs
    ich hab dort keinen Link zu dem Artikel gesehen.Ist das Absicht?Ein paar Sátze aus dem Zusammenhang raus…….
    Ich finde den Artikel sehr gut.Könnte für viele ein neuer Anfang sein,wie man miteinander umgehen sollte.

  6. Erstklassig und passend dieser Artikel.

    Als ich 1966 zum ersten Mal das Land meiner Vorfahren betrat wurde mir von verschiedenen Seiten und im Laufe dieser vielen Jahre, auch die letzten 10 Jahre bis 2008 die ich komplett in Ungarn lebte, immer wieder und nicht ohne Stolz erklärt.
    „Wir Ungarn haben die schlimmsten Schimpfworte und Flüche“ Es stimmt und die Anwendung setzt sich quer durch alle Gesellschaftsschichten. Es fehlt eine „Streitkultur“

    Mangelhafte Aufklärung, Aufarbeitung der Geschichte, eine zu kleine oder schwache Mittelschicht, welche auf Ausgleich drängt und Mängel in der Medienlandschaft führen zu mangelndem Unrechtsbewusstsein. Auf allen Seiten.

    Bei aller Hoffnung …. doch schließe ich mich Kullancs an

  7. Koll Kálnoky und HV ich habe versucht den historischen Kontext herzustellen. Natürlich wurden Rákosi & Co als Juden wahrgenommen. Aber sie waren von Stalin eingesetzt und zur gleicher Zeit setzte er auch in der CSR einen „Juden“ Rudolf Slansky ein, der aber wie ich oben schrieb während einer antisemitischen Kampagne hingerichtet wurde. In Ungarn wäre eine solche antisemitische Kampagne viel gefährlicher gewesen, gab es ja noch nach dem Krieg antisemitische Pogrome, zum Teil auch von Kommunisten provoziert. (Miskolc)
    János Pelle hat in seinem Buch darüber dokumentiert, wie ein aus Auschwitz zurückgekommener, der so glaube ich mich zu erinnern 1946 aus einer Stadt flüchten wollte, in der die Ritualmordbeschuldigung gegen Juden erhoben wurde, deser Überlebende floh neben den Schienen aus der Stadt und wurde von Eisenbahnarbeitern mit Vorschlaghammern erschlagen. Auch Teil der ungarischen Geschichte.
    All das hat nichts mit Aufrechnung zu tun. Ich zeige nur einen Unterschied auf. Während ein Katholik der Kommunist wird, wie Kádár nicht als Katholik wahrgenommen wird, ist die Sache bei einem Juden der Kommunist wird anders. Übrigens ist das auch so bei getauften Juden und ihren Nachkommen, nachzulesen bei Pfarrer Kis.
    Gut dass Koll Kálnoky 1956 erwähnt. Jetzt muß man dann entscheiden, war der Aufstand einer gegen die Herrschaft der Juden, wie das einige in Ungarn behaupten oder einer gegen die kommunistische Diktatur?

  8. Antwort an Herrn Herche, konnte dort nicht anhängen:

    Ich hoffe keine Glut ins Feuer geschüttet zu haben.

    Es stimmt übrigens, Antisemitismus flammte in den Jahren nach der Wende auf (die waren schwer) und schlief dann wieder ein, als Geld ins Land strömte und ansatzweise eine Zukunft zu erkennen war. Die scheint jetzt verschwunden, und nun braucht man wieder einen Sündenbock.

    Die Zsidozás an sich wird auch in weiteren 20 Jahren nicht überwunden sein, das braucht Zeit. Es ist zum Teil Ausdruck mangelnder demokratischer politischer Kultur. Deren Essenz besteht ja darin, den Andersdenkenden als Partner im Streit anzuerkennen. (Auch Fidesz und Christen sind respektable „Andersdenkende“ – was Linke oft nicht akzeptieren,obwohl sie von „Streitkultur“ reden).

    Einander zu respektieren setzt aber voraus, die Probleme anzusprechen, also auch den Antisemitismus, seine Ursachen und Sackgassen.

  9. Peter Herche,
    es macht mich traurig, dass ich so schreiben muss, um auf gewisse Probleme aufmerksam zu machen.
    Wie oft habe ich in Ungarn gehört, „wir sind jetzt mit den Juden quitt, denn Rákosi hat doch den Holocaust gerächt“. Mit solchen dummdreisten Sprüchen hat man es fertig gebracht, einiges aus der Geschichte Ungarns wegzuretuschieren. Und die Lüge, wonach Horthy und die ungarische Gesellschaft gar nichts mit der Deportation nach Auschwitz-Birkenau zu tun hat, dass dies Werk der Deutschen (was ja stimmt, ohne deutsche Besatzung wäre es nie dazu gekommen) und der Pfeilkreuzler war (was nicht stimmt) wird noch von vielen Journalisten wiederholt.

  10. Peter Herche,
    Ich bin seit 1989 mit einer protestantischen Sächsin verheiratet. Ich kann mich an ihr Gesicht erinnern, als ich 1988 sagte, so schlimm auch das System der DDR sei, aber wenigstens scheint es keinen Antisemitismus zu geben. Meine Frau schaute mich erstaunt an und erzählte mir einiges, was sie an ihrem Arbeitsplatz erlebte. In der Stadt aus der sie kommt lebten damals keine Juden (heute sind dort ein paar aus der Sowjetunion kommende angesiedelt).
    Meine Frau, die kirchlich gebunden war, hat natürlich diesen Antisemitismus gemerkt. Es gab also einen Antisemitismus ohne Juden. Und 1989 publizierte ich auch einen Artikel über Neonazi in der DDR.
    Ich habe 1987-1989 manches Glas Wein mit Csoóri (und den zu früh verstorbenen András Mezei) getrunken, ein Interview mit István Csurka gemacht und war bei der Gründung des MDF in Lakitelek dabei. Wenn mir jemand damals erzählt hätte, dass es so kommen würde, hätte ich es nicht geglaubt.
    Aber so wie aus einer Wunde der Eiter heraus muß, so kann die ungarische Gesellschaft nur gesunden, wenn sie die Kraft findet, den Hetzern und Hasspredigern – auch denen die sich dabei wie der Pfarrer Lóránt Hegedüs jun auf das Christentum berufen – das Handwerk zu legen.
    Koll. Kálnoky Sie haben kein Öl ins Feuer geschüttet, sondern den Finger auf die Wunde gelegt.

    • „Aber so wie aus einer Wunde der Eiter heraus muß, so kann die ungarische Gesellschaft nur gesunden, wenn sie die Kraft findet, den Hetzern und Hasspredigern – auch denen die sich dabei wie der Pfarrer Lóránt Hegedüs jun auf das Christentum berufen – das Handwerk zu legen.“

      Herr Pfeifer, verzeihen Sie mir, wenn ich wieder in die Rolle des Oberlehrers schlüpfe. “Jemandem das Handwerk legen” bedeutet soviel, wie „Jemanden an unerlaubten Machenschaften hindern.“ Die Regeln wurden von den Zünften aufgestellt. Sie entstanden jeweils zur Wahrung gemeinsamer Interessen und waren, eine „Verschwörung“, d.h. der Zusammenschluss einer Gruppe von Menschen fast immer zur politische Einflussnahme.

      Warum bin ich der Meinung bin, dass Herr Kálnoky mit seinem Report zum Dreikönigstag, warum er mit dem über seinen Namen geklebten „Judenstern“ nicht den Finger auf die Wunde gelegt, sondern Öl ins Feuer gegossen hat.
      In Israels Prophetie waren Sterne als Himmelszeichen meist Hinweise auf kommendes Unheil. Das Endgericht kündigt sich an mit Sternen, die „vom Himmel fallen“ (z.B. Mk 13,25) oder „sich verfinstern“ (z.B. Joel 4,15). In 4. Mose 24,17 lesen wir: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen und wird zerschmettern die Schläfen der Moabiter und den Scheitel aller Söhne Sets. Edom wird er einnehmen, und Seir, sein Feind, wird unterworfen werden. Israel aber wird den Sieg erhalten.“
      Zur Symbolik, derer sich die deutschen Nationalsozialisten bewusst bedienten, gehört eben auch der „Judenstern“, nun aber als Zeichen der Auslöschung Israels.

      Nietzsches „Ecce homo“ schließt mit dem Ausruf: „Dionysos gegen den Gekreuzigten!“ Mir ist unter allen Göttern, denen ich je erlaubt habe, zu leben, der Gott der Freude, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, mir ist ein junges Weib und ein alter Wein immer noch das Liebste.
      Von daher hasse ich per se Judenstern und Kruzifix, denn sie sind Ausdruck menschlicher Bosheit, niemals aber die Erscheinung einer Gottheit. (Deutsche Christen verstanden den Gröfaz als Offenbarung des Menschenfreundlichen)
      Egal ob ein Hetzer oder Hassprediger den Talar des Geistlichen, Richters oder Hochschullehrers trägt, keine Wunden kann heilen, solange in ihr mit schmutzigen Fingern herumgestochert wird. Und doch tun es einige in der ungarischen Gesellschaft und in den deutschen Medien. Einige, die den Rückenhalt ihrer „Verschwörung“ haben. Es ist wie es eben immer war.

  11. HV das freut mich.

    Peter Herche, wenn ich ein Posting schreibe, schaue ich nicht in meine Wörterbücher, sondern schreibe so wie mir der Schnabel gewachsen ist.

    Mich hat diese Diskussion ein wenig ermüdet,

    • herr pfeifer, das ist hoffentlich nur ein vorläufiger befund.morgen werden sie mit frischer kraft und freude wieder ans werk gehen – hoffe ich…

      es sollte sich hier niemand, der sich verantwortungsvoll dem thema widmen will, abhalten lassen seine ansichten mitzuteilen.

      erholsamen schlaf!

  12. g.stillt
    ich habe mir schon ein paar mal vorgenommen, aufzuhören. Wenn ich weitermache, dann nur wegen der Leser, die nicht Ungarisch können insbesondere Journalisten, die sich für dieses Thema interessieren.
    Aber es ermüdet und ich habe noch anderes zu tun, als hier zu posten.

  13. ich vermute, sobald versucht wird, sich ungarn auf seriösere (der begriff der seriösität scheint hingegen noch nicht abschliessend geklärt) weise zu nähern, kommt man irgendwann zwangsläufig auf diesen blog, der nicht zu letzt auch von ihrer präsenz lebt. bitte wägen sie ihre gedanken gut ab.
    ————————————-
    http://forum.spiegel.de/f22/demonstrationen-budapest-zehntausende-ungarn-protestieren-gegen-neue-verfassung-51268-10.html#post9402452

      • ich freue mich ihr interesse geweckt zuhaben.
        ————————————————-
        hermann lübbe sprach in einem interview mit der süddeutschen zeitung v 31.12.11 über für ihn bedeutsames in der nachkriegszeit, über geistige begegnungen und prägungen.

        zitat.“als fruchtbar empfand ich die rezeption der ergebnisse der positivistisch gewordenen soziologie, bis in die statistische vermessung der sozialen realität hinein. also derjenigen soziologie, die keinen generalanspruch auf generalkritik an der bestehenden gesellschaft erhob. das bedeutete die verabschiedung des pseudosouveränen kritizismus.“

        um wieder mehr aufmerksamkeit dem thema des beitrages zukommen zu lassen, möchte ich bitte fragen, ob hinsichtlich der vermessung der heutigen ungarischen sozialen realität forschungen oä verfügbar sind, an die wir, versuchsweise unideologisch, anknüpfen könnten.

  14. das hatte ich bereits so verstanden. danke für die bestätigung.

    ich wollte nun wieder mehr zu den inhalten des beitrages von herrn kálnoky zurückkehren…

  15. aus der übersetzung v
    http://hvg.hu/velemeny/20110105_kozelet_bayer_greczy
    https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/15/hvg-die-bayer-greczy-achse/

    „Der Wunsch nach Abwertung, Ausgrenzung Vernichtung der anderen Seite bestimmt die Wortwahl, und dieser Tonfall, dieser Stil – dies entnimmt man den Kommentaren – durchtränkt bereits die öffentliche Meinung, die öffentliche Sprache. Und man braucht kein großes Talent, um vorherzusagen, dass mit Zunahme der sozialen Spannungen solche Sätze die Stimmungen weiter verstärken, so dass diese sich neue Ziele suchen.“

    wie hoch schätzen die hier mitlesenden/-schreibenden das risiko der übergriffe auf „ausländer“, die in ungarn leben ein? dass bereits umzüge vonstatten gehen, oder solche geplant werden, kann man leider schon in den kommentarspalten der einschlägigen medien lesen.

    ehrliche frage – ehrliche antworten

  16. Ehrliche Antwort:
    Ich glaube nicht an ein höheres Risiko.
    Die meisten, die in „einschlägigen“ Medien ihren Weggang beschreiben, lebten oder leben überhaupt nicht in Ungarn.
    Die Weggegangenen, die ich kenne, sind meist (wirtschaftlich) gescheitert. Sie waren es vorher in Deutschland schon, wollten hier schnell reich werden, haben Fördergelder abgegriffen und ziehen jetzt weiter. Natürlich wieder „steuerfrei“.
    Übrigens, PL hat Ungarn schon vorher bestimmt nicht aus Angst vor Übergriffen verlassen.

  17. g.stillt niemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, kann irgendwelche Garantien geben. Das USA State Department schreibt u.a.: „In recent years, right-wing radical groups have gained popularity in Hungary due to their nationalist messages, which include intolerance towards Jews, Roma, and homosexuals. Although these groups are not explicitly anti-U.S., you should avoid public demonstrations and confrontations with their members. Be alert and aware of your surroundings, and pay attention to what the local news media have to say. In general, larger public demonstrations are announced under Demonstration Notices within the U.S. Embassy Budapest website.“
    http://travel.state.gov/travel/cis_pa_tw/cis/cis_1137.html#safety
    Obwohl ich Ungarisch wie ein Einheimischer spreche, mische ich mich, wenn ich in Ungarn reise nie in eine Diskussion ein. Man kann da in ungarischen öffentlichen Verkehrsmitteln sehr viel über die Stimmungslage lernen.
    Während der Kádárzeit ging ich in ein talponálló (gewöhnlich ein Kellerlokal, wo man stehend am Pult seinen Wein konsumiert) mit Freunden, bestellte zwei Deci Wein und hörte zu.

  18. Der Bericht von Heti Válasz berichtet über den Artikel von Koll Kálnoky sachlich.

    Frage, ob es Fidesz als gute Hebamme gelingen kann, Jobbik abzunabeln, d.h. ob Fidesz sich von Jobbik klar abgrenzen kann. Die bisherige Fidesz-Politik hat Jobbik nicht geschadet sondern genützt.

    • @Herrn Pfeifer
      Verstehe ich Sie richtig? Fidesz habe Jobbik aus der Taufe gehoben? Aus wessen Schoß kroch die „Bewegung“? War es eine unbefleckte Empfängnis? Bitte helfen Sie mir als Universalgenie aus!

  19. Ein hervorragender Beleg dafür, wie Recht Kálnoky hat:

    http://fn.hir24.hu/itthon/2012/01/09/gyulolet-hatja-at-magyarorszagot/~~belfold

    Im Forum geht es schon wieder hin und her: Es war Fidesz, nein! Die Liberalen! Und überhaupt sollen „Die Deutschen“ den Mund halten.

    Kálnokys Beitrag ist ein wichtiges Dokument, gerade wenn man die Reaktionen „aus dem Volk“ anschaut. Die Politik hat also offenkundig in den vergangenen Jahren „ganze Arbeit“ geleistet.

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