Kursgewinne bei Anleihen, erfolgreiche Auktion kurzfristiger T-Bills

Bloomberg-Meldung:

Hungary’s bonds and stocks rallied after the government sold the planned amount of debt at an auction on optimism Prime Minister Viktor Orban will be able to restart talks on an international bailout.

The government sold 40 billion forint ($161 million) of six-week Treasury bills. The average yield was 7.77 percent, compared with 7.24 percent at the last sale of that maturity on Nov. 28 and the highest (HBTB6WYA) yield since June 2009, according to data from the Debt Management Agency. The government’s 10-year bonds rose, pushing yields to their lowest level this year, while the benchmark BUX stock index rallied the most in six weeks.“

Zur vollständigen Meldung:

http://www.bloomberg.com/news/2012-01-09/hungary-s-six-week-borrowing-cost-rises-to-7-77-at-40-million-forint-sale.html

Die Lage bleibt weiterhin ernst. Ungarns Währung bleibt unter spekulativem Druck (von HV befragter Emerging Markets Händler geht – unabhängig von den IWF-Gesprächen – von weiteren kurzfristigem Verfall der EUR/HUF Parität aus). Entscheidend für ein Ende der aktuellen Negativspirale wird die Fähigkeit Ungarns sein, längerfristige Anleihen erfolgreich am Markt zu platzieren. Hier könnte ein „Stand-By“-Kredit des IWF als vertrauensbildende Maßnahme Wunder wirken. Für diesen verlangt der IWF Änderungen am neuen Notenbankgesetz im Sinne der Forderungen der EU-Kommission und der EZB.

Lars Christensen, der Chefanalyst der Danske Bank wird mit den Worten zitiert:

This government could end this stress tomorrow. Bond yields would be back at 6 percent in 24 hours if the Hungarian government enacted the right policies. They wouldn’t need the IMF.”

7 Kommentare zu “Kursgewinne bei Anleihen, erfolgreiche Auktion kurzfristiger T-Bills

  1. Welche Veräderungungen am Notenbankgesetz verlangt denn das IWF im Sinne der EU-Kommission und der EZB? Wieso will denn die ungarische Regierung auf die Forderungen nicht eingehen? Ich denke, das sind wichtige Hintergrundinformationen, die näher erörtert werden sollten…

    • @ Richter:

      Die EU-Kommission, die EZB und der IWF haben noch zwei wesentliche Punkte, die ihnen „nicht gefallen“.

      1. Die Erhöhung der Zahl der Mitglieder des Notenbankrates könnte zu einer Veränderung des Gewichtes in diesem Gremium führen. Und damit die Entscheidungen des Rates jedenfalls mittelbar für die Zukunft beeinflussen (Thema: „Unabhängigkeit). In diesen Komplex gehört dann auch die Frage, was man mit der neuen Mehrheit täte (z.B. Zugriff auf die Währungsreserven wäre möglich).

      2. Ein Teil der Kritik richtet sich gegen die im neuen Grundgesetz (kurz vor Jahreswechsel) vorgesehene Möglichkeit, Notenbank und Finanzaufsicht (PSZÁF) zu fusionieren. DIeser Schritt ist zwar für sich genommen unproblematisch, wie selbst András Simor im ATV-Interview sagte. Aber: Die Fusion würde zu einer neuen Struktur führen, die Chefs beider Institutionen blieben Vizepräsidenten der neuen Notenbank/PSZÁF, der Präsident würde neu gewählt. Auch hier befürchtet man, dass Orbán dieses Mittel nutzen könnte, um Simor zu entmachten.

      Was wichtig ist und in der deutschen Presse – wie immer – völlig fehlt: Die EZB und die Kommission hatten 15 Einwände gegen das neue Gesetz erhoben. 13 davon wurden laut Regierung unverzüglich, noch vor Verabschiedung, umgesetzt. Es ginge also um die letzten beiden Kritikpunkte. Was interessant ist: Das Notenbankgesetz sieht in seiner neuen Fassung vor, dass die Notenbank (neben dem primären Ziel der Preisstabilität) auch – soweit die ohne Gefährdung des Ziels möglich ist – die Wirtschaftspolitik der Regierung unterstützt. Dieser Ansatz ist ein wenig angelsächsisch (FED, BoE).

      Mal sehen, wie sich die Regierung verhält. Ich vertrete die Auffassung, dass es klug wäre, nachzugeben.

      • 1. Ich bedanke mich für die ausführliche Erörterung, denn diese Informationen werfen schon ein ganz anderes Licht aufs Geschehen.
        2. Es ist schon seit dem großen Wahlsieg von Fidesz bekannt, dass Herr Simor der nun regierenden Partei ein Dorn im Auge ist. Wie es schon seit Jahren in Ungarn üblich ist, werden regierungs- und somit parteinahe Personen in Führungspositionen postiert. Dies geschah bei der Ernennung Herrn Simors zur regierenden MSZP-Koalitionszeiten genauso, nehme ich mal an. Vor allem dadurch bestätigt sich dieser Verdacht, da Herr Simor alles andere als mit den Neuregierenden produktiv zusammenarbeitet, eher den Wünschen derer entgegengesetzt handelt. (Z.B.: Will Herr Orban den Leitzins gesenkt, erhöht Herr Simor diesen. Ungarn hat einen der höchsten Leitzinsen in Europa, wenn nicht sogar den Höchsten mit 7 Prozent! Die EZB hat einen Leitzins von 1 Prozent, nur so als Vergleich.) Nicht umsonst hat man die neuen Verfassung mit dieser Passage erweitert. Nicht umsonst will man dem IWF nicht nachgeben in diesen Punkten. Wenn es so schlecht um die wirtschaftliche Lage in Ungarn steht und man bei der Verbesserung keine Ergebnisse erzielt, bin ich der Meinung, dass Herr Simor und somit die ungarische Notenbank einen Großteil dazu beitragen, dass es auch so geschieht. Wie es aussieht, scheint der IWF eher zur Notenbank zu stehen als zur Nation, denn verhandelbar sind die Forderungen seitens des IWFs in diesen Punkten nicht. Wie soll man ein Land regieren, wenn die Notenbank der Regierung entgegenwirkt? – frage ich mich dann.

      • @ Richter:

        In einem Punkt haben Sie gewiss Recht: Nichts, also bestimmt auch nicht das Verhältnis Regierung-Notenbank, kommt in Ungarn ohne das übliche Feinddenken aus. Simor wurde 2007 zum Notenbankpräsidenten gewählt. Er ist eher SZDSZ- als MSZP-nah, in jedem Fall wird er von der Regierungsseite nicht gerade „geliebt“. Im Jahr 2009, als seine Offshore-Geschäfte öffentlich wurden, kritisierten Fidesz und sogar einige MSZP-Politiker Simor scharf und forderten seinen Rücktritt. Simor saß die Sache erfolgreich aus. Im selben Jahr wurde offen darüber gesprochen, dass auch die MSZP (!) Simor gegen einen „zuverlässigen Kader“ austauschen wolle: Das Ziel war damals, einen der „ihren“ auf den Posten zu setzen, den dieser dann bis 2015 hätte ausfüllen können.

        http://mandiner.hu/cikk/tobbparti_osszefogas_lehet_simor_megbuktatasara

        All das Theater hatten wir bei Járai auch schon. JEDE Regierung hat bislang versucht, am Stuhl eines von der „anderen Seite“ inthronisierten Notenbankchefs zu sägen. Es gehört zur politischen Folklore. In der Presse außerhalb Ungarns wurde hingegen die Abwahl von Zsigmond Járai im Jahr 2007 (dem selben Jahr, in dem er vom „Banker“-Magazin zum Notenbankchef des Jahres gewählt wurde…), die Erweiterung des Notenbankrates durch die MSZP/SZDSZ-Koalition im Jahr 2004 – so weit ich mich erinnere – keines Wortes gewürdigt. Es ist also vollkommen heuchlerisch, wenn die MSZP jetzt so tut, als läge ihr die Person Simors oder gar die Unabhängigkeit der Notenbank am Herzen.

        Wer von den heutigen Kritikern hat darüber berichtet, dass MSZP/SZDSZ während der Regierung Gyurcsány im Dezember 2004 das Notenbankgesetz geändert hatten, um vier weitere Mitglieder in den mönetären Rat (Notenbankrat) entsenden zu können? Frage an die Kritiker von heute: Welchen Zwecken dienten diese Neuentsendungen wohl?

        http://www.dip.hu/index.php?action=cikk&id=9740

        Járai trat damals entschlossen auf und vertrat die Ansicht, eine Erweiterung des Notenbankrates von neun auf 13 Mitglieder sei nicht erforderlich. Die Presse sprach von einem „Krieg“ zwischen MNB und Regierung Gyurcsány.

        http://index.hu/gazdasag/magyar/mt050131/

        Trotz allem: Faktisch wird die Regierung keine andere Wahl haben, als nachzugeben. Es sei denn, der IWF und die EU lassen sich überzeugen. Die Chancen dafür sind sehr gering… 🙂

      • @ Richter: Vielleicht noch ein Nachtrag. Ich bin ein Befürworter der Unabhängigkeit von Notenbanken, nicht etwa, weil ich der Ansicht bin, sie müssten eine Bastion der Opposition sein, sondern deshalb, weil die Geldpolitik STABILITÄT erfordert. Wenn eine Regierung als erste Maßnahme einen ihr genehmen Notenbankchef einsetzt, und sich dieses Spiel alle 4 Jahre (potenziell) wiederholt, dann ist auf die Geldpolitik kein Verlass mehr. Damit sage ich freilich nicht, dass ich den Kurs der MNB ohne Vorbehalte befürworte oder das Verhalten in der Vergangenheit (z.B. was die Fremdwährungskredite angeht) kritiklos hinnehme…

        Was die Zinspolitik betrifft: Die Notenbankaufgabe ist nicht, die Regierung zu unterstützen, sondern für Preisstabilität zu sorgen. Bei einem Verfall des Forint-Kurses ist es die übliche Reaktion, die Leitzinsen zu erhöhen, um den Kapitalabfluss zu und die sog. „importierte Inflation“ (Preissteigerungen durch die schwache Landeswährung) zu bremsen. Mit dem Kurs der EZB ist die MNB-Linie nicht vergleichbar, beide Zentralbanken arbeiten unter völlig anderen ökonomischen Vorzeichen.

        Meine Auffassung ist den Blog-Lesern bekannt. Der Forint ist noch immer, im Hinblick auf die Wirtschaftsleistung Ungarns, überbewertet. Wir bewegen uns also derzeit in einem weitaus realistischeren Band als seinerzeit, als der Forint um die 240 lag. Der einzige Grund, warum man die Währung nicht abwerten kann, war und ist die Kreditkrise der ungarischen Haushalte. Und an dieser trägt auch die MNB eine Mitverantwortung, sie hätte die Gefahren kommen sehen und entsprechende Empfehlungen aussprechen müssen (z.B. die Beschränkung der Eintragungsfähigkeit ausländischer Hypotheken im Grundbuch).

  2. Vielleicht sollte man über die Zusammenhänge zwischen dem wirtschaftspolitischen Konzept der Fidesz (das es ja mal gab) und die versuchte Zentralisierung der wirtschaftspolitischen Macht nachdenken, also die Notenbankreform und die wirtschaftsrelevante Kastration des Verfassungsgerichts.

    Letztlich, so scheint mir, handelt es sich um einen Ansatz, der davon ausgeht, dass die gegenwärtige Transformationskrise nur mit Massnahmen zu bewältigen ist, die eine straffere, weniger dezentrale politische Führung voraussetzen. (parteipolitische Fiesheiten und Opportunismen spielen sicher auch eine Rolle).

    Täusche ich mich, oder geht in der EU etwas Ähnliches vor? Straffere fiskalpolitische Gängelung, Reduzierung der Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Mitgliedsländer, Zentralisierung/Supranationalisierung? Um die Krise zu bewältigen?

    Und da tut sich ein Gegensatz auf, Ungarn will zwar zuhause straffer führen, nicht aber von aussen straffer geführt werden. Vielleicht eine Erklärung für den ganzen Lärm. Man muss/will an Ungarn ein Exempel statuieren, um eventuellen Widerstand anderweit zu brechen.

    • „Und da tut sich ein Gegensatz auf, Ungarn will zwar zuhause straffer führen, nicht aber von aussen straffer geführt werden. Vielleicht eine Erklärung für den ganzen Lärm. Man muss/will an Ungarn ein Exempel statuieren, um eventuellen Widerstand anderweit zu brechen.

      Selbstverständlich ist das so. Sie vermuten dasselbe wie Herr Szigatvári vom Standard und ich. Wir sehen – in wirtschaftpolitischen Fragen – die Konsequenzen eines Binnenmarktes, der nach Auffassung der EU nur funktioniert, wenn man sich an gewissen Grundregeln hält. Ob die jemals demokratisch aufgestellt wurden (Defizitziele usw.), überlasse ich der Einschätzung aller Diskutanten.

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