Guttenberg auf ungarisch…?

Der ungarische Staatspräsident Pál Schmitt ist unter Plagiatsverdacht geraten. Nach einem Bericht der ungarischen Wochenzeitung HVG soll er seine im Jahr 1992 abgegebene Dissertation größtenteils (180 von 250 Seiten) wortwörtlich abgeschrieben haben.

Der Focus berichtet:

http://www.focus.de/politik/ausland/plagiatsverdacht-gegen-praesident-pal-schmitt-ungarn-hat-nun-auch-einen-guttenberg_aid_701844.html

Zum Bericht der HVG:

http://hvg.hu/itthon/20120111_Schmitt_doktorija_akkreditacios_bizottsag

 

22 Kommentare zu “Guttenberg auf ungarisch…?

  1. Ein kleiner Unterschied ist wie gesagt, dass Herr Schmitt wohl kaum die Ctrl+c Methode benutzt haben wird. Das ehrt zumindest einen Arbeitsethos.. Immerhin 180 Seiten abzuschreiben ist auch ne Arbeit.. Andererseits wird es nun schwer für ihn, einen Verteidigungsstrategie á la Guttenberg zu fahren.. Denn einen gewissen Vorsatz könnte man ihm doch – wenn es stimmt- dann schon leichter unterstellen.

  2. Auch wenn das Plagiat ganz eindeutig bewiesen ist, bleibt Schmitt Präsident. Denn er ist, wie man in Ungarn sagt „der Kugelschreiber der Nation“. Orbán braucht keinen Intellektuellen, der evtl ein Gesetz nicht unterschreibt, sondern einen Befehlsempfänger.
    Schlecht dran sind in Ungarn die Satiriker und Kabarettisten, denn Schmitt macht ihnen das Leben schwer. Satire und Kabarett leben von der Übertreibung und das was Schmitt so treibt – zum Beispiel beim Schutz der ungarischen Sprache – kann unmöglich übertrieben werden.

  3. HV die Meldungen sind zwar sehr widersprüchlich. Ich glaube aber nicht, dass V.O. jetzt Schmitt fallen lassen wird. Er wird vermutlich auch nicht jetzt die Regierung umbilden.

    Interessant fand ich, dass aufgrund eines Vorschlags von Zsolt Bayer, guter Freund von V.O., am 21.1. eine Demonstration für den gegenwärtigen Kurs der Regierung stattfinden soll.
    Im heutigen Magyar Hirlap (Fidesz nahes Blatt im Eigentum von Gábor Széles, der auch zur Demonstration aufruft) ist ein Text erschienen von László Domonkos, in dem ich folgende Worte fand: „aggkori elhülyültségben szenvedő, operaház elé járuló szerencsétlenek […] magukat tudósítónak meg újságírónak tartó nyugati sajtópatkányok“
    „von der Verblödung des Greisenalters leidende, vor der Oper demonstrierende Unglückliche […] die sich selbst als Berichterstatter und Journalisten haltenden westlichen Presseratten“.
    http://www.magyarhirlap.hu/velemeny/gergelyesanyomtato.html

    In der Bibel steht zwar „Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren“, aber das wird halt von diesem Kämpfer für ein nationales-christliches Ungarn nicht beachtet, denn Bürger, die es wagen gegen die Regierung zu demonstrieren, meint er, können ja nur „von der Verblödung des Greisenalters“ leiden.
    Ein berühmter Franzose sagte „Le style, c’est l’homme“
    Wie der Stil, so der Mensch.

    • „Alles, du Ruhige, schließt sich in deinem Reiche; so kehret auch zum Kinde der Greis kindisch und kindlich zurück.“ (Schiller)

  4. *Interessant fand ich, dass aufgrund eines Vorschlags von Zsolt Bayer, guter Freund von V.O., am 21.1. eine Demonstration für den gegenwärtigen Kurs der Regierung stattfinden soll.*

    @Herr Pfeifer
    Wie bewerten Sie dann solch einen Aufruf???

    http://www.pesterlloyd.net/2012_02/02occupy/02occupy.html#.Tw_4n2i_fxo.facebook
    Ich hoffe nur, dass diejenigen die solche Aufrufe starten, auch in vorderster Front dabei sind.
    Zuhause vom warmen Sessel aus lässt sich gut Revolution machen.

  5. Kullancs, meine Bewertung: durchgeknallt. Ein Aufruf zur Gewaltanwendung ist kriminell.
    Doch darf man hier nicht Äpfel mit Bohnen vergleichen während wir es in diesem Fall, der „Revolutionäre“ mit anonymen durchgeknallten Randfiguren zu tun haben. sind Zsolt Bayer, Gábor Széles und Sándor Lezsák keine Randfiguren.

    • Haben Lezsák und Széles denn jemals zur Gewalt aufgerufen? Und hat Bayer – außer seinen Tiraden – das jemals getan (ich will diese Figur nicht verteidigen, frage Sie aber ganz direkt)?

      Wer zur Gewalt aufgerufen hat, waren z.B. der rechtsradikale Radaubruder László Torockai (Sturm auf das ungarische Fernsehen 2006) und auch György Budaházy. Ersterer wurde vor wenigen Tagen verurteilt, für im Jahr 2006 verursachte Schäden Ersatz zu leisten. Vom völlig abhängigen Obersten Gericht der „faschistoiden Diktatur“ Ungarn… (Achtung, Ironie!)

    • Herr Pfeifer,
      nun ob es sich hierbei um Randfiguren handelt kann ich nicht beurteilen.Ich verfolge nur die Verbreitung des Aufrufes im Internet (hiermit meine ich nicht PL )
      sondern andere Stellen, und dann nimmt es für mich schon bedenkliche Ausmaße an.
      Aber zumindesten beruhigend für mein Seelenheil, wenn Sie es auch kriminell finden.

  6. HV nirgendwo habe ich gesagt, dass der Aufruf von Bayer & Co kriminell wäre. Ich habe Kullancs geantwortet. Kriminell sind diejenigen, die zur Gewalt aufrufen. Ein Posting ist keine detaillierte Stellungnahme und wird schnell geschrieben. Daher kam es in diesem Fall zum Mißverständnis und zu Ihrer Frage, die ich gerne beantworte. Selbstredend hat Bayer nicht zur Gewalt aufgerufen.
    Eine andere Frage ist der Aufruf zum Hass

    Das wurde am 2. Jänner 2012 in Budapest bei den pro-Orbán Demonstranten aufgenommen. Da hetzt einer (wäre dankbar für die Identifizierung des Hasspredigers) gegen das Volk der Bibel, dem er alle möglichen negativen Eigenschaften zuspricht.
    Wenn jemand in Österreich solch eine Rede öffentlich abhalten würde, dann gäbe es eine Anzeige wegen Verhetzung und – wie die Praxis zeigt -auch eine Verurteilung.
    In Ungarn aber kann man anscheinend straflos solch eine Hetze betreiben.

  7. Bis dato gab es lediglich ein Dementi des Amtes des Präsidenten. Pál Schmitt befindet sich zur Zeit in Salzburg, aber ich nehme an, in ein-zwei Tagen muss er zu dem Thema öffentlich sprechen. http://www.galamus.hu bringt eine interessante Textanalyse, die die Unzulänglichkeiten der Doktorarbeit damit erklärt, dass der Übersetzter des bulgarischen Autors Georgijew zwar französich kannte, sich aber in der Sportterminologie unsicher bewegt hatte, und der Dissertant die Gallizismen ohne Korrakture beliess. Das Fehlen der Fussnoten, die Rechtsschreibmakel und die mangeldne Hinweise hätten schon damals die Jury dazu bewegen sollten, eine Überarbeitung vorzuschlagen, aber in keinem Fall „summa cum laudis“ vorzuschlagen. Die beiden Opponenten waren Mitarbeiter des Dissertanten im Olympischen Rat. Das ist der heutige Wissenstand, aber, wie man sagt, auditur altera pars.

  8. Eigentlich gibt es bei solchen Sachen keine Verjährungsfrist?
    Muss ich nun auch mein Diplom zurückgeben??
    Ich gestehe, mindestens aus 4 Büchern abgekupfert zu haben und am Schluss meiner Arbeit gab es „nur“ den Quellennachweis.
    Wenn ich mich gut erinner ,dann sind doch einige kleine „bűncselekmények“ vom Herrn Gyurcsány auch elévült?

    Aber das ist sicher was ganz anderes?

    • Lieber Kullancs, das ist tatsächlich etwas anderes.

      Man muss differenzieren: Einerseits die Frage, ob sich ein Promovend wegen Urheberechtsverstoßes strafbar gemacht hat. Hier gelten Verjährungsfristen.

      Anders ist die Frage zu beantworten, ob ein ertappter Plagiator seinen Titel behalten darf. Die Promotionsordnungen enthalten Regelungen zur Rücknahme der Promotion, wenn sich der Promovend später als dreister Plagiator erweist. Hier gibt es keine Verjährung.

      • In Deutschland sind solche Regelungen (seit den 1930 er Jahren?) standart. Wie sieht es denn in Ungarn aus? Nachdem, jetzt offiziell von „Textgleichheit“ frage ich mich schon, ob das folgenlos bleiben wird..

  9. Pingback: Staatspräsident Pál Schmitt verliert Doktorwürde « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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