Budapest: Großdemonstation zur Unterstützung der Regierung

Am Samstag, den 21.01.2012, fand in der ungarischen Hauptstadt Budapest eine Sympathiedemonstration für die ungarische Regierung statt. Schätzungen zufolge lag die Zahl der Teilnehmer des zwischen Heldenplatz und Parlament abgehaltenen „Friedensmarsches“ (békemenet) bei mindestens 100.000 Teilnehmern. Das Innenministerium sprach gar von 400.000 Teilnehmern.

An der Demonstration beteiligten sich auch Vertreter der Roma-Selbstverwaltungen und die fidesznahe Romaorganisation Lungo Drom.

Index.hu berichtete (inkl. Fotoschau):

http://index.hu/belfold/2012/01/21/kormanyert_is_tuntetnek_meg_ellene_is/

Presseschau:

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/429893_Ungarns-Freund-Feind-Schema.html

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/725889/AntiEUDemos-in-Budapest_Werden-keine-Kolonie-sein

http://derstandard.at/1326503417077/Massendemo-Wir-lieben-Viktor-Orban

http://derstandard.at/1326503388322/Budapest-Zehntausende-bei-Sympathie-Kundgebung-fuer-Orban

http://taz.de/Proteste-in-Ungarn/!86141/

62 Kommentare zu “Budapest: Großdemonstation zur Unterstützung der Regierung

    • „… aus der Provinz und aus dem Ausland mit Bussen nach Budapest gebracht, wobei es auch Meldungen gibt, dass Teilnehmer Geld dafür bekommen haben.“
      Entbehrt jeder Kommentierung.

      Und dieser Vergleich: Orbán-Kádár bzw. Fidesz-Demonstration / Kádár-Demonstration nach der Niederschlagung der Revolution 1956…
      Das finde ich – ehrlich gesagt – mehr als nur geschmackslos.

      • *aus der Provinz und aus dem Ausland mit Bussen nach Budapest gebracht*

        Sie wurden nicht gebracht, sie wurden herangekarrt (Hallo Mr. Mayer woran erinnert mich denn dieses Vokabular??? )
        http://derstandard.at/1326503417077/Massendemo-Wir-lieben-Viktor-Orban?seite=6

        und k ö n n t e ja sein, dass die Alten deswegen dort waren um sagen zu können: *Ja, ich war dabei. Es war ein große Veranstaltung, die sehr gut gelang. Ich hatte das Gefühl, noch einmal siebenundzwanzig Jahre alt zu sein. Denn zum letzten Mal hatte ich beim Volksaufstand 1956 in einer solchen Menge gestanden.*

      • „…wobei es auch Meldungen gibt, dass…“

        Ein sich in Vorurteilen ergötzender Journalismus vom Hörensagen. Eine Spezialität von Herrn Pfeifer, seinerzeit nannte er wenigstens noch die unsorgfältig arbeitende Quelle (Bericht hier). Die jetzige Bezugnahme erinnert nur noch an das „some people say“ von FoxNews.

  1. Es kommt immer darauf an, für was man demonstriert. Gegen die Regierung: Das ist Ausdruck von Demokratie. Für die Regierung: Marschieren für den Faschismus.

    • Einspruch Herr Kálnoky!

      Meines Erachtens zählt momentan überhaupt nicht, „für was“ demonstriert wird, sondern nur DASS man in die Schlagzeilen kommt.

      Im Filz aus Geheimdiensten, Mafia und Politik geht es eben lausig zu. Hier eine vorläufige Aufzählung der möglichen Akteure:

      – Pflanzenläuse (Sternorrhyncha)
      – Blattläuse (Aphidoidea)
      – Mottenschildläuse (Aleyrodoidea)
      – Tierläuse (Phthiraptera)
      – Menschenläuse (Pediculidae)
      – Kopfläuse (Pediculus humanus capitis)
      – Kleiderläuse (Pediculus humanus humanus)

      Vor allem aber ist es die Filzlaus, die Schamgegenden besiedelt und die jetzt, da Ungarn ins Zwielicht der Aufklärung geraten ist, überall krabbelt. Ich kratze mich jedesmal, wenn ich – wie heute um 6 Uhr – im Deutschlandfunk über Ungarn berichtet wird.

      Einspruch also, Herr Kálnoky!

      Es zählt nicht, für was die Leute auf die Straße gehen, sondern gegen wen sie krabbeln.

      (Liebe Grüße auch an Frau Marsovszky!)

  2. HV Danke, dass Sie auf meinen kurzen Bericht aufmerksam gemacht haben.
    Ich habe auch Harry’s Place ein paar Bilder gesandt und die finden Sie mit dem link zum einem interessanten Text auf
    http://hurryupharry.org/2012/01/23/hungarian-far-right-sponsors-pro-government-demonstration/
    Rudolf wollen Sie dementieren, was Fidesz nicht dementiert, dass es gelegentlich Demonstranten Geld bezahlt?
    Das ungarische Innenministerium brachte eine lächerliche Jubelmeldung über 400.000 Demonstranten und schrieb, dass dies einmalig sei. Ohne das zu erwähnen, machte ich darauf aufmerksam, dass Kádár am 1. Mai 1957 vor einer noch größeren Menge sprach.
    Kullancs ich habe nur eine Tatsache wertneutral berichtet, dass die überwiegende Anzahl der Demonstranten zur älteren Generation gehören.
    Kollege Kálnoky Nirgendwo habe ich die Demonstration, die Demonstranten oder die Organisatoren als Faschisten hingestellt.
    Die Organisatoren Zsolt Bayer und András Bencsik sind Rechtsextremisten, die nicht wenige antisemitische Texte publiziert haben. Und Gábor Széles ist der Besitzer zweier Hetzmedien. Wollen Sie das dementieren?

    • Herr Pfeifer, es gibt auf der Welt viele Politiker, die vor einer noch größeren Menge gesprochen haben. Z. Bsp. Obama. Ihre Parallele zu Kádár ist wieder einmal typisch und – so leid es mir tut – einfach nur niveaulos. Es ist auch klar, was Sie damit bezwecken wollen.

  3. Interessant wie resistent HV und Rudolf gegen das Argument sind, dass die Jubelmeldung des ungarischen Innenministeriums davon spricht, dass an dieser Demo 400.000 Menschen teilnahmen und dies unübertroffen sei.
    Nun ist es ein Fakt, dass am 1. Mai 1957 am Bpester Heldenplatz eine noch größere pro-Regierung Demo stattfand und das János Kádár dort eine Rede hielt.
    HV warum Sie da unbedingt ausländische Politiker erwähnen ist mir ein Rätsel. Aber zwei Budapester Demonstrationen wird man ja noch vergleichen dürfen. Sie unterstellen mir einen Vergleich Kádár mit Orbán, den ich aber nicht gemacht habe.

    Kádár habe ich nachweislich mit Rákosi verglichen und in einer Glosse festgestellt, dass Kádár viel mehr Ungarn hat aufhängen lassen als Rákosi. Auch das ein Fakt. War das auch ein Fehler? Oder wollen Sie nur Viktor Orbán unter eine Käseglocke stellen?

    • Herr Pfeifer, Ihr neu entdecktes Interesse für DETAILgenaue Recherche freut mich. Einen politischen Werbesatz möchten Sie anhand strikter Wortauslegung auf seinen Wahrheitsgehalt prüfen. Wenn Sie das tun, dann übersetzen Sie wenigsten diesen Satz richtig und verdrehen nicht – wie öfters – die Tatsachen: Die Aussage vom Innenministerium spriht von „emberemlkézetek óta“. Die heißt nicht, wie Sie hier das zu deuten versuchen, dass es so etwas „noch nie“ gab und dies „unübertroffen“ ist, sondern wörtlich übersetzt „seit Menschengedenken“ und in der allgemeinen ungarischen Ausdrucksweise „schon seit sehr Langem“.

      Ich hoffe, Sie kommen jetzt nicht – wie von Ihnen gewohnt – wieder damit, dass es dann wahrscheinlich zwei Versionen von einem einzigen ungarischen Satz gibt. 😀

      Wenn Ihnen nicht bewusst ist, wie geschmackslos es ist, diese Analogie zwischen der Situation 1957 und jetzt zu ziehen, dann ist diese Diskussion sowieso sinnlos.

      Eine Frage: zählen Sie die 20.000 Bewaffneten von der ÁVH (Kommunistische Staatspolizei, quasi „Stasi“) die dort aufmaschierten und die sonstigen wohl in der Nähe verstreuten Soldaten (auch sowjetische) bei Ihrer Abwägung mit oder nicht?

      Schließlich: Bitte um genaue historische Quelle, dass damals mehr Menschen anwesend waren, als jetzt. Danke.

      • „emberemlkézetek óta“ = ‚azóta, ameddig csak vissza lehet emlékezni‘

        „seit Menschengedenken“ = ’seit undenklichen Zeiten‘

        Azért van egy kis különbség nem?

        Als sich die selbst ernannte „demokratische“ Opposition Ungarns (Konrád, Dalos, Kenedi etc. ), die niemals (soha) vom ungarischen Volk zur Ausübung von Macht legitimiert worden ist, die statt dessen den selbstreformierten kommunisten aus der Hand gefressen hat, als die alle zusammen 2006 Ungarns Tragödie feierten, da waren doch wenigstens so viele Leute auf den Straßen von Budapest wie 2012 im Januar.
        2006 wurden die Demonstranten ….
        … und Cohn-Bendit hat geschwiegen.
        (Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesrepublik Deutschland übrigens auch. Das weiß ich gut und werde es meinem Schwager auch niemals verzeihen!)
        Alle, Ihr Publizisten und Journalisten (ausgenommen András Heltai-Hopp*) , ihr habt 2006 alle geschwiegen, aus Kalkül.

        Soha ne felejtsük! 2006 war vor denklichen Zeiten!

        *András Heltai-Hopp: Wegen der Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Paul Lendvai, Karl Pfeifer oder die Spiegel-Redaktion, denn die wissen, wer András Heltai-Hopp ist, bzw. war.
        (Pfeifer z.B. wurde unzählige Male aus der Volksrepublik Ungarn ausgewiesen! und dann immer wieder reingelassen! Nem zörög a haraszt, ha a szél nem fújja! Und wir wissen, was das bedeutet!)

    • „Zwei Budapester Demonstrationen wird man ja noch vergleichen dürfen.“

      In diesem Sinne: es gab in Wien eine sehr berühmte historische Kundgebung/Demonstration auf dem Heldenplatz, an der eine riesige Masse von Menschen teilnahm.

      Würden Sie es adäquat finden, jetzige Kundgebungen/Demonstrationen in Wien mit dieser damaligen Kundgebung zu vergleichen oder geschmackslos?

    • Letztendlich ist es aber auch vollkommen egal, wo mehr Menschen waren. Wenn Sie das glücklich macht und Sie sich dadurch besser fühlen, dass es bei der Kádár-Umgebung mehr Menschen anwesend waren, als letzten Samstag, dann gebe ich Ihnen gerne diese Genugtuung und nehme es einfach zur Kenntnis.

      Abstoßend, niveaulos und überhaupt nicht geeignet, zu der von Ihnen angeblich oft angestrebten Beruhigung der öffentlichen Sprache und der gegenseitigen Diskussionsbereitschaft beizutragen, ist lediglich jene Berichterstattung, die eine nicht ausdrücklich ausgesprochene, aber eindeutige Analogie zwischen der damaligen Situation und jetzt sowie zwischen Kádár und Orbán zieht.

      So viel dazu von meiner Seite.

    • Ich weiß nicht, durch was ich denn nun den Eindruck erweckt haben könnte, ich sei gegen Argumente „resistent“. Wie viele Menschen waren denn Ihrer ganz persönlichen Einschätzung zufolge bei der Demo dabei?

  4. Danke Rudolf für die Übersetzung. Natürlich kannte ich diese Aussage,
    aber sie stimmt nicht, denn viele Ungarn können sich an den 1. Mai 1957 erinnern, daher war es auch richtig den Vergleich zu ziehen.
    Mich interessiert im Moment, ob die hier postenden Schreiber etwas zu den Transparenten der Demo am 22.1. zu sagen haben. Die Diskussion darüber ob da auch die AHV aufmarschiert ist, ob denn die Fideszpolitiker, die Mitglieder der MSZMP waren, dazu gezwungen wurden von der AHV oder gar von sowjetischen Soldaten kann ein andersmal geführt werden.
    Thema ist, die Massendemonstration am letzten Samstag in Budapest.

    • Wenn ich Pfeifer wär, hätt ich bestimmt ein paar Transparente gemalt, die Spruchbänder dann abfotografiert und sie bei Hagalil reingestellt. Ich meine, wer von der Laufkundschaft lebt, muss sich eben was einfallen lassen.

    • Herr Pfeifer, wenn die Demonstration am letzten Samstag das Thema ist, warum schreiben sie dann über 1957 in Ihrem Artikel…

      Wenigstens haben Sie jetzt zugegeben, dass Sie einen Vergleich angestrebt haben. 😉 Diesen finde ich fehl am Platz.

      Ansonsten habe ich bei Ihnen den Faden verloren: was haben Fideszpolitiker mit 1957 zu tun? Die meisten waren noch im Kindesalter. Wer soll sie gezwungen haben?

      Ich habe einen Fehler gemacht, ich meinte nicht AVH, sondern Munkásôrség (Kommunistische Parteimiliz). Tatsache ist, dass Anfang Mai 1957 die Mitgliederanzahl vom Munkásôrség über 20.000 erreicht hat, gemäß Dávid Kiss bereits 30.000 ( http://epa.oszk.hu/00900/00995/00019/pdf/kissd09-3.pdf ), von denen ein nicht unerheblicher Teil am 01. Mai 1957 aufmarschiert ist. Meine Frage war: zählen Sie diese Herrschaften ebenfalls als Teil der Kundgebung? So kommt man nämlich ziemlich schnell auf eine hübsche Zahl an Leuten, die an der Demonstration „teilgenommen“ haben. 😉

  5. Rudolf, den Vergleich Heldenplatz 1938 und anderer Kundgebungen am gleichen Platz habe ich zig Mal in Österreich gelesen.
    Es wurde auch darüber diskutiert, wie viel Leute damals nach dem „Anschluss“ demonstriert haben. Die Kundgebung war in meiner Heimatstadt Baden bei Wien ein Straßenfeger, denn die „Arier“ durften gratis nach Wien und zurück fahren.
    All das ist in Österreich sicher nicht tabuisiert.

    Was aber ist Ihre Meinung zu den Transparenten, die da bei der Demo am Samstag getragen wurden?

    • Es geht nicht um ein Tabu. Es geht darum, dass ich, wenn irgendwer im heutigen Wien eine Demonstration veranstaltet, nicht sofort eine Parallele zur Kundgebung 1938 anstelle. So einfach ist das. Es sei denn, ich will damit etwas aussagen und die heutige Demonstration indirekt in die Nähe der historischen Rücken.

      Was erwarten Sie von mir, was ich zu den Transparenten sagen soll?

      Bin ich mit deren Inhalt einverstanden? Sicher nicht.
      Kann ich – wie Sie – aus Transparenten, die von bestimmten Personen (ich weiß nicht, von wievielen) getragen wurden, auf die Gedankenwelt von 100.000 bis 400.000 Menschen schließen und/oder – wie Sie – ableiten, dass diese Menschen alle „durch den völkischen Gedanken“ mobilisert wurden und sich Orbán Viktor absichtlich von Antisemiten „bejubeln lässt“, um „sein Scheitern als großen Erfolg zu verkaufen“ und hiefür Demonstranten bezahlt? Sicher nicht.

  6. Mir bereitet es durchaus Sorge, dass offenbar viele nationalistische, europafeindliche Transparente zu sehen waren, wenngleich das eigentlich wenig verwunderlich ist angesichts der Organisatoren. Die Regierung bekam anscheinend auch Applaus aus einer Ecke, in die sie normalerweise selbst nicht gestellt werden möchte. Da ich nicht vor Ort war, würde mich interessieren, wie zahlreich die zweifelhaften Aufschriften (jedes zweite Schild oder jedes zehnte?) tatsächlich waren und ob die in kritischen Presseberichten zitierten Schriftzüge als typisch für das Denken eines durchschnittlichen Teilnehmers gelten können.

    • Nun es ist schwer,aus der Menge heraus eine allgemeingültige Aussage zu treffen.Eins ist sicher, daß dort wo ich mich befand weit und breit kein hier kritisiertes Transparent zu sehen war.Die „gewagteste „Aufschrift war:Wir wollen keine Kolonie werden (soviel Meinungsfreiheit darf doch sein, oder? )
      Die hier kritisierten Aufschrift(en) waren Randerscheinungen.
      Wenn man allerdings das Symbol des Kreuzes anprangert, davon waren viele zu sehen.
      Eines möchte ich dazu noch klar stellen, das schreibe ich nicht, um irgend eine Partei oder was auch immer positiv hervor zu heben.Wenn es so wäre, dann könnte ich ja die Frage aufwerfen:Wer hat solche Transparente getragen?Von wem waren die „Träger“ denn bezahlt????
      Man sieht, ich hab aus der deutschsprachigen Presse gelernt.
      Übrigens ICH bin parteilos und wäre da nicht hingegangen, wenn man sich von allen Seiten her etwas „mäßigen“ würde.

  7. Ungarnfreund, um Ihre Frage gewissenhaft beantworten zu können, wäre es notwendig gewesen eine repräsentative Umfrage zu machen. Ich glaube nicht, dass dies geschehen ist.

    Die Tatsache, dass schon die Anführer dieser Demonstration hinter einem Spruchband gingen, auf dem stand, dass Ungarn keine Kolonie wird, spricht Bände.
    In der Regel sorgen die Organisatoren auch bei sehr großen Demonstrationen dafür, dass unerwünschte Transparente nicht mitgetragen werden.
    Wenn das am Samstag nicht passiert ist, dann hat das eine Bedeutung.

    Sie haben Recht, die Regierung möchte nicht, dass im Ausland der Eindruck entsteht, den diese Transparante ausstrahlen, hingegen stört es sie nicht im Inland, denn da befinden sie sich in Konkurrenz mit Jobbik und möchten dieser Partei „den Wind aus den Segeln“ nehmen.

    Falls Sie Ungarisch lesen, empfehle ich Ihnen den folgenden Artikel
    http://velemenyvezer.blog.hu/2012/01/23/bekemenet_a_nyugdijba.

  8. *Die Tatsache, dass schon die Anführer dieser Demonstration hinter einem Spruchband gingen, auf dem stand, dass Ungarn keine Kolonie wird, spricht Bände.*
    Spricht Bände?
    @Herr Pfeifer,
    es wäre nett, wenn Sie mir dies bitteschön erklären könnten.
    Nicht das mit den Anführern sondern das mit der Aufschrift?
    Welches Gedankengut verbrirgt sich dahinter?? völkisches?

    Persönlicher Nachtrag:
    Damit es nicht zu Verwirrungen kommt, schreibe ich „Frau“ Kullancs jetzt unter einem anderen Namen weiter.
    Herr Kullancs (der sowieso kaum geschreiben hat und der auf der Demo war) bleibt Kullancs.Wir haben nur einen PC mit einer Fix-IP ,nicht dass man dann auf den Gedanken kommt eine Person würde unter 2 Namen schreiben.

      • @Herr Kalnoky,
        eine solche Aussage war ein schwerer Fehler wie man sieht;hat Ihnen (bisher ) 8 fette Minuspunkte eingebracht 😉
        nicht das zu guter letzt das noch parteipolitisch ausgewertet und Ihnen angekreidet wird.
        weil turó rudi =
        ein wenig rot, ein wenig braun und wenns darauf ankommt aber innerlich weiß

        Meine persönliche Analyse wäre eher:Ist eh alles Quark 😉

      • Selten so wonnig vor mich hin gegrinst 😉

        Vielleicht auch acht progressive Geister, die als Zeichen ihrer Fortschrittlichkeit keine Kinder haben und daher keinen Sinn haben für die wahren Freuden der Kindheit.

  9. Turorudi,
    das ist einfach nur primitiv. Denn Ungarn ist Mitglied der EU geworden. Und gerade dann, wenn V.O. als Bittsteller nach Brüssel fährt, sollte man nicht diejenigen als Kolonialisten beschimpfen, von denen man Geld leihen möchte, man sollte auch nicht das Logo der EU in den Abfalleimer werfen.
    Aber die ziemlich schlauen Fideszpolitiker denken, es wäre sehr intelligent diejenigen zu beschimpfen und lächerlich zu machen, von denen man dann doch Hilfe und Verständnis erwartet.
    Schon möglich, dass diese von den Demonstranten selbst fotografierte Transparente nur von bezahlten Provokateuren getragen wurden, dann aber haben die Veranstalter sehr schlampig gehandelt und die Teilnehmer der Demonstration sich nicht gegen diese „Provokateure“ gewehrt. Warum wohl?

  10. Turó Rudi,
    es ist nicht nur primitiv sondern auch entlarvend, wenn man für sich Massen mobilisieren läßt, um gegen einen angeblichen Kolonialismus der EU zu protestieren, wenn man gleichzeitig bei der EU und beim IWF, die man zuvor beschimpft hatte, um Kredit bittet.
    Hatte nicht V.O. noch vor kurzer Zeit vom östlichen Wind gesprochen und schon den Untergang des Westens erwähnt?
    Mit den Schlagwörtern von Jobbik auf die Straße zu gehen könnte wie ein Bumerang Fidesz treffen.

  11. 100.000 zu mobilisieren ist ein bischen schwierig Karl Pfeifer. Ich denke, da waren die meisten freiwillig und aus eigener Entscheidung da und wurden nicht mobilisiert. Die Ungarn (um konkreter zu sein: der Großteil der Wähler) standen bei den letzten Wahlen hinter Fidesz und stehen immernoch, so wie dieser friedliche Aufmarsch es uns, im Ausland lebenden, deutlich darlegt. Vielleicht ist die Zustimmung unter der Bevölkerung gesunken, mag sein, aber Sie sollten nicht den Teufel schon wieder an die Wand malen…

    • Und in den Medien wird natürlich jetzt gar nicht erwähnt, dass beim Friedensmarsch in Budapest am Samstag (20. Jan.) Hunderttausende FÜR die neue Verfassung und die Politik der Regierung demonstriert haben.
      Die „Süddeutsche Zeitung“ hat kurz von 10 Tausenden gesprochen – die sollten vielleicht einen Crashkurs in Mathematik belegen.

      Für Barroso und co. geht es nicht um Politik, sondern um das eigene Wohl der Nomenklatura, die sich´s in Brüssel bequem gemacht hat. Die holt sich dann ihre Genossen in Schein-Auswahlverfahren ins Boot.
      Die Hymne Europas, vormals Beethovens Ode an die Freude, ist jetzt Die Internationale 🙂

  12. Ich bin mit Herrn Pfeifer einverstanden darin, dass es schwer geht gegen den „Kolonialismus“ zu demonstrieren und gleichzeitig den Rettungsanker der EU/Imf in Anspruch zu nehmen. Wenn dies Hunderttausende frewillig taten, dann irrten sich eben Hunderttausende. Um mal bildlich zu sein, sieht es so aus, als hätte Nikolaus Zrinyi zu seinem berühmten letzten Schlacht bei Szigetvár 1566 zuerst ein Kredit bei dem Sultan aufgenommen, um seine Heldentat finanzieren zu können. Obwohl ich mich über die bevorstehende Anleihe als ungarischer Bürger mich erleichtert fühle (schliesslich sind wir einer drohenden Staatspleite entgangen), stört mich sehr die Doppelzüngigkeit, mit der die Regierung nach aussen ihre Kompromissbereitschaft betont und nach innen den Geist des Widerstandes gegen Europa schürt. Ich befürchte, dass daraus neue Konflikte entstehen werden. Dabei bin ich kein Agent der westlichen Banken, nur Anhänger einer ausgewogenen Realpolitik. Glaubwürdig wird Viktor Orbán nur, wenn er die Korrektur seiner Politik auch nach innen vollbringt. Das Bild ist übrigens nicht meiner Phantasie entsprungen, sondern ich war in Budapest an dem Sonnabend und sah unter anderem eine Transparent mit der Sündenliste des Westens beginnend mit der Schlacht bei Mohács, über 1849, 1920 (Trianon) und 1956, die dann mit dem aktuellen Konflikt 2012 endete. Eben diese Sichtweise betrachte ich als verhängnisvoll für die Nation.

    • Lieber Herr Dalos,

      die Strategie im Bezug auf die Berichterstattung über den „Friedensmarsch“ war aus meiner Sicht durchaus ein Zeichen für die einseitige Parteinahme.

      1. Es begann mit dem Ansatz, die Zahl der Teilnehmer gegenüber den Protesten von Anfang Januar kleinzureden („einige Zehntausend“).
      2. Zusätzlich wurden die Teilnehmer als „Alte“ und Radikale Gruppen umschrieben. Ohne diese Teilnehmer bagatellisieren zu wollen, so sollte man doch kritisch hinterfragen, ob sie tatsächlich den Grundtenor bildeten, wie uns das K.P. mit seinem Hagalil-Beitrag und Anti-Orbán-Blogs mit der so geistreichen Anspielung auf „Jubel-Szekler“ und „Alibi-Roma“ weismachen wollen. Schön zu wissen, dass bestimmte Kreise sich die Definitionshoheit anmaßen, beurteilen zu können, wer die „Roma“ und wer die „Alibi-Roma“ sind. Erinnert doch sehr an Karl Pfeifers Ausspruch vom „nützlichen Hofjuden“.
      3. Als die große Zahl der Teilnehmer offenkundig wurde (man betrachte z.B. die Zeitraffer-Aufnahme),

      wechselte dann die Strategie: Plötzlich war es eine bestens von Fidesz durchorganisierte Veranstaltung bezahlter Büttel. Die sogar englische und deutschsprachige Transparente mit sich führten.

      Ich denke, man sollte sich schon für etwas entscheiden. Entweder ein paar unorganisierte alte Deppen, oder aber die gesamte Macht des autoritären Regimes…both things hardly mix :-).

      Zudem halte ich es für falsch, über 100.000 Menschen pauschal vorzuhalten, sie würden sich irren. Vielleicht irren sich ja auch einmal diejenigen, die seit Jahren ihr Bild von Ungarn quasi-monopolistisch verbreiten dürfen?

      Ich glaube daran, dass die Menschen nicht nur „Pro-Orbán“ auf die Straße gingen, sondern eben auch deshalb, weil sie die Art und Weise des Umgangs mit diesem (ja!) Land nicht weiter billigen. Vielen Ungarn missfällt der Tonfall, in dem über das Land gesprochen wird. er Druck, der auf eine demokratisch gewählte Regierung ausgeübt wird. Sie billigen nicht, dass einige wenige, die ihrer Stimme stets und überall Geltung verschaffen können, zum Sturz einer demokratisch gewählten Regierung (die zweifellos vieles falsch macht) aufrufen, wie dies György Konrád und Chales Gati taten. Sie billigen es vielleicht auch nicht, wenn es so dargestellt wird, als würden sie stumm (und dumm) zusehen, während ihre Heimat zur „Diktatur“ verkommt. Vielleicht fragen sich die Menschen auch, warum die Erhöhung die Zahl der „Regierungsvertreter“ bei der Notenbank plötzlich ein EU-rechtliches Problem ist, wenn doch 2005 exakt dasselbe passierte und dies keinen gestört hat? Oder warum die „Experten“ einem Wahlgesetz hinterherheulen, das mit der krassen Ungleichgewichtung der Wahlkreise Schluss macht und dafür sorgt, dass (übrigens den Vorgaben der Venedig-Kommission entsprechend) die Stimmen eines jeden Wahlbürgers in etwa gleich viel wert sind und nicht, wie bisher, der Wähler in Veszprém dreimal so viel Stimmgewicht hatte wie der in Szigetszentmiklós – zu diesem mehr als fragwürigen alten Wahlrecht las ich bisher keine erzürnten Beiträge im Standard oder in der SZ. Obwohl das alte Wahlrecht den Vorgaben des Verfassungsgerichts nicht entsprach.

      Vieles, was geschrieben wurde und wird, ist weit jenseits der Grenze des guten Geschmacks. Vielleicht ist es weniger die Orbán-Hörigkeit als die Unzufriedenheit mit dem verbalen Dauerfeuer, die die Zahl der Teilnehmer so ansteigen ließ. Macchiavelli funktioniert mitunter halt auch ohne Obrigkeit.

      Glauben Sie nicht, Herr Dalos, dass die großen Persönlichkeiten wie Konrád, Lendvai, Heller und andere, die aus ihrer politischen Ablehnung gegenüber Orbán keinen Hehl machen, dadurch mehr für die fehlende Diskussionskultur und letztlich auch das Land erreichen könnten, wenn sie den erhobenen Zeigefinger gegenüber den vermeintlichen obrigkeitshörigen Ungarn (letzteres Originalaussage von Ágnes Heller) einmal außen vor ließen? Ich erwarte von Holocaustüberlebenden, wie einer meiner Vorredner, keine unbestechliche Objektivität und kann die Sorge um Garden und Betyár Seregek und Antisemitismus verstehen. Ich erwarte aber von Personen mit einer solchen Vita die Fähigkeit, zu differenzieren.

    • Lieber Herr Dalos,

      Ihre Bemerkung kann man im Grunde auf einen Satz reduzieren: Wer da demonstriert hat, ist dumm oder verblendet.

      Das ist genau die Geisteshaltung, die der SZDSZ zum Verhängnis wurde, eine Art intellektuelles Hohepriestertum. Es ist auch nicht sehr demokratisch: Wenn da so viele demonstrierten, haben sie ein Anliegen, dass es erstmal zu verstehen gilt, bevor man sie als dumm beschimpft.

      Ich fürchte übrigens ebenfalls einen Backlash gegen die EU und in dem Zusammenhang eine Stärkung von Jobbik. Dafür mögen Sie Orbán die Schuld geben, vergessen Sie aber nicht die eigene: Die Linke hat über offene Briefe an Gott und die Welt versucht, die ungarische Innenpolitik zu internationalisieren, mit großem Erfolg. Das Ergebnis ist eine Reaktion der Gegenseite gegen das, was mit einigem Recht als internationale Intervention gegen Ungarns demokratisch gewählte Regierung wahrgenommen wird.

      Die EU versucht derzeit erstmals, ihr Lissabonner Instrumentarium auszuprobieren. Ungarn ist dafür eine Premiere. Das ist wohl der Grund, warum viele in Ungarn den Eindruck haben, an dem Land soll ein Exempel statuiert werden gegen europäisches Abweichlertum.

      Insofern ist es für die EU wichtig, die Erfahrung zu machen, dass die Bürger solcherart gemassregelter Länder die EU als undemokratisch empfinden können – ich hoffe, man lernt in Brüssel daraus, denn wer da Unarns Demokratie vor den Bürgern retten will, hat ja derzeit selbst unter dem Vorwurf eines Demokratieabbaus zu leiden.

      • Richtig, Herr Kálnoky. Und um das Bild abzurunden, behauptete der jüngst zum EU-Parlamentspräsidenten gewählte Martin Schulz, in der EU gebe es „keine inneren Angelegenheiten“. Herr Schulz übersieht dabei zwar den Geist des EU-Vertrags und die Rechtsnatur der Union, aber es klingt doch schön und machtvoll. Oder schauerlich, wenn man bedenkt, dass die EU kaum über Institutionen verfügt, die demokratisch legitimiert sind… Und auch die demokratische Legitimierung des IWF könnte man ja einmal diskutieren.

        Natürlich gibt es innere Angelegenheiten. Und ein Mediengesetz, eine Verfassung, eine Wirtschaftspolitik hat nur so lange etwas mit der EU zu tun, wie gegen dortige Grundsätze verstoßen wird. Das entscheidet aber gewiss nicht Herr Schulz, Herr Swoboda, Herr Cohn-Bendit oder Guy Verhofstadt oder ein paar Privilegierte, die sich jederzeit Gehör verschaffen können. Und ganz gewiss auch nicht die Allianz, Electricité de France oder die Deutsche Telekom, auch wenn die Briefe an die Eu-Kommission und an EU-Parlamentarier versenden.

        Ich war gestern überrascht, ein Exemplar des Sonderbands „Quo Vadis, Hungaria“ der Zeitschrift Osteuropa in den Händen zu halten. Paul Lendvai pries das Werk und seine ca. 30 Essays gestern im Standard „als Pflichtlektüre für jeden Außenminister“ etc. Man kann nur lauthals lachen, wenn man sich die Mehrheit der „Experten“ ansieht, die dort zu Wort kommen: Koenen, Vásárhelyi, Rényi, Kiszelly, Rogalska, Halmai, Rudolf Ungváry…der gesamte „Anti-Orbán-Tross“. Zwei Ausnahmen mache ich: Herbert Küpper und Krisztián Ungváry, ich kenne beide und halte sie für ausgezeichnete Experten auf ihrem Feld. Und ihre Beiträge unterscheiden sich in Argumentation und Tonfall deutlich vom Rest des Einheitsbreies.

        Trauriger Tiefpunkt des Bandes ist der Beitrag von Kristina Koenen, die (Zitat) „die Welt, wie Orbán sie sieht“ aufzeigen will – und dabei doch nur aufzeigt, wie sie selbst auf die Welt blickt. Selbstkritik? Fehlanzeige. Wir erinnern uns, wer Koenen ist: Die Dame, die mehrfach wahrheitswidrig behauptet hat, István Stumpf verfüge über keinen Juraabschluss und werde Verfassungsrichter. Wenn so etwas „Pflichtlektüre“ der Politik und Redaktionen ist, weiß ich, welche Art von Berichterstattung und welche Art von Umgang mit Ungarn Herrn Lendvai am Herzen liegt: Der Stil Jean Asselborns.

  13. Bei einer Demonstration, an der weit mehr als hunderttausend Menschen teilnehmen gibt es in der Regel eine große Zahl und eine große Vielfalt an Transparenten. Egal, wie jemand eine solche Demonstration sehen oder darüber berichten will, die passenden Bilder lassen sich schon finden.

    Diejenigen, die erst die Anzahl der Teilnehmenden nicht wahrhaben wollten, versuchen jetzt die Teilnehmenden als Deppen oder Extremisten darzustellen. Es waren tatsächlich Transparente dabei, die diese Sicht der Dinge untermauern können. Nur wenn man verstehen will, warum die überwiegende Mehrheit an dieser Demonstration teilgenommen hat, dann ist diese Betrachtunsweise irreführend.

    Wofür und wogegen diese Menschen demonstriert haben, ergibt sich in erster Linie aus dem Aufruf zur Demonstration und aus dem allgemeinen Stimmungsbild. In dem Aufruf zum „Friedensmarsch“ ist keine Rede vom Kolonialismus. Extremistische Ansichten sind im Text auch nicht zu finden. Es geht vielmehr um die Sorge, dass es in der internationalen Öffentlichkeit als Folge von lügnerischen und befangenen Presseberichten eine Stimmung entsteht, die der ungarischen Wirtschaft und den Menschen in Ungarn zunehmend Schaden zufügt.

    Im Aufruf nicht enthalten, aber Tatsache ist, dass in den Wochen vor dem „Friedensmarsch“ in der westlichen Presse zunehmend der Eindruck erweckt wurde, die Regierung hat die Unterstützung des Volkes verloren, die Regierung regiere gegen das eigene Volk. Die Demonstration war auch Antwort auf diese Behauptung.

  14. *Vieles, was geschrieben wurde und wird, ist weit jenseits der Grenze des guten Geschmacks. Vielleicht ist es weniger die Orbán-Hörigkeit als die Unzufriedenheit mit dem verbalen Dauerfeuer, die die Zahl der Teilnehmer so ansteigen ließ. *

    Ein ganz hervorragendes Beispiel ist dafür das hier:

    Wie Ungarn die Kritik an ihrem Land erleben
    http://www.sueddeutsche.de/politik/wie-ungarn-die-kritik-an-ihrem-land-erleben-fuer-orbn-ist-die-eu-nur-theater-1.1261507?commentCount=36&commentspage=5

    Beim Durchlesen des Artikels hab ich dann mal (einige) Links angelickt. u.a. den Link in diesem Text

    *Eine Entwicklung, die „nichts Gutes für uns bedeutet“, sagt der Übersetzer Péter Mesés, der unter anderem Hannah Arendt ins Ungarische übertragen hat und im Internet publiziert*
    http://www.commmunity.hu/

    Beim Lesen des Textes über Farkas,Florian dachte ich dann, ja wo bin ich denn hier gelandet.?Sind das die „Demokraten“ , die nur das Beste für das Volk wollen??
    Das da niedergeschriebene (bei der Abstimmung) ist ja in meinen Augen purer Rassimus.
    Aber wenn’s den eigenen Zielen, dient dann wohl schon mal erlaubt??

  15. Lieber HV, lieber Herr Kálnoky, ich habe nicht mehr und nichr weniger behauptet, als dass eben auch Hunderttausende einem Irrtum zum Opfer fallen können. Dabei spüre ich nicht das leiseste Gefühl einer Überlegenheit und betrachte mich auch nicht als Hohepriester. Ganz genau: Die von der Regierung parallel zu ihrer Einlenkung suggerierte Konfrontation mit der EU halte ich für das Land gefährlich. Selbstverständlich kann Ungarn versuchen, seinen Interessen in einzelnen Fragen Geltung zu verschaffen – dies tun auch andere EU-Mitgliedstaaten – aber sein Spielraum ist einfach zu eng, um dabei Erfolge zu erzielen. Es stimmt übrigens, dass der Aufruf zur Demonstration friedlich und gemässigt klingt, der einzige Schönheitsfehler sehe ich in der initiativen Rolle von Bayer und seines Stabs von Magyar Hírlap. Über die Zahl der Teilnehmer möchte ich nicht diskutieren, da wird in Ungarn immer manipuliert. Gehen wir davon aus, dass es mehr Demonstranten gab als am 2. Januar gegen die Regierung und dass die Kundgebung ebenso eine legitime demokratische Willensäusserung war, wie der Protest der Opposition.

    • Lieber Herr Dalos,

      Es ist sehr gut möglich, dass Fidesz den Weg einer indirekten taktischen – nicht strategischen! – Stimmungsmache gegen die EU beschreiten wird, und dass die Demo ein Auftakt dazu war. Das ist tatsächlich riskant, riskant ist aber auch die Überhärte der EU gegen Ungarn, und riskant ist auch der Weg den Sie und andere, Herr Dalos, in Ihrem Fall noch dazu halbherzig, mit diesen offenen Briefen beschritten, deren Inhalt Sie offenbar trotz Ihrer Unterschrift nicht ganz teilen. Sie sagen das begrüßenswerter Weise ja auch ganz offen.

      Wer ist Schuld an der Radikalisierung in Ungarn? Wenn alle ehrlich wären, müßten derzeit fast alle sagen: Ich. Ich. Ich.

  16. Lieber Herr Kálnoky, ad halbherzig: Das bin ich wirklich, im Sinne ambivalent. Ich möchte auf diese Regierung mit meinen bescheidenen Mitteln Druck ausüben, denn sie keine Rücksicht auf die von ihr selbst verkündete demokratische Spieregel nimmt. Sie sprechen in Budapest nur mit der einen Seite, ich bin aber konfrontiert mit den Opfern dieser hemmunglosen Machtpolitik, mit den Entlassenen, Verleumdeten und Gedemütigten. Ob nun die EU zu hart zu Ungarn ist, weiss ich nicht, vielmehr habe ich den Eindruck, dass sie sich im Vergleich zu Griechenland oder Italien sogar sehr tolerant benimmt. Ich möchte also Druck ausüben, um die Verhältnisse erträglicher zu machen, ich will aber nicht, dass das Land durch seine unverantwortliche und abenteuerliche Regierung in Mitleidenschaft gezogen wird. Ich bin nicht mit allem einverstanden, was über uns im goldenen Westen geschrieben wird, und wenn Sie das nicht glauben, bitte, schauen Sie im http://www.hetivalasz.hu das Echo meiner ausländischen Erklärungen, wobei diese Wochenschrift mir nicht gerade wohlgesonnen ist. Ich halte die Partei Fidesz seit 2002 hauptverwantwortlich für die Hasskultur, selbst wenn die Linke daran auch nicht unschuldig ist. Und ob die Hetze gegen die EU nur taktisch und nicht strategisch gemeint sei, sie schadet dem Land, für dessen Vertretung Fidesz ein Monopol in Anspruch nehmen will. Und solange sie das tun, solange ich in deren Augen als „fremdherzig“ gelte, fühle ich mich geradezu verplichtet, mit den Gegtenkräften solidarisch zu bleiben.
    Damit aber ich nicht nur schlechte Nachrichten mitteile, erlauben Sie mir zu schreiben, dass Miklós Bánfys Siebenbürgenroman „Die Schrift in Flammen“ bei Zsolnay, in der Übersetzung von András Oplatka erschienen ist.

    • Und ich halte die korrupten Linken für die Hasskultur verantwortlich, die obwohl sie ertappt wurden, nicht mal von ihrem Posten weichen wollten, trotz Massendemonstrationen! Es wurde übles dem ungarischen Volk angetan, gerade in den letzten Jahren der Linksozialistischen Regierung, dass hat eine Hasskultur hervorgebracht, die aber auf die Intoleranz dieser Art von Machtmissbrauch beruht. Die Linkssozialisten hatten ihren Absturz bei den Neuwahlen und das haben sie mehr als verdient! Und jetzt spielen sie den Unschuldslamm und mahlen tag-täglich Horrorszenarien an die Titelblätter. Hasskultur ja, aber da weht der Wind aus der sogennanten „Linkssozial-liberalen“ Ecke. Denn was die Treiben ist alles andere als sozial.

      • Meinen Sie mit „Linkssozialisten“ die sogenannten Sozialisten in Ungarn? Die sind weder links, noch Sozialisten oder Sozialdemokraten im herkömmlichen Sinne. Trotzdem haben diese sogenannten Sozialisten dafür gesorgt, dass eine Partei, die sich als links oder sozialistisch definiert in absehbarer Zeit in Ungarn nicht mehrheitsfähig werden kann. Wobei das klassische links-rechts Schema in Ungarn sowieso nicht funktioniert. Die sogenannten Sozialisten sind Grosskapitalisten, und obwohl Orbán seinen Wahlsieg als historischen Sieg über die Sozialdemokratie feierte, ist Fidesz in vielen Dingen gar nicht so weit von der klassischen Sozialdemokratie. Dieses Durcheinander bietet Raum für gewaltige Missverständnisse.

      • Genau Herr Halász und diese Missverständnisse sind die Fallen des Westens. Denn die Leute im Westen haben immernoch nicht verstanden, dass Fidesz die eigentlichen Sozialdemokraten sind, die versuchen das Bürgertum und die Mittelschicht zu stärken und die Famillien als Grundaustein einer gesunden Gesellschaft zu fördern. Die sogenannten Sozialdemokraten, die eine herbe Niederlage bei den letzten Wahlen erleidet haben, weil sie auf Grundeis gelaufen sind, werden nur noch von den westlichen Medien als solche angesehen. Die Ungarn selbst haben schon deren wahres Gesicht erkannt… Ihre Metodik gleicht zu sehr den der Kommunisten. 😉

  17. Sie sind nicht fremdherzig, Herr Dalos. Bánffy gibt es nun auf Deutsch? Von Oplatka? Ich habe daran Ungarisch lieben gelernt, (mein Bruder anhand der Károlyi Gáspár Bibel, aber das ist kein weiter Sprung 🙂

  18. Erstaunlich für mich ist z.B., dass man von offenen „Briefen“ die Prof. Béla Lipták an Obama und György Konrad schreib kaum etwas liest???

    Das verwundert dann schon….irgendwie!

    oder das alle Mitglieder des „Professzorok Batthyány Köre“

    Klicke, um auf index.php zuzugreifen

    alles verblendete Deppen sind??
    Kann ich mir kaum vorstellen.

  19. Die Europäische Union hat drei Vertragsverletzungsvrefahren gegen Ungarn eingeleitet ( wegen Unabhängigkeit der Zentralbank, Altersgrenzenherabsetzung bei Richtern und Staatsanwälten sowie wegen der Unabhängigkeit der Datenschutzbehörde) – und plötzlich spricht keiner mehr über das Mediengesetz…

    Die Sozialisten und die Grünen sind unglücklich darüber, dass ein konservativer Politiker an der Macht ist. So ist es zu erklären, warum der neu gewählte sozialdemokratische EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sich vorstellen kann, Ungarn in letzter Konsequenz sogar das Stimmrecht zu entziehen.

    Daniel Cohn-Bendit ist ein Scharfmacher gegen die Fidesz-Partei, die seit dem Wahlsieg über eine Zweidrittelmehrheit im Land verfügt.
    Er warf Orbán vor, eine stalinistische Verfassung umgesetzt zu haben!!!

    Die Stimmung der Linken gegenüber Ungarn bezeichnete Polens Ministerpräsident Donald Tusk als „zeitweise hysterisch“. Er sei vollkommen überzeugt, dass Ungarn weiterhin an europäischen demokratischen Standards festhalte. Es gebe keinen Grund, derart alarmiert zu reagieren wie einige politische Gruppen.
    Und Polens Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski wurde gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa noch deutlicher: „Die EU hat sich nicht am vorherigen Regime gestört, das ein riesiges Haushaltsdefizit hatte. Jetzt, wo Demokratie und grundlegende Ordnung nach Ungarn zurückgekehrt sind, stören sie sich an Ungarn.“

  20. Ob sich die Menschen irrten?? Volkesmassen gegen eine EU-Diktatur zeugen eher von einem kritischem Denken breiter Bevölkerungsschichten.
    In Westeuropa ist eine solche Bewegung kaum vorstellbar, da die gesteuerte Einheitspresse die Gehirne lahmlegt, „1984“ ist Realität. Wir, die wir im „goldenen“ Westen leben,sind zufrieden, bequem und glücklich – oder haben es zu sein.
    Ein Volk, welches sich nicht gegen Verblödung wehrt, verschwindet aus der Geschichte. Ungarn hat zweifellos große Probleme, die es aber nicht zur Gänze allein verschuldet hat. Das Land hat Anspruch einen eigenen Standpunkt zu vertreten! Befehle aus Brüssel, mitsamt einer Absetzung der Regierung Orbán löst die Probleme nicht; es sichert nur die Interessen raffgieriger Geschäftemacher. Gläubiger der Staatsschulden und internationale Konzerne nahmen kaum Rücksicht und haben die Situation voll ausgenutzt. Jetzt verstecken sie sich hinter der EU und zeigen durch ihr skrupelloses Verhalten ihr wahres Interesse an Ungarn.

  21. Unverschämt finde ich die Berichterstattung der deutschen Presse. Eine Demonstration in Budapest (1,7 Mio. Einwohner) die mindestens 100.000 Menschen (wobei die Schätzung der Regierung durchaus realistisch scheint, schaut man sich die Bilder der Demo an und bedenkt über welche Fläche sie sich erstreckte) wird regelrecht totgeschwiegen, mindestens kleingeredet. Demonstrieren aber 50.000 Menschen in Moskau – die Stadt hat mehr als 11 Mio. Einwohner – gegen die russische Regierung, dann wird von einer Massendemo gesprochen. Weder im Verhältnis zur Größe der jeweiligen Stadt noch absolut, ist die Demo in Moskau ein Vergleich zu der in Budapest. Ganz ehrlich: nach den Erfharungen mit der Berichterstattung über Ungarn und solchen Maßstäben, glaube ich kein Wort mehr was die deutschen Medien über die Situation in Russland berichten. Es ist einfach nicht mehr zu erkennen was noch wahr ist und was erlogen… Ich glaube das ist ein Armutszeugnis für die Medien.

    • Palóc, zum Thema „Armutszeugnis“ passt folgender Beitrag – finanziert auch durch Ihre Gebührengelder. Beginnt mit der Aussage: „Zuerst die gute Nachricht: Ungarn ist fast pleite.“

      http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1552590/Europa-plus-vom-2601.2012

      Dass man von Protesten gegen die Regierung spricht, aber eine Sequenz des Friedensmarsches für die Regierung bringt, will ich hier gar nicht kommentieren. Ebensowenig die Tatsache, dass die MSZP-Vorgängerregierung als „Sozialdemokratie“ bezeichnet wrd und die Népszabadság als Garant für eine realistische Lagebeschreibung herhalten darf.

      • Danke für den Link. Und wieder verwöhnt uns Deutschland mit einem Beitrag ohne wirkliche Fakten, zumindest soweit es Ungarn betrifft…

      • ZDF-Europa plus, das ist Journalismus vom Feinsten!

        Glaubwürdigkeitsprobleme hat das ZDF zum Glück nicht. Wen wundert das? Fairerweise kommt auch der EP Abgeordnete Schöpflin kurz zu Wort. Als Kontrapunkt zu Gergely Marton.

        Gergely Marton?

        Ach ja, der ist das. 2011 auf dem Medienkongress von taz. und Freitag war er schon mal mit denen zu sehen:

        http://nrwkino.de/img.php?src=/upload%2Fimages%2Ftazkongr.JPG&width=500

        v. links n. rechts: G.M. Tamás, Barbara Oertel (Moderation), Agnes Heller und Gergely Marton

        Glaubwürdigkeit pur!

      • Diese Gattung von Dokumentation habe ich schon fast vergessen. Früher, in meiner Jugend in einer kommunistischer Diktatur habe ich sowas oft genug gesehen. Uns wurden damals ähnliche Filme über den Westen gezeigt. Die Gattung heißt Propagandafilm.

      • „Dass man von Protesten gegen die Regierung spricht, aber eine Sequenz des Friedensmarsches für die Regierung bringt, will ich hier gar nicht kommentieren.“

        Einige Minuten später (4:20) spricht die Moderatorin doch noch vom Friedensmarsch: „Am Wochenende gab es dann auch Demonstrationen für Orbán“. Während sie das sagt, wird ein Foto gezeigt, auf dem eine EU-Fahne verbrannt wird. Das Bild ist allerdings nicht vom Wochenende und nicht von der Demonstration für die Regierung, sondern von der Anti-EU Demonstration der rechtsextremen Jobbik am 14. Januar. Auch hier ist jeder Kommentar überflüssig.

  22. Die Oppositionsdemo war wohl zu bescheiden, da nimmt man lieber Aufnahmen der Pro-Orbán Veranstaltung, um zu zeigen wie eine wahrhaft eindruckvolle Demo aussieht, und sagt halt dass es gegen ihn war?

    Nein das kann nicht sein. Das wäre ja geistig Prawda.

    Ich schätze mal, da vergriff sich jemand im Archiv oder es war falsch inventarisiert. Es ist ja nicht so dass die Leute, die diese Beiträge machen, etwas davon verstehen müssen. Dafür werden sie nicht bezahlt.

  23. „… die Zahl der Teilnehmer des zwischen Heldenplatz und Parlament abgehaltenen “Friedensmarsches” (békemenet) bei mindestens 100.000“

    Hurra, die Rettung der letzten hunderttausend total verdummten ist nah.
    Nach dem 26.September werden sie wissen, was wirklich in diesem Land vor sich geht.(wirklich? und aus wessen Sicht?), denn dann wird in der Doku „Nationale Träume. Ungarns Abschied von Europa?“ darüber aufgeklärt.

    Irgendwie hatte ich den Verfasser dieser Aussage schon richtig vermisst.
    http://kurier.at/nachrichten/4511342-lendvai-kampf-gegen-dummheit-dauert-ewig.php

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