Jerusalem Post über das „Israel-Gefühl“ Ungarns

Ein interessanter Beitrag über das heutige Ungarn ist in der Jerusalem Post zu lesen. Es geht um die Kritik an Ungarn und das oftmals – auch im Zusammenhang mit der heutigen Regierung – aufgeworfene Thema Antisemitismus:

http://www.jpost.com/Features/FrontLines/Article.aspx?id=254396

Der Verfasser, Herb Keinon, wirft die These auf, Ungarn bekomme gerade ein Gefühl dafür, wie sich Israel fühle: Missverstanden und verzerrt.

 

25 Kommentare zu “Jerusalem Post über das „Israel-Gefühl“ Ungarns

  1. Bemerkenswert, dass die Jerusalem Post deutlich nüchterner und aktenorientierter berichtet als manch ein deutschsprachiges Blatt. Antisemitisus wird zutreffend als bestehendes Problem in Ungarn angesprochen, aber die übliche Feindseligkeit fehlt.

  2. Ja, das ist ein interessanter Vergleich, der allerdings vom gleichen Missverständnis geprägt ist: es ist nicht „Ungarn“ oder „Israel“, dass sich missverstanden fühlt sondern die ungarische Regierung und und die israelische Regierung. In beiden Ländern gibt es große Bevölkerungsteile, die die Kritik teilen und für ein „anderes Ungarn“ stehen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: wie schon oft gesagt, kritisiere ich, wie dieser Blog, die z.T. uniformierte, undifferenzierte, teilweise platte oder sogar falsche Berichterstattung in der internationale Presse. Das ändert aber nichts daran, dass sich die derzeit Herrschenden in Ungarn sich die Kritik selbst zuschreiben müssen, genauso wie die wechselnden israelischen Regierungen. Und im Gegensatz zu Israel, dessen Politik von innen- und außenpolitischen Zwangslagen geprägt ist, hat FIDESZ völlig ohne Not einen Scherbenhaufen angerichtet.

  3. Christian Boulanger, danke für Ihren ausgezeichneten Kommentar.

    Ich würde ja die Lage Ungarns eher mit der von Österreich während der ersten Regierung Schüssel vergleichen. Die EU-Staaten haben sehr zart der österr. ÖVP-FPÖ Regierung mitgeteilt, dass sie die Beziehungen herabstufen. Lange dauerte das nicht, weil ja die Einstimmigkeit der damaligen österr. Regierung ermöglicht hätte die EU lahmzulegen.
    Schüssel aber auch die FPÖ haben keine Massendemonstration veranstalten lassen, weil sie genau gewußt haben, dass eine solche – im Gegensatz zu den Demonstrationen der Gegner – nicht zu kontrollieren gewesen wäre.
    In Ungarn aber will Viktor Orbán sein Scheitern als großen Erfolg verkaufen. Da scheut er sich nicht davor zurück, sich von einer Demo bejubeln lassen, Zsolt Bayer und András Bencsik (beide Journalisten publizieren u.a. auch antisemitische Texte) organisiert wurde.
    Wer sich nur die dummdreisten nationalistischen Transparente (eines davon sogar grob antisemitisch) dieser anschaut, bekommt bestätigt, wie der völkische Gedanken mobilisieren kann.
    Heti Válasz, die Fidesznahe Wochenzeitung erwähnt die „leninistische“ Berliner Tageszeitung Junge Welt und den Wiener Kommunisten W.P. weil der ja einiges so sieht wie die ungarische Bevölkerung.
    http://hetivalasz.hu/vilag/a-negativ-hangulatnak-megvannak-az-okai-45105/

    Die Ertrinkenden, die sich am nationalbolschewistischem Strohalm klammern.

  4. „Das ändert aber nichts daran, dass sich die derzeit Herrschenden in Ungarn sich die Kritik selbst zuschreiben müssen (…) Fidesz [hat] völlig ohne Not einen Scherbenhaufen angerichtet.“

    Herr Boulanger hat eine wirklich interessante Sichtweise. Seine Schlüsse beleben die polarisierte und konfuse Debatte.

    War das Scherbengericht von Strasbourg als Auftakt zur ungarischen EU-Ratspräsidentschaft tatsächlich nur eine Inszenierung des Orbán-Regimes?

    http://www.journal.lu/2011/01/19/strasburger-scherbengericht/

    „Munera nunc edunt et, verso pollice vulgus cum iubet, occidunt populariter“

  5. irgendwie ist das wieder eine Pauschalierung.
    Man sollte sich mal vorstellen, das sogar Leute auf der Demo waren, die selbst von Bayer nicht viel halten.unglaublich oder??
    die sogar ihre Fahrkarte selber bezahlt haben und gaaanz freiwillig mit dem Zug gefahren sind und die, man höre und staune auch junge Leute gesehen haben.
    Wenn allerdings alt über 40 anfängt, ja dann war die Mehrheit alt, geb ich zu!!
    Hab übrigens noch ein hübsches Foto gefunden

  6. Liebe Frau Széchenyi verstehe ich Sie richtig, Sie finden diesen idiotischen Vergleich passend? Wollen also Orbán & Matolcsy keine Anleihen bei der EU-Bank und beim IWF ( auch eine Bank) aufnehmen?

  7. LIebe Frau Széchenyi,
    Tatsache ist, dass Viktor Orbán drauf und dran ist, die Bedingungen der EU und des IWF zu erfüllen. Wenn er das tut, dann werden wahrscheinlich andere diese Transparente bei einer zukünftigen Demo tragen.
    Es ist ja ein sonderbarer Antikapitalismus, der von einem Milliardär wie Gábor Széles vertreten wird.

  8. Und Gyurcsány Ferenc zählt ebenfalls zu den reichsten Ungarns. Ungefähr der 50. auf der Rangliste. Apropos: Millardäre sind sie, aber nur in Forint, auf Euro Ebene: Millionäre.

  9. Klar Forint Milliardäre, da ja in Ungarn die Währung Forint heißt.
    Gyurcsány gibt aber keinen kruden Antikapitalismus von sich.
    Orbáns Familie gehört auch zu denen, die sich enorm nach der 1. Ministerpräsidentschaft von Viktor Orbán bereichert haben.

      • Orbáns Familie – „enorm bereichert“

        Das passt zu seiner völkischen Diktatur.
        Ich habe übrigens auch was Tolles gehört: Orbáns soll gar nicht so heißen. Seine Familie heißt Orsos.

        (Jetzt müssen wir nur noch ein Netzwerk und eine deutsche Denkfabrik mit Beratungsservice für Bundesregierung und EU-Kommission gründen. Wir laden Herrn Dalos und Frau Marsovszky zum Gespräch und verteilen in Strasbourg VIAGRA. Und wenn die die völkische Diktatur der Familie Orsos uns wenigstens nicht die Köcsögduda nimmt, dann singen wir im europäischen Konsens:

        D´Zigeiner san kumma,
        (…)
        Was hast für a Not?
        D´Orbáns san kumma.
        Und de mach ma heit dod!

        (Konstantin Wecker möge mir das hier verzeihen!)

  10. HV über die Bereicherung der Familie Orbán hat auch Élet és Irodalom eine interessante Dokumentation veröffentlicht.

    Aber wenn J. Debreczeni die Unwahrheit geschrieben hat, weshalb hat dann die Familie Orbán ihn nicht wegen übler Nachrede geklagt?

    • Das Übliche…ich setze etwas in die Welt, und wenn man sich dagegen nicht wehrt, dann muss es die Wahrheit sein. Klassische Propagandaschule. Ich finde es bemerkenswert, dass gerade Sie so denken.

      Mit dieser (durch und durch falschen) Logik könnten Sie Paul Lendvai fragen, warum er nicht gegen Heti Válasz geklagt hat, als man dort in den Raum stellte, er sei ein Spitzel für das Kádár-System gewesen. Wie ist Ihre Antwort, Herr Pfeifer? Beweist das Nichtergreifen rechtlicher Schritte irgend etwas?

  11. HV Sie haben mich überrascht. Anfang der 90er Jahre, als die ersten Lügen und Verleumdungen über meine Person in ungarischen Medien erschienen, schrieb ich einen Brief an die Redaktion und bat um Berichtigung. Als dann nicht berichtigt wurde, hätte ich mich natürlich an ungarische Gerichte wenden können, tat das nicht, weil meine Zeit kostbar ist und ich diese nicht in ungarischen Gerichten verbringen wollte. In Österreich war das anders, da habe ich nicht die Beschuldigung, ich hätte mit einer Rezension, die ich 1995 schrieb einen Menschen 2000 in den Selbstmord getrieben auf mich sitzen lassen. Da mußte ich dann auch vorgehen gegen die Republik Österreich und gewann 2007

    Ich kann nicht für P.L. sprechen, da müssen Sie ihn schon direkt fragen.

    Aber ein ungarischer Ministerpräsident V.O. der es auf sich sitzen läßt, dass man ihn und Familie beschuldigt, auf krummen Weg zu einem riesigen Vermögen gekommen zu sein, nachdem er Ministerpräsident wurde, hat natürlich eine andere Qualität.

    • Ich denke, ich habe jetzt die Logik von K.P. verstanden:

      1. Behauptet man etwas über Viktor Orbán, und wehrt er sich nicht dagegen, so ist die Behauptung bewiesen.
      2. Behauptet man etwas über Paul Lendvai, und wehrt er sich nicht dagegen, so ist die Behauptung nicht bewiesen.

      Denn beides hat „natürlich eine andere Qualität“.

      Danke für die Erläuterung.

  12. HV also nocheinmal, ich schrieb ich kann nicht für P.L. sprechen, da müssen Sie ihn fragen.
    „Aber ein ungarischer Ministerpräsident V.O. der es auf sich sitzen läßt, dass man ihn und Familie beschuldigt, auf krummen Weg zu einem riesigen Vermögen gekommen zu sein, nachdem er Ministerpräsident wurde, hat natürlich eine andere Qualität.“

    Wenn dann diese Beschuldigung noch von einem ehemaligen Berater kommt, dann ist es seltsam, wenn die Familie Orbán dazu schweigt.
    HV in Österreich macht das Strafgesetz eihen Unterschied, ob üble Nachrede eine Privatperson oder einen Amtsträger betrifft und ich nehme doch an, dass es auch in Ungarn so ist. Genau das meinte ich mit anderer Qualität.

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