Multimillionär Ferenc Gyurcsány zieht in den Plattenbau…

Diese Meldung ist kein Scherz.

Ferenc Gyurcsány, laut Jubilanten aus Übersee der „Tony Blair Ungarns“, seines Zeichens Ex-Ministerpräsident und auf Platz 50 der reichsten Ungarn, Miteigentümer einer während der stalinistischen Rákosi-Ära enteigneten und dem hochrangigen Parteifunktionär Antall Apró (dem Großvater von Gyurcsánys Ehefrau Klára Dobrev) zugewiesenen Villa in den schönen Hügeln von Buda, Eigentümer eines Landhauses nahe des Plattensees…zieht für ein paar Tage in einen Miskolcer Plattenbau.

Presseberichten zufolge haben Gyurcsány und die Führungselite seiner neuen Partei „Demokratische Koalition“ (DK) die Koffer gepackt und sind zu Gastfamilien in die Plattenbausiedlung Avas in Misklolc (Avasi Lakótelep) gezogen. Gyurcsány und seine Mannen (eine Frau ist auch mit von der Partie) wollen, jedenfalls nach ihrer Darstellung, die Realität, die Luft des ungarischen Alltags, spüren. Der sieht für viele Menschen so aus:

Die Avas-Plattenbausiedlung in Miskolc

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der als Ministerpräsident „glücklose“ (Zitat Gregor Mayer) Gyurcsány versucht im Rahmen einer Charmeoffensive der anderen Art den Beweis zu erbringen, dass er „nah am Menschen“ ist und – ganz nebenbei – im Sportleibchen (neudeutsch: „Peitsche“) gut aussieht, wenn es die Kamera von ihm verlangt. De jó fej, ez a Feri! (Fotogalerie).

Gyurcsány im Plattenbau: Volksnähe eines Multimillionärs (Quelle: HVG.hu)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist bestimmt reiner Zufall, dass in der Umgebung des Avas spätestens im Frühjahr „Zwischenwahlen“ stattfinden. Denn eine solche, auf Show angelegte, dümmlich-oberflächliche Art des Wahlkampfes wäre ja schließlich Populismus, und Populisten gibt es, wie wir von den willigen Presseattachés der ungarischen Opposition wissen, nur bei Fidesz.

Immer wieder schön zu sehen, wer als potenzieller Heilsbringer in den Startlöchern steht. Man stelle sich vor, der SPD-Aspirant für die Kanzlerkandidatur, Peer Steinbrück würde nach Marzahn ziehen. Man würde ihm den Vogel zeigen.

37 Kommentare zu “Multimillionär Ferenc Gyurcsány zieht in den Plattenbau…

  1. Jeder TV-Trainer für Politiker sagt immer als Erstes. Möglichst eine rote Krawatte oder sonst etwas Rotes, es sei denn man ist nicht das Alphatier und muss neben jemand Wichtigeren zurückbleiben; oder sehr staatsmännisch wirken.

    Das ist die seit langem durchdachteste Tasse in jemandes Hand.

    • Eine Büchse „Borsodi Sör“ wäre glaubhafter. Aber im Ernst: Die Farben der Adidas-Streifen auf seiner Schulter, das sind die Nationalfarben Ungarns!! Werft die Druckerpresse an, das ist „kruder Nationalismus“!!!

      • Man beachte auch die Aufschrift auf dem T-Shirt des Odachgebers.
        Dimmu Borgir

        *Zu jener Zeit sprach er sich auch für die kriminellen Aktivitäten anderer norwegischer Bands aus[1], befürwortete Todesstrafe und schärfere Einwanderungsregelungen[2] und bestätigte auf Nachfrage, dass Black Metal seiner Meinung nach nur für Weiße sei und fügte hinzu, er würde „gerne jeder schwarzen Person auf der Welt die Kehle durchschneiden.“
        aus wikipedia

        Aber ich bin klein, mein Herz ist rein
        und denk mal an nix schlechtes

  2. Übrigens ist laut ATV auch József Debreczeni, einer der Haupt-Kronzeugen gegen die Regierung Orbán, Orbán-Biograf und „Publizist“, bei dieser Aktion mit von der Partie. Derjenige Debreczeni, der in der deutschen Presse ungestört das Märchen verbreiten dufte, die Regierung Orbán berufe Nichtjuristen in das Verfassungsgericht.

  3. HV vielleicht wäre es gut eine Liste der ungarischen Multimillionäre zu veröffentlichen.
    Da waren doch ausser F.G. noch einige die nach der Wende Multimillionäre wurden..
    Werden in Ungarn werden wieder die Ideen des Gottfried Feder vom schaffenden und raffenden Kapital neu belebt?

    Schaffendes Kapital, das ist Simicska, Széles und einige andere, die V.O. unterstützen, dann gibt es natürlich das böse raffende Kapital von F.G.

  4. HV nun am Samstag demonstrierten doch die Massen auch hinter einem Transparent „Spekulatives Großkapital, genug davon!“ Vielleicht hat Sie das inspiriert Gyurcsány „vorzuwerfen“ ein Multimillionär zu sein.
    Es gibt also schlechte großkapitalistische Multimillionäre wie F.G. dafür gibt es aber auch gute nationalgesinnte fideszbegeisterte Multimillionäre wie László Baldauf, Präsident der ungarischen Supermarketkette CB A

    Hier können Sie seinen „Artikel“ lesen:

    Und da wird Baldauf kritisiert
    http://maria.blog.hu/2012/01/24/agymosas_a_cba_ban?utm_source=bloghu_megosztas&utm_medium=facebook&utm_campaign=blhshare

    • Herr Pfeifer, es ist einfach unbeschreiblich, wie Sie hier einen Zusammenhang zwischen irgendeinem unredlichen Transparent von irgendwem und Hungarianvoice ohne jegliche Grundlage herbeizaubern. Was bezwecken Sie damit?
      Geht dies wieder nach dem Motto „Ich behaupte mal was und wenn HV diesen Zusammenhang nicht dementiert, dann ist da sicher was dran.“ ?

      • Herr Pfeifer meint auch, Gyurcsány gebe keinen „kruden Antikapitalismus von sich“.

        Die neue Devise: Stehle es, dann wird es legal!

  5. Ich stelle mir gerade vor, wie denn die „Presse “ reagiert hätte, wenn V.O. sich neben einem Dimmü Borgir T-Shirt Träger fotografiert worden wäre??

  6. Rudolf. Ich bin Ihnen wirklich dankbar, dass Sie da nachhaken und fragen und beantworte gerne Ihre Frage.

    Es geht darum, dass es in Ungarn eine antikapitalistische Stimmung gibt. Wenn also angemerkt wird, dass Gyurcsány ein Multimillionär ist, dann hat das mit dieser Stimmung auch zu tun. Denn in Ungarn wird wirklich „raffendes“ und „schaffendes“ Kapital unterschieden, d.h. Gyurcsány wird als ein böser raffender Multimillionär dargestellt, während natürlich die Multimillionäre rund um V.O. als gute „schaffende“ Kapitalisten hingestellt werden, die hier auf HV – soweit ich mich erinnern kann – nie negativ thematisiert wurden
    Da wird e i n Multimillionär, der auch Politiker ist, deswegen kritisiert, weil er in eine Panelwohnung gezogen ist und damit seiner Arbeit als Politiker nachkommt.
    Gyurcsány ist Reibebaum, er kann nichts richtig machen, wenn er in seiner Villa lebt, dann hat er keine Ahnung vom ungarischen Alltag, geht er aber in ein Wohnviertel, um eine Ahnung zu haben, ist das auch ein Grund um ihn herunterzumachen.
    Gyurcsány hat als Regierungspolitiker arge Fehler gemacht und kann dafür sachlich kritisiert werden, aber die hier zum Vorschein kommende Häme befremdet.

    • *Gyurcsány hat als Regierungspolitiker arge Fehler gemacht und kann dafür sachlich kritisiert werden, aber die hier zum Vorschein kommende Häme befremdet.*

      Irgendwie kann man in diesem Fall den Namen Gyurcsány mit dem Namen Orbán austauschen ….dann geht die Gleichung auf.
      und diese Häme reicht bis Amerika 😦

  7. Naja, G.F. ist schon ein sehr schlechter Komödiant, um es noch wohlwollend auszudrücken, …aber Mut hat er.
    Ob sich O.V. nach vielleicht 8 Jahren Regierungszeit auf die Strassen einer Plattenbausiedlung traut, werden wir sehen.
    …bisher zumindenst traut er sich nicht einmal auf die Strassen von Budapest, wenn der Wind nur etwas gegen ihn weht.

      • woher der Wind weht, kommt darauf an wie man sich stellt. So wie er sich (dar)stellt, ist es Rückenwind.

    • „G.F. hat Mut“… klingt schön. Ob er, als hochmütiger Wichtigtuer mit linken Ideen und rechter Lebensweise die hoffnungslos, stumpfen Gesichter in manchen „modernen“ Altersheimen gesehen hat? Begreift er, wie öde sich manche Zeitgenossen fühlen, junge vor allem? Ich bezweifle es.
      Die Aktion „Plattenbau“ mag vielleicht Lob und Anerkennung bringen, aber im Grunde ist es reine Augenauswischerei.

  8. Werter Kollege Kálnoky,
    2000 ging die neue schwarz-blaue Regierung in Wien im Kellergang vom Bundeskanzleramt am Ballhausplatz zum Amt des Bundespräsidenten am Ballhausplatz, um ja nicht die Demonstranten sehen zu müssen.
    Viktor Orbán & Co taten das gleiche vor der Budapester Oper.
    V.O. hat keine besondere Courage gebraucht, um ins EU-Parlament zu gehen. Damit konnte er sich vor seiner Anhängerschaft als Verteidiger von Ungarn stilisieren. Und das ist ihm qued auch gelungen.

  9. Gyurcsány auf Wahlkampftour auf dem Avas. Ein junger Mann, der – inmitten der älteren Generation – seinen Unmut über den Ex-Premier kundtut, wird als „schmieriger Schweinebengel“ (mocskos disznó kölyök), als „Ratte“ (patkány) und „Made, Ungeziefer“ (féreg) beschimpft:

    Hoffentlich meldet sich Magdalena Marsovszky ob der „Entmenschlichung“ des politischen Gegners zu Wort.

  10. Ich schaute mir das hier angegebene Video an. Das Video zeigt nicht, was vorher geschah, es fangt an, mit einem jungen Mann der ein Transparent packt und weggeht, der als Wurm (féreg) beschimpft und gefragt wird was er dafür bezahlt bekam

    Doch die von HV als Bona Fide Quelle angegebene Északhirnök website bringt auch einen Bericht einer Pfeilkreuzlerwebsite gleich als Hauptnachricht. „Die Misklolcer Pfeilkreuzler haben eine Tour im Bükk unternommen.“ (A miskolci nyilasok túráztak a Bükkben 2012. január 29. vasárnap, 18:47 )
    http://eszakhirnok.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=14502:a-miskolci-nyilasok-turaztak-a-buekkben&catid=38

    .

  11. HV Ihre Quelle publiziert gleich auf ihrer ersten Seite einen Pfeilkreuzlerbericht. Genug Grund für Sie ein Video dieser Website, das kürzer als zwei Minuten ist und nicht den ganzen Vorfall zeigt zu verlinken, um dann Magdalena Marsovszky zu fragen, ob sie nicht den von ihnen als Opfer hingestellten mutmaßlichen neo-Pfeilkreuzler verteidigen möchte.

    • Ohne dass es etwas zur Sache täte, Herr Pfeifer: Den Link habe ich aus den Kommentaren beim Pester Lloyd, er führt zu Youtube.
      Ich sehe auf dem Video keinen Neo-Pfeilkreuzler. Ich sehe keine Armbinde, keine Maske, keine Árpád-Flagge. Und sollten Sie mit Ihrer Aussage unterstellen wollen, ich hätte „wegen“ eines Pfeilkreuzlerberichts, den ich weder gesehen noch gelesen habe, das Video verlinkt („genug Grund für Sie…“), so weise ich das zurück.
      Mir geht es um die Wutausbrüche der freundlichen Herrschaften, vor denen Gyurcsány spricht.

  12. Pingback: Erst Besuch im Plattenbau, jetzt Hungerstreik: Ferenc Gyurcsány in Aktion « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

  13. Nun man darf gespannt sein, was heute so in der Gegend der Plattenbau-Siedlung geschieht.
    Es demonstrieren die DK , jobbik und die Roma. (vorsichthalber in alphabetischer Reihenfolge)
    Aussage einer Bewohnerin von Avas:
    * Nincs szükségünk arra sem, hogy más mutassa meg, hogy mit érzünk és más hívja fel a mi problémáinkra a figyelmet*

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