Komment.hu: Bence Inkei über die „Nazigefahr reloaded“ – Parallelen zu 1992

Inkei Bence kommentierte bereits am 18. Januar 2012 auf dem ungarischen Nachrichtenportal Origo.hu die ausländische Berichterstattung über Ungarn. Ein lesenswerter Beitrag, der aufzeigt, wie sehr die Ungarn-Berichterstattung seit 20 Jahren von Persönlichkeiten bestimmt wird, die politisch einem bestimmten – heute oppositionellen – Lager zuzuordnen sind.

http://www.komment.hu/tartalom/20120118-velemeny-a-nemzetkozi-sajto-konrad-es-schiff-szovegeire-alapozza-kritikait.html?SYSref=NONE&legordform=1&q=konr%25E1d+gy%25F6rgy&hol=3&mode=1&W=&cat=ORI5OREDQ5&L=HUN%253AENG%253AEngHunDict&cmnt_page=1

Die Budapester Zeitung hat den Beitrag auf deutsch abgedruckt:

http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=12936&Itemid=27

Inkei kritisiert die heutige hysterische Berichterstattung über Ungarn und zieht Parallelen zu den schon 1992 aufkeimenden Warnungen vor einer Diktatur und der Nazigefahr in Ungarn – eine Bezugnahme auf den „Medienkrieg“, über die auch Gyula Józsa in einem längeren Beitrag berichtet hatte:

http://www.ssoar.info/ssoar/files/swp/berichte/BER96_10.pdf

 

31 Kommentare zu “Komment.hu: Bence Inkei über die „Nazigefahr reloaded“ – Parallelen zu 1992

  1. „Es lässt sich auch schwer von der Hand weisen, dass József Antall dem radikalen Flügel des damaligen Ungarischen Demo­kraten­fo­rums (MDF) unter István Csurka keinen Raum zur Entfal­tung ließ, was noch während der ersten Legislaturperiode nach der Wende zum Austritt des Csurka-Flügels führte (István Csurka gründete daraufhin die Partei für Wahrheit und Leben [MIÉP]).“
    Bence Inkei.

    Keinen Raum zur Entfaltung? István Csurka wurde zum Vizepräsident des des MDF gewählt, obwohl man wusste, dass er nach der Niederschlagung der Revolution Spitzel des III/III wurde. Csurka hatte jede Möglichkeit, seinen paranoiden Antisemitismus zu entfalten und zwar innerhalb des MDF. Er konnte noch als Vizepräsident des MDF am 20. August 1992 sein antisemitisches Pamphlet„Ein paar Gedanken über die zwei Jahre des Systemwechsels“ publizieren, in dem er Israel und Juden vorwarf, Ungarn zu beherrschen und auch wohlweislich eine Liste aller Adressen jüdischer Organisationen anfügte. Der heutige Vorsitzende des Parlaments László Kövér (Fidesz), damals noch liberal, qualifizierte dieses Machwerk schlicht und einfach als „Grundlage des ungarischen Nazismus“. Die in diesem Pamphlet entwickelten paranoiden Ideen über die Israelis, die angeblich vorhaben Ungarn zu erobern, sind seit dem zum Glaubenssatz aller ungarischen Rechtsextremisten geworden. Erst als Csurka versuchte innerhalb der Partei eine Fraktion zu bilden, wurde er aus MDF ausgeschlossen und gründete die Partei für Ungarisches Recht und Leben „MIÉP“, die 1998 bis 2002 im Parlament vertreten war.
    Wenn ich mich richtig erinnere, haben sich Anfang der neunziger Jahre József Debreczeni und István Elek gegen Csurka ausgesprochen und wurden deswegen aus dem MDF herausgeekelt.
    Nach dem Terrorangriff gegen die USA am 11.9.2001 erklärte Csurka: “Die unterdrückten Völker der Welt konnten nicht die Erniedrigung durch die Globalisierung, die Ausbeutung und den in Palästina planmäßig durchgeführten Genozid ohne einen Antwortschlag erdulden.” Auf eine Frage der Süddeutschen Zeitung (3.11.2001) zur Person von István Csurka antwortete der damalige und heutige ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán: „Es ist Teil der ungarischen Polit-Folklore, dass die Linke jeden Nichtlinken zum Antisemiten erklärt.“

    • 1994, d.h. nach der Regierungszeit des leider im Jahr 1993 zu früh verstorbenen József Antall und seines Nachfolgers Péter Boross, erhielt die Partei von Csurka, die jahrelang von in- und ausländischen Medien zur rechtsextremen Gefahr aufgeblasen worden war, wie viele Stimmen? 1,58%, Herr Pfeifer. Ins Parlament einziehen konnte die MIÉP dann im Jahr 1998: Nach Gyula Horn und seinem „Bokros-Paket“. So wie Jobbik 2010 ins Parlament einzog, nach acht Jahren wahrhaft grandioser Politik durch Sozialisten und Liberale.

      Wie kommt es eigentlich, dass trotz des Umstands, dass die ungarischen Rechtsextremen offenbar immer im Rahmen linksliberaler Regierungen an Kraft gewinnen, diese Linksliberalen sich nie für den Zuwachs dieser ekelhaften Strömung rechtfertigen mussten?

      • „Wie kommt es eigentlich, dass trotz des Umstands, dass die ungarischen Rechtsextremen offenbar immer im Rahmen linksliberaler Regierungen an Kraft gewinnen, diese Linksliberalen sich nie für den Zuwachs dieser ekelhaften Strömung rechtfertigen mussten?“

        Diese Frage habe ich letzte Woche im fast im gleichen Wortlaut einem noch aktiven Journalisten gestellt, der unter Horn sogar Vizepräsident des königlichen Fernsehens in Ungarn war. Wir wurden uns einig, dass sich die Beantwortung dieser Frage von selbst verbietet, es sei denn, man begibt sich gern mal in akute Lebensgefahr.

        Ich habe da aber eine Idee! Vielleicht kann uns György Szilvásy nähere Auskunft geben? Ich glaube, der kennt sich in den Schambereichen der neueren ungarischen Geschichte ganz gut aus.

        http://hu.wikipedia.org/wiki/Szilv%C3%A1sy_Gy%C3%B6rgy

        Ich würde mich bei ihm auch gleich danach erkundigen, was er über die Mordserie gegen die Roma weiß? Der unter Pfeifers Liebling Gyurcsány verübte rechtsextreme Terror ist ja bis heute ein Beweis für die Verruchtheit des Orbán-Regimes.

        Und ich würde Szilvásy auch mal fragen wollen, ob Tamás Eszes schon aus dem Dienst ausgeschieden ist?

      • Dem Djördji geht´s net gut
        Dem Djördji geht´s net gut
        Dem Djördji geht´s net gut – seine Nus, die is ganz rut
        Des Hacken fällt ihm schwer
        Des Hacken fällt ihm schwer
        Des Hacken fällt ihm schwer – und der Husten plagt ihn sehr
        Weils Djördji doch so schlecht grad geht
        Singen alle jetzt gemeinsam dieses Lied:

        Lebt denn der alte Holzmichel noch, Holzmichel noch, Holzmichel noch
        lebt denn der alte Holzmichel noch, Holzmichel noch.
        Jaaaaaaa er lebt noch,er lebt noch, er lebt noch!

  2. HV Sie haben sonst nichts zu den von mir gebrachten Fakten anzumerken, außer der Frage, ob nicht die linksliberalen Regierungen verantwortlich sind, dafür wenn die Jobbik-Nationalsozialisten Zuwachs hatten.
    Selbstverständlich waren diese Regierungen und insbesondere die SZDSZ mitverantwortlich. Das habe ich zigmal geschrieben.

    Doch jetzt ist Fidesz-KDNP seit 21 Monaten in der Regierung und haben einige Jobbik Vorschläge übernommen und bei der pro-Orbán Demo am 21.1. sind die Initiatoren hinter einem Spruchband gegangen, das einem Jobbikspruch abgekupfert war. Wer ist also jetzt dafür verantwortlich, dass die Popularität von Jobbik nicht sinkt sondern steigt?

    Ich glaube schon hier darüber geschrieben zu haben, dass der pseudo-Antikapitalismus den einige Fideszpropagandisten von sich geben nur Jobbik nützt. Es ist dieser Wunsch, Jobbik „den Wind aus den Segeln“ zu nehmen, der Jobbik nur bestärkt.

    Wer eine flat rate einführt, dessen Antikapitalismus klingt heuchlerisch und das begreifen viele Ungarn, die genau wissen was wem gehört und wie viele der reichsten Ungarn enge Freunde von V.O. sind. Es gibt keine andere Volkspartei in Europa, deren Funktionäre antikapitalistische Sprüche von sich geben. Diese sind durchaus legitim wenn sie von MSZMP kommen, aber von einer sich konservativ gebenden Partei erwartet man das nicht.

    Sicher ist es nicht schuld der „Linksliberalen“ wenn der Oberbgm von Bpest István Tarlós einen György Dörner, zum Theaterdirektor macht und dieser dann erklärt, er möchte dieses städtische Theater im Geist von István Csurka führen.

    Das hat zwar nichts mit obigem Thema zu tun. Aber damit, dass man praktisch jeden, der die jetzige Regierung kritisiert als „links“ oder wenigstens „linksliberal“ qualifiziert, kann man natürlich jede Kritik bei Leuten, die borniert sind, abwerten. Doch diejenigen hören, die keinen politischen Posten anstreben und keine extremen Ansichten äußern könnte nicht schaden. Prof. László Majtényi hat NOL ein interessantes Interview gewährt, in dem er meint, einige Leute der ungarischen Elite seien grenzdebil. Majtényi hat eine sehr gute Rede gehalten vor der Oper am 14.1. Wenn ich Zeit hätte, würde ich sein Ihterview übersetzen.

    http://nol.hu/belfold/ez_egy_kuruc_beszedu_es_labanc_viselkedesu_orszag

  3. Wer sich auf was beruft ist bei 23% Stimmenanteil, lt. neuen Umfragen,
    für Jobbik, eigentlich nicht wichtig.

    23% sind 5 vor zwölf, wer da keine Nazigefahr sieht, ist nicht nur auf dem rechten Auge blind- das fehlt dann komplett.

    • Es ist zum Teil leider eine direkte Folge des linken und auch europäischen Sturmlaufs gegen Fidesz. Kurzsichtiger Einsatz zur „Rettung der Demokratie“, das Ergebnis ist, dass man die Leute Jobbik in die Arme treibt. Der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gpflastert.

      • „… das Ergebnis ist, dass man die Leute Jobbik in die Arme treibt.“

        Nicht wenige fragten „Wo war die EU, als die MSZP diese hohen Schulden machte?“; niemand hat hinterfragt, was hat der Fidesz und Jobbik waren dagegen unternommen?

        Es wird nicht lange dauern, dann wird man der EU vorwerfen, wieder zu wenig getan zu haben; man wird sagen „Wo war die EU, als der Fidesz unsere Renten verspielte? …als eine absurde Wirtschaftspolitik unser Land in den Abgrund brachte?“ .u.s.w.

        Gestern das ’nicht Reinreden‘, heute das Reinreden; morgen vielleicht wieder das ’nicht Reinreden‘.

        Also wenn Sie es wirklich so sehen, ist es nicht einfaxch, die Leute aus den Armen der Jobbik fernzuhalten.

      • Babel – Missverständnis. Ich habe nie gefordert dass die EU sich einmischen soll. Ungarn ist eine Demokratie und kann seine Probleme lösen. Die Wähler haben die MSZP für schlecht befunden und abgewählt. Das war richtig. Die Wähler werden auch ohne großen Bruder in Zukunft richtig entscheiden.

        Wer der Meinung ist, dass Ungarns Bürger falsch wählen, sollte ehrlich sein und sagen, dass Ungarn nicht demokratisch sein soll.

      • verzeihen Sie bitte das Missverständnis Herr Kálnoky; Sie haben jedoch offensichtlich die „Anführungszeichen“ übersehen.
        Ich möchte jetzt nicht auch ihre Wörter durcheinanderwürfeln, deswegen lassen wir es jetzt gut sein; ja!?!

  4. Der Jobbik-Vorsitzende Vona wird heute von mehreren ungarischen Medien mit der Aussage zitiert: „Wir sind keine Demokraten.“ Noch Fragen?

    Es ist in der Tat auffällig, dass die Rechtsextremen in Ungarn vor allem bei den Wahlen 1998 und 2010 punkten konnten, als es jeweils zu einem Regierungswechsel von links nach rechts kam. Voraus ging offensichtlich eine große Enttäuschung der Wählerschaft über die sozialistisch geführten Vorgängerregierungen. Warum es dieser Wählerschaft dann aber bereits zweimal nicht reichte, die Konservativen (Fidesz/KDNP) zu stärken, sondern die Rechtsextremen (MIEP bzw. Jobbik) ebenfalls mit reichlich Unterstützung bedachten, ist erklärungs- und diskussionsbedürftig. Eine oft zu lesende These ist, dass sich Fidesz nicht genügend nach rechts abgrenze. Eine 100%-Erklärung ist das freilich nicht. Man denke nur an den Parteiausschluss von Oszkár Molnár. Mir scheint Folgendes noch plausibler: MIEP und vor allem Jobbik gelten in den Augen zu vieler Ungarn als ganz normale Parteien, weil es eben keine gemeinsame (!) Abgrenzung der übrigen demokratischen Parteien gegenüber solchen Formationen am rechten Rand gibt. Womit wir wieder bei dem bedauerlichen innenpolitischen Klima in Ungarn wären, das György Dalos zu der Aussage veranlasste: „Der Hass ist unerträglich.“

    Schließlich ein Wort zu György Konrád und zur altbekannten, von Inkei mal wieder aufgewärmten These, die deutschen Medien befragten seit 20 Jahren immer nur dieselben linksliberalen Intellektuellen, wenn es um Ungarn gehe. Konrád wird immer wieder befragt, weil er den deutschen Feuilleton-Lesern als hervorragender Schriftsteller ungarischer Herkunft vertraut ist, nicht weil er mal SZDSZ-Mitbegründer war. Richtig ist, dass er immer wieder Platz in den deutschen Medien bekommt. Richtig ist aber auch, dass andere Stimmen ebenfalls gehört werden. Gerade für die Ungarn-Berichterstattung der F.A.Z. ist Konráds letzter dort veröffentlichter Beitrag sicherlich nicht typisch.

    Ich finde es schade, dass Menschen wie Konrád, Dalos, Heller, Lendvai oder Kertész in Ungarn so wenig geachtet werden. Ja, sie sprechen sehr oft über Antisemitismus und Rechtsextremismus. Und sie sind dabei vielleicht auch nicht immer ganz fair und objektiv. Aber angesichts der Tatsache, dass alle Genannten zum Kreis der Überlebenden des Holocausts gehören, kann man ihnen das kaum verdenken. Es ist wichtig, dass die Überlebenden warnen, solange sie können. Wenn man das anzuerkennen bereit ist und ein Mindestmaß an Respekt gegenüber ihrem Schicksal mitbringt, sollte man auch damit klarkommen, wenn die Genannten angesichts der Erfolge von Jobbik & Co. ins Schimpfen geraten. Ich drehe den Spieß mal um: Nicht derjenige, der offen über Antisemitismus und Rechtsextremismus in Ungarn spricht, bringt das Land in Verruf, sondern derjenige, der sich einer Diskussion darüber nicht stellen möchte und die Warnenden als „Netzbeschmutzer“ verunglimpft.

    • Reichlich Unterstützung für Miep halte ich für reichlich übertrieben (1998 5,3 Prozent). Das ist im europäischen Vergleich nichts Besonderes.

      Ich glaube der Vergleich 1998-2010 hinkt mächtig.

      Der eigentliche Treiber für Jobbik sind das Verschwinden der Kleinlandwirtepartei, die Degeneration der Lage in den Dörfern im Osten über zwei Jahrzehnte hinweg (Romaarbeitslosigkeit und – kriminalität) sowie das totale Versagen der Sozialisten, im Romaproblem etwas anderes zu erblicken als eine Geldquelle durch mehr oder minder fiktive Romaprojekte.

      Jobbik ist ein Ergebnis der Vernachlässigung der ländlichen Wählerschaft durch die etablierten Partien Post-Kleinlandwirtepartei. Die Miep-Schicht stiess dann dazu, ist aber nachrangig.

      Die Tragik ist, dass diese neue Qualität des Rechtsextremismus in der westlichen Berichterstattung untergeht, weil man sich auf das rote Tuch Antisemitismus fokussiert – der ist von Miep geerbt, wie das Weinen über Trianon, aber beides ist viel weniger explosiv als das, was auf dem Land passiert.

    • Es ist wichtig und richtig, dass Konrád, Dalos, Heller, Lendvai oder Kertész über Antisemitismus und Rechtsextremismus sprechen. Ich teile die Meinung von Ungarnfreund: aufgrund der Biographien kann man diesen Persönlichkeiten nicht verdenken, dass die Meinungen nicht immer fair und objektiv sind. Problematisch sind nicht diese Meinungen, die sind Teil der ungarischen Wirklichkeit. Problematisch ist, wie die deutsche Presse und Öffentlichkeit diese Meinungen einordnet. Statt als wichtiger Teil einer Meinungspalette werden diese Meinungen als „die Wahrheit über Ungarn“ wahrgenommen und weitergegeben, die Berichterstattung wird von diesen Meinungen ganz klar dominiert. Andere wichtige Teile der ungarischen Wirklichkeit, die für das Verstehen der Ereignisse notwendig wären, werden verschwiegen oder bagatellisiert. So entsteht ein Bild über Ungarn, das mit der Realität nur zum Teil etwas zu tun hat. Dieses nicht objektive Bild führt im Westen zur Empörung, auch in der Öffentlichkeit, auch unter Politikern, es werden Rufe nach Bestrafung laut. Beste Munition für die Antisemiten und Rechtsextremen in Ungarn…

      • @ Halász János:

        „Statt als wichtiger Teil einer Meinungspalette werden diese Meinungen als „die Wahrheit über Ungarn“ wahrgenommen und weitergegeben, die Berichterstattung wird von diesen Meinungen ganz klar dominiert. Andere wichtige Teile der ungarischen Wirklichkeit, die für das Verstehen der Ereignisse notwendig wären, werden verschwiegen oder bagatellisiert. So entsteht ein Bild über Ungarn, das mit der Realität nur zum Teil etwas zu tun hat.“

        Ich schließe mich dem uneingeschränkt an.

    • *Aber angesichts der Tatsache, dass alle Genannten zum Kreis der Überlebenden des Holocausts gehören, kann man ihnen das kaum verdenken. Es ist wichtig, dass die Überlebenden warnen, solange sie können. Wenn man das anzuerkennen bereit ist ….*
      Nix dagegen einzuwenden, nur:
      haben die , die in Lagern wie Recsk und dergleichen waren nicht auch ein Recht gehört zu werden und wenn sie nicht mehr unter den Überlebenden weilen dann deren Angehörige??
      Kann man denen verdenken, wenn sie doch einiges anders sehen?
      Da kann ich nur wiederholen:
      Wenn man das anzuerkennen bereit ist….

  5. Danke Ungarnfreund für Ihre Stellungnahme. Das schlimme ist, dass man hier versucht, es so darzustellen, als ob Fidesz vollkommen unschuldig wäre, an dieser Entwicklung. Es ist traurig, dass hier über Agnes Heller und György Konrád und andere wirklich respektlos hergezogen wurde.

  6. Lieber Herr Kálnoky, 1998 und 2010 gelang jeweils einer rechtsextremen Partei der Einzug in das ungarische Parlament. Parallel dazu gab es Regierungswechsel von links nach rechts. Die Ursache für die Regierungswechsel war jeweils die Unzufriedenheit mit den sozialliberalen Vorgängerregierungen. Aber warum schossen die Wähler — 2010 freilich noch viel stärker als 1998 — so weit über das Ziel des Regierungswechsels hinaus? Zur Beantwortung dieser Frage wollte ich oben etwas mit dem Hinweis auf das Dauerthema „politische Kultur“ bzw. fehlende Gemeinsamkeiten unter den Demokraten beitragen.
    Dass man zwischen den Situationen 1998 und 2010 sowie MIEP und Jobbik noch viele Unterschiede finden kann, ist klar. Die Ideologien beider Parteien und das Ausmaß Ihres Erfolgs ausgedrückt in Prozentzahlen sind natürlich verschieden. Beides dürfte sogar eng zusammenhängen. Csurkas Antisemitismus war vermutlich etwas, dass die Lebenswirklichkeit der für rechtsextremes Gedankengut potenziell empfänglichen Wähler zu wenig berührte.
    Ich stimme Ihnen darin zu, dass gerade die deutschen Medien offenbar einfach nicht verstehen wollen, dass Antiziganismus im heutigen Ungarn ein größeres Problem darstellt als der Antisemitismus und dass der Blick zu selten auf die Situation im ländlichen Raum gerichtet wird. Da in Deutschland kaum Roma leben, liegt das alles offenbar jenseits der Vorstellungskraft vieler Redakteure.
    Zum Hintergrund für die größere Virulenz des Antiziganismus gehört auch die fast vollständige Vernichtung des Judentums im ländlichen Ungarn 1944/45. Wenn ich im Land unterwegs bin, schaue ich mir gern alte Synagogen an. Viele sind im Verfall begriffen oder längst umgenutzt worden. Wenn ich mir vorstelle, dass dort überall einmal lebendige jüdische Gemeinden existierten, macht mich das sehr nachdenklich.

    • Lieber Ungarnfreund,

      Ich verstehe Ihren Punkt – die Akzeptanz rechtsradikaler Parteien als „normal“, daher bei einem Umschwung nach rechts auch ein Umschwung nach sehr rechts.

      Ich glaube trotzdem, dass es wichtiger ist, die Unterschiede statt die Gemeinsamkeiten zu erkennen.

      Miep sprach wenige, ältere Leute an und seine Themen waren irreal – Trianon und ein vom Kommunismus geprägter gestriger Antisemitismus, dessen einzige Zielscheibe einige Intellektuelle waren. Diese Wählerschicht ist schmal und seit der Wende viel konstanter als es den Anschein hat – zuvor beim MDF mit drin, danach von Fidesz und noch später von Jobbik aufgesogen. Die Wählerschicht selbst blieb glaube ich relativ stabil.

      Jobbik ist ein radikal anderes und neues Problem, in keiner Weise vergleichbar, weil es sich hier um echte Probleme in der gesellschaftlichen Lebensrealität dreht (Zigeuner, Arbeitslosigkeit, Agrarprobleme, EU-Desillusion). Es wird aber von den Kritikern so angegangen, als seien es böse Menschen und primär Antisemiten. Es geht hier aber um konkrete gesellschaftliche Probleme, die dringend angegangen werden müssen. (Vor Fidesz hat das niemand auch nur versucht.)

      Und da ist der Unterschied zu Miep – wegen Miep muss gar nichts angegangen werden, musste auch nie etwas anggangen werden, es hatte nie eine Zukunft,

      Wenn die EU und die westlichen Medien es weiterhin so anpacken, wird aus Jobbik mehr werden, als hätte sein müssen, denn die Treibjagd gegen Fidesz kann, je unfairer und erfolgreicher sie wird, einen Teil der Fideszanänger verbittern und radikalisieren.

  7. Lieber Herr Pfeifer, was viele Reaktionen auf Äußerungen der genannten Überlebenden betrifft, bin ich wie Sie oft fassungslos. Um es noch mal anders auszudrücken: Von jemandem, der Auschwitz oder den Pfeilkreuzler-Terror überlebt hat, erwarte ich keine „politisch korrekten“, jederzeit objektiven oder „ausgewogenen“ Stellungnahmen. Ich bin aber auch nicht bereit, alles hinzunehmen, was sonst noch zum Thema Rechtsextremismus in Ungarn geschrieben wird. Das letzte Tagesspiegel-Interview von András Schiff fand ich nicht hilfreich, weil da mal wieder alles in einen Topf geworfen wurde. Neulich fragte mich ein Bekannter, wer denn in der Koalition den Ton angebe, Fidesz oder Jobbik. Da musste ich ihm erklären, dass es gar keine solche Koalition gibt, und außerdem erläutern, dass die deutsche Presse sehr selektiv über Ungarn berichtet.

  8. Lieber Ungarnfreund,
    Ich zweifle nicht daran, dass manche Kritiker derart ihren Emotionen freien Lauf lassen, dass sie der Sache, der sie dienen wollten, Schaden zufügen. Jedoch wird hier alles getan, um jeden Fehler, jede Verzerrung aufzuzeigen und so den Vertretern der Weltverschwörungstheorie, wonach es eine linke und linkslebrale Medienverschwörung gegen Ungarn gäbe, Unterlagen zu geben, um ihre paranoide Weltsicht zu bestärken.
    Es graust mir vor dieser Wehleidigkeit und der Täter-Opfer-Umkehr, die natürlich nicht ohne eine jüdische Kronzeugin auskommt, die bestätigt, dass alle – ob sie nun wollen oder nicht – Juden, die es wagen ungarische Zustände zu kritisieren, Verräter am jüdischen Volk sind, wobei sie auch solche als Juden hinstellt, die es nur nach den ungarischen Rassengesetzen, die unter Horthy vor der deutschen Besatzung erlassen wurden, sind.
    Niemand bestreitet, dass es solche Fehler und Verzerrungen gibt, aber die internationale Medienberichte darauf zu verkürzen, bzw. es so erscheinen zu lassen, als ob es fast keinen Grund für Kritik an den Zuständen nach 20 Monaten Fidesz-KDNP Regierung gäbe, mutet für jeden, der sich nicht zur Fidesz und/oder Jobbik bekennt, seltsam an.
    Zu glauben, dass The Times, The Economist, Financial Times; Le Monde, Libération, sogar der konservatíve Le Figaro; fast alle deutschen Medien – von der Süddeutschen Zeitung bis zum Handelsblatt und der konservatíven Die Welt; fast alle österreichischen Zeitungen bis zur konservatíven Die Presse, ja sogar die Neue Zürcher Zeitung sich an einer Kampagne gegen die ungarische Regierung verschworen hätten, gehört zur Agitation der Fidesz-Propagandisten Bayer, Bencsik, Bogár, Szentmihályi, um nur ein paar dieser „Patrioten“ zu nennen.
    Ich nehme jetzt für ein paar Tage oder auch für ein paar Wochen Abschied, da ich in den laut V.O. untergehenden Westen fliege.

    • „Jedoch wird hier alles getan, um jeden Fehler, jede Verzerrung aufzuzeigen und so den Vertretern der Weltverschwörungstheorie, wonach es eine linke und linkslebrale Medienverschwörung gegen Ungarn gäbe, Unterlagen zu geben, um ihre paranoide Weltsicht zu bestärken.“

      Aber, aber, Herr Pfeifer, was ist das denn? „Hier“ wird alles getan, die paranoide Weltsicht der Verschwörungstheoretiker zu bestärken? Ich dachte, Sie seien der Meinung, HV eröffne die Möglichkeit zum Dialog? Interessant, jetzt weiß ich endlich, was Sie wirklich von diesem Forum halten. Ist jede noch so leise Stimme im Einheitschor unerwünscht? Ist das der Pfeifer´sche Meinungspluralismus? 🙂

      Ich bin erstaunt. Das, was Sie uns hier präsentieren wollen, ist wohl, dass jeder, der Fehler und Verzerrungen in der Kritik an der ungarischen Regierung aufzeigt, ein „Böser“ ist. Und das offenbar schon deshalb, weil er darauf besteht, dass Kritik sachlich fundiert sein sollte. Sie vertreten demnach – und das ist wohl niemandem entgangen, der Ihre Kommentare verfolgt – die Auffassung, dass man alles, wirklich alles über die ungarische Regierung behaupten darf, dient es doch einem guten Ziel. Da wird auch mal jemand, der die Wahrheit spricht, als Lügner bezichtigt, nur weil K.P. die Welt anders sieht. So zu denken, ist Ihr gutes Recht, aber man kann auch anderer Meinung sein.

      Falls es Ihnen entgangen wäre: Hier wird offen diskutiert, es wird die Regierung kritisiert (nicht nur in den Kommentaren, nehmen Sie z.B. meine Berichte zur Strafprozessreform, zum Verfassungsgericht, zum Verfassungsgebungsprozess), allerdings muss man Unwahrheiten nicht stehen lassen. Vielleicht sind Sie hier anderer Meinung und empfinden derartiges als „Wehleidigkeit“. Aber ich denke, Kritik, die höflich und sachlich formuliert ist, kommt bei Freunden eher an als die mitunter arg überzeichnete oder gar falsche Darstellung.

      Um zum Fazit zu kommen: Ich entnehme Ihren Worten, dass Ihnen dieser Blog ein arger Dorn im Auge ist. Andernfalls würden Sie nicht so formulieren und hätten auch im Jahr 2011 nicht mehr als 800 (!) Kommentare verfasst, um wirklich jede Art von Fehlbericht und jede Art von Tonfall zu rechtfertigen. Ich danke Ihnen für diese Klarstellung.

    • „Jedoch wird hier alles getan, um jeden Fehler, jede Verzerrung aufzuzeigen und so den Vertretern der Weltverschwörungstheorie, wonach es eine linke und linkslebrale Medienverschwörung gegen Ungarn gäbe, Unterlagen zu geben, um ihre paranoide Weltsicht zu bestärken.“

      Aber Herr Pfeifer, wer glaubt Ihnen denn überhaupt diese Theorien? Ich zum zum Beispiel glaube Ihnen gar nichts. Dafür brauch ich auch keine Materialien von HV.

      Wir haben doch Google!

      Um es konkret zu machen: Heute Morgen habe ich mir mal die Materialien der Internationalen Berliner Konferenz, herausgegeben von Petra Pau und Dominic Heilig bei diez, vorgenommen. Die Idee dazu kam mir in der Nacht, weil Herr Bartsch bei Jauch so vehement die Abschaffung des Verfassungsschutzes gefordert hat. Bei Herrn Bartsch handelt es sich nicht um jenen pädophilen Serienmörder, der einst in Velbert vier Kinder ermordete, sondern um einen deutschen Politiker, der Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst studierte und danach bei der Zeitung Junge Welt tätig wurde. Von 1986 bis 1990 war Herr Bartsch als Aspirant an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU in Moskau, wo er 1990 mit der Arbeit «Распределительные отношения в условиях интенсификации социалистической экономики» zum Dr. rer. oec. Promovierte. Im März 1990 kehrte Dr. Bartsch als Geschäftsführer zur Jungen Welt zurück. Von Mai 2004 bis Dezember 2005 war Dr- Bartsch Geschäftsführer der Tageszeitung Neues Deutschland. Und gestern Abend forderte Dr. Bartsch zusammen mit Herrn Prantl die Abschaffung des Verfassungsschutzes in Deutschland. Herr Prantl wiederum ist der Lebensabschnittsgefährte von Franziska Augstein.

      Wer glaubt denn noch an die Theorien des Herrn Pfeifer, der jeden, der anderer Meinung als er ist, für paranoid, für einen Anhänger antisemitischer Verschwörungstheorien ( http://de.wikipedia.org/wiki/Weltjudentum ) hält.

      Nee!

      Heute Morgen habe ich mir also die Materialien der Internationalen Berliner Konferenz, herausgegeben bei diez von Petra Pau und Dominic Heilig, vorgenommen. Die Konferenz fand 2001 unter der Freiheitsglocke im Rathaus Schöneberg statt und stand unter dem Motto:

      “Für eine tolerante Gesellschaft – gegen Rechtsextremismus und Rassismus“!

      Das war 2001. Da trat Frau M. Marsovszky BEI DENEN noch als Kunsthistorikerin, Kulturmanagerin und freie Journalistin aus München und Budapest auf.

      Bei denen

      PDS Parteivorstand
      Kleine Alexanderstraße 28
      10 178 Berlin
      Tel.: 030/24 009 447
      E-Mail: dominic.heilig@pds-online.de
      Internet: http://www.pds-online.de

      Probieren Sie es mal aus. Klicken Sie pds-online.de an. Es tut sich vor uns die „Die Linke“ auf. Und immer dann, jedesmal, wenn die erscheint, erscheinen vor meinem geistigen Auge auch die Abrafaxe SED und KPD als längster Fortsetzungscomic der Welt. Und ich höre die Worte eines der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland, die Worte Kurt Schuhmanns, der Im März 1930 auf einer Gaukonferenz des Reichsbanners Württemberg in seiner offenen Auseinandersetzung mit den Kommunisten diese Bewertung abgab:

      „Der Weg der leider ziemlich zahlreichen proletarischen Hakenkreuzler geht über die Kommunisten, die in Wirklichkeit nur rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten sind. Beiden ist gemeinsam der Haß gegen die Demokratie und die Vorliebe für Gewalt.“
      Ich glaube, Herr Pfeifer, an keine Ihrer Theorien. Aber ich weiß, dass wir Menschen verletzliche Wesen sind und ich selbst auch bewusst oder leichtfertig schon oft andere Menschen verletzt habe. Ich sah die Auseinandersetzung mit Ihnen als Spiel. Sie haben mir einmal zugestanden, dass ich Humor hätte. Das rechne ich Ihnen hoch an. Und ich weiß, dass es der Hass ist, der Gewalt schürt. Hass kann nicht lachen.
      Nein, es sind nicht DIE JUDEN, die Ungarn, die Europa, die die Welt brennen sehen wollen.
      Es ist der Hass, vor dem wir uns und vor dem wir vielleicht auch unsere Verfassung und unseren Rechtsstaat schützen müssen. Weil Hass Leben auslöschen kann. Wenn es so weit gekommen ist, bleibt kein Raum mehr für Wortspielereien und Humor.
      Was wir mit Worten anrichten, sollte mit großem Ernst verstanden werden.

      Bleiben Sie nicht zu lange in den Ländern der untergehenden Sonne! Kommen Sie gesund wieder!

  9. Nazitum entsteht durch nachhaltige Fehlinformation und mangelnde Aufklaerung.

    Dazu sind erforderlich

    Freie und kritische Geschichtsaufarbeitung
    Freie und kritische Medien
    Freie und kritische Politiker
    Freie und kritische Richter
    Freie und kritische Bürger die sich gegenseitig unterstützen.

    Ich für meinen Teil werde am 13.02. nach Dresden fahren um diese Bürger zu unterstützen

  10. „Richter János

    Nazitum entsteht durch nachhaltige Fehlinformation und mangelnde Aufklaerung.“

    Wer den Blog Hungarian Voice verfolgt, lernt nicht aus.
    Ich zum Beispiel lerne hier neue Wörter kennen. ‚Nazitum‘ – das Wort war mir neu. Der Duden kennt es auch nicht.

    http://www.duden.de/suchen/dudenonline/

    Aber bei Google wurde ich fündig. Google liefert in 0,09 Sekunden 50.900 Ergebnisse für das Stichwort ‚Nazitum‘.

    http://www.google.de/search?q=Nazitum&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a

    Ich bin auf die „Achse des Guten“ gegangen und da erfährt man, wann ‘Nazitum’ mit ‘Islamismus’ gleichgesetzt wird. Anscheinend ist Gleichsetzung möglich.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wann_islamismus_mit_nazitum_gleichgesetzt_wird/

    Für besonders wertvoll erachte ich allerdings diese Information hier:

    „Gegen Neonazis zu sein, ist vergleichsweise risikolos.“

    Und weil ich den Beitrag weiterlas, erfuhr ich noch etwas über die Wahrscheinlichkeit, ob János Richter in Dresden zum Objekt eines Mordanschlags werden könnte, wenn er sich dort dem ‚Nazitum‘ in den Weg zu stellen wagt.

    Um es vorwegzunehmen: Die Wahrscheinlichkeit, das Paul Lendvai vor der Eventualität eines Mordanschlages in Budapest zu zittern hätte, steigt nicht dadurch, dass er orbánkritisch ist. Sie hängt eher von Faktoren ab wie Kolbászmesser auf dem Fensterbrett einer Lehmhütte auf einem ungarischen Ödhof (tanya) .

    Und ich will es hier auch offen aussprechen. Ich glaube nicht, dass Paul Lendvai sich dieser Gefahr jemals aussetzen würde. So ein Unverhalten charakterisiert „in der grüninfantilen autoritäts- und identitätslosen Weicheigesellschaft“ nämlich den Gutmenschen.

    Was sich ja über Herrn Richter kaum sagen ließe. Denn der wagt sich schon mal in die Höhle des Löwen und stellt sich dem Bösen in den Weg.

    Seinen Mut finde ich toll. Wirklich. Dennoch möchte ich es ihm nicht nachahmen. Ich selbst bleibe doch lieber zu Hause. In meinen vier Wänden kann ich mir in Ruhe Gedanken machen. Zum Beispiel über die Rolle, die Herr Lendvai innehat; seit Jahrzehnten; in der internationalen Medienwelt. Oder ich denke über das Leben und Schaffen des großen, leider längst vergessenen Europäers, Hermann von Berg nach.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Berg

    Manchmal wage ich es aber doch, wie letzte Woche in Marburg war, wo ich mich – na ja, nicht eben gleich in die Höhle des Löwen – wo ich mich in die Buchhandlung „Roter Stern“ getraut habe. Von György Dalos gab es nichts. Aber György Konráds Essaytagebuch war vorrätig. Ich hatte es in drei Minuten durch. Viel passiert ja bei Konrád nicht mehr. Was ich aus dem Roman herausgelesen habe ist dies:
    In Budapest werden die Juden wieder mit dem Messer bedroht. Das ist da wieder möglich.

    HABE VERSTANDen

    György Konrád, ‚Das Pendel: Essaytagebuch‘, Übersetzt von Hans-Henning Paetzke, Suhrkamp Verlag; 1 Auflage 1 (12. Oktober 2011)

  11. @Peter Herche

    Mit Sofa sitzen oder händchenhaltender Menschenkette in sicherer Entfernung halten Sie Nazis nicht auf. Genauso wenig mit Sprechblasen entleerenden Politikern.

    Klar kann es brenzlig werden, einfach Vorsorgen (Sicherheitskleidung, Kopfschutz, pre paid Handy, usw). Ohne den Einsatz dieser normalen Bürger, ob alt ob jung. besonders 2010 und 2011 hätten wir es nicht geschafft, dass immer weniger kommen und die Nazigrossdemo am 18.02. so gut wie sicher abgesagt wird. Wenn nicht machen wir weiter. 10.000-ende bilden eine Wand.

    Zu Butterbrot und Kolbász empfehle ich einen guten ungarischen Roten.
    Getreu nach dem Motto: Immer wenn ich zu viel soff, war ich ein guter Philosoph. 🙂

    Antifa lässt grüssen.

    • @ János Richter

      Das Demonstrationsrecht ist in Deutschland ein Grundrecht, festgeschrieben im Artikel 8 des Grundgesetzes . Das gilt für Anti-fa-fejüek genauso, wie für Neonazis, aber nur, solange das bicska zu Hause auf dem Fensterbrett bleibt.

      Kolbász und Butterbrot? Dazu einen Roten? Ízlésficam?

      Mir reicht ein Stück Brot (als Ersatz für ungarisches nehme ich Pain de campagne) aber ohne Butter zur Kolbász, dazu cigányalma (wenn aufzutreiben, dann einen rotbäckigen Braunen Matapfel) und ein Glas homoki bor oder Móri ezerjó. Erspare* mir so den Roten.

      *’ersparen‘ im Sinne von Unangenehmes, eine Mühe o. Ä. von jemandem fernhalten)

    • Vor dem Neuen Theater in Budapest herrscht verkehrte Welt. Im Unterschied zu Dresden mischen sich da Rechtsextreme unter den Aufmarsch der Antifaschisten.
      Hier der Link zum Beweisvideo:

      http://index.indavideo.hu/video/Mocskos_zsidok_mocskos_nacik

      Und mir ist beim Betrachen der Aufnahmen noch etwas aufgefallen.

      Keiner von denen, die da theatralisch ihre Grundrechte ausüben und sich in Versammlungsfreiheit und Meinungsäußerung üben, hat vorgesorgt. Weder die „Opfer der hemmunglosen Machtpolitik“, noch die Rechtsextremen. Nur die ungarischen Polizisten tragen Sicherheitskleidung und Kopfschutz.

      Mutiert das Orbán-Regime zum Polizeistaat?

      Ich glaube, die internationale Solidarität ist hier längst gefragt.
      Wäre es nicht möglich, dass János Richter und die deutsche Antifa ihre Kriegsutensilien bis zum Sturz des Orbán-Regimes den „Opfern seiner hemmunglosen Machtpolitik“, den „Entlassenen, Verleumdeten und Gedemütigten“ vor dem Neuen Theater in Budapest überlässt?
      Möglicherweise ziehen dann auch die V-Leute unter den deutschen Rechtsextremen nach. Es wäre zumindest ein Zeichen der tätigen Reue, wenn Deutschlands Extremisten auf jeglichen Schutz verzichteten und Kopfschutz und Sicherheitsbekleidung der second-hand-industrie in Ungarn überlässt.

      Bei den Lemmingen funktioniert es so zwar nicht, Menschen sind eher dafür anfällig . Ich meine, wenn die Opfer hemmungsloser Machtpolitik schon wieder einmal Sehnsucht nach einem Gruppensuizid haben, dann sollte man doch wenigstens jeden der Theatersehnsüchtigen mit Sicherheitsbekleidung, Kopfschutz und einem Prepaid-Handy versehen.
      Noch ehe vor dem Neuen Theater in Budapest die Demokratie zum Versatzstück der Machtpolitik verkommt.

  12. „… gefahr reloaded!“

    Die taz berichtete gestern über das Theater Theater.

    http://www.taz.de/Proteste-in-Ungarn/!86905/

    Der taz sind es zu wenige, die da vor dem Neuen Theater aufmarschiert sind. Das „dürfte nicht nur am strengen Winter, sondern auch an den Organisatoren gelegen sein.“

    Einverstanden!

    Hier ein Denkanstoß für meine Fangemeinde mit dem lockeren Daumen:

    Schaut Euch doch mal die Bilder an. Die Rechtsextremen sehen aus, als wären sie fett gewordene Klone vom Typ Kampfgruppen der Arbeiterklasse

    Die andere Sorte vertritt den Bund des ungarischen Widerstandes und der Antifaschisten. „Dieser arbeitet eng mit der Antifaschistischen Liga zusammen, die ihre stalinistische Vergangenheit noch nicht abgestreift hat und sich den Vorwurf antisemitischer Rhetorik gefallen lassen muss“ , berichtet die taz.

    Ich meine, dass sich niemand antisemitische Rhetorik gefallen lassen muss.

    Weil es die Shoa gab. Weil es unzählige Opfer gab, auf beiden Seiten. Wer es immer noch nicht begriffen hat: Die sollen endlich ihr Maul halten und nicht immer wieder nachladen, auf beiden Seiten. Weil es nicht nur eine Frage des Verstands, sondern auch des Anstands ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s