Kommentar: Zum Gedenktag für die Opfer des Kommunismus am 25.02.2012

Gemeinsames Andenken in einer zutiefst gespalteten Gesellschaft scheint bisweilen fast unmöglich. Dies vor allem in einem Land wie Ungarn, in der Menschen im Namen der beiden diktatorischen und mörderischen Systeme – Nationalsozialismus und Kommunismus – zahllose Opfer verschuldet und erlitten haben. Dort, wo es kaum eine Familie geben dürfte, in der nicht wenigstens ein Vorfahre von den Verbrechen tangiert gewesen wäre. Ob als Opfer oder Täter. Oder beides. Gerade das scheint die Ursachenforschung, die Erinnerung und die Erkenntnis, dass man nur gemeinsam künftige Totalitarismen verhindern kann, so schwer zu machen.

Der Tag, an dem der Opfer des Kommunismus gedacht wird, ist in Ungarn von besonderer Brisanz. Besondere Vorsicht scheint geboten, was die Wortwahl oder die Art und Weise des Gedenkens anbetrifft. Eine zweigeteilte Gesellschaft – vereinfacht gesprochen ist von einer rechts-links-Spaltung die Rede – wacht mit Argusaugen über „die Anderen“ und verzeiht es nicht, wenn im Rahmen des Gedenkens die Opfer der jeweils anderen Seite relativiert werden. Dieser Verdacht ist jedoch schnell begründet und ebenso schnell offen ausgesprochen.

Kein vernünftig denkender Mensch im demokratischen Spektrum käme auf die Idee, das Leid der Opfer des Nationalsozialismus zu relativieren. Der Umstand, dass der Nationalsozialismus das erste (und hoffentlich auch letzte) System war, welches es fertigbrachte, Menschen aufgrund ihrer Rasse, Volks- oder Religionszugehörigkeit in industriellem Ausmaß zu ermorden – Auschwitz, Treblinka sind auf ewig Namen des Grauens -, ist Grund genug, den Holocaust und die Verbrechen des Nationalsozialismus als einzigartig zu bezeichnen. Nicht das Vergessen, sondern das Gedenken ist unsere Pflicht, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Die junge Generation trägt nicht für die Taten der Vorfahren, aber sehr wohl dafür Verantwortung, so etwas nie wieder geschehen zu lassen. So ist jedenfalls meine Sicht der Dinge.

Der richtige Ansatz ist aber: Naziverbrechen nicht relativieren, zugleich aber die Taten des Kommunismus nicht bagatellisieren! Nur so ist eine „gesunde“ Erinnerungskultur auf Dauer zu schaffen. Während der Nationalsozialismus – so mein subjektives Gefühl – von der absoluten Mehrheit in Europa in seiner Bedeutung durchaus richtig erkannt wird – scheint das Problem derzeit eher in Tendenzen zu liegen, den Kommunismus in seiner Bedeutung zu verharmlosen. Wer hier allzu offen der Opfer gedenkt und auf die Millionen Toten beider Systeme hinweist, setzt sich mitunter allzu schnell dem Verdacht aus, er sei ein Irredentist und versuche, die Einzigartigkeit der Naziverbrechen in Zweifel zu ziehen.

Hier dürfte auch Umstand, dass sich die Sowjetunion und der sog. Ostblock zumeist friedich transformierten, nicht aber über einen Weltkrieg geschlagen wurden, eine Rolle spielen. Wer einen Krieg verliert, dem widerfährt Zwang: Und auch diesem ist es zu verdanken, dass die Deutschen sich mit ihrer eigenen Geschichte befassen mussten – anders als es heute bisweilen scheint, war die Bereitschaft in der Bevökerung, die eigene Verantwortung freiwillig zu erkennen, nicht sonderlich groß. Fehlt aber, wie im Bezug auf den Kommunismus, dieser Zwang gänzlich, befinden sich die Täter von damals und ihre Sprachrohre bzw. Sympathisanten gar bis heute an den Schaltstellen der Macht und bei den Medien, birgt dies die Gefahr in sich, dass die linken Diktaturen als „schlechter Versuch einer guten Idee“ verharmlost werden. Wer ist schon bereit, seine Rolle vor 1989 ohne jeden äußeren Zwang kritisch  zu hinterfragen?

Wäre es im Mainstream Deutschlands vorstellbar, Taten der Nazis wie den Autobahnbau oder die Familienpolitik als Zeichen der „guten Idee“ des Verbrechensregimes zu nennen, ohne dafür postwendend heftig kritisiert zu werden? Wie der Fall Eva Herman zeigte: Nein. Und das ist auch gut so. Leider fehlt dieser gesunde Reflex bei der Befassung mit dem Kommunismus bis heute: Sendungen im deutschen Fernsehen, in der die DDR auf eine lustige Barcke mit tollen Produkten (z.B. Spreewaldgurken) reduziert wird, in der die Menschen zwar ein wenig in ihren Freiheitsrechten beschränkt waren, aber immerhin Arbeit, Brot und den Schwarzen Kanal hatten, waren vor einigen Jahren keine Seltenheit. Und auch die ungarische Diktatur unter Kádár wird zur „lustigsten Baracke“ verklärt – als sei der Plattensee Garant für ein menschenwürdiges Leben.

Unvergessen auch die Akteure der politischen Linken in Deutschland, die – unter Beifall der entsprechenden Journalisten – bis zuletzt versucht hatten, die DDR als im Grunde sympathischen und reformierbaren demokratischen Staat zu karikieren. Einen, der im Grunde besser war als Westdeutschland. Von diesen Stimmen wird man eine realistische Befassung mit dem Kommunismus kaum erwarten dürfen.

Schlimmer noch als in Deutschland stellt sich die Situation in jenen Ländern Mittel- und Osteuropas dar, in denen die vormalige Elite sich bis heute in großer Zahl an den Schalthebeln der Macht befindet – rechts wie links. Und in dieser Rolle eine gemeinsame Geschichtsaufarbeitung bis heute verhindert. „Erinnerungskultur“ existiert hier nur, wenn es um die eigenen Opfer, die eigenen historischen Rechtfertigungsgründe geht. Das eigene Leid rechtfertigt das Leid der anderen. Muss man sich aber seines Tatbeitrages bewusst werden, so herrscht Bagatellisierung. Das „sympathische Antlitz“ des Sozialismus wird gesehen, nicht aber die bestialische Fratze des Kommunismus. Erst jüngst definierte Oskar Lafontaine den „Kommunismus“ schlicht und einfach als Eigentum der Gemeinschaft an den Produktionsmitteln: eine neue Form scheußlichen Tunnelblicks – wie sehr muss dieser Tunnelblick in Mittelosteuropa verbreitet sein?

Noch vor wenigen Jahrzehnten versuchten Schriftsteller, Redakteure und Journalisten – nicht selten Mitwirkende der 1968er-Generation – ihre damalige Anbetung des Kommunismus oder Maoismus durch verbale Relativierung zu rechtfertigen. Sie geben in Politik und Medien EU-weit bis heute maßgeblich den Ton vor. Wer weiß schon, dass nicht nur der Fußballer Paul Breitner, sondern auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einst Maoist war? Oder dass der Herausgeber der angeblich so „konservativen“ Tageszeitung WELT im Dunstkreis von Dany „le Rouge“ Cohn-Bendit agierte und für linke Kampfpostillen schrieb? Jeder kann (und wird oft) seine Einstellung ändern. Aber ist dadurch die Bereitschaft, mit seiner Vergangenheit abzuschließen und sich von seinen Positionen frührerer Zeiten zu distanzieren, automatisch groß? Oder verbleibt nicht ein gewissen Drang, sich zu rechtfertigen („Ich war jung, und im Grunde hatten wir Recht und wollten das Gute“)? Wie groß ist etwa die Bereitschaft der Antifa, sich von demjenigen Sozialismus zu distanzieren, der einen oberflächlichen, scheinheiligen und mitunter geschichtsfälschenden Antifaschismus zu seinem Markenzeichen machte, unter dessen Geschichtsbild man heute noch leidet? Von einem Sozialismus, der zwar den Antisemitismus für getilgt erklärte, ihn aber nur unter den Tisch kehrte?

Und es gibt auch die hauptberuflichen Warner. Alarmisten, die jede Bezugnahme auf die Vergleichbarkeit der Ideologien als Relativierung des Holocaust und der Naziverbrechen sehen wollen. Wer etwa betont, dass die ungarischen Stalinistenführer wie Rákosi, Farkas und Gerö jüdischer Herkunft waren, dem wird unverzüglich aufkeimender Antisemitismus und der Versuch einer Täter-Opfer-Umkehr unterstellt. Und mehr noch: Es wird behauptet, dass derjenige, der Nazismus und Kommunismus vergleiche, den Holocaust relativiere, weil er suggeriere, Juden seien (weil auch sie zu Tätern im Kommunismus wurden) auch nicht besser als Nazis; die Phantasie der Gedankengänge scheint schier unbegrenzt zu sein.

Eine aufrichtige Debatte über die Ursachen dafür, dass Holocaustüberlebende eventuell aus zutiefst verständlichen Rachegefühlen heraus die Arbeit bei der ungarischen Stasi aufnahmen und dabei selbst ein (wenn auch nicht mit dem Holocaust vergleichbare) Verbrechensregime zu ihrem Arbeitgeber machten, kann so natürlich nicht geführt werden. Die Erinnerungskultur ist am Boden. Beinahe jeder Gedenktag kennt Veranstaltungen für die eigene Klientel. Die Verarmlosung der Kommunismus wechselt sich mit der nostalgischen Betrachung der Horthy-Ära ab. Und selbst das Gedenken an 1956 wird nicht gemeinsam begangen.

Sein übriges tat in Ungarn der sog. sanfte Übergang, der letztlich schon sehr früh die Ahndung von Tätern aus politischen Gründen – das Verzeihen, der Großmut waren „en vogue“ – ausschloss. Ein großer Teil der Bevölkerung, deren Vorfahren in den ungarischen Gulag verschleppt worden waren, die als Aristokraten oder Bürgerliche aus ihren Häusern und Wohnungen zwangsweise ausquartiert wurden, die in Arbeitslagern erschossen wurden, verhungerten oder als Klassenfeinde im Gefängnis verrotten mussten, war gezwungen, Tür an Tür mit denjenigen weiter zu leben, die ihre Verwandten oder sie selbst an die Staatssicherheit verraten hatten. Und über ihre Parteizugehörigkeit zu hohen Renten, manchmal gar Doktortiteln gelangten. Eine staatliche Sühne für den ungarischen Kommunismus blieb, ganz anders als bei den Tätern der Naziherrschaft, aus. Bereits hier mussten sich die Opfer des Kommunismus im Stich gelassen und ihr Schicksal als bagatellisiert fühlen; Verschwörungstheorien wie dem angeblichen „Vertrag vom Rozsadomb“ wurde durch den „verhandelten“ Trnsformationsprozess Tür und Torgeöffnet. Das seinerzeit erfundene „Reden wir nicht mehr darüber“ erwies sich als keine gute Basis für Aufarbeitung und Verzeihen.

Wie lange es noch dauern wird, zu einer angemessenen Erinnerungskultur zu gelangen, die sowohl die Kommunistische Ära, als auch die Horthy- und Nazizeit ohne den ideologischen Kampf beleuchtet, ist völlig offen. Beide Seiten müssten sich aufeinander zubewegen und anerkennen, dass die Verbrechenssysteme Nationalsozialismus und Kommunismus gleichermaßen Millionen Menschen auf dem Gewissen haben und insoweit durchaus vergleichbar sind. Beide Systeme haben Berge von Leichen hinterlassen. Es spielt keine entscheidende Rolle, ob man Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Rasse oder Religion oder aufgrund ihrer Klassenzugehörigkeit verfolgt. Die oben betonte Einzigartigkeit des Holocaust wird durch diese Feststellung nicht in Zweifel gezogen.

Jedoch haben die Opfer sowohl des Nazismus als auch des Kommunismus gleichermaßen Anspruch auf Respekt. Dieser wird gewiss nicht dadurch gezollt, dass ein Schriftsteller wie György Moldova offen ausspricht, Kádár habe viele Menschen „wohl zu Recht“ hängen lassen. Und auch nicht dadurch, dass ein („konservativer“) MDF-Politiker namens Károly Herényi betont, die Opfer des Kommunismus hätten – anders als Juden im Nationalsozialismus – die Möglichkeit gehabt, sich dem staatlich verordneten System anzuschließen, weshalb die Verbrechen nicht vergleichbar seien…

Keine Opfergruppe hat ein Leidens- und Trauermonopol. Das weiß jeder, der Opfer zu beklagen hat.

55 Kommentare zu “Kommentar: Zum Gedenktag für die Opfer des Kommunismus am 25.02.2012

  1. Ein wichtiger formaler Unterschied ist, dass es ordentliche Gerichtsverfahren und klare Beweisaufnahmen gab im Fall des Holocaust. Der ist, als Verbrechen, juristisch bewiesen. Auch zum armenischen Genozid gab es einen Prozess der Alliierten, der mit der Sentenz endete, man finde keine ausreichenden Beweise für den Völkermord-Vorwurf (was heute, 90 Jahre später, diverse Parlamente nict daran hindert, dennoch und ohne weiteren Prozess das Leugnen dieses „Völkermords“ unter Strafe zu stellen.)

    Ich regte kürzlich im „Streitgespräch“ mit Gregor Mayer für eine Studentenzeitung an, eine internationale Historikerkommission zu bilden, um zu einem Urteil darüber zu kommen, ob der Kommunismus (und der Faschismus, warum nicht beides angehen) als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beurteilen ist. Brisantes Thema, es gibt ja auch noch China.

    Auf ein entsprechendes Urteil könnte man sich dann beziehen, um Parteiverbote gegen sowohl kommunistische als auch faschistische Parteien auszusprechen.

    • Herr Kálnoky,
      Parteiverbote auf der Grundlage vergangener Untaten sind, wie ich glaube, keine Lösung. Sehen Sie sich die NPD in Deutschland an: Der Versuch, diese Partei einem Verbotsverfahren zu unterziehen, wurde zum Fiasko für die Demokraten (die NPD war von Informanten und V-Leuten des Verfassungsschutzes durchsetzt).

      Historische Aufarbeitung ist nötig, jedoch primär, um kritisches Geschichtsbewusstsein zu schaffen. Geschichte ist komplex, weshalb es falsch ist, die positiven Errungenschaften der eigenen Nation zu beleuchten und die dunklen Phasen auszublenden – oder umgekehrt.

      Die Lösung führt über die Politik: Extreme Parteien müssen von den demokratischen Kräften GEMEINSAM so weit abgedrängt werden, dass sie nicht mehr ins Parlament gelangen. Demokratischer Grundkonsens. Und hier liegt das Probem: Sind sich die Demokraten auf beiden Seiten nicht einig und sprechen sich die demokratische Legitimität ab, dann profiteren IMMER die Extremen. Seit 20 Jahren beschimpfen sich die Parteien in Ungarn als Faschisten oder Kommunisten, als Nationalisten oder Kosmopoliten. Das ist kein Grundkonsens.

      Wovon die Extremen auch profitieren ist, wenn man die Menschen mit ihren Sorgen alleine lässt. Wer bestimmte Themen den Extremen überlässt, darf sich nicht wundern, wenn die Kreuzchen an der falschen Stelle gemacht werden.

      Viel zu tun.

  2. HV,

    ein hervorragender Artikel, gratuliere.
    Einzige Einschränkung betrifft den Satz: „Wer etwa betont, dass die ungarischen Stalinistenführer wie Rákosi, Farkas und Gerö jüdischer Herkunft waren, dem wird unverzüglich aufkeimender Antisemitismus… unterstellt“
    Meine Frage: und zu Unrecht? nur in den seltensten Fällen. Denn warum fragen jene, dieidie jüdische Herkunft Rákosis betonen, nach der Haarfarbe, dem Lieblingskomponisten oder dem bevorzugten Frauentyp dieser Politiker? Wohl deshalb, weil man damit nicht gegen eine Bevölkerungsgruppe (die jüdische) hetzen kann…. mit der ach so unschuldigen Betonung der jüdischen Herkunft (oftmals auch, indem man in Klammern die echten oder angeblichen jüdischen Namen dahintersetzt) aber schon. Oder zeige mir einen Fall, indem jemand sich damit befasste, ob die kommunistischen Führer rechts- oder linkshändig geschrieben haben… Wirst du wohl ebenfalls nicht finden. Warum: weil man gegen Linkshänder nicht hetzen kann…

    • Lieber galut,
      danke für das Feedback.

      Nein, nicht nur zu Unrecht. Ich bin der festen Überzeugung, dass es das von Dir angesprochene Phänomen gibt: Hinweis auf Juden, weil sie Juden sind. Ein diesbezüglicher Generalverdacht ist aber m.E. falch. Ich erinnere mich lebhaft an eine Diskussion mit meinen Budapester Verwandten, nachdem wir den Film „A napfény íze“ angesehen hatten. Ein Film, der mehrere GEnerationen einer jüdischen Familie beschreibt, von der Monarchie bis in die Kádár-Ära.

      Ich vertrat die Auffassung, dass die Szene, in der Sors (in Klammern: Sonnenschein) zur AVH rekrutiert wurde mit den Worten „El fogjuk kapni az összes fasiszta brigantit“, unter Hinweis auf die Opfer in seiner eigenen Familie, realistisch war. Wer sich also die Frage beantworten will, warum in der Zeit des Stalinismus – d.h. krz nach dem Krieg – Juden eine so herausragende Rolle im Staatsapparat spielten, der muss das Rachemotiv eher betrachten als das dumme Geschwafel vom Juden, der angeblich zum Bolschewismus neigt. Teil dieses – ich nenne es mal „Forschungsthemas“ wäre dann aber auch die Frage, wer in der Rákosi-Ära Jude und damit vom Holocaust direkt oder indirekt betroffen war. Und Rákos, Farkas und Gerö, auch Apró waren nun einmal zweifelsfrei Juden, die zum Teil auch brave Moskowiten waren.

      Überhaupt ist der Film a napfény íze im Hinblick auf die Geschichte der ungarischen Juden vor Horthy bis nach dem Holocaust einer der besten Filme, die ich je sah. Bis ins kleinste Detail durchdacht. Ein Dokument dafür, dass die Geschichte Ungarns mit der Geschichte der ungarischen Juden untrennbar verbunden ist.

  3. Ich bin sehr fürs Vergleichen, wobei Vergleichen nicht nur heißt, Gemeinsamkeiten zu finden, sondern auch Unterschiede. Vergleichen heißt eben nicht Gleichsetzen. Der Satz: „Das kann man nicht vergleichen“, ist oft ungerechtfertigt, weil er diese Doppelnatur des Vergleichs negiert. Insofern finde ich Ihren Kommentar, HV, über weite Strecken gelungen. Hier und da bin ich allerdings geneigt, kritische Anmerkungen zu machen. Zum Beispiel frage ich mich, was es bringt, darauf hinzuweisen, dass Barroso in seiner Jugend mal an Mao glaubte. Er tut es schon lange nicht mehr und ist inzwischen ein führender EVP-Politiker.

    Noch drängender stellt sich mir die Frage, die galut schon aufgeworfen hat: Wem nutzt es, wenn darauf hingewiesen wird, dass Rákosi jüdische Wurzeln hatte? War er überhaupt Jude? An blutsmäßiges Judentum glaube ich nicht. An Gott glaubte Rákosi nicht. Bleibt nur noch die kulturelle Identität. Ob er sich wohl selbst als Jude sah? Eventuell hilft der Verweis auf die Wurzeln noch zu verstehen, wieso es in dem von Rákosi geprägten, stalinistischen Ungarn anders als in der Sowjetunion keine großen antisemitischen Schauprozesse gab. Aber sonst – cui bono?

    Ich weiß, HV, dass Sie Frau Marsovsky oft kritisieren. Ich finde sie manchmal auch ein wenig – sagen wir – von ihren Themen besessen. Aber eine wichtige Aussage aus einem Radio-Interview mit ihr habe ich mir gemerkt: Der Jude des Antisemiten hat wenig mit der Realität zu tun, er ist immer konstruiert. Rechtsextreme lieben es, auf die angebliche Seelenverwandtschaft von Judentum und Kommunismus oder wahlweise: Judentum und Kapitalismus hinzuweisen.

    Der Informationswert der Aussage, dass Rákosi Jude gewesen sein soll, ist fast gleich null. Interessanter finde ich Hinweise von Historikern, die festgestellt haben, dass viele ehemalige Pfeilkreuzler der unteren Ränge nach 1945 zu den Kommunisten überliefen. Die Nähe zweier totalitärer Ideologien und die Angst vor Bestrafung für die frühere Gesinnung mögen hierfür den Ausschlag gegeben haben.

    • @ Ungarnfreund:

      Der Wechsel von Pfeilkreuzlern zu Kommunisten ist in dem Beitrag von Krisztián Ungváry „Belastete Orte der Erinnerung“ thematisiert. Ich halte Ungváy für eine der besten Stimmen, die die seriöse Geschichtsforschung in Ungarn heute hat. Falls Sie den Beitrag nicht kennen, hier der Link:

      http://www.bpb.de/publikationen/AUL29H,0,0,Belastete_Orte_der_Erinnerung.html#art0

      Ungváry schreibt zur Einseitigkeit der Erinnerungskultur, auch gegenüber Fidesz ist er deutlich kritisch (z.B. was das Terrorhaus und die Tedenz angeht, die „Nation“ von der Mitverantwortung für die beiden Schreckenssysteme freizusprechen – eine Sichtweise, die leider in die Verfassungspräambel hineingeschmuggelt wurde und keinen Beitrag zu der nötigen Erinnerungskultur leistet).

      Was Rákosi angeht, möchte ich Ihnen eine Gegenfrage stellen: Wem nützt es, wenn NICHT darauf hingewiesen wird, dass Rákosi Jude war? Mir persönlich war es wichtig, Motive zu hinterfragen. Wie es auch Krisztián Ungváry tat, als er über die Zusammensetzung der frühen ÁVÓ schrieb:

      „Bei den Allermeisten könnte aber auch Rache als Motivation zum Eintritt in die Polizei eine Rolle gespielt haben, denn die ersten Mitglieder der politischen Polizei waren überwiegend Juden, die unter der Diktatur als Verfolgte gelitten hatten, nur wenige kamen aus der Emigration.“

      Ich denke, der Informationsgehalt ist deutlich > 0, wenn man als Motiv Rache in Betracht zieht.

      • Gut, das Motiv Rache zu untersuchen, ist legitim. Aber man sollte auch die möglichen Folgen der von Ihnen vorgeschlagenen Zuordnung bedenken. Ich würde den untersuchten Personenkreis etwas anders definieren und neutral danach fragen, wie viele Menschen bei der ÁVÓ mitmachten, weil sie zuvor von den Pfeilkreuzlern verfolgt worden waren. Mit welcher Begründung diese Personen zuvor verfolgt wurden, ist erstmal zweitrangig.

        Mein Motiv für diese Herangehensweise (Antwort auf Ihre Frage, HV, wem es nützt): Ich möchte nicht, dass diejenigen, die sich selbst als Juden betrachten, von wem auch immer für Rákosi in Kollektivhaftung genommen werden. Ich behaupte außerdem in guter konstruktivistischer Manier, dass viele derer, die als Juden verfolgt wurden, erst von ihren Verfolgern zu Juden gemacht wurden.

        Imre Kertész hat das mehrfach zum Ausdruck gebracht. Einem deutschen Journalisten sagte er, der sich wohl am ehesten als Weltbürger fühlt, einmal sinngemäß: „Machen Sie mich nicht zum Ungarn; es reicht, dass mich ihre Vorfahren zum Juden gemacht haben!“ Ich meine, das war 2009 gegenüber der Welt. In Le Monde hat er diesen Gedanken unlängst variiert und recht resigniert dargelegt, dass er unfreiwillig das Klischee der Rechtsextremen erfülle, wonach der Jude kein Vaterland kenne. Eben weil er, Kertész, zum Juden gestempelt worden sei, sei es ihm verwehrt geblieben, sich in Ungarn heimisch zu fühlen. Traurig, nicht?

      • „Ich möchte nicht, dass diejenigen, die sich selbst als Juden betrachten, von wem auch immer für Rákosi in Kollektivhaftung genommen werden.“

        Das möchte ich auch keinesfalls. Ich weiß aber auch, dass es das Problem der kollektiven Inhaftnahme gibt.

        Was Kertész angeht, so weiß ich nicht genau, wie er seine Worte gemeint hat. Ich halte seine Wortwahl für sehr verbittert. Und bin mit ihm in vielen Punkten nicht einer Auffassung.

      • Habe soeben besagtes Kertész-Interview von 2009 wiedergefunden: http://www.welt.de/kultur/article5098828/In-Ungarn-haben-Antisemiten-das-Sagen.html

        Es ist nicht sehr schmeichelhaft und würde von vielen Budapestern sicherlich als beleidigend empfunden werden, könnten sie es lesen. Aber was soll man erwarten von einem Mann, der sich selbst als Entwurzelten sieht, der zu Hause keine Anerkennung gefunden hat? Es lohnt, über seine Aussagen über die eigene Identität nachzudenken. Ich weigere mich jedenfalls, Kertész nur als verbitterten alten Mann zu sehen, dem nicht mehr zu helfen ist. Ein kluger Schachzug wäre es, wenn jemand wie Außenminister Martonyi bei seinem nächsten Berlin-Besuch einmal ein Gespräch mit Kertész führen würde. Ob das je versucht wurde?

  4. Ich glaube ich habe bereits einmal auf meine Glosse hingewiesen, die im ES 2008 erschienen ist, und in der ich festgestellt habe, dass der als Katholik geborene János Kádár mehr Ungarn hat hängen lassen als Rákosi & Gerö. Trotzdem wird in dem einen Fall die religiöse Herkunft betont, im anderen nicht, obwohl doch alle Kommunisten Atheisten waren und nicht mehr mit ihrem Ursprung zu tun haben wollten.
    HV es stimmt, dass 1945 in erster Linie Juden in die politische Polizei eingetreten sind, die überlebt hatten, doch wurden die sehr bald – mit wenigen Ausnahmen – aus dieser Polizei entfernt.
    Man sollte bevor man zu voreiligen Schlüssen kommt, das Buch von János Pelle lesen, in dem er die Pogrome gegen Juden in Ungarn nach 1945 beschreibt. Er beschreibt wie in einer ungarischen Kleinstadt die Mär vom jüdischen Ritualmord verbreitet wurde und es zu einem Pogrom kam, ein Überlebender von Auschwitz versuchte über die Eisenbahnschienen aus der Stadt zu fliehen, wurde aber von Eisenbahnarbeitern mit Vorschlaghammern erschlagen.
    Wieviele Ungarn wissen davon?

    • *Wieviele Ungarn wissen davon?*
      Ich befürchte genau so viele (oder wenige) wie über die Geschehnisse von 1919 und von Recsk u.ä. informiert sind.
      Ausserdem zeigt der Verlauf der „Diskussion“ im Prinzip schon in welchem Dilemma die Aufarbeitung der Geschichte Ungarns steckt und
      deshalb wird es auch weiterhin noch viele Jahre ziemlich unwahrscheinlich sein einen gesellschaftlichen Konsens zu finden, was die Bewertung der Geschichte anbelangt.
      Wer weiß z.B. was 1949 mit den Nonnen die als Krankenschwestern im Spital arbeiteten geschah, die in einer Nacht- und Nebelaktion auf LKW´s verladen wurden und abtransportiert??

  5. Ungváry ist tatsächlich ein hervorragender Historiker. Freilich, wenn er so etwas wie das Zitierte schreibt, dann hat das gewöhnlich eine Funktion in der Darstellung bzw. Argumentation und aufgrund seiner sonstigen Publikationen weiss man um seine Integrität. In den meisten Fällen sehen sich aber generell immer die Rechten bzw. Rechtskonservativen „genötigt“, auf diese jüdische Herkunft hinzuweisen und da ist dann der Hintergedanke ziemlich eindeutig. Wie sagt man es so schön: „kilóg a lóláb“…

  6. Es geht zwar um Deutschland, es passt aber hervorragend zum Thema, weil es um den reflexartigen Vorwurf der Holocaustrelativierung geht:

    Dem designierten deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck (rein zufällig auch der Vorsitzende eines Vereins gegen das Vergessen der Verbrechen des NS-Regimes…) wurde von einem Journalisten der TAZ vorgeworfen, er verharmlose den Holocaust. Zudem wurde er als „reaktionärer Stinkstiefel“ bezeichnet. Selbst der Grüne Jürgen Trittin konnte nicht umher, diese Äußerung als „Schweinejournalismus“ zu bezeichnen und die TAZ aufzufordern, sich zu entschuldigen.

    Dass Gauck, der ehemalige Vorsitzende der Stasiunterlagen-Behörde, sich bei Linken nicht nur Freunde gemacht hat, ist bekannt. Dass aber solche Reaktionen seine bevorstehende Wahl zum Staatsoberhaupt begleiten, ist an Niedertracht kaum zu überbieten. Denn man weiß, dass der Vorwurf der Holocaustverharmlosung in Deutschland, wenn er sich bewahrheitet, jeden deutschen Politikr für höhere Ämter untragbar macht.

    http://www.unzensuriert.at/content/007393-Denunziation-und-Schweinejournalismus-gegen-Gauck

    Der TAZ-Beitrag enthält folgendes Musterbeispiel eines in linken und Antifa-Kreisen so beliebten Vorwurfes gegenüber „Konservativen“:

    „So außergewöhnlich ist seine Sicht auf die Dinge freilich nicht, sie bewegt sich auf Höhe des relativistischen Diskurses, wie er bis in die frühen neunziger Jahre unter westdeutschen Konservativen vorherrschte („der Ivan ist genauso schlimm“); ergänzt um eine spezifische, ostdeutsche Sicht („wir hatten es auch ganz schlimm“) und um eine pfäffische Note („sowas kommt von sowas“).“

    Wie gut, dass es die Antifa gibt. So wissen wir immer, was gesagt werden darf und was nicht. Ungarn ist insoweit kein Einzel- oder Sonderfall. Wie ich andernorts schrieb: Die Antifa braucht eben Faschisten. Und sie zeigt sich seit Jahren nicht sonderlich wählerisch, jemanden in diese Ecke zu stellen…

  7. HV mag schon sein, dass der Antifaschist die Faschisten braucht. In Ungarn wo die Pfeilkreuzler offen ihr Unwesen betreiben, brauchen sich die Antifaschisten gar nicht sorgen, es gibt sie, die Pfeilkreuzler haben Nachwuchs bekommen und zwar nicht am Rand der Gesellschaft sondern aus der Mitte der Gesellschaft, wie uns die Extremismusforscher zeigen. Gestern abend sprach ATV mit einem britischen Forscher, der auch über Jobbik-Anhänger im Facebook sprach.
    Und Fidesz braucht anscheinend die Kommunisten, denen es ja seit der Wende nie gelang ins Parlament zu kommen. Doch an echter Aufklärung ist Fidesz anscheinend nicht interessiert.
    Ungarn ist das einzige Land im ehemaligen Block, das bis heute nicht die Liste der Spitzel publiziert hat und zwar laut Eva S. Balogh, weil sich Fidesz beharrlich geweigert hat dies zu veranlassen. Es harren 32.000 Akten der Aufarbeitung.
    http://esbalogh.typepad.com/hungarianspectrum/2012/02/fideszs-attitude-toward-the-communist-past.html

    • „Ungarn ist das einzige Land im ehemaligen Block, das bis heute nicht die Liste der Spitzel publiziert hat und zwar laut Eva S. Balogh, weil sich Fidesz beharrlich geweigert hat dies zu veranlassen.“

      Die Nichtaufarbeitung der Stasiunterlagen geht auf ein Kartell zwischen allen Parteien zurück. Ich finde das so schlecht wie Sie und Frau Balogh. Aber zu behaupten, die Verweigerungshaltung des Fidesz sei dafür verantwortlich, ohne die Sozialisten und (ja!) auch die Liberalen zu nennen, ist geradezu lächerlich. Lesen Sie mal im Beitrag von Gyula Józsa nach, wie giftig (auch) die ungarische Linke auf Bestrebungen der Aufarbeitung reagiert hat. Oder ziehen Sie den von uns beiden hochgeschätzten Historiker Krisztián Ungváry zu Rate: Der kritisiert Fidesz mehr als deutlich, er scheint aber eher an der Wahrheit interessiert zu sein als „árokásó“ Balogh.

      • Am 20.02.2012 hat die LMP versucht, ein Lustrationsgesetz auf die Tagesordnung des ungarischen Parlaments zu setzen. Schiffer hielt eine leidenschaftliche Rede und der Regierungsmehrheit sinngemäß vor, dass ihr ganzer Antikommunismus eine Farce sei, wenn sie sich der vollständigen Öffnung der Stasiunterlagen widersetze. Jobbik pflichtete der LMP bei – eine Rebellion der Jugend gegen die Alten? MSZP, KDNP und FIDESZ hielten es jedenfalls nicht einmal für nötig, das Wort zu ergreifen.

        Stattdessen wurde der Vorstoß –ich möchte sagen: eiskalt– niedergestimmt. Nur eine Minderheit aus dem Regierungslager traute sich Presseberichten zufolge, mit Ja zu stimmen oder sich zu enthalten. Aus meiner Sicht hat der Antikommunismus der jetzigen Regierung mit diesem Vorgang sehr stark an Glaubwürdigkeit verloren. Und kaum einer hat das Ganze wirklich zur Kenntnis genommen, weil ähnliche Initiativen in den letzten 20 Jahren wohl schon oft unternommen worden und jedes Mal gescheitert sind.

      • „MSZP, KDNP und FIDESZ hielten es jedenfalls nicht einmal für nötig, das Wort zu ergreifen.“

        Wie ich oben sagte. Die gesamte Ex-Nomenklatur, egal wo sie heute sitzt, hat die Finger tief drin bei der Verhinderung der Lustration. Bei Balogh hört sich das so an:

        „However, Fidesz never had any inclination to do so. In fact, they steadfastly refused the demand by SZDSZ to reveal the identity of the informers.“

        Aha. SZDSZ als Wiege der Aufklärungsbereiten. Lesen wir doch einmal, was ´Gyula Józsa in seinem hervorragenden Beitrag (lesbar hier), im Bezug auf die Nachwendezeit, hierzu schreibt:

        „Die Gesetze über Durchleuchtung und Strafverfolgung von Verbrechen während des Kommunismus traten – wegen der erforderlichen Zweidrittelmehrheit im Parlament und wegen der Bedenken und Bremsmanöver der Sozialisten und Freidemokraten – erst 1994 in Kraft. Kaum nahm die Durchleuchtungsinstanz, ein Richterkollegium, seine Arbeit auf, beging der Vorsitzende des Kollegiums den Fehler zu signalisieren, daß seine Behörde fündig geworden sei. Unter den ersten 40 überprüften Abgeordneten des 1994 gewählten Parlaments befinde sich eine Person, die man der Kollaboration mit bzw. Mitgliedschaft in den alten Sicherheitsorganen verdächtigen könne. In den sozialistischen und liberalen Medien erhob sich ein Schrei der Empörung wegen der Verletzung des Prinzips der Unschuldsvermutung, obwohl der Richter keinen Namen nannte. Da der Kreis derer, die durchleuchtet werden sollten, sich auch auf Spitzenstellen in den Redaktionen erstreckte, machten die sozialistischen und liberalen Medien, d.h. die Mehrzahl, von Anfang an Stimmung gegen das Durchleuchtungsgesetz. In Ungarn spricht man offen davon, daß ein Teil der Journalisten, insbesondere die Auslandskorrespondenten, bis 1989 quasi ex officio mehr oder weniger intensiv mit den Geheimdiensten zusammengearbeitet haben.
        Nach der Bekanntmachung der bei der Durchleuchtung aufgetauchten Verdachtsmomente gegen einen Abgeordneten des Parlaments setzte die neue Koalition die Amtsenthebung des Vorsitzenden des Richterkollegiums und die Neubesetzung bzw. Neureglementierung des Richterkollegiums durch. Das Ergebnis war, daß der – von bestimmten Behörden von Anfang an boykottierte – Prozeß der Durchleuchtung auch fünf Jahre nach dem Systemwechsel erfolgreich blockiert wurde. Während in anderen postsozialistischen Staaten viel früher viel radikalere Maßnahmen zur juristisch-administrativen Vergangenheitsbewältigung getroffen worden sind, erschien die als „blindwütig antikommunistisch“ bezeichnete erste Koalitionsregierung geradezu ohnmächtig. Sie achtete jedenfalls peinlich genau auf die Spielregeln der parlamentarischen Demokratie, obwohl es u.a. wegen dieser Angelegenheit zur Spaltung des „Demokratischen Forums“ kam und der Bestand der Koalition gefährdet wurde.“

        Es gleicht einer dreisten Geschichtsfälschung, Fidesz (allein) für die fehlende Lustration verantwortlich zu machen und die SZDSZ (Freidemokraten) im Zusammenhang mit Forderungen nach AUfklärung zu erwähnen. Tatsächlich waren die Freidemokraten diejenigen, die – insbesondere nach ihrer Koalition mit den Postkommunisten von der MSZP – ihren Antikommunismus von früher schnell vergaßen die MAcht der Vegebung betonten (das dumme: Niemand hat die Opfer um Verzeihung gebeten…).

        Tatsache ist, dass in diesem einen Punkt ein wahres Machtkartell vorherrscht. Einer der ganz wenigen Punkte, bei dem Übereinkunft zwischen Sozialisten und Konservativen vorherrscht. Ein Zeichen der Verkommenheit der gesamten ungarischen Politik, was aber offenbar nicht gezeigt werden soll. Im Weltbild der Baloghs dieser Welt muss einer verantwortlich sein: Fidesz. Und Viktor Orbán.

  8. Eine Empfehlung, über der jüdischer Konflikt mit der
    Kommunismus.
    Johannes Rogalla von Bieberstein:
    „Jüdischer Bolschewismus“
    Ares Verlag 2010
    Ein Zitat ;
    „Der Oberrabbiner von Moskau, Jakob Mazeh, beschwor Trotzki:
    ,Die Trotzkis machen die Revolution, aber die Bronsteins müssen
    dafür bezahlen,… Trotzki wußte, dass der Rabbiner recht hatte.“

  9. Istvan Jung, im Grazer Ares Verlag veröffentlichen auch Rechtsextremisten und Johannes Rogalla von Bieberstein ist alles andere als eine zuverlässige historische Quelle. Seine These vom jüdischen Tätervolk ist rechtsextremistische Geschichtsfälschung.

    Was will uns Istvan Jung, der Csurka bestätigte kein Antisemit zu sein, mit diesem Zitat einreden, die Kollektivschuld der Juden? Ist István Jung ein
    Anhänger der Kollektivschuldtheorie? Wenn ja, hat diese nur für Juden zu gelten?

    Ich halte mich da lieber an seriöse Historiker, wie Randolph Braham und Krisztián Ungváry zum Beispiel.

  10. @Pfeifer
    “Der Oberrabbiner von Moskau, Jakob Mazeh, beschwor Trotzki:
    ,Die Trotzkis machen die Revolution, aber die Bronsteins müssen
    dafür bezahlen,… Trotzki wußte, dass der Rabbiner recht hatte.”

    Ich interpretiere das Zitat so: Der Oberrabiner wußte, daß man den Juden die Kollektivschuld geben wird.
    Leo Trotzki war Kommunist, geboren als Leo Bronstein. Sein jüdischer Vater war Bauer.

  11. Herr Pfeifer,
    auf Ihre ungeheure Anschuldigung antworte ich gar nicht.
    Ich vermutete Trotzki Familienname ist eh ziemlich bekannt.
    Ich zitiere von Rogalla vorwort:
    „Ich wurde unter anderem von Profssor Richard Levy in Chicago
    gebeten, für die von ihm im renommierten ABC-Clio-Verlag
    2005 herausgegebene „Antisemitism“-Enzyklopädie den
    Beitrag „Judeo.Bolshevism“ zu verfassen.“
    So, und jetzt kontrollieren Sie schnell!

  12. Ein Tagungsbericht der Budapester Zeitung:

    http://www.budapester.hu/2012/02/konferenz-zu-kommunistischen-verbrechen-in-ungarn/

    Bestürzend folgende Tatsache:

    „Der wohl schwerwiegendste Punkt in den Nachkriegsjahren war die rechtliche Le­ga­li­sie­rung der Internierungen. Das Innenmi­nis­terium stellte damals die Internierung komplett unter polizeiliche Leitung, als „Prä­ven­tion im Sinne der Gesellschaft“, wie Hantó erklärte. „Es wurde jeder eingesperrt, der gegen die Deutschen gekämpft hatte, aus Angst, diese Aufständischen könnten auch gegen die Sowjets zu den Waffen greifen“, beschrieb Hantó eines der Auswahlkriterien für die Deportationslisten.“

    Unglaublich…der Kampf gegen die Deutschen als Auswahlkriterium für die Haft unter dem Kommunismus.

    • Wieso unglaublich? Vollkommen logisch. Wer gegen die Deutschen gekämpft (oder gewirkt) hatte, hatte dies oftmals aus christlicher und patriotischer Überzeugung getan. Genau die Quelle allen Widerstandes gegen die kommunistische Gewaltherrschaft.

  13. Dass Rogalla von Bieberstein zumindest dubios ist, weiss man seit der Hohmannaffäre im Jahre 2002. Dazu reicht es ausnahmsweise den Wikiartikel zu lesen:

    „Im Jahre 2002 veröffentlichte Rogalla von Bieberstein in der Edition Antaios sein Buch „Jüdischer Bolschewismus“. Mythos und Realität. In der Hohmann-Affäre bezog sich Martin Hohmann in seinem als antisemitisch kritisierten Vortrag auf Bieberstein, der daraufhin als sein angeblicher Stichwortgeber in die Kritik geriet.[2]

    Unter anderem das Internetportal haGalil und der Bielefelder Soziologe Lutz Hoffmann kritisierten Bieberstein scharf. Letzterer schrieb: „Ein Grund für das von Seite zu Seite wachsende Unbehagen ist der, dass der Autor eine ganz bestimmte Art von Reduktion“ vornehme. So reduziere Bieberstein den Sozialismus auf den „Kampf gegen die christlich-bürgerliche Welt“ und klammere „Positives des Sozialismus“ aus. Menschen jüdischer Herkunft würde er auf ihre Herkunft reduzieren und betreibe eine „regelrechte Judenriecherei“.[3] Kritik an ihm und seinem Buch wies Rogalla von Bieberstein bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Studienzentrums Weikersheim und der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft zurück. Beide genannten Institutionen werden der Neuen Rechten zugeordnet.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Rogalla_von_Bieberstein

  14. István Jung,
    tatsächlich hat Rogalla den Eintrag in dieses wissenschaftliche Lexikon, das sich in meiner Hand befindet geschrieben. Nur beginnt er da mit folgendem Satz: „The Russian Revolution of 1917 gave birth to the myth of „Jewish Bolshevism“.“
    Rogalla zitiert in seinem Beitrag u.a. ein sehr empfehlenswertes Buch, das verdienen würde ins Ungarische übersetzt zu werden:
    Meyer zu Uptrup, Wolfram: Kampf gegen die „jüdische Weltverschwörung“: Propaganda und Anhtisemitismus der Nationalsozialisten 1019 bis 1945 (Berlin: Metropol, 2003)

    Da Ungarn unser Thema ist, denke ich, können wir es dabei belassen.
    In Ungarn wird von einigen Leuten behauptet, während der Kádárperiode hätten Juden Ungarn beherrscht eine solche Behauptung entbehrt natürlich jeglicher Substanz. Manche versuchen den falschen Eindruck zu erwecken, während der Kádárperiode hätte es in Ungarn keinen Antisemitismus gegeben.
    Lange wurde das Thema Antisemitismus in Ungarn tabuisiert bis dann György Száraz 1976 darüber „Egy előítélet nyomában“publizierte.

    Da István Jung den 2005 publizierten Lexikon erwähnte, habe ich den Eintrag Hungary angeschaut und zitiere nur einige Sätze am Ende dieses Eintrags:
    „Mainstream politicians, such as Viktor Orbán, the former premier, have regularly appeared on extreme rightist broadcasts, giving them respectability they are unable to get on their own. László Kövér, perhaps the second-most powerful Fidesz politician, talks about a „Jewish problem“ in Hungary, rather than an antisemitic problem. Maria Schmidt, a historian and adviser to Orbán, trivializes the Holocaust, suggesting – remarkably for a historian – that the extermination of the Jews was not a German war aim.
    Fidesz is attempting to use nationalism for ist own electoral advantage by reconfiguring history, is rehabilitating the conservative, feudal, antisemitic intervar regime of Miklós Horthy. The nationalist Right is making heroes out of politicians of the World War II era who collaborated with the Nazis and were responsible for untold human suffering. For example, a plaque has been placed in the military history museum in memory of the Hungarian gendarmes, an organization whose record in the Holocaust, mutatis mutandis, can be compared to that of the SS.“
    Richard S. Levy, editor:“Antisemitism A Historical Encylopedia of Prejudice and Persecution“, page 336

  15. Ich denke, dass es beim Aufzeigen von Eigenschaften, die an einen Menschen angeknüpft werden, darum geht, INTERESSEN und SEILSCHAFTEN aufzuzeigen. Selbst der Hinweis, dass jemand Linkshänder ist, kann für die Beurteilung einer Lage gegebenenfalls zielführend werden. Etwa, wenn Linkshänder -wie früher- stark diskriminiert werden, kann ein Personalchef schon „zufällig“ dafür sorgen, dass in seinem Unternehmen überproportional viele Linkshänder arbeiten, damit Kränkungen im Betrieb verunmöglicht werden. Oder können sich Linkshänder für Produkte (Großaufträge!) etwa anders entscheiden, weil sie es leichter bedienen können.
    Aber zurück zur Frage, ob es unsittlich ist, auf die jüdische Herkunft von Politikern hinzuweisen. Nein, weil man macht es ja auch bei anderen Religionen/ Ethnien.
    Juden waren erwiesenermaßen dem Kommunismus sehr aufgeschlossen, weil dieser in sehr konservativen, religiösen Gesellschaften ein Aufbrechen dieser Strukturen propagierte. Hier gibt es also ein Interesse. Ähnlich ist es beim überproportionalen Beitritt in die AVÓ aus Rache an den Pfeilkreuzlern.
    Minderheiten, wie besonders auch die jüdische, zeichnet ein sehr großer, interner Zusammenhalt aus. (Es ist sogar unschicklich mit goyim (Ungläubigen) über Angelegenheiten zu reden, die innerhalb der jüdischen Gemeinde zu lösen sind.) Kurzum, man hält zusammen, weil das einem gegenüber der Mehrheitsbevölkerung, die meist nicht zusammenhält, einen großen Wettbewerbsvorteil verschafft.
    Diesen Zusammenhalt bzw diese Seilschaft sieht man sehr stark in den USA im Finanzsektor, in den Medien und in der Unterhaltungsindustrie. In diesem Sinne ist es sogar die Pflicht von guten Journalisten, auf den jüdischen Hintergrund von Goldman Sachs und auf den protestantischen Hintergrund der Lehmann Brothers hinzuweisen. Ansonsten unterschlägt man seinem Leser wichtige Informationen, die er braucht, um sich ein umfassendes Bild von der Lage zu machen. Es wäre ja auch journalistisch unseriös, das Engagement der USA zugunsten Israels als rein humanistisches Wirken ohne jedweden Einfluss von jüdischen Interessen und Seilschaften in den Vereinigten Staaten darzustellen.

  16. Laut Hannibal105: steckt hinter allem die jüdische Weltverschwörung. Die Juden beherrschen Amerika und sie halten alle zusammen.
    Antisemitismus ist ein Welterklärungsmodell, da braucht man nicht die Realität analytisch zu prüfen, es genügt festzustellen: der Jud‘ ist schuld.
    Und jetzt kehren wir doch ein wenig den Spieß um. Juden waren im Zarenreich schwer benachteiligt und deswegen haben sich so wie andere Minderheiten – zum Beispiel die Letten – viele an den Umsturz 1917 beteiligt.
    Was man in Ungarn gerne vergisst, an der Gründung der kommunistischen Partei in der CSR und in Rumänien waren nichtjüdische Ungarn überproportional beteiligt.
    Im übrigen hat man auch erforscht, welcher Religion die Kommunisten in Ungarn der Zwischenkriegszeit bevor sie Kommunisten wurden angehörten. Juden und Calvinisten waren überrepräsentiert, Katholiken hingegen waren unterrepräsentiert.
    Dass jüdische Lobbys die USA Finanzwelt kontrollieren, haben schon die Nazi behauptet. Die Botschaft des Stereotyps ist eindeutig: Die negativen Eigenschaften der globalisierten Finanzwelt sind jüdischen Ursprungs. Jedoch begreift dieses Denken den Kapitalismus nicht insgesamt, sondern nur partiell negativ. Der entwurzelten, gierigen Finanzsphäre stehen die produktiven, heimischen Unternehmen gegenüber. Die „Revolte“ der Antisemiten zielt nicht darauf ab, bürgerliche Gesellschaft und kapitalistische Produktionsweise abzuschaffen. Für Antisemiten sind Juden die Personifikation der kapitalistischen Missstände. Von der Vernichtung der Juden erhoffen sie sich die negativen Seiten des Kapitalismus zu beseitigen, um nur mehr von den „guten“ Seiten der Ökonomie zu profitieren.
    Die projektive Trennung in „schaffende“, produktive, konkrete Arbeit gegenüber „raffender“, ausbeuterischer abstrakter Finanzsphäre ist kein historisch überwundenes Phänomen, wie die Leser es bei einigen hier postenden Schreiber lesen können.
    Es herrscht in Zeiten der Krise wieder Bedarf an Sündenböcken.

    • „Jüdische Weltverschwörung!“

      In Ostfriesland gibt es dafür das Wort: ‚kalfaktern’!

      Ich fang mal mit Hannibal105 an. Wenn der tatsächlich verlautbaren lassen hat, dass „hinter allem die jüdische Weltverschwörung“ steckt, dann kalfaktert Herr Pfeifer zu recht.

      „Die jüdische Weltverschwörung“ lässt sich zwar nicht völlig ausschließen, aber ich halte sie doch eher für unwahrscheinlich.

      Oder für so wahrscheinlich, wie das „Qurentumserum“,

      oder die „Unbefleckte Empfängnis“, also, dass Maria von dem Augenblick ihrer eigenen Zeugung an vor der Erbsünde bewahrt worden ist und nie von ihr bedroht war.

      „Die jüdische Weltverschwörung“ muss man einfach kalfakterm.

      Diesbezüglich halte ich die katholische Kirche für vorbildlich. Sie hattvöllig recht. Seit 1854 ist die ‚Unbefleckte Empfängnis’ eine geoffenbarte und kirchlich verkündigte christliche Glaubenswahrheit. Zu ‚Qurentumserum‚ hat Papst Pius IX. immer geschwiegen. Es gibt auch heute niemand, der das päpstliche Schweigen irgendwann kalfaktert hätte. Von daher lässt sich die Verschwörung der Weltkirche“ natürlich auch nicht ganz ausschließen,

      Aber eigentlich sind wir doch auch schon mit dem Dogma von der Erbsünde gut bedient worden.

      Die Erbsünde verdanken wir nämlich den Hebräern, noch präziser gesagt: der hebräischen Literatur. Das hebräische Wort ‚Adam’ heißt angeblich ‚Mensch’. Und Menschen gibt es in fast allen Sprachen. Manche Verrückte erkennen sogar in dem ungarischen Wort ‚magyar’ ein Überbleibsel des finnugrischen Wortstamms *irkä und behaupten, dass dies die Bezeichnung für ‚Mann, Mensch’ , hebräisch Adam sei.

      Ich finde das ziemlich verschwörerisch, dass die Erbsünde so den Hebräern abgenommen und auf alle Menschen übertragen werden soll.

      Bei uns in der Geschlossenen sagt der Kalfakter immer, dass die Nazis an allem Schuld sind. Der weiß das, weil sein Vater unter den Nazis auch schon Einheizer war.

      Obwohl !

      Die Nazis waren keine Menschen. Die waren Einheizer.

      Bei uns in der Geschlossenen sagt der Kalfakter, sein Vater sei Nazi gewesen. Der Nazi sei an allem Schuld.

      Ich glaube ihm das. Einheizer sind keine Menschen! Die hatten doch frühere noch nicht mal Waterboarding, wie für die Araber.

      Bei Einheizern ist doch der Mangel an der heilig machenden Gnade nicht mehr zu beheben. Wegen der Konkupiszenz.

      Dahoggeddiemoemmerdahogged, die Lenins und Trotzkis und Dschugaschwilis und Kúns, auch Lukács und Szamuély und Kádár, Cohn-Bendit und die Harasztis und Konráds.

      Einheizer in der Hölle, Luzifiers Kalfaktoren!

      Den Gottesbezug im ungarischen Grundgesetz?

      Braucht’s des?

      Kruzifix no amoi!

      Wo wir doch schon alles haben:

      die „Jüdische Weltverschwörung“
      und die Schweinsbratenkultur von den Neopfeilkreuzlern
      und die von Gott in der Bibel und durch die kirchliche Tradition geoffenbarte Wahrheit,
      denPapst,
      das ökumenische Konzil,
      die regierenden Bischöfe,
      die Missio canonica

      und Karl Pfeifer haben?

      Braucht’s des? Kruzifix no amoi!

    • Hatte oben (27.02.2012, 23h43) schon auf die LMP-Initiative hingewiesen. Ergänzen möchte ich, dass die anwesenden 34 MSZP-Abgeordneten interessanterweise mit Ja gestimmt haben! Wo die übrigen 14 MSZPler gerade waren und warum sie der Sitzung fernblieben, werden wir wohl nie erfahren. Könnte es sein, dass FIDESZ / KDNP nur deshalb mit „Nein“ gestimmt haben, weil sie aus Prinzip nicht für Vorschläge der Opposition votieren? FIDESZ-Fraktionschef Lázár wird jedenfalls in der ungarischen Presse so zitiert, dass er persönlich durchaus für eine umfassende Öffnung der Akten sei. Vielleicht kommt dazu irgendwann noch mal ein Regierungsvorschlag. Das können sie ja nicht auf sich sitzen lassen, dass man ihnen in Sachen Antikommunismus nun jederzeit doppelte Standards vorwerfen kann…

  17. Herr Pfeifer, sie machen es sich ein wenig zu leicht das Thema derart zu verreißen und mit Plattitüden zu „verschönern“.
    Ihr Beispiel mit dem Zarenreich und der Beteiligung von Ungarn unter den tschechoslowakischen Kommunisten bestätigt geradezu meine Aussage (Interesse bzw Seilschaften), weil sich mein Beitrag als pars pro toto (Judentum) auch auf sehr viele Minderheiten bezieht. So wählen die Südtiroler, welche ja schwer konservativ sind (Südtiroler Volkspartei), aus Interesse bei gesamtitalienischen Wahlen (hier sind sie ja in Minderheit) mehrheitlich links, weil sie wissen, dass linke Parteien für eine stärkere Desintegration Südtirols in Italien eintreten.
    Ich darf Sie daran erinnnern, dass ich geschrieben habe, dass Goldman Sachs sicherlich der jüdischen Community und die Lehman Brothers der protestantischen Community zuzuordnen sind. Von einer totalen Dominanz der Juden habe ich also nicht geschrieben. Ich habe auch keine Wertung über die Hochfinanz abgegeben – das waren sie.
    Bestreiten Sie eigentlich, dass in der us-amerikanischen Hochfinanz -gemessen an der Durchschnittsbevölkerung – überdurchschnittlich viele Juden arbeiten? Wenn nein, wie erklären Sie sich, dass so viele in diesem Sektor arbeiten? Halten Sie die Erklärung mit meinem Argument von Seilschaften für diskriminierend, unplausibel oder gar antisemitisch?

  18. Nun Hannibal 105 was Sie da schreiben erinnert mich an eine Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieg. Das philh. Orchester Leningrad besuchte die USA und da fragte Arturo Toscanini den sowj. Dirigenten Mrawinsky „Ist es wahr, dass es bei Ihnen in der Sowjetunion eine antisemitische Diskriminierung gibt“
    Mrawinsky war empört: „das stimmt überhaupt nicht, bei mir im Orchester sind 12 Juden tätig, was mehr ist, als ihr Prozentsatz in der sowjetischen Bevölkerung. Und wieviel Juden beschäftigen Sie?“ Toscanini antwortete: „Ich weiß es nicht, denn ich beschäftige die Leute nach ihren Fähigkeiten und ihre Religion interessiert mich nicht.“
    Glauben Sie tatsächlich, dass man in den USA registriert welcher Religion man angehört?
    Ich habe bevor ich Journalist wurde für mehrere amerikanische Fimen gearbeitet und kann mich nicht erinnern, dass da irgend ein Chef sich interessiert hätte, welcher Religion einer seiner Angestellten angehört.

    Die obsessive Beschäftigung mit der Abstammung oder vermeintlichen Abstammung von Menschen ist aber in Ungarn weit verbreitet.
    Bevor Ungarn zur EU kam, wurde ein deutscher Freund von mir nach Budapest geschickt, um dort höhere Beamten auszubilden. Mein Freund fragte mich, was würde geschehen, wenn er seine Schüler über Antisemitismus in Ungarn befragen würde. Ich antwortete, dass einer oder mehrere fragen würden, ob er denn Jude sei. Er wollte mir nicht glauben und fragte. Als ich ihn ein paar Monate später in Berlin traf, erzählte er mir lachend
    das Resultat. Eine Dame fragte ob er denn ein „echter Deutscher“ sei. Mein Freund fragte, warum fragen Sie, worauf die nette Dame antwortete „weil Sie nicht danach ausschauen“. Mein Freund ist dunkelblond, hat blaue Augen und sein Großvater, der Landrat war, hatte den „großen Ariernachweis“.

    Sie schrieben: „Juden waren erwiesenermaßen dem Kommunismus sehr aufgeschlossen, weil dieser in sehr konservativen, religiösen Gesellschaften ein Aufbrechen dieser Strukturen propagierte“. Nein darum ging es nicht, sondern um die Abschaffung von Diskriminierung. Auch in Ungarn. Es erzählte mir ein Ungar, der ins KZ Mauthausen deportiert wurde, von den fünfziger Jahren unter Rákosi, als jüdische Ärzte in der Sowjetunion beschuldigt wurden führende Politiker vergiftet zu haben, gab es eine Diskussion in seiner kommunistischen Zelle. Ein ehemaliger Pfeilkreuzler fragte, ob er denn seinem jüdischen Arzt trauen könne. Der Sekretär der Zelle antwortete: „Du bist doch Frisör in der Kooperative, Du kannst Dich ruhig weiter von ihm behandeln lassen, die wollen nur Funktionäre vergiften.“ Dieser Ungar kehrte nach 1956 wie so viele andere nicht zurück in die Partei.
    Fakt ist, die Kádárherrschaft gründete nach den ersten 5 Jahren nicht mehr auf die sowjetische Armee, sondern darauf, dass die meisten Ungarn ihren Frieden mit dem Regime geschlossen haben. Das versuchen einige Ungarn heute Juden in die Schuhe zu schieben und reden dann anstatt vom Kádárregime, vom Aczélregime.

    Sie schreiben: „Minderheiten, wie besonders auch die jüdische, zeichnet ein sehr großer, interner Zusammenhalt aus. (Es ist sogar unschicklich mit goyim (Ungläubigen) über Angelegenheiten zu reden, die innerhalb der jüdischen Gemeinde zu lösen sind.“ Können Sie mir eine Quelle für diese Behauptung geben?

    Reden denn Katholiken oder Protestanten mit Juden oder Atheisten „über Angelegenheiten… die innerhalb“ ihrer Gemeinde zu lösen sind?

  19. Ich bin die Liste von Le Monde mal durchgegangen: Die 100 Bücher des Jahrhunderts. Auf Platz 15 findet sich das Hauptwerk von Alexander Issajewitsch Solschenizyn:

    „Der Archipel Gulag“:

    „All jenen gewidmet,
    die nicht genug Leben hatten,
    um dies zu erzählen.
    Sie mögen mir verzeihen,
    daß ich nicht alles gesehen,
    nicht an alles mich erinnert,
    nicht alles erraten habe.“

    Es ist das bekannteste Werk der im Untergrund entstandenen und verbreiteten verbotenen Literatur des einstigen kommunistischen Herrschaftsbereichs. Es ist die bedeutsamste Darstellung und Kritik des Stalinismus innerhalb der Literatur.

    Auf meinen Schreibtisch liegt ein dünnes Buch. ISBN 3-924444-14-5.
    Ich hatte es mir antiquarisch über Amazon bestellt. Es kam ein Mängelexemplar. Die Seiten 97 bis 120 fehlen. Die Buchhandlung hat mir den Betrag von 3,56 € bereits zurück erstattet. Ich durfte das Buch behalten. Es hat eine Rückseite, das Konterfei eines demokratischen Oppositionellen aus Ungarn. Das liegt jetzt auf meinem Schreibtisch.

    „Die innenpolitische Lage in Ungarn ist zweifellos positiver [sicc!] einzuschätzen …“

    Das Buch „gibt einen Überblick der Dissidentenliteratur und – organe [sicc!] …“

    Jene, „… die nicht genug Leben hatten, um dies zu erzählen…“, kommen in dem dünnen Buch nicht vor. Auch Alexander Issajewitsch Solschenizyn, der über ihren Leidenweg berichtet hatte, kommt in dem Buch nicht ein einziges Mal namentlich vor..

    Der „Archipel Gulag“ klingt nur als Verhohnepipelung an.

    Sein Titel erschöpft sich als Kampfauftrag in einer Verhohnepipelung: Das Leid der Millionen wird durch Spott und durch ironische Übertreibung ins Lächerliche gezogen.

    Sie mögen uns verzeihen, dass wir ihrer nicht gedenken können.

    „Archipel Gulasch“ von György Dalos, Donat & Temmen Verlag, Bremen 1986

    Mängelexemplar. Als Grabbeilage für Opfer der Gewaltherrschaften nicht zu empfehlen.

  20. Möchte aufmerksam machen auf die Filmdoku „Die Sowjet-Story“: http://vimeo.com/29854607
    „… Die Sowjet-Story untersucht auf fesselnde Weise jene Ereignisse, die dazu führten, dass Nazis und Sowjets gemeinsame Sache machten, sowie das gewaltige Ausmaß der Kollaboration sowohl vor als auch während des Zweiten Weltkriegs. Der Film analysiert den Charakter beider Systeme. Er betrachtet die theoretischen Grundlagen von Sowjetkommunismus und Nationalsozialismus und zeigt frappierende Ähnlichkeiten der beiden Theorien und ihrer praktischen Anwendung auf. …“

  21. Als Autor von „‚Jüdischer Bolschewismus‘. Mythos und Realität“ (Neuauflage Graz: Ares 2010) weise ich darauf hin, daß ich dargelegt habe, daß die Zuwendung von vielen Juden zum Sozialismus und Kommunismus eben nicht zufällig war, sondern „jüdische“ Gründe wie das Bestreben, den Antisemitismus auszurotten hatte.
    So bezeugte der berühmte Chef der Roten Kapelle, Leopold Trepper: „Ich wurde Kommunist, weil ich Jude bin.“

  22. Hat es jetzt den Agenten die Sprache verschlagen?

    Paul Lendvai, der sich in seinen Sturm- und Drangjahren noch dazu hergab, gegen den „internationalen Zionismus“ zu wettern, verriet später, als er schon sicher sein konnte, straffrei auzugehen, „zum Lügengebäude beigetragen“ zu haben. Er charakterisierte das System aus „Terror und Galgenhumor“ als die „Herrschaft der Komplizen“!

    Warum eigentlich verschlägt es den unter Decknamen Agierenden sofort die Sprache, wenn sich jemand hier zu Wort meldet, der einen Namen hat?

    Und warum schweigen Herr Pfeifer, Herr Dalos, oder Frau Marschofsszky, denen „es erlaubt ist, allen Worten einen andern Verstand zu geben, als sie in der üblichen Sprache der Weltweisen haben“. Die so leicht etwas Neues gegen Ungarn vorbringen, es aber nicht erlauben, dieses Neue nicht immer für wahr zu halten?

    Warum eigentlich?

  23. „Warum eigentlich verschlägt es den unter Decknamen Agierenden sofort die Sprache, wenn sich jemand hier zu Wort meldet, der einen Namen hat?“

    Geht es hier um Namen oder um begründete Ansichten?

    Herr R.v.B. mag schreiben, was er will:
    a) Mit seinen Thesen bleibt er in der scientific community eh und weiterhin Außenseiter.
    b) Die von ihm erwähnten „vielen Juden“ erlauben es dennoch nicht, den Juden pauschal zu unterstellen, das Jüdischsein sei für sie bei ihrer Stellungnahme zugunsten des Kommunismus ausschlaggebend gewesen.

  24. Andreas Rosenfelder, damals noch FAZ, empfahl, Rogallas Buch erstmal zu lesen 🙂

    Irgendjemand hat mir in Rumänien mal erzählt, die dortige KP bestand anfangs aus ca 1000 Mitgliedern, überwiegend „ungarische Juden“, weil eben „Juden und Ungarn besonders verfolgt gewesen waren“. Keine Ahnung ob es so war – unlogisch klang es nicht.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/hohmann-affaere-vielleicht-muss-man-das-buch-erst-mal-lesen-1134059.html

    • Es gibt eine interessante Rezession von Prof. Leonid Luks zu Rogallas Buch: http://www.ku.de/forschungseinr/zimos/publikationen/forum/buchkritik/luks-holocaust/

      „Und so begibt er sich auf das ihm offensichtlich wenig vertraute Terrain der russischen Geschichte bzw. der Geschichte der russischen Revolution, denn hier liegt seiner Meinung nach der „Schlüssel“ für die „rationale“ Erklärung des nationalsozialistischen Judenmordes.“

      „Der Autor konzentriert sich im wesentlichen auf die Suche nach den jüdischen Wurzeln der russischen Revolution, und diese Suche wird bei ihm zu einer Art Obsession. Dort, wo es ihm nicht gelingt, die jüdische Herkunft bestimmter führender Revolutionäre aufzudecken, führt er als Beweis für ihre eigentlich „jüdische Gesinnung“ die Tatsache an, daß sie mit Jüdinnen verheiratet waren, wie z. B. der Ahnherr der russischen Sozialdemokratie, Georgij Plechanov. Und bei einigen Revolutionsführern, bei denen auch dieser Beweis nicht erbracht werden kann, entdeckt er entfernte jüdische Verwandte, um damit ihre Ablehnung des zarischen Regimes zu begründen.
      So erklärt er allen Ernstes die Leninsche Kritik an den Judenpogromen im Zarenreich damit, daß Lenin einen jüdischen Großvater hatte, der bereits als Kind getauft worden war. Als ob es unbedingt notwendig wäre, einen jüdischen Vorfahren zu haben, um die Judenpogrome zu verurteilen.“

      Er kommt zu dem Ergebnis, „daß es sich bei dieser Schrift nicht um eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung, sondern im wesentlichen um ein tendenziöses Pamphlet handelt.“

      Zur Person (Wikipedia): Leonid Luks (* 24. Januar 1947 in Swerdlowsk) ist ein Historiker russischer Herkunft und seit 1995 Inhaber des Lehrstuhls für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

  25. Was ist eine begründete Ansicht?

    Uns verwirrt es, die wir seiend heißen
    Immer so zu leben: Nur von Bildern;
    Und wir möchten manchesmal mit wildern
    Griffen Wirklichkeiten in uns reißen
    Stücke, Abzufühlendes, ein Sein

    Rainer Maria Rilke
    Paris, nach Mitte August 1907

    Was ist „Jüdischsein“?

    Der Duden kennt dieses Kunstwort nicht.
    http://www.duden.de/suchen/dudenonline/J%C3%BCdischsein

    Bin ich Jude, wenn ich der vom Mob Ermordeten 6.000.000 Menschen gedenke?
    Ich kann die Zahl nicht fassen, aber es erfasst mich das Grauen.

    Bin ich Sowjetischer Kriegsgefangener, wenn ich der vom Mob Ermordeten 3.300.000 Menschen gedenke?
    Ich kann die Zahl nicht fassen, aber es erfasst mich das Grauen.

    Bin ich Roma oder Sinti, jedesmal, wenn ich der vom Mob Ermordeten 220000 Menschen gedenke?
    Ich kann die Zahl nicht fassen, aber es erfasst mich das Grauen.

    Ich empfinde Scham, wenn ich der 270000 durch das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ ausgelöschten Menschenleben gedenke.
    Ich kann die Zahl nicht fassen, aber sie ist grauenvoll.

    Ich kann die Zahlen nicht fassen: Mehr als 4 Millionen Zivilisten, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Deportierte Hungertote.

    Horror Vacui, soviel ausgelöschtes Leben.

    Es gilt für mich das Wort „Menschsein“. Wozu die Prothese „Jüdischsein“?

    Es geht doch nicht um die „Stellungnahme“ von irgendwelchen zu Gunsten der am Menschsein gescheiterten kommunistischen Ideologienunddiktaturen.

    Die Frage ist doch, was trieb jene Mensch­heits­be­glü­cker um?

    War es ihre Gottlosigkeit? Die mit einem Defizit belastete Menschwerdung?

    Ob Klassenhass oder Rassenhass, ich sehe nur die von ihnen hinterlassene Blutspur.

    Ist mir doch egal, womit die „scientific community“ das jetzt begründet, jedenfalls, solange sie sich in ihrem „Namenlossein“ nicht vom gemeinen Mob unterscheiden lässt.

    Horror Vacui ist auch die Abscheu vor der Leere, die es braucht, um im Mob aufgehen zu können, vor dem Agentendasein mit Decknamen, vor dem Dasein in einer „scientific community“ linker Spinner, die mit ihren jüdischen Vorfahren von der Komintern nicht im Reinen sind.

  26. Der Punkt b) in meinem getsrigen Posting ist missverständlich: Ich meinte damit, dass es methodisch unzulässig ist, von der (recht schwammigen) Tatsache, dass „viele Juden“ wegen ihres Jüdischseins Kommunisten geworden sind (schwammig: denn wann beginnt „viel“) darauf zu schließen, dass Juden pauschal eine Affinität zu der Ideologie hätten.

    @ BK: ich weiss nicht, ob man tatsächlich alles unbedingt lesen muss. Die Lebenszeit ist zu kurz.

    Die Info zur RKP ist weitgehend richtig, wenn sie sich auf die Zwischenkriegszeit bezieht. Zur Situation der jüdischen Ungarn in Rumänien vgl.: http://adatbank.transindex.ro/inchtm.php?kod=296

  27. Fällt mir auf, daß der Begriff „jüdischen Ungarn “ je nach Bedarf auch “ ungarischen Juden “ benutzt wird. Das Martyrium der ungarischen Juden (http://buecher.hagalil.com/dva/aly.htm) ( http://translate.google.de/translate?hl=de&langpair=en|de&u=http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Hungarian_Jews) und die damit verbundenen , sage ich vorsichtig, Reue mit Wiedergutmachung, steht den ungarischen J u d e n zu. Wird nach Israel überwiesen.
    Dagegen waren und sind die Kapo´s , die ÁVH- Schläger Bauer M. -Nagelabreisser, Securitate-Schläger, die Rákosi-s, Gerő Ernő, Farkas,die K. ´s Genetiker, usw…. ( die Liste könnte auch aktive Kollaborateure beinhalten , es sind viele ) sind einfachheitshalber „jüdische U n g a r n „.Was für ein barbarisches Volk sind …klar : die Ungarn !

    Nebich !

  28. @ Peter Herche: Natürlich ist niemand gezwungen, die fundierten Ansichten irgendwelcher scientifi communities anzuerkennen. Wo kämen wir denn hin? Es herrscht ja schließlich Ansichts- und Meinungsfreiheit. Gerne dürfen sie also die Ansichten der naturwissenschaftlichen scientific community missachten und glauben, dass die Erde eine Scheibe sei. Oder auch die Ergebnisse der Mediziner verlachen und aids auf den bösen Blick von Hexen zurückführen.
    Bitte schön!

  29. @Undercovernaturwissenschaftsgemeindemitglied

    Und sie bewegt sich doch!

    Ob sie sich bewegt, hängt – rein naturwissenschaftlich gesehen- nämlich davon ab, wer gerade ’ne größere Scheibe hat.

    Galut hat Recht!

    In den Sozial- und Geisteswissenschaften gestaltet es sich mit dem ‚Ne- Scheibe-haben noch komplizierter. Einerseits muss man ’ne Scheiben haben, um überhaupt gehört zu werden. Andererseits musst Du erst mal an die große Torte rankommen. Außenseiter wie von Bieberstein ernähren sich nicht von den Brosamen, die vom Philanthropiekuchen z.B. eines György Soros für Kulturwissenschaftler linken Couleurs abfallen.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,720007,00.html

    Galut hat Recht. Scientific communities gründen sich immer auf den rechten Glauben.

    Solange uns die galuts und Feliks Dzierzynskis nicht ausgehen-

    Schade eigentlich, dass kaum jemand Zygmunt, den Bruder von Feliks kennt. Der soll ein anständiger Kerl gewesen sein, Professor in Polen und Antikommunist.

    Muss halt nicht jeder sein Menschsein für dreißig Silberlinge verraten und unter einem Nicknamen Kaiphas verteidigen.

  30. „Zum ersten Mal im Wichs“

    Kulturwissenschaftler der Piros-Fehér-Zöld- Scientific-Community um 1900

    Gemälde von Georg Mühlberg (1863-1925)

  31. Wessen Scheibe größer ist, darüber werde ich nicht mit Ihnen streiten, Herrchen, Sie entlarven sich ja indirekt mit ihren Annahmen und Suggestionen, von wegen Soros und „Kulturwissenschaftler linken Couleurs“.
    Das reicht völlig aus. Dass Sie dann noch von Verrat reden etc. spricht weitere Bände über Ihr verschwörungstheorie-lastiges Weltbild.
    Sapienti sat!

    • @Undercovernaturwissenschaftsgemeindemitglied GALUT

      Ist doch bei Wikipedia nachzulesen:

      „Gegründet wurde die CEU 1991 von einer Gruppe amerikanischer und zentraleuropäischer Intellektueller um den Investor George Soros. Insgesamt hat George Soros als Förderer und Vorsitzender des Open Society Institute der Universität 420 Mio. Euro gespendet.“

      http://de.wikipedia.org/wiki/Central_European_University

      Warum reibt sich ein Undercovernaturwissenschaftsgemeindemitglied eigentlich an Weltbildern anderer?

      Mich stören eigentlich nur Feiglinge, die mit falschem Pass und Perücke rumlaufen und sich vurchtpar wichtig nehmen.

      Dass wir, um es mit Friedrich Kittler zu sagen, die „wunderbar vorgespielte, aber desto verlogenere wissenschaftliche Unschuld“ der Kulturwissenschaft am Beispiel Ungarn gerade erleben, sieht doch jeder, egal ob man es sich auch eingesteht, ’ne Scheibe zu haben oder die nur im Auge seines Nächsten erkennen kann.

      „Recht haben wollen sei unser Credo geworden“, sagt Martin Walser in seinem neuen Essay „Über Rechtfertigung, eine Versuchung“ Rowohlt

      Recht haben Sie, galut, . Aber solange sich so ein ganz Intelligenter dem Elend der Namenlosigkeit preisgibt, bleibe ich bei meinem credo, quia absurdum.

      • Ich schreibe solchen Blödsinn allein wegen der therapeutischen Wirkung, die das Schreiben auf mich hat. Weil mich das aufregt, wenn über den Gräberfeldern der Geschichte schon wieder Schießübungen stattfinden

        Ich meine, man kann doch nicht für die Verbrechen DER Nazis DIE Österreicher oder für Verbrechen des Kommunismus DAS säkularisierte Ostjudentum haftbar machen. DER, DIE, DAS Blödsinn

        Oder vielleicht doch nicht? Sie trugen ja alle Bärte!

        (Ich hör‘ schon auf.) Sorry!

    • @ Szilvike

      Ob „Herchen“ oder „Herrchen“, ich heiße Herche. Der Name kommt aus dem picardischen Dialekt und bedeutet auf Deutsch „Egger“.

      Ich habe Szilvike niemals abgenommen, dass jemand sooo doof sein könnte. Galut kaufe ich es auch nicht ab. (Dass er bei seiner Bildung meinen Namen nicht schreiben kann.)

      bei Terenz Phormio 541, bei Hungarian voice: galut 11. März 2012

      Ignoranz lässt sich nicht schmecken, kedves Szilvike, aber auch nicht übersehen.

      „Ah, für einen Klugen ist genug gesagt!“

  32. @Peter Herche:

    Lesen sie zur Abwechslung die Selbstdarstellung von O.V. in der FAZ durch, dann erfahren Sie, dass der 2 Weltkrieg nur ein Bruderkrieg unter/zwischen christlichen Staaten war.

    Also nicht zwischen Ideologien, nicht zwischen Demokratie und totaliären Regimen, nicht zwischen Diktatoren wie Hitler, Mussolini und Stalin – sondern zwischen Anglikanern, Kalvinisten, Katholiken, Protestanten, Orthodoxen …

    Es besteht also kein Grund sich aufzuregen. Geschichte kann so unterhaltsam sein, wenn sie von Hobbywissenschaftlern gemacht wird!

    Sorry, ich habe jetzt eine Verabredung. Nach dem Gottesdienst können wir weiter diskutieren.

    • Ach der Viktor. Soviel Authentizität wird schwer ertragen. Das Problem sehe ich nicht darin, was jemand auf ungarisch sagt. Problematisch sind zuallererst die Übersetzungen aus der ungarischen Sprache.

      Noch komischer wird es, wenn Ungarn, die nicht Deutsch können, in deutscher Sprache Reden halten. Bestes Beispiel dafür ist Peter Esterházy, der mit seinem Kauderwelsch in Deutschland gut ankommt. Obwohl man erst versteht, was er sagt, wenn man ihn rückübersetzt hat. Walser haben sie nach Frankfurt gekeult, Esterhazy bekam für sein in der Paulskirche vorgetragenes Lammkeulenrezept viel Beifall. Verstanden hat sein Genuschel die deutsche Prominenz garantiert nicht. Das konnte man an ihren Gesichtern ablesen. War auch gut so für die Völkerfreundschaft.

      http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,322470,00.html

      Mit Sätzen wie „Der Hass gegen die Deutschen ist Europas Fundament in der Nachkriegszeit“ spricht er dem deutschen Michel aus der Seele. Dabei war es doch der Hass DER Deutschen, der Europa peinigte. Europa gab Deutschland dennoch wieder eine Chance. Einer Bundesrepublik mit dem Ministerialdirigenten und späteren Staatssekretär im Bundeskanzleramt Hans Josef Maria Globke, der zum Schluß auch noch das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland angeheftet bekam.

      Alcsútdoboz bei Felcsút ist nur für den unterhaltsam, der weiß, dass dazwischen die Szúnyogpuszta liegt. Da kommen keine Elefanten her. Die muss man sich schon selber machen, wenn man welche braucht.

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