Themenschwerpunkt Ungarn in der österreichischen Zeitschrift „Couleur“

Die vom österreichischen Mittelschüler-Kartellverband (MKV) herausgegebene Zeitschrift „Couleur“ befasst sich in der Ausgabe I/2012 schwerpunktmäßig mit Ungarn.

Veröffentlicht wird ein von Marc Vecsey (WU Wien) geführtes Streitgespräch zwischen den beiden Journalisten Boris Kálnoky (WELT) und Gregor Mayer (dpa, Der Standard), ein Interview mit dem ungarischen Botschafter in Wien, Vincze Szalay-Bobrovniczky, sowie ein Kommentar von Hungarian Voice.

http://www.mkv.at/?sys=dl&type=pdf&id=1&qual=pdf&jahr=2012&ausg=1

24 Kommentare zu “Themenschwerpunkt Ungarn in der österreichischen Zeitschrift „Couleur“

  1. S.22: „Können Sie einen Punkt nennen, den die christlich-soziale Regierung
    in den vergangenen anderthalb Jahren gut gemacht hat?“

    Eine Frage sollte erlaubt sein: Ist aus der „nationakonservativen“ Orban-Regierung inzwischen eine „christlich-soziale“ Regierung geworden, also vergleichbar mit der CSU in Bayern?

    • Orbán hat, so viel ich weiß, die CSU unter Franz Josef Strauß zu seinem Vorbild erkoren. Und wer die Positionen der CSU kennt, würde sie wohl in vielen Punkten auch als „nationalkonservativ“ umschreiben können. Alles eine Frage der Definition.

  2. HV FJS ist es tatsächlich gelungen: Es gab keine Partei die rechts von der CSU stand und politisches Gewicht hatte in Bayern. Daran hat sich nichts geändert bis heute.
    Orbán mag ja FJS als Vorbild erkoren haben, aber er hat selbst den Geist von Jobbik aus der Flasche gelassen und jetzt kann er diesen nicht dorthin zurückdrängen. Das ist der Unterschied.
    Orbán versprach die uniformierten Garden mit zwei Ohrfeigen auseinanderzutreiben. Darauf wartet man in Ungarn noch immer. Denn das Gesetz hindert diese Leute nicht am uniformierten Auftreten.

    • 1. Ein Zitat:

      „Das veränderte Vereins-, Polizei- und Strafrecht wirkt zwar, die Ungarische Garde macht also keine Aufmärsche mehr.“

      Wissen Sie, wer das vor wenigen Wochen sagte?

      2. Trifft es zu, dass Jobbik während der Jahre 2003-2010 fortwährend stärker wurde?

    • FJS hatte es aber auch wesentlich leichter als Orbán. Ich will es nicht wissen, was in Bayern los wäre, wenn in bestimmten Gegenden eine Kriminalität geben würde, wie z. B. in Nordost Ungarn. Und was los wäre, wenn bei der Bevölkerung das Gefühl entstehen würde, dass eine ethnische Minderheit sich bei dieser unerträglichen Kriminalität besonders hervortut. Und was los wäre, wenn ausländische Politiker, die ausländische Öffentlichkeit aus irgendeinem Grund mit Bayern ähnlich umgehen würden, wie es zur Zeit mit Ungarn der Fall ist. Dann könnte nicht einmal ein FJS den Wind aus dem Segel der Rechtsextremen nehmen.

      • Statt sich auf den worst-case zu konzentrieren und Orbán zu bemitleiden sollte man doch lieber den „best-case“ als Standard formulieren und als Ausgangspunkt wählen, nämlich eine Gesellschaft, in dessen Mitte Rassismus und Populismus keinen Platz hat. Eine politische Elite, die dem aktiv entgegensteuert, statt es für ihre politische Taktiererei dankbar als Spielball aufzunehmen und damit auf unverantwortliche Weise die ungarische Gesellschaft zu kontaminieren, den politischen Raum für eine Nazi-Partei zu öffnen. Von beidem sind wir in Ungarn heute weit enfernt.

  3. Auf der Demo am 01. Februar übten ca. 100-150 neue Gardisten „passiven Widerstand“, indem sie eine halbe Stunde in Reih und Glied auf der Andrássy/ Ecke Dalszinház utca standen. Danach spazierten sie dann auf dem Bürgersteig von der Oper bis zum Oktogon, weiter bin nicht hinterher. Auf der Andrássy, mitten in Budapest, keinen interessiert´s. Ich bin kein Freund von Nazi-Vergleichen, aber diese Normalität war schon sehr gespenstisch, ich kam nicht drumrum an Deutschland in den 30ern zu denken, schweigende Mehrheit, usw. Das war kein offizieller Aufmarsch, nur ein paar Männer und Frauen, die zufällig alle die gleichen Uniformen trugen und zufällig den gleichen Weg hatten..

    • Bemerkenswert. Herr Gregor Mayer, der die von mir eben zitierte Passage in einem Interview von sich gab, gehört wohl neuerdings auch in die Riege der Verharmloser und Anti-Antifaschisten 🙂 …
      Aber ernsthaft: Gab es Aufmärsche in Ortschaften, insbesondere in solchen mit Roma-Bevölkerung, seit die Fidesz-Regierung das uniformierte Auftreten unter Strafe stellte? Seit – ich wiederhole – die FIDESZ-Regierung das unter Strafe stellte?

      • Ist doch egal, was Herr Mayer oder jemand anders sagt, viel schlimmer ist es doch, dass es so stattgefunden hat. Und es war ja auch keine „offizieller“ Aufmarsch, sie waren halt einfach bei einer von jemand anderen (Antifa) angemeldeten Demo vor Ort, insofern hat Herr Mayer ja auch recht, er sagt ja auch, dass er kürzlich welche gesehen hätte – nur eben nicht offiziell. Nur weil sie jetzt verboten sind, heißt es nicht, dass es sie nicht mehr gibt, oder dass sie nicht mehr irgendwo auftauchen, wenn sie Lust haben. In Gyöngyöspata z.B. brauchen sie auch nicht mehr aufzumarschieren, Bürgermeister und Notar erledigen dass jetzt höchst offiziell auf der politischen Ebene.

        Ja, es ist richtig, dass Jobbik seit 2003 (also seit ihrer Gründung) kontinuierlich erstarkt ist, wenn sie das als Argument gegen Verfehlungen der sozialistischen Regierung verwenden wollen, machen sie ruhig, viel Spaß dabei, aber das ist doch schon wieder völlig irreführend. Natürlich stimmt es, dass Fidesz das Gesetz verabschiedet hat, ist auch ne gute Sache (Effizienz siehe oben), aber löst die Probleme nicht, kratzt nur an der Oberfläche. Es stimmt nämlich auch, dass im gleichen Zeitraum der Fidesz durch seine ungemäßigte und nationale Oppositionspolitik den vielzitierten „Geist aus der Flasche“ gelassen hat und wie Herr Pfeiffer schon darauf hinwies, die zwei Watschen von Orbán auf sich warten lassen – jetzt ist eh schon zu spät, mal ganz abgesehen davon, dass das keine abgehackten Prozesse, sondern lange gesellschafts-politische Entwicklungen sind, die man nicht Hau-Ruck-artig beenden kann (was wiederum die bevorzugte Methode der Regierung in nahezu allen politischen Bereichen zu sein scheint) zu denen der Fidesz einen wesentlich aktiveren beigetragen hat, als die MSZP, die vielleicht „passiv“ durch das Fehlen einer strengen Gesetzgebung an den Pranger zu stellen sind. Recht ist das eine. Politik, Rhetorik, Ideologische Feuerspielchen, das andere, darunter wird Ungarn noch lange zu leiden haben.

      • Ich weiß, ich weiß: Der Aufstieg rechtsextremer Elemente ist eine lässliche Sünde, wenn die Linke Verantwortung trägt. Die Rechte hingegen muss für ihren Anteil (den es zweifelsfrei gibt, das stelle ich nicht in Abrede) büßen. Wie schön, dass auch Sie genau wissen, wem man die Schuld geben muss. Da haben Sie und Herr Pfeifer eines gemeinsam. Gratulation.

        Und wer wissen will, warum die Warner und Schreier von heute in den Jahren 2003-2010 die damalige Regierung für ihre Tatenlosigkeit gegenüber der Ungarischen Garde nicht kritisiert haben, der lese abermals Gregor Mayers Aussage:

        „Die Vorgängerregierung hatte keine Erfahrungswerte mit dieser Situation, deshalb hat sie sich mit dem Thema schwerer getan. Außerdem musste erst einmal komplexes Verbotsverfahren abgeschlossen werden.“

        Die Sozialisten taten sich „schwer“? Mir kommen gleich die Tränen. Richtig ist: Man hat über Jahre hinweg nichts getan, das Verbotsverfahren begann sehr spät. Und es wäre möglich gewesen, die Aufmärsche zuvor ebenfalls mi Gesetzesänderungen einzuschränken. Zumindest hätte man den Versuch wagen können…

      • Das ist ein Widerspruch:
        Einerseits werfen Sie Fidesz vor, dass sich nicht viel ändert und Fidesz „bloß“ ein Gesetz zum Verbot der uniformierten Garden erlassen hat, was nur an der Oberfläche kratze, und dann auch noch die zwei Watschen von Orbán auf sich warten ließen, andererseits geben Sie selbst zu, dass es sich hier um sehr langfristige Prozesse handelt, die nicht auf Anhieb gelöst werden können.

        Und die Problematik in Bezug auf MSzP und SzDSz ist nicht einmal so sehr, dass sie „kein strenges Gesetz“ erlassen haben, sondern dass sie acht Jahre lang nicht das Geringste gegen den Rassismus getan haben, sprich weder Aufklärung betrieben, noch irgendetwas auf die Beine gestellt haben, was auch nur annähernd einer Romastrategie geähnelt hätte.

        Und DAS ist der tatsächliche qualitative Unterschied zwischen MSzP/SzDSz und Fidesz, nicht irgendein „Geist“, der aus der Flasche gelassen wurde. Das ist nämlich der qualitative Unterschied zwischen Regierungsverantwortung und Opposition.

        Ich wundere mich auch ein wenig darüber, wie Sie 100-150 dämliche Gardisten, die eine halbe Stunde lang blöd, aber ruhig herumstehen mit der Situation in Deutschland in den 30er Jahren vergleichen können… Bei solchen Analogien kann man nur den Kopf schütteln.

      • Nach Gyöngyöspata haben –alle– Fraktionen außer Jobbik einer Verschärfung des Strafgesetzbuchs zugestimmt. Ich finde es wichtig, diesen seltenen Moment des innenpolitischen Konsenses hervorzuheben. Die Diskussion darüber, ob nun rechte oder linke Regierungen besser mit Extremisten fertig werden, bin ich irgendwie leid. Bedauerlicherweise brauchte es erst die Zuspitzung in Gy., damit gesetzgeberisch gehandelt wurde. Dabei war es angesichts der Zustände in Nordostungarn reiner Zufall, dass die Lage in Gy. erst 2011 und nicht schon 2009 oder früher eskalierte.

      • Lieber Rudolf, da haben sie mich falsch verstanden. Ich werfe dem Fidesz vor, fahrläßig genau den „Geist“ aus der Flasche gelassen zu haben (also selber diesen langfristigen Prozess mit in Gang gesetzt hat) den es ihrer Meinung nach nicht gibt, in dem Glauben, dass man dann zu gegebener Zeit die Nebeneffekte ohne Probleme mit zwei Watschen erledigen könne. Sie und ich denken da also von zwei unterschiedlichen Enden her 🙂

        Sie brauchen sich nicht zu wundern, ich habe ja extra verdeutlicht, dass ich eigentlich kein Freund von solchen Analogien bin, ich sie aber trotzdem gehabt habe, es war nun einmal GESPENSTISCH! Das kann ich nicht ertragen, diese Normalität, mitten auf der Andrássy, nicht irgendeinem Kuhkaff, und keinen interessierts, keiner unternimmt etwas dagegen, überlegen sie doch mal, was das bedeutet, gesellschaftlich. Wenn ihnen dabei friedefreudeeierkuchen-Analogien im Kopf aufploppen,(falls sie zufällig auch dort waren) schön für sie, sie müssen ein durch die Bank glückliches Leben führen.

      • Naja, in dem Fall müsste man überhaupt schon mal klarstellen, was Sie mit dem „Geist der Garde und von Jobbik“ meinen. Üblicherweise wird darunter der aggressive Rassismus, den die Garde und Jobbik repräsentieren, verstanden. Anhand Ihrer Aussagen zum Andrássy út und zu den „langfristigen Prozessen“ gehe ich davon aus, dass auch Sie diesen Geist meinen.

        Sie werfen dem Fidesz vor, den Geist von Jobbik und der Garde, nämlich diesen aggressiven, ungehaltenen Rassismus, mit seiner ungemäßigten und nationalen Oppositionspolitik aus der Flasche gelassen zu haben und mit diesem Problem nicht umgehen zu können.

        Ich entspreche gerne Ihrem Wunsch und rücke Sie nicht in die Nähe von bestimmten Parteien – dies entspricht aber dennoch genau jenen zwei Argumenten, die man in Ungarn jahrelang von bestimmten Parteien gehört hat:

        1. Die Ursache des Rassismus‘ und dessen Anstieg sind weder die tatsächlich vorhandenen gesellschaftlichen Probleme im Verhältnis Minderheit-Mehrheit, noch die Unfähgikeit der politischen und gesellschaftlichen Elite in den letzten 20 Jahren, die tatsächlich vorhandenen Probleme in der Minderheitenpolitik anzupacken, sondern die politische Hetze. So lange man ruhig, respektvoll und politisch korrekt über die Minderheiten redet, ist – um bei Ihrem Ausdruck zu bleiben – alles „Friede Freude Eierkuchen“.

        2. Wenn man anerkennt, dass es tatsächliche Probleme gibt, ist es trotzdem nicht die Schuld der Regierungsmehrheit, keine Lösungen gefunden. Denn dies war für sie nicht möglich, da die (jeweilige) Opposition „so böse“ und unkooperativ war. Wie oft hat man gehört: „Wäre die damalige Opposition nicht so destruktiv, sondern konstruktiv gewesen, wäre alles super gelaufen.“

        Entgegen Ihren Behauptungen bestreite ich nicht, dass sich die Menschen politisch leicht aufhetzen lassen und dass daran Fidesz auch Schuld ist – so wie am gesamten politischen Diskussionsstil in Ungarn Fidesz auch (aber nicht nur) Schuld ist.

        Dass man dabei aber die tatsächlich vorhandenen Minderheitenprobleme und die Unfähigkeit der gesamten politischen Elite in den letzten 20 Jahren, eine Lösung für diese Probleme zu finden, vollkommen außer Acht lässt, kann ich nicht befürworten.

        Der von Ihnen genannte Zeitraum seit 2003 liegt in der Regierungsära von MSzP und SzDSz. Der von Ihnen vertretene Standpunkt, die hetzerische Oppositionspolitik ist am aggressiven Rassismus bzw. an diesem „Geist“ Schuld, läuft letztendlich eben darauf hinaus, die Regierungsverantwortung in dieser Zeit auf die Opposition abzuschieben. (Ohne die Verantwortung der Opposition leugnen zu wollen.)

        Langer Rede kurzer Sinn:
        Tatsache ist, dass dann, wenn die Politik in den letzten Jahren endlich was für die Roma und gegen den Rassismus getan hätte, wenn sie endlich die tatsächlich vorhandenen Probleme offen ausgesprochen hätte und versucht hätte, Lösungen aufzuzeigen, es sich nun vollkommen erübrigen würde, über diesen „Geist“ zu reden. Das ist eine Verantwortung, die sich einfach nicht verschweigen lässt – egal wie sehr man dies versucht.

        Sie sind kein Freund von Nazivergleichen, stellen aber doch welche an. Sorry, aber anhand von 150 Gardisten über die 30er Jahre in Deutschland zu visionieren, als die NSDAP in 1933 mit über 40% der Stimmen die Wahlen gewonnen hat, politische Gegner verfolgt hat, Grundrechte zunehmend eingeschränkt hat, das Ermächtigungsgesetz erlassen hat und die Partei und die SA und die SS einen Massenzulauf hatten, finde ich ein wenig makaber.

        Wenn es Sie so sehr aufregt, dass die Leute nichts getan haben: Sind Sie zu den Gardisten hingegangen? Haben Sie alleine oder mit anderen zusammen etwas unternommen?

        Schließlich: natürlich war es GESPENSTISCH. Es geht ja um einen GEIST. 😉

  4. Ich reiche ihnen gerne ein Taschentuch für ihre Krokodilstränen.

    Ich mache mir Sorgen um Ungarn und habe keine Lust mich von Ihnen in diese Ideologie-Ecke drängen zu lassen. Ich will nicht die Sozialisten verteidigen. Qualitativ liegt die Verantwortung des Fidesz jedoch in einer ganz anderen Liga, ich verstehe nicht, wie sie das nicht sehen können.

  5. HV Contrarianhungarian bringt einen gut dokumentierten Bericht über die Ereignisse in Sajókaza, wie dort Roma, die beim Zensus als Religion Budhistisch registrierten, von der Polizei mitunter mit rassistischen Bemerkungen demütigten.
    http://thecontrarianhungarian.wordpress.com/2012/02/28/trouble-in-sajokaza-being-buddhist-and-roma/#comment-2217

    Sind am Rassismus, an der Entstehung uniformierten Pfeilkreuzlerbanden am Ende die Roma (und die Juden) schuld?
    Wer hat denn Roma viele Jahrzehnte (auch im Kádárregime) diskriminiert?
    HV Tatsächlich wurden in Ungarn auch vor 2010 Pfeilkreuzler und Neonazi toleriert. Oft genug habe ich das kritisiert.
    Doch hat nicht gerade V.O. versprochen Ordnung zu schaffen?

  6. @restrainedpartisanship: Sie brauchen sich in keine Ideologie-Ecke drängen lassen, mit Ihrem MaSzoP-Neusprech sind Sie es schon.
    Was die gesellschaftspolitische Bedeutung des Erscheinens von ein paar Gardisten auf der Andrássy út betrifft: Auf dem Hösök tere (Fluchtpunkt der Andrássy) wurde von ein paar Jahren in aller Öffentlichkeit ein unangekündigter Pornofilm gedreht; Polizisten haben dabei zugeschaut, aber nicht eingegriffen. Neulich ist eine widerliche Touristin in die Budapester Metro eingestiegen. Sie hatte eine Bärenmütze an, die zwar nicht mit einem Hakenkreuz, aber mit Sowjetstern, Hammer und Sichel verziehrt war. Niemanden hat es interessiert, obwohl das Tragen dieser Abzeichen verboten ist.
    Fazit: Den Budapestern scheint so ziemlich alles am A**** vorbei zu gehen.
    Was also, lieber Partisan, ist abgesehen davon die gesellschaftspolitische Quintessenz aller dieser Beispiele? Bitte amüsieren Sie mich.

  7. Lieber Hannibal105, vielen Dank für die (fehlerhafte) Analyse meiner Parteipräferenz und den Fehdehandschuh, den sie mir hingeworfen haben, ich habe jedoch keine Lust ihn aufzuheben, so wie immer mehr junge Menschen in Ungarn keine Lust mehr auf die immer gleiche spaltende Schlammschlacht ihrer Mütter und Väter haben, sondern einfach gerne in ihrer Heimat, in einer friedlichen, demokratischen, nicht menschenfeindlichen Gesellschaft leben möchten – quasi „normal europäisch“ – und keine Debatte darüber führen wollen, ob es angemessen ist, einen Neonazi-Aufmarsch mit einem Porno und einer Verrückten zu vergleichen. Wir sind so weit voneinander entfernt, sparen wir uns lieber unsere Energie für sinnvollere Dinge auf.
    Liebe Grüße, RESTRAINEDpartisanship

  8. Lieber Partisane, wenn Sie Fidesz vorwerfen, den „Nazi-Geist“ aus der Flasche gelassen zu haben, liegen Sie in Ihrer Analyse nicht nur voll daneben, sondern reproduzieren das Agitprop von Mayer/ Pfeifer/ Lendvai und der MaSzoP. Sorry, aber das ist so.
    Was meinen Vergleich betrifft – Sie messen mit zweierlei Maß: Die Linksfaschistin mit Hammel und Sichel auf der Mütze verharmlosen Sie als „verrückt“, das öffentliche Tragen von Gardeuniformen durch ein paar Dutzend Rechtsextreme potentieren sie gleich zu einem „Aufmarsch“ hoch, der -wie auch Mayer sagt- nicht statt gefunden hat.
    Ich will mit meinem Vergleich nur anmerken, dass sie wahrscheinlich von Budapestern, aber auch von Hauptstädtern aus anderen Ländern, mehr Zivilcourage verlangen als realistisch ist.

  9. Lieber Hannibal105, man muss schon zwei recht extreme blinde rechte Augen im Kopf haben, um zu bestreiten, dass es in Ungarn heute ein recht extremes rechtsextremistisches Problem gibt. Aber vielleicht haben sie ja Recht und ich neige zur Hysterie, wissen sie was, ich mache einen Rückzieher, sie haben mich überzeugt oder auch „kleinrelativiert“. Doch wenn es irgendwann in ferner Zukunft (hoffentlich nicht, das will man ja nicht herbeibeschwören) mal in Ungarn eine rechtsextreme Partei im Parlament sitzt, die eine zwanzigprozentige Unterstützung bei den Wählern findet, sich der Innenminister in der Corvinus-Universität mit deren Parteichef zum plaudern trifft (der mit den im Land und der Hauptstadt gelegentlich rummarschierenden 15 dutzend Uniformierten freilich nichts am Hut hat), dann darf man sich doch anfangen Sorgen zu machen, oder? Nur für den Fall? Naja, hoffen wir einfach weiterhin, dass es nie soweit kommen wird, Ungarn liegt uns allen ja schließlich sehr am Herzen.

  10. Hannibal105 schrieb:

    „Lieber Partisane, wenn Sie Fidesz vorwerfen, den “Nazi-Geist” aus der Flasche gelassen zu haben, liegen Sie in Ihrer Analyse nicht nur voll daneben, sondern reproduzieren das Agitprop von Mayer/ Pfeifer/ Lendvai und der MaSzoP.“

    Lüftet Hannibal105 ein Geheimnis?

    Es war doch Herr Karl Eduard, der kürzlich auf Hungarian Voice öffentlich machte:

    „Orbán (…) hat selbst den Geist von Jobbik aus der Flasche gelassen und jetzt kann er diesen nicht dorthin zurückdrängen. Das ist der Unterschied.“

    Ist Karl identisch mit „restrainedpartisanship“. Ist Karl ein Partisan?

    Und warum schreibt hannibal105 Partisan mit ‚z‘? Solche Fehler begehen doch nur die ehemaligen Genossen von der ungarischen HVA, die in den Siebzigern und Achtzigern (a helsinki folyamat idején, e folyamat révén) als Kundschafter oder OiBE das Feindesgebiet urbar machten.

    Welche Sprachprobleme ungarische U-Boote im Allgemeinen hatten, macht Gy. Dalos an seiner Balatonbrigade deutlich.

    Diese Gefahr war übrigens auch leicht an ihrem Outfit zu erkennen.

    Bleibt jetzt nur noch zu klären, was ein Flaschengeist ist:
    Wikipedia erklärt uns das so:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Flaschengeist

    Ich sortiere das mal:

    Jobbik ist ’ne Flasche.

    In der Flasche hocken Geister, die gegen Ranghöhere mal aufsässig waren oder ’ne Strafe für andere abbüßen.
    Diese Geister sind dienstverpflichtet.

    Karl Eduard behauptet, Orbán hätte die Flasche Jobbik geöffnet und die Geister befreit.

    Ich meine, das kann gar nicht sein. In orientalischen Märchen befreien auch nur Unsterbliche verklemmte Geister.

    Ich kenne außer Karl Eduard keinen, der da so unverfroren ran gehen würde.

    Jeder halbwegs Normale will doch mit den Jobbikikkis nichts zu tun haben. Und schon gar nicht mit den unter György Szilvássy Dienstverpflichteten von der Budapester Universität [ELTE], die ihr Handwerk von den PartiZanen gelernt haben. Will kein Sterblicher was zu tun haben.
    .

  11. Ich finde es gut, dass Gábor Török diese Diskussion zwischen Pintér und Vona ermöglicht hat. In einer Demokratie hat man im Grunde keine anderen Werkzeuge als die der Argumente – Demokratie ist überhaupt der Wettbewerb der Argumente. Meines Wissens wurde Vona argumentativ auf der Corvinus ziemlich stark von den anderen in den Boden gestampft . Das ist gut so. Das könnte ruhig noch viel öfter der Fall sein!
    Gott sei Dank gibt es in Ungarn noch keine deutschen Verhältnisse, wo ja die Döner-Morde das ganze Land erschüttert haben und wo die V-Leute des Verfassungsschutzes mehr zur Verbreitung des politischen Extremismus beitragen denn zu seiner Eindämmung.
    Mit den Jobbik-Wählern, denen ich nicht pauschal eine faschistische Gesinnung unterstellen würde, müssten sich jetzt schleunigst wieder die Sozialisten auseinander setzen, da die Jobbikwähler ja im erdrückender Zahl enttäuschte Linke aus der Unterschicht sind.

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