DRadio: Interview mit Hans Kaiser, dem Leiter der KAS in Budapest

Ein hörenswertes Interview mit dem Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Budapest, Hans Kaiser, zur Lage in Ungarn:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/marktundmedien/1706499/

Kaiser berichtet u.a. über kritische Presse in Ungarn und den Sieg des oppositionellen Klubrádió beim Kampf um die Verlängerung seiner Sendelizenz. Der Leiter der Budapester KAS-Außenstelle betont, in der – seiner Auffassung nach überwiegend regierungskritischen – Print-Presse könne jede Meinung vertreten werden, eine Zensur sieht er nicht. Auch der erstinstanzliche Erfolg des Oppositionssenders Klubrádió im Kampf um die Verlängerung der Sendelizenz ist für Kaiser weniger ein Zeichen erodierter oder gar aufgehobener Rechtsstaatlichkeit, sondern eher ein Beleg dafür, dass in Ungarn die gerichtliche Kontrolle noch immer funktioniere.

29 Kommentare zu “DRadio: Interview mit Hans Kaiser, dem Leiter der KAS in Budapest

  1. Ich teile die Einschätzung, dass die Pressefreiheit in Ungarn nicht einfach abgeschafft wurde. Pluralistische Berichterstattung findet statt, allerdings kaum in den ziemlich einseitigen öffentlich-rechtlichen Medien und auch nicht im vielfach apolitischen privaten Rundfunk.

    Mich würde nun wirklich einmal interessieren, ob die These vom Übergewicht linksliberaler Medien in Ungarn stimmt. Herr Kaiser macht das an „den Zeitungen“ fest, die zu 70-80% regierungskritisch seien. Die großen landesweiten Tageszeitungen meint er damit wohl nicht. Da gibt es nämlich genau zwei regierungskritische, Népszabadság und Népszava, sowie zwei regierungsfreundliche, Magyar Nemzet und Magyar Hírlap. Kann natürlich sein, dass die beiden N-Zeitungen zusammen eine höhere Auflage als die beiden M-Zeitungen haben. Das weiß ich aber nicht und wenn es so wäre, dann liegt es wohl an der entsprechenden Nachfrage. Bei den Nachrichtenmagazinen scheint es auf jeden Fall mehr regierungskritische zu geben: Magyar Narancs, 168 óra, HVG vs. Heti Válasz. Auflagen sind mir leider ebenfalls unbekannt. Generell muss man wohl festhalten, dass die Tages- und Wochenzeitung nur eine relativ kleine Schicht der Bevölkerung erreichen. Kann hier jemand mittels Fakten über Auflagen etc. Licht ins Dunkel bringen?

    Interessant finde ich die Aussage Kaisers, wonach sich jede kritische Anmerkung zur ungarischen Regierung aus dem Westen in den ungarischen Zeitungen wiederfände. Das ist natürlich richtig. Man hätte aber auch erwähnen müssen, wie diese Wiedergaben zur Polarisierung der Gesellschaft beitragen. In den linksliberalen Blättern wird Kritik aus dem Westen als Bestätigung der eigenen Sichtweise wiedergegeben. An der EU-Berichterstattung eines István Lovas u.a. Journalisten in Magyar Nemzet kann man hingegen regelmäßig sehen, wie in der regierungsfreundlichen Presse ausländische Kritiker mit Spott und Häme übergossen werden. Wie oft man da allein das starke Wort „Lüge“ findet, ist schon erstaunlich.

    • Ungarnfreund, beachten sie die Regionalzeitungen, die in jeder Region Monopolstellung haben und überwiegend zu Axel-Springer Hungary gehören. (Unter Jozsef Bayer). Der Rest – wie die Privatisierung lief, woher die entscheidenden Akteure kommen – ist recherchierbar.

      • Die ungarische Regionalpresse kenne ich leider kaum. In Deutschland sind die Springer-Zeitungen nicht gerade links. Ob man sie an ungarischen Maßstäben gemessen rechts nennen kann, wage ich allerdings auch zu bezweifeln.

      • Lieber Ungarnfreund, die WELT ist in Sachen Ungarn-Berichterstattung gewiss nicht „rechts“. Die Wortwahl ist dort mitunter so ruppig und unsachlich (Paul Jandl erfand neulich gar eine Aussage von Zsolt Bayer, die er nie tätigte…), dass es die ZEIT und die SZ in den Schatten stellt. Was meinen Sie, ist die Ursache dafür? Die ungarische Oppositionspresse greift gerade diese Bälle gerne auf und betont immer, dass es „die konzervatív újság“ WELT gewesen sei, die Orbán so harsch angriff.

      • Ungarnfreund – es erfordert Recherche. Und was in Klammern steht, ist manchmal wichtiger.

      • Tut mir Leid, Herr Kálnoky, der Herr in Klammern (Jozsef Bayer) sagt mir nicht viel. Google bringt ein paar Hinweise auf einen ungarischen Politikwissenschaftler dieses Namens. Was sollte ich über den Herrn sonst noch wissen?

    • Ich teile die Einschätzung, …

      … dass Spott und Häme nicht einfach abgeschafft wurden.

      Lüge findet statt, allerdings in den öffentlich-rechtlichen Medien ZDF und Deutschlandfunk, sowie in den Programmen der privaten ungarischen Sender ATV und Klubradio.

      Mich würde nun wirklich einmal interessieren, ob die These vom Übergewicht linksliberalen Spotts, linksliberaler Häme und linksliberaler Lüge stimmt.

      Kann hier jemand mittels Fakten etc. Licht ins Dunkel der Ungarnfreunde bringen?

      Interessant finde ich, dass sich die von Ungarnfreunden im Westen kreierten Lügen auch in den ungarischen Zeitungen wiederfinden.

      Richtig ist, dass Spott, Häme und Lüge in den linksliberalen Blättern die Polarisierung der ungarischen Gesellschaft verfestigen

      Spott, Häme und Lüge sind das Geschäft linksliberaler Journalisten.

      Solange in Ungarn nicht Milch und Honig fließen, sich stattdessen fette Lügen über das Land ergießen, bleiben Spott, Häme und das starke Wort “Lüge” die Markenzeichen der Ungarnfreunde.

      • @ ami des colons:
        Sehen Sie sich die Facebook-Seite des dpa-Korrespondenten Gragor Mayer namens „Aufmarsch – die rechte Gefahr aus Osteuropa“ an. Öffentlich zugänglich für jedermann.

        Sie werden dort eine der vielen Erklärungen dafür finden, warum über Ungarn so berichtet (und wiedergekaut) wird, wie es eben ist. Da schäumt der Mund, wird von Orbánistan gesprochen, von Zsolt Bayer als der „Stimme aus dem Unterleib Viktor Orbáns“ und vieles andere mehr. Wen wundert es, verkündete Mayer doch jüngst in einem Interview über Ungarn, die Regierung Orbán habe „rein gar nichts“ bewirkt, was ihm gefalle. Bei solch einer Ablehnung wird es auch im dpa-Kostüm schwerfallen, halbwegs objektiv zu bleiben.

        Bei allen Fehlern der ungarischen Regierung, ist konstruktive Kritik nicht das Geschäft dieser Fraktion. Wie Sie sagen, ist deren Absicht, zu verspotten, den pseudo-Intellekt heraushängen zu lassen und alles, was nicht ihre Auffassung teilt, als rückständig, reaktionär, intolerant und diktatorisch zu diffamieren.

        Dass Intoleranz kein Monopol der bösen „Rechten“ ist, sieht man letztlich an der Mainstream-Berichterstattung.

        Das traurige ist, dass die Probleme des Landes so nicht gelöst werden können. Wie Oplatka im EU-Parlament sagte, betreiben die Schreihälse von heute das Geschäft der vom Wähler zerpflückten ungarischen Opposition. Sie tragen zur Vertiefung der Konflikte und Spaltung der Gesellschaft bei, wenn sie von Faschismus und Diktatur schwafeln, Ungarn als Eiterbeule oder Neandertaler darstellen und der Mehrheit der Bevölkerung (die übrigens gerade von Fidesz abrückt…) dadurch implizit das demokratische Verständnis absprechen. Oplatka meinte, die Auslandspresse täte das, ohne sich der Folgen bewusst zu sein. Ich behaupte mittlerweile, wissentlich und willentlich. Man ist eben anderer politischer Auffassung. Traut sich aber nicht, sich offen dazu zu bekennen, weil man die Sachlichkeit heuchelt, die man nicht praktiziert…

      • HV, diesen Beitrag in den Tagesthemen vom 22.03.2012 möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt3792.html. Zwei Dinge stören mich daran: Erstens werden zwar oppositionelle Aktivitäten einschl. der Milla-Demo vom 15.03.2012 gezeigt, die noch viel größeren Demos für die Regierung vom 21.01. und 15.03.2012 jedoch nicht einmal erwähnt. Zweitens stellt der Beitrag zwar wieder einmal das Thema Pressefreiheit in den Mittelpunkt, verschweigt aber die für meine Begriffe derzeit wichtigere Problematik der Justizreform. Kurz: der Beitrag ist einseitig.

      • @ungarn-u. europafreund:

        vielen dank für den link. sehr gut!

        (dies bitte auch als zeichen meiner allg dankbarkeit bei der bereitstellung von zweckdienlichen links verstehen – denn sie dienen m e i n e r neugier, die ich offenbar fälschlicherweise auch gelegentlich anderen unterstelle… (dafür bitte ich hiermit um entschuldigung))

  2. Hier ein Link zum ungarischen Verband der Auflagenkontrolle (magyar terjesztés-ellenőrző szövetség): http://www.matesz.hu/data/?SLOT=20112&post=+Adatok+

    In der Tat haben die beiden N-Zeitungen eine höhere Auflage, was auch bei den regierungskritischen Nachrichtenmagazinen der Fall ist, man beachte allerdings, dass in den letzten Jahren die Printmedien erhebliche Einbußen hinsichtlich ihrer Auflage hinzunehmen hatten. Dies gilt wohl für alle, drastisch allerdings zeigt es sich bei der Népszabadság, deren Gesamtauflage innerhalb von 2 Jahren von ca. 102.000 (2009, 2. Jahreshälfte) auf zuletzt ca. 74.000 (2011, letztes Quartal) sank.

    Interessanter als die jeweiligen Angaben ist allerdings die Frage, welche Zeitungen mit ihren Themen und Meinungen den öffentlichen Diskurs bestimmen, und da kann ich Ungarnfreund nur zustimmen, dass gerade die regierungsnahen Medien hier den Ton angeben.

      • HV stiller ist anderer Meinung als Sie. Das heißt aber noch lange nicht, daß er hier auf dieser Art abgekanzelt werden darf.

      • Bombardements mit Links, wie sie stiller praktiziert, ersetzen m.E. keine Argumente. Ich höre nicht, warum der Bericht von Frau Kálmán die Schubladisierung „Regierungspropaganda“ verdient. Insbesondere verwundert mich, dass solche Pauschalurteile selbst dann fallen, wenn ein Oplatka zu Wort kommt, der kritische Äußerungen macht. In den Köpfen vieler ist eben alles, was nicht in den Schmäh-Kanon einstimmt, „Regierungspropaganda“. Eine Diskussion zu beginnen, ist stets mein Ziel.

        Was die „Abkanzelung“ angeht, so lesen Sie mal, was an anderer Stelle über mich geschrieben steht 🙂 … ich muss bei solchen Bemerkungen immer ein wenig schmunzeln.

      • HV: In der Tat, Sie haben „Ami des colons“ geantwortet. Falls es Sie interessiert: Ich empfand den Beitrag dieses Herrn nicht nur als einfaches Foul, sondern als oberfiesen Schlag unter die Gürtellinie.

      • „Ami des colons“ („Kolonisatorenfreund“) drehte mein hier verwendetes Pseudonym und meine Aussagen in einer Weise um, die ich als äußerst unfreundlichen Akt empfinde. So kann man nicht miteinander umgehen. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich darauf nicht in der gleichen rationalistischen Art antworten kann wie HV. Ami, Ihr Beitrag war eine persönliche Attacke, aufgrund deren Natur ich mir erlaube, die Höhe der Gürtellinie selbst zu bestimmen und solche oder ähnliche Texte künftig zu ignorieren. Das soll mein letztes Wort dazu gewesen sein.

      • die lage des blogs eskaliert und dennoch möchte ich nicht davon absehen, ungarnfreund meine uneingeschränkte solidarität zu bekunden.

        schade, dass die mächtigkeit des freund/feind-schemas existent zu bleiben scheint.

        meinung:

        ich bedauere schon jetzt jedes unterlassene posting von ungarnfreund.

      • Ich sehe keinen rechten Sinn darin, sich von der Kundgabe seiner Meinung abhalten zu lassen von Leuten, die nicht in der Lage sind, einen ordentlichen Tonfall (wie wir ihn hoffentlich alle von unseren Eltern gelernt haben) zu praktizieren. Seit zwei Jahren tauchen solche Figuren auf und verschwinden wieder. Wenn ich mich von solchen Figuren, die übrigens oft genug mich und mein hier praktiziertes Hobby verhöhnen und mich beleidigen möchten (übrigens gehört niemand geringeres in die Reihe dieser Provokateure als der so hoch geschätzte „Chefredakteur“ des Pester Lloyd), irritieren ließe, wäre der Blog längst wieder tot. Zur Freude vieler, habe ich mitunter das Gefühl. Da diese Leute aber nicht meine Freunde sind, gibt es für mich keinen Grund ihnen diesen Gefallen zu tun.

        Herrn Pfeifer zähle ich übrigens nicht in die Reihe dieser (mitunter) Provokateure. Ich teile seine Meinung zumeist nicht, aber er weiß wenigstens, was ein Tonfall ist, mit dem man dem Gegner begegnen kann. Umso mehr habe ich bedauert, dass er einst diesen Blog in die Nähe von Zigeunerhass und anderen rechten Umtrieben gestellt hat (bei einer Veranstaltung in Frankfurt). Die Kontroverse stört mich nicht. Ich wünsche vielmehr die Diskussion, die in Ungarn so sehr fehlt.

        Und nun noch ein Wort zu Ihnen, stiller: Ihr Beitrag in diesem Blog geht bislang nicht viel über das Posten von Links hinaus. Sie nehmen an der Diskussion – anders als Ungarnfreund – gar nicht teil. Ob es Ihnen also zusteht, wie ein Schiedsrichter zu konstatieren, die „Lage des Blogs eskaliere“, lasse ich mal offen. Kommentare wie von Marco Schicker haben Sie jedenfalls nicht gestört…

        Die Teilnahme von Ungarnfreund und vielen anderen schätze ich, weil sie inhaltlich zur Debatte beitragen. Sie sind es, von denen dieser Blog lebt: 5.000 Kommentare in 2 Jahren sind eine beeindruckende Zahl.

      • einzuschieben, dass meine wenigkeit zuvor hier als g.stillt postete, erscheint hier sinnvoll (ich dachte, ob meiner vollumfänglichen naivität, dass dieser umstand ihnen bekannt ist.)

        ansonsten – lassen wir der diskussion ihren lauf.

  3. hier ein mal ein ehrlicher leserkommentar

    http://pusztaranger.wordpress.com/2012/02/14/ulrike-lunaceks-beschwerde-an-echotv/#comment-2086

    „Wenn jemanden in der sacha Ungarn mitreden kann das sind WIR ungarn dazu berechtigt,WIR leben hier nicht ihr.“

    „Ihr sollt UNS in ruche lassen“

    daran liessen sich nun grundsätzliche fragen anschliessen.

    zb.: inwiefern sind denn die werten kommentatoren hier ebenfalls obiger meinung/ansicht?

    ich befürchte ein ernüchterndes ergebnis und würde mir diesbezüglich wesentlich mehr offene aussprache wünschen.

    im anschluss kann dann über eine weitere teilnahme entschieden werden.

  4. HV wieder einmal habe ich etwas übersehen.
    Hungarian Voice auf Ihrem Blog sind früher tatsächlich einige Postings erschienen, die ich als rassistisch bzw. antisemitisch werte. Wenn ich also in Frankfurt bei einem mündlichen Vortrag, den ich nicht vom Blatt gelesen habe, gesagt haben soll, dass Sie oder der blog gesamthaft rassistisch bzw. antisemitisch sei, so wäre das ein schlimmer Fehler. Ich pflege aber auch in freier Rede meine Gedanken nuanciert zu formulieren. Und ich bin jetzt zu sehr beschäftigt, um nachzuschauen. Sollte ich aber trotzdem eine Bemerkung gemacht haben, die ungerecht oder/und unsachlich war, so entschuldige ich mich ohne wenn und aber.
    Auch wenn ich mit mancher Ihrer Meinungen nicht einverstanden bin, kann ich gut verstehen, dass Sie wie jeder Blogbesitzer mit dem Problem konfrontiert sind, was kann man tolerieren und wo muss man einschrreiten. Ich neigte als Redakteur, zu weniger Toleranz. Aber ich verstehe auch die Anschauung, man bringt etwas, um den Schreiber zu diskreditieren.
    Eine ad personam Pöbelei sagt immer mehr über den Pöbler als über die angepöbelte Person aus. Ich redigierte selbst 13 Jahre eine Monatszeitschrift und habe immer Wert darauf gelegt, ad personam Angriffe nicht zu publizieren.
    Im Prinzip sollte das alte jüdisch-christliche Prinzip auch hier gelten, tue niemand das an, was Du nicht willst, dass man Dir antue.

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