Polemische Rückschau: Johanan Shelliem, der Märchenonkel, und „sein Ungarn“

Bereits vor einiger Zeit – am 04.03.2012 – sendete das öffentlich-rechtlich finanzierte Bayern 2 Kulturjournal einen Bericht des Journalisten Johanan Shelliem über Ungarn.

Der Hörbeitrag ist hier (ab 41:50) abrufbar:

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9718248

Der von Unwahrheiten, Plattitüden, Verzerrungen und Weglassungen nur so strotzende Beitrag wurde von demselben Journalisten gefertigt, der im Januar 2012 in einem Bericht für das (ebenfalls von Gebührenzahlern finanzierte) Deutschlandradio wahrheitswidrig behauptet hatte, die rechtsradikale (Oppositions-)Partei Jobbik sei in Ungarn an der Regierung beteiligt.

Der Beitrag beginnt mit einer Aussage des Schriftstellers György Dalos: Dieser macht die ungarische Rechte für die vorhandene Spaltung der Gesellschaft verantwortlich. Die Rechte habe alle Personen, die nicht ihrer Meinung gewesen seien, als fremdherzig und nicht zur Nation gehörig bezeichnet. Das Thema war hier im Blog, auch unter Mitwirkung von Herrn Dalos, schon mehrfach kontrovers behandelt worden. Doch ist diese einseitige Schuldzuweisung keinesfalls unstreitig: Ebenfalls in den 90er Jahren herrschte – in einem noch ganz überwiegend linksliberalen Pressemarkt – eine Tendenz vor, die rechten Parteien als rechtsextrem und mitunter gar faschistisch zu karikieren. Was Dalos nicht sehen möchte, ist die wohl beiderseits in etwa gleichauf zu veteilende Verantwortung der politischen Lager für die jetzige Situation.

Doch zurück zu Shelliem: Ein weiterer Höhepunkt is die Behauptung, mit der ungarischen Verfassung seien den

antisemitischen und fremdenfeindlichen Ankündigungen Taten gefolgt„.

Welche Ankündigungen oder Taten – von Seiten der Regierungsmehrheit – denn „antisemitisch“ gewesen sein sollen, wird dem geneigten Zuhörer verschwiegen. Es wäre interessant zu hören, wie man beim Bayerischen Rundfunk gedenkt, einen der schwersten Vorwürfe, die man in der europäischen Politik heute erheben kann, zu untermauern. Es sei denn, der Vorwurf des Antisemitismus gehört zur Meinungsfreiheit eines jeden aufrechten Demokraten.

Das Ende der Einleitung enthält sodann die Ankündigung dessen, was man nach dieser Ouvertüre erwarten kann:

„Johanan Shelliem war in diesen Tagen in Budapest und zeichnet in Gesprächen mit Künstlern, Intellektuellen und Schriftstellern ein Bild der gegenwärtigen Zustände.“

Ich denke, auch ohne den Beitrag gehört zu haben, ahnt man, dass man es abermals nur mit den usual suspects Ágnes Heller, György Konrád, Paul Lendvai, András Schiff, eventuell noch György Bolgár vom Klubrádió und Vertretern der Opposition zu tun bekommen wird. Man wird (nur Bolgár fehlt) nicht enttäuscht:

Unser Ungarn-Experte Johanan Shelliem beginnt mit der Behauptung, die Beamten von Viktor Orbán zeigten den Bürgern an der Donau gerade, zu was sie im Stande seien: Die Regierung habe sich für die nächsten Jahre alle größeren Plätze in der Hauptstadt reservieren lassen. Natürlich um Demonstrationen der Opposition, allem voran der regierungskritischen jungen Zivilorganisation „Milla“ („Eine Million für die Pressefreiheit“), zu verhindern.

All das behauptete Herr Shelliem in einem am 04.03.2012 über den Äther gehenden Bericht, kurz nach dem er „in diesen Tagen“ in Ungarn gewesen sei. Der kleine Schönheitsfehler: Bereits einen Monat zuvor, am 01.02.2012, wurde – über den oppositionsnahen Radiosender Klubrádió – bekannt, dass die Veranstaltung von Milla entgegen der Behauptungen im Internet statfinden konnte. Hungarian Voice berichtete umgehend. Nochmals: Mehr als einen Monat, bevor Shelliem das glatte Gegenteil über die (Zitat Shelliem) „junge ungarische Diktatur“ auf Bayern 2 behauptete.

Die Wahl des „alternativen Staatspräsidenten“ konnte übrigens stattfinden, Sieger wurde der Rapper Dopeman, der in einem Lied namens „BAZMEG“ („Fickt Euch!“) mit der gesamten ungarischen Politik (nicht nur mit der Regierung) abrechnet. Gratulation…

Im Anschluss folgt eine Analyse der (Zitat) „Lukács-Schülerin und Jüdin“ Ágnes Heller, einer bekennenden Gegnerin Viktor Orbáns, über die Oppositionsbewegung. Sie berichtet über eine aus ihrer Sicht eintretende „Wende“ auf der Staße, die Menschen würden aus ihrer Apathie erwachen und sich für die Freheit einsetzen.

Es folgt Shelliem, der von der

Orbánschen Vision der Wiedergeburt Großungarns

spricht. Abermals bleibt dem Hörer verborgen, was Shelliem sagen will: Will Orbán Krieg gegen die europäischen Nachbarn führen? Annektieren? Oder doch nur einen Teppich ausrollen? Jedenfalls aber wolle Orbán „die Medien staatlich gleichschalten“ (nicht nur „die staatlichen Medien gleichschalten“, was ein Unterschied wäre, weil diesen Versuch bislang jede ungarische Regierung unternommen hatte…). Nein, alle Medien. Offenbar sind die oppositionellen Blätter Népszava, Népszabadság (die auflagenstärkste Tageszeitung Ungarns), 168 óra und der private Fernsehsender ATV zwischenzeitlich auch von Orbán-Anhängern unterwandert: Allesamt Medien, die zum Teil sehr kritisch über Orbán und seine Regierung berichten. Was Shelliem, der der ungarischen Sprache offenbar nicht mächtig ist, wohl schwerlich selbst beurteilen kann. Bei seiner, von Fakten ziemlich unbeeindruckten Sichtweise wird der Fall Klubrádió zu einem Kampf „zwischen der Regierung und den Demokraten“ (ein „Kampf“ übrigens, der zwischenzeitlich von den ungarischen diktatorisch unterwanderten Gerichten erstinstanzlich zu Gunsten von Klubrádió entschieden wurde. Schwamm drüber, warum sich mit Belanglosigkeiten aufhalten.

Im Anschluss daran erinnert Shelliem an den Leserbrief des Pianisten András Schiff an die Washington Post, in dem dieser Anfang 2011 – kurz vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Ungarn –  die Berechtigung des Landes, den Ratsvorsit u übernehmen, in Frage gestellt hatte. Übrigens nachdem er, Schiff, jahrelang geschwiegen hatte, obwohl es in den Jahren 2008-2009 – und damit vor Orbán – zu mehreren grausamen Morden an ungarischen Roma gekommen war. Den die regelmäßigen Aufmärsche der „Ungarischen Garde“ vor 2010 ausweislich seines beredten Schweigens kaum störten? Schiffs Vorpreschen, das im Hinblick auf den Zeitpunkt wohl als gut gemeinte Unterstützungsaktion für die dahinsiechende ungarische liberale Opposition gemeint war, die seit 20 Jahren versucht, die ungarische demokratische Rechte mit Rechtsradikalen in einen Topf zu werfen, verpuffte übrigens, wie vorauszusehen war, wirkungslos. Dass die Reaktionen in Ungarn waren, wie Schiff zutreffend schildert, zwar zum Teil schäbig, nicht frei von Antisemitismus und mitunter gar kriminell, ist unstreitig. Ebenso wie der Umstand, dass solche „Aktionen“ letztlich nur einer Partei nutzen können: Jobbik.

Im Zusammenhang mit den (zwischenzeitlich wohl im Sande verlaufenen) Ermittlungen gegen mehrere Angehörige der ungarischen Akademie der Wissenschaften (Shelliem: „Drei Juden und zwei Deutschstämmige“) stellt Shelliem die Sichtweise der Regierung wie folgt dar:

Die Ungarn selbst seien stets gut.“

Wer, wann, wie solche Blödheiten verkündet haben soll, verschweigt der Journalist. Er würde sich bei der Zitatejagd auch schwer tun. Es folgt die Behauptung (wieder ohne Quellenangabe), im Rahmen der Berichterstatung über den Fall Dominique Strauss-Kahn sei

unzählige Male von seiner jüdischen Nase

die Rede gewesen. Bemerkenswert die daran anschließende Einspielung von Paul Lendvai, der sich nicht mit dem Fall-Strauss-Kahn beschäftigt, sondern auf die wirtschaftlichen Probleme des Landes hinweist und darauf, dass dies die wahren Probleme seien, nicht aber, das die Regierung aktiv Antisemitismus betreibe. Der Eindruck, dass die Einspielungen Lendvais irgendwie künstlich auf den Erzählfaden Shelliems abgestimmt und zurechtgeschnippelt wurden, mag sich auch nach dem zweiten Hören nicht verflüchtigen, sondern eher verstärken.

Der Erzählfaden „Rassismus und Antisemitismus“ führt uns mit Hintergrund-Atmosphäre ratternder Trambahnen nach Budapest. Noch einmal zur Erinnerung: Der Bericht stammt vom 04.03.2012: Der Name István Csurka, Dramaturg und seit der Wende eher durch seinen aggressiven Antisemitismus als durch seine Stücke zu zweifelhafter „Berühmtheit“ gelangt, wird aufgegriffen. Der „hetzt“ (in Gegenwartsform) gegen Juden und Liberale. „Hetzte“ im Präteritum wäre wohl passender gewesen, denn der Imperfekt steht für eine in der Vergangenheit begonnene und beendete Handlung. Zum Zeitpunkt des Berichts und „einiger Tage zuvor“, genau gesagt, seit 01. Feruar 2012, ist István Csurka nämlich tot. Kein Grund zwar, den Antisemitismus Csurkas zu verschweigen. Aber muss man einen Toten als eine (in Gegenwartsform) „hetzende“ Person und damit eine gegenwärtige Gefahr darstellen? Die Fehler im Bericht mehren sich, der Verdacht, es könnte sich gar nicht um Fehler handeln, steigt…

Alles nur Einbildung? Warten wir ab bis zum großen, kulturpolitischen Hauptkritikpunkt. Shelliem behauptet, der Budapester Oberbürgermeister (István Tarlós) habe innerhalb der Spielzeit den bisherigen Intendanten des Új Szinház (Neues Theater),

István Márta, durch den Jobbik-Aktivisten György Dörner und seinen Spielleiter István Csurka ersetzt.“

Ob es für unseren Protagonisten Shelliem im März des Jahres 2012 eine Rolle spielenmag, dass die tatsächlich vorgesehene Ernennung des Duos Dörner/Csurka vom Oberbürgermeister bereits im Dezember 2011 nicht mehr in der ursprünglichen Form aufrechterhalten wurde und sich Tarlós – wohl auch wegen des internationalen Drucks – offen gegen Csurka aussprach? Und dass Csurka nicht mehr Spielleiter wurde? Passen die Nichternenung und der Tod des István Csurka nicht in den Erzählfaden? Da Shelliem über die Demonstration vor dem Theater am 01.02.2012 berichtet, war es möglich, den Bericht entsprechend abzufassen.

Der Bericht endet mit weiteren Bezugnahmen auf die „Diktaur“ des heutigen Ungarn.

Es bleiben zwei Fragen zurück:

1. Warum fühlen sich Journalisten wie Johanan Shelliem, die ausweislich der obigen Inhalte von Ungarn nur wenig bis gar nichts wissen, zu solchen Berichten ermuntert? Ist es der Drang, um jeden Preis vor aufkommenden Nazigefahren zu warnen? Ist es ehrliche Furcht? Oder ist es – was noch viel schlimmer wäre – pure Dummheit und Boshaftigkeit? Erstere könnte man durch Aufenthalte in Ungarn und Gespräche mit der gesamten politischen Palette  sicher zum Teil zerstreuen (dass es beunruhigende Entwicklungen in Ungarn gibt, soll hier nicht verschwiegen werden). Gegen Boshaftigkeit ist man hingegen machtlos.

2. Wo bleibt Marco Schicker, der Chefredakteur des  Pester Lloyd eigentlich in solchen Momenten? Er, der so viel Wert auf Sachkunde legt, zuletzt die fehlende Ungarnkenntnis der in Deutschland lebenden „Jubel-Ungarn“ verhöhnt hatte und die Auffassung vertritt, nur derjenige, der in Ungarn und nicht im „gut gepolsterten Ausland“ lebe und die Verhältnisse am eigenen Leib spüre, dürfe über Ungarn berichten, scheint gegenüber Beiträgen wie dem obigen eine deutlich höhere Toleranzschwelle zu haben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

14 Kommentare zu “Polemische Rückschau: Johanan Shelliem, der Märchenonkel, und „sein Ungarn“

  1. HV natürlich ist nicht nur Fidesz für die gegenwärtige Lage – marschierende Neopfeilkreuzler ( verkürzt, ich kann hier aus Zeitgründen nicht die ganze Sündenliste angeben), die sich überall im Land zusammenrotten können – verantwortlich. Die Liberalen, die Freiheit für den Nazidiskurs verlangten und von der politischen Bühne zurückgetreten wurden bzw sind, sind mitverantwortlich. Daran habe ich nie einen Zweifel gelassen.

    Doch kann das nicht bedeuten, dass Fidesz-KDNP, die bereits 22 Monate regieren, keine Verantwortung für die jetzige Lage tragen. Auch entlastet die gebetsmühlenartig hervorgebrachte Erklärung „nyolc év“ (acht Jahre linksliberaler Regierung 2002-2010) nicht von der Verantwortung. Mag schon sein, dass da ein ausländischer Journalist diesen oder jenen Fehler begeht. Aber da gibt es doch Fragen, die nicht so wie Fidesz das wünscht unter dem Teppich gekehrt werden sollen, wie z.B. das Plagiat des Staatspräsidenten.

    HV warum brauchte es „internationalen Druck“, um den Chef einer antisemitischen Partei nicht zum Dramaturgen zu machen?
    Warum ließ sich Fidesz von diesem Herr Csurka unterstützen?
    Jobbik ist natürlich nicht an der Regierung beteiligt, aber Fidesz hat offensichtlich Forderungen von Jobbik übernommen und da gibt es genug Kungelei. (Das wird nicht besser dadurch, dass auch Abgeordnete von LMP das tun)
    Die wichtigste Frage: Weshalb distanziert sich eine sich angeblich für „christliche Werte“ eintretende Partei nicht offen und offensiv von Jobbik?

    • „Warum ließ sich Fidesz von diesem Herr Csurka unterstützen?“

      Hat der „Uszálykormányos“ denn tatsächlich Fidesz unterstützen wollen?
      Und hatte die Partei Fidesz von Csurkás Anbiederung irgendeinen Nutzen?

      Wurde nicht bis vor kurzem auch in Deutschland noch behauptet, dass ein Verbot der Neonazis mehr Schaden anrichten würde, denn es der Demokratie nutzen könne?

      Wenn in der NPD Parteiführung wenigstens zehn „Inoffizielle Mitarbeiter“ des Bundesverfassungsschutz agieren, wie kürzlich offiziell zugegeben wurde, SOLL doch zumindest die Frage gestellt werden dürfen, wieviele Mitarbeiter Tóth und Szilvásy gebraucht haben, um die antisemitischen und großungarischen Idioten wieder in Uniformen zu stecken und in Rudeln auftreten zu lassen?

      Und das alles nur, weil man eine Keule brauchte, um Ungarn (= DIE Ungarn), das in seiner Mehrheit eben auf Dauer nicht nur Konrád, Péter Medgyessy & Co. oder aber Rentenerhöhungen auf Pump wählen wollten, am Kopf zu treffen.

      Die Faschismuskeule ist nur das eine, jene aber, die sie schwingen, die tragen die Verantwortung für all das, was noch kommen wird.

      Wie kann man in seiner Argumentation nur so unredlich sein? Was wollen Haraszti, Konrád, Dalos, Pfeifer und der Rest der Generation 65 Plus denn eigentlich erreichen?

      Orbán stürzen? Ungarn demütigen? Einfach nur Rache nehmen?

      Auf den letzten Drücker noch in die ungarische Geschichte eingehen?

      Weil das Ende nicht mehr weit ist?

      (Anm.: HV: Ein Teil des Kommentars wurde wegen einen unangemessenen persönlichen Angriffs gestrichen.)

  2. @HV, sie schreiben:

    „Ich denke, auch ohne den Beitrag gehört zu haben, ahnt man, dass man es abermals nur mit den usual suspects Ágnes Heller, György Konrád, Paul Lendvai, András Schiff, eventuell noch György Bolgár vom Klubrádió und Vertretern der Opposition zu tun bekommen wird. Man wird (nur Bolgár fehlt) nicht enttäuscht.“

    Zu diesem Thema hat vor einem Jahr der Politikwissenschaftler und Rechtssoziologe Christian Boulanger eine mögliche Erklärung geschreiben:

    „Warum immer nur die Stimmen der ‚“liberalen Ungarn”‘ in der Presse zu lesen sind? Das ist glaube ich, sehr einfach soziologisch zu erklären. Liberale Weltbilder sind unter Akademikern und Künstlern tendenziell stärker vertreten als nationalkonservative Positionen, und Akademiker und Künstler sind eben besser international vernetzt. Dazu bedarf es keiner Verschwörungstheorien. Wer vor allem nach innen schaut und sich nicht mit anderen Ansichten beschäftigen möchte, wird meistens keine gute PR-Strategie haben.“
    https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/03/27/faz-interview-mit-dem-philospohen-janos-kis/#comment-1577

    Daher sollten die Kommunikationsprofis der Orbán-Regierung sich selber um eine bessere Kommunikation mit den ausländischen Medien bemühen. Deutsche Mainstream-Medien, wie „Die Welt“, die ZEIT und die FAZ sind ja durchaus bereit, auch FIDESZ-Politiker zu Wort kommen zu lassen.

    Vielleicht hat das auch etwas mit der (oft überheblichen) Muttersprachen-Falle zu tun, von der Dávid Bencsik in der Budapester Zeitung berichtete.
    http://www.budapester.hu/2012/02/gastkommentar-12/

    Ich denke die Ursache ist vielschichtig und besteht, wie so oft im Leben, aus einer Kombination von soziologischen, emotionalen, (fremd)sprachlichen und nicht zuletzt empathischen Gründen – und zwar auf beiden Seiten, nicht nur auf der Seite der ausländischen Medien! Einseitige Schuldzuweisungen sind keine Grundlage für eine zielführende Kommunikation!

    • Szarvasi, ich könnte Ihnen in diesem Punkt nicht mehr Zustimmung zollen: Die soziologische Erklärung von Herrn Boulanger hat mich schon seinerzeit überzeugt. Und als ich dann noch das kurzweilige Buch „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer las, war ich noch mehr davon überzeugt, dass dies insbesondere für die Journalisten gilt. Ich bedauere übrigens, dass Herr Boulanger nicht mehr an der Diskussion mitwirkt.

      Auch hier haben Sie völlig Recht: „Daher sollten die Kommunikationsprofis der Orbán-Regierung sich selber um eine bessere Kommunikation mit den ausländischen Medien bemühen.“

      Das ist ein sehr, sehr wichtiger Punkt, den ich bei meinen Gesprächen immer wieder betone. Die Kommunikationspolitik von Fidesz (und zuvor Antall) war immer eine Katastrophe. Um die Wende herum bis in die 90er lag es auch zweifellos an der linken Übermacht in den ungarischen Medien – heute kann man sich aber nicht mehr allein darauf zurückziehen. Man muss eben kommunizieren. Das kann Fidesz bis heute nicht. Ich hatte vor einigen Jahren ein interessantes Gespräch mit Andreas Oplatka, der schon damals dieses Problem betonte. Auch im LIBE-Ausschuss des EU-Parlaments hat er jüngst darauf hingewiesen.

      Wenn Sie mir in einem Punkt zustimmen könnten, wäre ich froh: Fehlendes Kommunikationsvermögen rechtfertigt die in Beiträgen verbreiteten Unwahrheiten und Verzerrungen nicht. Nur darum geht es mir.

      • @HV, Ihr Bedauern ehrt mich – ich lese den Blog weiterhin, hatte aber in den letzten Wochen überhaupt keine Zeit, weil ich eine neue Stelle angetreten habe, die mich erst einmal völlig in Beschlag nahm. (Einmal wollte ich Ihnen zur Hochzeit gratulieren, und da hat WordPress mir das nicht erlaubt! Warum muss ich mich jetzt einloggen? Das war früher nie nötig) Ich fühle mich aber durch Ungarnfreund und Szarvasi politisch ganz gut vertreten. Mein Interesse gilt aber vor allem dem (Verfassungs-)Recht, und dazu gab es in letzter Zeit wenig zu lesen.

        Zu Ihrem Lieblingsthema – der Kritik an einseitiger Berichterstattung in den deutschen Medien – kann ich nichts mehr beitragen, es ist alles gesagt und traurig, dass sich da nichts ändert. Wie schon so oft gesagt: Übertreibungen wären überhaupt nicht nötig, es würde reichen, sich differenziert mit der faktischen Lage auseinander zu setzen, die ist problematisch genug, und die Überschneidungen zwischen links- und rechtsliberalen groß genug, um die Dummheiten der aktuellen Regierung zu kritisieren, egal, ob die Dummheiten der vorherigen Regierung nun schlimmer waren oder nicht.

  3. @HV

    Fehlendes Kommunikationsvermögen ist fast immer die eigentliche Ursache für emotional geführte Polemik, aber auch fehlende Empathie, auf Unkenntnis beruhende (Vor)urteile, und leider oft auch sprachtechnische Probleme, z.B. Übersetzungsfehler und Doppeldeutigkeiten, manchmal auch nichtverstande (kulturkreisspezifische) Ironie oder missverständliche (oder als unterhaltsam empfundene, oft überhebliche) Andeutungen zu Kultur, Nation, Religion usw.

    Mit Absicht verbreitende Unwahrheiten und Verzerrungen, die die Absicht haben, den Mitmenschen zu diffamieren, ihn in seiner Persönlichkeit herabzusetzen – oder noch schlimmer: ihn in seiner Ehre zu verletzen, lassen sich nie rechtfertigen, damit stimme ich ihnen zu!

    Oft ist das intentiert – manchmal aber auch nicht! Das gilt es herauszufinden!
    Das zu meistern, bedarf es einer wichtigen Fähigkeit: „Soziale und Interkulturelle Kompetenz“ und die lernt man nur, wenn man auch bereit ist sich auf das Neue, das Fremde einzulassen. Als Lehrer weis ich, dass junge Menschen da erfahrungsmäßig sehr viel eher dazu bereit sind, als „reifere“ Menschen mit einer entwickelten Meinung und einer (ideologisch) gefestigen Weltsicht. Vielleicht ist das auch der Grund, warum so oft von Faschismus und Sozialismus und anderen ideologisch geprägten Schlagworten die Rede ist.

    • Lieber Szarvasi,

      bei Lesen dieses Satzes wurde ich nachdenklich:

      „Das zu meistern, bedarf es einer wichtigen Fähigkeit: “Soziale und Interkulturelle Kompetenz” und die lernt man nur, wenn man auch bereit ist sich auf das Neue, das Fremde einzulassen.“

      Sich auf das neue, das Fremde einzulassen…wichtige Punkte. Was würden Sie denn sagen, ist die Mehrheit der deutschen Journalisten willens und in der Lage, die Situation Ungarns im Zusammenhang mit dem Land zu sehen, ohne „deutsche Maßstäbe“ (insbesondere was den Umgang mit der eigenen Historie angeht) anzuwenden? Ich las vorgestern einen wichtigen Beitrag von Krisztián Ungváry, dem man Verharmlosung der ungarischen Geschichte gewiss nicht vorwerfen kann. Ich halte ihn für einen der besten Historiker unserer Zeit (obwohl er noch keine 45 ist).

      Er schrieb sinngemäß, dass viele deutschsprachige Autoren den Fehler machten, die eigenen Maßstäbe – gerade was den Umgang mit „Nationalismus“ angeht – anzuwenden, ohne das Land zu sehen. So sagte Ungváry auch, dass ein Hang zu Nationalstolz, der hier wohl Kopfschütteln hervorrufen könnte, in der ganzen Region schon lange verbreitet ist. Ich denke, man kann die eigene Sichtweise, die eigene (Erinnerungs-)Kultur nicht einfach exportieren. Konkret sprach er das Buch „Aufmarsch“ von Gregor Mayer und Bernhard Odehnal an. Ungváry hat meine volle Zustimmung, was diesen Aspekt „interkultureller Kompetenz“ angeht.

      Darauf, dass es in Deutschland auch mehr als 20 Jahre gedauert hat, bis man ordentlich „gedachte“, will ich hier gar nicht eingehen – ich frage mich aber schon, mit welchem Recht deutsche Journalisten es 23 Jahre nach der Wende wagen, Ungarn als Dikatur oder faschistisches Land zu betiteln, ohne zu sehen, wie lange in Deutschland nur hinter vorgehaltener Hand über das 3. Reich und den Holocaust gesprochen wurde (von fehlender Schulbildung ganz zu schweigen). Die Deutschen und die Österreicher täten gut, hier von ihrem hohen Roß herabzusteigen.

      Mich würde Ihre Einschätzung hierzu interessieren, Sie waren schließlich eine Zeit in Ungarn und kennen die Menschen (anders als Herr Shelliem) nicht nur aus Erzählungen.

      • Lieber HV,
        hier nur eine kurze Ergänzung, da wir heute Elternsprechtag habe und ich nur eine kurze Pause zur Verfügung haben. Den von Ihren angesprochen Themenkreis ist zu komplex, um ihn heute hier zu beantworten.

        Der Satz: >>Das zu meistern, bedarf es einer wichtigen Fähigkeit: “Soziale und Interkulturelle Kompetenz” und die lernt man nur, wenn man auch bereit ist sich auf das Neue, das Fremde einzulassen << gilt natürlich in beide Richtungen.

        – Sie legen Wert auf die (manchmal) einseitige Darstellung Ungarns durch die Westpresse
        – Ich möchte ihn aber auch so verstanden wissen, dass sich in Deutschland in der Zeit, wo Ungarn in einem systembedingen Dornröschenschlaf gefallen war – eine säkularisierte pluralistische Zivilgesellschaft entwickelt hat, die nicht nur bei vielen Ungarn, sondern auch bei vielen Deutschen Abwehrreflexe auslöst.

        Ich stimme György Dalos zu, dass der Umgang mit dieser Zivilgesellschaft (genauer: die Bereitschaft der Menschen sich auf eine pluralistische Gesellschaft einzulassen) der entscheidende Schlüssel für die Lösung der Gegenwartsprobleme sein wird: "Was Ungarn im 21. Jahrhundert am meisten braucht, ist eine reife Zivilgesellschaft, die der Versuchung widerstehen kann, soziale Fragen autoritär zu beantworten, Minderheiten im Ernstfall zu Sündenböcken abzustempeln und Offenbarungen einander befehdender Eliten für bare Münze zu nehmen." György Dalos: Ungarn in der Nussschale. Geschichte meines Landes. [C. H. Beck, München 2004, S. 190]

        Vorraussetzung ist ein gut funktioniertes Bildungssystem und uneingeschränkte Meinungsvielfalt – und die Bereitschaft sich in einer solchen Gesellschaft im Umbruch wiederzufinden – ohne die Orientierung zu verlieren: offen für das Neue, Fremde, ohne die eigenen Werte und Traditionen (Identität) aufzugeben. Das zu vermitteln ist eine wichtige Aufgaben der Medien – bereits heute und noch mehr morgen.

  4. „Darauf, dass es in Deutschland auch mehr als 20 Jahre gedauert hat, bis man ordentlich “gedachte”, will ich hier gar nicht eingehen – ich frage mich aber schon, mit welchem Recht deutsche Journalisten es 23 Jahre nach der Wende wagen, Ungarn als Dikatur oder faschistisches Land zu betiteln, ohne zu sehen, wie lange in Deutschland nur hinter vorgehaltener Hand über das 3. Reich und den Holocaust gesprochen wurde (von fehlender Schulbildung ganz zu schweigen). Die Deutschen und die Österreicher täten gut, hier von ihrem hohen Roß herabzusteigen“

    Vielleicht liegt es daran, daß der haßerfüllte Ausdruck „Faschismus“ Vielen, die den Ausdruck „Nationalsozialismus“ tabuisieren, nur zu leicht auf der Zunge sitzt.
    Dennoch aber bleibt der Unterschied zwischen Faschismus und Nationalsozialismus fast so groß wie zwischen der SPD und der Roten Khmer.
    Mit dem (italienischen) Faschismus begann die Auseinandersetzung des Kommunismus mit den totalitären Konkurrenzsystemen. Die kommunistische Definition in den 30er Jahren: „Der Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“, war ein Versuch der materialistischen Deutung. Und wer sich noch heute dieser Sprachverordnung – die so falsch, daß sie einleuchtet und Erfolg hat – beugt, ist mir höchst verdächtig.

  5. HV ich würde es nicht nur wie Boulanger „soziologisch“ sehen, sondern auch die Frage stellen, warum Fidesz es nicht gelingt, den schlechten Ruf loszuwerden. Fidesz hat genug Intellektuelle, die mehrsprachig sind und so kann es nicht daran liegen, dass ihre Leute keinen Kontakt mit ausländischen Journalisten herstellen können.
    Das Problem scheint zu sein, dass man Fidesz nicht mehr die Doppelzüngigkeit abnimmt, zuhause mit Jobbik zu kungeln (z.B. Trianongedenktag usw), im Ausland hingegen vorzugeben, man wäre eine normale konservative Partei, wie die CDU/CSU oder ÖVP.
    Heute wird in rechten Medien der Vergleich mit der österreichischen Regierung Schüssel ab 2000 gezogen, die von den EU-Staaten kritisiert wurde.
    Doch dabei übersieht man ein wichtiges Detail. Niemals hat Schüssel oder Haider die Straße mobilisiert. Es gab mächtige Demonstration gegen die österr. Regierung aber keine für die Regierung. Wozu auch, waren doch die meisten Medien wie in Ungarn auf der Seite der Regierung. In Ungarn jedoch läßt Orbán seine Freunde Bayer und Bencsik Massendemonstrationen organisieren. Natürlich ist es erlaubt in einer Demokratie Massendemonstrationen zu veranstalteten. Doch in der Regel verlassen sich Regierungen auf ihre gute Arbeit und haben es nicht notwendig Demonstrationen durchzuführen. D.h. in Österreich hat die erste Regierung Schüssel nicht so wie die Fidesz-KDNP Regierung massiv Sympathien in der Bevölkerung verloren.

    Unwahrheiten und Verzerrungen ausländischer Journalisten, die nicht ungarisch können, soll man anprangern. Doch nicht vergessen soll man dabei die argen Medienmanipulationen, z.B. wie eine Pressekonferenz von Daniel Cohn-Bendit vom königl. TV manipuliert wurde. Also was Fehler, Verzerrungen und Manipulation betrifft, da übertreffen gewisse ungarische Medien bei weitem die ausländischen.

    Agnes Széchenyi die Dimitroffsche Faschismusdefinition gebraucht heute kein seriöser Historiker. Insbesondere in Ungarn konnte man wahrnehmen, wie falsch diese war. 1939 errang die Pfeilkreuzlerpartei bei den Wahlen gerade dort große Erfolge, wo früher die Sozialdemokraten stark waren. Darüber wurde schon während der Kádár-Periode in Ungarn publiziert.

    Kein seriöser Journalist oder Politiker behauptet, Ungarn wäre heute ein faschistisches Land. Was aber klar ist, eine neopfeilkreuzlerische Partei wie Jobbik ist im Parlament vertreten und Fidesz hat einige Forderungen von Jobbik übernommen. Auch ist die Affäre um das „Neue Theater“ kein Ruhmesblatt.

    Und ich merke an, dass selbstverständlich jeder Journalist, also auch jeder deutsche Journalist, das gute Recht hat über andere Länder zu schreiben. Sollte ein Journalist einen doppelten Maßstab anwenden, verzerrt berichten oder gar manipulieren dann gehört er/sie kritisiert. Ich sehe nicht ein, warum Sie gerade deutschen Journalisten einen Maulkorb umhängen möchten.

    Es ist schon richtig Fehler und Verzerrungen anzuprangern, doch kann man nicht damit vom Kern der Kritik an der heutigen Regierungspolitik Ungarns ablenken und behaupten, die ganze kritische Berichterstattung wäre voll der Fehler und verzerrt.

  6. Ich habe mir diese Sendung erst jetzt angehört. Als Ungarn als Diktatur bezeichnet wurde blieb mir die Spucke weg. Ich kenne mich in juristischen Angelegenheiten nicht gut aus, im Medienrecht erst recht nicht. Kann man da nicht eine Richtigstellung oder Gegendarstellung verlangen? Wenn Redaktionen mit solchem journalistischem Schrott mal auf dem Bauch landen, werden sie beim nächsten Mal vielleicht mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Sendebeiträge an den Tag legen.

    • Jochanen Shelliem ist nicht ernst zu nehmen. Der bringt es in einem Beitrag fertig, zu behaupten, Jobbik sei an der Regierung beteiligt.

      Gestern und heute strahlte Deutschlandfunk wieder zwei Interviews von Shelliem unter dem Titel „Pandora in Budapest“ aus:

      Hier Teil 2 von heute, mit Iván Sándor: http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&broadcast=445216&playtime=1333956647&fileid=4a88d6ab&/
      Teil 1 (mit Ágnes Heller) suche ich noch…

      Höre ich mir gleich an.

      • Shelliem, wie er leibt und lebt (ab 17:45 min):

        „2009 befinden sich die Sozialisten in freiem Fall in der Wählergunst, 2010 wird Fidesz mit fremdenfeindlichen, auch mit antisemitischen Parolen, gemeinsam mit der noch radikaleren Jobbik, die sich ganz bewusst auf das Dritte Reich bezieht und auch die Angst schürt, in das Parlament gewählt, und zwar mit 2/3 Mehrheit.“

        Fidesz und fremdenfeindliche, antisemitische Parolen. Natürlich „gemeinsam mit Jobbik“. Iván Sándor hat dem sofort widersprochen. Wenn ich mir die Stichwortgeberei Shelliems ansehe, fällt mir TGM ein, der letzte Woche bei ATV sagte: Die linksliberalen Medien gehen den Bach runter. Viele Journalisten machen ihre Arbeit nicht mehr. 🙂

  7. *Viele Journalisten machen ihre Arbeit nicht mehr*
    Ja, ja die armen Journalisten hier in Ungarn.Da machen sie Witze über einen Panda und schon erhalten sie eine Geldstrafe vom Médiatanács aufgebrummt.
    http://www.focus.de/panorama/welt/urteil-aus-ungarn-radiosender-muss-wegen-tierwitzen-870-euro-zahlen-_aid_771113.html
    In Zukunft werd ich mir wohl wirklich untersagen irgendwelche Nachrichten überhaupt noch zu lesen, denn langsam könnte ich dabei die Wand hoch gehen.Ach ja, die armen bedauernswerten Boomerang Moderatoren.
    Ich zerfließe gleich vor Mitleid.
    Blöd nur :
    A Médiatanács az FM1 Zrt. médiavállalkozás részére a mai napon kézbesítette határozatait, amelyben 40 millió forintos mentőövet és szabályozott keretek között megvalósuló tartozásrendezést is kínál ahhoz, hogy a Neo FM továbbra is sugározhasson. A rádió vezetésének hétfőig kell döntenie arról, hogy elfogadja-e a Médiatanács mentőcsomagjá…

    http://privatbankar.hu/kkv/hetfoig-kapott-haladekot-a-neo-fm-248115
    und ähnliches
    Die Meldung im Focus bezüglich der Strafe für die Boomerang Moderatoren wird aber wieder genüsslich verbreitet.

    Ich hab mich mal über die Eingner des NEO FM informieren wollen, habe es aber aufgegeben weil es ein totaler Filz ist.

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