ATV: Henrik Havas, die Minderheitenpolitik und die political correctness

Henrik Havas ist einer der bekanntesten Radio- und Fernsehjournalisten des Landes. Er gilt als linksliberal und moderiert im oppositionellen Fernsehsender ATV die wöchentliche Diskussionsrunde „civil a pályán“. Ferner arbeitet er für Klubrádió.

In der Sendung vom 06.03.2012 erwähnte Havas im Zusammenhang mit der Roma-Politik, der größte Fehler der gesellschaftlichen Mehrheit im Bezug auf die Minderheitenpolitik sei es gewesen, sie den Minderheiten zu überlassen. Die Roma-Selbstverwaltungen würden von „Zigeunerverbrechern“ bestimmt. Havas sprach davon, Buntmetallhändler, Zuhälter und Zinswucherer hätten das Sagen, und selbstverständlich hätten diese Personen überhaupt kein Interesse an dem sozialen Aufstieg der Roma-Bevölkerung.

Die Sendung vom 06.03.2012:

http://atv.hu/videotar/20120307_civil_a_palyan_2012_03_06_1_resz (Teil 1)

http://atv.hu/videotar/20120307_civil_a_palyan_2012_03_06_2_resz (Teil 2)

Die Äußerung Havas´ rief empörte Reaktionen unter den Roma-Selbstverwaltungen hervor. Der Vorsitzende, Oszkár Lakatos, kritisierte in einem Brief an die ATV-Führung an Havas´ Äußerungen, dass sie sich auf die Gesamtheit der Selbstverwaltungen bezogen habe. Die Worte seien beleidigend und verallgemeinernd.

Auch aus Anlass der Forderung der Romavertreter wurde das Thema in der Sendung vom 27.03.2012 abermals aufgeworfen (etwa bis zur Hälfte des ersten Teils). Eine sehenswerte Diskussion – auch um political correctness-, die jedem, der ungarisch spricht, nur wärmstens empfohlen werden kann.

http://atv.hu/videotar/20120328_civil_a_palyan_2012_03_27_1_resz (Teil 1)

8 Kommentare zu “ATV: Henrik Havas, die Minderheitenpolitik und die political correctness

  1. Ich habe diese Sendung gesehen in der es zu einer heftigen Diskussion kam über den Begriff „Zigeunerkriminalität“.
    Meines Wissens nach war der linke Schriftsteller György Moldova der erste, der diesen Begriff in seinem Buch über die ungarische Polizei benützte. Vor einiger Zeit publizierte „Élet és Irodalom“ die fachliche Beurteilung des Moldova Buches vor der Veröffentlichung während der Kádárzeit. Obwohl der Kriminologieprofessor, der dieses Buch beurteilte, dafür eintrat, das Buch nicht zu publizieren, wurde es wenn ich mich richtig erinnere 1987 publiziert.
    Was viele nicht wissen, es gab auch im Kádár-System Romadiskriminierung. Darüber publizierte ich bereits am 9.1.1980 in der Wiener Arbeiterzeitung.

    • Lieber Karl Pfeifer,
      es ist wichtig sich gegen Diskriminierung einzusetzen, so wie Sie es auch tun. Wenn ich nun Herrn Peter Herche lese der sich an dem Wort „auch“ stört und wenn dieses in Ihrem Satz gelöscht werden würde, käme eine ganz andere Aussage und Einstellung zu diesem Thema heraus. Es würde den Eindruck vermitteln als sei die Diskriminierung der Roma schon Geschichte und Sie würden diese als Vergangenheit betrachten, was ja nicht der Fall ist. Deshalb ist dieses „auch“ sehr wichtig und richtig. Grüße Kugel..

  2. „Was viele nicht wissen, es gab auch im Kádár-System Romadiskriminierung.“,

    Sieh an, sieh an! Nur hießen die Roma damals noch Zigeuner und leichter hatten sie es unter den Kommunisten (der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei) nun wirklich nicht. Ich habe in der „dorozsmai-cigány-iskola“ erlebt, wie mit „Zigeuner-Kindern“ verfahren wurde. Meine Frau hatte in den Siebzigern für ihre Diplomarbeit Zugang zum Lager in Nagyfa.

    Alzheimer lässt grüßen!
    Von wegen, „es gab auch…“!
    Wie kann man nur so verlogen sein?

  3. In der Regel diskutiere ich nicht mit P.H.

    Doch wenn er mir Verlogenheit vorwirft, dann entgegne ich: Als die meisten Journalisten noch begeistert vom Gulasch-Kommunismus in Ungarn berichteten habe ich auf die Diskriminierung der Zigeuner aufmerksam gemacht und zwar so:
    „…Der Widerspruch zwischen dem wirtschaftlichen Fortschritt und der sozialen Gerechtigkeit kann mit den bisherigen Methoden der Lenkung von oben nicht gelöst werden. Man spricht zwar viel von „sozialistischer Demokratie“, ist aber bisher nicht bereit, tatsächlich Pluralismus zu gestatten. Die Partei ist sowohl Regierungspartei als auch ihre eigene Opposition und drückt die „kollektive Weisheit der Arbeiterklasse“ aus.
    Heute, nach den radikalen Preiserhöhungen und den jetzigen schleichenden Preiserhöhungen, gibt es bereits eine Million sehr arme Menschen, welche das Existenzminimum nicht oder kaum erreichen, darunter überproportional viele Zigeuner. Die Medien berichten gerne und oft über die Benachteiligung der Indianer in den USA, über die Schwarzen in Südafrika, die Palästinenser in Israel, darüber aber, daß noch heute mehr als 100.000 Zigeuner geradezu in Erdlöchern leben und mit schlechtem Wasser versorgt werden, darüber wird vornehm geschwiegen. Die offiziellen Stellen sind nicht einmal bereit anzuerkennen, daß es in Ungarn wirklich arme Menschen gibt. Allein in der Kunst wird auf diese gesellschaftliche Realität eingegangen…“
    Quelle: AZ Wien, 9. Jänner 1980

    Auf seine ad personam Bemerkung antworte ich nicht. Die Leser sollen entscheiden, wer da „verlogen“ ist.

    • Mich hat das Wörtchen „auch“ gestört.

      Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung gehörten zum sozialistischen Alltag.

      Rein theoretisch ließe sich über die Frage streiten, ob eine Halbwahrheit schon eine Lüge ist. Praktisch verweigern Sie sich jeder ehrlichen Auseinandersetzung. Ich darf daran erinnern, dass ich in diesem Forum unter Antisemitismus-Verdacht gestellt wurde. Das hat mich verletzt.

      „… so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“

      Ihr Appell an die Leser möge deren Gehör finden!

      • @P.H.

        Zu dem von ihnen verfassten Zitat, hat Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma Gandhi, die große Seele Indiens, bereits eine treffende Antwort gegeben: Die Forderung „Auge um Auge“ führt nur dazu, dass die ganze Welt blind wird. Das wollen sie doch bestimmt nicht …

        Übrigens: Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung gehörten zum Alltag alle derer, die ihre Gegner vernichten wollen. Also auch der politischen Rechten. So weit zur „political correctness“.

  4. P.H. Beleidigt sind Sie also.
    Sie sind nicht zurückhaltend beim Austeilen, selbst aber mimosenhaft empfindlich. Was wollen Sie mit Auge für Auge sagen? Wollen Sie ein altes Stereotyp aufwärmen?
    Ich empfehle Ihnen Matthäus 7:3 zu lesen

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