Karl Pfeifer in der Presse: Von Zsolt Baráth zu Viktor Orbán?

Die österreichische Tageszeitung Die Presse druckt am morgigen Donnerstag, den 12.04.2012, einen Gastkommentar des Wiener Journalisten Karl Pfeifer ab.

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/748200/In-Budapest-werden-Ritualmordlegenden-wieder-aufgewaermt

Pfeifer behandelt eine ungeheuerliche antisemitische Rede des ungarischen Parlamentsabgeordneten Zsolt Baráth von der rechtsextremen Partei Jobbik. Baráth hatte am 03.04.2012 in einer Wortmeldung vor dem fast leerem Plenum einen Ritualmordprozess des Jahres 1882/83 für wüste antisemitische Anspielungen auf eine vermeintliche Verschwörung des Judentums gegen Ungarn genutzt. In dem Prozess von Tiszaeszlár waren 15 Ungarn jüdischen Glaubens angeklagt worden, ein 14-jähriges Mädchen ermordet zu haben. Der Prozess, während dessen Verlauf sich sogar der große ungarische Freiheitskämpfer vn 1848/49, Lajos Kossuth, aus dem Turiner Exil im Sinne der Angeklagten zu Wort gemeldet hatte, endete mit Freisprüchen. Rechtsradikale Kreise behaupten bis heute, der Freispruch sei durch „Erpressung“ internationaler Finanzkreise gegenüber Ungarn erwirkt worden.

Der Umstand, dass das Halten von Reden dieses Inhalts in einem demokratisch gewählten Parlament möglich ist, ist unerträglich. Dass Baráth nicht zur Ordnung gerufen oder ihm das Wort entzogen wurde, war wohl ganz wesentlich der Tatsache zu verdanken, dass Baráths Parteikollege, der Parlaments-Vizepräsident Zoltán Balczó (Jobbik), zum Zeitpunkt der Wortmeldung den Vorsitz im Plenum führte.

János Fónagy, für die Regierung im Parlament anwesendes Mitglied, ergriff unverzüglich nach der Wortmeldung Baráths das Wort und verurteilte die Rede scharf. Einen Tag danach verurteilte die ungarische Regierung über eine Stellungnahme des Verwaltungs- und Justizministeriums die Rede nochmals ausdrücklich als „absolut inakzeptabel und gegen sämtliche Grundwerte des ungarischen Parlaments und der Regierung im Widerspruch stehend„. Protest kam auch von sämtlichen Parteien (außer Jobbik), zum Teil wurde der Rücktritt Baráths gefordert.

Leider versucht Pfeifer in seinem Kommentar – fast krampfhaft – abermals und deutlich erkennbar eine Vermengung der Jobbik und des Fidesz:

„Es dauerte zwei Tage, bis sich die ungarische Regierung dazu aufraffte, eine distanzierende Pressemitteilung herauszugeben. Kein Zufall, wenn man daran denkt, dass ähnliche Töne über die Macht „der Kolonisatoren“ von Zsolt Bayer geschwungen werden – einem Freund von Ministerpräsident Viktor Orbán und Organisator einer Pro-Orbán-Demonstration, deren Tenor war: „Wir werden keine Kolonie sein.“

Die Kritik an Jobbik ist vielen Kritikern der heutigen ungarischen Verhältnisse offenbar einfach nicht genug. Es muss stets auch Kritik an Fidesz sein. So wird, trotz der deutlichen Reaktion Fónagys, die sogar von der Israel Times hervorgehoben wurde, abermals Zsolt Bayer, der „gute Freund“ des Ministerpräsidenten, aus dem Hut gezaubert, um die geistge Nähe zwischen Jobbik und Fidesz zu dokumentieren. Und natürlich darf – trotz des völlig fehlenden Zusammenhangs zwischen dem hiesigen Schverhalt – auch Bayers jüngster Ausfall gegenüber der österreichischen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek (Grüne) nicht fehlen – Bayer hatte Lunacek und die EU-Kommissarin Neelie Kroes in unflätiger Art und Weise in der Sendung „Korrektúra“ auf EchoTV, u.a. als „Idiotinnen“, beschimpft; Lunacek hat sich vergangene Woche an die ungarische Medienbehörde gewendet und verlangt eine Strafe gegen den Sender. Zuvor hatten die Grünen jene Medienbehörde noch als Quelle unangemessener Zensur dargestellt.

Leider bringt Pfeifer es nicht über das Herz, auch nur einmal festzustellen: Weder Bayer, noch Fidesz oder Viktor Orbán sind für die jüngsten Ausfälle von Jobbik im Parlament verantwortlich. Wir sehen vielmehr die negativen Auswüchse einer Art ultraliberaler, pseudo-amerikanischer „Meinungsfreiheit“, die sich in Ungarn – insbesondere auf Mitwirken der damaligen liberalen Partei SZDSZ – durchgesetzt hat. Bei dieser Sichtweise fallen selbst Aussagen, die andernorts längst als Volksverhetzung strafbar sind, unter die Freiheit der Meiungsäußerung.

Leider scheint die Gefahr, die nach der Meinung vieler (wohl auch Karl Pfeifer) von Fidesz ausgeht, größer zu sein als diejenige, die vom Geist und den Worten von Jobbik ausgeht. Anders ist es nicht zu erklären, dass man immer und immer wieder versucht, der europäischen Öffentlichkeit die vermeintliche Gleichung Jobbik = ungarische Regierungsmehrheit zu präsentieren. Eine Gleichung, die vor 2010 nicht galt, obwohl in der seinerzeitigen Regierungsphase (2008 und 2009) sogar Morde an Angehörigen der Minderheit der Roma verübt wurden – begangen von Rechtsradikalen. Kritik an der ungarischen Regierung hielt sich seinerzeit stark in Grenzen.

Karl Pfeifer, der schon im Wahlkampf 2010 behauptet hatte, die Partei Fidesz habe dort „massiven Antisemitismus eingesetzt“ (eine fragwürdige These, die jüngst vom jüdischen Schriftsteller Iván Sándor bezweifelt wurde), gehört ebenso zu den vehementen Vertretern dieser Aufassung wie die deutsch-ungarische Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky und diejenigen Journalisten, die den ungarischen Ministerpräsidenten im Nazigewand abbilden – wie es die französische Le Monde im Frühjahr 2012 tat. Man sollte jedoch darauf achten, ein Phänomen wie Jobbik, das zuvorderst mit demokratischen Mitteln bekämpft werden muss (von allen Parteien) nicht dadurch zu verharmlosen, dass man es lediglich als „Schwarzen Peter“ verwendet, den man der aktuellen Regierung zuschieben kann. Dass diese Strategie nicht aufgeht, zeigen die noch immer steigenden Umfrageergebnisse für Jobbik.

Echte Rechtsradikale eignen sich nicht als Wahlkampfhilfe für gescheiterte Sozialisten und Liberale. Sie aus echter Sorge zu bekämpfen, muss das Ziel aller Demokraten sein.

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66 Kommentare zu “Karl Pfeifer in der Presse: Von Zsolt Baráth zu Viktor Orbán?

  1. HV Hätte ich mehr Platz gehabt, dann hätte ich natürlich darauf aufmerksam gemacht, dass der amtierende Parlamentspräsident Sándor Lezsák den Titel der Rede und den Grund der Rede vorab wußte. Denn so schreiben es die Statuten vor. Einiges ist heute passiert was ich nicht mehr in meinem Kommentar berücksichtigen konnte.
    Ich muss mich in nächster Zeit etwas zurückhalten mit Posten, denn ich habe einiges zu schreiben und das geht vor.

    • Wie der ungarische Jurist György Magyar bei ATV sagte: Gegen solche Reden ist leider kein Kraut gewachsen. Auch wenn der „Titel und der Grund“ (a felszólalás oka és tárgya) bekannt gegeben werden muss. Ich denke, der Redetext muss nicht bekanntgegeben werden. Sonst hätte man wohl reagiert, auch von Seiten der anderen Parteien.

    • Diese unglaubliche Provokation des Zsolt Baráth von der rechtsextremen Partei Jobbik im ungarischen Parlament macht einen schier Sprachlos.

      Einen Ungar vor Entsetzen ob solcher Niedertracht, die anderen, die hasserfüllten Kampfbrigaden gegen Viktor Orbán und seiner demokratisch gewählten Regierung, die die absolute Mehrheit des Landes representiert, mit Freude und Hochgefühl.

      Doch seien wir nicht naiv, dieser unversöhnlicher Hass gegen Orbán ob von extrem Rechts oder von extrem Links hat System und ist gar nicht neu. Nur der Grad der Provokation wird den aktuellen Bedürfnissen angepasst.

      Um diese Provokation noch besser vermartkten zu können, wurde geschickt das weltweit am allerbesten bekannte Symbol vom Land und Volk, das ungariche Parlament zum idealen Ort für diese Aktion ausgewählt.

      PS: Jeder wohlmeinender Zeitgenosse, der etwas Musse hat vorurteilslos seinen gesunden Menschenverstand zu prüfen, soll sich den Namen

      „Diána Bácsfi”

      genau merken, und sich Informationen über diese Provokatörin beschaffen.

      Für mich ist Diána Bánfi trotz des Untrerschieds im Sex mit Zsolt Baráth absolut identisch

      • @ Unger:

        „Einen Ungar vor Entsetzen ob solcher Niedertracht, die anderen, die hasserfüllten Kampfbrigaden gegen Viktor Orbán und seiner demokratisch gewählten Regierung, die die absolute Mehrheit des Landes representiert, mit Freude und Hochgefühl.“

        So kann man damit meines Erachtens auch nicht umgehen. Ich kenne durchaus Ungarn, die sich als Fidesz-Wähler sehen, aber nach dem früheren Motto „eigentlich hat Csurka Recht“ von der Denke her weit, weit rechts stehen und die Aussagen eines Zsolt Baráth eventuell gar zustimmend zur Kenntnis nehmen. Sehen wir mal schön davon ab, das Land in treue Ungarn und „hasserfüllte Kampfbrigaden“ zu teilen. Ganz so ist es nämlich nicht. Es gibt einen braunen Bodensatz, den es zu bekämpfen gilt. Und der trägt Antisemitismus, Antiziganismus in die Gesellschaft hinein. Und erst, wenn wir das erkennen und mit Sorge zur Kenntnis nehmen, sollten wir uns darüber unterhalten, dass die Berichterstattung über Ungarn und die Teile der Politik ein verzerrtes Bild liefern, sowie politisch (wie die DK) von einer solchen Stimmung gegen Orbán profitieren wollen.

        Die besagte Dame war eine merkwürdige Erscheinung. Sie saß allerdings nicht mit 17% ihrer Volksgenossen im Parlament. Da liegt der Unterschied.

        Fragen wir uns also, wie man Jobbik und die von ihr verbreiteten Gedanken (Revisionismus, Antisemitismus, Rassismus, EU-Feindlichkeit auf Teufel komm raus) am besten bekämpft. Sicher nicht, indem man sich ihre Ideologie zu eigen macht. Sondern dadurch, dass man die Probleme der Wähler, die sich für Jobbik entschieden haben, zu lösen versucht (z.B. die innere Sicherheit in Nordostungarn). Ich weigere mich bis heute zu glauben, dass jeder Jobbik-Wähler ein Antisemit oder Rassist ist. Es waren auch Protestwähler darunter, die man wieder für die Demokratie vereinnahmen kann. Vorausgesetzt, man macht ihnen ein Angebot. Dieses Angebot sollte sich von dem der Jobbik unterscheiden: Sonst wählt eine Vielzahl von Menschen das (mehr als fragwürdige) Original.

  2. HV Sie konnten 5.664 Zeichen verwenden um meinen 3.302 Zeichen Kommentar zu kommentieren.
    Sándor Lezsák ist Lehrer und kennt die ungarische Geschichte. Er konnte sich ausrechnen, was da kommen würde. Tat aber nichts. Vielleicht weil er ähnlich denkt?
    Jetzt nur zwei Themen:
    1) S.Köves hat Baráth angezeigt, und die Staatsanwaltschaft hat sofort eine Untersuchung eingeleitet. Wenn es – wie sie schreiben rechtlich gar nicht geht – warum hat dann die Staatsanwalt das getan? Nun die Motivation die ihr unterstellt werden kann ist eine politische. Weil man sich doch gegenüber dem Ausland als zivilisiert und europäisch zeigen möchte?
    Nach der „Wahlkabinenrevolution“ und mit einer 2/3 Mehrheit, die binnen ein Jahr fast 400 Gesetze durchgedrückt hat, wäre es möglich gewesen, auch dazu eines zu beschließen. Warum ist da nichts geschehen?
    2) Ministerpräsident V.O. sagte gestern im Parlament, dass sich in Ungarn keine Minderheit fürchten braucht und er die Minderheiten so auch die ungarischen Juden schützen wird.
    Gibt es noch ein Land in EU, wo der Ministerpräsident so etwas sagen muss?
    Fakt ist die Alliierten haben nach dem Ersten Weltkrieg den jüdischen Ungarn angeboten als Minderheit behandelt zu werden, diese lehnten ab.
    Fakt ist auch, dass sie die Möglichkeit hatten, sich nach 1990 als Minderheit zu konstituieren und auch das (Mit Ausnahme von vielleicht ein-zwei Hundert) nicht ihre Zustimmung fand.
    Damit sind laut V.O. die Juden in Ungarn keine Ungarn sondern nur ungarische Staatsbürger, die aber nicht zum ethnisch homogen imaginierten Volk gehören. Und damit ist auch alles bestätigt, was Magdalena Marsovszky sagt, nämlich über die Bedeutung des völkischen Gedankens in Ungarn.

    • Herr Pfeifer, Ihr Kommentar erinnert mich an Ihre allererste Wortmeldung hier im Forum. Auch damals, 2010, war Ihre Anmerkung: „Es ehrt mich durchaus, dass mein 4.200 Zeichen umfassender Artikel mit einer 7.280 Zeichen Rezension bedacht wurde.“

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/03/14/die-linke-wochenzeitung-jungle-world-berichtet-wie-gewohnt-uber-ungarn/

      Zu 1) Wir werden sehen, was bei dieser Untersuchung herauskommt. Die Rechtsprechung des Verfassungsgerichts zur Meinungsfreiheit ist nun einmal sehr weit. Und ich sage nochmal: Mir gefällt diese Art der „Redefreiheit“ nicht.
      Zu 2) Wie drehen Sie nur alles so hin, wie es für Sie am besten ist? Wenn Orbán nichts sagt, krakelen Sie und verwenden es gegen Fidesz. Wenn Orbán etwas sagt, dann verwenden es Sie es gegen das ganze Land. Ich kann diese Art der Argumentation schon lange nicht mehr nachvollziehen. Auf Ihren Satz: „Damit sind laut V.O. die Juden in Ungarn keine Ungarn sondern nur ungarische Staatsbürger, die aber nicht zum ethnisch homogen imaginierten Volk gehören. Und damit ist auch alles bestätigt, was Magdalena Marsovszky sagt, nämlich über die Bedeutung des völkischen Gedankens in Ungarn.“ kann ich nur mit Kopfschütteln reagieren. Dass die ungarischen Juden keine Ungarn sein sollen, habe ich so noch nie gehört (außer von Rechtsextremen). Dass sie eine religiöse Minderheit sind, dürfte unstreitig sein.

      Mir fehlt heute die Lust, mich mit Ihren Parolen zu befassen. Es sei denn, Sie beantworten mir die Frage: Woher kommt Ihr fast apostolischer Hass gegen Fidesz? Hat Ihnen Orbán perönlich Unrecht getan? Auf einen Ihrer Artikel einen Leserbrief verfasst 🙂 ? Oder betrachten Sie Ungarn auch heute noch (bzw. wieder) als das autoritäre Land, das Sie in den 1940er Jahren verlassen mussten? Ich jedenfalls verstehe nicht, was Sie zu dieser Art von Agitprop drängt – und kommen Sie mir bitte nicht mit Ihren vier Ausweisungen, die bedeuten nämlich nicht, dass Sie immer Recht haben. Auch wenn Sie sie wie einen Schild der Unfehlbarkeit vor sich hertragen.

    • Lieber Karl Pfeifer,
      „Damit sind laut V.O. die Juden in Ungarn keine Ungarn sondern nur ungarische Staatsbürger, die aber nicht zum ethnisch homogen imaginierten Volk gehören.“ Alleine dafür würde ich Ihnen 10 Punkte geben, wenn ich es könnte.

      • Hier sind Auszüge aus der Definition für den Begriff „Minderheit” aus Wikipedia:
        „Eine Minderheit ist ein numerisch geringer Teil eines Staatsvolkes, der sich durch personale oder kulturelle Merkmale von der Bevölkerungsmehrheit unterscheidet. Die unterschiedenen Merkmale von Minderheiten sind meistens Sprache, Ethnie oder Religion, doch auch Moral-Vorstellungen, sexuelle Identität oder soziale Funktion können den Status von Minderheiten ausmachen.“
        In der Wortmeldung Orbáns ist von „allen Minderheiten” die Rede, er hat nichts gesagt, was die Reduzierung des Begriffs Minderheit auf ethnische Minderheit begründen könnte. Herr Pfeifer lässt aber keine Möglichkeit ungenutzt, Orbán anzugreifen, daher hat er aus den zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten für das Wort Minderheit die ausgewählt, die ihm ins Kram passt.

      • Ich darf Sie mal von einer öffentlich zugänglichen Webseite zitieren (Hervorhebungen durch mich):

        „Kugelfuhr schrieb:
        Dieser Zsolt, der auch noch Grundschullehrer und Sozialpädagoge ist, ist ein Brandstifter wie seine Parteifreunde Fidesz/Jobbik. Ich habe bisher noch nicht ein vernünftigen Satz von Jobbik und nur wenig von Fidesz hören oder lesen können. Die alltägliche Kommunikation befindet sich auf einem Stand der die Bevölkerung Ungarns für geistig minderbemittelt hält und findet dabei sogar nicht wenig Befürwortung. Und es gibt sogar noch Blogger (nicht pusztaranger) die Fidesz protegieren obwohl diese Partei sich von Zsolt´s Hasstiraden nicht distanziert. Somit wird der Eindruck erweckt als sei die Einstellung der Jobbiks auch die Einstellung der Fidesz und größere Teile der ungarischen Bevölkerung unter denen auch anscheinend intellektuelle sind. Was kann ein Ausländer zu so viel Armseligkeit noch schreiben?“

        http://pusztaranger.wordpress.com/2012/04/10/antisemitische-hetze-im-ungarischen-parlament-jobbik-und-der-ritualmordprozess-von-tiszaeszlar/#comment-2167

        Ein Satz enthält einen wahren Kern: „Die alltägliche Kommunikation befindet sich auf einem Stand der die Bevölkerung Ungarns für geistig minderbemittelt hält“. Der Begriff „Kommunikation“ betrifft allerdings nicht nur die Politik. Vielleicht sollten Sie daran mitwirken, diese Niederungen der Kommunikation dadurch zu beseitigen, dass Sie von Pauschalurteilen wie den oben zitierten Abstand nehmen. Sie haben nämlich ein Musterbeispiel für das schwarz-weiß-Denken gegeben. Bei Gelegenheit zeigen Sie mir dann auf, welche Blogs „Fidesz propagieren“.

      • @HV,
        es ist ja kein Geheimnis, dass Zsolt Bayer schon öfters seine Hetze öffentlich losgeworden ist. Er macht das ja nicht nur privat, er ist eine Person des öffentlichen politischen Lebens und er drückt damit auch aus was die Partei Jobbig verfolgt. Keiner seiner Parteigenossen distanziert sich von diesen Aussagen, ich denke ich muss sie nicht alle aufzählen.

        V.O. Bezeichnet die EU als Moskau und Ungarn als Kolonie derer. Er sagt auch das er den ausländischen Dreck nicht haben möchte. Keiner seiner Parteigenossen distanziert sich von diesen Aussagen.

        In einer großen Koalition in der Fidesz und Jobbik regieren gibt es kein Widerspruch von irgendeinem Politiker innerhalb dieser Koalitione weder zu dem einen Thema noch zu dem anderen Thema. Deshalb ist es keine Annahme das die Koalition in diesen Meinungen einstimmig ist.
        Einzige mir bekannte Ausnahme war nun diese Rede vom 3.April im Budapester Parlament. Bei aller Anstrengung wüsste ich nicht wie ich es so schreiben kann, dass Ihr Wunsch zu Grautönen, befriedigt wird. Vielleicht geben Sie mir ein Tipp.

        “Fidesz propagieren”? Ich meine ich habe „die Fidesz protegieren“ geschrieben und ich denke auch das es ein Unterschied ist.

        Zu meinem Schreibstil oder zu meinem Denken, meinte ich nicht, dass der minderbemittelt ist oder nur schwarz-weiß, aber Sie können das bestimmt besser beurteilen. Grüße Kugel..

      • @ Kugelfuhr:

        1. Sie schrieben tatsächlich „protegieren“. Sorry für meinen Fehler. Meine Frage stelle ich Ihnen trotzdem: Inwieweit wird Fidesz „protegiert“?

        2. Die Aussage von der „großen Koalition in der Fidesz und Jobbik regieren“ ist für mich gänzlich abwegig. Ich betrachte Jobbik als die Partei, die am wildesten „Opposition betreibt“, gleichwohl wird die Partei fortwährend mit Fidesz in einen Topf geworfen. Es wäre interessant zu erfahren, wie oft MSZP und Jobbik zusammen gestimmt haben – spricht man dann auch von einer Koalition zwischen diesen beiden?

        Von der Mär der großen Koalition zwischen rechts und rechtsrechts ist es nicht mehr weit zu dem Vorwurf, Fidesz vertrete völkische Ansätze, vielleicht auch nicht mehr weit zu dem schlicht und einfach falschen Vorwurf, Fidesz habe „massiven Antisemitismus“ im Wahlkampf eingesetzt. Und bei dieser Stimmungslage halte ich Aussagen wie die von Slómó Köves für erfreulich, der betont, dass es zwei Seiten gibt: Einerseits die fehlende Abgrenzung des Fidesz von Jobbik, andererseits eine Tendenz, den Vorwurf des Antisemitismus als politische Waffe zu verwenden.

        Köves sagte, durch diese politischen Kämpfe sei der Selbstverteidigungsreflex verloren gegangen: Meint er damit, dass der Vorwurf des Antisemitismus nicht mehr zu einem sorgenvollen Aufschrei in der Bevölkerung führt, weil er zu oft gebraucht wurde (übrigens weniger von jüdischen Organisationen als von linken Parteien…), dass er irgendwann mal als eben dieser politisch Spielball wahrgenommen wird und die Menschen sagen „Mein Gott, schon wieder die alte Leier“? Ich denke, der Ansatz Köves´ ist vertretbar. Und habe den Eindruck, in Deutschland geht man mit dem Antisemitismusvorwurf weit sorgsamer um als im heutigen Ungarn. Auch wenn die aktuelle Debatte um Günther Grass das Gegenteil zu belegen scheint. Die Aussagen von Baráth sind glasklar antisemitisch. Die Rede von der Kolonie nicht – auch wenn man „in anderen Blogs“ den Lesern so gerne erläutert, was „antisemitische Codes“ sind. Es soll jeder Leser verstehen 🙂

        Die Gleichsetzung von Fidesz und Jobbik ist und bleibt falsch, auch wenn für viele Jubilanten solcher Thesen alles, was rechts von der MSZP ist, von Grund auf verdächtig sein mag. Dieses Gerede vom aufkeimenden Faschismus gab es schon in den 90er Jahren, gegenüber der Regierung Antall, und damals war Jobbik nicht mit 17% im Parlament vertreten. Ich erkenne da durchaus ein Muster und verurteile diese Praxis des politischen Rufmordes, und zwar auch dann, wenn auch ich mir wünschen würde, Fidesz würde weniger Rücksicht auf den „rechten Rand“ nehmen und sich deutlicher abgrenzen. In den letzten Jahren ist der rechte Rand immer stärker geworden: Ich sehe die Ursache aber nicht als monokausal. Vielleicht kommt ja mal jemand und präsentiert und andere Erklärungsversuche als die Schuld des Fidesz.

        Was zu Bayer in diesem Zusammenhang (Abgrenzung von Jobbik) zu sagen ist, habe ich mehrfach sehr deutlich gesagt. Ich halte ihn für unerträglich. Aber auch für ein Phänomen, das heillos überbewertet wird (da stimme ich mit Peter K. nicht völlig überein, halte ich doch die geringe Zahl der Hírlap-Leser und EchoTV Zuseher für entscheidend). Er ist erst dank des Wiederkauens seines Mülls zu einer größeren Berühmtheit gekommen. Bei Hírtv ist er übrigens rausgeflogen – und der gilt ebenfalls als fidesznah.

      • Herr H.V.,
        sie sind ein Künstler der Argumentation, ich bin ein Plebejer und äußere mich mit meiner Überzeugung. Für mich gibt es genau zwei, auf der intellektuellen Seite, die dies auch glaubhaft hier und auch auf anderen Seiten schreiben, dass ist Herr Karl Pfeifer und Herr Ungarnfreund.

        „Und bei dieser Stimmungslage halte ich Aussagen wie die von Slómó Köves für erfreulich, der betont, dass es zwei Seiten gibt: Einerseits die fehlende Abgrenzung des Fidesz von Jobbik, andererseits eine Tendenz, den Vorwurf des Antisemitismus als politische Waffe zu verwenden.“ — Ich weiß nicht was an dieser Aussage erfreulich ist. Es gibt keine Abgrenzung von Fidesz und Jobbik weil sie nicht gewollt ist. Den Antisemitismus als politische Waffe zu einem Vorwurf zu formulieren bedeutet eine Tabuisierung. Ein Tabu sich über Antisemitismus oder Antizigeunismus zu äußern bedeutet auch diese passiv zuzulassen. Und auch das finde ich nicht erfreulich.

        „Köves sagte, durch diese politischen Kämpfe sei der Selbstverteidigungsreflex verloren gegangen: Meint er damit, dass der Vorwurf des Antisemitismus nicht mehr zu einem sorgenvollen Aufschrei in der Bevölkerung führt, weil er zu oft gebraucht wurde (übrigens weniger von jüdischen Organisationen als von linken Parteien…), dass er irgendwann mal als eben dieser politisch Spielball wahrgenommen wird und die Menschen sagen “Mein Gott, schon wieder die alte Leier”? Ich denke, der Ansatz Köves´ ist vertretbar.“ — Rassismus im allgemeinen sind nicht nur Politische Kämpfe es muss auch ein Ziviler Kampf dagegen sein. Und wenn es diesen Rassismus nicht mehr gibt muss man Ihn auch nicht mehr erwähnen. Ist denn „Mein Gott, schon wieder die alte Leier“ ein Argument nicht mehr den Antisemitismus oder Antizigeunismus zu erwähnen? Nein! Wenn diese Einstellung für Sie vertretbar ist, für mich ist diese Einstellung nicht vertretbar.

        „Deutschland geht man mit dem Antisemitismusvorwurf weit sorgsamer um“ — das ist nicht so, in Deutschland wird dieses Thema und allgemein Rassismus sehr ernst genommen. Und wir werden auch nach 63 Jahren nicht müde es zu sagen und zu schreiben und vorzuwerfen. Wer das nicht tut macht sich mitschuldig. Andere “in anderen Blogs” äußern sich hier eindeutig.

        „Gleichsetzung von Fidesz und Jobbik ist und bleibt falsch“ da bin ich mir nicht Sicher weder für Pro noch für Contra. Für mich ist es nicht erkennbar wo Fidesz aufhört und Jobbik anfängt. Leider muss ich jetzt aufhören Tempus fugit.

      • Kugelfuhr,

        1. Das erfreuliche an der Aussage Köves´ ist, dass er von einseitigen Schuldzuweisungen absieht. Ihre sehr pauschale Aussage, es drohe eine Tabuisierung, halte ich für falsch: Es soll nicht tabuisiert werden, aber es sollte mehr „Treffsicherheit“ einkehren. Ich kenne aber die Tendenz, denjenigen, die davor warnen, mit dem Vorwurf des Antisemitismus inflationär umzugehen, Verharmlosung vorzuwerfen. Ich sehe es eben anders als Karl Pfeifer, der – obwohl er einer der beiden ist, die Sie für glaubwürdig halten – der Fidesz „massiven Antisemitismus“ im Wahlkampf vorwarf.

        2. „Ist denn „Mein Gott, schon wieder die alte Leier“ ein Argument nicht mehr den Antisemitismus oder Antizigeunismus zu erwähnen? Nein! Wenn diese Einstellung für Sie vertretbar ist, für mich ist diese Einstellung nicht vertretbar.“ Herr Kugelfuhr, Sie reden an der Sache vorbei. Niemand sagte, es soll nicht mehr erwähnt werden, das wäre genau der falsche Weg. Ich spreche davon, dass es Fälle gibt, in denen „Antisemitismus“ auch dort geschrien wird, wo er nicht ist. Wo versucht wird, den GEegner in die radikale Ecke zu drängen. Wo, wie Rolf Bauerdick, ein Kenner der Roma, sagt, diejenigen, die betonen, auch Roma müssten an der Beseitigung ihrer desolaten Lebenssituation mitwirken, in die Ecke des Antiziganismus gedrängt werden. Das (und nicht das berechtigte Warnen) halte ich falsch. Wer fünfmal falschen Alarm gibt, der riskiert, dass die Menschen beim sechsten Mal im Haus verbrennen…

        3. Sie setzen zwei Dinge gleich: „Sorgsamen Umgang“ mit „nicht ernst nehmen“. Ein Fehler, wie ich finde. Nehmen wir die Morde an Roma in Ungarn (2008-2009) im Vergleich zu der Neonazi-Mordserie in Deutschland: Mir kommt es vor, als würde in Deutschland nicht der Versuch gemacht, aus diesen Schreckenstaten Schlüsse auf die Denke in der ganzen Bevölkerung zu ziehen. Was in Ungarn durchaus der Fall war. Was die deutsche Antifa anbetrifft: Wir hatten hier im Blog ja schon das eine oder andere Mal das Vergnügen), so glaubt sie wohl, persönlich den Faschismus auf deutschem Boden getilgt zu haben („job well done“) und nun mit erhobenem Zeigefinger in Ungarn herumlaufen zu können. Ich denke, sie irrt gewaltig. Man bekommt da die eine oder andere interessante Faebook-Konversation mit. Da wird Jan Mainka von der Budapester Zeitung als „Nazi“ en passant mal eben als Nazi bezeichnet. Das ist das Gegenteil von „sorgsamem Umgang“.

        4. Ihre Einschätzung überrascht mich nicht. Ich selbst habe von denjenigen Ungarn, Fides-Wählern und politischen Akteuren, die ich treffe, eben einen anderen EIndruck gewonnen. Und da Sie so sehr auf Fidesz aus sind: Frgen Sie sich, warum die meisten Jobbik-Wähler aus dem MSZP-Lager kommen. Tempus fugit, aber man braucht nicht viel Zeit um herauszufinden, dass Vorurteile in der ungarischen Gesellschaft nicht parteispezifisch sind. Dies nur als Ergänzung.

      • Für mich gibt es genau zwei, auf der intellektuellen Seite, die dies auch glaubhaft hier und auch auf anderen Seiten schreiben, dass ist Herr Karl Pfeifer und Herr Ungarnfreund und Pester LLoyd.

  3. Ich stimme dem Kommentar HV’s grundsätzlich zu, möchte ihn aber gerne um ein paar Gedanken erweitern.

    Die gegenwärtige Regierung spielt, u.a. um Richtung rechts Wähler zu binden, hier und da ganz bewusst die nationale Karte. Ob dies gut ist und angemessen und zielführend, muss jeder selber für sich entscheiden. Dass Orbán beispielsweise nicht bereit ist, mit den Vertretern der gemäßigen, auf Ausgleich ausgerichteten MOST/Híd-Partei in der Slowakei zu reden, ist meiner Meinung nach dumm, schädlich, grundfalsch und mit nichts zu rechtfertigen, für ihn allenfalls ein Stück weit entlarvend, was seine vermeintliche eigene Gesinnung anbelangt. Aber letzteres ist eine reine Mutmassung.

    Problematisch wird es, wo die Grenzen des Nationalismus und des Antisemitismus fließend werden. Das geschieht vor allem in der Außenwahrnehmung, der Dritter, im in- und Ausland, welche die rege Geschäftigkeit der aktuellen Regierung mit zunehmender Aufmerksamkeit verfolgen. Das Überstrapazieren hurra-patriotistischer bis nationaler Gesten, Reden und symbolischer Akte entwickelt da bisweilen wohl eine Eigendynamik, wo plötzlich auch Antisemitismus hineininterpretiert wird.

    Ein Stück weit könnte man argumentieren, dass dies ein „Kollateralschaden“ ist, der mit der taktischen Ausrichtung der Regierung, dem fang von Wählern nach rechts außen hin, fast logisch einher gehen muss. Zumindest in Ungarn. Mir jedoch fehlen echte, faktische Nachweise antisemitischer Aussagen der Regierung. Es gibt doch nichts wirklich greifbares, oder?

    Die Sache einfacher machen könnte sich die Regierung jedoch schon. Indem sie sich hier und da schneller und deutlicher von populistisch-nationalem Geschwätz distanziert und erst recht von Leuten, die dies auch noch faktisch mit antisemitischem Gehetze unterlegen. Hier kommt dann ein Zsolt Bayer doch nochmals/wieder ins Spiel, egal wie unwichtig Magyar Hírlap heutzutage durch seine verkaufte Auflage sein mag. Symbolkraft strahlt er als altes Fidesz-Mitglied allemal ausreichend aus. Und mal ehrlich: es wäre in Deutschland undenkbar, dass jemand noch sein CSU- oder auch CDU-Parteibuch besäße, wenn er solch krudes, eindeutig antisemitsiches Zeug von sich gegeben hätte.

    Hier hat es bis heute keine klare Distanzierung gegeben, hier hätte Orbán ein klares Zeichen setzen können und aus meiner Sicht auch sollen. Die Chance wurde mehrfach vertan, das muss man ihm und den seinen deutlich und mit allem Nachdruck vorwerfen. Erst recht, wenn man neuerdings sonst keine Chance auslässt, über christliche Werte zu reden. Jetzt ist es zu spät. Und dass sich manche fragen, warum dies nicht geschehen ist und dann Gedanken weiter stricken, die einer festen (nachweisbaren) Grundlage entbehren, hat sich die Regierung so gesehen dann doch auch ein wenig selbst zuzuschreiben.

  4. …“Fragen wir uns also, wie man Jobbik und die von ihr verbreiteten Gedanken (Revisionismus, Antisemitismus, Rassismus, EU-Feindlichkeit auf Teufel komm raus) am besten bekämpft.“..
    Also , es sind a l l e EU-Skeptiker, http://www.eu-gegner.de/ gleich Revisionisten,Antisemiten,Rassisten sind.

  5. Ich kam erst jetzt dazu Herrn Pfeifers Stück zu lesen.

    Herr Pfeifer, Sie sprechen mich ja immer als Kollegen an, und nun wende ich mich an Sie von Kollege zu Kollege.

    Wir Journaisten reagieren ja deswegen so empfindlich auf medienrechtliche Einschränkungen (ung. Mediengesetz) weil wir uns als etwas sehr Wertvolles empfinden, als Sucher nach Wahrheit, wo Wahrheit unbequem wird.

    Das für sich zu behaupten, geht mit einem Sinn für Verantwortung einher: der Wahrheit auch nach bestem Vermögen gerecht zu werden. Sollten wir sie hingegen willentlich verzerren, weil sie UNS stört, dann würden wir uns damit unserer eigenen ethischen Grundlage berauben.

    Das tun Sie in diesem Text.

    Ihr Kommentar verwischt Realitäten, statt sie nuanciert heraus zu arbeiten. Ich habe versucht, die Tricks, mit denen Sie in diesem Stück arbeiten, zu erkennen.

    Das „Scharnier“ zwischen Fakt und Agitation ist hier vor allem der schwimmende Übergang von Baráth und dem Ritualmord zum Slogan „Wir werden keine Kolonie sein“. Die Verbindung wird hergestellt durch die Formulierung „kein Zufall“, denn… denn was? Leute, die die EU nicht mögen, sind Antisemiten? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Sie suggerieren absichtlich und falsch, dass mit „Kolonisatoren“ Juden gemeint sind. Sollte man Ihnen dies vorhalten, werden Sie rasch sagen dass es nicht so gemeint war. Es ist aber bewusst so konstruiert.

    Sie resümieren dann in der weiteren Dramaturgie des Artikels einige Punkte der Fidesz-Rhetorik, die nicht im entferntesten etwas mit Antisemitismus zu tun haben (etwa den „Befreiungskampf“ gegen EU und IWF) mit – Antisemitismus, indem sie am Ende onhe wirklichen Zusammenhang das ganze wieder auf den Nenner „Antisemitismus“ bringen.

    Das ist Verwischung von Wahrheit, aus Gründen, die mir umso rätselhafter sind, als es ja gar nicht nötig ist, die Wahrheit ist doch problematisch genug.

    Und ich gebe Ihnen Recht, dass Fidesz mehr tun sollte und könnte. Lázár hatte es beim letzten Vorfall solcher Art ein halbes Jahr zuvor ja schon in Aussicht gestellt, dass Fidesz Maßnahmen ergreifen würde, um „Zsidozás“ im Parlament zu unterbinden. Ist nicht geschehen. Hätten sie auf diesen Hintergrund verwiesen, so wäre Ihr Stück zugleich tiefer und glaubwürdiger geworden.

    • Herr Boris Kálnoky,
      ich bin kein Journalist sondern nur Plebejer und ich habe Herrn Karl Pfeifer anders verstanden. Es geht für mich um den Unterschied, der des gesprochenen Wortes zu der dazu ausbleibenden Reaktion. Der Unterschied zwischen Zusagen auf der einen Seite und Verweigerung und Aufwiegelung auf der anderen Seite. Es ist Unglaubwürdig.

      Z.B. warf Moishe Kantor bei einem Gespräch, Orban´s Regierung vor, dass Jobbik und die Haltung gegenüber Rassismus und Antisemitismus zu sehr toleriert wird. Worauf Orban der Dringlichkeit der Lösungsbeiträge auf europäischer Ebene zu stimmte und darauf hinwies, dass das Mediengesetz zur Bekämpfung der Propaganda der Rechtsextremen eingeführt worden sei.
      Leider ist mir bisher keine Bekämpfung bekannt geworden.

      Solche Beispiele gibt es viele, sie sind einfach zu finden. Sie betreffen nicht nur die Fremdenfeinlichkeit sondern auch den Umgang mit der EU oder Nachbarstaaten. Hier geht es um das Wort und die darauf folgende Tat oder Untätigkeit, und damit um die Glaubwürdigkeit.

      • Lieber Kugelfuhr,

        hätte Herr Pfeifer das getan, was er einleitend anführte, und was Sie ihm offenbar als Thema abnehmen, dann wäre es ein interessanter Artikel geworden.

        Er hätte dann erwähnen können, dass der Vorfall, den Baráth neu belebt, der Beginn des politischen Antisemitismus in Ungarn war, er hätte dann weiter ausführen können, wie der Holocaust auch die besseren unter den Konservativen dazu brachte, gegen den Horror anzukämpfen, und wie die Erfahrungen des „jüdischen“ Gesichts des Stalinismus den ungarischen Antisemitismus transformierten, und er hätte dann hätte bei den heutigen Erscheinungsformen monieren können, dass Fidesz, trotz der Versprechen von Lázár vor einem halben Jahr, keine neuen Gesetze oder Regeln geschaffen hat, um derlei im Parlament zu unterbinden.

        Wenn er nicht Herr Pfeifer wäre, hätte er dann vielleicht hinzugefügt, dass Fidesz sich in dieser Hinsicht keineswegs von den Sozialisten unterscheidet – die auch keine Regeln schufen, um derlei zu verhindern.

        Statt dessen beschäftigt sich der Artikel mit allerlei Dingen, die absout nichts mit Antisemitismus zu tun haben, aber per Konnotation mit genau diesem Etikett belegt werden. Fazit: Wer in Ungarn konservative Positionen vertritt, ist tendenziell Antisemit.

        Das ist Agitation.

      • @Herr Boris Kálnoky,
        der Gastkommentar von Herr Karl Pfeifer stimmt mit beiden Überschriften überein. Er schreibt das seit Tiszaeszlár dieser Geist lebt. Er schreibt über Antisemitismus und nicht über die weise Rose. “und wie die Erfahrungen des “jüdischen” Gesichts des Stalinismus den ungarischen Antisemitismus transformierten “ diese Äußerung ist Agitation und verharmlosend und rassistisch.

        „dass Fidesz, trotz der Versprechen von Lázár vor einem halben Jahr, keine neuen Gesetze oder Regeln geschaffen hat, um derlei im Parlament zu unterbinden.“ das ist Herrn Karl Pfeifer´s freie Entscheidung darüber zu schreiben oder nicht. Der folgende Absatz von Ihnen hängt damit zusammen (freie Entscheidung). Ich gebe Ihnen recht mit der Tatsache, dass (von den Sozialisten unterscheidet – die auch keine Regeln schufen).

        „Statt dessen beschäftigt sich der Artikel mit allerlei Dingen, die absout nichts mit Antisemitismus zu tun haben“ bitte lesen Sie Herrn Karl Pfeifers Überschrift.

        Sie legen K.P. Folgendes in den Mund „Wer in Ungarn konservative Positionen vertritt, ist tendenziell Antisemit.“
        Er schrieb aber „Diejenigen, von denen man dringend benötigte Hilfe erwartet, als „Kolonisatoren“ anzuprangern und die EU auch noch mit der Sowjetunion auf eine Stufe zu stellen dürfte einmalig sein für eine sich konservativ gebende Partei.“

      • Natürlich ist es Herrn Pfeifers Entscheidung – und Verantwortung – zu schreiben, was er schreibt.

        Die folgende Anmerkung verstehe ich nicht:

        und wie die Erfahrungen des “jüdischen” Gesichts des Stalinismus den ungarischen Antisemitismus transformierten “ diese Äußerung ist Agitation und verharmlosend und rassistisch

      • Lieber Boris Kálnoky
        „… wie der Holocaust auch die besseren unter den Konservativen dazu brachte, gegen den Horror anzukämpfen, und wie die Erfahrungen des “jüdischen” Gesichts des Stalinismus den ungarischen Antisemitismus transformierten …” — verstehe ich so, dass Erfahrungen mit jüdischem Stalinismus in den ungarischen Antisemitismus transformiert wurde. Verharmlosend ist es deshalb, weil der Eindruck erweckt wird das die Stalinistische Zeit Schuld für Antisemitischen Äußerungen und Handlungen und Denken in Ungarn ist. Rassistisch weil der Eindruck erweckt wird das jüdische Gesicht schuld daran hat, dass es den Stalinismus gab.

        Es waren mit Sicherheit nicht nur Konservative die hier gegen den Horror angekämpft haben, ich bin überzeugt das es aus allen Politischen Gruppen Menschen gegeben hat die Jüdischen Mitbürgern geholfen haben. Manche aus Geldgier manche aus Überzeugung. Diese Äußerung kann man, man muss es nicht, als Agitation bezeichnen. In diesem Fall habe ich es als Agitation bezeichnet, um Sie darauf aufmerksam zu machen, dass Sie Ihren eigenen Vorwurf selbst begehen. Grüße Kugel..

      • Kugelfuhr, Sie sollteen viellicht weniger zwischen den Zeilen lesen.

        Es ist ein schlichter Fakt, dass die Bestückung des Unterdrückungsregimes mit durchwegs jüdischen Statthaltern in den Führungspositionen durch die Sowjets 1948-56 den ungarischen Antisemitismus neu geprägt hat. Er wurde dadurch – durch die Politik, und deren subjektive Wahrnmehmung im Volk – zu etwas anderem als sagen wir 1882, oder 1944. Das hat Auswirkungen bis heute. Insofern Transformation.

  6. Ich habe versucht, den Artikel von Herrn Pfeifer auf diepresse.com zu kommentieren. Mein Kommentar mit der Überschrift „Die Tatsachen“ ist dort bis jetzt nich veröffentlicht worden. Der Text:
    „Die Rede von Baráth (Jobbik) war nach der jetzigen Rechtslage nicht zu verhindern gewesen. Zur Zeit der Rede war der Saal fast leer, Baráth sprach praktisch vor den eigenen Parteileuten. Als Vertreter der Regierung war János Fónagy (Fidesz) anwesend. Unmittelbar nach der Rede von Baráth ergriff János Fónagy in seiner Eigenschaft als Vertreter der Regierung das Wort. Fónagy – selbst jüdischstämmig – begann mit dem Satz „Ich weiß nicht, ob ich im Namen der Regierung oder im eigenen Namen sprechen soll“, und verurteilte die Rede von Baráth scharf. Manche wollen in diesem Satz Unklarheit sehen. Aus dem Kontext ergibt sich aber, dass Fónagy darüber hinaus, dass er als Vertreter der Regierung sprach, auch seine eigene Betroffenheit zum Ausdruck bringen wollte. Die Pressemitteilung der Regierung bekräftigte noch einmal die Verurteilung der Rede von Baráth. Diese Woche am Dienstag hat Orbán in einer Wortmeldung im Parlament noch einmal jeden Angriff auf die Menschenwürde verurteilt und im Namen der Regierung den Schutz aller Minderheiten – ausdrücklich auch den Schutz der jüdischen Minderheit – garantiert. Mit großer Mehrheit – auch mit den Stimmen der Fidesz Mehrheit – hat das Parlament einen Vorschlag von MSZP angenommen, nach dem eine parlamentarische Ethik-Kommission aufgestellt werden soll, um ähnliche Äußerungen, wie die Rede von Baráth in der Zukunft besser bekämpfen zu können. Nach einer Anzeige wegen Volksverhetzung hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen angeordnet.“

  7. „Ich denke, wenn “Titel und Grund” bekannt gegeben wurde, dürfte dem Parlamentspräsidenten der wesentliche Inhalt des Redetextes doch klar gewesen sein?“

    N. Farkas.

    Auf Grund solcher „Vermutungen“ und miesen Unterstellungen wurden am Nazi Volksgerichtshofs unter Roland Freisler und in der kommunistischen Moskau vom grossen linken Rechtsideologen, Genosse Wyschinski, präsidierten Schauprozessen, die jedem Recht Hohn sprachen, unschuldige Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet.

    Solchen geistigen Vorbildern nachzueifern, deren Gedankengut Ihnen offensichtlich so sehr am Herzen liegt, braucht schon eine rechte Portion von Zivilcourage oder Fanatismus.

    Doch bin ich nicht ganz sicher ob es auch Klug ist, so offen zu bekennen und zu verbreiten, wes Geistes Kind Sie sind.

    • Sehr geehrter Herr Unger,

      Ich versuche es wenigstens einmal, ohne große Hoffnung auf Erfolg.

      Bitte lesen Sie den Inhalt des Postings von HV und vergleichen Sie ihn mit dem Inhalt Ihres Komentares. Wo ist der Zusammenhang, außer dass Sie einen Kommentator diffamieren möchten (anders lässt sich der unsägliche Vergleich mit Freisler und Wyschinski nicht nennen). Warum soll das jemand lesen? Warum verschwenden Sie unsere Zeit damit?

      Ihre politischen Ansichten respektiere ich, auch wenn ich sie nicht teile. Aber es fällt schwer, sich damit auseinander zu setzen, wenn sie in diesem Stil vorgebracht werden (und da sind sie leider nicht der einzige ungarische „Konservative“ hier), den man – auch meiner persönlichen Eindruck nach – als hochgradlich emotional und unsachlich, geradezu rachsüchtig und historisch-pathetisch verquast bezeichnen könnte. Vielleicht ist dies auch ein ebenso wichtigerer Grund für den mangelnden Erfolg der rechtsbürgerlichen Politikvermittlung im Ausland wie die legendäre linkskommunistische Verschwörung ausländischer Medien.

      Nichts spricht dagegen, die eigene Lebenserfahrung und Subjektivität hier einzubringen. Aber es geht hier um konkrete politische Probleme und Streitfragen, die mit Argumenten und nicht mit Emotionen zu entscheiden sind. Ich verfolge diesen Blog in meiner knappen Freizeit (und manchmal auch auf Arbeit) und empfinde diese Beiträge als Zumutung. Das verbuchen Sie vielleicht als Erfolg (liberale Leser verärgern), es ist aber keiner, weil Ihnen am Ende niemand mehr zuhört.

      • Danke, Herr Boulanger. Sie haben mir gerade 15 Minuten Zeit gespart. Ich trinke dafür jetzt einen Kaffee 🙂

        Und füge hinzu: Ich finde Nazivergleiche zum Kotzen. Mit dem Namen Freisler sollte man als halbwegs gebildeter Mensch vorsichtig umgehen. Natürlich ist man dazu nur in der Lage, wenn man versteht, wer Freisler war.

      • „Ich versuche es wenigstens einmal, ohne große Hoffnung auf Erfolg.“

        Sehr geehrter Christian Boulanger,

        Ich habe mich bei Ihnen zu bedanken, denn Ihr Versuch ist ein Hinweis dafür, dass Sie – trotz etwas skeptischer Nebentöne – mich für liberales Gedankengut nicht ganz als verloren taxieren. Falls Sie das Gesagte auch wirklich ernst und ehrlich meinen, dann möchte Ihnen versichern, dass Ihr Vorhaben für beide Parteien bestimmt nicht für die Katz ist.

        Ich bedanke mich aber zusätzlich für Ihre wankende Zuversicht – zwar ohne Mandat – auch im Namen der meisten meiner Landsleute, die wie ich, seit zwei Jahren ein unglaubliches Hexentreiben gegen unser Land fassungslos erleben.

      • @ Unger:

        Welche Reaktionen glauben Sie, erwecken Ihre Ausführungen (von Inhalt und Tonfall ist die Rede) bei denen, die diesen Blog lesen? Ich habe Zweifel, dass Sie das Bild, welches in der deutschen Presse gezeichnet wird, entkräften helfen. Ist Ihnen möglicher Weise egal, aber man könnte ja drüber nachdenken. Ich sage es ein letztes Mal: Hier soll inhaltlich diskutiert werden. Bislang haben wir inhaltlich nichts von Ihnen gehört.

    • „A baloldal gyakran olyankor és olyanokra is szórta az antiszemita jelzőt, amikor a másik fél nem szolgált rá. A jobboldal pedig túl sokszor volt érzéketlen és néma, amikor szót kellett volna emelnie. Az antiszemitizmus témája politikai játékszer lett, és kiölte a társadalomból az egészséges önvédelmi reflexeket.

      A múlt héten elhangzott jobbikos felszólalás azonban sok mindenkivel éreztette, hogy át lett lépve egy határ. A vérvádas gondolatmenetet a legkülönfélébb kötődésű és nézetű személyiségek és pártok utasították vissza. A vérvád újjáéledése talán alkalmat ad arra, hogy tanuljunk elődeinktől. Talán a jó a rosszban, hogy kaptunk egy lehetőséget ahhoz, hogy visszaszerezzük józan ítélőképességünket, hogy a minimális konszenzus alapjait megteremtsük. Talán lehetőség arra, hogy kilépjünk a fantomok és ellenfantomok világából, megtaláljuk a minimum konszenzus alapjait. Talán…“
      Zu diesen Worten von Rabbiner Köves ist nichts hinzuzufügen.

      • Danke, Halász János. Ich übersetze für diejenigen, die nicht ungarisch sprechen:

        „Rabbi Slómó Köves sagte:
        Die Linke hat oft genug auch solche als Antisemiten betitelt, die es nicht verdient haben. Die Rechte wiederum war oft genug uneinfühlsam und stumm, wenn sie die Stimme hätte erheben müssen. Das Thema Antisemitismus wurde zum Spielball der Politik, und hat den gesunden Selbstverteidigungsreflex der Gesellschaft vernichtet.

        Die Wortmeldung von Jobbik von letzter Woche hat jedoch sehr vielen gezeigt, dass eine Grenze überschritten wurde. Die Ritualmordbeschuldigung wurde von vielen Menschen unterschiedlicher Parteibindung und unterschiedlicher Auffassung zurückgewiesen. Der Ritualmordvorwurf gibt vielleicht Gelegenheit, dass wir von unseren Vorfahren lernen. Vielleicht ist es das Gute im Bösen, dass wir die Gelegenheit bekommen, unser vernünftiges Beurteilungsvermögen wieder zu gewinnen, dass wir einen Minimalkonsens schaffen. Vielleicht ist es eine Chance, die Welt der Phantome und Gegenphantome zu verlassen, vielleicht finden wir den kleinsten gemeinsamen Nenner. Vielleicht…“

        Ich danke dem jungen Rabbiner Slómó Köves (geboren 1979) für diese Worte, denen wirklich nichts hinzuzufügen ist. Er spricht aus, was sicher viele in diesem Alter denken.

  8. Kollege Kálnoky
    Einmal musste es das erste Mal sein. In den 33 Jahren meiner journalistischen Tätigkeit sind Sie der erste, der einen meinen Texte analysiert. Dafür danke ich Ihnen, auch wenn ich natürlich nicht mit Ihrer Wertung einverstanden bin.

    Ich habe eine Behauptung aufgestellt über das Echo TV als Scharnier zwischen Fidesz und Jobbik und die beruht auf meine Erfahrung als Zuschauer.
    Wenn Sie ein paar Diskussionen mit Bayer, Bogár, Szentmihályi
    und die unnachahmlichen Darbietungen von Ferenc Szaniszló auf Echo TV gesehen hätten, würden Sie mir zustimmen. Meine Definition ist ja noch freundlich, denn sie unterstellt ja nicht Fidesz rassistisch oder antisemitisch zu sein. Wenn also eine TV Station, deren Besitzer Gábor Széles, ein guter Freund von V.O. ist, gelegentlich rassistische und antisemitische Hetze betreibt, dann „nur“ um Jobbik den Wind aus den Segeln zu nehmen und die zu Jobbik abgewanderten Wähler wieder dazu zu bringen bei den nächsten Wahlen Fidesz zu wählen.
    Kollege Kálnoky: Ist es ethisch gelegentlich rassistische und antisemitische Hetze betreiben zu lassen, um die abgesprungenen Wähler wieder zur Räson und zur Fidesz zu bringen?
    Das alles ist unangenehm, denn man möchte doch im Ausland keinen schlechten Eindruck machen.
    Empfängt der Ministerpräsident von Ungarn deswegen einen Rabbiner einer kleinen Gemeinde, um mit ihm über Sicherheitsfragen zu sprechen?
    Ist dafür nicht der Herr Pintér zuständig?
    .
    http://zsido.com/cikkek/Orban_Viktor_es_Koves_Slomo_talalkozoja__garantalni_kell_a_zsido_kozosseg_biztonsagat/10/3039

    • @ Herrn Pfeifer:

      „Wenn Sie ein paar Diskussionen mit Bayer, Bogár, Szentmihályi und die unnachahmlichen Darbietungen von Ferenc Szaniszló auf Echo TV gesehen hätten, würden Sie mir zustimmen.“

      Wie kommt es, dass Sie demjenigen, der anderer Meinung ist, in Ihrer Abwehrreaktion sogleich unterstellen, er habe keine Kenntnis und wenn er sie hätte, könnte er nur Ihrer Meinung sein? Ist das nicht eine Art von Unfehlbarkeitsdogma, das eine Diskussion über das Für und Wider letztlich überflüssig macht? Hat Karl Pfeifer letztlich immer Recht? Ich frage Sie das, obwohl ich (ebensowenig wie Sie) weiß, ob Herr Kálnoky seine wertvolle Zeit mit Betrachten von EchoTV verschwendet. Und die Frage ist aufrichtig gemeint.

    • Lieber Herr Pfeifer,

      Ganz bestimmt fahren die regierungsfreundlichen Medien zweischienig, um breit zu fischen – Magyar Nemzet/Magyar Hirlap.

      Was Sie aber suggerieren – durch bewussten Verzicht auf Differenzierung, vielmehr setzen sie auf Verwischung von Grenzen und Nuancen – ist, dass wer gegen den Druck aus Brüssel protesiert, ein Antisemit ist. Sie kochen das alles – Baráth, die IWF-Verhandlungen, die Wirtschaftspolitik, die EU-Skepsis – zusammen zu einem Attrape-tout, dessen Anlass, Titel und Schlusswort „Antisemitismus“ ist. Wer die EU kritisiert, ist Antisemit. Ungarns Konservative sind Antisemiten.

      Ich finde das verwerflich.

      Das Problem in der westlichen Ungarn-Brichterstattung, ist ja leider die Tendenz, Fakten zu missachten und stattdessen mit Totschlag-Vokabeln die Diskussion zu brutalisieren. Das ist letztlich auch die Wirkung Ihres Diskurses. Nicht, weil Sie nicht anders könnten – dessen bin ich mir sicher, und aufgrund Ihrer Biografie verstehe ich sogar, wenn Sie polemischer sind sein als andere.

      Es ist nur jammerschade, wenn die wenigen, die es besser wissen, die allgemeinen Vorurteile eher verstärken, weil es ihnen aus ideologischen Gründen wünschenswert scheint.

  9. HV
    Es geht hier konkret um die Scharnier-Funktion von Echo TV. Das ist das Thema. Ich denke, diese Sendungen können von einem Journalisten wie Herr Kálnoky nicht viel anders beurteilt werden. Ich nehme an, dass er dazu Stellung nehmen kann.
    Diskutieren wir doch lieber über Echo TV als über meine angebliche Unfehlbarkeit. Denn das droht wieder einmal die Diskussion in eine ad hominem Bahn zu lenken.
    Die Fragen, die ich aufwerfe in meinem Kommentar und jetzt in der Diskussion verdienen beantwortet zu werden.

  10. Ja, „szórta“ ist leider ,leider nicht übersetzt worden. Bedeutet : streute ! ungezielt verbreitete. ?? Ideen streuen!! ?? Doch eine kleine Bemerkung:und Rebbe Köves hat nur zugeschaut.!!!!

  11. Lieber Kollege Kálnoky,
    .
    Ich sehe, dass Sie nicht auf meine Frage betr. Echo TV reagiert haben. Diese Frage ist aber wichtig und sollte beantwortet werden.

    Gestern als Orbán dem Vorschlag der MSZP zustimmte und es zur Abstimmung kam, haben sieben Fideszabgeordnete mit Jobbik gestimmt. Interessant wird sein, wie Fidesz damit umgeht.

    Fidesz soll nicht auf Grund von Absichtserklärungen beurteilt werden. Gerade als eine Partei, die sich oft auf christliche Werte beruft gilt für sie:
    „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?“

    • Nun gut, da sind wir also wieder. Sie reagieren nicht auf meinen Vorwurf unzulässiger Grenzverwischungen, und bewusst irreführender allgemeiner Antisemitismusvorwürfe, und tun plötzlich so, als hätten Sie einen Kommentar über Echo TV geschrieben. Das ist nicht so. Sie verweigern die inhaltliche Diskussion, wie immer, wenn es argumentativ eng wird. egal, was zu sagen war, ist gesagt

  12. P.S. Heute Abend schaute ich auf Egyenes Beszéd ein Gespräch, das von Olga Kálmán mit zwei ung. Parlamentsabgeordneten geführt wurde, die darauf hinwiesen, dass die antisemitischen Zwischenrufe im ungarischen Parlament seit mehr als einem Jahr an der Tagesordnung sind und alle Vorschläge in der entsprechenden Kommission des Parlaments bislang von Fidesz abgelehnt wurden.
    Erst der Baráth Skandal veranlasste den ungarischen Ministerpräsidenten, einen entsprechenden Vorschlag des Abg. Steiner zu befürworten.

    Ich kann den Ungarisch könnenden nur empfehlen morgen Vormittag dieses Gespräch mit den Herren Scheiring und Steiner anzuschauen.

      • Scheiring behauptet, es seien wüste antisemitische und nazistische Aussagen gefallen (u.a. „Hitler hatte in allem Recht, nur die Mittel waren ein wenig falsch“). Er schrieb hiervon am 10. (!) April 2012 in seinem Blog:

        http://scheiringgabor.blog.hu/2012/04/10/mocskos_gyilkos_baloldaliak

        Auf die Frage von Olga Kálmán, wer es gewesen sei, antwortete Scheiring, er wolle keine Namen nennen. Warum? Weil er keine Beweise habe.

        Ich will wissen, wer so redet. Und auch die ungarische Gesellschaft will es. Kálmán war zu Recht vollkommen aufgebracht über die fehlende Bereitschaft, Roß und Reiter zu nennen. Da sitzen zwei Abgeordnete von MSZP und LMP und stoßrn heftige Anschuldigungen aus, die letztlich geeignet sind, die Glaubwürdigkeit des gesamten Parlaments zu untergraben, wenn es sich herausstellt, dass dort ein Tummelplatz von Nazirednern ist. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, sagt Scheiring: „Es ist nicht meine Absicht, eine einzelne Person an den Pranger zu stellen“. Wie bitte???

        Aber natürlich betonen beide, Fidesz habe nicht gehandelt (die „message of the day“ ist also abgesetzt), obwohl auch sie selbst erst jetzt mit diesen ungeheuerlichen Aussagen an die Öffentlichkeit gehen. Parallel weigern sie sich, den Verantwortlichen zu nennen (wir erfahren es aber im Interview: verantwortlich ist letztlich Fidesz…) und machen es daher unmöglich, den/die faulen Äpfel zu identifizieren. Ich frage mich wirklich, ob ich im falschen Film bin. Sind die beiden Herren von allen guten Geistern verlassen?

        Ist es nicht genau das, von dem Rabbi Slómó Köves sprach? Will man jetzt den Antisemitismus verwenden, um mit medienwirksamen Andeutungen Stimmen zu fangen, oder besser beitragen, ihn durch Herstellung von Öffentlichkeit zu bekämpfen?

  13. Lieber Kollege Kálnoky, nirgendwo habe ich die beiden Parteien als identisch bezeichnet. Mit glasklaren Worten habe ich einen Unterschied zwischen Jobbik und Fidesz festgestellt.

    Sie beschuldigen mich „bewusst irreführender allgemeiner
    Antisemitismusvorwürfe“ in meinem Kommentar getätigt zu haben, ohne dies beweisen zu können.
    In meinem Text habe ich nur einmal das Wort Antisemitismus benützt und zwar in Verbindung mit Transparenten. Und die Überschrift: „Antisemitismus ist in Ungarn wieder parlamentsfähig“ stammt zwar nicht von mir, kann aber nach dem 3. April nicht mehr bestritten werden. Und dass V.O. am 11.4. eine Erklärung abgeben wird, konnte ich als ich meinen Artikel schrieb nicht wissen. Das sind die harten Fakten
    Noch eine Frage: können Sie mir erklären, warum Ungarns Ministerpräsident erst acht Tage nach diesem Skandal und vielleicht als Reaktion auf ausländischer Empörung gesprochen hat?

  14. Lieber Herr Pfeifer,

    Sie haben geschrieben dass es kein Zufall ist, dass Fidesz die Spinnerei über einen jüdischen Ritualmord nicht klar genug verurteilt, weil dies die Partei ist, die der EU sagt, „wir werden keine Kolonie sein“.

    Das ist, was Sie geschrieben haben, und es ist Unsinn.

  15. Lieber Kollege Kálnoky

    Sie verzichten sang- und klanglos auf Ihre Beschuldigung ich hätte unethisch geschrieben. Soweit so gut.

    Doch jetzt hätte ich Ihrer Meinung nach „Unsinn“geschrieben. Nirgendwo habe ich den Ritualmord mit „wir werden keine Kolonie sein“ in Verbindung gebracht.

    Also nocheinmal harte Fakten:
    ich schrieb zuvor: „Um seinen Standpunkt zu bekräftigen, zitierte er [Baráth, Jobbik K.P.] noch einen Pfeilkreuzler über „die Macht der Welteroberer“.

    Dann beziehe ich mich auf diesen Satz und schreibe „Kein Zufall, wenn man daran denkt, dass ähnliche Töne über die Macht „der Kolonisatoren“ von Zsolt Bayer geschwungen werden – einem Freund von Ministerpräsident Viktor Orbán und Organisator einer Pro-Orbán-Demonstration, deren Tenor war: „Wir werden keine Kolonie sein.“Diejenigen, von denen man dringend benötigte Hilfe erwartet, als „Kolonisatoren“ anzuprangern und die EU auch noch mit der Sowjetunion auf eine Stufe zu stellen dürfte einmalig sein für eine sich konservativ gebende Partei.

    Die „Macht der Welteroberer“ und die Macht der Kolonisatoren sind nicht gar so weit auseinander, so dass ich da „ähnliche Töne“ wahrnehme..

    Mit Genugtuung nehme ich zur Kennt nis, dass Sie meine Bemerkung über Fidesz „eine sich konservativ gebende Partei“ nicht beanstanden. Auch nicht, dass sich die Lebensumstände der meisten Ungarn während der letzten zwei Jahre verschlechtert haben. Leider ist das die Realität, auch wenn Herr Matolcsy was anderes vorspiegeln möchte.

    Und für diejenigen, die nur ungarisch lesen, hier die Übersetzung meines gestrigen Artikels

    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=131042

    mandiner hat lediglich eine dürftige Zusammenfassung meines gestrigen Artikels gebracht. Darunter fand ich eine Diskussion wie sie kein österreichischer Moderator durchlassen würde, mit der Aufforderung eines besonders heftigen Posters Linke aufzuhängen

    • „Nirgendwo habe ich den Ritualmord mit “wir werden keine Kolonie sein” in Verbindung gebracht.“

      Im ersten Teil geht es um den Ritualmord. Dann verweisen Sie auf die Reaktion von János Fónagy und setzen fort:

      Es dauerte zwei Tage, bis sich die ungarische Regierung dazu aufraffte, eine distanzierende Pressemitteilung herauszugeben. Kein Zufall, wenn man daran denkt, dass ähnliche Töne über die Macht „der Kolonisatoren“ von Zsolt Bayer geschwungen werden – einem Freund von Ministerpräsident Viktor Orbán und Organisator einer Pro-Orbán-Demonstration, deren Tenor war: „Wir werden keine Kolonie sein.“

      Argumentationslinie: Jobbik macht eine Aussage über einen Ritualmord –> Regierung distanziert sich erst spät –> Und jetzt: Dies sei KEIN ZUFALL. Denn ähnliche Töne (wir waren gerade noch beim Ritualmord) schlägt der fidesznahe Zsolt Bayer an („Wir werden keine Kolinie sein“).

      Was wollen Sie uns mit Ihrer Aussage, Sie hätten beides nicht in Verbindung gebracht, denn sagen? Dass Sie nicht auf Reaktionen wie die von Kugelfhr aus sind, die Ihnen Recht geben und von „großer Koalition“ zwischen Fidesz und Jobbik sprechen? Ist das Zufall, hat man sie falsch verstanden oder zielen Sie nicht genau auf diese Gleichsetzung ab?

      Es ist immer wieder bemerkenswert, wie Sie Schweigen des Gegenübers mit Erklärungsgehalt versehen. Da schreiben Sie, Herr Kálnoky hätte „sang- und klanglos“ auf eine „Beschuldigung“ verzichtet. Oder, dass Ihr Gegenüber etwas nicht beanstandet, was dann zugleich Zustimmung für Sie signalisiert? Wo lernt man, so zu argumentieren?

      Wie brüchig die vermeintlich „große Koalition“ (nicht Ihre Aussage) zwischen Fidesz und Jobbik ist, kann man seit gestern auf dem rechtsradikalen Schmutzportal kuruc.info lesen. Dort wird unter Bezugnahme auf Ihren Beitrag sinngemäß behauptet, Fidesz betreibe „bei den Juden völlig umsonst Arschkriecherei“, sie (die Partei) werde trotzdem mit Antisemitismus in Verbindung gebracht. Ich betrachte Kuruc nicht als seriöse Quelle, aber sind das Zeichen einer großen Koalition von Eintracht? Fidesz kann es offenbar niemandem Recht machen: Die selbe Partei wird von links regelmäßig des Antisemitismus bezichtigt („setzte im Wahlkampf massiv Antisemitismus ein“ – Ihre Aussage, Herr Pfeifer), von den rechtsextremen Rattenfängern als Philosemiten. Eine wirklich verkehrte Welt ist das.

  16. 1) HV das was Sie hier mit Ihrer Exegese betreiben grenzt an Rabulistik.

    Ähnlich ist die Berufung auf die „Macht der Welteroberer“ und die auf die Macht der Kolonisatoren. In meinen Augen sind diese beiden Behauptungen sogar sehr ähnlich. Die Propagierung der Ritualmordlegende habe ich nur dem Jobbikabg. vorgeworfen. Da versuchen Sie etwas in meinen Text hineinzulesen, was nicht drin ist.

    2) Wenn Sie Kugelfuhr kritisieren wollen, tun Sie das, aber bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich nicht verantwortlich bin dafür was jemand anderer schreibt.

    3) Was Sie über das Schweigen als Zustimmung schreiben zeigt wirklich auf, dass ich einen schweren Fehler begangen habe, als ich nicht in Klammern hinzugefügt habe Ironie!. Das tut mir Leid. Aber jetzt will ich auch erklären, warum ich das machte, um doch einiges aus meinem kurzen Kommentar aufzuzeigen, dass nicht kritisiert wurde. Natürlich ist Schweigen nicht Zustimmung. Und ich erwarte noch eine Rüge weil ich Fidesz nicht als klassisch konservative Partei sehe und eine Erklärung, dass meine Behauptung, über die Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Mehrheit aus meinen Fingern gesogen ist und die Wirtschaftspolitik von Orbán-Matolcsy das Gelbe vom Ei sei. (Achtung Ironie!)

    4)Ihre Argumentation mit kuruc, dass doch Fidesz es niemand recht machen kann und somit zwischen Hammer und Amboß sei kommt mir sehr bekannt vor. Ich hielt am 13.11. 2011 einen Vortrag und jetzt zitiere ich mich selbst und gebe die Quelle an, damit jeder sehen kann, wie ich argumentiere:

    „Fidesz leaders are no xenophobes, racists or anti-Semites. They are coldly calculating cynics. After Fidesz lost the national elections in 2002, Fidesz systematically resorted to character assassinations of their adversaries, which were stigmatized, criminalized and held up as scapegoats. Political communication by verbal aggression became the norm. The party consciously played on negative instincts and vulgar emotions from which it hoped to benefit, in contrast to the extreme right that was viscerally racist and anti-Semitic. By doing that Fidesz made the rude hate-speech of the extreme right socially acceptable. The politically motivated search for scapegoats, the stigmatization and persecution of minorities, was turned into an instrument of governance.[08]

    Whenever the present Fidesz-KDNP government is asked about open anti-Semitism and hate-speech in Fidesz-related media it rejects any and all responsibility. Its position has remained unchanged since December 2008: “Fidesz has found itself in a precarious situation: on the one hand, the leftwing – out of politically motivated orthodoxy – attempts to portray the party as anti-Semitic, while the extreme-right is determined to stamp it as a ‘quasi-Zionist’ organization.“[09]“
    http://www.hagalil.com/archiv/2011/11/15/hungarian-media/

  17. „Eine unappetitliche Hetzkampagne wurde von Lázár losgetreten gegen die gesamte ungarische Wissenschaft,“

    „Rundumschlag gegen ungarische Akademiker in Gang gesetzt“

    Vor gut einer Woche haben die deutschsprachigen Leser diese Informationen aus der Feder des für seine „objektive Berichterstattung“ bekannten österreichischen Journalisten Karl Pfeiffer erfahren.

    Für die Bewunderer dieses führenden Journalisten wahrscheinlich: Prädikat, besonders wertvoll.

    Was, wenn es sich herausstellt: es ist ein weiterer Unsinn, aus einer langen Reihe?

  18. Hungarianvoice,
    ich bin ein Ausländer in Ungarn und man könnte sagen, dass die Situation mich nichts angehen würde. Meine Nachbarn sind Ungarn sie sind alt und arm. Dessen Kinder sind in meinem Alter sie sind verheiratet und alle arbeiten mit Facharbeiterausbildung und sie sind arm. Die ungarische Versorgung mit Wasser, Strom, Gas, Krankenhäuser und so weiter ist eine Katastrophe in Ihren Auswirkungen. Wenn Fidesz sich hier ernsthaft bemühen würde und dieses fade nationalistische Gehabe lassen würde, wäre ich pro Fidesz. Es ist mir egal ob die Regierung konservativ, sozialistisch, grün oder kommunistisch ist.

    • @ Kugelfuhr:
      Eine nicht zynisch, sondern aufrichtig gemeinte Frage: Sie verlangen von der Regierung, dass sie sich bemüht, die Sorgen der Menschen zu lösen. Und sprechen das Problem von Armut an. Sind Sie denn (derzeit) pro MSZP oder pro SZDSZ? Ging es Ihren Nachbarn unter der Vorgängerregierung besser, hat sich diese mehr bemüht? Wenn ja: Inwieweit? Was ist Ihre subjektive Einschätzung?

  19. „Dass Orbán beispielsweise nicht bereit ist, mit den Vertretern der gemäßigen, auf Ausgleich ausgerichteten MOST/Híd-Partei in der Slowakei zu reden, ist meiner Meinung nach dumm, schädlich, grundfalsch und mit nichts zu rechtfertigen, für ihn allenfalls ein Stück weit entlarvend, was seine vermeintliche eigene Gesinnung anbelangt. Aber letzteres ist eine reine Mutmassung.“

    Peter K.

    Die MOST/Híd-Partei in der Slowakei sieht die Lösung der Probleme meines Wissens in der Assimilation. Ich vermute, das ist es, warum Orbán und seine Regierung Bugár nicht voll unterstützt.

    Finden Sie Assimilation für gut und wünschenswert?

    • Dass Most/Híd für die Assimilation ist, wäre mir neu. Wie Peter K., halte auch ich die Verweigerung von Gesprächen durch Fidesz für einen großen politischen Fehler. Ich habe seinerzeit einen kritischen Beitrag verfasst, der das Thema aufgriff: https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/12/15/unangemessene-parteinahme-orban-zeigt-gemasigten-slowakischen-ungarn-die-kalte-schulter/

      Orbán verweigert den Dialog mit Most/Híd und unterstützt die vom Wähler pulverisierte MKP. Ich denke, das Wählervotum in der Slowakei sollte von Fidez respektiert werden, Orbán hat sich also mit der Partei, für die sich die ungarische Minderheit dort ausgesprochen hat, an einen Tisch zu setzen.

      Most/Híd hat meines Wissens den Entzug der slowakischen Staatsbürgerschaft als „Sanktion“ für die Aufnahme der ungarischen scharf kritisiert und gar eine Verfassungsklage angekündigt (was daraus wurde, weiß ich leider nicht). Nach Assimilationsstrategie sieht mir das nicht aus.

      Sie haben zwar Peter K. gefragt, Ihre Frage beantworte ich trotzdem mal für mich: Ich lehne Assimilation ab, befürworte aber Integration ohne Aufgabe der eigenen Identität, und das ohne wenn und aber. Integration ist Voraussetzung für friedliche Koexistenz. Eine Tatsache, die übrigens bis heute in Deutschland von Multi-Kulti-Romantikern in Frage gestellt wird. Und die sitzen nicht selten in der selben grünen Partei wie jene, die auf EU-Ebene Ignoranz walten lassen, wenn die ungarische Minderheit sprachliche Eigenheit fordert. Ein wenig schizophren, oder?

      • @I. Unger. HV hat mir dankenswerterweise einen Großteil der Argumentation abgenommen. „Ich lehne Assimilation ab, befürworte aber Integration ohne Aufgabe der eigenen Identität, und das ohne wenn und aber. Integration ist Voraussetzung für friedliche Koexistenz.“ Dem möchte ich mich voll anschließen.

        Einmal mehr ergänzend: ich halte dies deshalb für schwierig, weil für den Erfolg eines solchen Integrationsansatzes Offenheit zwingend notwendig ist – und diese zumindest tendenziell eher bei besser gebildeten Menschen möglich ist., schlichtweg da diese eher abstrahieren können von sich selbst und den unzähligen Einflussfaktoren etc.Tendenziell, wohl gemerkt, um nicht umgehend von irgend jemandem in irgendeine Schublade gesteckt zu werden. Schließlich kann ich vom Stand weg einige Beispiele aus persönlicher Erfahrung nennen, wo „einfache“ Menschen sich offener „Fremden“ gegenüber zeigten und liberaler (bitte die Verwedung dieses Adjektivs nicht wieder umgehend gegen einen verwenden) eingestellt waren als manch ein verquaster höher gebildeter Mensch mit extremen politischen Ansichten.

      • Ich habe mich leider nicht ganz präzise ausgedrückt. Richtig: Bugárs Politik begünstigt die fortschreitende Assimilation der noch übriggebliebenen Ungarn in der heutigen Slowakei.

        Vergessen wir nicht: Der grösste Teil der Ungarn wurde im geschichtlichen ungarischen Oberland (Felvidék) bereits nach dem Krieg mit allerbrutalsten Zwangsmassnahmen, wie die staatlich verordnete Vernichtung der elementaren Existenzgrundlagen, im Vorgängerstaat, Tschehoslowakei, erbarmungslos assimiliert.

        Eine ungarische Regierung, die diesen Namen verdient, kann sich nicht leisten, Restbestände der ungarischen Urbevölkerung in den Nachfolgestaaten als quantité-négligeable „Links“ liegen zu lassen, wie es der Kommunist Kádár durch seine Solidarität mit seinem Gesinnungsgenossen Ceausescu in Siebenbürgen tat.

        Orbán wird, sobald die Zeit dafür gekommen ist, nicht nur mit Bugár, sondern auch mit Fico reden, weil er als echter Demokrat die Wählerstimmen sehr wohl respektiert.

        PS.:
        Ich komme hier leider nicht drum herum u.U. Ihr Missfallen zu heraufzubeschwören:

        Ich möchte uns hier allen auf diesem Blog wünschen, dass zB. auch einer, wie der respektable Journalist Karl Pfeifer in seinem Demokratieverständnis irgendwann auch diese schwierig zu nehmende Entwicklungsstufe „Wählerstimmen zu respektieren“ doch noch erfolgreich erklimmt.

        Als liberal denkender Ungar drücke ich ihm dazu die Daumen.

  20. http://www.campusonline.hu/belfold/rolunk-irtak-antiszemita-magyarorszag

    Sieht aus, als hätte Karl Pfeifer genau das erreicht, was er wollte. Provokation. Der ungarische Botschafter in Wien schreibt einen Leserbrief, und Tibor Szemerédi schreibt: „Mivel egy vezető kormánypolitikusnak sem lehet semmilyen (antiszemitizmust) felróni, ismét Pfeifer intim ellensége és a polemizálásban egyenrangú kollégája, a jobboldali magyar nacionalistákkal szimpatizáló Bayer Zsolt van soron“

    Karl Pfeifer und Zsolt Bayer als „in der Polemik gleichrangig“. Ich lasse das mal unkommentiert.

    Részletek: Rólunk írták: Antiszemita Magyarország? | CampusOnline http://www.campusonline.hu/belfold/rolunk-irtak-antiszemita-magyarorszag#ixzz1sKqT3BJH

  21. Pingback: Brüller des Tages: Jobbik-Abgeordneter sorgt für Eklat « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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