It´s the economy, stupid: AHK Ungarn zur Wirtschaftslage

Die Deutsch-Ungarische Außenhandelskammer hat bereits im Februar 2012 in einer ausführlicheren Darstellung die Wirtschaftslage m Land skizziert. Obwohl sie schon zwei Monate alt ist, möchte ich sie den Lesern zur Verfügung stellen. Die AHK zeichnet ein kritisches Bild, besonders lesenswert sind die Ausführungen zum Investitionsklima am Ende des Beitrages – eines der Hauptprobleme bildet für die AHK die Rechtsunsicherheit für ausländische Investoren:

http://www.ahkungarn.hu/fileadmin/ahk_ungarn/Dokumente/Wirtschaftsinfos/HU/Wirtschaftsbrief/Wirtschaftslage_Ungarn_2012-02.pdf

Weitere aktuelle Wirtschaftsdaten:

http://www.ahkungarn.hu/laenderinfo/wirtschaftszahlen/

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17 Kommentare zu “It´s the economy, stupid: AHK Ungarn zur Wirtschaftslage

  1. Lieber HV, die Aussagen zum Investitionsklima auf S.6 sind in der Tat sehr aufschlussreich. Da einer meiner Schüler für die Industrie- und Handelskammer arbeit, habe ich diese Aussagen schon öfters gehört:

    (1) „fehlende Berechenbarkeit und Verlässlichkeit der Wirtschaftspolitik“
    (2) „Verletzung rechtsstaatliche Prinzipien“
    (3) „de-facto-Benachteiligung ausländischer Firmen“ und
    „Verdrängung privater (ausländischer) Anbieter“

    Das entspricht in etwa dem, was sich Herrn Orbán vom Vorsitzen des bayrischen Wirtschaftsverbands, Herr Rodenstock anläßlich der 30. Bayerisches Wirtschaftsgespräche anhören musste: dass die bayerischen Unternehmen auf verlässliche Rahmenbedingungen und insbesondere auf Rechtssicherheit vor Ort setzen.

    Und das entspricht auch in etwa dem, was der Sprecher der EU-Kommision als Vorbedingungen formuliert hat: ein gesetzliches Umfeld, in dem die Investoren mehr Sicherheit erhalten.

    Auch das Thema „Abhängigkeit“ Ungarns von der EU wird auf S.12 angesprochen: „Ungarn ist einer der größten Netto-Zahlungsempfänger Empfänger in der Union. Allein in den Jahren 2006-2010 hat das Land Netto-Transfers (also nach Abzug der eigenen Zahlungen an die EU) in Höhe von 9,3 Mrd. Euro erhalten. Mehr bekamen nur Polen, Griechenland, Spanien und Portugal.“ Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung „entsprachen die Netto-Transfers 2% des Nationaleinkommens – höher war dieser Wert nur in den baltischen Staaten und Griechenland.“

    Noch deutlicher wird die „Abhängigkeit“, wenn man sich den Entwicklungsplan „Neues Ungarn“ 2007-2013 ansieht. Zwischen 2007 und 2013 stehen Ungarn demnach 25,3 Milliarden Euro aus Mitteln der Kohäsions- und Strukturfonds der Europäischen Union zur Verfügung. Bei einem Eigenanteil von 15% ergibt das eine Summe von 29 Mrd EU.

    http://www.ahkungarn.hu/fileadmin/ahk_ungarn/Dokumente/Wirtschaftsinfos/HU/Statistik/INFO_HU_NFT2_2007-2013_de.pdf

    Und dass diese Summe auch tatsächlich verbaut wird, kann man sehen, wenn man das Land fährt. So wurde in meiner Straße in diesem Jahr die städtische Infrastruktur aus diesen Mitteln erneuert. Wenn man sieht, wie heruntergekommen viele Straßen abseits der Tourismusziele sind, dann ist dies auch dringend notwendig.

    Auch darüber sollte man mal nachdenken, wenn man dabei ist, die EU zu kritisieren!

  2. Die Wirtschaftslage wird ausführlich skizziert, aber die Land- und Forstwirtshaft wird nicht erwähnt..
    Ist das Absicht?

    • Land- und Forstwirtschaft gehören nicht zum Tätigkeitsfeld der AHK: Zweck der Kammer ist es, „die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Ungarn in beiden Richtungen zu pflegen und die Geschäftsinteressen ihrer Mitglieder zu fördern“.

      Im Mitgliederverzeichnis finden sie unter den entsprechenden Rubriken keine Einträge.

      Außerdem: Wurde nicht vor kurzen die Gesetzeslage geändert, um Ausländern den Erwerb von Produktiven Boden zu unterbinden und als Nationale Ressource zu sichern. Soweit ich gelesen habe, gibt es nur im Westen einige Österreicher, die sich als Landwirte niedergelassen haben.

      Siehe PL vom 18.01.2012:
      „Das zu verabschiedende „Landschutzgesetz“, wichtiger Teil des Darányi-Plans, soll dauerhaft dafür sorgen, dass landwirtschaftliche Nutzfläche nicht – bzw. nur unter sehr strengen Auflagen – in ausländische Hände übergeht.“

      Sie finden sicher bessere Quellen 🙂

      • Das Landschutzgesetz wird den EuGH ebenfalls in nicht allzu ferner Zukunft beschäftigen. Und hier sehe ich die deutlich besseren Karten bei der EU-Kommission.

      • Kleine Ergänzung:
        Wie der PL heute berichtet, läuft 2014 ein mehrfach bei der EU verlängertes Landkaufmoratorium für Ausländer aus, die EU hat eine weitere Verlängerung ausgeschlossen. Das war mir entfallen.

      • Wie ich gestern schrieb: Da wird Ungarn schlechte Karten haben, die Rechtsprechung des EuGH ist insoweit sehr, sehr eindeutig. Seit den Entscheidungen zu den österreichischen Grundverkehrsgesetzen.

      • Geehrter Szarvasi,
        Sie schreiben:
        „Außerdem: Wurde nicht vor kurzen die Gesetzeslage geändert, um Ausländern den Erwerb von Produktiven Boden zu unterbinden und als Nationale Ressource zu sichern. Soweit ich gelesen habe, gibt es nur im Westen einige Österreicher, die sich als Landwirte niedergelassen haben“

        Es sind nicht nur „einige“ Österreicher im Westen, sondern auch Italiener, Belgier, Holländer, Iren in der Somogy… und zwar mit landwirtschaftlicher Nutz- und Waldfläche weit über der 300ha-Grenze!
        Der Landkauf en gros in den 90er Jahren erfolgte mit „Hilfe“ von sogenannten Strohmännerverträgen; daß wird sicherlich zu großen Problemen führen und Jobbik ist schon fleißigst beim Aufhetzen.

  3. Szarvasi,

    Was Sie da mitteilen, finde ich recht interessant. In dieser Zusammenfassung sind mir diese Zahlen noch nie vor die Augen gekommen. Danke.

    Ich muss Ihnen noch einen weiteren Dank ausprechen. Diese Zahlen belegen doch Schwarz auf Weiss, was für ein Blödsinn hier auf dem Blog und sonst in der Welt manchmal geredet wird, wie:

    Orbán will (sogar der Jobbik zuliebe) Ungarn aus der EU rausführen!

    Können Sie denn glauben, dass Orbán – mag er für die Linke sogar die Verkörperung des Teufels sein – so dumm sei, auf diese Gelder aus der EU, die Ungarn vertragsgemäss gegen 15% Eigenanteil zustehen, zu verzichten?

    Sein und der FIDESZ erklärtes Ziel doch ist, den Karren Ungarns aus dem Dreck, in den er hinein gefahren wurde, rauszuholen.

  4. Schauen Sie mal auf den heute vorgestellten DUIHK-Konjunkturbericht 2012. Zentrale Befunde sind recht alamierend:

    – Die Abschwächung der Weltwirtschaft führt auch bei den deutschen Unternehmen in Ungarn zu einer Eintrübung der wirtschaftlichen Lage und der Geschäftsaussichten für das laufende Jahr.
    – In Bezug auf das Investitionsklima werden die ungarischen Arbeitnehmer unverändert positiv beurteilt, große Sorgen bereiten jedoch der Mangel an Berechenbarkeit und Rechtssicherheit.
    – Die Eintrübung der Stimmungslage wirkt sich negativ auf die Investitions- und Beschäftigungspläne der Firmen aus, per Saldo sind jedoch die Erwartungen zu den Mitarbeiterzahlen noch leicht positiv.
    – Die große Mehrzahl der Firmen steht nach wie vor zum Standort Ungarn, doch die relative Beurteilung des Landes im Vergleich zu anderen Staaten der Region hat sich spürbar verschlechtert.

    Zum Weiterlesen: http://www.ahkungarn.hu/publikationen/konjunkturbericht/

    • @Ungarnfreund

      Inzwischen hat sich auch die FIDESZ-freundliche BZ dem Thema angenommen. Jan Mainka lässt den DUIHK-Präsident Stevan Sefer zu Wort kommen:

      „Volks­wirt­schafts­mi­nister György Matolcsy hat es innerhalb von nur einem Jahr geschafft, 12 Pro­zent der Be­frag­ten zu enttäuschen und eine über ein Jahrzehnt anhaltende Tendenz zu brechen.“

      Und zum Wirtschaftsstandort Ungarn sagt Herr Mainka:

      „Die befragten Manager sehen Polen als den besten Standort in der Region an, gefolgt von Tschechien und der Slowakei. Dies ist ein ernstzunehmendes Signal, dass die Wirt­schaftspolitik mehr Anstren­gun­gen unternehmen muss, um Un­garn wieder zu einem der attraktivsten Investitions­stand­orte der Re­gion zu machen“.

      http://www.budapester.hu/2012/04/belastetes-investitionsklima/

      Über die Reaktion des Ministers schreibt der PL:

      „Er hielt den Kritikern entgegen, dass er doch trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine konjunktur- und arbeitsplatzfreundliche Steuerpolitik betreibe und man seit 2010 eine Reform umsetze, die das Land zum wettbewerbsfähigsten der Region machen wird. Sogar bei Einrechnung der Krisensteuern liege die Steuerquote für Unternehmen in Ungarn noch rund 10 Punkte unter dem regionalen Schnitt“.

      „Auf die zentralen Kritikpunkte: ungewisse Rechtssicherheit und absolut fehlende Vorhersagbarkeit ging der Minister in seiner Aussendung nicht ein.“

      http://www.pesterlloyd.net/html/1216wirtschaftsnews.html

  5. (1) “fehlende Berechenbarkeit und Verlässlichkeit der Wirtschaftspolitik”
    (2) “Verletzung rechtsstaatliche Prinzipien”
    (3) “de-facto-Benachteiligung ausländischer Firmen” und
    “Verdrängung privater (ausländischer) Anbieter”

    Scheinen aber wohl doch nicht alle Firmen Ungarn als „verlorenes“ Land zu sehen.
    Man sollte die aber schleunigst mal aufklären!!

    http://www.rehau.com/DE_de/unternehmen/Presse/Presseinformationen/627334/2012_02_28_werksneubau_gyoer.html

    Ist aber wohl zu spät, weil Grundstein wurde gelegt!!

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