Budapester Zeitung: Interview mit Georges Károlyi

Die Budapester Zeitung veröffentlicht ein Interview mit Georges Graf Károlyi:

http://www.budapester.hu/2012/04/ungarn-wird-instrumentalisiert/

 

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57 Kommentare zu “Budapester Zeitung: Interview mit Georges Károlyi

  1. Nun, ich möchte mich hier ganz wertefrei äussern, und nicht instrumentalisieren.
    Seit geraumer Zeit kommen Botschaften und Nachrichten aus Ungarn, die den Menschen ;-), die mit der ungarischen Kultur nicht wirklich vertraut sind, etwas bizarr anmuten müssen.
    Begonnen hat es mit dem Abbruch der Verhandlungen mit dem IWF im Sommer 2010, und es nimmt kein Ende.
    Hier allein die Nachrichten dieser Woche:
    http://hvg.hu/itthon/20120419_jobbik_hangfelvetel_polgarhaboru
    http://magyarnarancs.hu/belpol/verhetik-a-gyerekeket-az-iskolaorok-79713
    Zugegeben, diese Nachrichten sind nun schon sehr bizarr, aber zum Trost; ein jedes Land, würde so handeln wie Ungarn, stände im Hagel der Kritik.

    • „http://magyarnarancs.hu/belpol/verhetik-a-gyerekeket-az-iskolaorok-79713
      Zugegeben, diese Nachrichten sind nun schon sehr bizarr, aber zum Trost; ein jedes Land, würde so handeln wie Ungarn, stände im Hagel der Kritik.“

      Babel,

      Ich habe mir das, was Sie freundlicherweise der Öffentlichkeit zur Verfügung stelten, mal angeschaut. Ich bin einer, der die Anstrengungen Orbáns, den Karren Ungarns aus dem Dreck zu ziehen, ein gewisses Wohlwollen entgegenbringt. Doch, das was da auch bildlich so eindrüchlich demonstriert wird, das haut einem den Nuckel aus dem Mund.

      Wenn dieser Herr Orbán nichts besseres zu tun hat, als die Zukunft Ungarns, d.h. unsere Kindern duch Polizisten ohne Identifikationszeichen durchprügeln zu lassen, dann hat er es auch bei mir verscherzt.

      Wenn Sie in Budapest einen Protestmarsch organisieren, können Sie auf mich zählen. Ich eile sofort Ihnen zu Hilfe.

      Na, sowas!

      • naja, ich lebe hier, und nehme solche Berichte schon nicht mehr ernsthaft wahr. Es ist halt dummes Gerede, um das man sich (hoffentlich) keine weiteren Gedanken machen muss.

    • Von diesem Grafen Károlyi höre ich zum ersten Mal. Deswegen weiß ich nicht, wie er sich bislang an der Ungarndebatte beteiligt hat. Seine Kritik an der Kritik in der BZ finde ich jedenfalls nicht überzeugend.

      Erstens ist es in der Regel so, dass nicht „Ungarn“, sondern seine Regierung, der Regierungschef persönlich oder die Regierungspartei bzw. deren Maßnahmen kritisiert werden. Die Regierungspartei hält sich zwar selbst für die einzig legitime Vertretung der Nation (Orbán 2002: „Die Nation kann nicht in der Opposition sein.“) Aber deswegen ist das noch lange nicht richtig. Nicht wenige Ungarn fühlen sich derzeit von keiner Partei adäquat vertreten oder sie stehen einer Oppositionspartei nahe. Diese Menschen sollte man nicht jedes Mal mitverhaften, wenn man im Namen „Ungarns“ mit „dem Ausland“ über die Regierungspolitik streitet.

      Zweitens gibt es unendlich viele sehr konkrete Kritikpunkte an der Regierungstätigkeit. Der Graf braucht nur mal einen Blick in die Stellungnahmen der Venedig-Kommission zur neuen Verfassung oder zur Justizreform zu werfen. Die Vertragsverletzungsverfahren der EU sind sehr konkret. Zum vieldiskutierten Mediengesetz gibt es inzwischen recht detaillierte Stellungnahmen von internationalen Institutionen und aus der Wissenschaft. Ich beobachte sogar ein Dilemma: Wenn man einzelne Punkte herausgreift, verweist die Regierung gern auf gleichlautende Regeln in anderen Ländern, obwohl oft erst in der Zusammenschau ein beunruhigendes Bild ergibt. Kritisiert man hingegen „das große Ganze“ (den Abbau der Gewaltenteilung z. B.) ruft die Regierung wieder, die Kritik sei nicht konkret genug. So drehen wir uns im Kreise.

      Drittens ist der Graf denkbar schlecht über die Rolle des Europäischen Parlaments informiert. Es hat zwar kein Initiativrecht, nimmt aber seit dem Inkrafttreten des Lissaboner Vertrags weitgehend gleichberechtigt mit dem Rat an der EU-Rechtssetzung teil. Das EU-Parlament hat eine Menge Macht und ist genau der richtige Ort, um Debatten von genuin politischer Natur zu führen. Das dort mitunter die Innenpolitik der Mitgliedstaaten eine Fortsetzung findet, halte ich nicht unbedingt für verwerflich, sondern für einen Ausdruck des Zusammenwachsens unseres Kontinents. Diese Dimension wird selten gesehen: So schwierig die Ungarndebatte inhaltlich ist, führt sie doch wenigstens punktuell zum Entstehen von europäischer Öffentichkeit. Ich halte das durchaus für begrüßenswert.

  2. Danke HV!
    Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass gute Artikel kaum Echo erreichen.
    An sich ist es ja nicht allzu anspruchsvoll Reaktionen zu provozieren wenn der Köder stimmt 🙂

    • „Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass gute Artikel kaum Echo erreichen.“

      Dank auch Ihnen Agathe Széchényi für diese „stille” Feststellung.

      Da möchte ich des weiteren auf den sachlich kritischen Artikel „Der Puszta Playboy” von Herrn Boris Kálnoky verweisen, der zur Bestätigung des Wahrheitsgehalts der unsterblichen Worte des „Kleinen Princes” ein weiteres, schönes Beispiel liefert:

      « On ne voit bien qu’avec le cœur. L’essentiel est invisible pour les yeux.»

      Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wichtige ist für die Augen unsichtbar.

      Kein Wunder, dass unwissenden „armen Blinden“, und von unbendiger Hass verblendeten so vieles sich verschliesst.

  3. „Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass gute Artikel kaum Echo erreichen.“

    Liebe Agathe Széchényi,

    Aber wie könnte man von Babel denn verlangen, sich eingehend mit diesem Artikel auseinanderzusetzen, wenn ihn solche Horror-Nachrichten erreichen,

    die auch für mich total shocking sind? :- )

  4. Sehr geehrte Frau Széchényi,
    ich gebe Ihnen schon Recht; meiner Meinung nach ist es aber so, dass Nichts und Niemand das ‚Echo erreichen‘ kann.
    Echo will nur Ego erreichen, damit er nicht an seinem von Narzissen umgebenen Teich verstirbt.
    …ansonsten vielen Dank; der Köder stimmt 😉

    • „Echo will nur Ego erreichen, damit er nicht an seinem von Narzissen umgebenen Teich verstirbt.“

      Babel,

      Es ist mir zwar nicht ganz klar, was Sie da meinen: ich Tippe auf das „Echo“-Fernsehen.

      Doch sei es, wie es sein soll, dieser Satz ist Ihnen echt lyrisch gelungen.

  5. „naja, ich lebe hier, und nehme solche Berichte schon nicht mehr ernsthaft wahr“

    Lieber Babel,

    Ich möchte mich bei Ihnen für diese klaren Worte bedanken.

    Sie kennen sich halt in diesem Dschungel von Lebensunterhalt-Journalismus aus, oder haben Sie zumindest einen guten Riecher, um gleich zu merken, dass im Staate Dänemark etwas zum Himmel stinkt. (Wenn Ihr guter Geschack der Grund dafür wäre, das würde meine Anerkennung auch nicht schmälern.)

    Sie gehören in Sachen Ungarn leider zu den Spezies „weisse Rabe”.

    Doch es gibt sehr viele Leute, die dieses Geschmäus von Lebensunterhalts-Journalismus auf ideologischer Basis á la „Magyar Narancs”, ob als irregeführte Gläubige oder Profi-Nutzniesser, in den Himmel loben.

  6. „Aus welcher Ecke kamen denn Ihrer Meinung nach die Kritiken? Wer hat Interesse daran, Ungarn zu „bestrafen“?

    Da gibt es viele mögliche Antwor¬ten drauf. Sicher ist, dass die ungarische Opposition, die die Wahlen 2010 haushoch verloren hat und sich zurzeit in Ungarn kein Gehör mehr verschaffen kann, nun einen Weg gefunden hat, um wieder auf sich aufmerksam zu machen. Das heißt: Sie verlegt die innenpolitischen Kämpfe auf das internationale Parkett“

    Diese Schlussfolgerung von Georges Graf von Károlyi gefällt mir, weil sie kaum zu widerlegen ist!

  7. Heute, ab 00:05 Uhr brachte DLF folgende Sendung:
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/langenacht/1735327/

    Es wurde kaum über Literatur gesprochen – leider ., dafür aber das altbekannte, verzerrte Bild über die Lage Ungarns wiedergegeben.
    Ein mit der tatsächlichen Realität nicht vertrauter Hörer ist jetzt sicherlich überzeugt, in Ungarn herrsche wieder die Diktatur.

    Mich würde die Meinung von HV und der verehreten Leserschaft sehr interessieren, sofern Sie die Sendung überhaupt verfolgt haben.

    • Habe den Beitrag leider nicht live gehört und zum Nachhören sind keine Dateien im Netz. György Konrád wird wohl wieder vor dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrungen als Überlebender des Pfeilkreuzler-Terrors und Zeitzeuge des Kommunismus gesprochen haben. Sein vor einigen Wochen im Feuilleton der FAZ erschienener Beitrag, in dem er Orbán einfach als „schlechten Menschen“ bezeichnete, war nicht überzeugend.

      Dennoch würde ich mir von Konráds politischen Gegnern mehr Respekt vor seiner Biografie wünschen. Wenn einer zwei Diktaturen erlebt und durchlitten hat, spricht er eben anders über die Tagespolitik als jemand, der das so nicht mitgemacht hat. Dito übrigens für Ágnes Heller. Auf einem anderen Blatt steht die Frage, ob die beiden aufgrund der Schärfe ihrer Kritik mehr als Abwehrreflexe bei denjenigen hervorrufen, die sie heute kritisieren. Das Ziel sollten ja eigentlich politischen Veränderungen durch Einsicht sein. Zwingen kann man niemanden, auf Doppelsprech oder nationalistischen Senf zu verzichten.

      • „Sein vor einigen Wochen im Feuilleton der FAZ erschienener Beitrag, in dem er Orbán einfach als “schlechten Menschen” bezeichnete, war nicht überzeugend.“

        Ungarnfreund,

        ich bin voll Ihrer Meinung, und kann nur hinzufügen:

        Ich schätze mich glücklich, dass ich nicht darauf angewiesen bin, zu lügen!

      • Man kann nicht genug zeigen !

        György Konrád és Heller Ágnes mondta

        „Anat Kálmán újságíró arról számolt be, hogy készített egy rádióműsort a magyarországi elitek konfliktusáról, de nem támadta hevesen Orbán Viktort. Igyekezett objektív lenni. A szerkesztője viszont olyan utasítást adott neki, hogy nem teheti ezt meg: „Nem világos, hogy Orbán Viktor egy veszélyes ember? György Konrád, Heller Ágnes és Dalos György ezt mondta!” A szerkesztő válaszút elé állította: vagy újraírja a forgatókönyvet, vagy nem megy adásba. Az újságíró ez utóbbit választotta, a riportot pedig felrakta a blogjára.“

        Muss man die mögen ? Respekt muß man verdienen ! Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht !

      • „ György Konrád wird wohl wieder vor dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrungen als Überlebender des Pfeilkreuzler-Terrors und Zeitzeuge des Kommunismus gesprochen haben.“

        Ungarnfreund,

        Sie übertreiben diesmal mehr als es der Sache gut tut.

        Menschlich gesehen – da gehe ich mit Ihnen einig – ist auch das Schicksal des jungen Konrads bedauernswert, wie aller anderen, die – ob Juden, Zigeuner oder Slawen – von den Nazis als minderwertig stigmatisiert wurden. Doch wäre es in meinen Augen trotzdem Verhältniswahnsinn, ihn zum Sinnbild DES Holocaustopfers zu hochstilisieren.

        Was soll man dann von Imre Kertesz halten, der die Hölle von Auschwitz durchmachte, oder gar von all den unschuldigen Opfern, die aus Aschwitz nicht mehr lebend heimkehren konnten? (Übrigens sein „Roman eines Schicksalslosen“ ist von all dem, was das Holokaust zum Thema hat, literarisch weitaus das Beste.)

        Was aber die Karriere Konrads im realen Sozialismus betrifft, na schön…

        Also gönnen wie ihm, seine diversen Auszeichnungen, doch für den Heilgenschein müsste er sich erst noch ehrlich abrackern.

      • Leider finde auch ich keine Daten zum Nachhören-
        Lieber Ungarnfreund, Danke für Ihre gewohnt souveräne Meinungsäußerung.

      • Na, da hab ich ja wieder was ausgelöst. Kurze Entgegnungen an die Vorredner: Heiligenscheine zu vergeben, überlasse ich gern der katholischen Kirche. Für Imre Kertész habe ich vor dem Hintergrund seiner Biografie an anderer Stelle in diesem Blog ebenfalls schon um etwas mehr Respekt gebeten. Frau Hellers Äußerungen zu 2006 waren sehr unglücklich. Ich war damals nicht dabei, aber es ist offensichtlich, dass sowohl Teile der Polizei, als auch Teile der Demonstranten sich völlig inakzeptabel und rechtswidrig verhalten haben.

        Wo ich auf jeden Fall mitgehen würde, ist, dass ausländische Journalisten sich nicht nur auf moralische Autoritäten (und für solche halte ich sie zweifelsohne) wie Konrád, Heller oder Kertész berufen sollten, wenn sie über Ungarn schreiben. Andererseits ist mir kein ernsthafter Versuch des nationalen Lagers in Ungarn bekannt, auf diese Persönlichkeiten zuzugehen. Sie werden aus dieser Ecke immer nur attackiert, scheinbar ohne jede Achtung vor ihren Lebensgeschichten. Kertész hat sogar in Berlin Wohnung genommen, weil er das nicht mehr ertragen konnte. Das ist doch bedauerlich für Ungarn, oder nicht?

        Wir haben ja hier die Angewohnheit, vor allem über polarisierende Pressebeiträge zu streiten. Hier finden Sie mal eine Sendung des Deutschlandradios über das Wallenberg-Jahr in Ungarn, an der Sie eigentlich nichts auszusetzen haben dürften: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1729098/ – Herr Unger wird beim Anhören vielleicht verstehen, dass das Leben der Budapester Juden 1944/45 selbst unter schwedischem oder schweizerischem Schutz (unter solchem lebte laut Wikipedia auch Gy. Konrád) sehr gefährlich war.

      • Lieber Ungarnfreund,

        Sie schreiben:

        1. „Ich war damals nicht dabei, aber es ist offensichtlich, dass sowohl Teile der Polizei, als auch Teile der Demonstranten sich völlig inakzeptabel und rechtswidrig verhalten haben.“

        Nun, ich hielt mich damals in Budapest auf und geriet – auf meinem nachmittäglichen Spaziergang von der Freilicht-Ausstellung vor dem Terrorhaus zum Deák Tér – gemeinsam mit meiner Mutter unversehens in das „Getümmel“, Tränengaswolke „light“ inklusive. Die Polizei trieb die Demonstranten – ich würde diesen Teil als rechtsradikale Krawallmacher bezeichnen – schön auf der Bajcsy-Zsilinszky-út (Richtung Deák tér) vor sich her, mitten in die friedlichen Spaziergänger hinein. Auch die Tatsache, dass die Polizei es wagte, die Radaumacher in Richtung Fidesz-Versammlung beim Astória zu schieben, halte ich (und da bin ich milde) für einen krassen Fehler polizeilicher Strategie. Im Hinblick auf die fehlenden ID-Marken bei allen im Einsatz befindlichen Kräften und der haarsträubenden „ex post Beurteilung“ durch den Budapester Polizeichef Péter Gergényi kann man jedoch auch etwas anderes vermuten…

        Wie gesagt: Die Polizei verhielt sich in Teilen rechtswidrig. Ebenso wie Teile der Protestler. Verzeihen Sie mir aber, wenn ich von der Polizei eines Rechtsstaates die Fähigkeit verlange, zwischen Rechtsradikalen und friedlichen Demonstranten zu unterscheiden. Die Polizei muss auch mit Straftätern rechtsstaatklich umgehen; insbesondere aber mit Leuten, die sich nichts haben zu Schulde kommen lassen. Und der Umstand, dass es „auch“ Straftäter gab, rechtfertigt nicht im Ansatz das Vorgehen der Polizei. Ich denke aber, hier besteht zwischen uns kein Dissens. Wenn Sie die Zeit finden, sehen Sie sich den Dokumentarfilm „Megsebzett ünnep“ von László Pesty an. Ein erschreckendes Dokument.

        2. „Andererseits ist mir kein ernsthafter Versuch des nationalen Lagers in Ungarn bekannt, auf diese Persönlichkeiten zuzugehen. Sie werden aus dieser Ecke immer nur attackiert, scheinbar ohne jede Achtung vor ihren Lebensgeschichten.“

        Sie haben Recht. Wir sehen hier eines der vielen Beispiele für die Auswüchse der gesellschaftlichen Spaltung. Für viele ist Ágnes Heller weniger die Holocaust-Überlebende als diejenige, die noch in den 50er Jahren die Niederschlagung des Ungarn-Aufstands gelobt hatte und Schüler desjenigen György Lukács war, der während der ungarischen Räterepublik höchstselbst Erschießungen angeordnet hatte. Ich selbst halte ihre Aussagen in Brüssel übrigens nicht für einen „Fehler“, sondern für eine dreiste Lüge. Das rechtfertigt es natürlich nicht, Heller mit Holocaustleugnern gleichzusetzen – diese geschmacklose Gleichsetzung las ich einmal in der ungarischen Presse. Ich verlange nur, Heller und andere nicht als heilige Kühe zu behandeln, sondern ihnen inhaltlich entgegen zu treten. Wenn sich Heller über den Holocast äußert, halte ich meinen Mund und höre zu. Wenn sie sich aber zur Tagespolitik äußert, muss sie (ebenso wie ihre Fansund Verehrer) Widerspruch ertragen. Sie hat aufgrund ihrer Lebensgeschichte nämlich gewiss nicht immer Recht. Und was György Konrád angeht: Sehen wir in ihm nicht immer nur den lebenserfahrenen Intellektuellen, sondern ruhig auch den streitbaren SZDSZ-Sympathisanten. Und ich stimme Ihnen zu: Das Argument, Orbán sei ein schlechter Mensch, ist nicht ausreichend.

      • „Man kann nicht genug zeigen!“

        Terrier,

        Das ist die Strategie, die Ihnen x-fach vorgespielt wird, und die Sie zu Ihrer Eigen machen.

        Ich finde sie auf die Dauer für nicht gut, sogar echt kontraproduktiv, weil sie das echte Leiden der ehemaligen, direkt betroffenen Opfern – ich kann es nicht sagen – devalviert.

        Doch Ihre Überzeugung ist die Ihre und meine Ansicht ist die meine.

        Ich wüsste aber gern, wer als erster auf die Idee gekommen ist, dass nur Hassgefühle seien in der Lage, die Erinnerung würdig wach zu halten.

        Nun, um etwaige falsche Annahmen zerstreuen helfen: wir „sündigen“ Ungarn kennen sehr wohl unsere Geschichte. Alles, worauf wir sehr stolz sein können (und weshalb wir u.U. zu recht beneidet werden), aber auch das, was wir am liebsten ungeschehen machen würden.

        Terrier, wir – Menschen und Völker – leben nicht im luftleeren Raum, gar in einer Art Nirwana. Demzufolge, falls Sie zB. mir wegen meinen eventuellen Verfehlungen Vorhaltungen machen, dann wundern Sie sich nicht, dass ich erfahren möchte, wes Geistes Kind Sie sind. Sollte sich gar herausstellen, dass Sie viel mehr auf dem Kerbholz haben als ich, dann wundern Sie sich nicht darüber, wenn ich dies nicht schuldbewusst verschweige, sondern Sie mit Ihrem Ego konfrontiere. Das gilt natürlich auch für die Staaten der europäischen Staatenfamilie.

        Das gilt insbesondere auch für gewisse „heilgen Kühe“ wie Konrad, Heller oder der hoch verehrter Rassist Akos Kertesz. Wir kennen auch ihre Geschichte.

        Könnten Sie mir eine Frage beantworten?

        Gibt es unter der ungarischen linksliberalen niemand anders, als diese drei zu Tode strapazierten fragwürdigen Gestalten?

      • „Konrád, Heller oder Kertész … Andererseits ist mir kein ernsthafter Versuch des nationalen Lagers in Ungarn bekannt, auf diese Persönlichkeiten zuzugehen.“

        Ungarnfreund,

        Ich sehe es ganz anders.

        Wir – die von den ung. Linksliberalen unendlich betrogene – Ungarn sind auf den Vorreiter der MSZP-SZDSZ Politik Konrád bei 3 Parlamentswahlen zugegangen, in dem seine Gesinnungsgenossen, für die er immer und überall auf die Barrikaden stieg, zur Regierungsmacht verhalfen.

        Was die Medgyessy-Gyurcsány-Bajnai Troika in den letzten 8 Jahren in Ungarn Land und Leuten antat, dafür ist Konrád – der vor allem im Ausland aufgepäppelte linksintellektuelle – indirekt mitverantwortlich.

        Sein Ansehen ist in Ungarn – zu Recht – dahin.

  8. Habe mir den Heller-Beitrag, den terrier postete, noch einmal angesehen. Leider hört man nicht, auf welche Äußerungen sie da eigentlich reagiert. Deswegen ist schwer nachzuvollziehen, warum sie so insistiert und damit eine Steilvorlage für ihre Gegner liefert. Auf eine sprachliche Klippe möchte ich aber aufmerksam machen. Sie besteht zwar darauf: „No one was shot“ („Niemand wurde erschossen“), behauptet aber keineswegs: „No one was shot at“ („Auf niemanden wurde geschossen“).

    Hellers Feststellung, dass 2006 niemand erschossen wurde, ist wohl richtig, weil es — wenn ich richtig informiert bin — tatsächlich keine Todesopfer gab. Ich finde es deshalb nicht gerechtfertigt, Frau Heller einfach als Lügnerin zu diffamieren. So aus dem Zusammenhang entnommen müssen ihre Worte aber so wirken, als wolle sie die Polizeigewalt von 2006 verharmlosen. Da hat sie einen großen Fehler gemacht.

    Inwieweit man auf Demonstranten einprügelnde Polizisten der Folter (Heller: „No one was tortured“) bezichtigen darf, lasse ich mal dahin gestellt. Ich weiß schlicht nicht, wie das in der Jurisprudenz behandelt wird. Aus meinem Alltagsverständnis würde ich dieses Verhalten allemal unmenschlich nennen. Nur war ein Teil der Demonstranten wohl genauso außer Rand und Band. Da hat es sicher eine Eskalation gegeben, an der beide Seiten beteiligt waren. Vielleicht hat Frau Heller lediglich auf diesen Umstand hinweisen wollen.

    Weiteres könnten die Gerichte herausfinden. Die Regierungsmehrheit will ja ein Verfahren gegen Gyurcsány in Gang bringen. Man hat nach der Beendigung der parlamentarischen Untersuchung allerdings schon lange nichts mehr davon gehört.

    • Das Thema (Hellers Auftritt bei den Grünen in Brüssel und ihre Antwort auf die Jobbik-Abgeordnete Krisztina Morvai) hatten wir im Blog.

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/03/20/kleine-ubersetzungsschule-mit-agnes-heller-to-shoot-at-und-to-shoot/

      Und um es vorweg zu nehmen: Ich billige nicht Morvai und ihre Partei. Es geht mir allein darum, wie Frau Heller auf den Vorhalt Morvais, es sei auf Menschen geschossen worden (people were shot at), reagiert.

      Die Reaktionen der ungarischen Presse waren ebenfalls Thema:

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/03/20/ungarische-beitrage-zu-agnes-hellers-auftritt-in-brussel/

      • Danke für den Querverweis, dann brauchen wir uns hier nicht weiter an dem Thema abarbeiten. Nur so viel: Ich habe Ihren damaligen Beitrag nachgelesen und stimme Ihnen soweit zu, dass Heller den Fragen Morvais ausgewichen ist. Von Lüge würde ich aber nicht sprechen.

    • Ungarnfreund, wenn wir schon bei sprachlichen Klippen sind. ‚No one was shot“ heisst keineswegs „niemand wurde erschossen,“ Das wäre „No one was shot dead“. „shot“ impliziert im englischen nicht Lethalität, erst mit dem „dead“ hintendran wird daraus ein Erschiessen.

      Dass sehr heftig geschossen wurde, kann ich bezeugen, weil es vor meinen Augen geschah, aber die Sache ist ja umfassend dokumentiert.

      Wenn Sie Frau Hellers Verharmlosungen – denn das sind sie, oder nicht? – als korrekt konstruieren wollen, dann eher so, dass es sich bei dem „Schiessen“ um Gummikugeln handelte und nicht um scharfe Munition. Die Verletzungen waren trotzdem in mehreren Fällen erheblich und führten zu bleibenden Schäden. Geschossen wurde übrigens völlig wahllos, auch das ist gut dokumentiert, und ich sah selbst, wie die Polizisten in einer Art Frenesie drauflos feuerten was das Zeug hielt – das waren Salven und es knatterte richtiggehend, die Schützen standen an einem Punkt ca 10 Meter von mir entfernt und ich konnte es gut beobachten.

      • Danke für die versuchte Nachhilfe im Englischen. Wenn Sie bei leo.org „erschießen“ eingeben, bekommen sie sowohl „to shoot so.“ als auch „to shoot so. dead“. Beides ist demnach möglich. Mein gutes Euro-Wörterbuch von Langenscheidt sagt genau dasselbe: „erschießen = to shoot so. (dead)“.

        Außerdem noch mal für Sie zum Mitschreiben: Ich verharmlose 2006 nicht. Ich finde es aber mehr als bedauerlich, wenn auf Frau Heller dermaßen fanatisch herumgehackt wird. Sie hat im EP den Eindruck erweckt, als hätte sie 2006 verharmlost, in dem sie der Frage von Morvai ausgewichen ist. Das war ein schwerer Fehler. Aber was ist das eigentlich für ein Fernseh-Sender, der daraus einen solchen fiesen Beitrag schneidet wie HirTV? Und was sind das für Menschen, die das auch noch super finden oder überall posten und mit hasserfüllten Kommentaren versehen?

        Hellers Aussage ist interpretierbar und für mich gilt: in dubio pro reo. Sie sagt doch selbst, dass nicht einmal Fidesz den Vorwurf erhebe, dass Menschen erschossen worden seien. Man behaupte „andere Dinge“, die auch sehr „problematisch“ seien. Leider buchstabiert Heller die „anderen Dinge“ nicht aus. Vielleicht meint sie das gewaltsame Vorgehen der Polizei im Allgemeinen oder das angebliche Zusammentreiben von Randalierern und friedlichen Demonstranten.

        Übrigens: Weil jetzt auch mir die Hutschnur hochgegangen ist, verzichte ich freiwillig auf weitere Kommentare in diesem Thread, egal was Sie antworten.

      • Ich habe mir heute anderthalb Stunden lang irgendwelchen, in gebrochenem Deutsch von Frau Marsovszky vorgetragenen, Bullshit über Ungarn angehört.
        Parallel dazu habe ich die Parlamentsdebatte über die Vorfälle in Gyöngyöspata verfolgt.
        Ich mag Rechthaber. Ich bin selbst einer.
        Wer aber auch noch angesichts der Bilder von blutenden Budapester Demonstranten aus dem Oktober 2006 sich darum bestrebt, Recht zu behalten, einfach nur, weil er sich das Leid der Betroffenen nicht vergegenwärtigen kann, der sollte sich doch auch einmal die Frage nach seiner Mitleidsfähigkeit stellen oder sollte sich einfach nur mal Gedanken über Charaktereigenschaften machen.
        Diffugität ist in der Charakterologie von P.Lersch die Gegensätzlichkeit von Charaktereigenschaften. Nach Lersch sind z.B. Strebertum und Mitleidsfähigkeit wesensgegensätzlich oder »diffug«
        Diffuge Charaktere mag ich gar nicht.

      • Ungarnfreund: Habe ich irgendwo gegiftet? Ich empfehle nur, auf „Interpretationen“ zu verzichten, um sie zu verteidigen – sie hat das eben verharmlost, und fertig. Problematischer ist ihr Verhalten post 1956.

      • Ignoranz in Bezug auf Marsovszky halte ich auf dem Hintergrund ihrer kruden Behauptungen für einen Fehler. Sie beeinflussen nämlich den Bewusstseinszustand im Hinblick auf die Situation in Ungarn, vor allem aber die Gefühlslage hinsichtlich der gefühlsmäßigen Einstellung zu diesem Land, das seine vielschichtigen Schwierigkeiten ohne konstruktive Hilfe von aussen nicht lösen kann.

        Ihre Aufsätze sollten längst Pflichtlektüre sein:

        Neue völkische Bewegung und Antisemitismus in Ungarn, in: Samuel Salzborn (Hrsg.): Minderheitenkonflikte
        in Europa : Fallbeispiele und Lösungsansätze, Innsbruck: Studien-Verl., 2006,
        S. 201-221, ISBN: 978-3-7065-4181-7 (Standort: UB Bielefeld(361)-CI740M6E8)

        INHALT: Die Verfasserin setzt sich mit der geschichtlichen Entwicklung der völkischen Bewegung und mit den Mustern des Umgangs mit der Vergangenheit auseinander und diagnostiziert eine Verdrängungstendenz. Sie zeigt, dass zusammen mit dem Sozialdarwinismus und dem aggressiven Nationalismus der völkische Nationsgedanke und die Organisationspraxis
        die Brutstätte des Rassismus gewesen sind, dessen diskriminierende Rechtspraxis und Antisemitismus im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien und in der ganzen Region kulturelle Zerstörung und den Holocaust verursachten. Als eine der wichtigsten Objektivationen des völkischen Denkens in Ungarn wird die ’nationale Kultur‘ dargestellt, deren Entwicklung seit dem Ende des 19. Jahrhunderts untersucht wird. Vor diesem Hintergrund wird das völkische Denken im Realsozialismus und nach der Wende analysiert und zwischen ihnen strukturelle Ähnlichkeiten festgestellt. Abschließend werden die mit diesem Phänomen verbundenen Gefahren zur Diskussion gestellt. (ICG)“

        Unbefangenheit gegenüber dem „Theoriegewichse“ der „Kulturwissenschaftlerin“ halte ich für ein großes Problem.

  9. „Man kann nicht genug zeigen !“

    Lieber Terrier,

    Ich möchte Ihnen eine Weisheit aus dem Talmud verraten:

    Veszélyes dolog a túlzás, a gyönyört átokká, a bölcsességet ostobasággá változtatja és az egészségre is káros! (Idézet a TALMUD-ból)

    frei auf Deutsch:

    Gefährliche Sache ist die Übertreibung, denn sie verwandelt die Wollust zu Fluch, die Weisheit zu Albernheit, und zu allem Übel: auch für die Gesundheit schädlich.

    So kompakt wie auf Ungarisch kann ich nicht, oder geht garnicht.

    • Gott sei dank, dass die Menschen verschieden sind.
      Ich meine aber : Motto aus der Witzzeitung Ludas Matyi: Es gibt keine alte Witze, nur alte Menschen. Für einen Neugeborenen sind alle Witze neu.
      oder aber : Die Wiederholung ist die Mutter der Weisheit.“ Original: „Повторение – мать учения.“

  10. ..“Kertész hat sogar in Berlin Wohnung genommen, weil er das nicht mehr ertragen konnte. Das ist doch bedauerlich für Ungarn, oder nicht?“

    Was konnte I.K. nicht mehr ertragen ?
    ..“Imre Kertész ist in zweiter Ehe verheiratet. Er lebt seit dem Jahr 2000 in seiner Wahlheimat Berlin.[3]“

    Seit 12 ( zwölf ) Jahren kann er Orban nicht ertragen ? Lügen haben kurze Beine !

    • Bringen Sie doch nicht alles durcheinander. Hier geht es überhaupt nicht um Orbán. Es heißt, dass Kertész u. a. deshalb nach Berlin gezogen sei, weil er hier anders als in Budapest geschätzt würde und frei von (publizistischen) Attacken gegen seine Person leben könne. Über Kertész‘ Schwierigkeiten mit seinem Geburtsland Ungarn können Sie hier etwas nachlesen: http://www.zeit.de/kultur/literatur/2009-11/imre-kertesz-ungarn – sicherlich eine eigentümliche Sicht der Dinge, aber so sind Schriftsteller und andere Geister nun mal. Kein Grund, die Nerven zu verlieren.

      • Sie deuten an, daß Imre Kertész nach Berlin umziehen musste . Nicht wahr ?
        Wie Ákos Kertész nach Kanada ? Erst in die Ecke sceißen und schnell an die frische Luft flüchten !

  11. „Herr Unger wird beim Anhören vielleicht verstehen, dass das Leben der Budapester Juden 1944/45 selbst unter schwedischem oder schweizerischem Schutz (unter solchem lebte laut Wikipedia auch Gy. Konrád) sehr gefährlich war.“

    Lieber Ungarnfreund,

    Da haben wir wieder etwas, wo unsere Ansichten miteinander konform gehen.

    Doch möchte ich die Gelegenheit nützen, Sie auf etwas aufmerksam machen, was Ihnen trotz Wohlinformiertheit wahrscheinlich entgangen ist.

    Ich bin für Herrn Konrád froh (auch wenn ich ihn gar nicht schätze), dass er die Nazibesetzung in Ungarn und nicht zB. in Holland erlebte.

    Es dürfte allgemein bekannt sein, dass das herzensliebste junge Mädchen Anne Frank und auch ihre Schwester von den Nazis nach Auschwitz verbracht worden sind. Dann nach etwa zwei Jahren beim Herannahen der Roten Armee wurden sie nach Bergen-Belsen evakuiert, wo sie auch starben.

    Weniger bekannt dürfte sein, dass die Nazis den Holländern für jeden denunzierten jüdischen Mitbürger, der sich versteckt hielt, Kopfgeld zahlten. Jawohl Kopfgeld und diese Chance wurde auch gerne genutzt.

    So geriet auch Anna Frank mit ihrer Familie in die Hände der Nazischergen.

    Wieso schweigt man sich aus über solche Untugenden aus? Oder ist die Chose eine lässliche Sünde, wenn solcher Handel von einer traditionellen Handelsnation betrieben wurde?

    • Zu der Frage, warum es viele Juden nur in Budapest gelang, den Zugriff der Pfeilkreuzler und der Nazischergen zu entkommen, werden wir vielleicht bald neue Informationen bekommen, denn in Israel sind die Tagebuch-aufzeichnungen von Szálasi gefunden worden. Ich habe es bereits an anderer Stelle gepostet.

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2012/04/11/karl-pfeifer-in-der-presse-von-zsolt-barath-zu-viktor-orban/#comment-7212

      @Ignac Unger

      Das bedauernswerte Schicksal der Anne Frank und ihrer Familie in diesem Zusammenhang anzusprechen, zeigt, dass sie nicht differenzieren können und wollen. Sie sollte sich schämen, den Tod unschuldiger Menschen für ihr zwanghaftes Rechtfertigungsbedürfnis zu mißbrauchen.

      • „@Ignac Unger
        Das bedauernswerte Schicksal der Anne Frank und ihrer Familie in diesem Zusammenhang anzusprechen, zeigt, dass sie nicht differenzieren können und wollen. Sie sollte sich schämen, den Tod unschuldiger Menschen für ihr zwanghaftes Rechtfertigungsbedürfnis zu mißbrauchen.“

        Drága Szarvasi,

        Wissen Sie wirklich, was Sie da zusammenlabbern? Versuchen Sie wenigstens einmal vor unleugbaren Tatsachen, nicht wie der Vogel Struzz den Kopf ständig in den Sand zu stecken.

        Ich respektiere Ihre Vorliebe für Sprechblasen, doch wie wäre mal eine kleine Abwechslung?

        Also hören Sie nur zu:

        „.. so bleibt es eine der Schlüsselfragen, warum die Niederlande bereits 1943 offiziell für „judenrein“ erklärt wurden. 75 Prozent der jüdischen Bevölkerung starben in den Vernichtungslagern.

        Hinzu kam, dass sich Niederländer professionell an der Jagd nach versteckten Juden beteiligten.
        Es wurde, und das war einmalig in Europa, ein Kopfgeld von 7,50 Gulden (etwa 37 Euro) für jeden aufgespürten Juden gezahlt. Auch Anne Frank wurde für Geld denunziert. Die holländische Bahn transportierte die Juden am helllichten Tag ab, nach Fahrplan, ohne Sabotage. Von den etwa 107.000 deportierten Juden – jüdischen Niederländern und Flüchtlingen aus Deutschland oder Österreich – kehrten nur etwa 5000 zurück.“

        Entweder wissen Sie nicht recht, was Sie tun, oder (hoffentlich nicht) Sie würden mir, einem Ungarn, am liebsten gleich auch den Tod der Familie Frank in die Schuhe schieben?

    • @Ignac Unger

      „Ich bin für Herrn Konrád froh (auch wenn ich ihn gar nicht schätze), dass er die Nazibesetzung in Ungarn und nicht z.B. in Holland erlebte.“

      Warum wollen sie von den Vorgängen in Ungarn ablenken? Wie erklären sie sich eigentlich die Tatsache, dass in der Provinz die Erfassung und Deportation der Juden (über 500.000) erfolgreich war?
      Nur die über 200.000 Budapester Juden blieben einige Zeit von Verfolgungen verschont, auch aufgrund der schwedischen und schweizerischen Schutzbriefe! Zynischer kann man sich nicht ausdrücken!
      http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Ungarn

      Wer glaubt solche Vergleiche zum Thema Holocaust machen zu müssen, der zeigt, dass der die Dimension der Shoah als menschliche Tragödie nicht richtig erfasst hat.

      • Szarvasi,

        Toleranter und verständnisvoller Ungar, der ich bin, befolgte ich mit einem Klick brav ihren Hinweis und es wurde mir vergönnt, mich am Anblick der zweitgrössten aber allerschönsten Synagoge der Welt erfreuen zu können, die ich, wenn ich in Budapest bin, immer wieder gern besuche.

        Ich möchte Ihnen auch empfehlen, dies mir gleich zu tun. Auch wenn Sie es nicht glauben und wahrhaben wollen, auch dieses Wunder ist nicht etwa in Frankreich, England oder in Ihrer Heimat Deutschland zu finden, sonder in der Hauptstadt dieses kleinen Ungarn mit kaum 10 Millionen Einwohnern.

        Meine Landsleute wissen diese, ebenfalls unleugbare Tatsache, zu schätzen, denn nach dem Ende des uns Ungarn mit brutaler Gewalt aufgezwungenen realen Sozialismus, der auch diese Schatztruhe schier vor die Hunde kommen liess, war das erste für uns, diese Synagoge in ihrer alten Pracht wieder entstehen zu lassen.

        Dies geschah, als erstes – noch vor der Renovierung der christlichen Basilika -, die von den Linken Regierungen ebenfalls zugrunde gerichtet worden ist.

        Wir Ungarn wissen also auch ohne Ihre Sprechblasen, dass wir in Europa auch nicht viel besser als die anderen waren, und was wir unseren leidgeprüften jüdischen Landsleuten schuldig sind.

      • Szarvasi

        Ich weiss nicht, wem und was Sie in Ungarn gelehrt haben. Hoffentlich nichts über ungarische Geschichte.

        Übrigens, wissen Sie denn als Deutscher überhaupt wieviel Juden während der Naziherrschaft in Europa als Opfer total daraufgegangen sind? Oder Sie wollen das gar nicht wissen?

      • Was soll denn diese Frage? Sie wollen jetzt hoffentlich nicht wirklich anfangen, die Zahlen zu vergleichen und damit zu relativieren, was (auch) in Ungarn geschah? So weit ich weiß, war das Deportationstempo in Ungarn – dem, wie Sie sagen – „kleinen Land mit 10 Millionen Einwohnern – enorm groß. So groß, dass sich Adolf Eichmann in seinem Prozess in Israel noch dahingehend äußerte, er sei „beeindruckt“ gewesen.

      • “Ich bin für Herrn Konrád froh (auch wenn ich ihn gar nicht schätze), dass er die Nazibesetzung in Ungarn und nicht z.B. in Holland erlebte.”

        Szarvasi,

        Was haben Sie dagegen, wenn ich für Herrn Konrad froh bin, auch wenn ich ihn nicht mag,
        dass er in Ungarn war, weil er damals in Holland zu überleben meiner Meinung nach viel geringere Chance gehabt hätte. Dies belegen die von den Holländern selbst kürzlich veröffentlichten unangenehmen Tatsachen und Zahlen.

        Nun, in der Holländischen Presse wird Ungarn ebenfalls vehement wegen angeblich angeborenen Antisemitismus der Ungarn angegriffen. Fühlen Sie sich denn berufen, mich an der Mitteilung einer sachlichen Meinung hindern zu dürfen?

        Ich habe auf einen Kommentar von Ungarnfreund reagiert. Als toleranter Mensch habe ich nichts dagegen, wenn Sie sich plötzlich einmischen und dazu auch Ihren Senf beitragen wollen. Nicht einmal Ihre sachbezogene Unkenntnisse motivieren mich dazu, Sie dabei ausgrenzen zu wollen.

        „ Das bedauernswerte Schicksal der Anne Frank und ihrer Familie in diesem Zusammenhang anzusprechen, zeigt, dass sie nicht differenzieren können und wollen. Sie sollte sich schämen, den Tod unschuldiger Menschen für ihr zwanghaftes Rechtfertigungsbedürfnis zu mißbrauchen.“

        und

        „ Wer glaubt solche Vergleiche zum Thema Holocaust machen zu müssen, der zeigt, dass der die Dimension der Shoah als menschliche Tragödie nicht richtig erfasst hat.“

        Aber wie kommen Sie dazu, mich mit Ihren Sprechblasen diffamieren und verleumden zu wollen? Solche Beleidigungen und solch primitives Persönlichwerden verbiete ich mir allemal, zumal Sie sich darin bereits mit Elan als Wiederholungstäter auszeichnen.

        Ist die Mahnung von HV bei Ihnen nicht angekommen: wenn die Argumente ausgegangen sind, nicht durch primitive Diffamierung kompensieren zu wollen?

        Oder meinen Sie wirklich, dass Ihnen da eine Extrawurst zusteht?

  12. Welt Online: Neue Telefonsteuer

    Die Agenda für das Gespräch morgen zwischen Orbán und Barroso wird länger!

    http://www.welt.de/wirtschaft/article106212817/Ungarn-greift-erneut-in-die-Kasse-der-Telekom.html

    „Nach Informationen von „Welt Online“ plant die Regierung, künftig Telefongespräche im Mobilfunk und Festnetz auf Minutenbasis zu besteuern. Jede Minute soll demnach mit zwei Forint besteuert werden, was etwa 0,67 Eurocent entspricht.

    Auch SMS-Kurzmitteilungen sollen mit dieser Summe belastet werden. Die neue Steuer sollen die Telekom-Anbieter selbst einsammeln und weiterreichen. Den Angaben zufolge wird Brüssel in dieser Woche offiziell über das Vorhaben unterrichtet.

    Die ungarische Regierung hofft auf diese Weise, eine Summe von etwa 170 Millionen Euro einnehmen zu können. Eine zeitliche Begrenzung der Steuer soll es nicht geben. Die Steuer soll von Juli an erhoben werden.“

    • Eine selten schwachsinnige Idee, wenn sie denn durchgesetzt wird. Wie soll das laufen? Den Kids im Westend City Center, die den ganzen Tag rumtelefonieren, einen Steuerbescheid senden? 🙂

      Dass die Steuer bereits „verhängt“, also eingeführt und den Bürgern belastet, wurde, sehe ich allerdings nicht. Warten wir ab, was Matolcsy sagt und ob diese Steuer jemals kommt (ich lege mich fest: es würde mich sehr überraschen). Könnte ja vorerst ein Versuch sein, die Nase in den Wind zu hängen und die Stimmung bezüglich einer solchen Abgabe zu eruieren.

    • @PL-Leser

      Ich bezeichne mich nicht als PL-Leser 😦

      Meine Informationsquelle ist „Hungarian Voice“. Und in diesem Blog versuchen die meisten Leser sachlich zu informieren!

  13. „ unter schwedischem oder schweizerischem Schutz“

    Lieber Ungarnfreund,

    Wenn Sie schon dies – „ unter schwedischem oder schweizerischem Schutz“ – erwähnen, dann sollten wir diese Bemerkung nicht ins Leere verpuffen lassen. Da etwas nachzufassen, ist sicher auch eine kleinere Messe Wert.

    Doch hier und jetzt nur soviel:

    Haben Sie schon darüber nachgedacht, wieso war solcher Schutz gerade nur im „von Antisemitismus nur so triefenden“ Ungarn unter dem Reichsverweser Horthy möglich und zB. im Rest-Frankreich des Marchall Foch (vor kurzem noch eine Grossmacht) nicht?

    Oder wie sah es im damaligen Kopfgeld-Holland; im Norwegen Quislings aus?

    Oder im von Hitlers Gnaden gegründeten ersten Slowakenstaates unter Tiso, der als einziger Verbündeter Hitlers Polen an der Seite Nazi-Detschlands angriff?

    So gebührt der Slowakei unabstreitbar die zweifelhafte Ehre, bereits beim Ausbruch des 2. Weltkriegs mit seinem bescheidenen Potential, aber mit Herz und Seele als der 2. Angreifer Polens mit dabei gewesen zu sein.

    • Herr Unger, sorry, aber Sie driften völlig ab. Ich habe 24 Stunden darüber nachgedacht, ob ich Ihnen auf diesen Beitrag überhaupt antworten soll. Ich tue es jetzt einfach auf folgender Linie:

      1. Danken Sie Ihrem Schöpfer für die Gnade der späten Geburt. Ein wenig Demut vor den Opfern der Geschichte könnte Ihnen wirklich gut tun.

      2. Ich werde nicht mit Ihnen darüber debattieren, wer in welchen Ländern warum und in welchem Ausmaß mit der Besatzungsmacht kollaboriert hat, weil Ihre Absichten keine lauteren sind.

      3. Wenn Sie wirklich interessiert, wie die Handlungsspielräume von Leuten wie Wallenberg oder Lutz inmitten von Tod und Vernichtung entstanden sind, dann lesen Sie die Fachliteratur. Mit dem „Nationalcharakter“ der Ungarn o. ä. hat das herzlich wenig zu tun.

      4. Wenn Sie nach der Lektüre wieder etwas Hoffnung für die Menschheit schöpfen wollen, dann schauen Sie sich mal die Rettung der dänischen Juden an: http://www1.yadvashem.org/yv/en/righteous/stories/historical_background/denmark.asp

      Mehr habe ich Ihnen in diesem Thread nicht zu sagen.

    • Lieber Ungarnfreund,

      Dank für Ihre Antwort und dafür, dass Se sich für mich überhaupt etwas Zeit genommen haben. Es ist in Ordnung, dass wir nicht in allem gleicher Meinung sind. Es ist keine Vorausetzung für die Diskussion, dass wir wie Chorknaben unisono singen.

      Ich möchte Sie mit weiteren Fragen nicht drangsalieren, meine nachfolgenden Bemerkungen sind nicht mehr direk an Sie adressiert, sondern es ist nur so allgemein mein Kommentar:

      1. „Danken Sie Ihrem Schöpfer für die Gnade der späten Geburt.“

      Dafür zu danken, haben wir beide Grund, denn so sind wir von vornherein davor bewahrt worden, in der damaligen Zeit doch irgendwelche Verbrechen begehen zu können..

      2. „weil Ihre Absichten keine lauteren sind“
      Na, mit dieser bösen Unterstellung sind Sie recht unschön persönlich geworden. Doch lernen Sie an meinem Beispiel, wie tolerant Ungaren sind: Ich übersehe einfach diesen Regelverstoss von Ihnen.
      Meine Vermutung ist wesentlich günstiger für Sie: Ihre historischen Kenntnisse müssen viel lückenhafter (oder nur selektiver?) sein, als
      die meinigen.

      3. „Charakter der Ungarn“
      Es kommt bestimm nicht von Ungefähr, dass die Ungarn allg. als sehr gastfreundlich „beschimpft“ werden. Dazu kenne ich kein Land in Europe, das in den letzten 1000 Jahren, so vielen vor Feind oder materiellen Elend flüchtenden Menschen so grosszügig Schutz bessere Lebensumstände gewährte, wie das Land der Ungarn.

      Ich denke da an die Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Was aber, die Zeit der Shoa in Europa betrifft, erlaube ich mir eine Tatsache zu erwähnen, die
      Nicht einmal von Magdalena Marsovszky wissenschaftlich geleugnet wird: Ungarn hat bis zur militärischen Besetzung Ungarns rund 800 000 jüdischen Mitmenschen Schutz vor Nazizugriff geboten, also zu einer Zeit, als vom Atlantik bis Kiev und von Norwegen bis zur Schweiz kaum mehr Juden am Leben geblieben sind.

      4. „schauen Sie sich mal die Rettung der dänischen Juden an“
      Ich kenne auch ihre Geschichte, und es freut mich für die etwa 7000, die aus Dänemark fliehen konnten.

      „Kurz vor der großangelegten Hetzjagd der nationalsozialistischen Besatzer gelang Tausenden dänischen Juden im Herbst 1943 die Flucht übers Meer nach Schweden. Die Bevölkerung half den Verfolgten – obwohl viele Dänen überzeugte Nazis waren.“ Von Manfred Ertel

      So konnten etwa 90 % von den rund 8000 der Juden in Dänemark entkommen.

  14. Lieber Ungarnfreund,

    Sie haben in einem Kommentar die Sache mit dem „schwedisch schweizerischen Schutz“ angeschnitten, wozu ich mir erlaubte, kurz zu reagieren.

    Darf ich Ihre Zurückhaltung bezüglich Antwort, dahingehend interpretieren, dass da nichts gross zu erwidern gibt, da meine Mitteilungen voll der geschichtlichen Tatsachen, also der Wahrheit, nichts anderem als der unwiderlegbaren Wahrheit entsprechen?

    Nun, mag ich mit meiner Annahme auch richtig liegen, wäre Ihre egal wie geartete Reaktion für mich wertvoll, zumal Sie mehrmals dafür Beweise lieferten, dass Tatsachen und Sachlichkeit für Sie keine leeren Begriffe sind.

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