Magdalena Marsovszky im „Netz gegen Nazis“

Die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky gab dem Portal „Netz ggen Nazis“ ein Interview:

http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/ungarn-eine-%E2%80%9Aethnonationale-diktatur%E2%80%98-mitten-europa-7649

Mit Hilfe Marsovszkys wird Ungarn zur „ethnonationalen Diktatur“ – Schreckensbilder inklusive. Die Thesen Marsovszkys sind im wesentlichen bekannt, meine Meinung dazu auch. Die Detailanalyse überlasse ich daher den Lesern des Blogs.

Ein Novum ist lediglich diejenige Passage, in der Marsovszky die „rechten“ Medien den „linken, demokratischen“ gegenüberstellt. Eine klare Positionierung – (nur) die linken Medien sind die demokratischen. Und bei der Aufzählung der oppositionellen Medien hat Marsovszky nicht nur eine Reihe auflagenstarker Wochenzeitungen (HVG, 168óra), sondern auch einen ganzen Fernsehsender vergessen: ATV. Was Klubrádió betrifft: Totgesagte leben bekanntlich länger, und die Medienbehörde musste jüngst – wegen der Entscheidung der angeblich unter Orbáns Kontrolle befindlichen Justiz – zwei Niederlagen einstecken. Dieselbe Justiz hat übrigens Ende 2011 Teile des Mediengesetzes gekippt…

Bemerkenswert auch das Schreckensszenario, wonach die Menschen in Ungarn sich angeblich nicht mehr trauen, öffentlich ihre Meinung zu sagen. Großdemonstrationen, die von zivilen Gruppen gegen die Regierung Orbán organisiert werden (und, anders als 2006, nicht im Tränengas erstickt werden…), zeichnen zwar ein anderes Bild – aber wenn es in das Szenario der Diktatur passt, bitte sehr.

Ein Lob geht an die deutsche Presse: Marsovszky hält die hiesige Berichterstattung in Sachen Ungarn für  „vorbildlich“. Liest man die Thesen Marsovszkys, könnte für den einen oder anderen Redakteur ja der Zeitpunkt gekommen sein, die Auswahl der Quellen und sein Ungarnbild zu überdenken. Natürlich nur, wenn man Alarmisten nicht nach dem Mund reden will…

Doppel genäht hält übrigens besser:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/224827.ungarn-in-der-wagenburg.html

Mehr zu den Thesen Marsovszkys hier:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2012/01/02/magdalena-marsovszky-arier-denken-ist-in-ungarn-mainstream/

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18 Kommentare zu “Magdalena Marsovszky im „Netz gegen Nazis“

      • Nádas steht zu seiner Meinung, die westlichen Unternehmen hätten sich zum Teil wie Kolonialherren in Ungarn aufgeführt. Dem stimme ich (wie damals, als Nádas das erstmalig sagte) voll und ganz zu. Und was ich ebenfalls voll teile, ist die Einschätzung, der Westen zeige in gewisser Weise zufrieden nach Osten, weil man so demonstrieren könne, dass es „Neofaschisten“ auch dort – und nicht nur bei uns – gibt.

        Oplatka sprach das ebenfalls an. Und ich werde nicht müde, die Tragfähigkeit dieser These zu betonen. Wir zeigen auf andere, um unsere eigene Historie besser zu erragen und unseren angeblich so vorbildlichen Umgang mit der Nazivergangenheit zu betonen. Dabei ist unsere Erinnerungskultur nicht so toll, wie wir glauben. Vor allem aber begann sie nicht 1945, sondern erst nach 1970 (meine Mutter, Jahrgang 1951, betont immer wieder, man habe bis zuletzt kaum von der Nazizeit gelernt) – Ungarn liegt diesbezüglich also „voll im Plan“. Auch wenn es dort in Sachen Erinnerung sehr, sehr viel zu tun gibt.

      • @ hungarianvoice

        ich verstehe nicht ganz, inwiefern die westlichen Unternehmen sich als „Kolonialherren“ aufgeführt haben sollen. Alle Unternemhmen, egal ob westlich oder nicht-westlich, wollen vor allem Gewinne machen und differenzieren nicht zwischen verschiedenen Ländern.

        Auch die Behauptung mit den „Neofaschisten“ halte ich für eine billige Ausrede. Es gibt in Europa ein klares Ost-West Gefälle, was die Verbreitung des rechtsradikalen Gedankengutes angeht. Die ex-sozialistischen Länder (von wenigen Ausnahmen abgesehen) sind in höherem Maße nationalistisch, rassistisch und antisemitisch (siehe z.B. die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema). Auch in Deutschland haben neue Länder die „Führungsrolle“ in dieser Sache übernommen. Diese Tatsache mit plumpen rhetorischen Mitteln (Der Westen ist schuld!) wegzuwischen, ist völlig unangebracht.

  1. Ich glaube man sollte die Frau nicht überbewerten. In Ungarn kennt sie niemand. Und diese Medien, in denen sie ihre zweifelhaften Kausalketten windet, sind ja auch nicht gerade mainstream. Ich selbst hatte ihren Namen nie gehört bevor HV darauf aufmerksam machte. Kann sein, dass ich es unterbewerte, habe ihre Laufbahn auch nicht genauer verfolgt, aber ich gewinne nicht den Eindruck, dass ihre Stimme besonderes Gewicht hätte.

    • Lieber Herr Kálnoky,

      Sie ist in Deutschland immerhin bekannt genug, um von Spiegel und Deutschlandradio interviewt zu werden. Ich erinnere Sie an unseren Wortwechsel mit Frau Marsovszky zum Thema „sie wurde von Regierungsmitgliedern beschimpft“ – was sie nicht belegen konnte. Sie hat es aber auch nicht fertig gebracht, sich zu korrigieren. Widerspruch blockt Frau Marsovszky stets mit dem Hinweis ab, der Gegner sei „unwissenschaftlich“ oder feindselig.

      Ich bleibe dabei: Wer Sachen frei erfindet, sollte nicht das Ungarnbild prägen.

    • „in Ungarn kennt sie niemand.“

      ohohhhh Herr Kálnoky ich befürchte da irren Sie sich.Die Dame ist sehr beliebt bei den nach Ungarn ausgewanderten deutschen
      (Rentnern).
      Zitate:
      „Die liebe Magdalena hat wieder ein hervorragendes Interview gegeben…“
      „Das Interview finde ich sehr lesenswert.
      Frau Marsovsky kennt ihr Land, ich werde den Artikel noch oft durchlesen“

      und noch einige mehr, deren Aufzählung ich mir lieber erspare.
      So hat halt jeder seine Fan`s 😉

  2. ez igaz!
    naja, man muss sich wohl damit abfinden, dass die ganze Welt, samt vieler, nicht in Ungarn lebenden Ungarn verlogen ist.
    Aber was soll’s, ‚ez az igazság‘, sagt der igazgató, der die „Wahrheit“ auf Zeit gepachtet hat.
    Wahrheit kann flüchtig sein!
    tiszteletem
    Igazgató

  3. Seufz, schon der Einleitungstext des „Netz gegen Nazis“ bringt ja wieder die Behauptung, dass wir in Ungarn eine Fidesz-Jobbik-Regierung hätten. Auf mich wirkt Frau M. wie von ihren Themen besessen. Vielleicht kommt das daher, dass sie so stark angefeindet wird und vice versa. Sowas kann sich aufschauckeln, wie wir auch schon an einigen Kommentaren in diesem Blog gesehen haben.

    Einige Aussagen M’s verstehe ich wirklich nicht: Wieso hat „Ethnopluralismus“ eigentlich eine „geschlossene, völkische und vermeintlich ethnisch homogene Volksgemeinschaft“ zum Ziel? Ist Pluralismus nicht das Gegenteil von Homogenität?

    • Lieber Ungarnfreund,

      Sie sind nicht der einzige, der die Gedanken Marsovszkys nicht versteht. Die Dame würde Ihnen das wohl damit erklären, dass Sie kein Wissenschaftler sind. Ich hatte schon mehrfach das zweifelhafte Vergnügen, so abgewimmelt zu werden. Da Frau Marsovszky diesen Blog bekanntlich aufmerksam verfolgt und auch auf Facebook gerne ihr Leid über mich klagte, besteht aber die Möglichkeit, dass Sie von ihr aufgeklärt werden. Ich für meinen Teil hatte keinen Erfolg mit dem Dialog, auch Herr Kálnoky nicht.

      • „Da Frau Marsovszky diesen Blog bekanntlich aufmerksam verfolgt“

        Hungarianvoice,

        Ihre Annahme ist psychologisch gesehen höchst wahrscheinlich, denn Menschen, die von fixen Ideen besessen sind, sind gleich auf eine eigentümliche Art auch selbstverliebt. Es interessiert sie alles, was ihre Person auch nur im Entferntesten betrifft.

        Ich habe mal darüber in den Schriften Sigmund Freuds recht interessante Sachen gelesen. Leider ist es schon längere Zeit her, und die mehr als zwei Dutzend Bücher und Abhandlungen, die ich von Freud habe, wegen ihr durchzustöbern, ist sie offensichtlich doch nicht wert.

        Dies besonders in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich nur ihren „Glaubensgenossen“ traut zu stellen, und vor intellektuellen Fragen sofort die Weite sucht.

        Daraus aber zu folgern, dass sie eben feige sei, würde den Kern der Sache nur teilweise treffen, denn:

        Sich zum Zielpunkt allgemeiner Verachtung ihres Geburtslandes Ungarn auszusetzen, braucht schon etwas Courage, auch wenn man, um sein täglich Brot in dieser von Massenarbeitslosigkeit geschlagenen Welt zu verdienen, manchmal zu den verrücktesten Kompromissen gezwungen sieht.

  4. HV,
    Sie haben Recht damit, dass nicht MM das Ungarnbild prägen soll, jedoch neige auch ich ingesamt der Ansicht zu, dass MM langsam überbewertet wird. Unter anderem durch solche Hinweise wie dieser Blog/Text einer ist. Gerade durch ihre gebetsmühlenartig wiederholten Pauschalisierungen disquallifiziert sie sich selbst – wofür wohl der beste Beleg dieser Lehrauftrag in Fulda ist: no-name Universität und nicht/kaum bezahlte Tätigkeit. Wäre sie eine Überfliegerin mit bahnbrechenden Erkenntnissen, sähe ihre Karriere anders aus.
    Also, ich denke, MM reitet jetzt auf einer Welle mit, die ihr Artikulationsmöglichkeiten bietet – doch angesichts der meines Erachtens fehlenden Substanz wird sie früher oder später unsanft landen. Dessen bin ich mir sicher.
    Solche Blogs mit Hinweisen auf Interviews, die selbst inhaltlich nichts Neues bringen, helfen jedoch, das Wasser zum Wellenreiten vorzubereiten.

    • „„Solche Blogs mit Hinweisen auf Interviews, die selbst inhaltlich nichts Neues bringen, helfen jedoch, das Wasser zum Wellenreiten vorzubereiten.“

      Durch die Unwahrheiten (z. B. in Ungarn seien die Medien „gleichgeschaltet“) und gebetsmühlenartig wiederholten Pauschalisierungen hat sich Frau M. als objektive Ungarnexpertin längst disqualifiziert. Das ist bis zu den Redaktionen leider noch nicht durchgedrungen. Solange sie einer großen Öffentlichkeit über Deutschlandfunk und Spiegel ihre Thesen verbreitet ist eine Reaktion in den Blogs nur die logische Konsequenz.

      Es ist erstaunlich immer wieder Beiträge mit haarsträubenden Unwahrheiten und auf einem unvorstellbar niedrigem journalistischen Niveau erleben zu müssen ausgerechnet bei Medienanstalten (z. B. Deutschlandradio, Bayerischer Rundfunk) von denen man etwas mehr an Sorgfalt und Qualität erwarten würde. (Auf Bayern 2 kam vor einigen Wochen der Bericht von Johanan Shelliem, in dem der Journalist über Ungarn als Diktatur spricht, in der die Medien gleichgeschaltet sind und von regierungsnahen Schlägerbanden die Rede ist, die die Roma Minderheit terrorisieren. Diese Vorwürfe sind dermaßen schwerwiegend, dass man sie unüberprüft nicht verbreiten dürfte. Mit wenig Aufwand hätte ein Redakteur klären können, dass a.) Ungarn keine Diktatur ist, b.) von einer Gleichschaltung der Medien keine Rede sein kann, c.) es regierungsnahe Schlägerbanden nicht gibt).

      • @ Halász János: Shelliem behauptete auch, Jobbik sei Regierungspartei. Das nur zur Ergänzung. Die Aussagen dieses Journalisten sind so haarsträubend, man bekommt den subjektiven Eindruck, er interessiere sich mehr für eine „Story“, die es zu erzählen gilt (Antisemitismus, Rassismus und Diktatur in Ungarn) als für wahrheitsgemäße Berichterstattung. Es fällt mir schwer zu glauben, dass man sich so oft irren kann – bei diesem Herrn scheint mir auch eine Diskussion über Vorsatz jedenfalls möglich.

  5. „(…) MM reitet jetzt auf einer Welle mit (…) Solche Blogs mit Hinweisen auf Interviews, die selbst inhaltlich nichts Neues bringen, helfen jedoch, das Wasser zum Wellenreiten vorzubereiten.“

    Ist es erst zu spät zum Verleugnen, wird halt relativiert und tabuisiert.

    Fakten:
    Magdolna Marszovszky, die als Wissenschaftlerin und Ungarnexpertin auftritt, hat nach ihren eigenen Angaben bis 1988 in Tübingen Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Ihr wurde der Grad Magister Artium verliehen.
    Sie hat 1998 an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg zusätzlich den M.A. in Öffentliche Kulturarbeit erworben. Das Thema Ihrer Magisterarbeit lautete: „Entwurf einer Marketingkonzeption für die Kunsthalle Budapest“

    Sie ist heute Lehrbeauftragte im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Bachelor-Studiengang Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen (BASIB), Fachgebiet Ungarn.

    Die Hochschule Fulda stellt den Studienbereich so vor:
    „Zuwanderung, Integration und internationale Mobilität werden angesichts ihrer weltweiten Bedeutung auch in Deutschland immer intensiver diskutiert. Für die professionelle Bearbeitung und Förderung Interkultureller Beziehungen entsteht zunehmend Bedarf an qualifizierten Fachkräften.
    Im Bachelor-Studiengang Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen (BASIB) werden Kompetenzen vermittelt
    • zum professionellen Umgang mit der gesellschaftlichen Integration von Zuwanderern,
    • zum Management interkultureller Überschneidungssituationen,
    • zur Erschließung und Nutzbarmachung interkultureller Ressourcen,
    • zur Mitarbeit in Unternehmen und Organisationen mit internationalen Teams oder interkulturellen Funktionen,
    • für berufsbedingte Auslandsaufenthalte und deren professioneller Vorbereitung.“

    Sicherlich ist die Hochschule Fulda nicht die Freie Universität Berlin und Frau Marsovszky auch nicht Univ.-Prof. Dr.sc. Nikolai Genov, dessen steile Karriere unter Todor Schiwkow und in Honeckers DDR ihren Lauf nehmen konnte. Aber in Marsovszky nur jemand zu sehen, der auf einer Welle reitet, heißt, Einfluß und Wirkung ihrer „wissenschaftlichen“ Arbeit nicht nur zu unterschätzen, sondern diese auch bewusst herunterzuspielen. Soviel Naivität traue ich weder Herrn Pfeifer, der mit ihr in der Vergangenheit auf öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland aufgetreten ist und „haGalil.communications“ nun wirklich nicht zu.

    Marsovszkys Publikationliste zeigt, dass sie Programm ist, jedenfalls keine „Wellenreiterin“ im Freizeitpark Deutschland..

    http://www.forschungsforum.net/user/107

  6. Peter Herche:
    vielen Dank für diese Bio-Angaben.
    Ich habe sie auch einmal irgendwo schon gelesen und jetzt sind sie hier, und wir können uns auf sie beziehen. Die Themen von MM sind offensichtlich politik- und geschichtswissenschaftlicher Natur (Diktatur, Faschismus, Nationalsozialismus, völkisches Denken, Antisemitismus). Nichts dergleichen hat sie studiert. Äußert sich aber zu denen und, verlangt von anderen wissenschaftliche Expertise in diesen Bereichen, wenn sie mit ihr diskutieren wollen.
    Hm … Bin ich der einzige, der hier einen Widerspruch sieht?

    • galut:

      Sie sind bestimmt nicht der Einzige, der so sieht wie Sie.

      Es ist aber ncht zu leugnen, dass viele Ihre Ansichten nicht teilen.
      Um ehrlich zu sein, wenn man ihr Horor-Interview liest, dann fühlt man sich auf einer anderen Galaxis.

  7. frau marsovszky würde herr nádas‘ aussagen, würde sie ihre quelle nicht kennen, als faschistisch, völkisch und antisemitisch anprangern. so einfach ist ihr weltbild.

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