Nabucco-Pipelineprojekt: Ungarn erwägt Ausstieg

Ungarn erwägt laut aktuellen Presseberichten den Ausstieg aus dem von mehreren europäischen Unternehmen geplanten Gaspipelineprojekt „Nabucco“. Die Versorgungsleitung soll Europa nach den Plänen der Konsortialpartner unabhängiger vom russischen Gasmonopolisten Gazprom und dem dortigen South Stream Pipelineprojekt machen.

Ungarn spielt in dem Nabucco-Projekt seit einigen Jahren den „Wackelkandidaten“. Bemerkenswert ist, dass Ministerpräsident Viktor Orbán – seinerzeit noch in der Opposition – die Annäherung der sozialliberalen Regierung Gyurcsány an das South Stream Projekt jahrelang heftig kritisiert und gefordert hatte, Ungarn müsse sich an dem europäischen Projekt beteiligen. Dass Orbán nunmehr selbst den Ausstieg des mehrheitlich staatlichen MOL-Konzerns (dem ungarische Konsortialpartner) ankündigt, stellt eine Wende um 180 Grad dar; eine Wende, die möglicher Weise auch mit dem dauerhaft verschlechterten Verhältnis zwischen dem dem österreichischen Konsortialführer OMV ud MOL zu tun haben könnte – OMV hatte bis in das Jahr 2008 versucht, die MOL feindlich zu übernehmen, war jedoch an dem Widerstand Ungarns und statlichen Sonderrechten (sog. „goldenen Aktien“) gescheitert. Die Abwendung Ungarns von Nabucco begann in dieser Zeit. OMV gab die bereits erworbenen Anteile an MOL im Jahr 2009 dann an ein russisches Unternehmen ab, welches die Anteile im Jahr 2011 an Ungarn zurückveräußerte.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/752210/Ungarn-kuendigt-Ausstieg-aus-Nabucco-an?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do

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6 Kommentare zu “Nabucco-Pipelineprojekt: Ungarn erwägt Ausstieg

  1. „Die Entscheidung, wer letztlich das Erdgas aus dem großen Gasfeld „Shah Deniz2“ liefern darf, wollen die Aseris frühestens im kommenden Jahr bekannt geben.“

    Das ist genau der Kasus Knacksus.

    Der Konsortialführer OMW als privatwirtschaftlich geführte Unternehmen sind sich bestimmt im Klaren darüber, dass der wirtschaftliche Nutzen des Projekts solange auf äusserst wackligen Füssen steht, bis man nicht einmal weiss, woher man überhaupt Gas in die Röhre kriegt, und wenn ja, zu welchen Konditionen.

    Die Kehrtwende Orbáns, ist nur eine logische Folge der tatsächlichen Gegebenheiten. Angesichts der ererbten Finanzierungsprobleme der ung. Regierung, wäre es von ihm als Ministerpräsudent höchst unverantwortlich, der Beteiligung von MOL an Lotterie-Projekten Vorschub zu leisten.

    Hungarianvoice,

    ich kann mir nicht vorstelllen, das ein Realpolitiker vom Format Orbáns sich von kindischen Emotionen leiten lassen würde. Der aussichtslose Versuch von OMW MOL feindlich zu übernehmen, mag auch noch nicht in Vergessenheit geraten sein, doch solche Emotionen bei wichtigen Entscheidungen können nur in einem Kindergarten eine Rolle spielen.

    Bevor jemad auf Anhieb, also unüberlegt, in Versuchung kommt, gegen Orbán vom Leder zu ziehen:

    „ Denn die MOL steht mit ihrer kritischen Haltung nicht alleine da: Schon zu Jahresbeginn hatte der deutsche Partner RWE angekündigt, seine Mitgliedschaft im Konsortium überdenken zu wollen.“

    Und last not least, OMW – „On My Way“ – steht es frei ihren Weg zu gehen. Durch die „gutmütige“ Veräusserung der MOL-Aktien an die armen russischen Multis hat OMW fette Gewinne einstreichen können.

    Also nur Mut! Die finanzielle Mittel stehen Ihnen zur Verfügung, um ihre Ideen auch ohne Ungarns Obulus verwirklichen zu können.

  2. Es schmerzt mir im Herzen, zu sehen wie das kleine Ungarn aussenpolitisch isoliert und wirtschaftlich von Herrn Orban in den Ruin getrieben wird. Das einzige „Format“ was hier attestiert werden darf, ist der Aufbau von autokratischen Strukturen zum Wohle des Fidesz und verderb Ungarns.

    Leider gibt es noch zu wenige tapfere Patrioten, wie z.B. Konya Peter, die den „Clown“ Orban stoppen.

  3. Also der Ruin sah schon mal schlimmer aus, wenn ich mich nicht täusche waren bei Fidesz Antritt 2010 die Staatsschulden bei mehr als 82 Prozent (gegenwärtig 78), hatten die Sozialisten alles was staatlich ist ausgeplündert und die Kassen leergeräumt (siehe zB BKV, Máv, Vidampark), war die Integrationspolitik ein Selbstbedienungsladen für korrupte Parteifinanzen (40 Miliarden für Zigeunerprojekte aber ausser Spesen nichts gewesen) und hatte die Regierung Bajnai entgegen den ursprünglichen Versprechen die 15 Milliarden EUR Notkredite innerhalb kürzester Zeit komplett verbraucht.

    Schlimmer als das ist fast nicht möglich.

    Das wirtschaftliche Fazit sollten wir in ca einem Jahr ziehen,

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