Gyurcsány unter Plagiatsverdacht: Puzzlestein gefunden

Die Diplomarbeit von Ferenc Gyurcsány (Ex-)Schwager Szabolcs Rozs ist heute aufgetaucht. Noch gestern war Gyurcsány bei Olga Kálmán bei ATV. Lesens- und sehenswert:

http://atv.hu/belfold/20120503_megtalaltak_rozs_szabolcs_szakdolgozatat_a_pecsi_egyetemen

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37 Kommentare zu “Gyurcsány unter Plagiatsverdacht: Puzzlestein gefunden

  1. HV ich finde es wirklich interessant, welche Aufmerksamkeit Sie der bislang mit keinem Beweis belegten Beschuldigung gegen F.G. widmen.
    Auf ATV gibt es bereits einige Nachrichten über die Enthüllungen des ehemaligen Staatssekretär Ángyán. Jetzt wird er sogar von MTI auf Grund eines 1Tag blogs verleumdet. Vielleicht könnten Sie auch über diese Sache berichten?

    • Es handelt sich immerhin um eines der meistbeachteten Themen in diesen Tagen. Ob es Ihnen gefällt oder nicht. Was man daran sieht, dass selbst ATV nicht herumkommt, darüber zu berichten.

      • Karl Pfeifer wie wäre es wenn Sie mal sinnvolle, konstruktive Beiträge posten und nicht versuchen die Berichterstattung von HV zu unterdrücken.

    • Ágnes Vadai, DK-Abgeordnete im ungarischen Parlament, hat bereits die Parole für die (mögliche) Zukunft ausgegeben: Selbst wenn man ihr zwei Arbeiten vorlegen würde, die das Plagiat belegen, werde sie das nicht mehr als Beweis anerkennen. Denn schließlich habe die Uni Pécs ja einen Fidesz-Mann in ihrer Führung 🙂

      Ist das nicht alles ein Klassiker? Warum das ganze Theater von Gyurcsány und den seinen, wenn er doch einfach nur seinen Mund halten und auf die Unschuldsvermutung verweisen müsste? Statdessen tritt er hektisch hin und her und verstrickt sich in Lügen.

  2. Die Pirouetten im Plagiatsrummel öden mich an. Wenn die „Rechte“ keinen Gyurcsány hätte, müsste sie ihn erfinden, so wie die „Linke“ den Bayer Zsolt.

  3. Erös Pista,
    Sie meinen wenn schon so viel über den an den anscheinend – weil ohne Beweise – an den Haaren herbeigezogene Fall des F.G. berichtet wird und ich konstruktiv vorschlage, doch über den sehr konkreten Fall Ángyán, der noch dazu Fidesz-Abgeordneter ist, etwas zu bringen ich versuche „die Berichterstattung von HV zu unterdrücken“?
    Bitte HV erklären Sie uns, ob Sie das auch so sehen.

    • Ich glaube, dass der Verdacht gegen Gyurcsány durchaus berechtigt ist, sehen Sie sich nur mal an was HV berichtet hat. Beweiskräftig ist das natürlich nicht, weil ja die Diplomarbeit verschwunden ist (übrigens ein Armutszeugnis für Gy., dass er seine Arbeit verschlampt…) – deswegen wird ihm auch niemand das Diplom aberkennen. Nichtsdesto trotz finde ich es weltfremd, Gy. hier als Unschuldslamm darstellen zu wollen…

  4. Palóc, was mir auffällt: Als HVG eindeutige Beweise im Jänner 2012 brachte, dass Pál Schmitt ein Plagiat begangen hat, wurde zwei Monate geleugnet und Fidesz liess P.S. ins Messer laufen.
    Natürlich ist nichts auszuschliessen, aber in einem Rechtsstaat gilt das Unschuldsprinzip. Niemand versucht hier F.G. als Unschuldslamm darzustellen.
    Ich haben ganz klar geschrieben, was man von F.G. erwarten kann, sollte es Beweise geben. Wenn aber HIR TV eine Fidesz nahe Fernsehstation eine Kampagne startet, ohne relevante Beweisstücke vorzulegen, ist Vorsicht geboten.

    • „Fidesz liess P.S. ins Messer laufen”
      Herr Pfeifer, Schmitt ist keinem ins Messer gelaufen. Die Signale von Fidesz Richtung Schmitt waren eindeutig schon Tage vor dem Rücktritt. Dass Schmitt seinen hoffnungslosen Kampf noch weitergeführt hat und den Zeitpunkt für einen Rücktritt mit mehr Würde verpasst hat, kann er sich und vor allem seinen Beratern zuschreiben.

      Die Beweise von HirTV gegen Gyurcsány begründen einen dringenden Tatverdacht Plagiat begangen zu haben. Gyurcsány hat noch vor nicht allzu langer Zeit den Plagiatsünder Schmitt als Dieb, als Betrüger, als minderwertig im Vergleich zum Durchschnittsbürger bezeichnet. Damit hat er sich soweit aus dem Fenster gelehnt, dass er sich im Falle eines dringenden Tatverdachts in einem ähnlichen Fall gegen ihn nicht hinter der Unschuldsvermutung verstecken kann. Wenn er sich im Fall Schmitt mit seiner Kritik weniger polemisch gewesen wäre und jetzt auf die Vorwürfe etwas geschickter reagieren würde, könnte er die Affäre in seiner aktuellen Position sogar durchstehen auch wenn er Plagiat begangen hat (es waren damals besonders bei einer Diplomarbeit nicht wenige). Nach den scharfen Angriffen gegen Schmitt und den scharfen Angriffen gegen die Journalisten von HirTV aber erwartet von ihm fast die ganze ungarische Öffentlichkeit (nicht nur seine Gegner) die Unwahrheit der Vorwürfe zu beweisen.

    • „…an den Haaren herbeigezogene Fall des F.G.“
      vs.
      „Niemand versucht hier F.G. als Unschuldslamm darzustellen.“
      (Beides aus Kommentaren von Herrn Pfeifer)
      Vielleicht bin ich ja zu ungebildet Ihre Kommentare richtig zu verstehen, aber so viel ich weis bedeutet die Wendung „an den Haaren herbeigezogen“ dasselbe wie „aus dem Himmel gegriffen“ also frei erfunden. Insofern widersprechen sich in meinen Augen Ihre beiden Kommentare.
      Und ich verstehe immer noch nicht, wie man seine Diplomarbeit verschlampen kann… Auf mein Diplom werde ich jedenfalls gut aufpassen.
      Gerüchteweise habe ich gehört, dass Gy. nichtmal das für das Diplom erforderliche Berufspraktikum absolviert hatte und damit die Zulassungsbedingungen gar nicht erfüllt hätte. Schade, dass man für meinen Vater keine solche Lösung finden konnte als er die IHK-Prüfung ablegen wollte… 😉

      Was die Unschuldsvermutung angeht, natürlcih gilt die auch in Ungarn. Meines Wissens läuft kein Verfahren gegen Gy. über den Entzug seiner Diplomarbeit. Nichtsdesto trotz denke ich, dass ein Journalist Ungereimtheiten aufdecken kann und soll und es zum Beruf eines Politikers gehört, sich mit solchen Vorwürfen auseinanderzusetzen. In der Tat denke ich, dass derlei Journalismus auch in Deutschland üblich ist – es gibt genug Sendeformate wie Frontal 21 etc.
      Übrigens: wenn es tatsächlich zwei Versionen von jener Rede von Orbán im europäischen Parlament (sSie wissen schon welche) gäbe, müsste dann nicht auch für ihn die Unschuldsvermutung gelten bis nachgewiesen werden kann, dass Ihre die richtige ist?

      • Was sein Berufspraktikum angeht, so schrieb Index.hu gestern darüber: http://index.hu/belfold/2012/05/04/gyurcsany_felmentest_kapott_a_gyakorlo_tanitas_alol/

        „Was die Unschuldsvermutung angeht, natürlcih gilt die auch in Ungarn. Meines Wissens läuft kein Verfahren gegen Gy. über den Entzug seiner Diplomarbeit. Nichtsdesto trotz denke ich, dass ein Journalist Ungereimtheiten aufdecken kann und soll und es zum Beruf eines Politikers gehört, sich mit solchen Vorwürfen auseinanderzusetzen.“

        Ihrer Aussage schließe ich mich an. Jedenfalls, so lange ein József Debreczeni einfach Dinge über Orbán bahaupten kann und Herr Pfeifer die Stichhaltigkeit dieser Behauptungen damit begründet, dass Orbán nicht dagegen geklagt hätte. Karl Pfeifer damals zu mir:

        „Ob Sie glaubenswürdig finden, was Debreczeni über Orbán und seine Familie behauptet, ist für die Leser Ihres blogs sicher interessant. Aber in Ungarn dürfte doch entscheidend sein, ob die von ihm angegebenen Fakten stimmen oder nicht. Wenn sie nicht stimmen, dann müßte eigentlich der Regierungschef und seine Familie Debreczeni wegen übler Nachrede klagen.“

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/12/02/faz-peter-zilahy-uber-die-junge-ungarische-apo/#comment-4180

  5. Halász János, HVG hat am 11. Jänner dokumentiert, dass Schmitt ein Plagiat begangen hat. Fidesz hat ihn noch zwei Monate zappeln lassen bevor sie ihm in letzter Minute die seidene Schnur gaben.
    Das man von F.G. erwartet dass er beweise, er sei unschuldig, zeigt dass Ungarn auf dem Weg zum autoritären Staat ist. Im Rechtsstaat muss der Staat den Beweis erbringen.

    • „Das man von F.G. erwartet dass er beweise, er sei unschuldig, zeigt dass Ungarn auf dem Weg zum autoritären Staat ist.“

      Demnach war Ungarn ab 2002 ebenfalls ein autoritärer Staat. Damals nahm man sich prominente Personen aus dem – wie Sie sagen würden – „Dunstkreis“ von Fidesz vor und führte eine Rufmordkampagne. Stichwort: László Keller (der damalige „Abrechnungsbeauftragte“). Man verbiss sich in Orbáns Haus im XII. Bezirk, man verbiss sich in Károly Szász… und der MSZP-Abgeordnete Bárándy hat ja schon angekündigt, dass nach einem Wahlsieg seiner Partei die „Politkommissare“ des Fidesz aus den Gerichten entfernt würden: Klingt auch rechtsstaatlich, gell?

      Aber Sie werden uns sicher gleich erklären, warum das seinerzeit gaaaaanz anders war/ist.

      Ganz im Ernst: Die ungarische Politik funktioniert, was den Umgang mit dem Gegner anbetrifft, seit 1989 nicht nach dem Prinzip „Unschuldsvermutung“. Leider, will ich sagen.

    • Herr Pfeifer, Schmitt und Fidesz haben auf das Aufkommen der Plagiatsaffäre im Grunde genommen so reagiert, wie zahlreiche andere Politiker in anderen Ländern es auch getan haben: sie haben abgewartet, wollten sondieren, ob sie die Affäre eventuell aussitzen können. Fidesz wollte Schmitt behalten, Schmitt wollte weitermachen, daher kann vom zappeln lassen keine Rede sein. Die zwei Monate waren tatsächlich zu lang, begleitet von überflüssigen Angriffen auf den politischen Gegner, allerdings war der Umgang mit einer Plagiatsaffäre eine Premiere in der ungarischen Politik. Als bei Fidesz klar war, dass Schmitt unhaltbar ist wurde Schmitt über diese Einschätzung nicht im Unklaren gelassen. Schmitt wollte trotzdem weiter kämpfen. Wenn in dieser Lage Fidesz ihn zum Rücktritt aufgefordert hätte wäre es für Schmitt genauso schlimm gewesen. Für viele (wahrscheinlich auch für Sie 🙂 wäre das wieder ein Beweis für die diktatorischen Züge von Viktor Orbán gewesen.

      „Das man von F.G. erwartet dass er beweise, er sei unschuldig, zeigt dass Ungarn auf dem Weg zum autoritären Staat ist.”

      Sie hätten recht, wenn ihm die Unschuldsvermutung in einem Gerichtsverfahren oder in einem Verfahren zur Aberkennung seines Diploms entzogen wäre. Das ist aber nicht der Fall, es handelt sich hier um die öffentliche Debatte die Gyurcsány mit seinen Aussagen zu Schmitt selber mitaufgeheizt hat. In der Politik gilt nicht nur in Ungarn: wer austeilt muss auch einstecken können. Der dringende Verdacht ist gegeben. In westlichen Ländern ist auch keine Seltenheit, dass von einer Person des öffentlichen Lebens in ähnlicher Situation die Öffentlichkeit erwartet, dass er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe widerlegt. Spontan fällt mit dazu die Haaranalyse von Christoph Daum ein.

      Und noch ein Aspekt: die Recherchen von Journalisten scheinen zu bestätigen, dass Gyurcsány ohne die vorgeschrieben Praktika und ohne selbständige Diplomarbeit sein Diplom bekommen hat. Ermöglicht wurde das höchstwahrscheinlich durch eine Bevorzugung aufgrund seiner Karriere bei der Kommunistischen Jugendorganisation (KISZ) an der Hochschule. Der Aspekt Bevorzugung aufgrund der Karriere bei den Jungkommunisten gibt der Affäre zusätzliche Brisanz.

  6. Gibt es hier jemanden, der sich der Auffassung anschließen würde, dass F.G. eine irgendwie tragische Figur ist? Ein Politiker, der durchaus ein moralisches Fundament besitzt, aber immer wieder über die eigenen Füße und den erbitterten Hass seiner politischen Gegner stolpert? Mich macht die weit verbreitete Dämonisierung dieses Mannes eigentlich skeptisch und ich würde dazu gern mal ein paar grundsätzliche Meinungen lesen. Das interessiert mich viel mehr als diese genüsslich zelebrierte Plagiatsaffäre.

    Um vielleicht noch einige — sicherlich für Kontroversen sorgende — Stichworte zu geben: Hätte seine berüchtigte Öszöd-Rede z.B. nicht auch ganz anders aufgenommen werden können (als anerkennenswerter Versuch, die eigene Partei aus der Logik von Lethargie und Vorteilsnahme zu befreien)? Hat er nach der anfänglichen Ausgabenexplosion seit Medgyessy nicht doch versucht, den Haushalt wieder ein Stück weit in den Griff zu bekommen, wobei auch die Finanzkrise 2007/08 zum Misserfolg beitrug? Ist sein Einsatz für Minderheiten- und Menschenrechte wirklich nur instrumentell?

    • Meines Erachtens ist Gyurcsány keine tragische Figur. Der typische tragische Held befindet sich in einem Dilemma, und kann nicht handeln, ohne dass es ihm schaden würde. Gyurcsány erfüllt diese Kriterien m.E. nicht. Er konnte jederzeit so handeln, dass ihm Ungutes erspart geblieben wäre: Er hätte die Rede von Öszöd nicht halten müssen, er hätte zuvor die Lage des Landes nicht verschleiern müssen (das Finanzministerium hielt die Konjunkturdaten sogar mit dem Argument zurück, sie könnten „die Wahlen beeinflussen“, er hätte nach Herbst 2006 zurücktreten und Rückgrat beweisen können, und: er hätte seinen Mund zu den Plagiatsvorwürfen halten können, statt abermals die Unwahrheit zu sagen und sich zuvor bei Schmitt zum Moralapostel aufzuschwingen…

      Über seine Wirtschaftspolitik kann man streiten. Meinetwegen auch über Öszöd, auch wenn ich es ganz anders sehe als Sie. Die Aussage aber, er habe sich für Minderheiten und Menschenrechte eingesetzt, ist für mich aber gänzlich unverständlich. Ich sehe nichts dergleichen bei Gyurcsány. Sein Gesicht in die Kamera zu halten, wenn es gegen „Faschismus“ geht, ist m.E. instrumentell. Er tat weniger gegen die Garde als Orbán.

    • 1. Ich denke nicht, dass Gy. ein hervorzuhebendes „moralisches Fundament“ besitzt. Vielmehr ist er ein Narziss und Oportunist. Heute ist er der Mehrheit in Ungarn ein Hassbild – das hätte er vermeiden können hätte er damals Kreuz bewiesen indem er 2006 zurückgetreten wäre und sich aus der Politik zurückgezogen hätte. Zu seiner Person ist mir kein Pendant im Westen bekannt. Seine Art ist durch seine oberlehrerhafte Weise ebenfalls zutiefst unsympathisch – ich bezweifle, dass er im Westen überhaupt so weit gekommen wäre. So weit ich gehört habe, stand er bei internationalen Treffen auch immer allein in der Gegend herum – offensichtlich war er seinen Amtskollegen ebenfalls unsympathisch.
      Ich bin zwar ein Gegner von Plagiatshetze, aber in diesem Fall ist er selbst Schuld, weil gerade er die Plagiatsaffäre seines Gegners ausschlachten wollte. Daher stolpert er auch weniger über den Hass seiner politischen Gegner als über sich selbst. Ich denke, dass Mitleid wegen der Plagiatsaffäre hier fehl am Platze ist. Wie Herr Pfeifer sagen würde „wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen“ oder wie ich es sage „wer anderen eine Grube gräbt…“ Aber möglicherweise ist gerade das das richtige Signal um diese Hetze zu beenden.

      2. Nein, ich denke nicht, dass mein seine Lügenrede anders bewerten könnte. Der Versuch es so hinzustellen, dass er endlich reinen Wein eingeschenkt habe, geht ins Leere, denn dazu hätte er diese Rede öffentlich halten müssen, anstatt dass sie gegen seinen Willen an die Öffentlichkeit geriet.

      3. Er mag in seiner Wirtschaftspolitik nur ein schlechtes Händchen gehabt haben, dennoch ist es eine Ausrede die wirtschaftliche Situation Ungarns auf die Finanzkrise zu schieben – die war nur der Gnadenschuss. Er hat’s halt versaut, nicht nur ein bischen, sondern ganz schön. Ich erkenne in seiner Politik auch keinen sonderlichen Einsatz für Menschenrchte oder Minderheiten. Wo waren die Menschenrechte 2006 und wann hat er sich für die ungarischen Minderheiten eingesetzt (anstatt nur zu reden? Auch für die Zigeuner hat er nicht wirklich etwas getan, sondern nur drüber geredet.

      Letztlich ist er insoweit eine tragische Person als das er nicht wahrnimmt wie unsympathisch er auf andere wirkt und wie sehr er gescheitert ist.

      Sein Sie mir nicht böse, aber ehrlich gesagt kommt es mir vor als hätten Sie die letzten 10 Jahre verpasst…

    • Ungarnfreund: Welche genüsslich persiflierte Plagiatsaffaire? Ich sehe in den deutschen Medien nur eine, die von Pál Schmitt. Da ist auch keinem Ungarnkritiker langweilig geworden.

      Gyurcsánys Unverschämtheit ist ja bei dieser Affaire mit Händen zu greifen. Er hat tatsächlich die Chuzpe besessen, zu behaupten, der Schwager habe ihn plagiiert (als dessen Diplomarbeit kürzlich doch auftauchte). Das ist einfach unerträglich und es kennzeichnet den Mann, seit er die Basis seiner postkommunistischen Laufbahn legte, indem bei der Privatisierung kommunistischer Liegenschaften an verlässliche Genossen mit bedacht wurde.

      Was an ihm ist tragisch – ausser, dass er immer noch da ist, und damit vor allem eine geschlossenere und vernünftigere Opposition verhindert, und weiterhin den politischen Dialog mit seiner Totschlag-Rhethorik vergiftet? Die Opposition wäre der größte Nutzniesser, wenn er nun endlich sein gerechtes politisches Ende finden sollte. Es wäre Ungarn sehr zu wünschen.

      • Gyurcsány zu Olga Kálmán:

        „Was, wenn die der Öffentlichkeit präsentierte, angebliche Diplomarbeit meines Ex-Schwagers gar nicht von ihm stammt, sondern ein Stück Papier ist, das man nachträglich auf Grundlage meiner gestohlenen Diplomarbeit hergestellt hat? Wissen wir es denn?“

        Diesem Mann scheint wirklich nichts zu peinlich.

      • Ich schrieb: „zelebriert“, nicht „persifliert“. Als Ausländer nehme ich die Hasstiraden gegen F. G. in Ungarn durchaus mit Befremden war. Man mag ja von ihm halten, was man will. Mein Reflex als jemand, der 2006 nur vom Hörensagen kennt, ist aber: so mies kann ein einzelner Mensch gar nicht sein. Ich sehe auch keinen Grund dafür, diesen Zirkus in den deutschen Medien nachzuvollziehen. Bei Schmitt war’s etwas anderes: der war Staatspräsident, nicht Chef einer Splitterpartei.

      • Lieber Ungarnfreund,
        sind Sie der Auffassung, dass die Causa Gyurcsány in der deutschsprachigen Mainstream-Presse ebenso breit behandelt würde, wenn Gyurcsány Ministerpräsident wäre? Ich frage das vor dem Hintergrund, dass Gyurcsány auch damals seine Fehler hatte, von denen aber nicht ansatzeise so viel zu hören war wie jetzt von Orbans tatsächlichen oder vermeintlichen Fehlern.

      • Ich sehe die Frage der Bedeutung F.Gs und Schmitts genau umgekehrt: Schmitt hatte nie irgendeine politische Bedeutung, Gyurcsány hingegen war nicht nur Ministerpräsident, sondern einer der Architekten der politischen Radikalisierung in Ungarn, und ist noch heute weit einflussricher als seine Partei -.er ist wie gesagt ein Grund, warum die Opposition keinen Boden unter die Füsse bekommt, und warum der politische Diskurs nicht gesunden kann.

      • Ich denke, dass jede Plagiatsaffäre eines Staats- oder Regierungschefs oder eines bedeutenden Ministers eines EU-Lands (also bei Involvierung wichtiger aktueller Amtsinhaber) in den deutschen Medien eine gewisse Aufmerksamkeit erfahren würde. Mit Verteidigungsminister a. D. Guttenberg ist Deutschland ja zum Ursprungsland dieses Skandal-Typus geworden. Dieser Fall schaffte es umgekehrt auch in die ungarischen Medien, die Nachfolgefälle (deutsche Europaabgeordnete, Landesminister usw.) verständlicherweise schon nicht mehr.

        Ich glaube nicht, dass man in Deutschland mit der Begründung, die Herr Kálnoky lieferte, einen Chefredakteur davon überzeugen kann, ein größeres Stück über Gyurcsánys Plagiatsaffäre zu bringen. (Aber Sie können es ja mal auf einen Test ankommen lassen und mich vom Gegenteil überzeugen.) Orbán hat keine Plagiatsaffäre am Hals. Deswegen ist der Vergleich hier ein wenig schwierig. Ich weiß aber, dass viele der Meinung sind, dass die deutsche Presse auf dem linken Auge blind ist und Gyurcsánys Wirken als Ministerpräsident im Allgemeinen zu wenig beachteten oder zu milde bewerteten.

        Ich bin da unentschieden, weil ich eben diesen Reflex habe, dass ein einzelner Mensch gar nicht so niederträchtig und falsch sein kann, wie Gy. oft dargestellt wird. Ich bin ja auch der Meinung, dass man die Person Orbáns nicht dämonisieren sollte und finde György Konráds Aussage, O. sei eben ein schlechter Mensch, irgendwie sinnlos. Anders als Berlusconi schreibt O. sich keine Gesetze persönlich auf den Leib. Er und seine Weggefährten wie Parlamentspräsident Kövér glauben allerdings wie seinerzeit Helmut Kohl (ganz deutlich in der Parteispendenaffäre) zu sehr an die historische Mission der eigenen Partei, an eine Art Auserwähltheit. Hierüber könnte diese Regierung eines Tages stolpern. Hybris kommt vor dem Fall.

      • @ungarnfreund

        „Ich glaube nicht, dass man in Deutschland mit der Begründung, die Herr Kálnoky lieferte, einen Chefredakteur davon überzeugen kann, ein größeres Stück über Gyurcsánys Plagiatsaffäre zu bringen. (Aber Sie können es ja mal auf einen Test ankommen lassen und mich vom Gegenteil überzeugen.)“

        Nun ja, wir hatten es immerhin auf unserer Titelseite – aber zugegeben waren wir damit in Deutschland ziemlich allein.

        http://www.welt.de/print/die_welt/article106238042/Der-naechste-Schwindler.html

      • „…, weil ich eben diesen Reflex habe, dass ein einzelner Mensch gar nicht so niederträchtig und falsch sein kann, wie Gy. oft dargestellt wird …“

        Wenn ich mich nicht irre, lernte ich Gy. 1987 kennen. Ich unterrichtete Jura-und Volkswirtschaftsstudenten an der Pécser Universität. Gy. tauchte erst zum Semesterende auf und verlangte eine „Teilnahmebescheinigung“. Man riet mir, sie ihm auszustellen!
        „Kolléga úr, hát maga nem tudja, hogy kik állnak mögötte?“

        Bei Gott, ich gebe ja Ungarnfreund recht! „Ein einzelner Mensch kann gar nicht so niederträchtig und falsch sein“ !

        Es soll Fälle gegeben haben, in denen eine manuelle Reflextherapie Linderung brachte.

      • „Das ist einfach unerträglich und es kennzeichnet den Mann, seit er die Basis seiner postkommunistischen Laufbahn legte, indem bei der Privatisierung kommunistischer Liegenschaften an verlässliche Genossen mit bedacht wurde.“

        Ist es nicht etwas eigenartig, wenn ob seiner Amoralität aufgebrachten Menschen vor der Villa Gyurcsány’s demonstrieren, in den Medien nicht einmal zufällig Erwáhnung findet, dass:

        Diseser Familiensitz in dem der Gyurcsány als Kuckucksei residiert, in der stalinistischen Ära von einer wohlhabenden jüdischen Familie ersatzlos enteignet, und dem schmierigen Erzkommunisten, Antal Apró zugeschanzt wurde, dem Gründervater des Apró-Klans, an dessen Spitze jetzt Gyurcsány steht.

      • Herr Kálnoky, Ihre Meldung zur Plagiats-Affäre Gyurcsány in der Welt kannte ich sogar. Deshalb schrieb ich, „ein größeres Stück“ werde man über diesen Fall vermutlich nicht in der deutschen Presse unterbekommen. Das vermute ich bis zum Beweis des Gegenteils weiter, nicht weil ich Gyurcsány für so supertoll, sondern weil ich ihn für nicht mehr bedeutend genug halte. Dazu müsste er schon ein aktuell wichtiges Amt innehaben.

        Die anderen aggressiven Herren bitte ich um Nachsicht angesichts meiner menschlichen Regungen und Reflexe. Sehen Sie, ich weigere mich einfach, mich weiter in diesen Grabenkampf hinein zu begeben, zu dem politische „Diskussionen“ in Ungarn so schnell ausarten. Abschließend: Ich wollte auch nicht in die Rolle des Gyurcsány-Verteidigers geraten, ich wollte nur mal diese unglaubliche Leidenschaft bei seiner Verdammung hinterfragen.

      • @ungarnfreund:
        „ich wollte nur mal diese unglaubliche Leidenschaft bei seiner Verdammung hinterfragen“

        Ein hilfreicher Tipp für dieses Unterfangen:

        Es gab diese Leidenschaft nicht, als er sein Amt antrat. Ergo mag ein Zusammenhang bestehen zwischen dem, was er tat, und der darauf folgenden Leidenschaft. Den lohnt es sich herauszuarbeiten.

        Und keine Angst haben vor Leidenschaft 🙂 obzwar ich weiss, in Deutschland wirkt sowas befremdlich.

    • Ungarnfreund: Für die Öszöd-Rede sind zwei Interpretationen gleichzeitig richtig: 1) Eingeständnis der Lügen und des Wählerbetrugs 2) Versuch, die Partei aufzurütteln und einen Neuanfang anzustoßen. Wenn Gyurcsány nach der Veröffentlichung die Konsequenz gezogen hätte und zurückgetreten wäre, wäre der Rücktritt für die Lügen und Wählerbetrug gleichzeitig die Buße gewesen. Das hätte die Wirkung der Interpretation Nr 1) erheblich abgeschwächt: die Rede würde wahrscheinlich als Neuanfangsrede in Erinnerung bleiben. Er ist aber nicht zurückgetreten, so blieb die Interpretation Nr 1) dominant und Gyurcsány als Lügner in Erinnerung. Es hat schon eine gewisse Tragik, dass er ausgerechnet durch diese Rede, die von ihm gut gemeint war in einen Rücktrittzwang geraten ist. Für den ausgebliebenen Rücktritt trägt aber er die Verantwortung.

      Von einer Dämonisierung würde ich nicht reden. Sicherlich ist er aber eine Reizfigur, ein Gegner auf den man sich gerne eindrischt. Teils dadurch, wie er in der Politik agiert (er teilt gerne aus), teils durch die eigene Biographie. Es gibt kaum einen anderen in der ungarischen Politik, der das hineinwachsen des alten Systems in die neue Demokratie so verkörpert, wie Gyurcsány. Die Umstände, wie er zu seinem Diplom gekommen ist, sind auch eine Episode dieser Geschichte. Ich kann das moralische Fundament bei ihm mit bestem Willen nicht erkennen.

  7. „Orbán hat keine Plagiatsaffäre am Hals. Deswegen ist der Vergleich hier ein wenig schwierig.“

    Lieber Ungarnfreund,

    Ich verstehe Ihr grosses Dilemma!

    Wenn die ungarische Linke, wie die Gründungsväter Rákosi, Gerő, Antal Apró, László Rajk, Gábor Péter oder die Familie Farkas, nicht nur Coca Cola in ihren Adern fliessen hätten, dann hätten sie gegen diesen für sie unnatürlichen Zustand in den 8 Jahren ihres Wütens vorbeugend längst etwas getan.

    Jetzt auf die Schnelle etwas zu improvisieren, trotz heftigem Rückenwind der Medien, wäre heute schon mehr als riskant. Zu all diesem Übel auch noch dieser János Áder, an dem auch kein „linker“ Griff zu finden ist. (A szegény embert még az ág* is huzza! Etwa: Einem armen Meschen, gleich was er auch tut, gereicht alles zum Nachteil.)

    So bleibt den Jüngern dieser Alt-Kommunisten nach den „7 fetten Jahren“ nichts anderes mehr übrig, als den unvermeidlichen „7 mageren Jahten“ entgegenzudarben.

    *“ág“ ist kein Kode-Wort für Attila Ágh (ebenfalls ein Fan der von Gyurcsány, und der untergegangenen extremen Linksliberalen), wie Magdalena Marsovszki mich wőrde sofort demaskieren!

  8. „Ich bin da unentschieden, weil ich eben diesen Reflex habe, dass ein einzelner Mensch gar nicht so niederträchtig und falsch sein kann, wie Gy. oft dargestellt wird.“

    Ungarnfreund,

    In Ungarn ist die Ansicht weit verbreitet, dass Gyurcsany seine Untaten gewerbswmässig, und als Boss einer maffiaähnlichen Vereins beging.

    Ich gesthe offen, dass aufgrund der schwerwiegenden Indizien ich selbs dieser Meinung bin.

    Ich hoffe, dass es ihm Mal gelingt, sich wenigstens teilweise reinzuwaschen.

    Die Mohren-Wäsche in den linken Medien läuft bereits auf Hochtouren, um den Boden für dieses Vorhaben mit dem Einsatz aller Propagandamitteln vorzubereiten.

  9. „Ich bin ja auch der Meinung, dass man die Person Orbáns nicht dämonisieren sollte und finde György Konráds Aussage, O. sei eben ein schlechter Mensch, irgendwie sinnlos.“

    Ungarnfreund,

    Wirklich ein kluges Wort, eine kluge Analyse von Ihnen.

    Übrigens dieser pharisäisch scheinheiliger György Konrád sollte auch etwas vorsichtiger verläumden. Er hat mt seiner zwielichtiger Vergangenheit mehr als genug auf dem Kerbholz.

    Auch wenn ihm das deutsche Sprichwort: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“ nicht so geläufig sein sollte, müsste er sich wenistens am ungarischen Pendent seinen Vertstand etwas schärfen.

      • Lieber Hungarianvoice,

        Ich könnte mich auch besonders geehrt fühlen, dass Sie mich mit ihren kritischen Bemerkungen so gerne beehren. Doch langsam bekomme ich ein komisches Gefühl, denn Sie scheinen gegenüber der Parteigänger der ungarischen Linke bei ihren Behauptungen trotz all ihres Diskussionswillens grössere Toleranz an den Tag zu legen, als mir gegenüber.

        Doch keine Bange, ich werde mich auch weiterhin bemühen, meine höchst persönliche Kommentare mit hinreichender Begründung untermauern. Dies vor allem an alle jene Leser meiner Beiträge, die ohne diesen zu widersprechen oder gar als unwahr bloss zu stellen, mich mit ihren negativen Noten konsequent so gerne erfreuen.

        HV, die Begründung meiner kritischen Einstellung Konrád gegenüber hole ich umgehend nach.

        Doch möchte ich mich vorerst der Freude hingeben, dass es Mr. Holland gelungen ist, auch wenn nur mit Hilfe der rechtsradikalen Wählerstimmen, für die französischen Sozialisten den knappen Sieg über Mr. Sarkozy zu erringen.

        Ein kleiner Schritt für Mr. Holland, doch ein grosser Sieg für die Menschheit!

      • Herr Unger,
        Ihre Gefühlswelt ist Ihre Sache. Vieles ist eine Sache des Tonfalls, und der missfällt mir bei Ihnen trotz Ihres krampfhaften Versuchs, sich gewählt auszudrücken, oft.

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