Spiegel: Keno Verseck über „Orbáns desolate Halbzeitbilanz“

Keno Verseck beschreibt in SPIEGEL die Lage in Ungarn aus seiner Sicht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,830579,00.html

 

 

9 Kommentare zu “Spiegel: Keno Verseck über „Orbáns desolate Halbzeitbilanz“

  1. Ich bin jetzt ein wenig enttäuscht. Sonst kommentiert doch HV was diese ausländischen Journalisten alles falsch sehen. Doch bei diesem Artikel von Keno Verseck bekommen wir keine Kritik zu lesen. Warum?
    Ein Vergleich mit dem Parlament der ungarischen Hälfte der k.u.k. muss natürlich zuungunsten des jetztigen ausfallen, wie das György Dalos richtig bemerkt.
    Gestern auf ATV ein Interview von Olga Kálmán mit Gábor Fodor gesehen.
    Er wirft tatsächlich F.Gyurcsány vor, die Methoden des V.Orbán zu kopieren.

    • Zu Keno Verseck ist von meiner Seite schon lange alles gesagt. Mögen die Leser ihre Auffassung dazu kundtun, insbesondere zu den Kommentaren zum Spiegel-Artikel. Da wird der Rauswurf Ungarns aus der EU propagiert, die Einrichtung eines Kapitalfonds für die „Nach-Orbán-Zeit“ (bis dahin sollten Gelder gesperrt werden), es hagelt Belehrungen in Sachen Demokratie und Meinungsfreiheit. Ein Glück, dass die Spiegel-Leser dank Verseck & Koll. in der Lage sind, die Situation so gut zu beurteilen können.

      Vielleicht noch das: Verseck nähert sich immer mehr dem Stil des Pester Lloyd an. Und da, was er sich zu Áder aus den Fingern saugt, ist keiner vertieften Auseinandersetzung würdig. Da ist wieder ein Hellseher am Werk, der schon jetzt weiß, wie einer sich zukünftig verhalten wird…

      Ich bin froh, dass Sie von ihrem üblichen Stilmittel, fehlende ausdrückliche Kritik als Zustimmung zu sehen, diesmal abgesehen haben. Mit dieser Logik kommen Sie nämlich bei mir nicht weiter.

      Wenn Sie Kálmán schon erwähnen: Sehen Sie es wie Fodor?

  2. HV danke für die Antwort. Was das angebliche Plagiat anlangt, sehe ich es so wie Fodor.
    Was das kopieren von Orbáns Methoden anlangt bin ich nicht seiner Meinung kann aber aus Gründen der Zeitökonomie nicht erklären.

  3. Ich habe generell Schwierigkeiten mit Artikeln, in denen wie hier die Grenze zwischen Bericht und Kommentar verschwimmt. Drei Anmerkungen:

    – Dass Ungarn finanziell vor dem „Ruin“ steht (weil es einen Stand-by-Kredit des IWF anstrebt?), würde ich so nicht unterschreiben, auch wenn die Lage angespannt ist. Richtig sind hingegen folgende Elemente der „Halbzeit-Bilanz“: Nation tief gespalten, außenpolitisch im Abseits.

    – Wieso finden Sie die Ausführungen zu Áder irrelevant, HV? Weil der Autor aus Ihrer Sicht nicht die „richtigen“ Prognosen abgibt? Ich denke, eine vernünftige Beurteilung Áders lautet: intellektuell begabt, juristisch vorgebildet, autonome Persönlichkeit, aber doch loyaler Fidesz-Mann. Prognose: superkritisch wird er nicht sein, aber vielleicht hier und da eigene Akzente setzen.

    – Wo wird in dem Artikel der Rauswurf Ungarns aus der EU propagiert? Ich lese da nur die zutreffende Aussage, dass Orbán sich vor heimischem Publikum mal wieder bockbeinig präsentiert: „Wir nehmen nichts zurück, heben nichts auf und ändern nichts.“ Nehmen Sie’s doch mal zur Kenntnis: der Mann redet zu Hause anders über Europa als auf internationalem Parkett. Falls Herr Kálnoky Recht hat, würde ich Orbán empfehlen, dass er sich auch seine Budapester Europareden von Herrn Schöpflin schreiben lassen soll.

    • @ Ungarnfreund:

      1. Ich schrieb nicht, dass in dem Artikel der Rauswurf Ungarns aus der EU propagiert wird, sondern in den Kommentaren zum Artikel. Überzeugen Sie sich selbst. Ihre Belehrung, ich solle „mal was zur Kenntnis nehmen“, trifft daher den Falschen.

      2. Was Áder betrifft, schrieb ich: „Und das, was er sich zu Áder aus den Fingern saugt, ist keiner vertieften Auseinandersetzung würdig.“

      Was ich damit meine, erläutere ich Ihnen gerne:

      „Áder ist damit der erste postkommunistische Staatspräsident Ungarns, der keine überparteiliche Persönlichkeit, sondern ein gestandener Politprofi ist“.

      Erstens: Was ist daran schlimm? Hatten wir nicht gerade einen Bundespräsidenten Christian Wulff? (oder darf Deutschland das, weil wir eine „echte“ Demokratie sind?) Und wie war es um die „Überparteilichkeit“ – im Sinne von Unabhängigkeit – des Árpád Göncz bestellt? Und fehlte zur Überparteilichkeit nicht auch die Bereitschaft der Opposition? Alles, was die MSZP fertig brachte, war, László Sólyom (den ich hoch schätze) zu nominieren – kann man sich lächerlicher machen als Partei, die Sólyom einst bekämpft hat und die (ach so unabhängige) Katalin Szili (MSZP) nominiert hatte?

      Ganz nebenbei vergisst Verseck, dass Áder 1998-2002 auch schon einmal Parlamentspräsident war. Das hört sich wohl zu gut an (ist doch ein würdevolles Amt, noch dazu eines, das er m.E. recht gut ausfüllte; jedenfalls besser als László Kövér heute). Stattdessen wird Áder zum „Vorarbeiter“, zum Polier Orbáns. Der Hang, jedermann zum Büttel des Viktor Orbán zu machen, ist so zwanghaft, man schlägt sich die Hände über dem Kopf zusammen.

      Zu den Fakten: War Áder 2002 und 2006 tatsächlich Wahkampfstratege? Jedenfalls im Jahr 2002 würde mich das sehr wundern.

      Und wie sieht es mit der angeblich so „unbedingten Loyalität“ Áders aus, der ihm den Weg aus der „Verbannung“ geebnet haben soll? Das Verhältnis zwischen Orbán und Áder war alles andere als prickelnd, eine Information, die ich sehr selten lese; es könnte ja das Bild des Büttels relativieren. Passt nicht ganz dazu, dass es gar Bestrebungen gegeben haben soll, eine neue konservative Partei mit der Mitwirkung Áders zu gründen.

      Um sein Bild zu vervollständigen, hätte Verseck lediglich eine Information hinzufügen müssen (Herr Pfeifer, das ist auch für Ihren nächsten Beitrag von Belang!!): János Áder stand bei einer Fidesz-Feier tatsächlich neben Zsolt Bayer. Bei einem Stück Kuchen. Ein Skandal! 🙂 Hier der Beweis:

      Lieber Ungarnfreund, Prognosen zu Áder gibt Verseck nicht ab. Er versucht vielmehr, den Mann zu dem zu machen, den er für seine Argumente braucht: Zu einem Pál Schmitt 2.0, einem Knecht. Ganz wie es der Pester Lloyd tut. Was Áder eigentlich nur zum Vorteil gereichen kann. Die erste Überraschung hat er schon gebracht, seine Antrittsrede. Von den Worten Áders lesen wir bei Verseck übrigens kein Wort. Ist aber sicher Zufall…

      • Sorry, es war gestern schon spät. Sie haben Recht: Der Rausschmiss Ungarns aus der EU wird im Artikel nicht gefordert und Sie haben das auch nicht behauptet. Ihre Anmerkungen zu Áder teile ich durchaus. Ein einfacher Büttel Orbáns wird er nicht sein. Aber ich teile nicht Ihre Ansicht, dass man sich mit Versecks Aussagen zu Áder nicht auseinander zu setzen braucht. Sie enthalten auch Zutreffendes.

        Göncz war Umfragen zufolge der beliebste Präsident, den Ungarn je hatte. Er war zwar SZDSZ-Mitglied, aber kein normaler „Politprofi“, sondern ein über die Parteigrenzen hinweg geachteter Schriftsteller-Präsident. (Bedauerlich, dass er international nicht so anerkannt wurde wie etwa Vaclav Havel.) Vergessen wir nicht: Göncz wurde Präsident, obwohl seine Partei nicht an der Regierung Antal beteiligt war. Das waren wohl andere Zeiten damals. Bevor Sie mich „belehren“ *smile* — ja, mir ist bekannt, dass Antal zuvor einen Deal mit dem SZDSZ hinsichtlich der 2/3-Gesetzen usw. gemacht hatte.

        Zu Wulff muss ich sagen, dass es mir Leid tat, welches schnelle Ende seine Amtszeit nahm und das, obwohl ich von Anfang an eher für Gauck war, den ich für die interessantere Persönlichkeit halte. Aber auch Wulff hat gerade in der Integrationspolitik Zeichen gesetzt, z.B. mit seiner Aussage, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre und mit seinem Bemühen um die Würdigung der Opfer rechtsextremer Gewalt. Aber das ist jetzt deutsche Politik…

  4. @hungarian voice:

    Ich empfehle Ihnen einfach nur die Lektüre der neuen Verfassung im Vergleich zur deutschen und der vorherigen. Und dann stellen Sie sich vor, dass Herr Orban vielleicht doch kein netter Zeitgenosse ist- ohne das jetzt zu bewerten. Wissen Sie was dann passiert? Es gäbe kein rechtliches Mittel dagegen.

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