Ungarn verstehen? – Ein Beitrag der Böll-Stiftung zu Ungarn

Wolfgang Klotz hat für die Böll-Stiftung einen Beitrag zum Thema Ungarn verfasst:

http://www.boell.de/weltweit/europanordamerika/europa-nordamerika-ungarn-verstehen-viktor-orban-14518.html

Ich bitte die Leser des Blogs um Kommentare zu den Ausführungen Klotz´.

 

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58 Kommentare zu “Ungarn verstehen? – Ein Beitrag der Böll-Stiftung zu Ungarn

  1. Meiner Meinung nach verweist W. Klotz auf viele Aspekte, die durchaus zutreffend und richtig sind. Jedoch vermengt er diese irgendwie auch und mich beschleicht das Gefühl, dass er sie doch recht willkürlich und/bzw. der eigenen Ideologie vermischt. Das offenbart sich für mich am besten im letzten Satz/Absatz:

    „Viktor Orbáns Werte, die er uns in seiner Politik und in seinem Interview präsentiert, wollen aber gar nicht durch Diskursivität gefunden werden. Sie sind einfach da und verlangen danach, respektiert zu werden. Denn schließlich muss ja eine Ordnung sein.“

    Hierbei ist der allerletzte Satz reinste Polemik: weder Sachaussage noch Wertung oder Meinung. Er ist nur ein Hieb auf Orbán. Gut, könnte man sagen: Leute, die uns nicht passen, machen wir schon einmal lächerlich. ABER: was steht davor: „Orbáns Werte […] verlangen danach, respektiert zu werden.“ Dieses Verlangen als etwas Schreckliches darzustellen, obwohl diese Werte an sich weder komisch noch esoterisch und erst recht nicht menschenfeindlich oder rassistisch sind (zumindest kenne ich keine solche Orbán-Werte), diesen Werten also den Respekt zu verweigern, zugleich aber auf Diskursivität und Narrativität zu bestehen, ist für mich widersprüchlich. Ich will ja damit nicht sagen, dass man auch den Werten eines Faschisten gegenüber Respekt empfinden muss, aber Orbán ist ja kein Faschist. Von daher ist es doch die Grundbedingung, ihm zuerst einmal einen Mindestrespekt entgegenzubringen, selbst wenn man mit seinen Ansichten nichts anfangen kann. Da Herr Klotz dies offensichtlich nicht tun kann, disqualifiziert er damit seine vorausgehenden Aussagen. Denn wie soll ich jemanden (und dessen Argumente) ernst nehmen, der dem Gegenüber keinerlei Respekt entgegenbringt?
    Ich bin ja auch mit vielen Ansichten von HV nicht einverstanden und teile offensichtlich seine Werte nicht, doch respektiere ich sie sehr wohl und versuche eventuell und anschließend, sie zu widerlegen und mich mit ihm über sie zu streiten. Und so zur Diskursivität und Narrativität zu gelangen. Aber der Ausgangspunkt ist doch, dass ich ihn und seine Werte respektiere.

    • Warum ist der letzte Satz „reinste Polemik“ – und was ist schlecht an Polemik, solange sie sich an die Regeln menschlichen Disputes hält?

      Mein Hauptgedanke war, dass die politik Orbáns in einer Kontinuität mit der Tradition des Kommunismus steht – und dies ist eine Kontinuität des Autoritären. Es ist nun einmal die Art des Autoritären, dass sie Werte behauptet, ohne sie zu begründen, als sei schon die Frage nach ihrer Begründung ein frevelhafter Akt ihrer Nicht-Anerkennung.

      Diese Werte – so behaupte ich – wollen auch nicht in einem gesellschaftlichen Prozess einer offenen Debatte gefunden und entwickelt werden.

      Warum, bitte, ist ein starkes Europa ein Wert? Worin soll seine Stärke bestehen? Wie soll sie sich auswirken (vor allem auf die Schwachen)? Meint Orbán nicht, wenn er ehrlich ist, ein stärkeres Europa? Stärker als wer? Mit welchem Recht begründet sich der Anspruch auf solche Stärke usw. usw.?

      Orban sprich von seinen Werten als seien es katholiche Dogmen. Aber selbst die sind begründet – auch wenn man die Begründung nicht nacvollziehen mag.

      • herr klotz, könnten sie uns verraten, warum kommentare unter ihrem artikel auf der böll homepage nicht freigeschaltet werden?

      • ich meinerseits sehe überhaupt kein problem in einem „starken europa“, wenn wir davon ausgehen, dass europa, heute eher schwaechlelt, also eher schwach ist. um hier dem adjektiv „stark“ unbedingt eine bedrohung anzudichten, muss man schon ein sehr geschichtstraumatisierter deutscher sein… honi soit qui mal y pense!

      • „Mein Hauptgedanke war, dass die politik Orbáns in einer Kontinuität mit der Tradition des Kommunismus steht – und dies ist eine Kontinuität des Autoritären. Es ist nun einmal die Art des Autoritären, dass sie Werte behauptet, ohne sie zu begründen, als sei schon die Frage nach ihrer Begründung ein frevelhafter Akt ihrer Nicht-Anerkennung.“

        Der Kommunismus fuhr unter blutroter Flagge. Ihn rosarot als „Kontinuität des Autoritären“ zu verharmlosen, ist eine Art „Vergangenheitsaufarbeitung“, wie ich sie aus Täter- und Mitläuferfamilien kenne. György Dalos hat mit seinem „Roman“ Balatonbrigade sich und diesem Menschenschlag ein literarisches Denkmal errichtet.

        Die Realität des Kommunismus war, sehr geehrter Herr Klotz, totalitär und diktatorisch. Es wurde unbedingter Gehorsam gefordert. Nur dann gab ’s den Gulasch.
        Sie mögen es ja für sehr originell (eredeti) halten, dass Sie Orbán den Stempel aufklatschen, er stünde in der Tradition des Kommunismus. Aber seriös ist das nicht.

  2. Über die psychologischen Analysen der Ursachen kontemporärer ungarischer Poltik vor dem Hintergrund des „Gulaschkommunismus“ mag ich mich nicht auslassen – zu wenig wissenschaftliche Fakten sind mir bekannt und zu wenig mag ich solche ethno-psychologischen Auslassungen.

    Wozu ich mich äußern mag ist die These Klotz´über die mangelhafte Diskursivität seitens der „Rechten“ in der Debatte um europäische Werte. Diese halte ich, mit Einschränkungen, für durchaus gerechtfertigt. Die Ursachen sind meines Erachtens aber nicht einseitig bei der ungarischen Regierung zu finden. Folgende drei Punkte bedingen meines Erachtens das genannte Verdikt:

    – Es gibt keine Klarheit über das politische Ende der europäischen Union. Der Dialog darüber wird, mit Ausnahme der in Deutschland verbreiteten Floskel der „politischen Union“, nicht wahrnehmbar diskutiert und wenn, dann nicht wirklich substantiell. Dadurch fällt es auch schwer, mit neu beigetretenen Mitgliedern einen Dialog über ihre Rolle in Europa und die Anforderungen an sie zu beginnen. Der Acquis Communautaire ist nicht an die Gegebenheiten der EU-27 angepasst worden, der Verfassungsvertrag gescheitert. Einen solchen bräuchte man aber im Umgang auch mit Ungarn. Stattdessen haben wir den Vertrag von Lissabon, der politische Aussagen so weit wie nur möglich ausgrenzt.

    – Es gibt einen klaren Bias in der europäischen Presselandschaft, der die beiden Seiten des gesellschaftlichen und politischen Konflikts in Ungarn nur verzerrt abbildet. Die inhaltlich mangelhafte Kenntnis der politischen und rechtlichen Umstände in Ungarn ist in diesem Blog genügend gewürdigt worden. Schlimmer jedoch, und hier ist eine Verantwortung bei der ungarischen Regierung und konservativen gesellschaftlichen Kräften aus Ungarn durchaus zu sehen, ist die Tatsache, dass eben diese Stimmen in Deutschland nicht wahrnehmbar Gehör finden. Dabei wäre auch das journalistische Interesse in Deutschland vorhanden, wer mit entsprechenden Journalisten bspw. bei der Welt oder der FAZ spricht, dem wird dies bestätigt werden. Anstatt diese Leere zu füllen muss sich der geneigte Leser in Deutschland aber die Einlassungen des Premierministers in der FAZ zu Gemüte führen. Sicher mag dieses schlecht geführt worden sein, Herr Orbán selber hat sich wohl aber auch keinen Gefallen damit getan seine Worthülsen abzufeuern. Dies ist das einzige mir bekannte Interview mit einem prominenten Mitglied der ungarischen Regierung – ein Trauerspiel.

    – Es gibt innerhalb der ungarischen Gesellschaft keinen funktionierenden politischen Diskurs mehr. Stattdesse beschränkt man sich auf verbale Dauerangriffe und politische Boykotts. Ich denke weitere Ausführungen hierzu sind nicht notwendig, die Frontstellungen sind bekannt. Wer aber kann sich an einem europäischen Diskurs beteiligen, der nicht gleichzeitig einen Diskurs im eigenen Land führt. Gibt es diesen nationalen Diskurs, dann ist jede Äußerung in diesem gleichzeitig auch eine Äußerung im europäischen. Gibt es diesen Diskurs nicht, dann ist jede Äußerung im euopäischen Diskurs eine potentielle Schwachstelle in der politischen Auseinandersetzung.

    Zusammenfassen lässt sich vielleicht sagen, dass nirgendwo die „Rechten“ an mangelhafter Diskursivität die Alleinschuld tragen. Für den ersten Punkt können sie nichts. Beim zweiten scheint die Öffentlichkeitsstrategie mangelhaft zu sein, hier gibt es Beratungsbedarf. Der letzte Punkt geht nicht alleine an Fidesz oder Herrn Orbán, vielmehr an die gesamte politische Landschaft in Ungarn. Der neue Präsident Áder hat es in seiner Antrittsrede gesagt: „Es gibt nur ein Ungarn.“ An diesem Ungarn gilt es für alle Beteiligten zu arbeiten,

    • Ich stelle mir beim Lesen des Artikels viele Fragen. Nur zwei Punkte:

      1. Welchem Zweck dient wohl die Einleitung? Hanebüchene Thesen von László Grespik, die mit der aktuellen ungarischen Politik wie auch mit der heutigen ungarischen Regierung (und auch ihren Fehlern) nichts zu tun haben, sondern einzig dem Zweck dienen dürften, jemanden ins Lächerliche zu ziehen.

      2. Die (meines Erachtens zutreffende) These Schöpflins, der auf die tiefe Spaltung der ungarischen Gesellschaft verweist und davor warnt, sich nur auf eine der beiden Seiten zu schlagen, wird von Klotz mit einem grandiosen Wahrheitsbeweis dieser These bedacht. Er schreibt:

      „Dem ließe sich entgegenhalten, dass das Problem wohl eher darin besteht, dass die eine der zwei ungarischen Gesellschaften inzwischen auf die Form des arguments gänzlich verzichtet. Wozu auch sollte sie argumentieren, wo ihr doch die Macht gehört? Und die Macht bevorzugt eindeutig den großen Narrativ, denn der entzieht sich der schellen Kritik. Er bedarf der mühsamen Dekonstruktion.“

      Aha. Das Problem besteht also (nur) bei der Rechten. Die hat keine Argumente, sondern nur Macht (wo war doch gleich die Opposition und ihre Inhalte? Was sagt der Wähler zur Performance der Opposition?)

      Wenn es doch nur so einfach wäre, Herr Klotz. Ein Glück, dass wir einen so genialen Analytiker haben, der die „mühsame Dekonstruktion“ des „großen Narrativ“ zu leisten im Stande ist. Einseitige Schuldzuweisungen, wir kennen sie nur zu gut. Und natürlich will Klotz auch von der Stärkung der ungarischen Rechtsextremen nichts wissen, die durch das hysterische Gekreische jedenfalls begünstigt wird – als könne man seine Mitverantwortung für das, was kommt (und seit Ende 2010 ist), einfach schon einmal vorsorglich von sich weisen. Oder noch besser: Für ihn ist dieses Phänomen kein Argument, denn als guter Demokrat will man ja alles: Fidesz und Jobbik (eh der gleiche Brei) gleichzeitig eliminieren. Und diejenigen an der Macht sehen, die den Aufstieg der Jobbik durch ihr Versagen mit ermöglicht haben. Nach der offiziellen, politisch korrekten Variante darf es freilich nur einen Schuldigen für den Rechtsruck in Ungarn geben: Fidesz und Orbán. Das hören und lesen wir fortwährend, und so muss es wohl auch weiter sein.

      Das wirklich Traurige bei der Sache ist, dass Klotz sich hier mal eben einen derjenigen Menschen bei Fidesz vornimmt, der das verkörpert, was viele im Ausland bei Fidesz sehen wollen: Gemäßigte Politiker. Einen Mann, der bei der Diskussion mit Ágnes Heller in Brüssel sachliche Fragen stellte und nicht nur einmal gezeigt hat, dass er dialogbereit ist. Wahrscheinlich macht ihn das aus Sicht der Böll-Stiftung so gefährlich; man kann Schöpflin eben nicht in die Ecke des Nationalisten und Geiferers drängen.

      • zum ersten: der Zweck, dem die polemische Einleitung mit einer ahnebüchenen These dient, ist später im Text erläutert.

        zum zweiten: Das Problem besteht nicht „nur bei der Rechten“ – das Problem besteht dort, wo die Macht ist. Es ist ein von allen ideologischen Standpunkten unabhängiges Problem, dass die Macht den Diskurs nicht zu brauchen glaubt, dass sie immer in Versuchung ist, ihn abzulehnen. Herrn Orbáns Biographie ist doch ein gutes Beispiel dafür, wie die Neigung und Bereitschaft zum Diskurs mit dem Wachsen der Macht umgekehrt proportional abnimmt.

        zum dritten: mit keinem Wort habe ich Fidesz und Jobbik in den Topf des gleichen Breis geworfen. Es scheint mir aber – wie ich versucht habe zu erklären – aus der Perspektive Belgrads kein wirklich gutes Argument, mit der Drohung vor noch Schlimmerem das verhindern zu wollen, was alleine schon schlimm genug ist.

      • Herr Klotz bat mich per Mail, nachfolgenden Text als seinen Kommentar zur Debatte einzufügen, was ich hiermit gerne tue:

        Gruß
        HV

        ____________________________________

        Liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren – wohlmeinende und andere – meines Textes „Ungarn verstehen?“, veröffentlicht auf der Internet-Seite der Heinrich Böll Sitftung,

        darf ich bitte eine kurze Geschichte erzählen (weil ich manchmal das Gefühl habe, es lebt sich besser aus Geschichten als aus Geschichte), die hoffentlich meine Frage und die Fragen vieler Kommentare ins sehr Konkrete holt:

        Durch eine Reihe von Umständen, die in keiner Weise auf mein persönliches Verdienst zurückzuführen waren, bin ich 1999, unmittelbar nach der NATO-Intervention gegen Serbien und nach Beendigung der Vertreibungen aus dem Kosovo in einer humanitären Mission nach Montenegro und Kosovo gefahren. Eine große deutsche Institution hatte schlicht weit mehr Spenden erhalten als sie selbst in kurzer Zeit hätte sinnvoll verwenden können, und so hat sie kleinere Gruppen und Initiativen wie die, bei der ich damals arbeitete, eingesetzt, um möglichst rasch und unbürokratisch die Hilfe den Bedürftigen zugute kommen zu lassen. Zu dieser Zeit befanden sich insgesamt etwa 70.000 kosovarisch-albanische Flüchtlinge in zwei großen Lagern in Montenegro (Rozaje und Ulcinj).

        Es hatte sich sehr schnell herumgesprochen, dass ein Deutscher mit der montenegrinischen Caritas und einigen LKW Lebensmitteln und mit Geld gekommen sei und Hilfe anbieten könne, und nach einigen Stunden kam eine Gruppe von Kosovaren und wollte mit uns sprechen. Sie hatten eine Frau mitgebracht, die sie vor sich her schoben, als würde sie nur widerwillig zu diesem Treffen kommen, und sie stellten uns diese Frau vor als eine Deutsche, die seit 20 Jahren in Peja lebte, mit einem Kosovaren verheiratet sei, und deren Haus zusammen mit dem ganzen übrigen Stadtviertel aus Einfamilienhäusern niedergebrannt worden sei.

        Die albanischen Männer, die diese Frau zu uns brachten, zeigten sich uns gegenüber in der festen Überzeugung, dass wir bestimmt – als Deutsche und mit Geld aus Deutschland – zuallererst dieser deutschen Frau helfen wollten. Unsere Reaktion, dass eigentlich das Kriterium der jeweiligen Bedürftigkeit für uns wichtiger sei als das der Zugehörigkeit zu unserer eigenen oder egal welcher anderen Nation, schien ihnen gänzlich unbegreiflich. Es machte uns – wie wiederum ihre Reaktion verriet – in ihren Augen geradezu verdächtig. Wir erschienen ihnen wie gefühllose Funktionäre, die man mit einem humanitären Auftrag in ihr Land geschickt hatte, ohne dass wir doch zu dem elementarsten humanen, empathischen Gefühl des Mitleids in der Lage gewesen wären.

        So kehren sich die Dinge um: dass wir als Deutsche gegenüber einer deutschen Leidensgenossin von ihnen kein PRIORITÄRES Mitleid und keine BEVORZUGENDE Verantwortung zeigten, machte uns sehr verdächtig: ob wir denn überhaupt aus Mitleid und Verantwortungsgefühl zu ihnen gekommen seien? Und wenn nicht, warum dann? Selbst drei LKW voller Speiseöl, Nudeln und Reis schienen diesen Verdacht nicht entkräften zu können.

        Natürlich war dies ein Ritual. Und die Wurzeln dieses Rituals liegen weit, weit vor der Erfindung von so etwas wie einer Nation. Es könnte aus einem Lehrbuch von Levi Strauss stammen. Natürlich war IHR Mitgefühl und IHRE Verantwortung für diese deutsche Frau AUCH ein Werben um UNSER Mitgefühl für SIE SELBST und IHRE EIGENEN FAMILIEN. Dass sie ihre eigene Not zunächst zurückstellten, um unsere Aufmerksamkeit auf die Not einer Person zu lenken, die uns in ihren Augen sehr viel näher stehen sollte als sie selbst, war ehrenvoll. Und es würde zugleich unter Beweis stellen, dass auch sie unsere Aufmerksamkeit und Hilfe wirklich verdienen, wenn nur einmal dieser Deutschen zuerst geholfen sei.

        Natürlich haben wir uns um diese deutsche Frau gekümmert, umso mehr als sich am Tag darauf herausstellte, dass eines ihrer Kinder behindert war. Dies war – nur nebenbei erwähnt – ja auch ein weiteres objektives Kriterium von Bedürftigkeit.

        RESUMÉ:
        Das ist eine Geschichte. Sie hat nichts zu tun mit Staat und Politik – außer der Tatsache, dass es jene 70.000 Flüchtlinge ja nur deswegen gab, weil eine Nation aus ihrem vermeintlichen historisch verbrieften Rechtsanspruch einen Imperativ für ihren Staat und dessen Politik gemacht hatte. Einen Imperativ, der mit Gewalt durchgesetzt werden sollte.

        Aber: Wollen wir wirklich, dass es in einer solchen Geschichte, in einer solchen Situation eine Hierarchie, eine Prioritätenliste entlang den Kriterien nationaler Zugehörigkeit geben soll? Ich frage, ob wir dies WOLLEN, weil wir nicht MÜSSEN. Es ist uns kein Impuls angeboren, der uns sagt, dass einige unter diesen 70.000 uns wegen irgendwelcher nationaler oder ethnischer Attribute näher stehen müssen als andere. Ein solcher Impuls liegt nicht in unseren Genen. Er ist uns auch nicht in einer Weise anerzogen, dass wir uns dem zwingend zu unterwerfen hätten. Es ist unsere FREIE ENTSCHEIDUNG, solche Prioritäten zu setzen, zuzulassen oder sie als Motivation unseres Handelns zu akzeptieren oder nicht. Ich will dies nicht.

        Wenn wir uns darauf einigen könnten, würde dies nicht nur unseren Blick auf die anderen um uns herum, sondern auch den auf Gesellschaft und Staat verändern. Die Rede von der „ungarischen Nation“ ist die Rede von einem Kollektiv. Leider erkennt man die Qualität aller solcher Kollektive nicht an der Summe der Qualitäten, die sie einschließen (dies ist der eigentliche Irrtum von Herrn Grespik). Man erkennt es in der Regel nur an dem, was es aus diesem Kollektiv ausgeschlossen und auf welche Weise diese Ausschließung vorgenommen wird.

        Wolfgang Klotz

      • Zum von HV eingestellten Beitrag von Herrnn Klotz, wonach deutsche Hilfsbereitsschaft beweist wie sehr alle anderen falsch denken:

        Lieber Herr Klotz,

        ich will Ihnen auch eine Geschichte erzählen. Hier in der Türkei gibt es ebenfalls ausgeprägte Großzügigkeit, die sich in phänomenaler Spendenbereitschaft äußert, über eine Reihe muslimischer Organisationen, die ebenfalls in alle Welt reisen um zu helfen.

        Die Menschen spenden hier deswegen so viel, weil es erstens ihre Religion, wie unsere christliche auch, gebietet, den Armen und Benachteiligten ohne Rücksicht auf Herkunft oder Zugehörigkeit zu helfen. Es sind diese religiösen Werte, auf die sich die christlich orientierte Regierung in Ungarn gerne beruft. Ich bin sicher, Sie finden darin einen brauchbaren Berührungspunkt. (= Augenzwinkern)

        Und zweitens sind die Menschen hier so großzügig, weil sie es für eine begrüßenswert nationale Eigenschaft halten: Türken seien eben so. Es entspricht ihrer nationalen Identität.

        Sie verstehen, was ich damit sagen will? Schön, dass sie helfen wollten ohne Unterschiede zu machen. Aber die Aussagekraft Ihrer Geschichte auf theoretischer Ebene – jene Ebene, auf der Ihr urspünglicher Aufsatz sich zu bewegen versucht – ist Null.

    • Zur Diskursivität, es stimmt gewiss, zwischen den Lagern findet keine Diskussion statt.

      Freilich, links will man ja überwiegend auch gar nicht diskutieren: Sich auf die Prämissen der Gegenseite einlassen – man fordert nur, die Rechte möge diskursiver werden. Letztlich eine leere Phrase, da man selbst nicht ohne weiteres diskussionsbereit ist (im Hintergrund gibt es jedoch auf beiden Seiten Freiwillige, zu denen gehören Schöpflin und Dalos).

      Eigentlich ist der Text von Herrn Klotz ein gutes Beispiel für diese Taktik, Diskussion zu fordern, ohne selbst diskutieren zu wollen, (also sich auf die Gegenseite einzulassen.) Zitat „ICH WILL NICHT“.

      Da der Dialog an beiden Seiten scheitert, wäre es jedoch naheliegend die „interne“ Diskussion unter Konservativen bzw deren Äusserungen in den Medien zu betrachten. Dafür bieten sich die einschlägigen ungarischen Medien und Quartalsschriften wie Magyar Szemle und Hungarian Quarterly an, oder „konservativ-liberale“ Blogs wie mos maior. Das ist letztlich auch alles öffentlich und ziemlich diskursiv, es fehlt allerdings an linken Gesprächspartnern, die sich darauf einlassen.

  3. HV Es wundert mich, dass Sie L. Grespik lediglich als damalige Randfigur sehen wollen. Und was soll das, Klotz wolle Grespik „ins Lächerliche ziehen“. Immerhin war er damals Staatssekretär und „Magyar Demokrata“ ein Lieblingsmedium von Viktor Orbán hat das abgedruckt.
    Da ist es doch mehr als legitim, diesen Anwalt korrekt zu zitieren.
    Und wie steht es mit dem I. Lovas Zitat? Zwar hat man diese zwielichtige Figur nach Brüssel geschickt, aber auch seine Worte verdienen Aufmerksamkeit, zumal sie ja nicht aus dem Mund eines Jobbik-Politikers kamen.
    M.L. hat eine gute Analyse vorgelegt.
    Wir werden bald sehen, welche Taten der guten Rede Aders folgend werden.

    • Ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Ich meinte, dass es das Ziel sei, die Regierung ins Lächerliche zu ziehen. Sie trauen mir offenbar wirklich alles zu, was? 🙂 Ins Lächerliche zieht Grespik sich schon selbst. Und ist für heute völlig ohne Belang.

    • Zum Thema „korrekt zitieren“, hier die ungarische Version davon, was Grespik geschrieben hat: http://www.sinergo.de/magyarnyelv/Grespik.htm (siehe Anfang Abschnitt 5). Nicht, dass ich Grespik verteidigen möchte (wobei ich nichts Schlimmes daran finde, sich auch mit Alternativen zur finn-ugrischen Theorie zu befassen), aber kleine Unterschiede sehe ich da schon.

    • Ach Karl Pfeifer,

      Wenn es in meiner Macht stünde, würde ich Herrn Grespik zumindest für eine Halbe Stunde zum ungarischen Ministerpräsidenten ernennen,

      um Sie im Leben wenigstens für einige Minuten ein berauschendes Glücksgefühls erleben zu lassen.

  4. Schöpflin wird den Beitrag sehr interessant finden – er ist nämlich ein Paradebeispiel dessen, was er schon vor Jahren in seinem „A Modern Nemzet“ vorhergesehen hatte (von Klotz auch im englischen Original offenbar nicht gelesen), nämlich, dass die Linke im 21. Jahrhundert in Aufruhr geraten wird ob einer Renaissance des „Nationalismus“ – Renaissance deswegen, weil modern und konstruktiv verstandener Nationenbezug als Identitätsstifter funktional unersetzbar ist. Nationalismus ist, so Schöpflin, natürlich auch die Quelle der Demokratie – und die kann in Zukunft durchaus gemeinsam mit der Nation als Bezugsrahmen ausgehöhlt werden.

    Er schreibt ferner, dass Nationalismus dort zerstörerisch ist, wo er wie auf dem Balkan nur ethnisch argumentiert – auf dem Balkan freilich nur deswegen, weil die wirtschaftliche, bürgerliche Komponente lange nicht existierte.

    Es ist dieser Begrifff der Nation – bürgerlich, kulturell, sprachlich, historisch, aber keinsweges rein ethnisch – auf den sich Fidesz bezieht. Er ist genau deswegen nicht balkanisch, weil er von Schöplin stammt, der den Balkan in seinen Schriften – jenen die Klotz nicht kennt – als Beispiel dafür verwendet, wie einseitig ethnischer Nationalismus die Nation – als „artifizielles, aber dauerhaftes Konstrukt“, das lebenswichtige und nicht ohne weiteres ersetzbare Funktionen erfüllt – zerstört.

    Klotz weiss das alles nicht, weil er die Zusammenhänge nicht duchschaut, und das Quellenmatrial nicht gelesen hat. Er weiss nicht, dass Schöpflin Orbáns Reden in Strassburg schreibt, an der Verfassung mitschrieb und eine der durchaus respektablen Grauen Eminenzen hinter Fidesz ist. Er weiss vermutlich nicht mal von Schöpflins Arbeit an der University of London.

    Er arbeitet mit Stereotypen, die auf Argumente verzichten, obwohl er das der Gegenseite vorwirft: Nationalismus ist schlecht, weil er schlecht ist.

    Kein Wunder dass ihm die Dekonstruktion mühsam erscheint, denn das grosse Narrativ: Dass Europa kriselt, demographisch, und daher wirtschaftlich, vom zerbröselnden, immer beliebigeren sozialen Wertesystem her und daher auch kulturell – dass Europas Bedeutung schwindet und es in seinem Selbstverständnis als Hoffnungsträger einer wohlhabenderen und moralischeren Zukunft an sich zweifelt – das alles ist deswegen nur mühsam dekonstruierbar, weil es eigentlich gar nicht von der Hand zu weisen ist.

    • Etwas nicht gelesen zu haben, kann man mir nur vorwerfen, nachdem ich behauptet hätte, dies getan zu haben.

      Und es ist weiter unredlich mir vorzuwerfen, dass ich etwas „nicht weiss“, was ich in Wirklichkeit doch nicht will. Ich WILL NICHT, dass meine Nationalität etwas in dieser Weise für mich Konstitutives darstellt, dass die Zugehörigkeit zu diesem Kollektiv über wesentliche Elemente meines Daseins bestimmt.

      „Tut es sowieso“ – wird die routinemäßige Antwort lauten. „Schlimm genug“, werde ich darauf sagen.

      Dass Nationalismus schlecht sei, ist meine Überzeugung. Dies ist wohl legitim. Die Behauptung, dies sei eine Überzeugung aufgrund von Unkenntnis und Unwissenheit bräuchte ein wenig mehr Begründung. Etwa nur weil ich die gesammelten Weke Schöpflins nicht kenne? Dass er Orbáns Reden schreibt, dass er an der Verfassung mitgewirkt hat…, das ließ sich leicht denken.

      Wenn alle, die von keiner Nation zusammengehalten werden, zwangsläufig „zerbröseln“, dann ziehe ich es vor zu zerbröseln. Nur um ein wenig zeitlichen Aufschub möchte ich noch freundlich bitten.

      Warum nicht fragen, ob da, mein Gott, nichts sonst ist, was Sie / Euch zusammenhält?

      • Lieber Herr Klotz,

        Zunächst einmal, herzlich willkommen hier. Sie sind an einem Ort, wo die Thesen, die Sie verurteilen, höchst diskursiv debattiert werden.

        Sie werfen Schöpflin vor, er beantworte eine Reihe von Fragen nicht – er verweigere sich dem Diskurs – und das ist einfach Unsinn wenn Sie seine Arbeit auch nur ein wenig kennen. Mein Verdacht ist, Sie haben irgendwo einen Text gelesen und nehmen das als Grundlage für diesen Generalvorwurf.

        Sie sind bei Schöpflin an genau der richtigen Adresse wenn es um konkrete Fragen zur Fidesz-Politik geht (er hat zum Beispiel klar gesagt dass er das Kirchengesetz überflüssig findet und auch eine Reihe anderer Gesetze konkret verteidigt oder kritisiert, das alles in höchst diskursiver Weise.)

        Wichtiger: Er ist einer der „Denker“, die die „Dogmen“ von denen Sie reden höchst diskursiv und diskussionswürdig auf akademischer Ebene mit geformt hat.

        Meine irritierte Kritik an Ihrem Text bezieht sich vor allem auf das, was Sie auf offenbar sehr dünner Grundlage sehr allgemein zu Schöpflin sagen – er ist wirklich das schlagende Gegenteil zu Ihrer These. Insbesondere was das angeblich „balkanische“ des Fidesz-Begriff zur Nation betrifft. Was Sie sagen, stimmt insofern einfach nicht.

        Aber auch eine Auseinandersetzung mit anderen führenden Fidesz-Figuren würde Ihnen rasch vor Augen führen, dass da durchaus diskutiert wird. Nehmen Sie etwa Navracsics – es besteht kein Mangel an sehr differenzierten, diskursiven und konkreten Diskussionsbeiträgen von ihm zur Regierungpolitik und ihren Prinzipien.

        Manchmal findet man etwas diskussionsarm, weil man die Diskussionen nicht verfolgt. Dann sollte man aber auch nicht darüber schreiben.

      • @Wolfgang Klotz

        Verstehen Sie Nationalität im Sinne von ethnischer Zugehörigkeit, Volkszugehörigkeit oder Staatsangehörigkeit?

        Ich halte die Ideen der Nation und des Nationalstaates nicht für verwerflich, jedenfalls solange es sich hierbei nur um Arbeitshypothesen oder gedankliche Hilfskonstruktionen für die Beschreibung erschlossener Phänomene handelt.
        Bedenklich wird es wohl erst, wenn Ideen benutzt werden, um politisches Handeln zu rechtfertigen.

        Ob man sich einem Volk zugehörig weiß, hat übrigens etwas mit Erkenntnis, letztendlich aber mit Bewusstheit zu tun. Nicht jeder Mensch ist von hoher Bewusstheit. Im Gegensatz zur Staatsangehörigkeit lässt sich die Volkszugehörigkeit leider nicht so einfach ablegen.
        Anscheinend ist Ihnen das aber schon gelungen. Darf ich Ihnen dazu gratulieren?

    • pars pro toto

      imre kertész‘ „roman eines schicksallosen“ erschien in ungarn 1975, also so ziemlich zur blütezeit des kádár regimes. die behauptung von wolfgang klotz im angesprochenen artikel, wonach „selbst ein Imre Kertész auf das Ende dieser Epoche warten und solange in seine Schublade schreiben (musste), bis jemand sich für seine Literatur interessierte“ ist also schlicht und einfach falsch. komplizierter wird die lage noch dadurch, dass sich für kertesz‘ buch vor dem nobelpreis (2002), also auch lange zeit nach der wende nur sehr wenige in ungarn interessierten, was ein eintrag von kertesz gut bezeugt, in dem er sein buch seinen „nicht existierenden leser“ im zuge einer autogrammstunde zum anlass des nobelpreises widmet… nun, dies ist nur einer der irrtümer im artikel von herrn klotz, und schon dieser einzige bedarf- wie man sieht – vieler zusatzerlaeuterungen. so steht es pars pro toto für einen grossen teil seiner behauptungen und seinem – aus belgrad aus erarbeitetem – „insider wissen“ über ungarn. der artikel sollte also mit manchem vorbehalt gelesen werden… schwierig ist es allerdings für den nicht ungarischen leser zu entscheiden, was denn nun mit vorbehalt gelesen werden sollte, und was nicht. und hier kann der verweis auf schöpflins arbeit nützlich sein (der seinerseits natürlich auch voreingenommen ist): der artikel sollte beiweitem nicht als ein unparteischer beitrag, objektive analyse zum ungarnversaendniss, sondern als politisch gut verortbarer, engegiert kaempferischer aufsatz gegen orbans politik verwertet werden, wobei grundsaetzlich nicht die fakten, sondern die – vom author bei schöpflin so stark verpönte – zugehörigkeit zu einer bestimmten narrative und nicht das argumentarium eines sachlichen standpunktes überwiegt.

      dieser kommentar wurde auf der webseite der hbstiftung noch nicht freigeschaltet.

  5. Im Grunde sind mir Diskussionen über konkrete Probleme wie Justizreform oder Steuerpolitik lieber als solche allgemeinen Debatten über Ideologien und Weltbilder, wie sie Herr Klotz angestoßen hat. Wieso die „Form“ von Politik entscheidender als die „Inhalte“ sein soll, erschließt sich mir nicht. Trotzdem ein paar Gedanken zu dem Aufsatz:

    – Die „Belgrader Perspektive“ auf Ungarn ist ungewöhnlich, interessant und regt zum Weiterdenken an. Stünde ich der Fidesz-Regierung nahe, würde ich nach der Lektüre zumindest insgeheim ein wenig ins Grübeln kommen. Noch spannender fände ich mal einen kenntnisreichen Vergleich zwischen Tusk und Orbán. Wie kam es eigentlich, dass Polen heute besonders in Deutschland everybody’s darling ist und Ungarn genau den Gegenpol markiert?

    – Die Einleitung mit Grespik-Zitaten aus dem Jahr 2000 ist mir völlig unverständlich. Wenn Klotz wirklich „nur zeigen [will], dass es das gibt in Ungarn“, hätte er bestimmt auch aktuellere Beispiele finden können. Ich kann HV aber nicht darin zustimmen, dass der an die Regierung gerichtete Vorwurf der Argumentationslosigkeit aus der Luft gegriffen sei. Fidesz neigt mitnichten zum Dialog. Sogar die sich qua Namensgebung selbst zur Offenheit für den Dialog verpflichtende LMP hält es inzwischen für sinnlos, an wichtigen politischen Debatten (Bsp. Verfassung) überhaupt teilzunehmen, eben weil das Parlament insgesamt so wenig Selbstbewusstsein gegenüber der Regierung zeigt, sondern alles abnickt, was man ihm vorsetzt. (In der Übertreibung liegt die Anschaulichkeit.)

    – Ich wiederhole meine These: Fidesz ist ideologisch sehr breit aufgestellt. Da gibt es (national-)liberale Intellektuelle wie Schöpflin, aber auch seltsame Figuren wie Mária Wittner, die in den Sitzungspausen des Parlaments angeblich an der Stephanskrone betet, um Ruhe zu finden (so ein Youtube-Video, das ich einmal sah). Die Grenze zu Jobbik ist mehr oder weniger fließend. Wirtschaftspolitisch ist Fidesz sozialistischer als die Sozialisten. Wer soll da durchblicken?

    – Sehr treffend finde ich die Frage, „ob wir sicher sein können, dass er [Orbán] vom völkischen Topos nicht Gebrauch machen wird, wenn sich dies zum Erhalt der Macht als taktisch notwendig erweisen wird“. In der Tat können wir da überhaupt nicht sicher sein. Die Frage ist in der Tat spannender als die, ob Orbán nun selbst „völkisch“ denke. Von antieuropäischer (Doppel-)Züngigkeit habe ich ehrlich gesagt genug. (Und ja, Herr Pfeifer hat Recht, wenn er den Magyar-Nemzet-Europakorrespondenten Lovas als zwielichtig bezeichnet.)

    – Auch die Beobachtung, dass Gulaschkommunismus, weicher Systemwechsel und inszenierter Antikommunismus irgendwie zusammenhängen, ist sehr zutreffend. Ich frage mich, wohin die Vergangenheitspolitik der Regierung führen soll. Die Stasi-Agenten sind angeblich nicht so wichtig. Das nationale Erinnerungskomitee soll die „echten und großen Schweinereien“ aufdecken. Kann es nicht sein, dass wir die sowieso schon alle kennen? Wozu jetzt noch mal groß „aufarbeiten“, wie die MSZP-Oligarchen reich wurden? Um die Karrieren der Fidesz-Oligarchen zu übertünchen und von den ehem. Stasis in den eigenen Reihen abzulenken?

    • „Da gibt es (national-)liberale Intellektuelle wie Schöpflin, aber auch seltsame Figuren wie Mária Wittner, die in den Sitzungspausen des Parlaments angeblich an der Stephanskrone betet, um Ruhe zu finden (so ein Youtube-Video, das ich einmal sah). Die Grenze zu Jobbik ist mehr oder weniger fließend.“
      Warum nennen Sie nicht die Quelle: Marsovszky!

      • Nö, Herr Herche, man braucht nicht Frau Marsovszky (deren Ausführungen mir oft zu verschwurbelt sind, die ich deshalb aber nicht gleich zu meiner persönlichen Hassfigur küren würde), um festzustellen, dass Fidesz sich nach ganz rechts noch konsequenter abgrenzen sollte.

        Auch dass Fidesz sehr unterschiedliche Geister unter seinem Dach beherbergt, kann jedem Interessierten ohne fremde Hilfe auffallen. Fidesz war mal liberal und bürgerbewegt, wurde dann immer nationaler und konservativer und wechselte schließlich von den Europäischen Liberalen zur Europäischen Volkspartei, wo Fidesz inzwischen dem Vernehmen nach auch nicht auf unbegrenzte Solidarität stößt. Einige Fidesz- bzw. Fidesz-nahe Leute wie der ganz hervorragende Vorsitzende der „Stiftung für ein bürgerliches Ungarn“, Zoltán Balog, sind der alten Linie treu geblieben. Diese Leute schätze ich besonders sehr.

        Das Youtube-Video fand ich übrigens einst beim Pusztaranger, wo es jetzt aus „Urheberrechtsgründen“ nicht mehr zu sehen ist, wo aber — wie ich eben feststellte — tatsächlich auch ein entsprechender Marsovszky-Kommentar eingestellt wurde: http://pusztaranger.wordpress.com/2011/04/02/rechtsextreme-fidesz-abgeordnete-uber-die-%E2%80%9Ehenker%E2%80%9C-des-volkes/

  6. Diese „Ungarn-Diskussion“ ist schon lange lächerlich. Wie kann eine seriöse Stiftung so einen Unsinn herausgeben? Die „Thesen“, Zitate haben mit maßgebenden Intellektuellen und Fakten der ungarischen politik und Kultur nichts zu tun.
    Das wichtigste wäre die Motive der Ungarnhasser (wie sollen wir diese fanatische gruppe, die die Fakten ignoriert, nennen?): ideologisch, psychotherapeutisch-paranoid, finanziell usw.?
    Natürlich müssen die Ungarn selbst ihre Kultur darstellen und verteidigen. Wo sind die Hassbriefe gegen Lukaschenko, Marien Le Pen, Gingrich und anderen, die die Demokratie mißbrauchen, um ihre Macht zu festigen und sogar zu erhöhen? Wer stellt in Frage den französischen, italienischen oder polnischen Nationalismus??
    Mich wundert, daß europäische und nordamerikanische Intellektuelle in dieser Kampagne – mit wenigen Ausnahmen – schweigen: es wäre interessant zu hören, was z.B. der ehemaliger Bundespräsident Weizsäcker oder der Stasi-Experte-Bundesspräsident Joachim Gauck dazu sagen.
    Der Text ist eine Schande für die Böll-Stiftung.

      • lassen sie mich die frage wiederholt stellen: wie kommt es, dass unter ihrem artikel auf der hböll homepage kein einziger kommentar freigegeben wurde. haben sie technische probleme?

  7. Janos Szilagyi, die beste Verteidigung gegen Kritik ist, die Kritiker als „Ungarnhasser“ mit Ferndiagnose „psychotherapeutisch-paranoid“ anzuprangern (Ironie!). Nur mit solchen „Argumenten“ werden Sie wahrscheinlich keinen nüchternen Leser überzeugen können.

  8. Kasza schreibt „diktatúrákéra emlékeztet“ das würde ich aber nicht mit „Ungarn als Diktatur“ sondern als „es erinnert an eine Diktatur“ übersetzen.
    Und dann sollte man das im Kontext lesen.
    Schade, dass ich keine Zeit habe, diesen Artikel zu übersetzen.

    • Was soll das, Herr Pfeifer? Kasza schreibt wörtlich:

      „Akkor most mi van? Diktatúrában élünk-e két évvel a Fidesz kormányra jutása és huszonhárommal a rendszerváltás után? Szerintem igen.“

      Zu deutsch: „Also was ist nun? Leben wir, zwei Jahre nachdem Fidesz an die Macht gelangte und 23 Jahre nach dem Systemwandel, in einer Diktatur? Ich denke schon“.

    • Es ist richtig: “diktatúrákéra emlékeztet” heisst auf Ungarisch “es erinnert an eine Diktatur” doch:

      LIeber Karl Pfeifer,

      wäre es nicht langsam an der Zeit, seine Alpträume, die man nach dem Krieg infolge der 45 Jahre währender Terrorregime der ung. Linken träumt, endlich zu Ende zu träumen, oder zumindest nicht an die demokratisch gewählte national liberale Regierungen zu projizieren?

      Bitte KP erklären Sie uns, ob Sie das auch so sehen.

  9. Ja, Sie haben Recht. mea culpa. Zu schnell und oberflächlich gelesen.
    Nun lebt Kasza in Ungarn und ich in Wien und ich schätze, dass er seine Gründe haben wird, zu diesem Schluß zu kommen.
    Jetzt will ja Orbán der ganzen Welt beweisen,. dass er auf dem richtigen und die EU auf dem falschen Weg sei.

    • „Jetzt will ja Orbán der ganzen Welt beweisen,. dass er auf dem richtigen und die EU auf dem falschen Weg sei.“

      Karl Pfeifer,
      Es ist immer sehr interessant und spannend Ihre Kommentare und Schlussfolgerungen zu lesen! Für den Normalsterblichen, der nicht über solche phantastischen Informationsquellen wie Sie verfügt, ihm nur sein nüchtern logischer Verstand zur Verfügung steht, ist es schon recht irritierend, dass Sie recht oft sogar mit sich selbst in unauflösbaren Widerspruch geraten.

      Sie haben meines Wissens aus purer Angst um Ungarn, bereits schon mehrere Zitterparti durchgemacht, weil Orbán angeblich das Land aus der EU hinausführen wollte.

      Jetzt aber, als er sich – aufgrund konstruktiven Kkritiken (nicht zuletzt von Ihnen) – nicht bloss anders überlegte, sondern zu hilfsreicher Mitarbeit bereit ist, scheint Ihnen die Sache auch nicht zu schmecken.

      Ich denke, Sie sollten sich trotz Überengagement für den Artikel „Orbán: Európa rossz vágányra tévedt“ etwas mehr Zeit nehmen.

      • „Orbán: Európa rossz vágányra tévedt“

        Es tut mir leid, hier die sinngemässe Übersetzung:

        „Orbán: Európa mit Volldampf auf falschen Gleisen“

  10. DANSE VOLUPTUEUSE á cause de l’aide fraternelle des camarades du FN, le parti à l’extrême droite de l’échiquier politique.

    Das grosse Buhlen (enyelgö tánc) um die brüderliche Hilfe der Kameraden von FN (Font National) der Partei der Rechtsradikalen in Frankreich.

    Europa war Zeuge eines in Ungarn und für Ungarn unvorsellbarem Buhlens um die Gunst der Wählerschaft einer rechtsradikalen Partei (die der ungarischen JOBBIK entspricht), um die Regierungsmacht zu erringen.

    Heute ist der grossenTag pour la France et la Grande Nation angebrochen, an dem entschieden wird, ob Sarko‘s oder Holland‘s (sprich: Ollaaand) Parteiprogramm die Strategie der rechtsradikalen Partei Marie Le Pen’s am bestem begünstigt. Der Sieger dieses Wettrennens wird Frankreich in den nächsten vier Jahren regieren dürfen.

    Politische Beobachter neigen dazu Holland’s Werben bei den FN-Sympathisanten und FN-Wählern die grössere Chance einzuräumen.

  11. Orbán verso Sarközi-Holland-Le Pen

    „Wir bestimmen die Themen dieser Wahlen, denn wir sind in den Mittelpunkt der Anziehungskraft der französichen Politik gerückt“ – auf diese Tatsahe machte Le Pen auf der Grosskundgebeung der rechtsradikalen Partei FN am 1. Mai aufmerkrsam.

    Le Pen wies auch darauf hin, dass beide, Sarkozy, für dessen Sieg überlebenswichtig ist, die für die Rechtsradikalen angegebene Stimmen der ersten Runde zu ergattern – und auch Holland, in ihren Kampagnen um die Gunst der rechtsradikalen Wählerschaft buhlen.

    Sarkozy übernahm beinahe 1:1 sowohl die Rheorik, wie die Wahlthemen
    Der FN.

    Holland handkehrum rackert sich unermüdlich ab, um den einstigen linken Wählern, die in den Achzigern den Sozialisten den Rücken kehrten und zu den Rechte überliefen, mit rechtsradikalen Slogans um den Mund zu reden.

    Orbán scheint im Vergleich zu Sarkozy und Holland ein richtiger „Geizhals“ zu sein!

    Man erwartet mit Hochspannung die EMPÖRUNDSARTIKEL unseres hochgeschätzten Karl Pfeifer ob solcher Geschmacksentgleisungen im Lande des Haute Cuisine.

  12. Was mich – eigentlich bezogen auf das Interview Orbáns mit der FAS – wundert, ist, dass man die Aussage des amtierenden ungarischen Ministerpräsidenten „Ich würde die Zerstörung der Linken gerne als eigenen Erfolg verbuchen.“ im hiesigen Forum einfach so, gänzlich unkommentiert stehen lässt.

    Hat man sich damit abgefunden, dass derlei Vokabular zum Standardrepertoire der ungarischen Politik und Debattier(un)kultur gehört? Wes Geistes Kind spricht hier, in welchen Kategorien denkt es und für welches Demokratieverständnis steht es?

    Ist ein solches Verständnis von (Parteien-)demokratie als vorbildlich zu sehen, eine Grundlage für das Denken und Selbstverständnis einer Volkspartei, welche Ungarn als geeintes Land in die Zukunft führen möchte? Hier spricht immerhin nicht irgendwer.

    Und ist es, noch verkürzter gedacht, nicht einfach dumm, so zu reden, da sich jeder bewusst sein sollte, dass zu einer Demokratie ein Mehrparteiensystem mit unterschiedlichen Positionen zwingend notwendig ist, es also – völlig wertfrei gemeint – auch immer eine (wie auch immer geartete) Linke notwendigerweise geben muss.

    Sicher, es ist immerhin eine offene und ehrliche und klare Aussage.

    • sie dürfen nicht vergessen, dass im ungarnkontext unter „linken“ sehr wohl immer noch die postkommunistische, machtüberrettende linke verstanden werden kann.

      • @törökj.

        Ich bin mir dessen durchaus bewusst, und doch

        1. kommt für mich die Aussage so zu pauschalisierend herüber,
        2. ist die Wortwahl für einen Ministerpräsidenten meiner Meinung nach dennoch unangebracht, schlichtweg zu martialisch,
        3. verwundert mich eben diese Wortwahl vor dem Hintergund, dass sie für ein Interview in einem ausländischen Medium gewählt wurde (man darf sich nachher zumindest nicht wundern, wenn dies überinterpretiert wird > )
        4. bleibe ich persönlich bei der Ansicht, dass man mit dieser Wortwahl und dem damit einher gehenden Denken und Handeln ( etwa „Wahl der Waffen“, um sprachlich angepasst zu bleiben) sich disqualifiziert für die Rolle desjenigen, der ggf. bereits jetzt den Anspruch erhebt oder (zumindest) perspektivisch der Vertreter eines geeinten ungarischen Volkes zu sein / sein möchte.

        (Ich bin mir auch dessen sehr wohl bewusst, dass es vermutlich einige Fidesz-Anhänger gibt, die der Auffassung sind, dass jetzt erst mal die zwingend notwendige „Drecksarbeit“ durchgezogen werden muss und erst dann hernach der „einigende Akt“ stattfinden kann. Ich halte das für falsch, da manches schlichtweg gänzlich unnötig ist, es in der gegenwärtigen, historisch wohl einzigartigen Machtkonstellation unnötigerweise zu viele „Kollateralschäden“ mit sich bringt und nachhaltig die gesellschaftliche Spaltung vertieft.)

      • Eben.Über den Begriff „Linke“ sollte man schon mal nachdenken.Wer nie unter der „linken Bande “ leben durfte/musste, der hat ein ganz anderes Verständniss von „links“ als derjenige der sich darüber freuen durfte dem „linken Segen“ täglich ausgesetzt gewesen zu sein.

  13. Das Stichwort Grespik wird an anderer Stelle dankbar aufgenommen. Die Einleitung verfehlt ihre Wirkung nicht.

    http://pusztaranger.wordpress.com/2012/05/08/juristenkarrieren-unter-orban-antisemitismus-im-gerichtssaal-und-das-neunfach-drehende-ungarische-chromosom/

    „Juristenkarrieren unter Orbán“…Grespik hat mit der heutigen Fidesz und Orbán zwar nichts zu tun und hat, wie ein Kommentator namens Peter bei o.g. Beitrag zutreffend anmerkte, gar keine „Juristenkarriere“ unter Orbán hingelegt…aber durch ein wenig Herumrühren und Zahlendrehen wird das schon. Und natürlich reicht die Distanzierung Orbáns von Grespik aus 2003 nicht aus…jetzt, 2012. Da ist der Artikel von Herrn Klotz willkommener Aufhänger, um alte Sachen aufzuwärmen. Ich nenne das Mottenkiste. Und Magdalena Marsovszky klatscht, wie nicht anders zu erwarten, Beifall. Sie hat sich ja mit Grespik auch schon befasst: In wenigstens drei Artikeln.

    Meine Frage ist: Welche Auswirkungen haben Grespiks idiotische Aussagen, sein Abdriften nach Rechtsaußen und seine im März 2010 (nochmals: März 2010) erfolgte Wahl in den Kammervorstand auf die Bewertung von Fidesz/Orbán? Dass die Miglieder der Anwaltskammer autonom entscheiden, wer sie vertreten soll, dürfte unbestreitbar sein. Seine Wahl spricht zwar nicht für den guten Geschmack der Budapester Anwälte, aber auch nicht gegen Orbán. Fest steht: Der Höhepunkt seiner Anwaltskarriere, die Berufung in den Kammervorstand, geschah während der Regierung Bajnai.

  14. „ Verstehen Sie Nationalität im Sinne von ethnischer Zugehörigkeit, Volkszugehörigkeit oder Staatsangehörigkeit?“

    Hallo Peter Herche,

    Für meinen Begriff gibt es auch diese drei „Gehörigkeiten“: Ethnische- und Volks-Zugehörigkeit, und Staats-Angehörigkeit.

    Ich glaube wohl zu verstehen, was Sie unter „Nationalität als ethnische Zugehörigkeit“ meinen. Das ist aber in meinen Augen bloss ein Popanz, ein Gemeinplatz, den alle armen Menschen, die keiner Nation angehören, nicht nur wie der Teufel das Weihwasser meiden, sondern als Teufelswerk krampfhaft auch verteufeln.

    Nation und Nationalität als Zugehörigkeit zu einer Nation ist aber ganz was anderes. Es ist ein grossartiges Gemeinschaftsgefühl, hat aber für mich mit ethnischer Abstammung rein gar nichts zu tun!

    • „Ich glaube wohl zu verstehen, was Sie unter „Nationalität als ethnische Zugehörigkeit“ meinen.“

      Werter Herr Unger. Ich meine es gut mit Ihnen. Trotzdem bestehe ich darauf, meine Meinung selbst formulieren zu dürfen. Selbst ein ergebnisoffener Diskurs braucht Regeln.

      Unter „Nationalität als ethnische Zugehörigkeit“ meine ich gar nichts.

      Allerdings weiß ich, dass das Lehnwort „Nationalität“ in der deutschen Sprache – also in der Sprache, die meine Vorfahren nachweislich seit dem 16. Jahrhundert sprechen, in der ich aufwuchs und die ich inzwischen einigermaßen beherrsche – mehrdeutig ist. Mein Duden unterscheidet zwei Bedeutungsgruppen:

      1. Staatsangehörigkeit, Staatszugehörigkeit
      2. ethnische Zugehörigkeit, Volkszugehörigkeit

      Die Begriffe ‚Ethnische Zugehörigkeit’ und ,Volkszugehörigkeit’ bedeuten in etwa dasselbe. , ‚Ethnisch’ ist das Adjektiv von ‚Ethnie’. ‚Ethnie`ließe sich mit ‚Stamm’ oder ‚Volk übersetzen’. Das Adjektiv von ‚Volk’ ist in Analogie zu dem Wortpaar ‚Ethnie’ – ‚ethnisch’
      „VÖLKISCH“.

      Jetzt tippen Sie mal das Wort „VÖLKISCH“ bei Google als Suchwort ein!
      Google liefert Ihnen ungefähr 297.000 Ergebnisse. Machen Sie dann das gleiche mit dem Suchwort ‚ethnisch’. In nur 0,09 Sekunden spuckt Ihnen Google ungefähr 1.000.000 Ergebnisse aus. Danach vergleichen sie die beiden Ergebnisse. Sie werden feststellen, dass das ‚Ethnische’ dem ‚Völkischen’ rein quantitativ hoch überlegen ist. Was Google aber (noch) nicht liefert, sind Prognosen über das Entwicklungspotenzial, das ein substantivisch gebrauchtes Adjektiv wie „DAS VÖLKISCHE“ hat.

      Die Roten mit dem bösen Blick sind da schon weiter als Google. Die Roten sind beim Vermarkten von Wörtern mit hohem Entwicklungspotenzial sogar noch professioneller als das Frau Marsovszky oder Herr Pfeifer je sein werden. Die Roten sind die Trendsetter. Sie haben die Schirmherrschaft über die Verwurstungsindustrie für das „VÖLKISCHE“ übernommen.

      Beweis: http://www.bnr.de/content/impressum

      Ihre Vorwärtsstrategie heißt: „Blick nach Rechts“.

      http://www.bnr.de/artikel/aktuell-aus-der-zivilgesellschaft/oeko-voelkisch-verpackt

      Der Blick nach Rechts sieht die „VÖLKISCHE GRASWURZELSTRATEGIE“. Der Blick nach Rechts sieht den Wind in Mecklenburg-Vorpommern. Der Blick nach Rechts sieht eine Anklagebank. Auf der sitzen neben bekanntem NPD-Kommunalpolitiker, denen Körperverletzung und schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen wird, inzwischen zwei Drittel der ungarischen Wähler, denen das Orbán-Regime und die „VÖLKISCHE WENDE“ angelastet wird. Wer Wind säen tät, wird roten Sturm ernten.

      Werter Herr Unger, ich meine gar nichts. Und manchmal denke ich, Sie verstehen auch gar nichts. Zumindest scheinen Sie nicht einmal zu ahnen, das nicht die Worte zählen, sondern die Konnotationen.
      Und weil ich es gut mit Ihnen meine, verrate ich Ihnen noch den Link zum Duden. Da wird Ihnen geholfen.

      (Wenn Sie mich arrogant finden, dann liegt das an Ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Ich bin Deutscher. Was ich an anderen Ethnien schätze, sind ihre Sprachen. Die ungarische Sprache zum Beispiel hat mir Augen und Ohren geöffnet. Von daher wünsche ich mir ein Europa, in dem Leute wie Sie gehört werden, in dem das Fremde nicht als „VÖLKISCH“, „ZSÍDÓ“ oder „CIGÁNY“ diskreditiert wird und ich ein arrogantes, deutsches ….. bleiben kann. Meinen Sie doch, was Sie wollen, aber lassen Sie mir das Recht, meine Meinung selbst zu formulieren..)

      • Herr Peter Herche,

        Ach du lieber Schreck!

        Es sieht so aus, wir sind beide mit dem Begriff „Nation“ auf eine echte linksliberale Tretmine getreten, doch unter mir ist erst richtig explodiert, und bei Ihnen mir zu Ehren eine Lawine ausgelöst.

        Ich befürchte, dass ich mich womöglich falsch ausgedrückt, oder Sie mich etwas missverstanden haben. Das wird den Herrn Karl Pfeifer, wie ich ihn kenne, bestimmt belustigt haben.

        Ich möchte mich aber ja nicht beklagen. Es ist mir bewusst, wenn man in den „Ring“ steigt, kann man nicht nur austeilen, man muss auch vieles einstecken können.

        Vielleicht kennen Sie das ung. Liedchen:

        „Aki dudás akar lenni,
        Annak pokolra kell menni,
        Ott kell neki megtanulni,
        Hogyan kell a dudát fújni.“

        Auf Deutsch in etwa:

        Wer Pfeifer möchte werden, Um die Dudelpfeife zu beherrschen, Der musst erst in die Hölle runtersteigen.

        Ich wurde Dank Herrn Pfeifer aktiviert, und absolviere jetzt nolens volens immer noch guten Mutes meinen Dudelsack-Preifer Kurs.

        PS.:
        Ich wollte in meinem Kommentar an Sie eigentlich zum Ausdruck bringen, dass für mich die Zugehörigkeit zu einer Nation ein grossartiges Gemeinschaftsgefühl sei, was mit ethnischer Abstammung rein gar nichts zu tun hätte!

        Es schien mir, dass Sie den Begriff der Nation ebenfalls nicht mit rassistischen Wahnvorstellungen belasten, wie Agnes Heller, Magdalena Marsowszki, Akos Kertesz und sein Gefährte Georg Konrad es so liebend gerne tun..

  15. „Ich wiederhole meine These: Fidesz ist ideologisch sehr breit aufgestellt. Da gibt es (national-)liberale Intellektuelle wie Schöpflin, aber auch seltsame Figuren wie Mária Wittner, die in den Sitzungspausen des Parlaments angeblich an der Stephanskrone betet, um Ruhe zu finden (so ein Youtube-Video, das ich einmal sah).“

    Ungarnfreund,

    Und ich vertrete die These:

    „Sitze nicht, wo die Spötter der Religionen sitzen, denn sie sind die elendesten unter allen Kreaturen“.

    Gehen wir da einig?

    • Werter Herr Unger,

      Sie lassen kein einziges Fettnäpfchen aus, nicht mal die Sackpfeife. Aber ehe ich auf Ihr erhebendes ‚Gemeinschaftsgefühl‘ eingehe, möchte ich Sie fragen:

      Was sind eigentlich „linksliberale Tretminen“?

      Jedenfalls krieg ich die Krätze, wenn ‚Nation‘ und ‚Gemeinschaftsgefühl‘ im selben Atemzug gebrüllt wird. Dann krieg ich – wie Frau Marsovszky schon bei anderer Gelegenheit – erst mal die Krätze.

      Und wenn ich mir vorstellte, was für ein Gesicht die Wittner, Mária schneidet, wenn Sie der ganzen Welt erzählt, wie sie vor der Stephanskrone niederkniet, anstatt sich die Fingernägel wachsen zu lassen, um dem Vona oder Snájder die Visage zerkratzen zu können, also dann juckt ’s mich echt gewaltig.

      Was meine Spiegelneuronen angeht, so höre ich gerade die „Ungarische Musiknacht“ auf BR Klassik. Sollten Sie auch tun. Ich glaube, ungarische Kultur kommt ohne Nationalismus aus. Sie ist nämlich ein Teil der europäischen Kultur.

      Für Sie, Herr Unger wäre es wohl an der Zeit, sich mal Hannes Waders Lied über Beinstümpfe und Nationalismus anzuhören. Vor Verdun gab es Ihr Gemeinschaftsgefühl schon im Endstadium.

      „Es ist an der Zeit“ gibt ’s auch als Klingelton aufs Handy, falls jemand keinen Festnetztanschluss hat:

      http://www.lyricstime.com/hannes-wader-es-ist-an-der-zeit-lyrics.html

      (((((((((((((((((((((((((( An Frau Marsovszky Wissenschaftswerk stört mich nur, dass sie die Vernichtung von Millionen europäischen Juden der Heimatkunstbewegung anlastet. Armer Friedrich Lienhard! Wie sie den als Steinbruch benutzt! Gott sei Dank, hat sie die Komplementarität von Sackpfeife und Blut-und-Boden-Klängen noch nicht entdeckt. Da sind Sie ihr echt voraus. Ich frage mich nur manchmal, was kommt noch von Ihnen, Herr Unger. Bei Frau Marsovszky ist es seit 2006 ja nur noch Wortspalterei. Aber Sie haben Ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Das ist mir klar: „“linksliberale Tretmine“! Darf ich Ihnen gratulieren? )))))))))))))))))))))))))))))

      • Werter Herr Herche,

        Was die Fettnäpfchen betrifft, muss ich ein typischer Ungar sein, zumal Ungarn seit zwei Jahren von den Tretminen, die in der EU auf Lager sind und uns selbstlos offeriert werden, keine einzige ausliess oder auslassen durfte.

        Ihre scharfe Kritik empfinde ich als äusserst positiv, denn Sie führen Konkretes dafür auf, was Ihnen gegen den Strich zu gehen scheint, wogegen ich meine Gegenargumente, ob richtig oder falsch sei dahingestellt, im Sinne der Liberalität und Demokratie, wenn es mir beliebt, ins Feld führen darf oder kann.

        Besonders positiv finde ich Ihr Vorgehen, zumal Sie mit billigen Stigmatisierungen, wie Nazi oder Antisemit auch mir gegenüber nicht hantieren, obwohl auch die Vornahme Ignác (im Ungarischen als liebes Kosewort „Náci“) für geistvolle Witzeleien gewisse Möglichkeiten böte.

        Ich kann den kultiviert verwendeten „persönlichen“ Ton und auch gefühlsmässige Motive in politischen Diskussionen nur begrüssen. Denn auf diese Art moderat persönlich werden, macht es möglich, auch solche Sachen zu vestehen (be-greifen), bei deren Analyse im Zuge einer sachlich trockenen Darlegung man laufend sich genötigt sehe, möglichen Gegenmeinungen ständig aus dem Weg zu gehen, quasi einen Eiertanz zu vollführen (potenciälis ellenvéleményeket állandóan kerülgetmi kellene.).

        „Was sind eigentlich “linksliberale Tretminen”?“

        Zum Beispiel, der ung. Begriff „NEMZET“, die mit dem ins Deutsche übernommenen Wort „NATION“ nur sehr ungefähr, seinem Inhalt nach äusserst unvollkommen wiedergegeben wird. Sobald Sie aber das Wort weiter entwickeln und daraus „Nationalist“, „nationalistisch“ ableiten, hat das mit dem ung. Begriff „nemzeti“ – so wie ich meine Muttersprache erlebe und erfühle – hinten und vorne gar nichts zu tun.

        Und last not liest, „Liberal“ ist für mich kein Schimpfwort, denn Liberalismus hat in Ungarn eine lange Tradition und ich verstehe mich auch als liberal, allerdings konservativ-liberal.

        „Links“ war meines Wissens während der Grossen Französischen Revolution eine Art Ortsbestimmung im „Parlament“, also Orientierungshilfe, wie „Rechts“ ebenfalls.

      • „ Allerdings weiß ich, dass das Lehnwort „Nationalität“ in der deutschen Sprache – also in der Sprache, die meine Vorfahren nachweislich seit dem 16. Jahrhundert sprechen, in der ich aufwuchs und die ich inzwischen einigermaßen beherrsche – mehrdeutig ist.“

        Herr Herche,

        Sie kratzen da in der richtigen Gegend, denn dort juckt es offenbar. Doch das wirkliche Problem besteht darin, dass „Nation“ im Deutschen ein Lehnwort ist, mit dem leider ein ziemlich verschwommener Begriff assoziiert ist.

        Im Deutschen wird originär, d.h. von Haus aus, das „Volk“ von der „Nation“ nicht unterschieden. Deshalb benutzen die Deutschen für den Begriff „Nation“ das aus dem Französischen übernommene Wort.

        Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen, dass die deutsche Sprache zB. auch kein eigenes Wort für „Familie“ hat. Das Wort „Familie“ ist nämlich eine Übernahme aus dem Lateinischen. Der Grund ist dafür, dass bei den Deutschen vor der Annahme des Christentums „Familie“ im heutigen Begriff noch gar nicht existierte. Die deutschen Stämme lebten ursprünglich in Sippen. Das und manches andere können Sie bei Tacitus nachlesen.

        Deshalb bereitet es für die Deutschsprachigen zB. kein Problem, den Begriff „Sippenhaft“ zu begreifen. Die Ungarn müssen sich da schon mit der Umschreibung „Kollektiv-Schuld“ zufrieden geben.

        Doch zurück zu Volk und Nation.

        Das Ungarische ist in dieser Beziehung schon wesentlich differenzierter.

        Für die westlichen Völker gilt die Definition (wahrscheinlich auch im Duden) heisst etwa:

        Eine Nation besteht aus Menschen gleicher Abstammung und Sprache, ein Volk hingegen könne sich auch aus Menschen verschiedenen Ursprungs zusammensetzen.

        Daraus, dass für den Westen mit Frankreich an der Spitze diese Definition der Weisheit letzter Schluss, und zur Dogma geworden ist, können sie nur in dieser Schema denken.

        Dies ist handkehrum für uns Ungarn der Krux. Denn für die Ungarn ist der Begriff „nemzet“ wesentlich liberaler und grösser dimensioniert, als der gängige westliche Begriff der „Nation“.

        Die ungarische Nation, um jetzt dieses Fremdwort als Krücke für die Verständlich-Machung zu benützen, ist und war von Anbeginn an völlig offen. Da wird wegen Rasse, Hautfarbe, Religion niemand ausgeschlossen. Dafür liefert unsere Geschichte Beispiele nicht nur in Hülle und Fülle, sondern ist direkt ein Tesaurus für national-menschliche Toleranz und Offenheit.

        Das ist das unbegreifbare Rätsel für westlich geschulte Ideologen der Liberalität, das sie in grosso modo bis heute nicht kapieren können.

        Um mich ähnlich bildhaft wie Sie auszudrücken:

        Ich persönlich bekomme die Krätze, wenn ich sehe, wie die Medien, um die Liberalität mit der Libertinage zu verwischen, sich oft abrackern!

      • Unter ‚Volk‘ lässt sich im Deutschen auch eine Gruppe von Menschen verstehen, die sich als ideelle Einheit begreift, das heißt als eine durch gemeinsame Herkunft, Geschichte, Kultur und Sprache, zum Teil auch Religion verbundene Gemeinschaft. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist dieses Verständnis von Volk nicht klar abgrenzbar von dem der Nation; beide Begriffe können insofern voneinander abgehoben werden, als Nation mehr Elemente der politischen Willensbildung enthält und Volk stärker emotionale Erfahrungen anspricht (Nationalbewusstsein). Die Unbestimmtheit beider Begriffe fördert ihren demagogischen Gebrauch, was zur Diskreditierung des Begriffs Volk und besonders des Adjektivs »völkisch« nach der nationalsozialistischen Zeit führte. Frau Marsovszky hat sich das zu eigen machen können. Ihre deutsche Leser-, und Hörerschaft warvorentlastet. Sie konnte an ein gewisses Vorwissen anknüpfen. Ihrer Klientel gilt sie als authentisch, weil sie Ungarin ist. Das, was sie über Ungarn berichtet, wirkt plausibel, weil es innerhalb des Erwartungshorizontes liegt, den Politikwissenschaftler, die sich auch mal von der Linkspartei sponsern lassen, heute haben
        (Vorentlastung ist ein Begriff aus der Pädagogik.)

      • „beide Begriffe können insofern voneinander abgehoben werden“

        Da gibt es wirklich Unterschiede, sonst hätte die deutsche Sprache das „Wort“ Nation nicht adaptiert, um eine ziemliche Lücke zu schliessen.

        „als Nation mehr Elemente der politischen Willensbildung enthält und Volk stärker emotionale Erfahrungen anspricht (Nationalbewusstsein).“

        Da haben Sie auch Recht, doch werde ich das Gefühl nicht los, dass sich bei Ihnen diese Vorstellungen auf Grund von (visuellen?) Erfahrungen mit den französischen Nachbarn eingeprägt haben, und viel weniger gemäss des ungarischen Beispiels.

        Ich kenne auch la Grande Nation einigermassen, und auch den Pathos, der mit gewaltigem Nationalstolz gedopt, und am 14. Juli vor der ganzen Welt zur Schau getragen wird. (Dies ist bloss eine Feststellung und ja keine negative Bewertung, zumal ich an gewissen Nationalstolz nichts Verdammenswertes finde.)

        Es ist natürlich schade, dass durch die Nazis das deutch-„völkische“ in Misskredit gebracht wurde. Doch dieses sog. „völkische“ ist nach den Ereignissen des 20. Jahrhunderts mit ung. „nemzeti“, jetzt erst recht nicht, gleichzusetzen.

        “Ein Reich, ein Volk, ein Führer” ist für die ungarische Denkart, das Beweist auch unsere Geschichte, zwar widergebbar, doch ein Unding in unserer Sprache.

        Die Sprache ist für mich in erster Linie eine seelische Funktion, auch wenn ein Produkt des Verstandes, eine Spezielle Art des Gedankenaustausches ist, und so Ethnogenesis bedingt von Falt zu Fall oft ziemlich verschieden.

        Auf den demagogischen Gebrauch dieser Begriffe kann ich leider zeitbedingt im Moment nicht mehr eingehen, doch wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich diese kleine Diskussion gelegentlich noch weiterführen.

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