Jobbik und MSZP arbeiten beim Kampf gegen „Fidesz-Oligarchen“ zusammen

Das österreichische Wirtschaftsblatt berichtet über eine „Koalition“ zwischen der rechtsradikalen Oppositionspartei Jobbik mit den – ebenfalls oppositionellen – Sozialisten. Beide Parteien arbeiten beim „Kampf gegen Fidesz-treue Oligarchen“ zusammen:

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/osteuropa/ungarn-zwei-parteien-kaempfen-gegen-fidesz-treue-oligarchen-518362/index.do

Der neu einzusetzende parlamentarische Untersuchungsausschuss soll die Vergabe staatlicher Aufträge an fidesznahe Unternehmer prüfen.

 

116 Kommentare zu “Jobbik und MSZP arbeiten beim Kampf gegen „Fidesz-Oligarchen“ zusammen

    • Dafür findet Cathrin Kahlweit nette Worte: Ein „pragmatisches“ Bündnis soll das sein. Aber wehe, ein Jobbik-Abgeordneter stimmt mit Fidesz, dann ist gleich das Ende des Rechtsstaates nah.

      http://www.sueddeutsche.de/politik/regierung-in-ungarn-pragmatisches-buendnis-gegen-orbns-saubermann-image-1.1363224

      Der Beitrag gibt sich – im Vergleich zu den sonstigen Berichten – merkwürdig zurückhaltend gegenüber Jobbik. Der Partei, die jüngst eine EU-Fahne verbrennen ließ, die fortwährend von der jüdischen Unterwanderung der ungarischen Politik schwadroniert (übrigens auch Fidesz so angreift), gegen Roma hetzt und dabei den vom kommunistischen Schriftsteller György Moldova „erfundenen“ Begriff der „Zigeunerkriminalität“ verwendet. Wir lernen also: Alles, was gegen Fidesz geht, ist „pragmatisch“. Auch Herr Pfeifer hält die Füße merkwürdig still, befasst sich stattdessen zur Ablenkung mit József Nyirö. Wo ist die Empörung, der Ruf aus Brüssel, wo sind die lautstarken Proteste aus dem EU-Parlament?

      Ich habe ein besseres Wort als „pragmatisch“, das sowohl für die beiden Parteien als auch die Presse gilt: „Entlarvend“!

  1. Bin zwar nicht die Antifa, tue Ihnen aber gern den Gefallen und schreibe was dazu:

    Es ist wichtig, diesen Aspekt zu beleuchten. Fidesz tut immer so, als gebe es politische Korruption nur außerhalb der eigenen Partei. In einem Land wie Ungarn, in dem Politik und Wirtschaft so eng miteinander verknüpft sind, kann das nicht richtig sein. Transparency International hat in einer dicken Studie darauf hingewiesen, wo die strukturellen Probleme des politischen Systems liegen: in einer zu niedrigen öffentlichen Parteienfinanzierung, die zudem vom Rechnungshof nur ungenügend kontrolliert wird.

    Man liest jetzt immer öfter von der Bevorzugung Fidesz-naher Unternehmen (allen voran: Közgép!) bei öffentlichen Ausschreibungen. Dabei müssen zweifelsohne Strukturen verändert und nicht nur EInzelfälle zu Lasten des politischen Gegners erörtert werden. Ob die Form eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses in einer politischen Kultur wie der ungarischen wirkliche Erkenntnisgewinne und brauchbare Lösungsvorschläge bringt, darf dabei gewiss bezweifelt werden.

    Bemerkenswert fände ich es, wenn Jobbik und MSZP in dieser Sache tatsächlich einmal zusammenarbeiten würden. Die Opposition ist ja in einem furchtbaren Dilemma: für viele Dinge (Verfassungsklage, Aufstellung von Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten und eben auch von Untersuchungsausschüssen) kann MSZP das Quorum nur dann erreichen, wenn sie mit den Extremisten kooperiert. MSZP und LMP hätten zusammen jedenfalls nicht genügend Stimmen.

    Die große Frage lautet: Soll man Jobbik also ausnahmsweise wie eine „normale“ Partei behandeln oder muss man sie vielmehr völlig isolieren, auch um den Preis, die Ohnmacht der Opposition unter den Bedingungen der 2/3-Regierung noch zu verstärken? Wenn der o. g. Untersuchungsausschuss gebildet würde, hätten sich in den Reihen der MSZP erstmals die Realpolitiker gegen die Prinzipientreuen durchgesetzt.

    • Um genau dieses „Dilemma“ geht es. MSZP zieht durch die Lande und kritisiert Fidesz dafür, dass sie angeblich Jobbik so nahestehen. Jochanan Shelliem erzählt gar Märchen von einer Regierungsbeteiligung, Blogs werden gefüllt mit der (angeblichen) Seelenverwandtschaft Fidesz/Jobbik, M. Marsovszky schreibt sich die Finger wund. Und jetzt zeigt sich, dass man doch – im Kampf gegen Fidesz – genau mit denen zu kooperieren bereit ist. Und die Empörung fehlt. Zweierlei Maß.

      Ich selbst vertrete die Ansicht, dass man Jobbik auf dem politischen Parkett schlagen muss (die entsprechende Einsicht habe ich nach dem katastrophal endenden Parteiverbotsverfahren gegen die NPD in Deutschland gewonnen!), die Ausgrenzung stärkt diese Partei(en) immer, weil sie sich als Opfer des „Establishment“ darstellen und so viel Protestwahlpotenzial auf sich vereinigen kann/können. Nur wenn man Jobbik im Parlament entlarvt, ihre leeren Versprechungen, ihren unerträglichen Stil brandmarkt und sie so dorthin stellt, wo sie hingehört (ins Abseits!), wird dieser Spuk enden. Und da gibt es wahrlich viel Arbeit, auch für Fidesz.

      Insofern ist die Kooperation von Jobbik und MSZP letztlich vielleicht sogar ein Zeichen politischer Normalität. Ich komme aber nicht herum, darauf hinzuweisen, dass sich die MSZP hierdurch wieder einmal als Pharisäerpartei entlarvt hat: Sie kritisiert andere dafür, was sie selbst tut.

      • War es nicht ein LMP-Abgeordneter (Karacsony?), der zuerst die Möglichkeit einer „technischen“ Zusammenarbeit aller drei Oppositionsparteien vorgeschlug? Dafür ist er heftig gescholten worden. Außerdem sah man in der Presse Bilder, auf denen sich der damalige LMP-Fraktionsvorsitzende Schiffer augenscheinlich freundlich mit Jobbik-Politikern an deren Stand unterhielt. Irgendwie liegt es natürlich in der LMP-Logik mit allen politischen Kräften zu sprechen und ggf. auch mit allen zusammen zu arbeiten.

        Die Wahl der parteilosen Bürgermeisterin von Esztergom konnte auch nur wegen entsprechender Absprachen aller Parteien außer Fidesz/KDNP gelingen. Eine solche technische Zusammenarbeit im Einzelfall macht Jobbik nicht gleich „salonfähig“, aber wenn sich die Beispiele häufen, dann kann man ins Grübeln kommen. Ich bin unentschieden. In Sachsen läuft die Isolierung der NPD z.B. ganz gut. Dort sind sich CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke einig in der Ausgrenzung dieser antidemokratischen Partei.

        Sicherlich stellt sich auch für Jobbik die Frage: Sollen wir wirklich mit den bei unseren Anhängern so diskreditierten Sozialisten kooperieren, geben wir uns dabei nicht auf? Ein unabhängiger Beobachter könnte am Ende zu dem Schluss kommen, dass es um ein wirklich wichtiges Thema gehen muss, wenn sich Rechtsextreme, Sozialisten und Grüne zusammenfinden. Es wird spannend bleiben, diese Dinge zu beobachten.

  2. Ist der in einigen Gemeinden gemeinsam von Jobbik und Fidesz gepflegte Horthy-Kult nur eine Ablenkung? (Ironie!)
    HV glauben Sie wirklich, dass ein im Parlament durch undemokratische Gesetze notwendige gemeinsame Abstimmung der demokratischen Oppositionsparteien mit der neonazistischen Jobbik, auf ideologischen Gemeinsamkeiten gründet, wie im Fall Fidesz-KDNP, die aufgrund einer Jobbik Initiative den Trianon-Gedenktag eingeführt haben?

    • Welche ungarischen Gemeinden sind das denn, in denen Jobbik und Fidesz den Horthy-Kult pflegen? Und überhaupt, worin besteht Ihr „Horthy-Kult“ denn, Herr Pfeifer? Ich weiß nur von einer von einem Roten rot umlackierten Horthy-Holzstatue in Kereki. In der war aber nicht mal der Wurm drin.

      In der Zeitung von heute (Veszprémi Napló) steht , dass Gyurcsány sich in den Tierpark von Veszprém einweisen ließ. So habe ich das jedenfalls verstanden. Er sieht sich als Reinkarnation der progressiven Nation der Madjaren, steht in der Zeitung. Es gab dazu sogar ein Bild. Er hatte sich mit was Braunem abgelichtet, mit einem Affen oder einem Jobbik-Funktionär, was epistemologisch, wie Herr Pfeifer immer wieder aufs Neue beweist, ja nur eine Sache der Perspektive und des Alters ist. Jedenfalls macht Gyurcsány mit Affen so wie Pfeifer mit Nazis Furore. So sehe ich das, wobei, ich hatte meine Brille nicht auf. Aber man weiß doch, was gemeint ist. Ich meine, jeder giftet halt über Ungarns Rotbraunkacke, wie ’s gefällt. Ich finde sie allemal Scheiße.
      Apropos Rotbraunkacke: Baron Münchhausen trägt in Ungarn Hitlerbärtchen. Weil er doch sonst von der Wiener Ungarnberichterstattung niemals auch nur erwähnt würde. Sowieso.

      Dem einen wächst die Nase und man lobt ihn dafür über den Klee. Aber wer unter der Nase pflegt, was mir im Arsch wild wächst, der wird böse als Beweis für die Wiedergeburt der Banalität angeführt. (Das mit „pflegt unter der Nase“ ist Weltliteratur. Die Ungarn hätten besser Norman Mailer in ihren Nationalen Lehrplan aufnehmen sollen, nicht so sehr Szabó, Nyirö und Wass.)

      HV wird mich jetzt wieder zensurieren. Pfeifers Nazi-Pirouetten sind ihm sakrosankt und als Super-Nanny lässt er nur Schwachsinn durchgehen, wenn er von Pfeifer kommt. So bleibt es wohl mein Geheimnis und vor den Österreichern verborgen, was ich so gerne verrauten würde, dass es mir nämlich zwischen Passau und Nickelsdorf so wie Norman Mailer geht, wenn es für ihn nach KRAUTS roch. Hatte in Österreich noch nie ’ne steife Nase. Schlimm diese Österreicher, noch schlimmer die Erektionsstörungen und am schlimmsten ist mein Siegmund Freud, weil der bei Nazi-Macke völlig versagt. Ich fahre deshalb immer mit steifem Bein und 130 km/h durch Österreich durch, weil es mir in Österreich nicht gut geht. Ich halte das Tempo bis Nickelsdorf. Da erst ist der Spuk vorbei. Da ist nichts mehr von dem zu sehen und zu hören, was Herrn Pfeifer bewegt. Und lachen kann ich in Ungarn auch wieder. Zum Beispiel, wenn ich eins von den neuen Ortsschildern in rovásírás sehe, die die Jobbik-Rotbraun-Kacke lépten-nyomon aufstellt . Sanyi sagt, die muss man rückwärts lesen. Er sagt, das ist rovar-Sprache. Von Szeklern hat er nämlich noch nichts gehört. Er kennt sich aber mit Pestiziden aus. Ich hab ihn gefragt, wer denn die rovar-Schilder spritzen tät, aber er meint, da sei noch kein Wurm nicht drin. Die hätten sie gerade erst aufgestellt.

      Jetzt bin ich aber mal gespannt, wann Herr Pfeifer anfängt, gegen die Szekler Runenschrift zu giften. Giften ist immer gut. Auch wenn in der rovarírás gar kein Wurm drin ist.

      Also, Herr Pfeifer, verraten Sie mir, in welchen ungarischen Gemeinden Ihr „Horthy-Kult“ gepflegt wird und ich verschaffe Ihnen vielleicht die Patenschaft über diese neuen ungarischen Ortsschilder mit der Runenschrift. Zum Giften!

      Ich meine, nicht immer rückwärts giften, Herr Pfeifer.

  3. Es ist doch ganz einfach. Wenn Fidesz mit Jobbik zu begrenzter Interessengemeinschaft antritt, ist das Faschismus-Fundamentalismus. Wenn die MSZP Jobbik salon fähigmacht, ist das begrüßenswerte Realpolitik.

    Und die Wahrheit ist, dass viele Jobbikwähler ursprünglich von links kommen und ganz bestimmt auch wirtschaftspolitisch entschieden sozialistisch denken.

    • Sie haben offenbar ein sehr klares Freund-Feind-Schema, Herr Kálnoky. Dass Jobbik viele enttäuschte MSZP-Wähler angezogen haben soll, habe ich auch schon oft gehört. Was die Gründe dafür sein könnten, ist mir hingegen nicht so sonnenklar wie Ihnen. Ich hielt es bislang immer für zutreffend, dass man den Rechts-Links-Gegensatz in Ungarn gerade nicht an der Wirtschaftspolitik festmachen kann.

      Jobbik-Wähler denken wirtschaftspolitisch wahrscheinlich in erster Linie etatistisch und protektionistisch. Weil der Markt Firmen, Produkte usw. nicht allein deshalb bevorzugt, weil sie ungarisch sind, soll der Staat helfen, diesen „Mangel“ auszubügeln. Klingt erstmal nach vielen Gemeinsamkeiten mit Fidesz, oder? Der ist auch für einen starken Staat zwecks Bevorzugung heimischer Marktteilnehmer, ob es nun um die Essensgutscheine geht, die Sondernsteuern, den Schutz des Ackerlands vor den Österreichern, die Hungarika-Lebensmittel etc.

      • Klingt nach Fidesz. Allerdings ist Fidesz in Ungarn, was Wirtschaftspolitik angeht, die „Sozialdemokratie“. Die MSZP ist in dieser Hinsicht eher die FDP Ungarns.

      • Naja, sag ich doch: Die klassische Formel sozialdemokratisch, sozialistisch oder „links“ = viel Staatseinfluss im Wirtschaftsleben funktioniert in Ungarn so nicht. Hier muss es eher heißen: viel Staatseinfluss im Wirtschaftsleben = nationales Lager, also „rechts“.

      • @Ungarnfreund: Ich sagte „sozialistisch“, was die sozialistische Partei nicht mehr ist, weshalb die Wähler teilweise zu Jobbik abwanderten.

        Und: Warten Sie mal den Wahlkampf ab. Würde mich sehr überraschen wenn sich die MSZP dann noch als neoliberal darstellt.

  4. Lieber Kollege Kálnoky,
    Nyirö war auch Redakteur eines ungarischen Naziblattes und Pusztaranger hat sogar ein Titelblatt dieses Elaborats aus dem Jahr 1943 dokumentiert.
    Wenn also die Fidesznahe ungarische Partei in Rumänien vorschlägt, dass der Pfeilkreuzlerabgeordnete des ungarischen Parlaments József Nyirö (Für Nichtungarn: die Pfeilkreuzler waren die letzten Verbündeten der Nazi), der in Francospanien Unterschlupf gefunden hat, nun ein großes Begräbnis in Rumänien bekommt, und dieses durch die aktive Hilfe von Ungarn ermöglicht wird, dann ist das laut Ihrer Lesart gleichzusetzen mit einer gemeinsamen Abstimmung der MSZP mit Jobbik.

    • Welches von Nyirös Werken war denn nun das antisemitischste? Die Frage ist doch klar gestellt, oder? Dann seien Sie doch so nett, sie zu beantworten. Anstatt irgendwelche „Deutungen“ vorzunehmen…

  5. Für HV spielt also die Tatsache, dass Nyirö ein ungarischer Nazipolitiker (für Ungarnkenner ein Pfeilkreuzler) war keine Rolle. HV meint auch, das einzige was ich beanstanden könnte und dürfte wäre ein antisemitisches Werk des Jozsef Nyirö. Dass er ein Nazi war stört ja nicht, denn er war auch einmal ein Schriftsteller.

    • Mit dieser Unterstellung mir gegenüber liegen Sie nicht nur falsch, Sie disqualifizieren Sie sich selbst. Sie beantworten eine Frage nicht, stattdessen schalten Sie in den Pfeifer´schen „attack mode“ und unterstellen. Was soll das Theater?

      Also nochmal: Welches Werk von Nyirö ist antisemitisch? Diese Frage zu beantworten wird Ihnen anhand Ihres Dossiers, dass Sie über Nazis und vermeintliche Nazis führen, doch leicht fallen…

    • Sagen Sie mir eines, Herr Pfeifer! Warum Nyirö, und warum Wass, und warum nicht Lörinc Szabo? Der letztere hat bekanntlich einen Abstecher Richtung Pfeilkreuzler gemacht. Trotzdem wurde er der ungarischen literarischen Kanon teil. Haben Sie damit auch ein Problem?
      Freilich, von Szabos Gedichte wurde noch keiner Nazi. Ich denke auch nicht, dass der Bence Uz jemanden zum Rechtsradikalen macht. Albert Wass Novelle “A MÁTYÁS ÉS AZ ŐZ MESÉJE” ist die genialste Fabula über (und gegen) das Antisemitismus, die ich kenne. Warum dieser Hass dann?
      Und wenn Sie überzeugt sind dass Schriftsteller durch ihre politische Ansichten ihre Werke disqualifizieren, was sollten wir mit all den kommunistischen Schriftsteller machen? Sollte sich das MSZP von Attila Jozsef distanzieren? Oder wenn jemand Agnes Heller auszeichnet, macht sich verantwortlich für den GULAG?

  6. Herr Pfeifer, ich bin wirklich kein Nyirö-Kenner aber Sie machen mich richtig neugierig. Sind Sie sich ganz sicher, dass er „begeisterter Pfeilkreuzler“ war, wie Sie schrieben? War er Parteimitglied? Wann trat er der Patrtei denn bei, ist das irgendwo vermeldet?

  7. http://www.nyiroalapitvany.hu/eletrajz.html

    …“Nyirő Józsefet végakaratához híven a Magyar Állam hazahozatja és 2012. év pünkösd vasárnapján Székelyudvarhelyen ünnepélyes körülmények között méltósággal, újratemetik a székelyudvarhelyi róm.kat. temetőben.

    Székelyudvarhelyi házát, mely a Nyirő utcában van, emlékmúzeummá alakítják.

    Legyen nyugodt az örök álmod ! „

  8. Lieber Kollege Kálnoky,
    Prof. Randolph L. Braham publizierte 1994 bei Columbia University Press sein
    „The Politics of Genocide, The Holocaust in Hungary“
    Auf Seite 175 fand ich im Kapitel über die ungarische Besatzung von Nordtransylvanien folgende Erwähnung „The swing to the ritht was also joined by the various economic and social associations […] and by such cultural institutions as the Erdélyi Helikon. The latter came under the influence of writers like József Nyirö, a „literary representative“ of the extreme right.“

    Auf Seite 1009 zitiert Braham C.A. Macartney. Im Vorstand des gegen Horthy gerichteten „Törvényhozók Nemzeti Szövetsége“ (138 Abgeordnete) war József Nyirö“ Mitglied. Einige andere Mitglieder dieses Vorstands (19 Mitglieder) wurden nach der Befreiung Ungarns wegen ihrer Verbrechen hingerichtet u.a. Lajos Szász, Ferenc Rajniss, Jenő Szöllősi, László Baky, László Bárdossy, Andor Jaross, Mihály Kolosváry-Borcsa und Gábor Vajna.
    Falls Sie Zweifel an meinen Angaben haben, bin ich gerne bereit die betreffenden Seiten zu scannen und Ihnen zuzusenden. Das gilt natürlich auch für HV.

    • Mir ist immer noch nicht kar, warum das schriftstellerische Werk Nyirös nicht Teil des Lehrplans sein sollte. Eine Auseinandersetzung bietet Gelegenheit, sich mit all den dunklen Seiten seiner Lebensgeschichte zu befassen.

      Ein Vergleich: Nur ein Dummkopf käme auf die Idee, Richard Wagner zu verbieten, weil er (ebenfalls unbestritten) von den Nazis verehrt wurde und Antisemit war. Sein musikalisches Genie bleibt davon unberührt.

      • Die große Frage ist halt, ob die drei offenbar irredentistischen Schriftsteller dann in den Schulen wirklich kritisch gut5 behandelt werden oder ob dort nur ihre „Heimatliebe“ herausgestrichen wird.

        Vertreter jüdischer Gemeinden waren jedenfalls nicht begeistert, als Präsident Schmitt seinerzeit zum Amtsantritt diesen Wass zitierte und damit aufwertete. Ich fands sehr geschickt und gut von Áder, dass er in seiner Antrittsrede nicht irgendeinen nationalistischen Heini, sondern den angeblich „linken“ Poeten Attila József zitierte, um die Notwendigkeit einer Aufarbeitung der Vergangenheit zu unterstreichen.

      • „Die große Frage ist halt, ob die drei offenbar irredentistischen Schriftsteller dann in den Schulen wirklich kritisch gut5 behandelt werden oder ob dort nur ihre “Heimatliebe” herausgestrichen wird.“

        Das ist die Frage, stimmt. Aber wir werden es nur herausfinden, wenn wir es ausprobieren. Die Lehrerschaft unter Generalverdacht der Inkompetenz oder der völkischen Nostalgie zu stellen, halte ich für voreilig. Wenn man richtig hört, hat Fidesz ja gerade bei den Lehrern nicht nur Freunde.

    • Nicht doch Herr Pfeifer, ich zweifele nicht an der rechten Gesinnung, der er irgendwann ab 1939 erlag. Mir ging es um die Frage, ob er Mitglied bei den Pfeilkreuzlern war, wie Sie behaupten (und was ja stimmen mag). Ich bin da ganz ungebildet und lese im Internet, dass er vor dem Szalasi-Putsch schon Abgeordneter war, als „behivott erdelyi Képviselö“, und dann – im Gegensatz zu all den Aufrechten, die das Parlament verliessen – nahm er bedauerlicherweise auch danach sein Mandat wahr. Aber war er denn nun Parteimitglied?

    • Thema Horthy: Der Antifa-Anwalt Péter Dániel hat eine Horthy-Statue mit roter Farbe übergossen und mit einer Tafel „Massenmörder, Kriegsverbrecher“ umhängt.

      Mag mir einer erklären, was man mit solchen Kindergartenaktionen erreichen will.

  9. PS – Dass Nyirö, – unabhängig von seinem Werk – am Ende politisch, journalistisch und moralisch den falschen Weg ging, ist für mich unbestritten. Dass er aber als Schriftsteller eine differenzierte Betrachtung verdient, ebenso.

  10. Kollege Kálnoky,
    Wer so wie Fidesz sich aufschwingt und die MSZP für die Verbrechen der Rákosi und der Kádárperiode verantwortlich macht und gleichzeitig einen ungarischen Pfeilkreuzler-Nazipolitiker , der früher auch Schriftsteller und sogar katholischer Priester war zu einem halbstaatlichen Begräbnis verhilft, der sollte den Balken aus dem eigenen Auge nehmen. Sonst könnte man meinen, Fidesz braucht Sündenböcke, die dafür gradstehen sollen, weil so viele Ungarn sich mit dem Kádárregime arrangiert haben. Andererseits aber glauben die Fideszanführer fest daran, dass sie Jobbiks Wünsche verwirklichen müssen.
    All diese Aktivitäten dienen auch dazu, um abzulenken von der wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe der letzten zwei Jahre.

  11. Jobbik und MSZP arbeiten beim Kampf gegen “Fidesz-Oligarchen” zusammen.

    Wie der Zweck doch die Mittel heiligt.
    Wenn es um den Kampf für Gerechtigkeit? (gemeinsam) gegen FIDESZ geht, dann ist jobbik auf einmal salonfähig??
    Ich befürchte ich fall vom Glauben ab.

  12. HV Sie schrieben: „Diese Frage zu beantworten wird Ihnen anhand Ihres Dossiers, dass Sie über Nazis und vermeintliche Nazis führen, doch leicht fallen…“
    Haben Sie meine Wohnung besucht? Von wo wollen Sie wissen, dass ich überhaupt Dossiers führe? Was wollen Sie damit aussagen?

    Der französische Schriftsteller Celine war nicht nur ein Antisemit, er hat auch während der Besatzung Juden ans Messer geliefert. Deswegen aber bleibt er ein genialer Schriftsteller.

    Wass, Szabo und Nyirö fallen nicht in diese Kategorie. Aber auch wenn Nyirö so geschrieben hätte wie Celine, gebührt ihm, der bis zuletzt ein Pfeilkreuzlerpolitiker war kein halbstaatliches Begräbnis. Und nur darum geht es mir, nicht um sein Begräbnis in Rumänien, nicht um die Publikation seiner Arbeiten, sondern nur darum, warum der ungarische Staat Nyirö diese Ehre gibt.
    Denn wie schon so oft zuvor ist dieses Begräbnis eine Forderung von Jobbik, die von Fidesz erfüllt wird. Und da ist es richtig demagogisch, wenn hier versucht wird mit Hinweis auf eine Abstimmung über eine parlamentarische Untersuchung davon abzulenken.

    Ich denke, dass MSZP und andere, die bereit sind mit Jobbikgemeinsame Sache zu machen einen moralischen und politischen Fehler begehen.
    Aber das ist wieder ein anderes Thema.

  13. HV ich machte eine Aussage über einen mir sehr unsympathischen CSU-Abgeordneten und irrte und bekannte mein Irrtum.
    Mein Archiv befindet sich in meinem P.C.
    Aber zurück zu Nyirö, sind Sie der Meinung dass der ungarische St aat diesen Pfeilkreuzlerpolitiker mit einer halbstaatlichen Überführung ehren sollte?

    • Nein, ich bin nicht der Meinung, dass der „Staat“ Nyirö ehren sollte. Schon gar nicht, wenn das Begräbnis auf dem Gebiet eines anderen EU-Staats stattfindet. Gleichwohl bin ich vorsichtig, wenn Sie jemanden als Nazi oder Pfeilkreuzler bezeichnen. Und die Tatsache, dass Nyirö von den Kommunisten verboten wurde, ist für mich keinerlei Beleg für irgend etwas. Ich habe übrigens immer noch keinen Beleg gefunden, dass Nyirö Pfeilkreuzler war. Seine Rolle beim Kriegsblatt „Magyar Erö“ ist hingegen erwiesen. Kläre Sie mich bezüglich der Szálasi-Partei bitte auf. Wann trat Nyirö ein?

  14. HV Na endlich. Sie sind also dagegen, dass der ungarische Staat diesen Pfeilkreuzlerpolitiker ehrt.
    Vorsicht ist gut. Doch in diesem Fall habe ich meine Quelle angegeben. Zweifeln Sie daran?

    genügt Ihnen nicht, dass Nyirö Abgeordneter der Pfeilkreuzler Partei war und nach dem Krieg weiter für die Pfeilkreuzler eintrat?

    Genügt es nicht, dass er an der Führung der Szálasitreuen Abgeordneten teilnahm?
    Fakt ist, Fidesz hat wieder einmal eine Forderung der Jobbik erfüllt.

    • Schauen Sie, Herr Pfeifer: Ich bin dagegen, dass man Nyirö eine quasi-staatliche Ehrung zukommen lässt. Ich bin auch gegen die Benennung von Straßen und Plätzen nach Horthy, im Hinblick auf die historische Verantwortung. Man könnte (Ironie!) stattdessen mehr Straßen nach meinen Vorfahren benennen, derer gibt es in Budapest erst eine.

      Zurück zu Nyirö: Mit der Aufnahme seiner literarischen Werke in den Lehrplan (das war das Thema) habe ich kein grundsätzliches Problem, denn ich habe von Ihnen und Ihrem Archiv nichts gehört, was diese Stücke als ungeeignet für den Lehrplan erscheinen ließe. Nyirö war als „népi író“ Teil einer Phase, und auch die gilt es zu behandeln. Kritisch, versteht sich. Ich halte nichts von Verboten, wie sie nach dem Krieg von den Kommunisten in Ungarn und Rumänien (beides nach dem Krieg wahrhafe Wiegen der Freiheit und Gerechtigkeit…) ausgesprochen worden waren.

      Ich würde die in der Literatur sachkundigen Leser des Blogs aber gerne zum Thema hören. Herr Peter Herche scheint mir ausweislich seiner bisherigen Beiträge in Fragen der ungarischen Literatur über großartige Sachkunde zu verfügen, vielleicht kann er sich fundiert äußern, was von Nyirö zu halten ist. Herr Herche, können Sie vielleicht Sachliches beitragen?

      Und nun noch ein paar Worte zu Ihnen, Herr Pfeifer. Es ist nämlich wieder einmal Zeit, Grundsätzliches klarzustellen und das Rumpelstilzchen in Ihnen einzubremsen: Ihre Versuche, mir irgend eine Seelenverwandtschaft oder Nähe mit der politischen Rolle Nyirös „anzudichten“ und mich über Unterstellungen dazu zu veranlassen, mich zu distanzieren, sind ermüdend und respektlos. Etwa die in eine Frage gekleidete Behauptung, mich würde der Umstand, das Nyirö ein Nazi war, „nicht stören“. Begreifen Sie es endlich, dass Ihre Versuche scheitern. Ihr Prinzip ist immer das Gleiche: Sie behaupten etwas, und wenn ich mich nicht distanziere, steht es im Raum. Inquisitorische Methoden, die lustiger Weise einer anwendet, der im großen politischen Tagesgeschäft so viel Wert auf die „Unschuldsvermutung“ legt. Vielleicht glauben Sie ja, aufgrund Ihres Alters oder aus sonstigen Gründen, die ich nicht kenne, dürften Sie so mit mir oder auch anderen Menschen meiner Generation sprechen. Sie irren sich, und zwar ganz gewaltig. Ich vermute, dass es Sie stört, dass Sie sich in dieser Beziehung seit mehr als zwei Jahren die Zähne an mir ausbeißen, und auch Ansätze Ihrer antifaschistischen Hilfsfeuerwehr, HV zu einem Forum zu machen, in dem sich (ich zitere) „zunehmend rechtsextreme Komentatoren tummeln“, sang- und klanglos verpufft sind. Aber Sie versuchen es immer und immer wieder. Daher ganz offen meine Bitte: Wenn es Ihr Ziel ist, dieses Forum dahin zu stellen, wo man es nicht mehr als Partner eines kultivierten Dialogs akzeptiert, dann schlage ich vor, dass Sie das offen aussprechen und sich danach eine andere Plattform des Austauschs suchen. Sie können dann so viele Selbstgespräche mit der Antifa, Frau Marsovszky und anderen führen, wie Sie wollen. Andernfalls stelle ich Ihnen anheim, von Anwürfen der genannten Art zukünftig abzusehen.

      Und zum Abschluss ein Vorschlag zur Sache: Da Sie offenbar beseelt von dem Gedanken sind, von aller Welt Distanzierungen von rechtsrechtem Gedankengut verlangen zu können und zu dürfen (auch wenn der Betroffene nie eine Nähebeziehung begründet hat), habe ich einen Vorschlag. Schreiben Sie mir doch einfach eine Liste, auf der Sie aufführen, von was ich mich alles distanzieren soll. Ich tue das dann sehr gerne. Ich könnte mich dann in einem Aufwasch z.B. von dem quasistaatlichen Begräbnis für Nyirö, von völkisch-rassistischem Gedankengut, von Ferenc Szálasi, vom Trianon-Gedenkmal in Kecskemét, von der Heiligen Krone und dem Schamanen, von Miklós Horthy und seinen Obszönitäten in James Joyce´s „Ulysses“, von dem Székely Gyorsvonat, von weißen Pferden und auch vom Mangalica-Schwein lossagen. Senden Sie mir einfach die Liste mit weiteren Punkten zu, ich stelle sie online und wir können ein für allemal Ihre ermüdenden Versuche, dieses Forum nach rechtsaußen zu drücken, beenden. Vorausgesetzt, Sie möchten das überhaupt…

  15. Mein Resümé der Diskussion: Erst sah Herr Pfeifer in Nyirö einen antisemitischen und faschistischen Schriftsteller, ohne aber erklären zu können, welches seiner Bücher faschistisch oder antisemitisch war, und dann hiess es er sei Pfeilkreuzler, ohne aber sagen zu können, ob und wann er in die Partei eintrat, oder welche Funktion er darin ausübte.

    Das Thema wird übrigens von links verzerrt – es geht wie gesagt um die népi irók, die fortan im Unterricht behandelt werden sollen, was auch gut ist. Man tut ja fast schon so als sei ein neues Fach für Wass, Nyirö und Szabó eingerichtet worden.

    Übrigens ich würde weder meinen geistigen Horizont noch den meiner Kinder (Schulcurriculum) dadurch einengen wollen, dass ich Ezra Pound nicht lese, weil er Faschist war, oder Aragon, weil er Kommunist war. (Für mich sind beide Ideologien gleich mörderisch, sie entmenschlichen das Individuum und erniedrigen es zum blossen Bestandteil einer wirtschaftlichen Klasse oder Rasse/Volksgruppe). Die Bücher selbst müssen der Maßstab sein, der Rest ist Anlass für offene und fruchtreiche Debatte.

  16. HV also im wesentlichen sind wir einverstanden. Nämlich dass Ungarn nicht ein halbstaatliches Begräbnis – noch dazu außerhalb Ungarns – veranstalten sollte. Nirgendwo habe ich irgendeine Distanzierung von Ihnen verlangt oder erwartet. Wenn Sie das aber wünschen und meinen ich störe hier und meine Beiträge seien Selbstgespräche, dann lassen Sie mich das wissen und ich verschwinde aus diesem Blog.

    Herr Kálnoky, Sie enttäuschen mich. Ich habe hier zitiert aus Brahams wissenschaftlichen Buch und belegt, dass Nyirö ein führender Abgeordneter des gegen Horthy gerichteten Blocks im September und Oktobert 1944 war.
    Das genügt Ihnen nicht. Sie wollen noch belegt haben, dass er Pfeilkreuzler war. Wenn ich Pfeilkreuzlerquellen angeben würde, dann könnte ich das sofort belegen. So aber müssen Sie sich ein klein wenig gedulden.

    Mir ging es um die staatliche Unterstützung und die Ehre die der ungarische Staat Nyirö angedeihen läßt und nicht um seine literarische Meriten. Wenn also Wass und Nyirö mit Wagner oder gar mit Ezra Pound verglichen werden, dann werden die maßlos aufgewertet. Aber das ist Nebensache.

    Hauptsache ist, dass Fidesz wieder einmal eine Forderung von Jobbik erfüllt und damit signalisiert, dass es sich nicht an die in der EU hochgehaltenen Werte halten will. Man nimmt dabei auch in Kauf einen Konflikt mit Rumänien.
    All das während ein Meinungsforschungsinstitut behauptet, heute würden nur 16% der Wähler Fidesz wählen. Die Politik der Konflikte mit den Nachbarn ist keine sehr kluge und den ungarischen Minderheiten kann das auch nicht nützen. Nun wir werden sehen wohin das führt.

    • Ja da wäre ich Ihnen sehr verbunden, Herr Pfeifer. Nur aus einem Grund: Weil Sie behauptet hatten dass er Pfeilkreuzler war. Wenn er das nicht gewesen sein sollte, dann wäre er irgendeine Schattierung von national gesinnt jenseits der Pfeilkreuzler, und man müsste dann die Nuancen erläutern.

      Ich habe, Ihrem Vorschlag folgend, den Aufsatz von Frau Balog zu Nyirö gelesen, der zu weiten Teilen wortwörtlich abgeschrieben scheint aus, einerseits, einem namenlosen Aufsatz aus dem m.e.k., und andererseits dem Wikipediaeintrag zu Nyirö (ich bin befremdet, muss ich sagen).

      Sie scheint also fleissig gegoogelt zu haben, aber ich fand in ihrem Text zu meiner Überraschung nichts inhaltlich belastbares. Kein antisemitisches Zitat, und kein faschistisches, und kein Hinweis, dass er konkret Pfeilkreuzler war.

      Nur der Hinweis am Ende, als indirekte Schlussfolgerung aus den Freundschaften, die er unterhielt: „Es ist schwer, sich vorzustellen, dass er kein Nazifreund war“.

      Sie stellt es sich also vor. Mehr aber auch nicht. Ähnlich scheinen Sie das Thema zu handhaben. Mir ist das zu wenig, um ihn als Nazi zu verurteilen, ich wüßte es gerne genauer.

      • Nettes Fazit zu Hungarian Spectrum. Das ist die Dame, die vor einigen Jahren behauptet hatte, Oktober 2006 sei ein Putschversuch von Fidesz und Orbán gewesen. Mehr muss man, glaube ich, dazu nicht sagen.

  17. Kollege Kálnoky,
    ich bin kein Historiker, beschäftige mich aber da ich über Ungarn schreibe und gelegentlich auch Vorträge halte natürlich mit ungarischer Zeitgeschichte.
    Ich denke aber, dass die Tatsache, dass Nyirö an einem nazifreundlichen Block ungarischer Abgeordneter im Herbst 1944 nicht nur teilnahm, sondern auch in deren Leitung tätig war, dass er mit der Pfeilkreuzlerregierung 1945 flüchtete genug Grund dafür ist, dass die ungarische Regierung sein Begräbnis nicht zur Staatssache macht.
    Weil hier über eine gemeinsame Abstimmung von MSZP und Jobbik gejubelt wurde, wollte ich das Bild ein wenig nuancieren und an die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Fidesz und Jobbik erinnern, die nicht nur bei vielen Abstimmungen bemerkbar sind.
    Eine der törichten Vorschläge von Jobbik war dieses Nyirö-Begräbnis, mit ein Grund warum der ungarische Botschafter zum rumänischen Außenamt bestellt wurde.
    Ich habe seinerzeit die Außenpolitik der ersten Orbán-Regierung gelobt, weil sie den Dialog mit den Nachbarn suchte. Eine Abkehr von dieser Politik würde den ungarischen Minderheiten nicht helfen. Einige meiner Gesprächspartner in Ungarn meinten, das wäre aber Ziel der Fidesz-Politik, denn – so argumentieren sie – Ungarn leidet unter Geburtendefizit (und allein 2011 sind 40.000 Ungarn in die Bundesrepublik Deutschland eingewandert). D.h. dieses demographische Defizit könnte durch die Einwanderung ethnischer Ungarn aus der Slowakei, Rumänien und Serbien behoben werden.

  18. Lieber Herr Pfeifer,

    Ich hatte ja von Anfang an gesagt dass ich eine bedenkliche demografische Komponente in der Siebenbürgenpolitik bei Fidesz zu erkennen meine. Das Begräbnis passt in diese Interpretation (ich lehne es aber nicht per se ab: Nyirö war für das kleine Széklerland ein großer Schriftsteller, und wollte immer dort begraben sein).

    Ihnen muss ich trotzdem vorhalten, dass sie Nyirö im Brandredenstil als etwas hinstellen. was sie nicht belegen können (antisemitischer und faschistischer Schriftsteller, Mitglied der Pfeilkreuzler). Sie hatten das vermutlich einfach irgendwo in dieser Phrasierung gelesen und beteten es dann hier unreflektiert nach.

    Sie müssen nicht fürchten, weniger überzeugend zu wirken, wenn Sie sich enger an die Wahrheit halten. Versuchen Sie es einfach einmal 🙂

  19. Die Vereinigung der Ungarischlehrer übt scharfe Kritik an der Aufnahme von Wass, Nyirö und Szabó in den Lehrplan. Es handele sich nicht um „Konservative“, sondern um Radikale. Bei der Bewertung der Schriftsteller sei keine konsensuale Linie vertretbar.

    http://index.hu/belfold/2012/05/17/nat_magyartanar/

    Diese Kritik zeigt mir nicht nur, dass die Bewertung dieser Autoren tatsächlich sehr kontrovers ist, sondern auch, dass wir vor dem Hintergrund der Aussagen der Lehrervereinigung keine unkritische Behandlung der Autoren zu befürchten haben. Stimmen Sie zu, Herr Pfeifer?

  20. HV ich kommentiere nicht die Haltung von ungarischen Lehrern.

    Lieber Kollege Kálnoky,
    mit keinem Wort habe ich Nyirö Antisemitismus vorgeworfen. Ich wurde jedoch zigmal gebeten nachzuweisen, dass er ein Antisemit war.
    Nyirö war Mitglied des Parlaments nach der deutschen Besatzung und leitendes Mitglied einer nazifreundlichen Gruppe von Abgeordneten. Das führt schon zu einem Konflikt mit Rumänien.

  21. Hungarian Voice. Ich nehme zur Kenntnis: Sie sind also beruhigt.

    Zum Glück gibt es noch ungarische Journalisten bei Népszava, die der Sache nachgegangen sind und die Fakten über die Tätigkeit von Nyirö auf den Tisch legten. I
    Für diejenigen, die nicht Ungarisch können. Nyirö war bis zuletzt Mitglied des Szálasi (Anführer der ungarischen Pfei´lkreuzler) Parlaments Hier eine schnelle Übersetzung
    „Es ist sicher, als Abgeordneter hat er bis zum letzten Moment Szálasi die Treue gehalten. Im Herbst 1944 flüchtete er mit Szálasi aus Budapest nach Sopron. Während 2/3 der noch verbleibenden 240 Abgeordneten nicht bereit war den Pfeilkreuzleranführer zu begleiten, und so seine Macht zu legitimieren.
    In Sopron hat das Pfeilkreuzlerparlament noch rassistische Juiden diskriminierende Gesetze behandelt.oder zugestimmt, dass man 15-16 Jahre alte Kinder zur Front schickt um zu sterben. Nyirö war nicht nurt kein einfacher, stillschweigender Abgeordneter sondern redigierte die „Lebende Zeitung“, die in der Stadt (Sopron) die Pfeilkreuzlerpropaganda aus Lautsprechern verbreitete.“
    Az biztos, képviselőként a legutolsó pillanatokig kitartott Szálasi Ferenc mellett. 1944 őszén Szálasiékkal együtt ő is elmenekült Budapestről Sopronba. Miközben akkor már a meglévő 240 képviselő kétharmada nem volt hajlandó a nyilas vezérrel tartani, hatalmát ily módon legitimálni. Sopronban amúgy ez a nyilas parlament még faji alapú zsidótörvényeket is tárgyalt, vagy éppen hozzájárulását adta ahhoz, hogy 15-16 éves gyerekeket fogdossanak össze és küldjenek a frontra meghalni. Nyírő nemcsak egyszerű, csöndben meghúzódó képviselő volt, hanem ő szerkesztette azt a „Eleven Újságot“, amely a városban hangszóróból sugározta a nyilas propagandát.

    http://www.nepszava.hu/articles/article.php?id=551162

    • In der Tat. Ich bin beruhigt, dass Sie – was die ungarischen Lehrer angeht – nicht kommentieren, d.h. nichts belastendes gefunden zu haben scheinen. Sonst würden Sie nämlich in altbekannter Manier loslegen.

  22. Ich las die Protokolle der Törvényhozók Nemzeti Szövetsége (so wurde das Parlament während der Zeit der Pfeilkreuzlerherrschaft genannt)
    Törvényhozók Nemzeti Szövetsége Sopronban tartott üléseinek jegyzőkönyve, 1944. I. kötet • 1944. december 1. – 1945. március 16.
    http://www3.arcanum.hu/onap/a101223.htm?v=pdf&a=pdfdata&id=KN-1944_1_TNSZ&pg=0&l=hun
    Ein erschütterndes Dokument. Nyirö hat sich noch im Jänner 1945 mehrfach zur Wort gemeldet als Propagandist des Szálasi Regimes.

    • Vielen Dank für dieses faszinierende Dokument, Herr Pfeifer. Dass Nyirö sich durch sein Verbleiben im Parlament kompromittiert hat, ist ja unbestritten, und ebenfalls damit, dass er mit der Regierung gen Westen abzog. Selbstverständlich drückt das Unterstützung für das Regime aus, ebenso seine Zugehörigkeit zur T.N.Sz.und ich habe nicht daran gezweifelt.

      Ich fragte mich nur, ob er von der Parteizugehörigkeit her Pfeilkreuzler war, oder zu einer anderen Gruppe gehörte, oder gar unabhängig war, und ob es da eventuelle Nuancen gibt, die daher zu beachten wären..

      Mehr als wir bisher festhalten konnten, nämlich die obigen Fakten, steht aber auch nicht im Népszava-Artikel.

      Ihr Dokument ist da vielleicht aufschlussreicher, möglicherweise sind da zumindest klar antisemitische Äußerungen. Es ist nur sehr umfangreich und ich konnte da bisher nur eine Wortmeldung von Nyirö finden, S. 72 oder so, da fragt er, ob das Parlament irgendwann ganz in Sopron sein wird.

      Sagen Sie uns kurz welche Stellen von ihm besonders belastend sind?

  23. @ Herrn Pfeifer:

    Ich wundere mich ein wenig und bitte um Ihre Erklärung:

    1. Sie schrieben hier mehrfach, Nyirö sei ein Pfeilkreuzler, ein abgetakelter Pfeilkreuzler und ein Pfeilkreuzlerpolitiker gewesen.

    2. An anderer Stelle schreiben Sie:
    „Tatsächlich war Nyirö nicht Mitglied der Pfeilkreuzlerpartei, machte aber für deren verbrecherisches Regime Propaganda.“

    https://pusztaranger.wordpress.com/2012/05/13/rechtsextreme-autoren-im-nationalen-lehrplan-inoffizielles-ungarisches-staatsbegrabnis-fur-pfeilkreuzler-in-rumanien/#comment-2248

    Herr Pfeifer, ich bin verwirrt. Was stimmt denn nun? Ich ahne die Antwort, dass es keine Rolle spielt und Pfeifer Recht hat. Gleichwohl wünsche ich mir, dass Sie in Zukunft etwas präziser und weniger plakativ sind.

  24. Wenn jemand im Pfeilkreuzler“parlament“ bis zum Schluss Mitglied war, für das Szálasi Regime freiwillig noch im Jänner 1945 Propaganda machte, dann spielt seine formale Parteizugehörigkeit keine Rolle. Er kann als abgetakelter Pfeilkreuzlerpolitiker genannt werden. Denn damals wurden auch 15-16 jährige junge Ungarn zusammengefangen und an die Front geschickt, um für den „Nationanführer“ Szálasi zu sterben.
    Für mich zählt, dass er beim Törvényhozók Nemzeti Szövetsége mitmachte.

    Dazu fand ich
    1944 története napról napra Holokauszt Emlékközpont
    1944. október 9., hétfő
    Die Geschichte 1944 von Tag zu Tag, Holocaust Gedenkzentrum
    9. Oktober 1944
    „Der nationale Verband der Gesetzgeber“ wurde auch offiziell gebildet von Abgeordneten, [der im ungarischen Text erwähnten Parteien; die hier genannten vier Anführer wurden wegen ihrer Verbrechen 1946 in Budapest hingerichtet.]
    „Ziel des Verbandes war Hil´fe zu leisten den mit deutscher Hilfe vorbereiteten Pfeilkreuzlerpucs und Widerstand gegen den Austritt aus dem Krieg“

    „Hivatalosan is megalakult a Törvényhozók Nemzeti Szövetsége a Magyar Élet Pártja, az Erdélyi Párt, a Magyar Megújulás Pártja, a Nyilaskeresztes Párt, a Nemzeti Szocialista Front és a Magyarországi Németek, valamit néhány kisebb párt képviselőiből. Elnöke Szász Lajos, társelnöke Jaross Andor, ügyvezető alelnöke Rajniss Ferenc, alelnöke Szöllősi Jenő lettek. A tömörülés célja az volt, hogy politikai támogatást adjon a német segítséggel készülő nyilas államcsínynek és szembeszegüljön a háborúból való kilépéssel.“
    http://old.hdke.hu/index.php?menu=0203&mgroup=1&app=info&page=main&artid=2153e99e863a1593f9f30fb5783f3e9a

  25. Na, also keine belastbaren Nyirö-Zitate.

    Erdélyi Párt klingt übrigens für mich sehr viel plausibler als Pfeilkreuzler, freilich weiß ich es einfach nicht und war voller Hoffnung, mit pfeiferscher Akribie aufgeklärt zu werden.

    Aber scheinbar geht es hier wieder mal eher um Grenzverwischung als um die Herausarbeitung der Wahrheit. Es wird schon seine Gründe haben, dass es da verschiedene Gruppen gab und nicht nur eine. Diese Differenzen aufzuzeigen, falls Nyirö kein Pfeilkreuzler war, halte ich für wichtig.

  26. Kollege Kálnoky,
    mutet befremdet an, wenn Sie versuchen einem Pfeilkreuzlerpropagandisten zu bestätigen er wäre „kein geistiger Pfeilkreuzler“ gewesen.
    Laut einem Bericht von atv hat Nyirö für die Hinrichtung des ungarischen Widerstandskämpfers Endre Bajcsy Zsilinszky gestimmt. Können Sie auch dafür einen mildernden Umstand angeben?
    „Azt persze lehetetlen megjósolni, hogy Nyirő Józsefről – akit Erdélyben rövidesen újratemetnek – a diákoknak vajon mit kell majd megtanulniuk, és mi az, amit elfelejthetnek. A Nemzeti Alaptantervtől függetlenül azért nem árt, ha tudják: ő volt az a képviselő, aki a nyilas hatalomátvétel után Bajcsy Zsilinszky kivégzésére szavazott a csonka Parlamentben, akkor, amikor a képviselők kétharmada már menekült a politikából, és el sem ment Sopronba.
    Bár a NAT-ot biztosan bevezetik, körülötte a vita, sokáig nem kerül majd nyugvópontra.“

    http://atv.hu/belfold/20120518_hoffmann_vedelmebe_vette_a_nyilas_szerzot_a_tanarok_kiakadtak

    • Lieber Herr Pfeifer,

      Die Gestapo stand damals am selben Tag, als sie Bajcsy Zsilinsky verhafteten, auch vor der Tür meines Großvaters – der war freilich Stunden vorher entflohen. Sie können sich also vorstellen, wie ich darüber denke, und über das Todesurteil.

      Bajcsy Zsilinsky hinrichten zu lassen, war unentschuldbar. Er wollte freilich ganz realpolitisch die sowjetischen Truppen kontaktieren und mit ihnen kooperieren; dass Nyirö darin Verrat gesehen haben mag, zeugt von begrenzter Einsicht, nicht aber davon, dass er ein Nazi war.

      Das gilt ebenso für seine Zugehörigkeit zum Erdelyi Párt – nicht zu den Pfeilkreuzlern – und ich tendiere vorerst dazu, meine ursprüngliche Position aufrecht zu erhalten: Er war ein Siebenbürger Lokalpatriot, der in seiner Angst, das Land endgültig an den „Feind“ zu verlieren, politisch regressiv und engsichtig wurde, und daraus nicht mehr herausfand. Ich betrachte es als eine persönliche, seelische Tragödie, die dazu führte, dass er sich in Widerspruch stellte zu seinen eigenen ursprünglichen und sehr siebenbürgischen, christlichen und humanen Werten, die in seinem literarischen Werk unverkennbar sind.

      In meiner Familie ging man einen anderen Weg. Das heißt nicht, dass ich bereit bin, in ihm einen Nazi zu sehen. Ich betrachte ihn als einen Mann, der aus Motiven, die ich grundsätzlich verstehe, einen Weg ging, den ich ablehne.

      • Lieber Herr Kollege,
        Auch hartgesottene Nazi haben versucht nach 1945 ihre Verbrechen mit edlen „patriotischen“ Motiven zu kaschieren.
        Ich glaube nicht, dass ein intelligenter Mensch, der noch dazu einmal katholischer Priester gewesen ist, nicht wußte, was rings um ihn geschah, als er am Soproner Széchenyiplatz das Durchhalten propagierte. Er mußte es wissen, man muss sich nur die Zeit nehmen und die Protokolle der Törvényhozók Nemzeti Szövetsége lesen, um festzustellen, was für „Geist“ unter diesen Leuten herrschte.
        http://www3.arcanum.hu/onap/a101223.htm?v=pdf&a=pdfdata&id=KN-1944_1_TNSZ&pg=0&l=hun

        Warum glauben Sie ehrt der ungarische Staat Nyirö? Ist es nur Zufall, dass dies mitten in einer Wahlkampagne in Transsylvanien geschieht? Ist es nur Zufall, dass man wieder einmal die Forderung von Jobbik erfüllt?
        Ich denke, dass eine Aufschaukelung des ungarischen Nationalismus die Aufschaukelung des Nationalismus der Nachbarn nach sich zieht und natürlich vice versa.
        Und ich erinnere mich daran, wie die Katastrophe in Jugoslawien anfing.
        In diesem Fall versuchen Orbán und Fidesz eine Provokation, die sicher nicht im Interesse des guten Einvernehmen mit den Nachbarn ist.
        Warum tue ich mir eigentlich diese Diskussion an? Nur weil ich denke, dass es unter den Lesern Menschen gibt, die nicht der ungarischen Sprache mächtig sind und die aus unseren Diskussionen etwas lernen können.

  27. Bitte meine zahlreichen Meldungen zum Thema zu verzeihen, mich treibt persönliche Neugier. Ich bin hier in Istanbul in meinen Recherchemöglichkeiten eingeschränkt, habe jetzt aber die Fragen zu meiner eigenen Zufriedenheit klären können.

    Nyirö gehörte zum Erdélyi Párt. Die Bestätigung ist hier in der Jubiläumsschrift einer siebenbürgischen Schule, an deren Feierlichkeiten er 1944 als Leiter einer Gruppe von Abgeordneten teilnimmt. Siehe Seite 7 des pdf.

    Klicke, um auf 07237.pdf zuzugreifen

    Im Unterschied zu den Pfeilkreuzlern vertrat die Partei einen „Transilvanismus“ der in Widerspruch stand zu den einheitsstaatlichen Ansichten der Nyilások. Es war eine insofern etwas schizophrene Ideologie, als die Vision der EP dennoch großungarisch, allerdings dezentral war.

    Leider bestätigt das Parteiprogramm einen intensiven Antisemitismus: Siehe Punkt VIII des hier einsehbaren Programms von 1941.

    Klicke, um auf cim_pdf924.pdf zuzugreifen

    Es wäre zu klären, wie Nyirö persönlich dazu stand. Das Programm bezeichnet die ungarischen Judengesetze (stand 1841) als Makulatur, und fordert die Entfernung der Juden aus allen Positionen im Bildungs- und Wirtschaftswesen, weil sie zur Zeit der rumänischen Herrschaft sich gegen die Ungarn gewandt hätten.

    Es wäre zu klären, wie Nyirö persönlich zu diesem speziellen Punkt stand – und eigentlich auch, was der Hintergrund ist – falls es überhaupt einen konkreten Sachverhalt gibt – für den Vorwurf an „die Juden“, sie hätten sich unter rumänischer Herrschaft gegen die Magyaren gewandt.

  28. Kollege Kálnoky, ob Nyirö auch antisemitisch tätig war, ist eine Nebenfrage. Er hat für die Szálasi-Regierung Propaganda getrieben und war damit mitverantworlich für all die Schandtaten, dieser Regierung. Das läßt sich nicht relativieren.

    aus dem Buch JEws AND NoN-JEwsin Eastern Europe (John Wiley & Sons, 1974) gescannt und s dem Artikel von Stephen Fischer-Galati auf Seite 160 entnommen.

    „The Jewish Question in pre-union Transylvania was of secondary
    importance to the Romanian inhabitants of that provinoe as compared
    to that of the Magyars. The nationalist aspirations of the Romanians
    consisted of liberation from Magyar domination, if not actual oppres-
    sion, rather than from economic exploitation by Jewish merchants and
    entrepreneurs. Nevertheless, Jew and Magyar in Transylvania were
    closely identified because of the assimilation of a substantial segment of
    the Transylvanian Jews within the Magyar community both in linguistic
    and socio-economic terms. The Transylvanian Jews, with the exception
    of such ultra-orthodox communities as that of szatmar (Satu Mare), for
    instance, spoke Hungarian and regarded themselves as Jewish Magyars,
    or at least as Magyar Jews. The Transylvanian Jews, unlike their Mol-
    daviarl Bessarabian, or even Bukovinian brethren, were engaged in
    advanced forms of commercial, industrial, and financial activity; were
    active participants in Magyar intellectual life; and some were involved
    in the political life of the country, throügh the framework of bourgeois
    and workers‘ political organizations. Such identification with Magyar
    rather than with Romanian life and interests rendered the Jews suspect to
    the Romanian population, less as Jews than as accomplices of the Magyar
    oligarchies. It was a case of „modern“ rather than primitive anti-Semi-
    tism, less elementary and less virulent but still potentially explosive
    during times of crisis.“

    Die Behauptung, „Die Juden“ hätten sich in der Zwischenkriegszeit gegen Ungarn gewandt ist aus den Fingern gesogen. Das Gegenteil ist wahr. Sie identifizierten sich total mit Ungarn. Obwohl die Grenze zu Rumänien von Nagyvárad ganz nahe lag, sind nur wenige Juden geflüchtet. Sie vertrauten auf dier „tausendjährige christlich-ungarische Kultur“.
    Tatsächlich haben Juden in der Zwischenkriegszeit auch in der ungarischen Partei in Transsylvanien und Partium eine Rolle gespielt und sie konnten sich nicht vorstellen, dass die von Horthy eingesetzte Regierung sie zu je 80 Personen von der königlichen Gendarmerie einwaggonieren und nach Auschwitz-Birkenau transportieren lassen wird.

    Der Schriftsteller, Journalist und Politiker Béla Zsolt, der 1944 im Ghetto von Oradea (Nagyvárad im Partium) war, beschreibt in seinem Buch „Neun Koffer“, wie die Juden, die so viel zur ungarischen Kultur der Stadt in der Zwischenkriegszeit beigetragen haben von ihren Nachbarn im Stich gelassen wurden. Er lobt aber die ungarische Puffmutter, die ins Ghetto kam und den Gendarmerieoffizier, der oft Gast in ihrem Etablissement war dazu brachte, eine Jüdin, die bei ihr beschäftigt war aus dem Ghetto zu entlassen. Das Buch, das so glaube ich, auch in deutscher Sprache erschienen ist, kann ich Ihnen empfehlen.

  29. Lieber Herr Pfeifer,

    Ich hab Nyirös Propaganda-Artikel nicht gelesen, beklage weiterhin mein zu geringes Wissen – im Gegensatz zu Ihnen, sie schienen ja schon genug über ihn zu wissen, als Sie sichtlich noch kaum etwas über ihn wussten.

    Ich arbeite mich geduldig voran und bemühe mich in der Tat um ein relativierendes = differenziertes Verständnis.

    Was die Geschichte der Siebenbürger Juden und ihrer Wahrnehmung bei den Ungarn in der Zwischenkriegszeit betrifft, liegen die Dinge wohl ebenfalls etwas differenzierter.

    Nach dem Wechsel unter rumänische Hoheit scheint eine Auffächerung jüdischer Bestrebungen stattgefunden zu haben, darunter eine Stärkung der zionistischen Strömung – also Auswanderung nach Palästina als Nah- oder Fernziel – und, teilweise und begrenzt, aber doch vorhanden, Assimilation in rumänische Strukturen, sowie verstärktes Engagement in linken politischen Bewegungen. Alle drei dieser Varianten ändern nichts daran, dass Siebenbürgens Juden überwiegend an ihrer ungarisch-jüdischen Identität festhielten; aber diese neuen Entwicklungen mögen durchaus von manchen Ungarn als „Entfremdung“ wahrgenommen, und von antisemitischen Extremisten propagandistisch ausgeschlachtet worden sein.

  30. Kollege Kálnoky auch ich versuche ein differenziertes Bild auf die ungarische Geschichte zu werfen.
    Bereits gegen das erste Juden diskriminierende Gesetz 1938 wurden Stimmen laut, und hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, christliche ungarische Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler protestierten in einem Memorandum. „Jeder unserer Zeitgenossen möge bedenken – schrieben sie -welche Verantwortung ihn trifft, wenn trotz Gewissensproteste ein Gesetz entsteht, für das sich jeder Ungar einmal noch schämen wird!“ Unterschrieben von Béla Bartók, Zoltán Kodály, Zsigmond Móricz, György Széchenyi, Lajos Zilahi, Albert Apponyi u. a.
    Die Zeitschrift „Magyar Kultúra“ war zwischen den beiden Weltkriegen ein gut gestaltetes, niveauvolles Blatt für die ungarische Intelligenz. Als Redakteure fungierten: der Jesuitenpater Béla Bangha, bekannter Redner und Schriftsteller, der Priester-Schriftsteller und Journalist Zoltán Nyisztor und Prälat Czapik, der spätere Erzbischof von Erlau.
    Ein Jahr vor der Deportation der Juden veröffentlichte Dr. József Takács einen Artikel mit dem Titel Christus und die Judenin Magyar Kultúra 1943 Nr 7, 5. April:
    ,,Das traurige Schicksal Christi kann man nicht allein den Machenschaften der Hohenpriester und Vornehmen zuschreiben. Schuld daran ist das ganze Volk, alle Juden[…] . Für die Juden wurde das Gesetz zum Fluch, denn dieses Gesetz
    besteht in der Erwartung des Messias, in der Vorbereitung auf den Messias. Wenn jemand daher auch nach der Ankunft des Messias das Gesetz hält, verweigert er ohne Zweifel den Glauben an den bereits erschienenen Messias. Der zweite Fluch über die Juden ist das Blut Christi: sein Blut komme über uns und unsere Kinder. Seitdem sie das ausgesprochen haben, gibt es kein auserwähltes Volk! Und dessen ganzes Leben kann nur eine Gottesstrafe sein! Mal straft sie Gott, indem sie in die Freuden, Reichtümer und Ehren dieser Welt hineinverwesen, mal damit, daß er ihnen das alles entzieht.
    Und das wird ihr los sein, bis sie nicht allesamt auf den schauen, den sie durchbohrt und beweinen, den sie getötet haben.“

    „Zum Inhalt dieses Artikels braucht es keinen Kommentar! Die ungarischen Pfeilkreuzler hätten sich mit Recht darauf berufen können – wie Hitler es tat -, daß sie ja nur das Urteil des Herrn über die Juden vollstreckten!“ Schrieb der von mir bereits zitierte katholische Pfarrer György Kis 1992.

    Am 21. Juni 1944 ein Tag nachdem man die Veszprémer Juden nach Auschwitz-Birkenau deportierte erschien in der „Veszprémer Zeitung“ ein Artikel „Weg vom Ghetto“. Unter dem Kopftitel der Zeitung stand in großen Lettern: „Christliches politisches Blatt“ und als Impressum: „Herausgeber: Diözesane Druckanstalt. Der Artikel lautete:
    ,,Man hat die Juden in ein Internierungslager gebracht. Im Laufe des ganzen Montags führte man sie zum Bahnhof, damit sie vom ganzen Land in einem Ort versammelt seien,
    Nach der Räumung des Ghettos schauten wir nach, wie sie ihre Wohnstätte hinterlassen hatten. Was wir gesehen haben, kann man nicht mit kurzen Worten schildern, es würde lange Seiten füllen. Überall die größte Unordnung, ein großes Durcheinander.
    In den verlassenen Wohnungen lagen Eier in riesigen Mengen, das Mehl verstreut, Gläser mit eingekochtem Obst standen herum. Die Betten ungemacht, die Kleider aus den Schränken auf den Boden geworfen. Reisekoffer und Kleidungsstücke versperrten einem den Weg. Riesige Mengen Damenhandtaschen, gefültt mit Kosmetika, lagen herum. Solange die Juden im Ghetto wohnten, konnten sie auch an der Verpflegung nichts auszusetzen haben, denn eine eigene Koscher- und Diätküche stand ihnen zur Verfügung. Doch wie wir sahen, war das Mittagessen von Montag noch nicht fertig zubereitet, halb gar blieb es im großen Emailtopf zurück.“
    Der erwähnte Pfarrer Kis schrieb u.a. an seinen Vorgesetzten: „Solche Schriften wirken wie Öl aufs Feuer! Wohlmeinende Menschen verspotten nicht einmal so den ärgsten Raubmörder auf seinem Weg zur Hinrichtung. Es steht außer Zweifel, daß mit der Peinigung der Juden und getauften Christen, in den meisten Fällen an unschuldigen Menschen, ein nie wieder gutzumachendes Verbrechen begangen wird.“

    Ich denke, wenn ein Propagandist für solche Verbrechen von der ungarischen Regierung geehrt wird, dann braucht diese Regierung keine Millionen Euro für Imageverbesserung ausgeben.

    Ich denke, das gehört auch zur Differenzierung Kollege Kálnoky.

    • „Ich denke, wenn ein Propagandist für solche Verbrechen von der ungarischen Regierung geehrt wird“

      Verstehe ich nicht ganz, Herr Pfeifer. Wird er denn „für solche Verbrechen“ von der ungarischen Regierung geehrt?

    • Jetzt dachte ich schon fast, Sie hätten ein grausiges Nyirö-Zitat gefunden, „für das“ Nyrirö geehrt wird. Ich bin da ganz offen – vielleicht hat er zum Massenmord aufgrufen – aber bislang ist mir nur klar, dass er eine Art Heimwehr-Postille redigierte. Ich bin aber ganz offen für die Möglichkeit, dass er zu Verbrechen aufgerufen haben könnte, und warte weiterhin auf Ihre Belege.

      • Kollege Kálnoky, Sie meinen als er am Soproner Széchenyi Platz im Januar 1945 Propaganda trieb für Szálasi, da war das unschuldiges Heimweh nach dem Székler Land ?

      • Hier haben Ihnen offenbar Ihre Vorurteile einen Streich gespielt: Herr Kálnoky sprach nicht von Heimweh, sondern von Heimwehr. Ich schlage vor, Sie beruhigen sich und lesen, was der andere schreibt, anstatt ihm immerzu etwas in den Mund legen zu wollen. Vielleicht würde es helfen, nicht immer wieder Sätze mit „Sie meinen also“ einzuleiten.

      • Führen Sie das doch bitte aus – falls sie ihn diesbezüglich zitiert haben, habe ich es in dem sehr langen thread übersehen.

  31. HV, das fehlte noch, dass die ungarische Regierung das auch noch deklariert.
    Natürlich gibt man vor, Nyirö wäre solch ein bedeutender Schriftsteller gewesen. Doch Sie selbst haben ja da einige Zweifel daran bekannt gemacht.
    Nyirö hat seitdem er Politiker wurde sogar laut wohlwollenden Fachleuten nichts erwähnenswertes als Schriftsteller geschaffen.
    Also kann die Ehrung der ungarischen Regierung auch so verstanden werden, wie ich schrieb, oder will die Fidesz Regierung nur den Wind aus Jobbiks Segeln nehmen damit? Könnte es sein, dass die ungarische Regierung damit der ungarischen Partei in Rumänien helfen will beim Wahlkampf, der auch sonst von Fidesz geholfen wird?
    Geht es auch darum, die rumänischen Nachbarn zu provozieren?

    Ich fürchte, wenn das so weiter geht in Ungarn, kommt es zum Blutvergießen. Die Stimmung ist aufgeladen und die sich verschlechternden Lebensbedingungen machen die Sache nicht besser. Und mit dem Hinweis, dass doch auch im wohlhabenden Deutschland rassistische Morde passiert sind, wird die Sache nicht besser.
    Das Aufschaukeln der Emotionen ist ein brandgefährliches Spiel. Ich las eine Geschichte, die man nicht mit einer Handbewegung, ist doch in einem „linksliberalen“ Blog (wurde heute auch von galamus gebracht) erschienen, verniedlichen sollte. Ich habe ähnliche Reden – allerdings ohne Gewalt – bereits vor Jahren in einem ungarischen Zug gehört.
    .
    http://www.zivljenjenadotik.si/prispevki/prispevek/article/szolanc

    Was 1944 geschehen ist, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden und die meisten Täter sind tot. Was aber heute geschieht, dafür sind wir alle verantwortlich. In erster Linie natürlich, diejenigen, die an der Macht sind.

    • Ich verstehe. Es ist also eine bloße Vermutung/Unterstellung Ihrerseits, die ungarische Regierung würde Nyirö „für solche Verbrechen“ ehren. Denn er ist (so der Literaturkritiker Pfeifer) eigentlich kein bedeutender Schriftsteller. Damit dürfte – jedenfalls ihren Vorstellungen nach – jegliche Grenze zwischen Fidesz und Jobbik verschwommen sein. Ich halte das für schlicht verleumderisch und bösartig. Ihr Kampf gegen Rechts nimmt einfach keine Rücksicht auf Verluste. Schade.

    • In der Disziplin Aufschaukeln gehässiger Emotionen stehen Linke und Rechte gemeinsam auf dem Siegertreppchen, Herr Pfeifer, und Ihre eigenen Tiraden, die gelegentlich an Pamphlet-Literatur erinnern, leisten dazu einen Beitrag.

      Für die gegenwärtig erkennbaren Ansätze zu einer Volksfront aus MSZP, Jobbik und LMP ist in der Tat jeder aufgerufen, sich auf seine Verantwortlichkeit vor der Geschichte zu besinnen, da gebe ich Ihnen Recht :).

      Abgesehen davon sehe auch ich in der Umbettung ein politisches Manöver; die Umbettung an sich jedoch lehne ich nicht grundsätzlich ab – es sei denn, ich sehe Beweise, dass Nyirö zu Verbrechen aufgerufen hat. Er ist, ich sagte es bereits, für das kleine Szeklerand einer seiner bedeutendsten Schriftsteller.

      • Und nocheinmal. Ich habe nichts gegen die Umbettung. Ich qualifiziere nur die staatliche Unterstützung. Sie sehen darin ein politisches Manöver, Und da sind wir vollkommen einer Meinung.
        Sie halten N. für einen großen Schriftsteller, ich mag seine schriftstellerischen Talente nicht kommentieren, denn das einzige Buch von ihm habe ich vor 7 Jahrzehnten gelesen. Immerhin gibt es darüber sehr geteilte Meinungen unter den Fachleuten.
        Sie meinen, dass nur wenn man N. eine antisemitische Hetze nachweisen kann, dann wäre die staatliche Unterstützung zu kritisieren. Ich meine, dass er noch Anfang 45 für das verbrecherische Sz-Regime Propaganda gemacht hat und das Grund genug für die ungarische Regierung sein müßte ihm nicht diese Ehre zu erweisen.
        Punkto Heimwehr habe ich mich geirrt. Denn ich dachte, das sei ein Tippfehler, hat doch dieser Begriff mit österreichischer Geschichte zu tun. Und wenn mich auch deswegen HV manchmalo kritisiert, mache ich Fehler und habe nie Unfehlbarkeit beansprucht, zumal ich ja nicht ex cathedra schreibe.

  32. Also HV Sie selbst haben die Bedeutung Nyirös als Schriftsteller relativiert.
    Wie die Aktion der ungarischen Regierung verstanden wird habe ich beschrieben. Habe ich gesagt, dass es keinen Unterschied zwischen Fidesz und Jobbik gibt? Nein. Aber ich vermute, dass man wieder mal den Wind aus den Segeln nehmen will.
    Schade, dass Sie Verständnis aufbringen, wenn die ungarische Regierung einen noch im Januar 1945 für das Salasi Regime Propagandatreibenden Politiker – denn das wurde er ja nach seiner Ernennung zum Parlamentsabg.
    Abgesehen, von der Moral dieser Sache, kann man erraten, dass diese Aktion nicht die von Ihnen beklagte Polarisation in Ungarn vermindern wird und das sowieso ramponierte Image von Orbán, Kövér und Fidesz werden dadurch auch nicht besser.

      • HV Sie schrieben

        „Die Vereinigung der Ungarischlehrer übt scharfe Kritik an der Aufnahme von Wass, Nyirö und Szabó in den Lehrplan. Es handele sich nicht um “Konservative”, sondern um Radikale. Bei der Bewertung der Schriftsteller sei keine konsensuale Linie vertretbar.

        http://index.hu/belfold/2012/05/17/nat_magyartanar/

        Diese Kritik zeigt mir nicht nur, dass die Bewertung dieser Autoren tatsächlich sehr kontrovers ist, sondern auch, dass wir vor dem Hintergrund der Aussagen der Lehrervereinigung keine unkritische Behandlung der Autoren zu befürchten haben. Stimmen Sie zu, Herr Pfeifer?“

        Darauf habe ich mich bezogen.

      • Ihr Drang, anderen Menschen etwas in den Mund zu legen, ist unbeschreiblich. Inwiefern habe ich damit denn „die Bedeutung Nyirös als Schriftsteller relativiert„?

        Schrieb ich nicht, man solle die Bewertung Nyirös den Literaturkritikern überlassen. Damit meine ich: Nicht Ihnen und mir.

    • Sie haben stattdessen ihre eigene Stellungnahme abgegeben und behauptet, Nyirö würde als bedeutender Schriftsteller „hingestellt“. Ergo als etwas präsentiert, was er nicht war. 🙂

  33. Ein paar Fakten von mir nur spärlich kommentiert
    Aus
    The Destruction of the Jews of Transylvania
    Reprinted from Hungarian-Jewish Studies,

    Ed. Randolph L. Braham
    World Federation of Hungarian Jews
    New York, 1966

    p/184

    The Erdelyi Helikon (Transylvanean Helicon) ceased to exist in its original form, and Jozsef Nyirö , together with a number of second-rate writers who also embraced the extreme right, became the leader of Transylvania’s literature which now served the new political course. (28)

    p/216

    28. The Journalists‘ Association as well as the Writers‘ Association expelled their Jewish members. Beside Nyirö, György Bözödi was the only talented writer and researcher who participated actively in anti-Jewish activities during the four years of Hungarian rule.

    Zunächst war ich überrascht den Namen Bözödi zu lesen, denn in einigen Schriften wird dieser als “antifaschistischer Widerstandskämpfer” beschrieben.
    Doch in der Adatbank erdélyi magyar elektronikus könyvtár fand ich folgende interessante Eintragung:

    Az észak-erdélyi ügyekkel foglalkozó népbíróság Kolozsváron működött, s munkáját 1945. július elején kezdte el.[94] A kolozsvári sajtó az Észak-Erdély-szerte lefolytatott vizsgálatokról folyamatosan tudósított.[95] Észak-Erdélyben 1946 márciusában az első népbírósági perben az 1940. szeptemberi magyar bevonulás alkalmával románok és néhány zsidó ellen elkövetett bűnökért 63 személy ügyében ítélkeztek.[96] A második per során, amelyben 1946. május 22-én hoztak ítéletet, az észak-erdélyi zsidók ellen hozott intézkedések 195 végrehajtóját állították a népbíróság elé. A népbíróság elnöke dr. Nicolae Matei, a fővádló Paul Andrei (Pollák Endre) volt. Pollák vádirata és a tanúvallomások részletesen feltárták az észak-erdélyi vészkorszak borzalmait, a zsidóság kifosztását, gettóba hurcolását és deportálását. A sajtó a perről részletesen beszámolt.[97]

    A fővádlottakat távollétükben ítélték el, mivel azok — zömében magyar állampolgárok lévén — a magyar közigazgatással, illetve hadsereggel együtt Észak-Erdélyt elhagyták. A bíróság 30 személyt halálra, 52 személyt életfogytiglani kényszermunkára, 18 személyt életfogytiglani börtönre, 15 személyt 25 évi kényszermunkára, 3 személyt 20 évi kényszermunkára, 8 személyt 20 évi börtönbüntetésre, 1 vádlottat 15 évi kényszermunkára, 13 személyt 12 évi börtönre, másokat pedig ennél rövidebb szabadságvesztésre ítélt.[98]

    A kiszabott börtönévek összege 1204 év volt.[99] Az elítéltek közül senkit sem végeztek ki, a börtönbe zártakat pedig 1950-től kezdve sorra szabadlábra helyezték. Braham megállapítása[100] szerint azért, mert egy részükre „az újonnan kialakuló, szovjet típusú népi demokráciának“ is szüksége volt.

    1947. augusztus 22-én a háborús bűnösök megbüntetéséről szóló jogszabályt ismét elővették, s elrendelték több lezárt ügy felülvizsgálatát. Kolozsváron 47 magyar nemzetiségű személyt állítottak bíróság elé, köztük Bözödi György írót is, akit antiszemitizmussal vádoltak.

    • Das ist doch schon wieder nichts als peripher, was die Vorwürfe gegen Nyrirö betrifft. Wir können so noch lange weitermachen, dass Herr Pfeifer sagt, es gab schlimme Dinge damals und dass Nyirö nicht dagegen kämpfte und daher ein Nazi war, während HV und ich Belege wünschen, dass er an Verbrechen beteiligt war bzw aktiv dazu aufrief, bzw dass er von seiner Geisteshaltung her tatsächlich belegbar ein Nazi war. Das bleibt für mich unbewiesen.

      Ich schlage vor, die Debatte hier abzuschliessen und erst wieder aufzugreifen, wenn jemand etwas Greifbares und Wesentliches präsentieren kann. Ich bedanke mich meinerseits bei allen Beteiligten – wir, oder zumindest ich, haben dadurch einiges gelernt.

      Wir wissen jetzt, dass Nyirö Mitglied der Erdélyi Párt war – nicht der Pfeilkreuzler – wir wissen, dass er moralisch falsch handelte, indem er am für Ungarn nachteiligsten Weg bis zum Ende festhielt, und „Kampf bis zum Ende“ für eine Frage der Ehre hielt, statt „Kampf gegen das Böse“.

      In Liebesdingen gerät man leicht auf die schiefe Bahn, und seine Heimatliebe machte ihn blind für die Wahrheit. Die Wahrheit, die er verzweifelt spürte, war freilich auch, dass Siebenbürgen einer dunklen, hoffnungslosen Zeit entgegenging, in der es seinen Charakter zu verlieren drohte – und das geschah dann auch tatsächlich. Dem wollte er sich mit allen Mitteln entgegenstemmen, aber diese Mittel waren leider nicht nur nutzlos, sondern schlecht.

      Ich ziehe mich nun aus diesem Thema zurück, bis es qualitativ Neues gibt.

  34. Koll. Kálnoky Sie versuchen mir was zu unterstellen, was ich nicht gesagt habe. Ich habe Nyirö nicht vorgeworfen, dass er nicht gegen die Nazi gekämpft hat, sondern dass er diese und das verbrecherische Pfeilkreuzlersystem noch im Januar 1945 aktiv propagierte. Und nachdem ich x-Mal gebeten wurde, doch zu dokumentieren, dass er auch antisemitisch tätig war, bin ich der Sache nachgegangen und habe was herausgefunden.

    Ihre Haltung erinnert mich an den allzufrüh verstorbenen ÖVP Generalsekretär Dr. Michael Graff, der zur Zeit von Waldheims Präsidentschaft erklärte:
    «Tant qu’il n’est pas prouvé qu’il a de ses propes mains étranglé six juifs, pas de probléme.»
    „So lange nicht bewiesen ist, daß er [= Waldheim] eigenhändig sechs Juden erwürgt hat, gibt es kein Problem.“

  35. HV das können Sie so einschätzen, wie Sie wollen. Ich bilde mir ein, dass man einen Politiker wie Nyirö, der bis zum letzten Moment Propaganda für die Nazi und die Pfeilkreuzler gemacht hat, nicht mit der Bemerkung, dass er seine Heimat liebte, entlasten kann.

    Nachdem Sie und Herr Kálnoky mich gebeten haben, doch irgendetwas zu belegen, über Nyirös Antisemitismus, habe ich jemand im Übersee gebeten, mir das mit gescannten Seiten zu dokumentieren und ich habe das hier mitgeteilt. Das genügte auch nicht Herrn Kálnoky, da ist mir das eingefallen.

    Dr. Graff, den ich persönlich kannte, der ein tadelloser Mann war, ist sofort zurückgetreten.

    • @ Karl Pfeifer:

      Auch ich werde, wie Herr Kálnoky, an dieser Stelle das Thema Nyirö für mich abschließen.

      Ich halte jedoch fest: Obwohl ich Ihre Posts noch einmal quer gelesen habe, vermisse ich noch immer ein Zitat Nyirös. Stattdessen verlinken Sie ein Dokument von (offenbar) mehreren hundert Seiten Umfang als „Beleg“ für seine Propagandatätigkeit für Szálasi und behaupten, Sie hätten es gelesen und alles, was man als Belegen brauche, stünde da drin.

      Sie muten den Lesern dieses Blogs sowie seinem Macher ein wenig viel Lektüre zu, was meinen Sie? Wäre es nicht einfacher, schlicht mehrere Zitate hier niederzuschreiben, mit Quellenangabe? Tag und Seite wüden genügen. Ich finde es außergewöhnlich, wie Sie agieren.

      In Gerichtsverfahren läuft es so: Wenn ich etwas mit Dokumenten belegen will, dann lege ich sie dem Gericht zwar vor, gebe aber die Fundstelle exakt an. Das erleichtert allen die Arbeit und garantiert, dass der Richter meinen Beweisantrag nicht mangels Substantiierung zurückweist. Ich denke, diese gute Sitte sollte man auch hier anwenden, wenn man Beschuldigungen ausstößt.

      Was ich von der Bestattung selbst halte, schrieb ich bereits. Ich habe mich auch nicht als „Fan“ Nyirös bekannt. Nichts, was ich hier bislang gelesen habe, spricht dagegen, Nyirö als Schriftsteller im Lehrplan kritisch zu behandeln.

      Im Rahmen dieser Debatte wurde wieder einmal deutlich, dass es Menschen gibt, die mit dem Vorwurf, jemand sei nachweisbar Nazi oder Pfeilkreuzler, schnell sind. Und erst nach Beweisen suchen, wenn man diese Behauptung hinterfragt. Bei dieser Vorgehensweise ist das Ergebnis eben hin und wieder, dass man Beweise schuldig bleibt.

  36. HV ich habe hier genau das URL der Protokolle der Törvényhozók Nemzeti Szövetsége (Das Rumpfparlament des Nationanführers Ferenc Szálasi, das von Budapest nach Sopron flüchtete) angegeben und zitiert. Das ist nachprüfbar. Denn ich habe das Datum angegeben.
    Leider hat dieses Protokoll nur eine URL und ich mußte das ganze Protokoll durchackern, um festzustellen, was József Nyirö dort gesagt hat, bzw. was über ihn dort gesagt wurde.
    Es geht also nur darum, dass ich den Nachweis geführt habe, dass die ungarische Regierung einen Politiker (Nyirö war ab seiner Ernennung als Abgeordneter des ungarischen Parlaments Politiker) ehrt, der noch im Januar 1945 in Sopron Propaganda für das Pfeilkreuzlerregime gemacht hat.
    Das haben weder Sie noch Herr Kálnoky bestritten.
    Da ich kein Richter bin, sondern ein politischer Journalist, brauche ich keine Zitate bringen, ausser, die vom Protokoll. Und die sind eindeutig.

    • Danke für Ihre Antwort, insbesondere das vom „politischen Journalisten“ ist interessant.

      Leider weiß ich noch immer nicht, was er denn genau gesagt hat. Ebenso wie die Leser dieses Blogs, von denen viele nicht einmal ungarisch sprechen. Schade, dass Sie uns nicht an Ihrem überlegenen Wissen teilhaben lassen wollen. Ich habe es versucht und gehofft, Sie würden aufklären, was Sie meinen. Da Sie doch sonst so gerne nach Belegen, Zitaten, Beweisen fragen.

      Noch einmal danke für diese wahrlich aufschlussreiche Debatte.

    • Also kommen Sie schon Herr Pfeifer, sie zieren sich ja fast damenhaft. Was hat Nyirö denn nun gesagt? Ihr 1000-Seiten-Quelle ohne Seitenangabe ist eigentlich eine Quellenverweigerung. Ich habe da 150 Seiten gelesen und eine einzige harmlose Zeile von Nyirö gefunden. Wenn Sie etwas Skandalöses gelesen haben (ich zweifle stark daran) dann raus mit der Srpache. Sie finden mich bereit, alles zu glauben, was Sie belegen. Bisher war das nichts.

  37. HV Natürlich veröffentliche ich nicht meine Artikel auf HV. Wenn der Artikel publiziert ist, mit den genauen Zitaten und mein Artikel auch im Internet sein wird, werden Sie die Zitate lesen können.
    Ich habe aufgezeigt, auf welche Quelle ich mich stütze und habe die URL angegegeben. Wer Ungarisch kann und sich die Mühe nimmt, kann meine Behauptungen überprüfen.

    • Herr Pfeifer, bei allem Respekt: Sie haben sich – nicht zum ersten Mal – verrannt. Sie selbst müssen entscheiden, ob der Drang, immer Recht behalten zu wollen, das wirklich wert ist.

      Das war es von meiner Seite, Sie haben das letzte Wort. Nutzen Sie es. Ich warte mit Spannung Ihren Artikel ab.

  38. HV Auf meinen Artikel werden Sie noch ein wenig warten müssen. Ich habe ihn schon geschrieben, weiß aber nicht genau wann er gedruckt wird und ob er auch bald danach elektronisch abrufbar sein wird.
    Ich fand einen Artikel auf einer ungarischsprachigen rumänischen Website, der Sie, Koll Kálnoky und andere Leser interessieren könnte.
    http://welemeny.transindex.ro/?cikk=17411
    Ich habe dort auch einiges auf Ungarisch gepostet und hoffe nicht allzuviel Fehler begangen zu haben.
    In der aktuellen Ausgabe von Élet és Irodalom ist ein interessanter Artikel von András Nyerges zum Thema Nyirö erschienen. Diese Wochenzeitung ist aber nicht mehr kostenfrei lesbar.

  39. „(Für Nichtungarn: die Pfeilkreuzler waren die letzten Verbündeten der Nazi)“

    Geschätzter Karl Pfeifer,

    Ach wie schade, dass Sie 95% Ihres aufklärerischen Textes plötzlich verschluckt haben! Wenn Sie in meiner Nähe wären, würde ich Ihnen sanft am Rücken klopfen, dass Sie ja nicht ersticken.

    Ich übernehme gerne den Stafettenstab von Ihnen, bis Sie sich freigepustet haben.

    Also für Nichtungarn folgende Tatsachen, die auch Karl Pfeifer wort-wörtlich bestätigen kann, sobald sein Hustenanfall vorbei ist:

    Im Oktober 1944 wurde der 76 Jahre alten Horthy samt seiner ganzen Familie auf Befehl Hitlers von den Nazi-Truppen verhaftet und nach Deutschland verschleppt. (Seinen Sohn steckten sie ins KZ Mauthausen, wo er dann nach dem Kriegsende befreit wurde.)

    So gelang es gegen Ende des Krieges den deutschen Hakenkreuzlern mit den ungarischen Pfeilkreuzlern endlich auch in Budapest eine „Quisling“-Regierung etwa für zwei Monate einzusetzen. (ähnlich den im besetzten West-Europa schon seit 5 Jahren funktionierenden)

    „Nyírő der in Francospanien Unterschlupf gefunden hat“

    Karl Pfeifer, da aber gelingt es Ihnen gewohnheitsmässig wieder nicht, die Besucher dieses Blogs mit wahren Tatsachen zu speisen.

    József Nyirő ist nach Amerika, in die USA gegangen! Dort, in Cleaveland, wurde er in 1949 Gründungsmitlied des Kossuth-Verlags. Da er gut Spanisch konnte, übersiedelte er nach Madrid, wo er die ungarischen Sendungen des Radio Freies-Europa redigierte. ☺

  40. Geschätzter Karl Pfeifer,

    Ihr sehnlichster Wunsch, dem grossen Szekler Schriftsteller Nyírő eine Eichmann-gerechte Story anzudichten, bleibt trotz all Ihrer Anstrengungen absolutes Nonsense.

    Die Ungarn in Europa im 21. Jahrhundert einer literarischen Gehirnwäsche zu unterziehen ist wahrlich eine grandiose Idee.

    Ich schätze Ihre uneigennützigen Motive, uns Ungarn von Ihnen höher (ein)geschätzten vaterländischen Schriftsteller anstelle der „engstiernigen“ pariotisch gesinnten Ungarn einreden zu wollen. Die ungarische Kommunistische Partei hat das Gleiche jahrzehntelang (allerdings ohne dauernden Erfolg) versucht.

    Ich hatte noch zur Pflichtlektüre die vom bolschewistischen Gesichtspunkt empfohlene schriftsteller wie: A.A. Fadejew, A.S. Makarenko und den unübertroffenen Ilja Ehrenburg usw.

    Aufgrund Ihrer ideologischen Einstellung dürften sie alle auch Ihnen, als besonders wertvoll bestens bekannt sein. Doch sie sind nun mal nicht mein Geschmack.

    Ich befürchte, dass Ihre Agitationsbemühungen puncto Geschmacksveredelung in Fragen der Literatur ebenfalls zum Scheitern verurteilt sind.

  41. HV ich werde hier nicht meinen Artikel unterbringen und habe auch keine Zeit auf Ihre sonderbare (das ist eine sehr zurückhaltende Definition) Verteidigung von Horthy und Nyirö einzugehen.
    Nur eine Bitte: können Sie belegen, dass N. „in die USA gegangen“ ist?

  42. Zumindestens hat die Diskussion über Nyirő etwas bewegt und zwar die Revolution in meinem Bücherschrank.Dummerweise stand nämlich Kis György neben Jézusfaragó ember und das geht ja nun nicht, das hab ich eingesehen.
    Allerdings bin ich der Meinungdas dieser satz hier einiges an wahrheiten enthält, denen man sich nicht verschließen sollte.

    *Kétségtelenül tehetséges író volt, kétségtelenül eltévelyedett lélek lett, életében aligha találhatott volna bűneire bocsánatot. De a már halott író életműve – ez a rendkívül egyenetlen, zűrzavaros életmű – mégis olyan örökség, amelyből előbb-utóbb ki kell válogatni a maradandó értéket. Mert jó néhány novellája, különösen a koraiak közül, és önéletrajzi regénye, az Isten igájában akkor is irodalmunk maradandó értékei közé tartozik, ha írójuk a történelem viharában emberileg is, művészileg is isten igájából az ördög igájába hajtotta fejét.*
    PS:Schon mal vielen Dank für die Daumen runter und
    PSPS:Bevor jemand auf dumme Gedanken kommt:
    Das Buch von Kis György stammt -neben anderen-aus dem persönlichen Nachlass von ihm.
    (Das Leben geht halt zeitweise seltsame Wege )

  43. Lieber Turó Rudi,
    von mir bekommen Sie eine Note mit dem Daumen hinauf. Ich habe Kis während der achziger Jahre in Tirol besucht. Er war ein außerordentlicher Mensch und es ist bezeichnend, dass er in seiner Gemeinschaft, die doch die Liebe zu den Menschen postuliert, von vielen wegen seiner Abstammung leiden mußte.
    Er hätte Brücken bauen können, doch aus Rücksicht auf die vielen beschränkten und engherzigen Menschen hat man das nicht gewollt.
    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    kp

  44. „ Mein Resümé der Diskussion: Erst sah Herr Pfeifer in Nyirö einen antisemitischen und faschistischen Schriftsteller, ohne aber erklären zu können, welches seiner Bücher faschistisch oder antisemitisch war, und dann hiess es er sei Pfeilkreuzler, ohne aber sagen zu können, ob und wann er in die Partei eintrat, oder welche Funktion er darin ausübte.
    (Boris Kálnoky )“

    Hier ein kleiner Auszug aus Nyírő‘s „Isten igájában“:

    „Rámutatok a garatban lassan örvénylő szegényes búzára. Ebben van a mi sorsunk testvérek, tördelem felindulásomban a szót.

    Míg a kenyeret látjátok ne féljetek. Azért nem vettem vámot, hogy egyetlen búzaszemmel se rövidítsem meg életeket, mikor lábaitok előtt a sírt látjátok. Ismertek engem. Tudjátok, hogy pap voltam és kiléptem. Én is azt hittem, hogy kiléptem. Nem igaz! Csak most e perctől kezdve vagyok igazán pap. Most találtam meg valóban hivatásomat.

    Eddig a kenyeret változtattam Istenné, mától kezdve Istent változtatom kenyérre. Mikor örlök, misét mondok értetek, és malomkő az oltárom.“

    • Hier eine einigermassen sinngemässe Übersetzung auf Deutsch.

      Ich denke, es wäre angebracht, auch für Besucher ohne Ungarischkenntnisse des Blogs etwas von Nyírő’s Stil mitzubekommen, der sovielen mit anderem Geschmack begnadeten Zeitgenossen gegen den Strich geht:

      „Isten igájában“ (wörtlich etwa: Eingespannt ins Gottes Joch)

      „Sieht nur den im Mühltrichter sich langsam wirbelnden kärglichen Weizen. So ist auch unser Schicksal meine Brüder! In meiner Rührung bringe ich die Worte nur in Stücke gebrochen hervor.

      Solange aber ihr das Brot sieht, braucht euch nicht zu fürchten. Ich nahm von euch keine Abgaben, denn ich wollte euer Leben mit keinem einzigen Korn verkürzen, da vor euren Füssen schon der Grab sich auftut.

      Ihr kennt mich und wisst, dass ich Pfarrer war und vom Seelsorgerdienst Abschied nahm. Ich dachte auch, dass ich meinen Dienst an Gott quittiert hätte. Das ist aber nicht wahr. Gerade jetzt, ab diesem Moment bin ich erst ein richtiger Pfarrer. Jetzt fand ich wahrlich meine Berufung.

      Früher verwandelte ich Brot in Gott, ab heute verwandle ich Gott in Brot. Und wenn ich den Korn mahle, halte ich Gottesdienst für euch, und der Mahlstein ist mein Altar.“

      • Lieber Herr Unger,
        darf ich Sie um etwas bittten?
        Hören Sie auf! Bitte, bitte! Lassen Sie das Übersetzen! Die deutsche Sprache hat Sie nicht verdient. Und Sie werden leider auch nicht der ungarischen Sprache gerecht.
        Pfeifer ist ein Krampf. Ungarnfreund ist eine Plage! Und Ihre Übersetzungen sind eine echte Zumutung.
        Holen Sie sich einen runter, einen Nyírő-Band oder was auch immer. Aber verschonen Sie die Menschheit mit Ihrem Sprachgestolper!
        Hören Sie auf. Am besten sofort!
        Wünscht sich inständigst Peter Herche.

      • Nyírő ist 1953 eigentlich als Dr. Nyírő gestorben, denn er erwarb 1912 am Pazmaneum in Wien auch den Doktorat. Bezeichnend für ihn, dass er diesen Titel nie benutzte., den er blieb zeitlebens der einfache Sohn seines Stammes, der Szekler.

        1915 wurde er Pfarrer in einem kleinen Dorf. 1919 lernte er seine Liebe kennen und legte darauf sein Priestergewand ab. Deshalb wurde er aus der Kirche ausgesstossen, nicht eskommuniziert, wie in den Hassannalen seit kurzem zu lesen ist.

        Er musste aber seine Familie ernähren, so wurde er im gleichen Dorf Müller, wo er früher als Pfarrer amtete. Darüber schreib er in seinem autobiographischen Roman „Isten igájában“ (wértlich: Im Joch Gottes)

      • „Lieber Herr Unger,
darf ich Sie um etwas bittten?“

        Peter Herche,

        Selbstverständlich können Sie mich um alles bitten, was ich vermag.

        Sie dürfen mir glauben, dass es mich nicht glücklich macht, dass ich Ihren ästhetischen Ansprüchen nicht gerecht werden kann. Allein schon deshalb, weil ich Ihnen trotzt Aufbaukritik recht dankbar bin, dass Sie Ihre literarische Fähigkeiten nicht fürs Besudeln von Dingen, die diesen „Gottverdammten“ Ungarn nun mal wertvoll oder gar heilig sind, verwenden oder einsetzen.

        Vor dem Hintergrund Ihres leichtfüssigen Stils, wirken fanatisierte Verleumdungssentenzen von Ungargegnern noch kümmerlicher, als diese endlosen Ungarn-Beschimpfungen ihrem Inhalte nach von vornherein schon sind.

      • Herr Unger, lesen Sie Klingsohrs Erzählung. Es enthält von Hardenbergs Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“ in verdichteter Form.
        Der Schreiber (die Aufklärung, der nüchterne Verstand) reißt darin die Herrschaft an sich. Er verbrennt die Mutter auf dem Scheiterhaufen. Sophie (Weisheit) löst die Asche der Mutter in ihrer Wasserschale auf und gibt allen davon zu trinken. Allen, d.h. denen, die zum Schluss noch dabei sind. Der Verstand macht sich nämlich (strukturell gesehen) rechtzeitig aus dem Staube. Der Schreiber kommt bei der großen Vereinigung am Schluss nicht mehr vor.

        So etwa sehe ich das Theater um Nyírő’s Asche.

        Ein Weltweiser hatte ’ne tolle Idee: Wir vermarkten die sterblichen Überreste eines fragwürdigen Menschen. Wir stiften Identiät.

        Mein Gott, warum hast Du sie verlassen?

    • Besten Dank für Ihren Hinweis. Das Niveau des Artikels entspricht voll den von Ihnen gebotenen und erwarteten Ansprüchen.

      Karl Pfeifer,

      Nach soviel Mühen, Empörungen und Irrungen wäre es nicht an der Zeit aus einer Art konspirativer „Illegalität“, die Sie sicherlich seit Ihrer Ausweisung aus Ungarn ununterbrochen wacker bestehen, endlich franco und frei zu verkünden, dass Sie über die Ungarn vorbehaltlos die Meinung von Ákos Kertész vertreten:

      „Die Ungarn sind samt und sonders genetisch defekt“.

      Oder ist an Ihnen der Welt so ein begnadeter Schauspieler verloren gegangen, dass ein 0815-Mensch dieses Blogs unter der harten Schale auch nach Jahren den libenswürdig humanen Kern nicht zu entdecken vermag?

      • „Was reden Sie nur immer für wirres Zeug…ich sagte es schon einmal: Es ist ermüdend.“

        Hungarianvoice,
        da haben Sie aber wirklich Recht! Ihre Kritik ist also wirklich angebracht. Mag es auch etwas unangenehm sein, hoffentlich ist es trotzdem heilsam.

        Von meiner schulischen Bildung her weiss ich es genau. Wenn man von A nach B gelangen will ist der kürzeste Weg (zumindest in der Euklidischen Geometrie) die Gerade. Künftig will ich mich noch genauer an diese Erfahrung halten, und nicht um ein unangenehmes Brei herum reden.

        Ich habe es eigentlich auch etwas leichter, als G.B. Shaw, der auf der Suche geeigneter Worte für die Fixierung seiner Empfindungen schrieb: „I am just going and going around the bush.“ Die ungarische Sprache bietet unerschöpflich Möglichkeiten, sich in jeder Situation richtig und passend ausdrücken zu können.

        Auch in Bezug auf Herrn Pfeifer wird es mir gelingen.

    • Geschätzter Karl Pfeifer,

      Jawohl, wenn auch nicht im von Ihnen suggerierten „schmeichelhaften“ Sinne.

      Ob Sie glauben oder nicht, ich habe tatsächlich mal mit ein Glas Wein auf Ihre Gesundheit angestossen.

      Im Geiste kann ich und werde auch nie Ihre Ausfälle gegen die Ungarn tolerieren, doch wenn ich mir Ihr beinahe biblischen Alter vergegenwärtige, dann muss ich sagen, Sie sind wirklich ein Pfänomen.

      Schade dass Sie in Bezug auf Ungarn und die Ungarn so einseitig gepolt sind.

    • „Was reden Sie nur immer für wirres Zeug…ich sagte es schon einmal: Es ist ermüdend. (HV)“

      Karl Pfeifer,

      Da gibt es nichts zu beschönigen, HV hat da Recht. Die kritischen Worte sind hier berechtigt! ..und sie sollen kein Ruf in der Wüste sein.

      Ich verstehe mich selbst nicht, wieso führe ich gelegentlich solchen Eiertanz auf, anstatt geradeheraus zu fragen, was mich wundert oder nicht verstehe? Es ist mir, weiss Gott, keine bange vor Ihnen Herr Pfeifer. Angriffe und Unterstellungen gegen mich persönlich kümmern mich nicht gross. Wenn andere, trotz strenger Aufsicht, vorsichtig versuchen ihr liebstes, letztes Argument, die Nazikeule oder ähnliches einzusetzen, auch dagegen kann ich mich gut wehren.

      Es ist schon eigenartig (oder wir Ungarn sind das?). Ich wurde „komisch“ erzogen, nicht so wie die Mehrzahl der Jungen heute, und so habe ich, ob ich will oder nicht, einen anerzogenen Respekt vor älteren Menschen, gleich wes Geistes sie es sind. (Daran ändert nichts, dass ich selbst nicht mehr der Jüngste bin.) Nach Ihren eigenen Angaben befinden Sie sich in einem solchen respektablen Alter.

      Doch ich muss ich mir einen Ruck geben und mich damit abfinden, dass gegen einen alten „Haudegen“ wie Sie nun mal einer sind, solche Rücksichtnahmen ein ziemlich unangebrachter und unsinniger Luxus sind. (Meines Wissens erhoben Se auch keinen Anspruch darauf.)

      Wenn Sie Ihren ideologischen „Krieg“ unter verschiedensten Vorwänden gegen „Gott und die Welt“ – vor allem jedoch gegen die Ungarn – führen, dann nehmen Sie auf nichts und niemand Rücksicht. Sie erlauben sich letzten Endes alles, auch wenn Sie selbst mit der „Keule“ nicht mehr so eifrig umgehen. (Das sollen die Jüngeren, der Nachwuchs besorgen.)

      Heute stosse ich auf Ihre weitere, aber hoffentlich etwas fairere Gegnerschaft mit den Ungarn an. Kritik und kritische Worte sind nicht nur angebracht, sind sogar wünschenswert. Es wäre aber wünschenswerter, dem Gegner keine Sachen unterschieben wollen, die er nie gesagt; Absichten unterstellen, welche er nie hatte.

      Und das alles, weil Sie nicht oder nur haarsträubend einseitig informiert sind, weil dies „on dit“ modisch ist, oder zurzeit das meiste Profit bringt?

      Nyirő ist und bleibt der Hoffnungsträger, der Apostel eines Volksstamms der Ungarn in Siebenbürgen, einer Gemeinschaft von mehreren Hunderttausend Menschen, deren humanen und politischen Rechte im „Imperium Rumaenorum“, dem „Gross-Rumänien“ aus Gnaden der westlichen Siegermächte des Ersten Weltkriegs, seit dem Diktat von Trianon parktisch ununterbrochen mit den Füssen getreten werden.

  45. Szabolcs Szunyogh Chefredakteur der Zeitschrift köznevelés behauptet in seinem heute erschienenen Artikel József Nyirö hat für die Aufhebung der Immunität von Endre Bajcsy-Zsilinszky im Pfeilkreuzlerparlament in Sopron gestimmt. Das machte es erst möglich Zsilinszky am 24. Dezember 1944 aufzuhängen.
    http://www.nepszava.hu/articles/article.php?id=555210
    Übrigens fand ich auf einer Pfeilkreuzlerwebsite einige Nachrufe auf Nyirö, die ihn „székely apostol“ nennen.

  46. Danke, da sind doch mal ein paar brauchbare Zitate.Meine Gedanken dazu:

    Offenbar ist da sehr umfassend recherchiert, und doch nicht besonders viel gefunden worden. Ich hatte wirklich Schlimmeres erwartet.

    Das relativ Wenige ist jedoch ausreichend, um die Ehrung Nyirös sehr heikel zu machen; ihn öffentlich zu würdigen müßte unter größter Umsicht bezgl Inhalt und Form der Ehrung erfolgen; zentriert auf seine lokale Bedeutung für das Széklerland, und unter scharf kritischer Beachtung seiner politischen Irrungen. Dasselbe würde ich freilich für so manchen kommunistischen Author empfehlen.

    László Kövér hat gezeigt, wie man es nicht machen darf: Einen Mann, der das „unbesiegbare“ Hitlerdeutschland anpries, darf man nicht mit den selben Worten anpreisen: „Zum Sieg berufen ist ein Volk, das einen solchen Sohn hervorbringt, dessen blosse Asche dem Gegner Furcht einflößt“.

  47. Koll. Kálnoky, natürlich bin ich mit Ihnen einverstanden, aber ich fürchte Kövér hat mit dieser Aktion eine Absicht verfolgt und er rechnete wahrscheinlich damit, dass die rumänische Regierung auf seine Provokation anspringt. Doch der rumänische Ministerpräsident hat dies nicht getan (siehe heutiges Interview in Népszabadság). So bleibt der Schwarze Peter bei Kövér und bei der ungarischen Regierung, die sich nicht von ihm distanziert.
    Ich rate Ihnen auch den Artikel von Julia Lévai auf galamus zu lesen, in der sie die Texte von Nyirö analysiert. Noch schlimmer ist der Albert Wass Kultus mit den vielen Statuen.
    .

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