Die Presse: Viktor Orbán im Interview

Die österreichische Tageszeitung Die Presse veröffentlichte am 16.06.2012 ein längeres Interview mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán:

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/766412/Orban-im-Interview_Wir-haben-die-Linke-zertruemmert?_vl_backlink=/home/index.do

Es geht um die Europäische Union, die Wirtschaftspolitik, Pressefreiheit, die Errichtung von Horthy-Denkmälern und József Nyirö.

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13 Kommentare zu “Die Presse: Viktor Orbán im Interview

  1. Ein überaus aufschlussreiches Interview mit wohl bedachter Argumentation. Hervorheben möchte ich folgende Sätze Orbáns, was mich doch zum Nachdenken brachte: „In der EU sind doppelte Standards nicht ungewöhnlich. Politiker müssen sich um Fairness bemühen, Bürokraten nicht. Wenn Politiker ihre Wähler oder Wirtschaftsakteure nicht fair behandeln, können sie nicht erfolgreich sein. Für Bürokraten gilt das nicht. Bürokraten wollen ihrer Macht Ausdruck verleihen.“

    • Herr Richter, das ist nun gerade eine Passage, die ich nicht nachvollziehen kann. Seit wann sind Politiker stärker um Fairness bemüht als Bürokraten? Ungarische Politiker unter einander bemühen sich nicht wirklich um Fairness, sieht man von einigen Ausnahmen ab. Die öffentliche Verwaltung in Ungarn ist durchpolitisiert; bei Regierungswechseln werden die Beamten in großem Maße ausgewechselt. Und wo fängt eigentlich die EU-Bürokratie an? Gehören Kommissare noch dazu? Ich denke mal nicht.

      Zuletzt hat Frau Kroes Herrn Navracsics angegriffen. Frau Reding und Herrn Rehn, die Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eingeleitet haben, hat noch niemand Unfairness vorgeworfen. Also, es ist schon eine seltsame Lesart, die der Ministerpräsident da an den Tag legt. Als ob er sich bei seinen Ratskollegen anbiedern wollte, indem er mal eben die (anonymen) Eurokraten belastet.

      Das kennt man ja schon aus anderen Ländern: „Brüssel“ ist an allem Negativen schuld und Erfolge werden national verbucht. Bisschen einseitig das Ganze. Orbán könnte sich auch mal über seine eigenen Bürokraten beschweren. Wenn die sich vor der Einbringung eines Gesetzesvorhabens mehr um dessen Europarechtskonformität kümmern würden oder könnten, würde Brüssel vielleicht nicht so viel an ungarischen Gesetzen herummäkeln.

      • Europarecht: Ist es rechtens die Gentechnik in den Futtermitteln und Nahrung europaweit einführen zu wollen, obwohl sie in diversen Mitgliedstaaten strikt von der Bevölkerung und Politik abgelehnt wird?
        Ist es rechtens mit zweierlei Maßen zu messen, was die Vergabe der IWF-Hilfen anbetrifft? Ist es rechtens die IWF stets als Hilfsorgan zu preisen, ohne Kritik an ihrer Politik, die sie eng mit der Vergabe der Hilfen verknüpft sind, zu üben? Gerade Stimmen Griechenlands sollten in dieser Hinsicht erhört werden. Oder auch andere, schon durch die IWF Hilfe bezogenen Staaten äußerten sich zu den Maßnahmen des IWF, dass diese durchaus wirtschaftshemmend als fördernd seien, sollten dabei berücksichtigt werden. In Griechenland haben die Maßnahmen den Hass der ganzen Bevölkerung auf sich gezogen. Lernt man denn nicht daraus? Nein, man fährt immernoch die gleiche Schiene und das noch härter und kompromissloser! Bravo!
        Ist es nicht gerade fair von der ungarischen Regierung, dass versucht wird Steuern einzuführen, dort wo es auch Geld gibt. Also bei reichen Unternehmen, Börsen usw. anstatt wie in Griechenland die Armen noch ärmer zu machen? Schon seit Jahren, nein seit Jahrzehnten werden die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer und die Mittelschicht verschwindet zunehmend. Das ist gerade durch die Eurokrise wieder bestätigt. Krise hin oder her, die Reichen werden reicher! Ist das fair? Also was soll das Gequatsche wegen den Vertragsverletzungsverfahren, wenn hier ganze Staaten und Völker dem Untergang entgegensteuern?
        An Pfeifer: IWF hat – wie schon immer – politische Bedingungen an die Vergabe der Hilfen geknüpft damals. Orbán hatte diese Bedingungen als hinderlich für die ungarische Bevölkerung angesehen. Deshalb seine ablehnende Haltung zur damaligen Zeit.

  2. Viktor Orbán hat Probleme mit der einfachsten Logik und mit der Realität.
    Wenn die Lage Ungarns bei der Übergabe 2010 schlechter war als Griechenland, warum hat er damals den IWF abgelehnt und warum will er jetzt, wo doch seiner Meinung nach die Lage besser ist mit dem IWF verhandeln?

    • Vorgestern verbreitete Karl Pfeifer noch die antiungarische Schreckensmeldung:

      „Viktor Orbán hat Probleme mit der einfachsten Logik und mit der Realität.“

      Und heute moniert Karl Pfeifer aus Wien, dass Ungarn endlich im 21. Jahrhundert angekommen ist.

      Herr Pfeifer, „China ist wie ein Müllhaufen“ Liao Yiwu sagt, er findet das Land faszinierend.

      Herr Pfeifer, Orbán regiert seit zwei Jahren auf einem Müllhaufen.

      Herr Pfeifere, Liao Yiwu fände auch Ungarn bezaubernd, wenn Sie Ihre antiungarischen Schmähschriften auf Chinesisch schreiben würden.

      Bis hierher war ’s Logik.

      „Unter den Zeitgenossen hatte sich der schönende Blick auf schlimme Zeiten verwandelt in eine schönende Erinnerung der schlimmen Zeiten. Die Gegenwart hingegen wurde scheeläugig, also mit bösem Blick angeschaut.“

      Das sagte Joachim Gauck, als er als Fremdling unter die Ágnes-Heller-Ali Baba und die 40 Schiller fiel.

      Das ist Realität.

      Ihr Problem!

    • Haben Sie die antiungarische Frage nur um der Wirkung willen gestellt, Herr Pfeifer oder erwarten Sie eine Antwort auf Ihre antiungarische Frage?

      Dann nehmen wir uns doch mal gemeinsam die einzelnen Punkte vor.

      Karl Pfeifer verbreitet antiungarische Schreckensmeldungen. Einverstanden?
      Oder ist Ihre antiungarische Botschaft, dass Viktor Orbán Probleme mit der einfachsten Logik und mit der Realität hat, denn nicht schreckenerregend?

      Karl Pfeifer verbreitet antiungarische Halbwahrheiten. Einverstanden?

      Ich zitiere Sie: „Die Zertrümmerer der ung. Linken, Fidesz stellt Verbindungen mit der chinesischen KP her.“

      Ich gebe Ihnen auch eine Lernhilfe*, Rabulistik für Dummies sozusagen, eine Auswahl handelsüblicher Redefiguren. Suchen Sie sich die entsprechende heraus.

      So. Und jetzt nehmen wir uns vor dem Hintergrund Ihres profunden rhetorischen Wissens mal diese, Ihre antiungarische Behauptung vor:

      „Die Zertrümmerer der ung. Linken, Fidesz stellt Verbindungen mit der chinesischen KP her.“ (Zitat Karl Pfeifer

      Ihre antiungarische Rhetorik hat Stilett, lieber Herr Pfeifer.

      »Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
      Damon, den Dolch im Gewande.«

      Über den Gehalt Ihrer antiungarischen Schreckensmeldungen, dass Fidesz die ung. Linken zertrümmert haben soll, dass Fidesz Verbindungen mit der chinesischen KP herstellt,
      lohnt es sich überhaupt, über den Gehalt Ihrer antiungarischen Schreckensmeldungen zu sprechen? Nein, ich finde es lohnt sich nicht. Es reicht, Ihre antiungarischen Schreckensmeldungen zu zählen.

      Tippen sie die zwei Suchworte „China“ und „21. Jahrhundert“ bei Google doch einfach ein. Sie bekommen ungefähr 1.190.000 Ergebnisse in 0,21 Sekunden.

      http://www.google.de/search?q=China+21.+Jahrundert&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a

      Ob Fidesz die ungarische Linke zertrümmert hat, wird sich zeigen. Im US Kongress kommt die Linke immerhin schon auf 8 %. Warten wir den Schrecken also ab.

      “China ist wie ein Müllhaufen”. Das stand in der Zeitung, Herr Pfeifer. Haben Sie es nicht gelesen? Liao Yiwu, dem in Kürze der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wird, hat das gesagt. Es stand in allen Zeitungen, dass er von China fasziniert sei.
      O.k.
      Elie Wiesel hat den Preis auch bekommen. Er erscheint mir in seinen Aussagen nicht weniger exotisch zu sein, als der Chinese. Aber Elie Wiesel hat Stil. Stil setzt Haltung voraus, wenn Sie verstehen können, was ich meine: Charakter!

      Sie verstehen die Logik nicht? Kein Problem. Ich erkläre es Ihnen. Sie stochern gern. Es passt zu Ihrem Charakter. Sie stochern in einem kleinen Müllhaufen. Wen interessiert das wirklich? 8% im US-Konkress vielleicht. Die jüdischen Gemeinden sind zahlenmäßig klein. Die Zahl der Einzigwahren Freunde Israels ist in Deutschland heiß umstritten

      http://von-den-einzigwahren-freunden-israels.blogspot.de/2011/06/sind-initiativen-fur-die-ein-staaten.html

      Frau Marsovszky hilft theologisch nach. Glaubt man Ihrer Ausgrenzungstheorie, so fand der Sündenfall als Singularität in Osteuropa statt. Peccatorium hereditarium, die Erbsünde, die durch Auschwitz dem Ostmitteleuropäer angeborene Sündhaftigkeit werden die Anti-Einzigwahren nie mehr los. Da heißt es Stochern im Müllhaufen.
      Ich dachte mir, Herr Pfeifer, Sie sollten chinesisch schreiben. China ist ein Müllhaufen. Wer da stochert, findet Milliarden Maden. Welch ein Potential, das sich für die Lehre von der Erbsünde da evozieren ließe! Welch ein Potenzial auch für Ihre antiungarischen Schmähschriften!
      Logik?
      Wenn Sie Ungarn auf Chinesisch madig machten, Herr Pfeifer, wäre das sicherlich faszinierend. So wie Ihre Leser von Jungle World ließen sich auch noch Milliarden Menschen in Asien von Ihren antiungarischen Schmähschriften und der Sündhaftigkeit Viktor Orbáns und seiner Jobbik-Wählern bezaubern.

      Können Sie mir folgen?

      Oder braucht’s schon wieder ein Schillerzitat?

      Götz von Berlichingen? Anstelle des Guten Morgen? Noch vor dem Weißwurstfrühstück und der ersten Maß?

      Götz von Berlichingen, Herr Pfeifer!

      Oder doch lieber Goethe?

      »Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
      Damon, den Dolch im Gewande.«

      * Figuren durch Abweichung vom regulären Satzbau

      1) Pleonasmus: überflüssige Häufung sinnverwandter Wörter (z.B. »weißer Schimmel«).
      2) Tautologie: synonyme Wortwiederholung (z.B. »hegen und pflegen«).
      3) Katachrese: uneigentlicher und fehlerhafter Gebrauch sprachlicher Bilder (z.B. »spitzer Schrei«).
      4) Anakoluth: Satzbruch durch Veränderung der Konstruktion (z.B. »wenn ich bedenke, wie man wenig ist, und was man ist, das blieb man andern schuldig«).

      Ersatzbeschreibungen oder Umschreibungen

      1) Metapher: bildlicher Ausdruck aufgrund von Ähnlichkeitsbeziehungen (z.B. »das Gold ihrer Haare«), u.a. als Personifikation (z.B. »stählerne Arme« für »Kran«) und Synästhesie, die Umschreibung aus dem Bereich der Sinnesempfindungen (z.B. »schreiende Farben«).
      2) Metonymie: bildlicher Ausdruck aufgrund von Berührungsbeziehungen (z.B. »der Homer« für »die Werke des Homer«) u.a. Synekdoche, die Vertauschung der Beziehungen zwischen Teil und Ganzem, wobei oft ein Teil stellvertretend für das Ganze steht, Pars pro toto (z.B. »eigener Herd« für »eigener Haushalt«).
      3) Periphrase, Paraphrase: Umschreibung durch charakterisierende Eigenschaften (z.B. »Elbflorenz« für »Dresden«).
      4) Epitheton ornans: Attribut als schmückendes Beiwort (z.B. »die sonnigen Gipfel«). Figuren der Hinzufügung, Auslassung und Anordnung
      1) Epizeuxis: ein- bis mehrfache, nebengeordnete wörtliche Wiederholung (z.B. »er kramt und kramt«).
      2) Anapher: wörtliche Wiederholung an der Spitze mehrerer unmittelbar aufeinander folgender Sätze oder Satzteile (z.B. »Geld war sein Streben, Geld war sein einziger Gedanke«); Gegensatz Epipher.
      3) Paronomasie: Wiederholung desselben Wortstam-mes in anderer syntaktischen Funktion (z.B. »betrogene Betrüger«).
      4) Parallelismus: wiederholter Satzbau (z.B. »sie predigen Verzicht, und nehmen sich doch alles; sie predigen Wasser und trinken Wein«).
      5) Oxymoron: Kombination von sich logisch ausschließenden Begriffen (z.B. »helldunkel«).
      6) Antimetabole: paralleler Satzbau und chiastische Wortanordnung (z.B.
      »entweder ihr wollt, aber ihr könnt nicht oder ihr könnt, wollt aber nicht«).
      7) Asyndeton: unverbundene Aufzählung (z.B. »er kam, sah, siegte«).
      8) Polysyndeton: Verknüpfung durch dieselbe, wiederkehrende Konjunktion (z.B. »und es wallet und siedet und brauset und zischt«).

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