WELT-Interview mit György Dalos

Paul Jandl hat György Dalos für die Tageszeitung WELT interviewt:

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article107618343/Resignieren-gehoert-zum-Dasein-eines-Ungarn-dazu.html

Der Schriftsteller und Historiker György Dalos über die rechte Gefahr, den wachsenden Hass und die Sehnsucht nach neuen Werten in der ungarischen Gesellschaft

 

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66 Kommentare zu “WELT-Interview mit György Dalos

  1. Warum die Aufregung um die Strafbarkeit der Verunglimpfung von staatlichen Symbolen? Ich hatte schon darauf verwiesen, dass es diese Strafbarkeit auch in Deutschland und Österreich gibt. DIe Krone ist nicht nur Teil des ungarischen Staatswappens, sie hat für viele Ungarn auch eine besondere Bedeutung. Sie hat nichts mit Rassismus und Großmachtstreben zu tun, wer irgend eine Ahnung vom Hl. Stephan hat, kann über solche Aussagen nur lachen. Wenn man so will, war der Hl. Stephan sogar ein echter Europäer – er betonte, dass ein Volk nur stark ist, wenn es unterschiedliche Ethnien und Volksgruppen in sich vereint.

    Vielleicht erklärt man mir also einmal, warum der o.g. Sachverhalt so verwerflich ist. Und was das mit der Reichsverweserbeleidigung zu tun hat…

    • Dalos hätte in dem Punkt glücklicher argumentiert, wenn er statt auf den Inhalt – Schutz von Staatssymbolen, eigentlich kein Grund für Entsetzensschreie – näher auf die Kombination Jobbik-Vorschlag, Fidesz-Zustimmung eingegangen wäre.

      Andererseits ist schlecht zu sehen, wie denn Fidesz sich da hätte verweigern sollen, wenn man Jobbik die Wähler nicht gleich überlassen will.

      Das IV enthält aber fast mehr Kritik an den Linken als an den Rechten, was bemerkenswert ist.

      Ich weiß nicht ganz, wie die selbstzertrümmerte Linke es schaffen soll, einen neuen Ethos aufzubauen, wenn Dalos‘ Linie im NZZ-Stück maßgebend sein soll: Man müsse in der Politik alles tun was die Finanzmärkte zu wünschen belieben (und nicht wie Orbán aufmucken wollen), Für die Linke ist das eine historisch eher ungewohnte Argumentationslinie, ich bin nicht sicher, ob das auch wahltechnisch der Bringer ist.

      • @ Herrn Kálnoky:

        „Man müsse in der Politik alles tun was die Finanzmärkte zu wünschen belieben (und nicht wie Orbán aufmucken wollen), Für die Linke ist das eine historisch eher ungewohnte Argumentationslinie“

        Historisch ja, aber es ist die klassische Argumentationslinie von MSZP in Ungarn (von SZDSZ sowieso). Genau aus diesem Grund würde ich die MSZP auch nicht als klassich links definieren, jedenfalls was wirtschatspolitik angeht, ist sie neoliberal. Eine Haltung, die aus dem Ergebnis der „spontanen Privatisierung“ geboren wurde. Das Herz der MSZP schlägt nur dann für die Armen und Entrechteten, wenn diese Partei in der Opposition ist. Die flat tax wird heute attackiert, vormals wollte man sie selbst. Lächerlich ist das!

  2. „Historische Galionsfiguren des Faschismus erfahren in Ungarn eine Renaissance“

    Diese Überschrift bietet m.E. viel Raum für Missverständnisse.

    „Ein Gespräch mit dem ungarischen Historiker und Schriftsteller György Dalos über nationalistische Phänomene, die anderswo in der EU nicht denkbar wären.“

    Ich glaube nicht, dass Ungarn, was nationalistische Phänomene betrifft, in der EU einzigartig wäre.

    „Ich verstehe seine Vorbehalte gegenüber dem Schriftsteller József Nyirö, der ein Nazi und Mitarbeiter des Diktators Ferenc Szálasi war.“

    In den letzten Wochen habe ich einiges über Nyírő gelesen. Ob er Nazi war oder nicht, wird kontrovers diskutiert, aber dass er ein Mitarbeiter von Szálasi gewesen wäre, ist mir neu. Stimmt es?

    „Er (László Kövér) gehörte früher zum Apparat des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.“

    Um genau zu sein: Kövér gehörte einige Monate einer Forschungsgruppe des Instituts für Gesellschaftswissenschaften des ZK an, war also kein kommunistischer Apparatschik, wie die Lektüre des Gesprächs es suggerieren könnte.

  3. Ich mag so sehr Herr Dalos, aber diesmal verstehe ich ihn nicht.
    Nyirö war doch kein Blut und Boden Dichter, war kein Nazi und kein Mitarbeiter von Szalasi. Horthy, als Gouverneur, konnte gar nicht Gesetzte erlassen. Aus Nord-Siebenbürgen wurden die Juden nach der deutschen Besatzung deportiert, dagegen in Süd-Siebenbürgen Rumänien hat selbstständig gehandelt. Schlimmer noch, Rumänien bis heute leugnet die Greueltaten.
    Dieser vergleich zum Polen und Tschechen: ich meine man kann die Erinnerungskultur in Ungarn bemängeln, aber die beiden erwähnten Länder haben gar nicht angefangen mit ihren Vergangenheit kritisch zu betrachten: das trifft sowohl das Holocaust als auch die Vertreibung der Deutschen.
    und was war noch mal Köver in der Staatspartei? Das ist doch ein Witz, oder? Oder will Herr Dalos meinen niedrigen Blutdruck behandeln?

    • Balazs, die Tschechen moechte ich an dieser Stelle verteidigen: Googeln Sie mal das Stichwort „Toeten auf Tschechisch“. Das war ein tschechischer Dokumentarfilm ueber ein Massaker an Deutschen, der im tschechischen Fernsehen lief und viele Diskussionen hervorrief. Inzwischen erinnern auch Museen in Tschechien an die Vertreibung der Deutschen. Nicht wenige, vor allem juengere Tschechen bedauern diese Geschehnisse aufrichtig. Auch in Polen, wo ich mich schlechter auskenne, gibt es einen Diskurs ueber polnische Verbrechen an Juden, aber auch Deutschen.

      In Rumanien sah ich mehrere Holocaust-Gedenktafeln auf denen die Verantwortung der „faschistischen ungarischen Behoerden“ betont wird, so z.B. auf einer erst wenige Jahre alten Tafel in Sathmar. Da wird ueber das Thema Holocaust wohl gleich noch die eigene, rumaenische Abneigung gegen Ungarn transportiert. In Bistritz sah ich eine erschuetternde bildliche Darstellung, auf der Peitschen schwingende Sicherheitskraefte Wehrlose in eine Gaskammer treiben. Zwei Figuren, die wohl einen deutschen und einen ungarischen Bewaffneten darstellen sollten, arbeiteten dabei Hand in Hand. Das ist natuerlich eine allegorische Uebertreibung, aber mit einem wahren Kern.

      • „,,, die Tschechen moechte ich an dieser Stelle verteidigen …“

        Wurden die Tschechen angegriffen?

        Übrigens liegt das Gesetz zur Gesetz zur Kirchenrestitution in Prag immer noch auf Eis. Und jetzt raten Sie mal, was ich mir gerade reinziehe?

        „What Time Is It?“ und „You Let Your Heart Go Too Fast“

        Alles Songs sind von den „Spin Doctors“ !

        Have You Ever Seen The Rain?

      • Fange auch schon an zu spinnen. Richtig ist natürlich:
        .. das Gesetz zur Kirchenrestitution ..

      • Ich freue mich mit Ihnen, lieber Ungarnfreund, dass ein gesellschaftliches Diskurs sowohl in Tschechen als auch in Polen angefangen ist. Eine offizielle Stellungsnahme, und Konsequenz ziehen (z.B. Benes –Dekreten) lässt auf sich noch warten. Ich denke also weiterhin, dass Ungarn in dieser Fragen eher ein positiver als negativer Beispiel in der Region ist.

        Ich glaube Ihnen gerne, dass an der Deportationen in Nord-Transsylvanien in Rumänien erinnert wird. Insbesondere, wenn sie nebenbei die ungarischen Behörden Faschist bezeichnen können. Die Frage ist aber, ob Rumänien je mit der ihren eigenen Sünden auseinander setzten wird. Das ist auch nicht ganz Hoffnungslos: der Historiker Trasca hat viele Daten in der Frage gesammelt, und hat die traditionelle selbst Bild der Rumänen (Täter Ungar – Opfer Rumäne) ordentlich auf den Kopf gestellt. Allerdings, er trifft sogar in Fachkreisen auf Unverständnis, und ich weiß nicht wann diese Frage zur Öffentlichkeit geraten wird.

      • Von den Benes-Dekreten waren ja nicht nur Deutsche, sondern auch Ungarn betroffen, was im „Westen“ wenig bekannt ist. Vor einigen Jahren kam das Thema wieder hoch und belastete das ungarisch-slowakische Verhaeltnis. Es waere interessant zu wissen, ob die Forderung nach Abschaffung der Benes-Dekrete tatsaechlich immer noch ungarische Regierungspolitik ist und man diese Forderung wegen geringer Erfolgsaussichten bloss nicht mehr allzu laut erhebt.

        Ich glaube, die Bundesregierung hat die Abschaffung der Benes-Dekrete nie offiziell gefordert. Ich tue mich auch persoenlich schwer mit dieser Forderung. Natuerlich ist es Unrecht, jemandem „legal“ Haus und Hof zu nehmen, Menschen zu vertreiben oder Verbrecher straflos zu stellen. Andererseits sind seit Kriegsende viele Jahrzehnte vergangen. Eine Folge der Abschaffung der Benes-Dekrete waere vermutlich eine Flut von Restitutionsprozessen und wieder sehr viel Unfrieden. Meine Grossmutter als persoenlich Betroffene hatte kein Interesse an einer Restitution. Warum soll ich als Enkel eines haben?

      • @Ungarnfreund apropos Benesdekrete und „viele Jahrzehnte vergangen“.

        Wann vergehen Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Es sind seit dem Holocaust – ein Genozid – viele Jahrzehnte vergangen. Kann man also ad acta legen? Nichts mehr bestrafen?

        Ich bin kein Jurist, aber soviel ich mich erinnere gilt Massendeportation – endgültiger Entzug des gewohnten Lebensumfeldes für eine ganze Volksgruppe- völkerrechtlich als Genozid.

        Sind also die Benes-Dekrete genozidär? Der passendste Vergleich hier ist im Grunde der Völkermord – per mörderischer Deportation – an den Armeniern durch die Türken.

      • Habe noch was Interessantes zum Thema Holocaust-Erinnerung in Rumänien gefunden: 2003/2004 tagte die vom damaligen Staatspräsidenten Iliescu einberufene Wiesel-Kommission. Ihre Empfehlungen werden seither schrittweise umgesetzt. Man schuf einen nationalen Holocaust-Gedenktag, errichtete offenbar ein Mahnmal, überarbeitete Lehrpläne: http://de.wikipedia.org/wiki/Wiesel-Kommission.

      • Lieber Herr Kálnoky, für mich als Vertreter der Enkelgeneration gilt einfach, dass ich bei der Beurteilung der Enteignung und Vertreibung meiner Großmutter nicht radikaler zu sein brauche als die Betroffene selbst. Da Sie einen Vergleich zum Holocaust ziehen, will ich kurz darauf eingehen: Sehr viele Überlebende, auch solche, mit denen ich persönlich sprechen konnte, haben längst allen Hass abgelegt. Sie wissen, dass sich Deutschland verändert hat und dass ihre Verluste materiell sowieso nicht zu entschädigen sind. Hinzukommt vielleicht so etwas wie Altersmilde. Nur für seinerzeit selbst aktive und ggf. noch unbestrafte Täter dürfte das nicht gelten.

    • Balazs, Nyirö war ein führendes Mitglied des Szálasi Parlaments, der noch 1945 glaubte die Nazi würden den Krieg gewinnen und zur Weiterführung des Krieges hetzte. Nach dem Krieg war er einer der Anführer der Pfeilkreuzler-Hungaristen Emigration.
      Aber Sie gehören anscheinend zu den mit Scheuklappen versehenen Menschen, die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen.

      • Bleiben wir dann bei den Fakten, lieber Herr Pfeifer:
        es gab nie ein “Szálasi Parlament”, (was ist ein führendes Mitglied von einem Parlament überhaupt?) und es gab auch keine “Pfeilkreuzler-Hungaristen Emigration”.
        Die sind stark vereinfachenden, propagandistischen (mit ihren Wortwahl: hetzerische) Begrifflichkeiten, womit Sie eine komplizierte Situation zum schwarz-weiß malen.
        Nicht so trotzt, das Internet wimmelt jetzt von Nyirö Zitaten, die Scham erregend sind. und Herr Köver steht nun mit untergelassenen Hose in der Rampenlicht. Wobei, wir beide wissen, dass Herr Köver alles andere, nur nicht die Rehabilitierung von Nazismus beabsichtigt hatte. Wäre er dabei auch unglaubwürdig, nachdem er an dem „Marsch des Lebens“ am 15. April teilgenommen hat, denken Sie nicht?
        Also aus diesem Situation politisch kann nichts mehr rausgeholt werden, wir könnten vielleicht Nyirö an sich bewerten.
        Wenn Sie aber lieber empört sind schlage ich Ihnen einen anderen Zielpunkt vor:
        einerseits:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz
        ihre Empörung können Sie hierher schicken:
        http://www.vetmeduni.ac.at/klivv/

  4. an Balazs

    Sie haben recht.
    Ich kämpfe, leider, gegen Bluthochdruck also nicht einmal
    in diese Hinsicht nützlich das Interview.
    Aber wieder einmal der Beweis, dass ein Historiker nicht
    unbedingt mit Historie auskennen muss.

    • Dalos hat in der Sowjetunion Geschichte studiert.
      Ich kenne Ingenieure die dort studiert haben und offen (im Suff) zugaben, daß sie fachlich dort eigentlich nicht viel gelernt haben.
      Wer aus der DDR dort studieren durfte, kam aus der Nomenklatura und war für Schlüsselpositionen vorgesehen und stieg sehr schnell auf.
      Dabei fällt mir eine Frage ein: Wie ist Peter Herche zu einem Studienplatz im sozialistischem Bruderland Ungarn gekommen?

      • Gerne!

        DDR-Abitur habe ich nicht. Mein Vater hatte damals dummerweise meinen Klassenlehre König aus seiner Amtsstube gejagt, als der bei ihm erschien und das rotzfreche Angebot machte, der Peter darf auf die EOS, müsse sich aber erst verpflichten, Berufssoldat zu werden. Gemeint hat König nicht die obligatorischen 3 Jahre, sondern lebenslänglich. Jedenfalls unterschrieb mein Vater nix.

        Ab Herbst 1975 habe ich es über den zweiten Bildungsweg an der Volkshochschule Cottbus versucht. Laut Eintrag auf Formblat 401 ist das zu mir angelegte „Material der KD Forst“ am 22. Feburar 76 bei der KD Cottbus eingegangen. Laut Kalender fiel der 22.3. auf einen Sonntag. Am Montag, den 23.03.1976 holte mich der Direktor der Volkshochschule Cottbus aus der Chemiestunde, es wurden gerade die Chemiearbeit ausgeteilt, ich hatte eine Eins geschrieben, rief mich ins Lehrerzimmer und teilte mir dort mit, der Bezirksschulrat hätte anders entschieden. (Die Volkshochschule nannte sich im Sinne von Hermann Kant auch EOS)
        Weil die EOS die „Kaderschule des Sozialismus“ wäre und ich als Pfarrerssohn nicht als Kader für den Aufbau des Sozialismus geeignet sei, solle ich meine Sachen packen und gehen. Russisch dürfe ich weiterhin lernen. Für Russisch braucht es keiner Genehmigung durch den Bezirksschulrat.

        Im Januar 1978 bin ich nach Ungarn gegangen. Habe bei Délép in Szeged gearbeitet und abends Ungarisch gelernt, nach einem halben Jahr die Sprachpfüfung abgelegt (felsöfokú), konnte ab September 76 das Radnóti Gymnasium in Szeged besuchen (levelezö tagozat) und habe nach zwei Jahren die ungarische Matura gemacht, im Frühjahr 1980 auf Antrag vom ungarischen Bildungsminister (Urkunde kann ich zeigen) die außerordentlichere Genehmigung erhalten, als NDK-ás die Aufnahmeprüfung für die Uni mit den Ungarn zu machen und diese tatsächlich auch bestanden. Vorsitzende der Prüfungskomission war Frau Prof. Velcsov, damals noch Dozentin. Sie war nicht Partei und auch nicht Stasi, aber katholisch und anständig. Als NDK-ás gab es für mich kein Stipendium und ich durfte auch nicht robbantott csirkét in der Mensa fressen. Das durften nur die Delegierten mit dem schiefen Blick aus der DDR, die einen Austauschstudienplatz hatten. An der philosophischen Fakultät gab es von denen aber nur vereinzelt welche.

        Noch ’ne Frage?

        Warum ich bildungsmäßig Ungarnfreund nicht das Wasser reichen kann?

        Diss iss eben mein Schicksal!

        P.s.:
        1984 bot mir Gyula Kurucz an, die Gesamtausgabe der Werke des János Kádár in die DDR-Sprache zu übersetzen. Das Angebot lehnte ich ab. Habe stattdessen das epochale Werk von Mari Lajos und Károly Hemzö, 99 szárnyasétel in die deutsche Sprache überetragen. Die Tussi vom Corvina-Verlag, eine gebürtige Karl-Marx-Städterin, kann aber auch aus Eisenhüttenstadt gewesen sein, hat aus meinem Manuskript 99 Mal das Wort ‚Hendl‘ gestrichen und mit ‚Broiler‘ ersetzt. Die 99 szárnyasétel sind deshalb nur unter meinem Decknamen Friedrich erschienen, wenn es jemand überprüfen will. Ich weiß, wofür man sich schämen muss.

        Das war wohl nix, mir mit Studienplatz zu kommen, als wäre ich ein Kader für den Aufbau desSozialismus gewesen! Ich weiß, wofür Ihr Euch schämen solltet!
        🙂

  5. ich glaube dalos‘ grundlegendes interesse, bei allen scheinbaren bemühungen für ausgeglichenheit, ist grundsaetzlich die aufrechthaltung und schürung des bildes von steigend gefaehrlichen tendenzen in ungarn, und somit, nicht beilaeufig, die beibehaltung seiner position als (einziger) deutungsexperte der ungarischen politik. was solls, der politische markt ist auch nur ein markt…

    • szalaidaniel G. Dalos als einziger? Nun da gibt es noch P.Lendvai. A. Heller, P. Esterházy, G. Konrád, S. Radnóti usw. die auch nicht schmeichelhaft über Orbanistan schreiben.
      Und was den Markt anbelangt, glauben Sie wirklich, dass ein erfolgreicher Schriftsteller angewiesen ist auf das Honorar einer Zeitung?
      Ist jeder Schreiber, der nicht ihre Meinung teilt, bestechlich? Oder werfen Sie das nur G.Dalos vor?

      • herr pfeiffer, diese autoren unterscheiden sich grundlegend von dalos dadurch, dass sie ihr lebensunterhalt nicht in erster linie in deutschland bestreiten. dalos ist sozusagen der auserkorene, professionelle interpret ungarischer politik im bundesdeutschen (berliner) kultur- und medienraum. als meinungsbilder ist er durchaus ausgeglichener als lendvai (in wien herumstrolchender ehemaliger stalinist – siehe kertész) oder heller ( ich erspare mir hier eine beschreibung der sinneswandlungen hellers) etc., aber auch weniger geistreich und unbefangen wie esterházy… von bestechung habe ich nichts gesagt. aber dalos lebt (auch) vom markt und natürlich wird seine einstellung bewusst oder unbewusst jedoch
        zwangslaeufig auch durch die erwartungshaltung des publizistisch-politischen marktes der deutschen medienlandschaft beeinflusst… ich wollte aber damit keineswegs in dalos‘ portmonnaie herumschnüffeln… ansonsten: nein, ich glaube nicht, dass man bestechlich sein muss, um meine meinung nicht zu teilen.

  6. Peter Herche,
    ich kannte bisher keinen DDR-Auslandsstudenten, der ohne besondere Parteinähe war.
    Bei Ihnen war das anders, wie ich jetzt weiß. Ich habe Sie auch nicht Bonzensöhnen verglichen.
    „Das war wohl nix, mir mit Studienplatz zu kommen, als wäre ich ein Kader für den Aufbau desSozialismus gewesen! Ich weiß, wofür Ihr Euch schämen solltet!“
    Dieser Satz trifft mich nicht, es sei denn ich müßte mich schämen, das Abitur Jahre vor Ihnen als nur konfirmierter Handwerkersohn ohne NVA-Verpflichtung
    gemacht zu haben. Studieren durfte ich ohne SED, einen Job ohne Karriere hatte ich auch bis zur Selbständigkeit 1987. Jetzt bin ich Rentner und seit 16 Jahren durch ein kleines Ferienhaus am Plattensee in der Nähe von Badacsonytomaj, wo Sie als Lehrer arbeiteten (?), mit Ungarn verbunden.

    • Sorry, Sie haben ja Recht. Nicht jedem wurden Knüppel in den Weg gelegt. Eine meiner Schwestern durfte wie Sie auf die EOS. Eine andere, die von der ersten Klasse an immer nur Einskommanull Notendurchschnitt hatte, wurde mit der Begründung abgelehnt, es könnten nur die Leistungsstärksten zur EOS zugelassen werden. Sie ist trotzdem Ärztin geworden. Handwerkerkinder wurden auch benachteiligt. Der Sohn vom Bäcker Schliebe durfte nicht Abitur machen, aber die Tochter von Tischler Mettke, der ein großer F.J.S. Fan war und daraus nie einen Hehl gemacht, studierte in der Sowjetunion. In Ungarn reichte es, wenn man ein Jahr lang in die Produktion ging. Mein Schwager hat nach dem Abitur in Pannonhalma ein Jahr lang in der Szegediner Konservenfabrik arbeiteten müssen und wurde erst danach zum Jurastudium zugelassen.

  7. Ungarnfreund,
    natürlich fordert die Deutsche Bundesregierung die Abschaffund der Benes-Dekrete nicht – Deutschland hat ja schön bewiesen wie man „korrekt“ restituiert (Stichwort Treuhand)
    In Tschechien bzw Slowakei sind die Dekrete ofiziell nicht mehr rechtsgültig – so die Aussage von Juristen – aber die Folgen bleiben, d.h. die Vertriebenen sind nicht willkommen und die Staaten behalten weiterhin all die konfiszierten Güter.
    Mit ein bischen guten Willen wäre eine faire Restitution durchaus möglich!
    Übrigens: meine Großmutter hatte Interesse an einer Restitution und es brach ihr fast das Herz dass sie nicht mehr nach Böhmen zurück durfte.

    • Vor einigen Jahren waren wir am Elternhaus meiner Großmutter. Die heute darin lebende alte Dame war zunächst ziemlich erschrocken, uns am Gartenzaun zu sehen. Dann wollte sie uns doch hereinbitten und betonte dabei, dass sie das Häuschen ehrlich gekauft habe. Ich habe von all dem nichts verstanden, weil der Dialog auf Tschechisch lief. Aber ich hatte Respekt vor meiner Großmutter, die ihr Elternhaus an jenem Tag nicht betreten wollte und es auch nicht mehr zurück haben möchte. Wozu nach so vielen Jahren wieder Unfrieden säen — zumal für eine Immobilie, die auf dem Markt nichts wert ist?

      • Unfrieden sähen? Ich bewundere Ihren Großmut, Ungarnfreund. Meine Familie verlor ein Grundstück in Badacsony in schönster Lage, bis heute steht dort ein Betonungetüm der Bakonyer Kraftwerksgesellschaft (üdüllö). Hier dürfte man wohl nicht davon sprechen, dass das Grundstück auf dem Markt nichts wert“ ist. Aber mein Großvater wurde ja großzügigst entschädigt, er erhielt Entschädigungsscheine (kárpótlási jegyek) im Wert von ein paar hundert lumpingen D-Mark. Von diesem Geld leben wir noch heute, und das auf großem Fuß…

        Aber Scherz beiseite: Dieser Zug ist in den meisten Fällen wohl abgefahren, aber von „gerechter“ Restitution oder Entschädigung kann keine Rede sein. Da hatten die Gyurcsánys und Szilvásis und andere Genossen schon die Nase vorn. Denen gehören heute viele der Immobilien, die sie selbst für Appel und Ei vom Staat „erworben“ haben und die der Staat für ebenfalls ein Appel und ein Ei den enteigneten Betroffenen „entschädigte“. Umverteilung auf postsozislistisch (und ich meine hier nicht nur die MSZP, sondern alle ehemaligen Apparatschiks, die sich großzügig bedienen konnten). Ein Schelm, der böses dabei denkt.

        Die Entschädigungsthematik wurde vor einigen Jahren neu debattiert. Profitieren sollten aber nur Opfer der ungarischen Nazi. Tolle Lösung……

      • In meiner weiteren Verwandtschaft gibt es auch eine ähnlich großmütige alte Dame, die einst aus Ungarn vertrieben wurde. Allerdings ging es dabei nicht wie in ihrem Fall um eine schöne Immobilie am Badacsony, sondern „nur“ um ein ganz normales altes, inzwischen stark umgebautes Bauernhaus in der Baranya. Der private Eigentümer möchte es derzeit verkaufen. Wir werden uns jedenfalls nicht darum bemühen.

  8. Premier Orbán hat den 50 US-Kongressabgeordneten geantwortet, die ihn unlängst mittels eines offenen Briefes zu entschlossenerem Vorgehen gegen rechtsextreme Tendenzen in Ungarn aufgefordert haben:

    http://www.kormany.hu/download/5/0c/90000/Crowley%20Joseph%2050Dresp%202012%2007%2003.pdf.

    In seinem Schreiben verweist Orbán zunächst in bekannter Manier auf das historische Selbstverständnis des Fidesz als Vorkämpfer-Organisation für Freiheit und Menschenrechte. Außerdem geht Orbán in die Offensive, indem er den Kongress um Unterstützung bei der Schließung eines rechtsextremen Servers bittet. Gemeint ist wahrscheinlich die ominöse Internet-Plattform „kuruc.info“. Bin gespannt, ob etwas aus der Schließungsabsicht wird.

    • Passende Antwort, was dieses Naziportal kuruc.info betrifft. Sich über Antisemitismus beschweren, und das schlimmste aller Portale mit Server in den USA weiter arbeiten lassen. Ich erkenne eine Bigotterie, die kaum zu ertragen ist.

    • @drága ungarnfreund
      Was ist eigentlich ein „rechtsextremer Server“?
      Ein Fortschritt der Evolution, weil die Unterscheidung zwischen „intelligenten“ Hosts im Kontrast zu „dummen“ Terminals nur noch dem möglich ist, der sich nicht nur mit seinem Stammhirn, sondern auch mit einem Großhirn herumschleppt?
      Ist der „rechtsextreme Server“ die Weiterentwicklung von „intelligenter Host“?
      Ich frag‘ Sie das ganz sachlich!
      Welches Geheimwissen verbirgt sich hinter Ihrer Wortschöpfung?
      Und wozu so konspiratorisch?
      Wurden Sie eingeweiht?

    • @drága Ungarnfreund
      ‚konspiratorisch‘ steht nicht im Duden. Ich verwende es aber allein aus einem Grund, Herr Pfeifer hat mich mal entlarvt und mir weltverschwörungstheroretische Absichten unterstellt. Seit dem sag ich nur noch konspiratorisch. Solange die Dudenredaktion es nicht merkt, komme ich mit konspiratorisch überall gut an. Weil ich doch so gerne den Anschein erwecke, sachlich argumentieren zu können, solange es um das Jammern der Madjaren geht.

      • Kedves Herche úr, möchten Sie unbedingt eine neunmalkluge Antwort provozieren? Hier braucht es wirklich –keine– Verschwörungstheorie: Orbán selbst schreibt von einem „news portal“, das von den USA aus operiere und Antisemitismus in Ungarn verbreite. Dass es sich dabei um kuruc.info handeln muss, kann sich jeder aufmerksame Medienkonsument, also z. B. jemand wie Sie, eigentlich an drei Fingern ausrechnen. Wenn Sie kuruc.info nicht als rechtsextrem einstufen würden, kann ich Ihnen auch nicht helfen.

      • Drága barátom,

        es geht um Inhalte, nicht um Fatum. Kuruc.info schürt Hass und nutzt dazu das Internet. Das Schicksal meint es gut mit dem News-Portal. Könnte man meinen. Soll das Schicksal seinen Lauf nehmen, nur weil Ungarnfreund und Karl Pfeifer Internetserver generell als eine Höhere Macht begreifen?

        Teurer Freund der Ungarn!

        Darf ich Sie in eine höhere Kategorie einstufen? Menschenfreund, Weltverbesserer, Alleswisser, Schicksalergebener?

        Was die 48 US-Kongressler angeht, kommen sie mir vor, wie mein Nachbar. Der hat mich neulich angefeindet, ich würde nichts gegen Küchenschaben tun, müsse mich doch öffentlich von denen abgrenzen, in eine Volksfront mit Beate Uhse, Dalos und Karl Pfeifer eintreten. Im eigensten Interesse etc.

        Komisch ist dabei nur, dass die Schaben in Scharen aus dem Klosett meines Nachbarn strömen. Sie tun das im Schutze der Dunkelheit, so wie kuruc.info eben agiert. Einziger Unterschied: Kuruc.info hat ein Klosett in den USA gemietet. Das Scheißhaus meines Nachbarn ist gleich nebenan.

        Drága barátom!

        Seit wann sind Nachtaktive Schicksal?

  9. Die Server in den USA können in der Regel nicht Ungarisch. Sie haben eine Regel gegen Hate speech. Wenn also ein Server nicht mehr bereit ist kuruc zu verbreiten, ist der nächste schon bereit.
    In Österreich wurde das Problem so gelöst, dass man Hausdurchsuchungen bei den Neonazi vornahm, ihnen nachwies, dass sie gegen österreichische Gesetze verstoßen und sie vors Gericht bringt.
    Orbán hat auf einen höflichen zurückhaltenden Brief von amerikanischen Politikern zynisch reagiert. Er unterstellt, es gäbe außer den kuruc kein Problem.
    Das mag ihm bei den Lesern des Magyar Hirlap zwar nützen, aber in den USA wird man die Frage stellen, weshalb sich V.O. nicht von Jobbik distanziert. Weshalb der Vorsitzende des ungarischen Parlaments J. Nyirö, einem Mitglied des Szálasi Parlaments und Anführer der Hungaristen-Pfeilkreuzler nach 1945, bestätigte „kein Faschist“ zu sein.
    Aber so erfolgreiche Politiker wie Orbán-Matolcsy, denen es gelingt ungarische Anleihen mit mehr als 7% Verzinsung, was im Endeffekt ca. 9% ausmacht am Markt zu platzieren, brauchen sich nicht um das Image Ungarns kümmern. Man schreitet ja von Erfolg zu Erfolg.

    • @ Winki winki

      Aha, die Server in den USA können nicht Ungarisch? Können sie nicht. Hmm. Was können die denn? Amerikanisch? Die amerikanischen Server können Amerikanisch. Können die, sagt Winki winki!

      Wenn eine Junger Pinonier nicht mehr bereit ist, Kinderpornos zu verbreiten, ist der nächste Junge Pionier schon

      „Immer Bereit“

      Aha. So ist das. Wenn das so ist, dann benutzen die Thälmannpioniere für ihre islamistischen Terroranschläge in der Wuhlheide keine amerikanischen Server?

      Und die Teletubbies?

      Winki winki Herr Pfeifer!

      (function( antiungarisch)

      Winki winki!

  10. Balázs ich will nicht polemisch werden. Nur eine kleine höfliche Frage, warum meinen Sie, dass das Rumpfparlament, das ab Dezember 1944 in Sopron tagte, nicht Szálasiparlament genannt werden kann? Weil die offizielle Bezeichnung anders lautet?
    Das erinnert mich an István Lovas, der u.a. 1999 mir den Vorwurf machte, ich hätte von einer katholischen Universität in Budapest geschrieben und rotzfrech behauptete eine solche gäbe es nicht. Natürlich wußte ich dass diese Universität nach dem Gegenreformator Pázmány Péter benannt ist. Nur wer für ein deutsches Publikum schreibt und nur wenige Zeichen zur Verfügung hat, kann ruhig schreiben katholische Universität, denn dem deutschen Leser ist es auf Wienerisch gesagt Powidl, wie die heißt. Wichtig ist allein, dass es eine katholische Universität ist.
    Hätte ich einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben, dann hätte ich natürlich in der Fußnote angemerkt Péter Pázmány Universität. Im übrigen hat Lovas noch einige Unwahrheiten über mich verzapft, doch die Fidesznahe Zeitung, der ich noch am gleichen Tag meine Berichtigung mit Fax zusandte, brachte diese nicht. Im Gegensatz dazu hat MTI binnen einer Stunde nachdem ich voriges Jahr eine Berichtigung gesandt habe, diese an ihre Bezieher weitergereicht. Einige haben korrekt korrigiert, andere nicht.
    Die zweite Frage ist, wollen Sie allen Ernstes behaupten, dass es nach 1945 keine Hungaristen-Pfeilkreuzler Emigration gab?
    Die Frage, die mich beschäftigt ist folgende: warum haben Szöcs und Kövér diese Nyirö Aktion durchgeführt. Haben sie nichts gewußt über ihren „Szekler Apostel“? oder haben sie alles gewußt und geglaubt, das wird ihnen die Stimmen der Szekler bringen?

    • Kövér und Szöcs haben meiner Meinung nach nur den Literaten Nyirö und seine –nach allem was ich so höre– nicht besonders hochwertigen, im Großen und Ganzen wohl harmlosen Werke gesehen. Nyirös restliche (politische) Persönlichkeit haben sie ausgeblendet. Genauso war es ja schon bei Csurkas Beerdigung, an der viel Fidesz-Prominenz teilnahm.

      Vielleicht haben sie auch auf ein paar Stimmen für Jenö Száz und seine MPP spekuliert. Über die möglichen internationalen Rückwirkungen, den für Ungarn entstehenden Image-Schaden usw. haben sie nicht nachgedacht. Antisemiten oder Neonazis sind sie aber nicht. Außerdem haben die Szekler bei den letzten Lokalwahlen wieder eindeutig demonstriert, dass sie mit Masse keine Einmischung durch Budapest in ihre ureigenen Angelegenheiten wünschen. Die Aktion von Kövér und Szöcs ging also komplett in die Hose. Mal sehen, ob sie was daraus gelernt haben.

      • Wenn Nyirö so ein zweitrangiger Literat war, warum kaut man dann noch immer auf ihm herum?Nur wegen seiner politischen Vergangenheit?Na, wer´s glaubt wird selig.Da sollte man sich doch besser mit Szabo Deszö befassen, der ein bekennender Antisemit war.Aber darüber kein Wort!
        Wer mich aufklären kann wieso, dem danke ich schon mal im Voraus!

      • Szabó Dezsö, gutes Stichwort. Júlia Váradi selbst sagte, der sei ein genialer Schriftsteller gewesen, man solle ihn ruhig in der Schule behandeln. Denn er habe niemandem ein Haar gekrümmt.
        Offenbar ist es doch alles eine Frage des Geschmacks und der Wertschätzung für das literarische Werk. Oder?

  11. Lieber Ungarnfreund,

    lassen Sie uns Ihre Maxime doch zum Gesetz erheben, und fortan alle Politiker an ihren literarischen Werken messen.

    Das ist absurd. Man misst einen Zahnarzt nicht an seinen Gedichten, und einen Dicher nicht daran, wie gut er Zähne zieht, auch wenn er es mal erfolglos versucht hat und der Patient verblutete.

    • Lieber Herr Kálnoky,

      eine solche Maxime habe ich nicht formuliert. Gemessen an seinen literarischen Werken wäre Nyirö ja wohl harmlos. Soll das ein Persilschein sein? Seine politischen (!) Aktivitäten und Aussagen waren problematisch. Ich denke einfach, man darf den politischen Teil seiner Biografie nicht einfach ausblenden, wie Kövér das gemacht hat. Bei wass wäre es wieder anders. Von dem gibt es angeblich einen Text mit dem Titel „Die Landnahme der Ratten“, wobei die gängige Interpretation ist, dass es sich dabei um eine antisemitisches Machwerk handelt. Auch das darf nicht verschwiegen werden.

      Es wäre interessant zu wissen, wie der neue ungarische Lehrplan inkl. Nyirö, Wass usw. nun eigentlich genau formuliert ist. Sofern da drin steht, dass nicht nur einfach Texte, sondern auch die Biografien der Autoren kritisch behandelt werden sollen und gewährleistet wird, dass im Vergleich auch Autoren, die zu Opfern wurden, ausreichend behandelt werden, könnte ich wohl mit der Kanonisierung leben. Außerdem würde mich wirklich die Meinung von Pädagogen, die Erfahrung mit der praktischen Umsetzung von Lehrplänen haben, interessieren, um besser abschätzen zu können, wie groß das Missbrauchsrisiko durch entsprechend „national gepolte“ Lehrer ist.

  12. Ungarnfreund, niemand behauptet Kövér und Szöcs wären Antisemiten oder Neonazi. Sie haben aber eine politische Aktion gestartet, um einen antisemitischen Politiker und führendes Mitglied der Hungaristen-Pfeilkreuzler Emigration nach 1945 einen Persilschein als „Szekler Apostel“ zu geben und das kann man keineswegs mit den literarischen Qualitäten des Nyirö entschuldigen. Kövér hat ja mit seiner Antwort an Wiesel ein Beispiel dafür gegeben, wie man jegliche Verantwortung wegschiebt. (Wobei sehr wichtig war „die jüdische Abstammung“ von Georg Lukács zu betonen. Im Gegenzug hat niemand die „katholische Abstammung“ des Nyirö betont oder die Tatsache, dass er ein ehemaliger katholischer Priester war.) Orbán hat von Kövér gelernt und auf einen höflichen Brief von 50 USA Kongressabgeordneten eine zynische Antwort gegeben, womit er glaubt, den Ball in das Feld der Amerikaner geschubst zu haben.
    Dazu hat die von mir geschätzte Éva Balogh geschrieben:
    http://hungarianspectrum.wordpress.com/2012/07/04/fidesz-jobbik-antisemitism/
    und heute ist auf ihren Blog die englische Übersetzung eines Népszava Artikels erschienen. http://wp.me/p2qLQu-1c8

    Tatsächlich hat Kövér und Szöcs diese politische Aktion keine Wählerstimmen der Szekler gebracht. Denn die meisten Ungarn in Rumänien, der Slowakei und Serbien wollen ihre Rechte und ihre Interessen wahrnehmen, und wie wir sehen, folgen sie nicht der Politik der Provokation, die jetzt von Fidesz-KDNP betrieben wird. Die Politik des „je schlimmer, umso besser“ kann zwar gewissen nationalen Strategen in Budapest gefallen, doch die Rechnung dafür müssten natürlich die Ungarn in den Nachbarstaaten bezahlen.
    Hatte die erste Orbán Regierung noch eine nüchterne Außenpolitik auch im Interesse dieser Ungarn gemacht, so nimmt man mit Erschrecken wahr, dass die zweite Orbán-Regierung einen Kurswechsel vollzogen hat, auch wenn sie das Gegenteil deklariert. Ein Beispiel dafür ist der Nyirö-Skandal.

    • „Ungarnfreund, niemand behauptet Kövér und Szöcs wären Antisemiten oder Neonazi.“

      Herr Pfeifer, der Pester Lloyd schrieb: „Israel lädt Parlamentspräsident wegen Antisemitismus aus“. Abgesehen davon, dass der Dativ dem Genitiv sein Tod ist, sehe ich in dieser Überschrift schon die unterschwellige Behauptung, Kövér sei ein Judenhasser.
      Dass Kövér sich mit dieser Aktion in die Nesseln gesetzt hat, trifft allerdings zu. Aber von Kövér kennen wir nur diesen Stil des „jetzt erst Recht“. Ich bin froh, dass er nicht Präsident der Republik geworden ist.

    • „… um einen antisemitischen Politiker und führendes Mitglied der Hungaristen-Pfeilkreuzler Emigration nach 1945 einen Persilschein als “Szekler Apostel” zu geben…“

      Csúsztat, der Herr Deutler. Unterstellung ist sein Metier.

  13. HV Als Jurist nehme ich an, wissen Sie wohl den Unterschied zwischen zwei Behauptungen.
    Nämlich ob jemand wegen Antisemitismus [den er betreibt oder transportiert] nicht eingeladen bzw. ausgeladen wird, oder weil die betreffende Person ein Antisemit ist.

    Für mich besteht kein Zweifel, dass Kövér und Szöcs mit ihrer Nyirö-Aktion die dem Steuerzahler mehr als 6 Millionen Forint gekostet hat, ein politisches Selbstgol geschossen haben.

  14. Uff, wieder ein Fehler, Als Jurist, nehme ich an. Ohne dem Beistrich könnte der Eindruck erweckt werden, ich würde behaupten Jurist zu sein.
    sorry.

  15. HV außer den Zahlen der Opfer des roten und weißen Terrors haben Sie nichts zu beanstanden?
    Halten Sie wikipedia für eine zuverlässige Quelle?
    Jemand – nicht ich – schrieb über mich einen Artikel auf Wikipedia und bemerkte, ich hätte Ungarn 1944 verlassen, obwohl dies nicht stimmt und ich Ungarn am 5. Januar 1943 verlassen habe. Ich schrieb denen und als ich das letzte Mal hereinschaute, war noch immer das falsche Datum drinnen.

    • Ich habe das Datum berichtigt, Herr Pfeifer. Es lautet jetzt bei Wikipedia so:

      „Karl Pfeifer (* 22. August 1928 in Baden bei Wien) ist ein österreichischer Journalist.
      Inhaltsverzeichnis

      1 Leben
      2 Auszeichnungen
      3 Werkbeispiele
      4 Weblinks
      5 Einzelnachweise

      Leben

      Karl Pfeifer floh 1938 mit seinen Eltern nach Ungarn, wo er 1940 der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Haschomer Hatzair beitrat. Nach der deutschen Besetzung Ungarns im Zweiten Weltkrieg Am 5.Januar 1943 gelang ihm als einem unter 50 Jugendlichen und Kindern auf abenteuerliche Weise die Flucht nach Palästina. Er lebte in einem Kibbuz, diente ab 1947 in der Elitetruppe Palmach und nach der Staatsgründung Israels bis 1949 in der israelischen Armee.“

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2012/07/02/welt-interview-mit-gyorgy-dalos/#comment-8924

      Ich möchte Ihnen für Wikipedia die Lebensbeichte abnehmen. Wo darf ich Sie dazu treffen?

      • So besser?

        „Karl Pfeifer floh 1938 mit seinen Eltern nach [[Ungarn]], wo er 1940 der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation [[Haschomer Hatzair]] beitrat. Noch vor der deutschen Besetzung [[Ungarn im Zweiten Weltkrieg|Ungarns im Zweiten Weltkrieg]] am 5.Januar 1943 gelang ihm als einem unter 50 Jugendlichen und Kindern auf abenteuerliche Weise die Flucht nach [[Völkerbundsmandat für Palästina|Palästina]]. Er lebte in einem [[Kibbuz]], diente ab 1947 in der Elitetruppe [[Palmach]] und nach der [[Israelische Unabhängigkeitserklärung|Staatsgründung Israels]] bis 1949 in der [[Israelische Streitkräfte|israelischen Armee]].“

        Dies ist eine ungesichtete Version. Alle 2 Änderungen müssen gesichtet werden, bevor sie Benutzern standardmäßig angezeigt werden.

  16. Herr Herche bemühen Sie sich nicht, denn Sie haben in ihrem letzten Entwurf auch zwei Fehler. Wikipedia ist eben nicht zuverlässig.

    HV ich nehme Kritik ernst, daher bitte ich Sie, lassen Sie mich bitte wissen, wenn Sie glauben, ich hätte ein Faktenfehler begangen. Immerhin haben Sie an meinem Interview im Radio (auf das Sie oben aufmerksam machten) lediglich die Zahlen der Opfer des roten und weißen Terrors beanstandet. So unzuverlässig kann ich also nicht sein, wenn Sie nur das zu beanstanden hatten.

    • Verstehe Ihren Ansatz nicht. Sie können nicht so unzuverlässig sein, wenn man nur die Zahlen der Opfer beanstandet? Schauen Sie: Ihre MEINUNG lasse ich Ihnen. Wenn Sie aber die Zahl der Opfer des roten Terrors mit 500 angeben und Horthys weißen Terror für 3000 Tote verantwortlich machen, stelle ich die Frage, woher Sie diese Zahlen haben. Von Oszkár Jászi? Es dürfte schon zur damaligen Politik der ins Ausland emigrierten Verantwortlichen für den roten Terror gehört haben, die Opfer des weißen Terrors zahlenmäßig zu übertreiben. Schließlich rannte man meines Wissens zur Kleinen Entente, um für militärische Aktionen gegen Ungarn zu werben. Natürlich völlig uneigennützig (Ironie!), wie die Linken eben so sind :-).

      De Verharmlosung kommunistischer Verbrechen ist antifaschistische Grundeinstellung, die sich – betrachtet man den Vergleich zwischen Kommunismus und Nazismus – bis heute zum Standard gehört und sich in der westlichen Welt, die nie unter dem Kommunismus gelitten hat, leider in den Köpfen festgesetzt hat.

      Wikipedia ist, wie Untersuchungen vor einigen Jahren belegt haben, in etwa so „zuverlässig“ oder gar besser wie der Brockhaus. Hatte mich selbst überrascht.

      Glauben Sie nicht. Dann lesen Sie mal: http://www.abendblatt.de/ratgeber/computer/article506464/Wikipedia-besser-als-Brockhaus.html

      Warum? Es herrscht eine Kontrolle unter den Verfassern, die Fehler asbessern, diskutieren. Sie hätten also Ihren Beitrag selbst ergänzen/korrigieren können, anstatt sich darüber zu beschweren und irgendwen anzuschreiben. Vielleicht interessiert sich aber auch nur eine überschaubare Zahl von Menschen dafür, wann Sie Ungarn verlassen haben. Bauen Sie mal Fehler in vielbesuchten Artikeln ein, die werden ruck zuck korrigiert.

    • Herr Pfeifer, „Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten in über 270 Sprachen, zu dem“ auch Sie mit Ihrem Wissen beitragen können. Ich habe bei Wikipedia aufgrund Ihrer Angabe lediglich das fälschliche Datum Ihres Auszugs aus dem horthyverwesten Reich berichtigt.
      Es ist bekannt. Sie sind als Mensch per se ohne jeden Makel. Darf ich eingedenk Ihrer Allmacht, Ihrer Allwissenheit diesmal an Ihre Güte appellieren, denn die Wikipedia-Fehler sind weder unveränderlich und müssen nicht in alle Ewigkeit bestehen bleiben.
      Widerlegen Sie sich selbst, indem Sie die Wiki-Fehler korrigieren.
      Amen

  17. Unter 1000?

    Zumindest der weisse soll in etwa 5000 Opfer gefordert haben, davon, nach einigen Schätzungen (etwa: Fischer: Antisemitismus, 1988) ca. 3000 Juden.

    • Die Zahl von 5000 dürfte eine Legende sein, verbreitet seinerzeit von Oszkár Jászi und anderen. Wikipedia schreibt:

      http://hu.wikipedia.org/wiki/Feh%C3%A9rterror

      „A mozgalomnak a higgadtabb történészi értékelések szerint nagyságrendileg ugyanannyi áldozata volt mint a megelőző vörösterrornak (500-600 között, esetleg több, de jóval 1000 alatt), bár a Horthy- és a Kádár-rendszerre, valamint a baloldali emigrációra is jellemző volt, hogy az ellenpólus által elkövetett gyilkosságok számát igyekeztek eltúlozni (Böhm Vilmos hadügyi népbiztos, ill. a szintén emigráns Jászi Oszkár pl. teljesen irreálisan 5000 körülire tette az áldozatok számát); ezeknek a túlzásoknak időnként a külföldi történelemtudomány is hitelt adott).[1] [2] Létezik 300-as becslés is.[3] Teljes körű és megbízható lista az áldozatokról természetesen egyik esetben sem maradt fenn, így minden ilyesfajta adat becslésnek tekintendő. A két „terrorhullám” értékelése mindmáig – erős ideológiai (időnként aktuálpolitikaivá váló) töltetű – történészi viták tárgya.“

  18. HV und Peter Herche,
    also da halte ich die Einschätzung von Miklós Szabó für verläßlicher
    Auf wiki und auf Studenten würde ich mich nicht verlassen.

    • Ein Erbsenzähler ist Pfeifer wahrlich nicht. Das muss man ihm zugute halten. Er hat eher die Großzügigkeit jenes Barons, der mit seinen Lügen in die Geschichte einging.

      „A fehérterror egyik legfontosabb forrása a Magyar Szociáldemokrata Párt által 1919 őszén felállított, a politikai foglyok védelmére létrehozott jogvédő iroda anyaggyűjtése. Az anyag később kiegészült Fényes László újságíró és volt kormánybiztos újabb adatgyűjtésével. Fényes 626 főt tudott összegyűjteni, de valószínűsítette, hogy körülbelül még egyszer ennyi, azaz nagyjából 1200 és 1300 közötti lehet az áldozatok száma. Név szerint 365 emberről lehet bizonyítani, hogy kétséget kizáróan a Nemzeti Hadsereghez köthető tiszti különítmények okozták a halálukat; a pontosabb szám további kutatásokat igényel. A fehérterror kutatásának másik fontos forráscsoportját a pesti izraelita hitközség által végzett anyaggyűjtés alkotja. Ezt az üldözött zsidóság támogatására felállított jogsegítő iroda munkatársai végezték el, az ügyvéd Dombóváry Géza vezetésével. Ebben további 38 áldozat azonosítható név szerint. A két forráscsoport adatait összesítve azt látjuk, hogy körülbelül 400 fő esetében dokumentálható, hogy az elkövetők a Nemzeti Hadsereg kötelékébe tartoztak. 1919 augusztusában a Friedrich-kormány miniszterelnöki rendeletben vezette be az ún. gyorsított bűnvádi eljárás gyakorlatát. Ennek alapján a tanácsköztársaság alatt működő bíróságok halálos ítéletei gyilkosságra való felbujtásnak minősültek, ráadásul pusztán gyanú alapján bárkit le lehetett tartóztatni. A „kommunistaperek” számítottak a leggyakoribb ügyeknek. Ezek révén is 1919 augusztusa és 1920 júliusa között közel ezer ember ellen indult eljárás. A viszonyokat jól jellemzi, hogy a budapesti Gyűjtőfogház 1000 fogoly befogadására képes celláiban 1919 szeptemberében 2500 fő, októberben pedig már 7500 fő raboskodott. Váry Albert maga is körülbelül nyolc-tízezerre tette a letartóztatottak számát. A bíróságok több mint 100 halálos ítéletet hoztak, de közülük utóbb „csak” 74-et hajtottak végre. A kivégzettek többnyire valamelyik terrorcsapat tagjai vagy a vörösőrök közül kerültek ki. A tanácsköztársaság legtöbb népbiztosa és népbiztoshelyettese ugyanakkor még idejében elhagyta az országot, így megúszták a felelősségre vonást. Az itthon maradt tíz népbiztost bíróság elé állították, és el is ítélték (rendszerint életfogytiglani börtönbüntetésre vagy halálra). Ugyanakkor a szovjet vezetéssel folytatott hosszú tárgyalások eredményeképpen, 1922-ben egy nagyszabású fogolycsere keretében a Szovjetunióba távozhattak. “

      Quelle: Bödők Gergely, Vörös és fehér
      Terror, retorzió és számonkérés Magyarországon 1919–1921,Kommentár 2011/3

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