MSZP-Politiker bezeichnet rentenpolitische Maßnahme der Regierung als „Mengele-Plan“

Die Wortwahl des MSZP-Politikers Lajos Kórozs, der die von der Regierung angestrebte Überprüfung der Erwerbsfähigkeit bei Invalidenrentnern in einen Zusammenhang mit dem Dritten Reich und der sog. „Selektion“ im Vernichtungslager Auschwitz gebracht hatte, sorgte für Empörung im Regierungslage.

Die ungarische Regierung strebt derzeit an, die Invalidenrente einer Überprüfung zu unterziehen. Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung soll geprüft werden, ob die Bezieher von Invalidenrenten erwerbsfähig sind, d.h. sich gegebenenfalls Veränderungen in deren Gesundheitszustand ergeben haben. Die Maßnahme zielt auf einen Anstieg der Beschäftigungsquote (Ungarn hat eine der niedrigsten in der EU) ab, zugleich soll mit der bisherigen Praxis der bisher großzügigen Gewährung von Invalidenrenten gebrochen und die Sozialausgaben gesenkt werden.

Kórozs hatte die Maßnahmen am vergangenen Mittwoch wie folgt kommentiert:

„Anstelle eines Kálmán Széll Planes kommt jetzt der Mengele-Plan. Wie auf der Rampe in Auschwitz. Mit einem Fingerzeig werden Menschen ohne Gliedmaßen als arbeitsfähig deklariert.“

Staatssekretär Miklós Soltész bezeichnete die Wortwahl Kórozs´ als empörend. Es könne nicht sei, dass Maßnahmen der Regierung mit der Vorgehensweise eines Nazi-Massenmörders (Anm.: mit Josef Mengele, dem „Arzt“ im Vernichtungslager Auschwitz, der für seine Experimente an Menschen berüchtigt wurde) zu vergleichen. Es handele sich um die Verhöhnung der Opfer, ihrer Angehörigen und Nachfahren sowie eine Beleidigung gegenüber denjenigen Ärzten, die die Frage, ob Bezieher von Invalidenrenten am Erwerbsleben teilnehmen können, prüfen.

Der Verband der ungarischen jüdischen Glaubensgemeinschaften, Mazsihisz, zeigte sich ebenfalls empört. Man könne den Massenmord nicht mit einer rentenpolitischen Maßnahme der Regierung vergleichen. Mazsihisz forderte die Sozialisten auf, sich von den Aussagen Kórozs´ zu distanzieren.

Kórozs, der keineswegs zu den Hinterbänklern der Sozialistischen Partei gehört, sondern in den Jahren 2008-2010 (Kabinette Gyurcsány und Bajnai) Staatssekretär im Arbeits- und Sozialministerium war und dem Präsidium der Partei angehört, hat zwischenzeitlich zwar seine Wortwahl bedauert, die Kritik halte er aber aufrecht.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Kommentare zu “MSZP-Politiker bezeichnet rentenpolitische Maßnahme der Regierung als „Mengele-Plan“

  1. Laut Népszava hat zum ersten Mal der damalige Bürgermeister von Hódmezövásárhely János Lázár die Gesundheitspolitik der Sozialisten mit Mengele verglichen. Diejenigen, die das selbst getan haben, sind nicht sehr glaubhaft, wenn sie sich jetzt empören.
    HV haben Sie seinerzeit deswegen Lázár kritisiert? (Jetzt wende ich eine Methode an, die ich von Ihnen gelernt habe) Ironie!
    „Tudomása szerint Molnár Lajos egészségügyi minisztert szakmai körökben többen is Mengeleként emlegetik, így előfordulhatott, hogy néhányan a náci tömeggyilkos nevét írták a táblákra“ – ezt még 2007-ben mondta Lázár János egy hódmezővásárhelyi, kormányellenes tüntetésen.
    A fideszes politikus akkor nem vette védelmébe a szocialista minisztert. Nem szólalt meg Selmeczi Gabriella sem, amikor politikus nőtársát, Horváth Ágnest, a Molnár Lajost követő szocialista tárcavezetőt mengelicaként gúnyolta a jobboldal. Orbán Viktor a Mein Kampfból, Hitler művéből idézett 2006-ban egy pártkongresszuson. „Kedves barátaim, hogy megvilágítsam nektek az MSZP politikáját, a legjobb, ha a következő idézetet hozom elő a Mein Kampfból: a gyűlölet a legalapvetőbb emberi érzés, a gyűlöletre kell alapozni a politikát, és a gyűlölettel kell megsemmisíteni az ellenséget“ – mondta akkor Orbán. Pártja ezt természetesnek vette, Szijjártó Péter szóvivő szerint nem váltott ki megütközést az idézet. Sokat változott azóta a Fidesz ízlése…

    http://www.nepszava.hu/articles/article.php?id=567454

    • Wie geistreich, Herr Pfeifer. 2007 gab es den Blog noch nicht.
      Offenbar ist Ihr Humor und Ihr Verständnis groß, wenn Linke den Holocaust verharmlosen. Verstehe das, wer will. Ich finde die Worte des MSZP-Politikers geschmacklos. Ganz egal, was Lázár früher für einen Dreck erzählt hat. Haben Sie seinerzeit bei János Zuschlag ebenso herzlich Ironie walten lassen?
      Sie bleiben Ihrem Stil treu. Holocaustvergleiche sind offenbar nur bei Fidesz etwas kritikwürdiges. Bloß kein Wort der Kritik in Richtung MSZP und diejenigen, die Fidesz (von linker bzw. liberaler Seite aus) bekämpfen. Dass Erinnerung so zur Farce wird, versteht wohl jedermann. Außer Ihnen und der Népszava, die die Strategie des „der andere hat auch geklaut“ bis zum Ende durchziehen. Ich hoffe, Sie erhalten die Anerkennung aus der MSZP, die Sie sich mt diesem Kommentar redlich verdient haben.

  2. An dem Thema „Verbale Entgleisung in Ungarn“ wird mindestens noch eine Generation arbeiten müssen

  3. HV ich habe nichts entschuldigt und kein Verständnis aufgezeigt für die Verharmlosung des Holocausts. Ich habe nur kein Verständnis für Heuchelei. Deswegen ist es schon interessant, wenn Leute aus dem engsten Führungskreis von Fidesz mit solchen Sprüchen „glänzten“ wie János Lázár vor ein paar Jahren und sich jetzt empört über den unakzeptablen Spruch eines sozialistischen Politikers.
    Und Richter János hat Recht, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

    .

  4. Es hat sich in dieser Causa nicht Fidesz-Lázár, sondern Fidesz-Soltész zu Wort gemeldet.
    MaSzoP wird Kórozs deshalb nicht abschießen, weil ihre Personaldecke so dünn ist wie Alufolie. Dann würden ihr nurmehr der farblose Mesterházy, der Prolet aus dem 13. Bezirk (Szanyi), ein paar Sträflinge (Zuschlag, Hunvald & Co, bald evtl. auch Szilvássy) und ein paar Altkommunisten (Lendvai, Kiss, Kovács, Horn etc) im sinkenden Schiff bleiben.
    Was ich an der ganzen Diskussion (inhaltlich) peinlich finde, ist, dass MaSzoP offensichtlich tausenden Sozialbetrügern die Stange hält. Sieht so ihre Basis aus oder haben sie selbst vergessen, wie sie in den vergangenen 8 Jahren Invalidenrenten „verschenkt“ haben? Wer tatsächlich invalide ist, hat wohl nichts zu befürchten. Wer (mindestens) 2 Jahre nach Gewährung der Invalidenpension noch immer nicht behindert genug ist, um dieser Überprüfung stand zu halten, soll zurecht mit Konsequenzen rechnen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s