The Fan: Ivan Andrassews Brief an Hugh Grant

Népszava- und Klubrádió-Mitarbeiter Iván Andrássew schreibt an Hugh Grant. Und beschwert sich bitterlich über die „Orbán-Diktatur“ in Ungarn.

„Dear Mr Grant,

I am terribly sorry for putting this message to you through the press. I feel kind of entitled to do so since I have seen many of your films quite many times. You know, you are my wife’s favourite actor. I like the one in which you play the role of the PM but I particularly love that old-sod rock star who almost turns gay at Elton John’s party. I also love the one in which you fall in love with Julia Roberts. My wife just simply couldn’t find the travel bookshop in Notting Hill last weekend. You know she is teaching in England at the moment since we just can’t make ends meet here in Hungary and she is considering the circumstances hopeless. I cannot force her to stay here since she is right. We live in a terrible country where cocksy brutishness and fear ruin and spoil everything. The main source of our impoverishment is that Mr Orban makes the existence of the opposition press impossible – but he doesn’t dare to ban it. I work for a newspaper which has been published for 139 years – which is a real miracle itself. Viktor Orbán figured out that the best way to kill us is not to let companies advertise in our daily paper. What he does with my other employer – Klubrádió – is even more miserable – he does not only make our life impossible, but he is even trying to get the media supervising agency to take back our radio frequencies using shameful tricks completely against the court verdict. ( Now Mr Orbán is trying to overpower the judges, and he seems to succeed in doing so.)

If you wish, I can visit you in England – since I am going there soon – to have a chat over a cup of tea about the situation of the press in Hungary. I will take my excellent interpreter, who is also your great fan.

Meanwhile, would you be so kind as to let Mr Orbán know your address because he wants to send you a letter about how wrong you were when you judged Hungary and this lovely media fairy garden here. Many people here would like him to get it and publish it asap since our only consolation is laughing out loud at the insane propaganda letters of Orban’s dictatorship.“

Ich hoffe wirklich, Andrássews Tee wird diesmal die richtige Brühzeit haben. Die Engländer verstehen ja was davon.

http://www.nepszava.hu/articles/article.php?id=567886&referer_id=friss

 

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43 Kommentare zu “The Fan: Ivan Andrassews Brief an Hugh Grant

  1. Also ich habe herzlich gelacht und ich denke, auch in England wird der Brief sehr gefallen. Erinnert mich, das furchtbare Karikatur-English mal weggedacht, an Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“: „Da! Er hat mich unterdrückt! Hast Du gesehen wie er mich unterdrückt hat?“

    Klingt allerdings auch ein wenig nach „Haste mal nen Euro? Das System gibt mir keine Chance, Geld zu verdienen.“

    Ich halte den Vorwurf, die Regierung habe etwas dagegen, wenn in linken Medien geworben wird, übrigens für glaubwürdig. Genau wie die Linksregierung einst Werbung in Magyar Nemzet als Sünde betrachtete, die Bewerber um Staatsaufträge bringen konnte.

    Also wenn man mich fortan nach dem Unterschied zwischen Links und Rechts in Ungarn befragt: Rechts, das sind diejenigen, die Ungarns Rettung auch in der verzweifeltsten Stunde niemals von Hugh Grant erhoffen.

    • Das eigentlich bemerkenswerte an diesem Brief ist, dass die Visiere fallen. Diejenigen, die uns seit Jahren einreden, es sei ein „völkischer Mythos“, dass ein gewisser Kreis von Menschen ihre Meinung effektiv ins Ausland posaunen dürfen (Konrád, Heller, Andrássew, Bolgár, Arató, Mészáros…die ganze Népszava-Klubrádió-ATV Truppe eben) und über die DPA/APA-Verstärker entsprechende politische Verbündete haben, machen Ihre „Einladungen zum Tee“ endlich öffentlich.

      Es ist eben so: Kontakte schaden nur denen, die sie nicht haben. Das hat Fidesz leider noch immer nicht begriffen.

      Die wirklich interessante Frage ist, wie lange die durchschnittlich informierte Öffentlichkeit braucht, um zu begreifen, dass die überzogene Debatte um Ungarn innenpolitisch aus Ungarn befeuert wird und man eine Meinung vorgesetzt bekommt, die man in Ungarn nur in der Népszava liest.

      • HV, denken Sie wirklich, dass Fidesz so schlecht vernetzt ist? Ich meine, die Solidarität innerhalb der EVP hat ganz ordentlich funktioniert. Wir haben z. B. nie ein kritisches Wort der Bundeskanzlerin zu Ungarn gehört. Ich meine, nicht einmal Westerwelle als Außenminister hat je etwas ernsthaft Kritisches dazu gesagt. Bei Rumänien, wo momentan unter „linker“ Ägide sowas wie „Ungarn hoch drei“ passiert, sieht das schon ganz anders aus.

        Was die Medienwelt angeht, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass in Deutschland jemand Texte von Istvan Lovas & Co. drucken würde. Und das ist auch gut so. Deren billige Anti-EU-Rhetorik klingt auch in konservativen deutschen Ohren ziemlich, sagen wir es mal ganz brutal und direkt: undankbar.

        Wo Sie natürlich Recht haben, ist, dass linksliberale Ungarnbild-Vermittler wie Heller oder Konrad ein gutes Standing bei vielen deutschen Feuilleton-Redaktionen haben. Wer aus dem rechten Lager könnte denn Ihrer Meinung nach theoretisch sprachlich, intellekturell und institutionell mit jenen Figuren ernsthaft konkurrieren, ohne dass er oder sie Gehör fände? Versucht einer wie Schöpflin ernsthaft in die deutschen Medien zu kommen? Oder wen gäbe es da noch?

        Dabei, dass in Ungarn trotz undurchsichtiger Klubradio-Affäre usw. grundsätzlich Pressefreiheit herrscht, stimme ich Ihnen zu. Diese Übertreibungen („Pressefreiheit abgeschafft“, „Diktatur eingeführt“ etc.) sind doch alle Blödsinn. Dass wissen die Pro-Fidesz-Leute auch gut zu nutzen. Je absurder, lächerlicher und unglaubwürdiger die Kritik erscheint, desto besser im Grunde für diesen Kreis. Deswegen liebt man es so, der „Heimat“ die neuesten „legnagyobb blödség“ aus der internationalen Presse zu zitieren. Vernünftiger wäre es, den i.d.R. wahren Kern solcher Meldungen zu analysieren.

        Außerhalb der öffentlich-rechtlichen Medien gibt es schon kritische Berichterstattung in Ungarn. Nur: wer liest schon die von Ihnen genannten Organe 168 ora oder Nepszava (ich gebe es zu: erstere blättere ich öfter mal durch — aber ich bin da in einer kleinen Minderheit). Oder wer schaut schon lieber ATV als RTL? Die meisten Leute hierzulande sind der Politik doch längst überdrüssig.

    • Schönen guten Tag für alle! Ich warte gespannt, was Grant Andrassew antworten wird. Letzterem geht es dennoch nicht so schlecht, wenn er in nächster Zukunft eine Englandreise plant. Da ich weder Zeit noch Geduld habe, die beiden Versionen von Wort zu Wort miteinander zu vergleichen, weise ich nur auf einen „winzigen“ Unterschied hin. In der ungarischen Fassung steht folgender Satz: „Orbán Viktor kitalálta ugyanis, hogy úgy lehet minket megölni, ha nem kapunk állami hirdetéseket, és éreztetik a magánhirdetőkkel, hogy nem lesz jó pont a különféle pályázatoknál, ha nálunk hirdetnek. “ In der englischen dagegen: „Viktor Orbán figured out that the best way to kill us is not to let companies advertise in our daily paper.“ Ah so! Es ist dem perfiden Diktator eingefallen, KEINEN Firmen die Werbung in Népszava zu gestatten! Welch bitteres Schicksal, oder was für eine bodenlose Infamie, ha! Übrigens würde der Kandidat in einer Übersetzungsprüfung durch diesen „Fehler“ durchfallen. Noch etwas: Andrassew vergisst zu erwähnen, dass seine Zeitung künstlich am Leben gehalten wird. Die geringe Auflagenzahl des Blattes deckt die Herstell- und Vertriebskosten offensichtlich nicht. Seine Arbeitgeber sind aber ziemlich knauserig, da Népszava seit Monaten keine Honorare mehr an die externen Mitarbeiter zahlen kann und auch die Gehälter der Redaktionsmitarbeiter in Verzug sind. (?)

  2. HV kann man in England einen guten Tee trinken. Was aber bleibt, ist die Tatsache, dass diese Aktion des ungarischen Staatssekretärs für Kommunikation mit dem Ausland Ferenc Kumin, den britischen Schauspieler Hugh Grant aufzuklären, dass doch in Ungarn die absolute Medienfreiheit herrscht und sich darüber beschweren, dass man nicht seine Adresse kennt, die ungarische Regierung lächerlich macht.
    Ich habe Kumin bei einigen Debatten in ATV gesehen und gewann den Eindruck, dass er einer der vernünftigen Fideszleute ist. Warum wohl macht er sich mit dieser Aktion lächerlich? Während dem gestrigen ujságiróklub im ATV wurde darüber diskutiert.
    http://atv.hu/videotar/20120710_ujsagiroklub_2012_07_09_1_resz
    Diese Herrschaften treten von einem Fettnapf in den anderen und wundern sich, wenn man das im Ausland bemerkt. Im heutigen Magyar Hirlap erklärt uns ein Herr Szentesi Zöldi, dass Hugh Grant auf Bitte seiner Arbeitgeber über Ungarn im europäischen Parlament gesprochen hat. Damit spricht er natürlich die Bereitschaft der Leser an, an Weltverschwörungstheorien zu glauben.
    http://www.magyarhirlap.hu/velemeny/hugh_grant_es_a_sugolyuk.html
    Was Sz Z nicht begreift, erst die Aktion von Kumin, hat aus ein paar Sätzen von Hugh Grant, die er in Brüssel sprach, eine Affäre gemacht.

    • Was meines Erachtens bleibt, ist die Tatsache, dass die Aussage, in Ungarn herrsche Zensur und die Medienfreiheit sei abgeschafft und Ungarn sei eine „Diktatur“, die Kritiker der Lächerlichkeit preisgibt. Weil sie jedes vernünftige Maß verloren haben und einen Feldzug für „ihre“ politischen Kameraden führen. Seit 20 Jahren.

      Lesen Sie 168óra, Hetek, ES oder Népszava, und Sie wissen, dass in Ungarn jeder Eimer Gülle über Fidesz ausgekippt werden kann. Sonst könnten Sie keine Artikel mehr lobend erwähnen. Und das gilt trotz so erbärmlicher Aktionen wie der, eine Anti-Regierungs-Demo aus dem MTV herauszuschnippeln. Wie es der von mir hochgeschätzte Andreas Oplatka sagte: In einem Land, in dem Journalisten, die so wie die Népszava- und 168óra-Redakteure über die Regierung berichten, kein Haar gekrümmt wird, herrscht eben doch Pressefreiheit. Es ist eben schade, dass Sie (anders als andere Orbán-Kritiker hier im Forum) nicht fähig oder willens sind, das einzugestehen. Ich lasse Ihnen Ihre Meinung, obwohl sie mitunter grotesk überzogen ist.

  3. HV es lohnt sich meiner Meinung nicht, groß von Medienfreiheit zu schreiben, wenn das einzige oppositionelle Klubradio hingehalten wird mit der Erteilung einer Frequenzgenehmigung und sich diese für 9 Jahre ernannte aus lauter Fideszleuten bestehende Medienkommission lächerlich macht, und den Grund dafür indirekt angibt, weil die 235 Seiten des Klubradiogesuchs auf den leeren Seiten nicht abgestempelt und unterzeichnet sind.

    Doch Klubradio ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Ich las vorgestern mit Erschütterung ein Interview des Parlamentspräsidenten László Kövér im Magyar Hirlap. Die unermüdliche Éva Balogh hat nun dokumentiert, wie unverschämt dieser Mann die Unwahrheit sagt. Für diejenigen, die nicht ungarisch können, ist ihr Blog eine gute Quelle, um festzustellen, was in der ungarischen Politik alles abgeht.
    http://hungarianspectrum.wordpress.com/2012/07/10/laszlo-kovers-interview-on-foreign-threat-and-charge

  4. In einer atv Diskussion, welche erinnere ich mich nicht genau, meinte einer der Journalisten, im Iran versucht die Behörde auch dieses Katz und Maus Spiel mit der Frequenzerteilung, wie das jetzt dieser Medienrat mit Klubradio betreibt. Das ist ein unwürdiges Spiel und kann nicht gut ausgehen.
    Erinnern Sie geehrter HV uns doch, was da genau gelaufen ist, als dieser Boykottaufruf erfolgte, den Sie erwähnen.
    Ich habe vorgestern das Kövér-Interview gelesen und kann nur auf die ausgezeichnete Analyse von Eva Balogh hinweisen.
    Natürlich kann man sich jetzt in Ungarn damit trösten, dass doch Ponta in Rumänien versucht einiges von Orbán zu übernehmen. Doch das ist ein schwacher Trost. Denn wie mir mein allzu früh verstorbener Freund Miklós Szabó sagte, vor dem Kádárregime hätte sich kein Ungar damit getröstet, dass es doch in Rumänien noch schlimmer ist. Wenn sich aber ungarische Intellektuelle während des Kádárregimes beschwert haben, bekamen sie von den „vaskalapos“ Funktionären oft zu hören, dass es doch in Rumänien noch viel schlimmer zugeht.
    Ich fand es gut, dass der ehemalige sozialdemokratische Außenminister Steinmeier klare Worte zu diesem Verhalten von Ponta & Co gefunden hat.
    Wenn Politiker einen „double Standard“ anwenden, werden sie unglaubwürdig.
    Und ich erinnere mich, als der Sprecher der Bundesregierung etwas kritisches über die Orbán-Regierung sagte, Orbán von der „armen Frau Merkel“ sprach, als ob ein Regierungssprecher bei einer Pressekonferenz seine private Meinung bekanntmachen würde, die nicht mit der Chefin abgesprochen ist.

    • Gerne erinnere ich daran. Zsolt Bayer hatte mal wieder gewütet. Ich denke, es war der unsägliche Artikel mit den Aussagen von „ins Becken rotzenden Juden“.
      Anders als Sie sehe ich den Regierungschef trotzdem nicht als befugt, zum Boykott einer ganzen Zeitung aufzurufen – selbst wenn ein Schmierfink wie Bayer etwas zum besten gegeben hat. Damit werden nämlich alle weiteren Schreiber, auch die, die Sie gut finden, bestraft. Sippenhaft ist allerdings out.
      Ja, wenn Politiker einen “double Standard” anwenden, werden sie unglaubwürdig. Erzählen Sie es der EU-Kommission.

  5. Diktatur? Zensur?
    Generalstaatsanwalt Polt P. hat im Juni den Prozeß gegen die Zeitschrift Élet és Irodalom verloren.
    Das Gericht wies die Klage mit folgender Begründung ab: „kritische
    Äußerungen über eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sind durch die Meinungsfreiheit gedeckt“.

    • Ich mag es so sehr, wenn ausländische Journalisten, die nichts von der ungarischen Geschichte und Kultur wissen, ein paar Tage in Ungarn verbringen, mit Leuten a la Andrassew, Heller & Co. sprechen und sich um die schleichende Diktatur sorgen, dann am Ende kleinlaut feststellen, dass es doch keine Diktatur in Ungarn gibt. Heller, Palmer, Freedom House sind in den Augen dieser Gutmenschen unfehlbar, wer dagegen die Partei von Orbán ergreift, wird als Nazi/Antisemit/Chauvinist/Geschichtsrevisionist usw. abgestempelt. In der Tagespresse sehe ich hintr solchen oberflächlichen Artikeln die Absicht, Touristen abzuschrecken, eventuell mittelständische und kleine Unternehmen von Geschäften mit ungarischen Partnern fernzuhalten. Im Falle von Zeitschriften wie in diesem Beitrag sollen Vorurteile gegen Ungarn erweckt werden.

    • Kichnick ist felsenfest von der Richtigkeit seiner Einbildung überzeugt. „Aber subjektives Überzeugtsein ist eine schlechte Kennzahl für die Genauigkeit eines Urteil“, las ich gerade auf Seite 302 des Bestseller-Sachbuchs von Daniel Kahneman: „Schnelles Denken, langames Denken“ , Siedler, 2012

      Kichnicks „Wrong Way Down the losing side“ ist höchstens ein Paradebeispiel für die Ungarn schädigende Hetzkampagne, deren Sinn und Zweck sich nicht besser, als mit den Worten von Charles Gati ausdrücken lässt:

      „civil war breaks out because of the people’s recognition that Fidesz’s promises were empty“

      Ekelhaft.

  6. HV Heute hat die Staatsanwaltschaft alle Beschuldigungen gegen die Philosophen in Ungarn fallen gelassen.
    Wie erklären Sie, die Hetzkampagne von Fidesznahen und staatlichen Medien ab Jänner 2011 gegen die „liberalen“ Philosophen?

    • Die Blätter (Nemzet, Hírlap) waren voreilig auf dem Holzweg, es lagen eben keine Straftaten vor. Ebenso wie Pusztaranger auf dem Holzweg war, der voreilig von „Schauprozess“ sprach.

      We erklären Sie, dass die angeblich fidesz-unterwanderte Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellt, obwohl doch der Oberste StA, Péter Polt, ein „Parteisoldat“ des Fidesz ist? Much ado about nothing?

      • So, dass es in der Staatsanwaltschaft immer noch von „Kommunisten“ wimmelt. Und Polt wurde von Gyurcsány durch das „Lex Polt“ geradezu gekauft. PP ist eine Fehlbesetzung auf seinem Posten, die hysteroliberalen Medien können ihn jedoch vorzüglich als Popanz gebrauchen. (Siehe noch die nicht existierende Kubatov-Garde.)

    • Das ist witzig: wenn KÖZGEP, der ein Baufirma ist, einen Bauauftrag von der Regierung bekommt, dass ist ein Skandal. Wenn aber Philosophen Geld bekommen von einem technische Innovationen unterstützenden Staatsfond, da ist alles in Ordnung. Frau Dr. Heller und Co. haben für fünf Projekte insgesamt 300 MHUF bekommen. Der ungarische DFG (OTKA) verteilt in der Regel Projekte in Wert 1-5 MHUF. D.h. für diese fünf Projekte wurden wahrscheinlich mehr Geld ausgezahlt, als für alle andere philosophische Forschungsprojekte in der letzten 20 Jahren. Dazu hätte sich Frau Dr. Heller was sagen können: ihre Argumentation mit ihren jüdischen Abstammung finde ich ziemlich schwach.
      Es bleibt weiterhin Fakt, dass einige Mitarbeiter dieser Forschungsgruppen, haben sich selbst als zusätzlicher Arbeitskraft mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt. Das sieht offensichtlich der Staatanwaltschaft als Steueroptimierungsmaßnahme, und nicht als Straftat. Ich habe den Eindruck, dass ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer deutschen Uni, nicht so leicht davon kommen würde, wenn ich so was versuchen würde. Und ganz bestimmt, würde ich nicht als Held bejubelt.

  7. HV Die Antwort ist sehr einfach. Es gibt jetzt schon genug Skandale in Ungarn. Noch einen kann Fidesz nicht gebrauchen. Und ein Verfahren ohne jedes Sustrat wäre sehr kontraproduktiv.
    Heute Abend sah ich Agnes Heller im ATV in Egyenes Beszéd. Ich empfehle dies ab morgen Früh anzuschauen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

    • „Heute Abend sah ich Agnes Heller im ATV in Egyenes Beszéd. Ich empfehle dies ab morgen Früh anzuschauen und sich selbst eine Meinung zu bilden.“

      Es war ein sehr harmonisches Gespräch. Nichts zu sehen von den Folterinstrumenten, die Frau Kálmán immer auspackt, wenn sie Gesprächspartner aus dem national-konservativen Lager hat. Es wäre möglich gewesen Frau Heller die eine oder andere unangenehme Frage zu stellen (z. B. über den Gegenstand der geförderten Arbeiten in Verbindung mit der Zielsetzung der in Anspruch genommenen Förderung), Frau Kálmán hat aber auf diese Fragen vollkommen verzichtet.

      So ist die Frau Kálmán: eine Miezekatze, wenn es um die „sozial-liberalen“ geht und eine Löwin, wenn sie einen National-Konservativen als Gesprächspartner vor sich hat. Als ATV-Moderatorin sehe ich ihre Sendungen sehr gerne, wohl wissend, dass sie parteiisch ist. Als öffentlich-rechtliche Moderatorin kann ich sie schwer vorstellen.

      Es gab Zeiten, als Frau Kálmán und viele ihrer Kollegen von ATV und Klubrádió prominente Mitarbeiter vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Rundfunk waren. Es wundert nicht, dass damals, vor ca. 10 Jahren Viktor Orbán, den fehlenden Zugang seiner Partei zu den öffentlich-rechtlichen Medien bemängelt hat. Die Antwort der damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten war sinngemäß: „Wenn ihr Fernsehen braucht, kauft euch einen Sender.“ Das war in einer Zeit, in der bei den privaten Printmedien auch die Zeitungen, Zeitschriften dominiert haben, die dem „sozial-liberalen“ Lager näher standen.

      Inzwischen haben die National-Konservativen ihre Medien erfolgreich aufgebaut, so besteht die ungarische Medienlandschaft aus 3 Polen: Medien, die der „sozial-liberalen“ Lager nahestehen, Medien, die der national-konservativen Lager nahestehen und die öffentlich-rechtlichen Medien. Die letzten sind immer regierungslastig, unabhängig von der jeweiligen Regierung. Diese 3-polige Medienlandschaft bietet eine für so ein kleines Land erstaunliche Medienvielfalt. Der wesentliche Unterschied im Vergleich zur deutschen Medienlandschaft ist, dass ich hier in den meisten Fällen aus einer Quelle (z. B. öffentlich-rechtliches Fernsehen oder Rundfunk) gut informiert bin, in Ungarn reicht eine Quelle nur selten aus. Und der Ton ist in Ungarn – nicht zuletzt wegen des vorhandenen Lagerdenkens- rauer, als hier in Deutschland. Aber von der Abschaffung der Medienfreiheit in Ungarn kann keine Rede sein. Wer sowas behauptet, gehört zu einem der Lager in Ungarn oder lässt sich aus diesem Lager heraus instrumentalisieren.

      • Ihrer Einschätzung der ungarischen Medienlandschaft kann ich nicht widersprechen.
        Allerdings irren Sie mit Ihrer Annahme, dass man in Deutschland „aus einer Quelle (z. B. öffentlich-rechtliches Fernsehen oder Rundfunk) gut informiert“ ist. Ich verfolge z.B. seit 30 Jahren die Ungarnberichterstattung. Auf die Unzuverlässigkeit – weil Einseitigkeit – der Informationen ist Verlass.

  8. Balázs man muss nicht alles glauben, was fidesznahe Medien in einer Kampagne ohne Substrat verzapften. Wenn die Polizei oder die Staatsanwaltschaft irgendetwas gefunden hätten, dann hätte es auch eine Anklage gegeben.
    Wenn Sie also alte Beschuldigugen aufwärmen, die sowohl von der Polizei als auch von der Staatsanwaltschaft geprüft wurden, dann zeigt das, dass Sie gerne gehabt hätten, wenn diese liberale Philosophen vor ein Gericht gekommen wären.

      • In meinem Fremdwörterbuch fand ich: „Substrat, das .- [e]s,…e 1. Grundlage, Unterlage, Substanz als Träger von Erscheinungen, 2. Nährboden -. 3. Restbestand der untergegangenen sprache einer besiegten Sprachgemeinschaft in der Sprache der Sieger.

        Wird in der österreichischen Rechtssprechung im Sinne von 1. oft gebraucht.

      • Ich habe Herrn Pfeifers Substratlosigkeit so verstanden:

        Ágnes Heller ist als Mensch und Lukács-Jüngerin ohne jede Sünde.

        Es gibt keinen Seinsgrund, eine Marxistin anzufeinden. Ungarn ist seit Orbáns Machtergreifung eine völkische, horthyistische Bedrohung des Weltfriedens. Das ist sozusagen die Außenansicht der Dinge. In dieser Welt gilt der Satz vom Grund. Herrschendes Prinzip ist ein blinder und unvernünftiger Wille, der nur sich selber will und seine Machtsteigerung. Er setzt sich im Lebenswillen der Fidesz-Parteisoldaten ebenso durch wie in den anscheinend zweckfreien Gebilden der völkischen Geistigkeit. Er benutzt die Medien, die Legislative und die Exekutive, Kunst, Sport und die Religionen. Orbáns Machttrieb beherrscht alles. Freiwerden könne man von ihm nur in der kontemplativen, interesselosen Zuwendung zu den aufklärerischen Schriften und Vorträgen der Magdalena Marsovszky. Dabei entziehe der Mensch sich der drängenden Kausalität, die ihn mißbraucht. Die eigentliche Möglichkeit, sich dem blinden Wirken dieser überpersönlichen Unvernüftigkeit zu entziehen besteht allerdings erst in der unbedingten Anerkennung des Wiener Journalisten Karl Pfeifer.

        So habe ich seine Substratlosigkeit verstanden.

  9. Nun ich habe dieses Wort so oft bei „meinen“ Prozessen gehört, dass ich dieses Wort gebraucht habe. Macht dieses Wort Schwierigkeiten? Wird dieses Wort in Deutschland nicht gebraucht?

  10. Gestern abend sah ich auf ATV ein langes interessantes Gespräch mit Prof. Róna, der in Oxford lehrt. Róna hat einiges zu sagen zu Ungarn und über die Schwierigkeiten gut ausgebildeter Ungarn, die im Ausland tätig waren, wieder zurückzukehren nach Ungarn.
    http://atv.hu/cikk/20120712_rona_peter

    • Mit Substratlosigkeit im Sinne von „ohne Substrat verzapfen“ wäre demnach ein Maximum an Resourceneffizienz zu erreichen. Dabei ist Effizienz das Verhältnis zwischen einem definierten Nutzen und dem Aufwand, der zu dessen Erreichung notwendig ist.

      Als Praxisbeispiele ließe sich neben der Kampagne ohne Substrat fidesznaher Medien gegen die Marxistin Ágnes Heller auch die Diplomarbeit über den „Weinbau im Norden des Plattensees“ nennen, der als operativer Vorgang (OV Weinbau) ebenfalls ohne den Einsatz von Gartenerde erfolgte.

      Näheres dazu unter :

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2012/04/27/gyurcsany-diplom-mit-der-arbeit-seines-schwagers/

  11. Istvan Jung. Prof. Róna hat den Ministerpräsidenten seiner Heimat 2008 beraten, als das Land in einer tiefen Finanzkrise steckte. Was außer dieser Tatsache, haben Sie an den Aussagen von Prof. Róna zu beanstanden?
    Und weil wir schon dabei sind, es gibt eine ganze Reihe von Fidesz nahen Wirtschaftsfachleuten, die nicht anders reden als Róna.
    Diese Schubladisierung, der war ein Berater von Gyurcsány, daher ist er abzulehnen, ist ein Tunnelblick, der auch erklärt, warum das was Prof. Róna sagt, so ungern gehört wird.

    • „Prof. Róna hat den Ministerpräsidenten seiner Heimat 2008 beraten, als das Land in einer tiefen Finanzkrise steckte“

      Mir kommen die Tränen vor lauter Pathos, Herr Pfeifer.

      Abgesehen davon, dass mir die Tränen kommen, halte ich Róna ebenfalls für einen sehr fähigen Volkswirt (er war einer, der zuerst vor den Fremdwährungskrediten gewarnt hatte). Und was ich sehr sympathisch finde: Róna ist an einer kleinen Käserei beteiligt. Das ist (ich meine das Ernst) auch etwas, was ich gerne machen würde.

    • Sehr geehrter Herr Kollege Pfeifer,

      ich schließe mich diesmal Ihrer Meinung an. Trotz aller Bemühungen, Langzeitprognosen im Zusammenspiel von statistisch-mathematischer Methodik und theoretischem Fachwissen technisch zu optimieren, werden zwischen der Prognose und dem tatsächlich 2050 eintretenden Ereignis immer größere oder kleinere Abweichungen bestehen. Es ist daher – auch bei der Wahl des richtigen Prognosemodells – sehr wichtig, die Güte des gewählten oder des betrachteten Verfahrens durch Ermittlung der Prognosefehler zu bewerten.

      Ich halte m.E. das von Ihnen in Anwendung gebrachte Modell Tunnelblick im Rahmen der qualitativen globalen Aspekte und vor dem Hintergrund neuester Theorien zur europäischen Entwicklung wegen der zu erwartenden tektonischen Verschiebungen mit den von vornherein quantifizierbaren. Fehlerursache hingegen für weniger geeignet. Professor Dong Szo Fosh vom Department of Risk Assessment der University of Fukushima Dai-ichi, der seit Jahrzehnten auch das japanische Kaiserhaus berät, schlägt in seiner jüngsten Studie altnernativ das Modell Scheuklappe vor. Die von ihm erhobenen Werte sind jedoch trotz der nachgewiesenen genetischen Übereinstimmungen auf Ungarn nur mit Vorsicht übertragbar.
      Ich möchte Sie deshalb um Ihre kompetente Meinung zu den im Moment populären, von Professor Róna angesprochenen Mustern empirisch nicht existenter Wunsch- und Angstvorstellungen bitten, die, so geht auch aus der unter den Einschränkungen der Pressefreiheit in Ungarn stattgehabten Fernsehdiskussion auf dem Sender „atv“ der Glaubensgemeinde Budapest, hervor, in die Regierungsprognose für das Jahr 2050 vermutlich bereits eingeflossen sind.

      • richtig muss es natürlich heißen: „…wegen der zu erwartenden tektonischen Verschiebungen mit der von vornherein quantifizierbaren. Fehlerursache …“

  12. HV auch wenn Ihnen die Tränen kommen, viele Ungarn sind von Prof. Róna beeindruckt. Er hat auch ganz eindeutig seine Meinung über Matolcsy gesagt.
    Und viele Anhänger der krausen Wirtschaftstheorien von Orbán-Matolcsy gibt es nicht mehr in Ungarn.

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