„The Sun“ will mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher in Budapest aufgespürt haben

„Einer der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher lebt offenbar in Ungarn. Reporter der britischen „Sun“ fotografierten den 97 Jahre alten László Csatáry in der Hauptstadt Budapest. Dort lebe er in einem besseren Stadtviertel. “

http://www.faz.net/aktuell/politik/ungarn-mutmasslicher-ns-kriegsverbrecher-aufgespuert-11821512.html

Auch die Süddeutsche Berichtet:

http://www.sueddeutsche.de/politik/erfolg-fuer-simon-wiesenthal-zentrum-gesuchter-nazi-kriegsverbrecher-in-ungarn-aufgespuert-1.1413307

35 Kommentare zu “„The Sun“ will mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher in Budapest aufgespürt haben

    • Tageschau vom 16.07.2012 um 20:10 Uhr

      http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video1148804.html

      Der Direktor des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, sagt in dem Interview, dass man zuerst die ungarischen Behörden in Budapest informiert habe. Erst als diese nicht reagierten, hätten sie THE SUN informiert. Sie hätten dies in der Vergangenheit schon dreimal gemacht. Die Zeitung hätten dann Naziverbrecher gefilmt. Sie hätten diese Taktik gewählt, um öffentlich Druck auf Behörden ausüben zu können.

      O-Ton (1:30):

      „In Israel blickt man skeptisch nach Ungarn. Zu oft hat sich dort die Justiz davor gedrückt, ungarische Nazis zur Rechenschaft zu ziehen. Man glaubt hier nicht richtig, dass die rechte Regierung Orbán, in deren Kreisen es Sympatisanten ungarischer Nazis gibt, einen Prozess gegen Csatáry zulassen wird.“

      Also warten wir ab, ob es zu Reaktionen der ungarischen Behörden bzw. der Justiz kommt.

      • Eine Reaktion sei mir erlaubt. Dieser Kommentar am Ende ist am Rande der Diffamierung. Muss sich die Staatsanwaltschaft entschuldigen, wenn Sie es wagt, Ermittlungen zu führen und nicht auf den Pfiff Zuroffs sofort Anklage erhebt? Dass sich einer zu solchen Aussagen hinreißen lässt, ist wirklich bemerkenswert:

        „Im September 2011 habe ich ihnen auch Csatarys Budapester Adresse gegeben», sagte Zuroff der dpa. «Sie haben einfach gehofft, dass er (Csatary) verschwinden würde», mutmaßte Zuroff mit Blick auf die Tatenlosigkeit der ungarischen Staatsanwaltschaft.“

        Die Staatsanwaltschaft hoffte, dass er verschwinden würde? Was glaubt dieser Mann eigentlich? Und was glaubt dieser ARD-Korrespondent?

        Kleine Nachhilfe für die Damen und Herren der Tagesschau und Tagesthemen. Und auch für Herrn Zuroff:

        Es war „die rechte“ Regierung Orbán, unter deren Ägide der mutmaßliche Kriegsverbrecher Sándor Képíró angeklagt worden ist. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft jahrelang ermittelt, während der Jahre 2002-2010 haben sich darüber allerdings weder Zuroff noch die westliche Presse beschwert. Noch nicht einmal der für Nazi-Umtriebe aller Orten so sensible Karl Pfeifer oder die Antifa-Portale im Internet. Die unabhängige ungarische Justiz hat ihn freigesprochen, aus Mangel an Beweisen für seine Teilnahme an Massakern im heutigen Novi Sad. Es war wieder die angeblich von der „rechtsgerichteten Regierung Orbán“ und ihren vermeintlich antisemitischen Horden unterwanderte Staatsanwaltschaft, die gegen den Freispruch Berufung einlegte, um eine Verurteilung zu erwirken. Und dass Képíró mittlerweile unter der Erde liegt, tja, dass kann wohl nicht einmal ein Efraim Zuroff dem Herrn Ministerpräsidenten vorwerfen, oder?

        Es waren übrigens namhafte, nicht gerade „rechte“ Historiker wie Krisztián Ungváry und László Karsai, die schon vor Jahren die vom Wiesenthal-Center vorgelegten Beweise anzweifelten. Wenn also nun Efraim Zuroff sich darüber beschwert, er habe in der ungarischen Justiz keine Bedeutung, dann kann ich sagen: Zum Glück. Er soll Anzeige erstatten, Beweise vorlegen, aber die Behörden arbeiten lassen. Zuroff ist offenbar auf der Suche nach einem letzten großen Sieg. So bedauerlich ich es finde, dass die Naziverbrecher langsam wegsterben, ohne zur Verantwortung gezogen worden zu sein: Das Prinzip der Unschuldsvermutung gilt auch für sie, jedenfalls so lange sie nicht rechtskräftig verurteilt sind. Und damit beantworte ich auch die Frage, ob ich Képíró für unschuldig gehalten habe: Nein, habe ich nicht. Nur erwarte ich einen Beweis der Schuld, und den konnte man nicht erbringen. Was Zuroff offenbar nicht überwunden hat, weshalb er jetzt zur SUN rennt, um Druck auf Ermittlungsbehörden auszuüben. Und weil ja Antisemitismus derzeit so schön mit der ungarischen Regierung in Verbindung gebracht werden kann, springen gerade deutsche Medien auf den Zug auf.

        Ich finde es billig, was die Tagesschau jetzt tut. Billig und schäbig. Ganz genau wie man über den Képíró-Prozess berichtete.

  1. Meinungsfreiheit Deutschland, 2012:

    Fahndungserfolg in Ungarn
    Gesuchter Nazi-Kriegsverbrecher aufgespürt

    …..

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    • Balazs, der Grund dafür kann ganz einfach sein, weil so viele antisemitische Zuschriften kommen. Ich habe mir die Zuschriften bei Magyar Hirlap zu diesem Thema angeschaut und es graust einem von den vielen schrecklichen antisemitischen Zuschriften. Ich gebe hier mit Absicht keine URL und übersetze auch nichts.

      Was aber Csatáry betrifft, hat ihn Randolph Braham in seinem „The Politics of Genocide, The Holocaust in Hungary, Volume 1, Columbia University Press, New York 1994, auf Seite 599 erwähnt und zwar als einen Helfer des Polizeichefs: „The latter was assisted in the anti-Jewish drive by László Csatáry, the commander of the brickyard ghetto, which also served as the entrainment center for the Jews in Abauj-Torna County.“
      Csatáry wurde von Canada 1997 aufgrund von Beweisen ausgebürgert und aus dem Land ausgewiesen.

  2. Hier ist der richtige Beitrag der Tagesschau aus der heutigen 20.00-Uhr-Sendung: http://tagesschau.de/multimedia/video/video1148806.html. Darin wird auch klargestellt, dass mitnichten die „Sun“, sondern das Simon-Wiesenthal-Zentrum Csatáry aufgespürt hat. Dieses hat dann die „Sun“ verständigt, um Druck auf die ungarischen Behörden auszuüben.

    Das falsche Bild, über das sich oben einige Leser amüsieren, ist nicht das eigentliche Problem dieser Beiträge. Der abschließende Seitenhieb in der o. g. Version auf die „rechte Regierung Orbán, in deren Kreisen es Sympathisanten ungarischer Nazis gibt“, wiegt sehr viel schwerer. Es wird ernsthaft die Frage gestellt, ob diese Regierung einen Prozess gegen Csatáry überhaupt zulassen wird.

    Nun ich kann dem Generalstaatsanwalt Polt nicht in den Kopf schauen, aber dass er sich bei begründetem Verdacht aus politischen Gründen weigern würde, gegen Csatáry ermitteln zu lassen, kann ich mir schlicht nicht vorstellen. Es gibt Probleme im ungarischen Justizsystem, wie EU- und Venedig-Kommission deutlich gemacht haben, aber so billig wie vom ARD-Korrespondenten in Tel Aviv vermutet, sind die Probleme nicht.

    Was Csatáry angeht, dürfte entscheidend sein, wie hieb- und stichfest die Beweise gegen ihn sind. Die Parallelen zum Fall Képiro sind ja frappierend. Da gab es die Anklage, die Beweise reichten aber nicht. So musste Képiro freigesprochen werden. Kurz darauf starb er im Alter von 97 Jahren, das jetzt auch Csatáry erreicht hat. Und die wirklich Rechtsextremen in Ungarn hatten einen Märtyrer mehr. Auf diesen Vergleichsfall hätte die Tagesschau mal aufmerksam machen sollen.

    Außerdem ist die ganze Überlegung des Journalisten Schneider völlig kontraintuitiv. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Regierung Orbán auf eine Anklage Csatárys drängen wird. So könnte sie einmal mehr zeigen, dass sie eben nicht antisemitisch oder sonst was ist. Siehe die Äußerung Orbáns nach einem Treffen mit dem New Yorker Hauptrabbiner Schneier am 13. Juli. Da behauptete Orbán, dass er eine Null-Toleranz-Politik gegenüber antisemitischen Äußerungen und Aktivitäten verfolge.

    P. S. Nur um das klarzustellen: Ich will hier keine einseitige Tagesschau-Schelte betreiben. Die Regierung Orbán muss sich natürlich auch fragen lassen, wie es dazu kommen konnte und was ihr eigener Anteil daran ist, dass sie in Bezug auf die Bekämpfung des Rechtsextremismus einen solchen miserablen Ruf in der internationalen Öffentlichkeit hat.

    • Lieber Ungarnfreund,
      Sie müssen sich nicht zurücknehmen, der Bericht der Tagesschau war unter aller Kanone. Ist befreiend, das auch mal so zu sagen. Versuchen Sie es. 🙂

      „Nun ich kann dem Generalstaatsanwalt Polt nicht in den Kopf schauen, aber dass er sich bei begründetem Verdacht aus politischen Gründen weigern würde, gegen Csatáry ermitteln zu lassen, kann ich mir schlicht nicht vorstellen.“

      Warum sollte er denn? Oder Orbán? Ich sag nur: Képíró! Wann wurde er angeklagt und sein Fall verhandelt? Vor oder nach der „Inthronisation“ Orbáns? Sollen die Journalisten ihre Arbeit machen, recherchieren und dann den Mund aufmachen. Das Ergebnis könnte fundierte Berichterstattung an Stelle von Propaganda sein.

      Und Ihren letzten Absatz erlaube ich mir, einmal umzuformulieren:

      „Die westliche Presse muss sich natürlich auch fragen lassen, wie es dazu kommen konnte und was ihr eigener Anteil daran ist, dass sie in Bezug auf die Bekämpfung des Rechtsextremismus einen solchen miserablen Ruf Ungarns in der internationalen Öffentlichkeit geschaffen und (vermeintliche) Verfehlungen der Regierungen Medgyessy, Gyurcsány und Bajnai kaum behandelt hat.“

      • Lieber HV, belassen wirs doch bei der üblichen Arbeitsteilung: Sie kritisieren die deutschen Medien für ihre schlechte Ungarn-Berichterstattung und ich erinnere Sie anschließend daran, dass nicht alles, was da berichtet wird, so einfach vom Tisch gewischt werden kann, sondern meist ein wahrer Kern vorhanden ist 😉 In die ganz große Medienschelte möchte ich auch deshalb nicht vorschnell einsteigen, weil sie im Allgemeinen nichts bringt. Wir werden keinen Journalisten dazu bringen, seine Beiträge stärker zu reflektieren, indem wir ihn beschimpfen.

        Was konkret den Tagesschau-Beitrag zu Csatáry angeht, finde ich eigentlich nur die Schluss-Sequenz des Tel Aviver ARD-Korrespondenten problematisch. Sie haben Recht: Die Medien wirken selbstverständlich daran mit, dass die Regierung Orbán einen so schlechten Ruf hat. Mein Mitleid hält sich aber in Grenzen, weil ich weiß, dass Fidesz/KDNP den Kritikern oft genug Vorschub geleistet hat. So auch beim Thema Rechtspopulismus/Nationalismus/Antisemitismus. Ich könnte viele Beispiele bringen, die eindeutig belegen, dass die gegenwärtige ungarische Führung keine antisemitische Politik betreibt. Aber ich könnte auch Etliches aufzählen, was unnötig Zweifel in jener Richtug nährte und besser unterblieben wäre.

        Wenn wir genau hinschauen, dann beruft sich Schneider im Übrigen auf die öffentliche Meinung in Israel. Die sei skeptisch, was den Willen Ungarns angehe, Nazi-Verbrecher effektiv zu verfolgen. Kann ja sein. Schneider kann sich aber nicht dahinter verstecken. Das Ganze erinnert mich an einen Beitrag von Reinhard Olt in der FAZ, in der dieser in Breit und Läng die üblichen Sprüche des „nationalen Lagers“ in Ungarn wiedergegeben hat: „man“ denke in Budapest, es laufe eine Kampagne gegen das arme Ungarn, man messe mit zweierlei Maß — und dieses ganze Zeug. Ich gab mich bezüglich dieses Artikels einigermaßen unleidig-polemisch, kritisierte Olt dafür, dass er sich diese Sprüche quasi unhinterfragt zu eigen macht und nannte ihn sogar einen „Fidesz-Lautsprecher“, was wiederum Herrn Kálnoky sehr erzürnte. Also die Muster wiederholen sich.

      • Schön, wie Sie Olt einflechten. Hat zwar rein gar nichts mit dem Thema zu tun, aber man kann ja daran erinnern 🙂 . Ist wohl „der wahre Kern“, von dem Sie sprechen.

      • Zugegeben eine recht abstrakte Überlegung: Mir kams hier auf die Argumentationsstruktur an. Schneider berief sich auf die angebliche Denke in Israel, Olt auf die angebliche Denke in Ungarn. Beide haben damit jeweils nur indirekt offenbart, was sie wahrscheinlich selber denken. Hát…

      • Manche Gedanken sollte man vielleicht doch nicht nur andeuten, sondern aussprechen: Wenn wir Olt gestatten, seine Meinung hinter dem zu verstecken, was „man“ angeblich in Budapest so über die ausländischen Kritiker denkt, dann müssen wir eigentlich auch Herrn Schneider gestatten wiederzugeben, was „viele“ in Israel angeblich über Ungarn denken. Oder nicht? Nein, eben nicht: Wir sollten beide dazu anhalten, diese angeblichen Mehrheitsmeinungen auch zu reflektieren und sich nicht dahinter zu verschanzen.

  3. Die Tagesthemen variieren die Nachricht noch einmal und berichten über eine symbolische Aktionen von Unbekannten, die vor Csatarys Wohnung gegen seine Straflosigkeit demonstrierten: http://tagesschau.de/ausland/nazikriegsverbrecher102.html. Auch in diesem Beitrag werden wieder Zweifel geäußert, ob es noch zum Prozess kommen wird. Was die Sprecherin der Staatsanwaltschaft dabei in die Kamera sagt, leuchtet eigentlich ein: Die Ermittlungen sind schwierig, „weil die Vorgänge sehr lange zurückliegen und sich auf dem Territorium eines anderen Staates abgespielt haben“. Wir werden sehen, was die kommenden Tage und Wochen bringen.

    • Sehen Sie mal, Ungarnfreund:

      „Denn der nun in Ungarn aufgespürte mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry könnte vom politischen Rechtsruck in seiner Heimat profitieren: „Ich bin nicht sicher, dass die Entdeckung juristische Folgen haben wird bei dieser konservativen Regierung“ unter Ministerpräsident Viktor Orbán in Ungarn, sagte Klarsfeld der Nachrichtenagentur AFP.“

      http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-auffliegen-von-untergetauchtem-nazi-wiesenthal-zentrum-macht-ungarn-schwere-vorwuerfe-1.1414351

      Was sagen Sie dazu? Was soll die Kausalitätsbehauptung zwischen „Rechtsruck“ und Csatáry?

      • Da bestehen offenbar massive Zweifel an der ungarischen Justiz bei einigen Medien. Ich persönlich glaube, dass die Regierung in der Tat Anlass zu Befürchtungen gegeben hat, sie wolle an der Unabhängigkeit der Justiz rütteln. Einige Stichworte:

        – der Umgang mit dem VerfG ist mein Paradebeispiel: die Kompetenzbeschneidung in Finanzfragen nach missliebigem Urteil,
        – die Abschaffung des Prinzips „1 Fraktion, 1 Stimme“ für die Besetzung des Nominierungsausschusses für die Verf.richterwahl und damit die Abschaffung des Konsenszwangs
        – die personelle Erweiterung des VerfG und Neubesetzung mit ausschließlich dem Regierungslager genehmen Richtern
        – die von der EU-Kommission vor dem EuGH angefochtene „Zwangspensionierung“ von 274 oftmals leitenden Richtern innerhalb nur eines Jahres,
        – Orbáns erste Reaktion auf den VerfG-Entscheid zur „Zwangspensionierung“: „Die Regelung bleibt!“,
        – die erst auf Druck von Venedig- und EU-Kommission nachjustierte Justizreform,
        – die Amtsenthebung des Präsidenten des Obersten Gerichtshofs vor Ablauf seiner Amtszeit (mir bleibt immer noch die Luft weg, wenn ich an den Fall Baka denke — unfassbar für einen demokratischen Rechtsstaat).

        Jetzt kommt jedoch mein großes Aber in Bezug auf den Csatáry-Fall: Die Regierung Orbán ist nicht rechtsextrem. Sie hat keinen Grund, ein Verfahren gegen ihn zu torpedieren. Im Gegenteil, sie hätte sogar ein Interesse daran, der Welt zu zeigen, dass sie sich eben gerade nicht schützend vor mutmaßliche Kriegsverbrecher stellt und seien diese noch so alt und klapprig. Gern zähle ich Beispiele dafür auf, dass diese Regierung oft gezeigt hat, dass sie auf der Seite der Opfer rechter Gewalt in Geschichte und Gegenwart steht und nicht etwa der Täter: Einführung Holocaust-Gedenktag, Gründung Holocaust-Gedenkzentrum, Wallenberg-Gedenkjahr, Solidarität mit Oberrabiner Schweitzer, wiederholte Treffen mit Vertretern jüdischer Gemeinden, Israelreise Präsident Áders oder der mehr als einmal geäußerte Wunsch der Regierung, dass auch möglichst viele der 200.000 ungarisch-stämmigen Israelis von der Reform des ungarischen Staatsangehörigkeitsrechts Gebrauch machen mögen.

        Jetzt könnte man das Rad wieder in die andere Richtung drehen und zeigen, wie oft Fidesz-Politiker Zweifel daran genährt haben, dass sie zu einem vernünftigen Umgang mit Geschichte oder aktuell dem Thema Rechtsextremismus fähig sind: Új Színház, Csurka-Beerdigung, Nyirö-Theater, Wass im Lehrplan, Horthy-Spuk im Vitezi-Orden unter Beteiligung von Fidesz-Abgeordneten (wenn auch Hinterbänkler), Trianon-Gedenktag, Szekler-Hymne bei Staatsakten in Ungarn, Tarlos‘ Homophobie usw. Wer sich nicht so gut auskennt mit Ungarn, der kann leicht auf den Gedanken kommen, dass etwas nicht stimmt mit Orbáns Mannen.

        Um endlich Ihre Frage zu beantworten, HV: Was der ARD-Korrespondent Schneider, der Nazijäger Klarsfeld u.a. da in Bezug auf die Strafverfolgung Csatárys vermuten, entbehrt im Ergebnis einer vernünftigen Grundlage. Aber ich kann die Cassandra-Rufer verstehen: Diese Regierung sendet halt gemischte Botschaften in die Welt. Damit sollte sie endlich Schluss machen.

      • Ach, würden diese gemischten Botschaften doch nur im Westen ankommen, würde doch Ungarn als ebenso vielschichtiges Land gezeigt, wie dies bei Ö, D und F der Fall ist. Bemerkenswerter Weise gehen aber die „positiv“ auslegbaren Aspekte immer auf der M1 zwischen Budapest und Hegyeshalom verloren. Daher auch das einseitige Bild, das ich kritisiere. Oder hat Herr Mayer jemals den von Orbán eingeführten Holocaust-Gedenktag lobend erwähnt? Sehen Sie wirklich nicht, dass Ihre in vielen Punkten sehr differenzierte Sichtweise nichts, aber auch gar nichts mit den Presseberichten über Ungarn zu tun hat? Da hilft, glaube ich, auch der Verweis auf einen „wahren Kern“ nicht weiter. Den haben nämlich auch Märchen.

      • Denke, wir haben die Problematik grundsätzlich erkannt, wenn auch von verschiedenen Seiten kommend. Ewig, will ich nicht mit Ihnen zanken, ob nun Henne oder Ei zuerst da waren. Ja doch, es geht viel auf der Autobahn, wohl eher der Datenautobahn als der M1, verloren. Und manche Journalisten sind echt starrköpfig. Ich denke immer noch: je intensiver das eine Lager seine Positionen bringt, desto intensiver halten die anderen dagegen und vice versa in der nächsten Runde. Es ist ja hilfreich, wenn die Meinungen sich gegenseitig in der Balance halten. Aber müssen die Amplituden in beide Richtungen immer gleich so weit ausschlagen wie das in Ungarn der Fall ist? Und das spiegelt sich dann eben auch im Ausland. Weil das ein so schönes Schlusswort ist, bringe ich es jetzt doch: Auch in Demokratien muss man eben zwischen den Zeilen lesen können und sich seine eigene Meinung bilden lernen.

      • Danke für Ihren Kommentar. Wie man sieht, man kann, auch wenn man offensichtlich sehr oft anderer Meinung ist, normal miteinander sprechen. Die ungarische Politik ist leider noch nicht so weit. Das sehen beide Seiten, sie tun aber nichts dagegen. Einen schönen Tag.

  4. http://www.stern.de/politik/ausland/laszlo-csatary-paris-fordert-prozess-gegen-mutmasslichen-nazi-verbrecher-1858709.html

    Frankreich fordert Prozess, der Nazijäger Klarsfeld hat von Csatáry noch nie gehört, in Deutschland ermittelt man nicht. Aber: Man Klarsfeld hat immerhin Zweifel, “ (…) dass Csatáry zur Rechenschaft gezogen wird. „Ich bin nicht sicher, dass es juristische Folgen haben wird mit dieser konservativen Regierung“ unter Ministerpräsident Viktor Orban in Ungarn, sagte Klarsfeld der Nachrichtenagentur AFP in Paris.“

    Was genau sind denn die bisherigen Versäumnisse der Regierung Orbán im Bereich „Nazijagd“? Oder muss man, nur weil man Klarsfeld heißt, seine Auffassung nicht begründen?

    • Billigste Propaganda mit dem einzigen Ziel, Orbán wieder zu verleumden. Interessanterweise wird die kanadische Justiz gar nicht kritisiert, die ja seit 1997 Csatáry intensiv verfolgt. Dass sie ihn damals, nach Aberkennung seiner Staatsbürgerschaft im relativ „jungen“ Alter von 82 Jahren regelrecht laufen gelassen hat???

  5. HV die Frage, ob Klarsfeld von Csatary gehört hat und Klarsfeld scheint Sie sehr zu beschäftigen.
    Die Frage, ob Verbrechen, die während des Zweiten Weltkrieges begangen wurden, verfolgt werden, ist keine spezifisch ungarische Angelegenheit.
    Nach dem die Sozialdemokraten in Österreich ab 1970 allein regierten, wurde die Verfolgung von Naziverbrechern, die individuelle Schuld auf sich geladen hatten, gestoppt.
    In der DDR geschah es, dass ein ehemaliges Mitglied der deutschen Polizei im KZ Auschwitz, von einem Verwandten bemerkt wurde, der sofort zur Volkspolizei ging, um diesen anzuzeigen. Die Vopo allarmierte die Stasi, die den Mann ein halbes Jahr beobachtete, um ihm dann zum IM zu machen und ihm zu verbieten seinen falschen Namen abzulegen. Als in der Bundesrepublik der Auschwitz-Prozess begann, bat die Bundesregierung die DDR den Mann auszuliefern, doch die DDR Behörden behaupteten ihn nicht zu kennen.
    Nachzulesen bei Henry Leide: NS-Verbrechen und Staatssicherheit.

    Die Frage, ob die Staatsanwaltschaft in Budapest vorgeht oder nicht ist sowohl eine juristische wie auch eine politische Frage. Zum juristischen Teil fühle ich mich nicht kompetent etwas auszusagen.
    Politisch ist diese Frage insofern als in der Zeitschrift von Jobbik schon erklärt wurde, dass Csatary unschuldig sei und die ungarische Regierung eine Politik verfolgt, ja nicht die Wähler der Jobbik zu verärgern. Andererseits aber möchte die Regierung auch nicht, dass man im Ausland auf das Vermeiden von einem klaren Bruch mit Jobbik hinweist, weil sie sich sich den Anschein gibt, doch der einzige Garant zu sein, damit Jobbik nicht zur Macht kommt. Eine sehr widersprüchliche Politik. Kövér wurde vom Präsidenten des isr. Parlaments ausgeladen. Áder befindet sich in Israel, vor seiner Ankunft publizierte die regierungskritische Tageszeitung „Haaretz“ folgenden Artikel:
    http://www.haaretz.com/jewish-world/jewish-world-news/israel-has-a-tough-time-finding-a-hungarian-leader-not-identified-with-anti-semites-1.451469
    Wenn innerhalb der ungarischen Regierung darüber eine Entscheidung gefällt werden muss, was ist wichtiger, die guten Beziehungen zu Jobbik oder das gute Image im Ausland, so wird sich diese – meiner Einschätzung nach – sich für die erste Alternative aussprechen.

    • „in der Zeitschrift von Jobbik “

      Wie heißt die Zeitschrift von Jobbik, in der wann und von wem erklärt wurde, dass Csatáry unschuldig sei?

      Herr Pfeifer behauptet, die ungarische Regierung möchte auch [sicc!] nicht, „dass man im Ausland auf das Vermeiden von einem klaren Bruch mit Jobbik hinweist, weil sie sich sich den Anschein gibt, doch der einzige Garant zu sein, damit Jobbik nicht zur Macht kommt.“

      Meines Wissens wird Ungarn von einer Koalition aus Fidesz und KDNP regiert. Gibt es ein Geheimabkommen zwischen der ungarischen Regierung und der Partei Jobbik, die, wie Umfrageergebnisse längst bewiesen haben, ein Sammelbecken für ehemalige Wähler der „sozialistischen“ Wende- und Nachfolgepartei geworden ist?

      Verträge können nur gebrochen werden, wenn es sie gibt. Welchen Vertrag gibt es zwischen Orbán und Vona? Was geht zu Bruch, wenn der 97-jährige Csatáry vor Gericht gestellt wird?

      Herr Pfeifer, unter Ihrem Namen werden Falschinformationen in die Welt gesetzt, die mir Angst machen. Wenn Sie weiterhin so verbissen Ihrem antiungarischen Faschismuswahn frönen, könnte es sein, dass Ihre Zahnprothese in Stücke bricht, mehr aber nicht

      • Ich denke, wer das liest, was ich geschrieben habe und dann die Unterstellungen von Peter Herche, der erkennt welche Methoden er anwendet.
        ich schrieb: „Wenn innerhalb der ungarischen Regierung darüber eine Entscheidung gefällt werden muss, was ist wichtiger, die guten Beziehungen zu Jobbik oder das gute Image im Ausland, so wird sich diese – meiner Einschätzung nach – sich für die erste Alternative aussprechen.“
        Dazu Peter Herche, mit einer klassischen Methode, die Kommunisten gegen ihre Kritiker gebrauchten: „Verträge können nur gebrochen werden, wenn es sie gibt. Welchen Vertrag gibt es zwischen Orbán und Vona?“
        Ich schrieb von guten Beziehungen, die ich beweisen kann, siehe die Horthy Statuen in Ortschaften mit Fidesz-Bürgermeistern oder die Ehrung von J. Nyirö durch den Vorsitzenden des ungarischen Parlaments.
        Gute Beziehungen setzen keinen Vertrag voraus. Kommunisten haben diese Methode gerne angewandt, etwas in den Mund ihrer Gegner zu setzen, was dieser nicht gesagt hat, um dann umso leichter widersprechen zu können und das ist auch die Methode von Peter Herche. Dann ´bringt er noch. eine ad personam Bemerkung an, die aus der untersten Schublade kommt. Damit charakterisiert sich P.H. selbst.

      • Herr Pfeifer, Sie haben am 17. Juli 2012 um 11:17 geschrieben:
        „Politisch ist diese Frage insofern als in der Zeitschrift von Jobbik schon erklärt wurde, dass Csatary unschuldig sei und die ungarische Regierung eine Politik verfolgt, ja nicht die Wähler der Jobbik zu verärgern. Andererseits aber möchte die Regierung auch nicht, dass man im Ausland auf das Vermeiden von einem klaren Bruch mit Jobbik hinweist, weil sie sich sich den Anschein gibt, doch der einzige Garant zu sein, damit Jobbik nicht zur Macht kommt.“

        Sie haben damit erstens behauptet, dass „in der Zeitschrift von Jobbik schon erklärt wurde, dass Csatary unschuldig sei“ und zweitens gesagt, dass die [ungarische] Regierung nicht möchte, „dass man im Ausland auf das Vermeiden von einem klaren Bruch mit Jobbik hinweist, weil …“ [bla, bla, bla und so weiter und so Pfeifer].

        Genau das habe ich zitiert.

        Mal davon abgesehen, dass Sie in Budapest nicht Regierungssprecher sind und vermutlich nur vermuten, was die ungarische Regierung „verzapft“, scheinen Sie am Abend auch nicht mehr zu wissen, was Sie am Morgen noch meinten, zu wissen.

        Im Weiteren behaupten Sie, „gute Beziehungen“ beweisen zu können, nämlich“ in Ortschaften mit Fidesz-Bürgermeistern“ oder weil der Präsident des ungarischen Parlaments den vor zig Jahrzehnten verstorbenen und jetzt wieder ausgegrabenen J. Nyírö in seine Heimaterde umbetten wollte.

        Na und?

        Wir hatten doch diese Diskussion schon längst! Wieviel Horthy-Denkmälerchen wurden unter dem Diktator Orbán errichtet?

        Und was hat damit die ungarische Regierung zu tun?

        Und in welchen Orten mit neu aufgestelltem Horthy-Denkmal stellt Fidesz den Bürgermeister?

        Zählen Sie bitte mal nach. Wenn Sie das überhaupt noch können. Es geht so: Eins, zwei, drei und danach kommt „viele“!

        Wie viele Horthy-Denkmäler wurden unter Orbán in Ungarn errichtet?

        Apropos „viele“. Ich habe mal gehört, dass es Stämme in Afrika gegeben haben soll, die sich nicht die Mühe machten, nach drei noch weiter zu zählen. Ob es stimmt, weiß ich nicht. Man hört ja so einiges. Jedenfalls hat sich das der Lüderitz, genannt auch der „Lügenfritz“ zu eigen gemacht und mit seinem Meilenschwindel ’ne Menge Land in Afrika unter den Nagel gerissen. Ich will Ihnen jetzt keinen Vortrag über wilhelminische Kolonialpolitik halten. Will ich wirklich nicht. Nur so viel, als Kind hatte ich das Vergnügen, die Überbleibsel dieser Zeit selbst in Augenschein nehmen zu dürfen. Das war in Oranienburg, wo ich mal bei einem gewissen Herrn Bohmhammel übernachten musste. Der pflegte eine Erinnerungskultur, die aus Schrumpfköpfen bestand. Die Köpfe hatte der Mann mit Hilfe seiner „Neger“ in Afrika selbst präpariert. Und sie standen bei ihm im Flur und im Treppenhaus. Und ich habe mir in der Nacht fast in die Schlafanzughose gepisst, weil ich Angst hatte, über den Flur auf die Toilette zu gehen.

        Und nach dem Lüderitz, dem wir das alle mitverdanken, nach dem wurden in Deutschland viele, viele Straßen benannt. Nehmen wir nur die rote Stadt Duisburg. Da gibt es ein Afrika-Viertel. Die Straßen dort heißen Lambarenestraße oder Winhukerstraße oder Daressalamstraße und eben auch Lüderitzallee.
        Und jetzt sag‘ ich Ihnen mal was: Hömma, keiner von den Deppen, der in Duisburch von der Lambarenestraße in die Lüderitzallee einbiecht, denkt sich dabei wat.

        Von Albert Schweitzer, der 1875 in Kaysersberg im Oberelsass bei Colmar zur Welt kam und 1965 in Lambaréné im zentralafrikanischen Gabun starb, haben die nur wenig oder gar nichts gehört. Die wissen auch nicht, ob er Arzt, evangelischer Theologe, Organist, Philosoph oder Pazifist war. die wissen schon gar nicht, dass Schweitzer das alles zusammen war und obendrein auch noch ’nen Nobelpreis bekommen hat. Denen ist das nämlich scheiß-egal, ob ’ne Straße von den Sozialdemokraten nach ihm oder dem Adolf Lüderitz benannt wurde. Und wer der Lüderitz war, wollen die gar nicht wissen.

        Hömma Pfeifer, dat mit deene Horthy-Denkmäler, dat verjiss mal! Dat hat mit Ungarn nu wirklich jar nichts zu tun. Dat da een, zwee Bekloppte den Stoff liefern, damit die Weltpresse wat zu schreiben hat.

        Und Duzi, Duzi Gati interessiert auch keene Sau!

        Und dat ick von die Kommunisten wat abjekiekt hätte, gloobste doch selber nich. Hömma, für wie bekloppt hältsde mich eichentlich?

        Guck ma innen Spiegel!

      • Am Anfang gab es Versuche seitens Orbáns, zu den beiden neuen Oppositionsparteien Jobbik bzw. LMP korrekte Beziehungen aufrechtzuerhalten. Diese Versuche scheiterten. Jobbik beschimpft in seinen Medien seitdem Orbán samt Fidesz als Likud Viktor, Judenknechte usw.
        Was László Kövérs misslungenen Ausflug im Szeklerland betrifft, war seine Anwesenheit an der entfallenen Nyirő-Bestattung nur eine Episode seiner Kampagne vor den rumänischen Kommunalwahlen zu Gunsten des früheren Bürgermeisters von Székelyudvarhely, Jenő Szász. In Unkenntnis der örtlichen Verhältnisse weiß ich nicht, warum der in der Kleinstadt recht unbeliebt ist. Kövér machte damit einen völlig überflüssigen Fehler, indem er sich als Parlamentspräsident für einen von vornherein chancenlosen Kandidaten für den Posten eines kleinstädtischen Bürgermeisters einsetzte. Ob Nyirő, ob Szász, die trotzigen Szekler widersetzten sich dem Mann mit dem großen Schnurrbart und wählten mit großer Stimmenmehrheit den Amtsverteidiger wieder. In Ungarn wurde noch einige Tage darüber diskutiert, welchen Sinn diese Reise überhaupt hatte.

      • @Pfeifer

        Haben Sie nachgezählt?
        Auf öffentlichen Straßen und Plätzen stehen in ganz Ungarn 8 (in Worten: acht) Horthy-Denkmäler.

        In der 2. Amtszeit von Orbán wurden seit 2010 insgesamt nur 2 (in Worten: zwei) Horthy-Denkmäler neu aufgestellt.

        Das eine steht in der Ortschaft Csókakő auf einem öffentlichen Platz, der vor kurzem in „Großungarischen Platz“ umbenannt wurde. Den Bürgermeister in Csókakő stellt die Parteienkoalition Fidesz/KDNP. Der wurde von ausschließlich parteilosen Gemeinderatsmitgliedern gewählt. Der Ort selbst hatte am 1.Januar 2010 ganze 1274 Einwohner, hat heute eine psychiatrische Ambulanz und Probleme – z.B. mit der illegalen Müllverbrennung.

        Die zweite, in Ungarn in der Amtszeit von Orbán errichtete Horthy-Statue ist inzwischen ja „weltweit“ bekannt. Sie steht in Kereki. Und Kereki hat einen parteilosen Bürgermeister, Lajos Marton.

        Herr Pfeifer, die Anzahl der seit 2010 in Ungarn errichteten Horthy-Denkmäler ist zu klein, um irgendwelche Schlüsse daraus zu ziehen.

        Ihr Glaube an die Aussagekraft kleiner Zahle ist ein Beispiel für eine allgemeine Illusion im Bezug auf Ungarn. Dem Inhalt von Nachrichten wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der Information über ihre Zuverlässigkeit. Damit gelangen Ihre Jünger notwendigerweise zu einer Sicht der Welt um uns herum und insbesondere zu einer Sicht auf Ungarn, die einfacher und kohärenter ist, als es die Daten rechtfertigen. Voreilige Schlussfolgerungen sind in der Welt der Imagination ein sichererer Sport als in der Wirklichkeit.
        (Diese klugen Gedanken habe ich aus dem Sachbuch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman, Siedler, 2012, geklaut. Kahnemann ist momentan mein Lieblings-Israeli. Sachwarmintelligenz ist eine tolle Sache, wenn man sich an Israelis wie Kahneman ausrichten kann. Sein Buch kostet weniger als eine Flasche guten Burgunderweins. Anders als von Wein hat man nach Kahneman aber einen klaren Kopf. Lesenswert und deshalb empfehlenswert!)

  6. UFF ich schrieb um ihm dann eine Lösung zu offerieren, Spitzel zu werden. Dann kürzte ich und es blieb das Wort ihm. Im neuen Kontext muss es natürlich ihn heißen. Sorry.

  7. Stellungnahme der Staatsanwaltschaft laut Index.hu:

    Auf die Anzeige Zuroffs hin wird seit 22. September 2011 wegen Kriegsverbrechen ermittelt, es wurden Dokumente gesichtet (aus 1945-48), die Suche nach noch lebenden Zeugen begonnen, allerdings waren hier Rechtshilfeverfahren zu bewerkstelligen, da sich die noch lebenden Zeugen im Ausland aufhalten. Aktuell laufe die Untersuchung noch „gegen Unbekannt“.

    http://index.hu/belfold/2012/07/16/a_sun_nem_adott_uj_infot_a_csatary-ugyben/

    Und was genau wirft man der Staatsanwaltschaft denn nun vor? Wie kommt man zu der Unterstellung, es bestünde kein Interesse an der Strafverfolgung?

  8. Nick Thorpe von der BBC berichtet ebenfalls und versäumt es nicht, auf die durchaus interessante Kontroverse um Sinn oder Unsinn der „Nazi-Jagd“ einzugehen: http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-18876847.

    Übrigens: Wieso äußert sich eigentlich ein Sprecher der französischen Regierung zum Fall Csatary? Weil Serge Klarsfeld, einer der bekanntesten Nazijäger, Franzose ist? Interessant auch, dass Klarsfeld Csatary für ein kleines Licht hält.

  9. Ungarnfreund, der Sprecher der französischen Regierung äußerte sich, weil gestern in Frankreich man Gedenkkundgebungen abgehalten hat an die große Razzia der franzöischen Polizei am 17. Juli 1942, als tausende Juden in das Vel d’hiver, in den Winterstadion gebracht wurden. Gestern abend strahlte das französischsprachige TV 5 eine Sendung aus über die Gerechten in Frankreich, die damals Juden retteten. Für jeden Gerechten wird in Jerusalem, Yad Vashem ein Baum gepflanzt. Gezeigt wurde das Treffen von Überlebenden oder deren Nachkommen mit den Enkeln der Retter.
    Der sozialistische Präsident F. Mitterand hat sich erst mitten im Krieg entschlossen die Front zu wechseln, von Vichy zum Widerstand und er hat nach dem Krieg führende Kollaborateure beschützt.
    Erst der konservative J. Chirac hat mit dieser Tradition gebrochen und anerkannt, dass Franzosen an diesem Verbrechen beteiligt waren.
    Hingegen leugnete Ungarns Präsident in Israel eine ungarische Beteiligung am Verbrechen gegen Hunderttausende ungarische Staatsbürger. Er sprach nur davon, dass der Staat nichts tat, um die Juden zu beschützen. Was natürlich die Unwahrheit ist. Die Organe des ungarischen Staates beteiligten sich mit Begeisterung und mit Fleiß an diesem Verbrechen und nur ganz wenige – denen Ehre gebührt – haben sich ihrer Pflicht, die Juden in Ghettos einzusperren, sie zu berauben und schlußendlich durch die Königliche Ungarische Gendarmerie zu 80 oft genug mit Peitschenhieben in die von der deutschen Reichsbahn gelieferten Viehwaggons zu treiben, entzogen.

  10. Ich hoffe, ich hab nichst übersehen und es gibt den Hinweis schon.Da schreibt doch die Welt-mit der ich bei dieser Aussage in diesem Fall 100 % übereinstimme.
    „Völlig unbehelligt lebte László Csatáry die letzten 17 Jahre in seiner Zwei-Zimmer-Eigentumswohnung in einem noblen Viertel der ungarischen Hauptstadt Budapest. Auf dem Klingelschild konnte jeder seinen Nachnamen lesen.*
    17 Jahre? und da will man bisher nix davon gewusst haben??
    Ausserdem wurde er 1997 „enttarnt“ und ihm die kanadische Staatsbürgerschaft entzogen.also hat man doch da schon Bescheid gewusst.
    Ich würde wirklich gerne wissen, wieso man ihn dann bisher ungeschoren gelassen hat.
    Nach dem Motto:Wer weiß wozu man ihn nochmal gebrauchen kann.
    Wenn das jetzt wieder Polemik ist, bitte sehr!!
    Aber mir platzt gleich der Kragen.
    Wobei ich der Auffassung bin jeder und damit meine ich JEDEN!! Mörder sollte für seine Verbrechen gerade stehen müssen.

    • Ich stimme Ihnen zu. Der Umstand, dass der Aufenthaltsort mutmaßlicher Nazis nur dann interessant ist, wenn man sie als „Druckmittel“ gegen eine Regierung bestimmter Couleur einsetzen kann, zeugt von einer Scheinheiligkeit und Verlogenheit, dass mir speiübel wird.

      Herr Mayer (dpa, APA, AFP), Frau Kahlweit (SZ), Herr Zuroff (SWC): Wo waren Sie vor Mai 2010? Wer die ungarische Justiz vor 2010 für das Ewig-Verfahren gegen Sándor Képíró kritisiert hat, möge sich melden.

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