Kálnoky fragt: Ist Ungarn ein Vorbild für Griechenland?

Die WELT Online veröffentlich heute einen Beitrag von Boris Kálnoky zu Ungarn.

http://www.welt.de/wirtschaft/article108888632/Ist-Ungarn-ein-Vorbild-fuer-Griechenland.html

Kálnoky konstatiert, dass Ungarn und Griechenland finanziell in einer ähnlichen Situation stecken. Die Rezepte zu deren Lösung seien jedoch gänzlich andere. Griechenland setze auf Privatisierung, Ungarn auf „mehr Staat“. Der Autor bringt aktuelle Beispiele (E.ON, MOL), wobei die Zwischenüberschrift „Bankensektor ist zu 50% verstaatlicht“ verwundert: Sie stammt wohl von der Redaktion, nicht vom Autor selbst – tatsächlich ist der Bankensektor nicht zur Hälfte verstaatlicht (eine Maßnahme wie die Bundesrepublik Deutschland in Sachen Hypo Real Estate – eine klassische Zwangsverstaatlichung – hat Ungarn noch nicht unternommen). Orbán hat lediglich seinem Wunsch Ausdruck verliehen, der Bankensektor solle zu 50% „in ungarischer Hand“ liegen. Ob damit staatliche oder private Investoren gemeint sind, blieb meines Erachtens offen.

Ein Beitrag, der ohne die üblichen Pauschalanschuldigungen und Verunglimpfungen auskommt. Ein Beitrag, der sich die Fakten nicht um die gewünschte „Story“ herum bastelt.

 

Demonstration vor dem „Neuen Theater“: Vorsitzender der ungarischen Antifaschisten verletzt

Vilmos Hanti, der Vorsitzende des „Bundes der ungarischen Widerstandskämpfer und Antifaschisten“ (MEASZ), wurde gestern Abend im Anschluss an eine  Demonstration linker Gruppen vor dem Budapester „Neuen Theater“, verletzt. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Theater, um gegen Rechtsextremismus, Rassismus und die Aufführung des Stückes „Der sechste Sarg“ von István Csurka zu demonstrieren (die Entscheidung, das Stück nicht aufzuführen, war bereits am Dienstag gefallen). Das Stück wird von Kritikern wegen seines Inhaltes als antisemitisch bezeichnet.

Während der Demonstration entwickelten sich Sprechchöre zwischen einer kleinen Gruppe rechtsgerichteter Jugendlicher („Das neue Theater gehört den Ungarn“, „Wir sind hier zu Hause“) und den deutlich zahlreicher erschienenen Teilnehmern der Demo („Nazis nach Hause“). Die Polizei trennte beide Gruppen voneinander.

Im Anschluss an die Veranstaltung wurde der Vorsitzende der MEASZ nach seiner Darstellung von einer Gruppe von 15-20 rechtsradikalen Jugendlichen umringt, einer der Angreifer schlug ihm mit der Faust in das Gesicht.  Die Polizei ermittelt.

http://hvg.hu/itthon/20120829_antifasiszta_tuntetes

 

E.ON: Orbán trifft Teyssen

Nach Informationen des regierungsnahen Nachrichtensenders Hír TV haben sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der  Vorstandsvorsitzendesn des E.on-Energiekonzerns, Johannes Teyssen, für Gespräche getroffen. Obwohl sich weder die Regierung, noch das Unternehmen zum Inhalt der Gespräche äußern wollten, dürfte der Rückkauf der ungarischen E.on-Töchter thematisiert worden sein.

http://index.hu/belfold/2012/08/29/az_e.on_vezetojevel_targyalt_orban/

Orbán hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die ungarischen E.on-Töchter „binnen kürzester Zeit“ zurückkaufen zu wollen. Im Hinblick auf das E.on-Gasgeschäft verfügt Ungarn über eine entsprechende Kaufoption, die bis 2016 läuft.

Boykottiert die MSZP die Wahlen 2014?

Der Verfassungsjurist György Kolláth hat auf einer Veranstaltung der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP) die Möglichkeit eines Wahlboykotts im Jahr 2014 aufgeworfen. Kolláth sagte, es könne der Moment kommen, in dem die Opposition eine solche Option in Betracht ziehen sollte.

http://index.hu/belfold/2012/08/29/nem_indulna_2014-ben_az_mszp/#

Der stellvertretende Parlamentspräsident István Újhelyi (MSZP) gab Kolláth in seinen Ausführungen Recht.

Ungarische Nationalbank senkt Leitzins um 0,25 Prozentpunkte

Die Ungarische Nationalbank (MNB) hat den Leitzins in der gestrigen Sitzung des Monetärrates um 0,25 Prozentpunkte auf 6,75% gesenkt.

Die ungarische Landeswährung Forint reagierte auf den überraschenden Zinsschritt mit etwas schwächeren Kursen: Seit Bekanntwerden der Entscheidung stieg der EUR/HUF-Wechselkurs von 278,50 HUF pro EUR auf (heute) 283,00 HUF pro EUR. Die Landeswährung hatte sich im vergangenen Halbjahr von ihren Tiefständen im Januar 2012 (1 EUR = 320 HUF) wieder erholt.

 

Budapest: „Der sechste Sarg“ von István Csurka wird nicht aufgeführt

Der Budapester Oberbürgermeister István Tarlós hat am gestrigen Dienstag mitgeteilt, dass das von István Csurka verfasste Stück „Der sechste Sarg“ („A hatodik koporsó“) nicht im „Új Színház“ (Neues Theater) aufgeführt wird. Der Theaterdirektor György Dörner habe ihn gestern darüber informiert.

http://nol.hu/belfold/tarlos__nem_mutatjak_be_a_csurka-darabot_az_ujszinhazban

In den vergangenen Wochen war bekannt geworden, dass das Theater das in Anbetracht seines Inhaltes als judenfeindlich angesehene Stück des Dramatikers, Politikers und bekennenden Antisemiten István Csurka aufführen wolle. Der Dirigent Ádám Fischer hatte daraufhin eine Unterschriftenaktion angekündigt, der Vorsitzende der jüdischen Glaubensgemeinschaft Mazsihisz, Péter Feldmájer, forderte den OB auf, die Aufführung zu stoppen.

In dem Theaterstück werde – so die Kritiker – suggeriert, dass das Judentum sowohl für den als „Friedensdiktat“ angesehenen Friedensvertrag von Trianon und den damit verbundenen Gebietsverlusten, als auch für den Holocaust verantwortlich sei.

Tarlós hatte bereits am 23.08.2012 in einem Interview mit dem oppositionsnahen Fernsehsender ATV mitgeteilt, dass er die Aufführung des Stücks wegen seines Inhaltes nicht unterstütze. Er gab zugleich seiner Hoffnung Ausdruck, dass man seine Worte respektieren werde.

http://atv.hu/cikk/video-20120823_tarlos_istvan