TGM: Klartext nach links – und auch rechts

Denjenigen, die ungarisch lesen und verstehen, empfehle ich einen Beitrag des Philosophen Gáspár Miklós Tamás („TGM“) in der ungarischen Wochenzeitung HVG.

http://hvg.hu/velemeny/20120808_tgm_solyom

Tamás, der seine Abneigung gegenüber der Politik der Regierung Orbán nicht verbirgt (obgleich er ihn in vielen Punkten für „mehr zeitgemäß“ hält als seine neoliberalen Kritiker in der Opposition), befasst sich mit den Reaktionen – insbesondere von „mitte-links“, übersetzt: linksliberaler Seite – auf eine kritische Rede des ehemaligen Staatspräsidenten László Sólyom. TGM nutzt den Anlass, die Reaktionen der linksliberalen Presse auf die Worte Sólyoms zu bewerten und ihr Rachsucht, Provozialismus, die inflationäre Verwendung des Antisemitismusvorwufres und vieles mehr vorzuwerfen.

TGM fragt, was man von so „intoleranten und bosartigen“ Linksliberalen erwarten kann, wenn sie die Regierung übernehmen.

Übersetzung des Beitrages folgt, allerdings frühestens am kommenden Wochenende.

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18 Kommentare zu “TGM: Klartext nach links – und auch rechts

  1. TGM lebt vom Mythos, als (Salon)oppositioneller von den hässlichen Kommunisten verfolgt worden zu sein bzw. Opfer des teuflischen Diktators Orbán zu sein. Aufrichtig gesagt wird er derzeit in Ungarn höchstens nur noch außer sich ernst genommen. Er erhält von den alten linksliberalen Kampfgenossen eine Art Gnadenbrot. Die Wochenzeitung HVG, die früher sogar in „rechten“ Kreisen Ansehen wegen des hohen Niveaus und der Kompetenz in Wirtschaftsfragen genossen hatte, hat dieses spätestens seit dem Chefredakteurwechsel, der Engagierung eines Schmierfinks wie Tótawé Árpád und den wüsten Anti-Orbán-Attacken a la Népszava/168 óra /ATV verloren.

  2. zeitungsleseratte, ich bin kein blauäugiger Anhänger von TGM, doch denke ich, dass Sie hier einiges ihm unterstellen, was nicht mit Fakten dokumentiert werden kann.
    Im Gespräch mit Olga Kálmán heute in Egyenes Beszéd auf atv hat TGM einige bittere Wahrheiten gesagt, die viele natürlich nicht gerne hören.

    Könnten Sie ein Beispiel für eine wüste Anti-Orbán-Attacke auf ATV geben?

  3. TGM war einer der Unterzeichner des berüchtigten Briefs an den damaligen französischen Ministerpräsidenten Jospin, als während der 1. Orbán-Regierung Frankreich den „Roma von Zámoly*“ Asyl gewährte.
    (*Sie waren übrigens gar nicht von Zámoly, was aber nebensächlich ist.) Es spricht für TGM, dass er meines Wissens der einzige der „40 Intellektuellen“ war, der sein Irrtum später sehr leise zugab.

    • Nur die Mitglieder von „Solidaritätskomittees“ mit den armen Opfern der Behördenwillkür kann man nicht verwechseln! Wer so solidarisch ist, möge sie bei sich aufnehmen.

  4. „Az egyetlen intézményes magyar kulturális sikert – az erdélyi magyar színjátszás világsikerét –“
    Kann jemand dazu mehr sagen? Um welchen Welterfolg geht es da?

    „Londonból, Heidelbergből, Párizsból, Páduából visszatért peregrinus diákok úgy újságolják a legújabb elméleteket és gondolatokat, mint a XVII. században.“

    Ist doch übertrieben, oder?

    • Diese Bemerkung (Welterfolg des Siebenbürger ungarischsprachigen Theaterwesens) ist auch mir aufgefallen. Aber noch mehr die „verbotene Frucht“, die in Budapest nicht, in den Nachbarländern jedoch erhältlich und zugänglich ist. Typisch TGM: Er macht zweideutige Hinweise, mit denen er den weltgewandten Intellektuellen spielt, der wohlwollend, dennoch mit Bedauern auf den ungarischen Provinzialismus herunterblickt. Ein guter Ratschlag für alle: Nehmen Sie doch TGM nicht ernst! Wenn Sie das tun, hat er sein Ziel erreicht und kann sich seiner Hochachtung durch die Leser rühmen. TGM verdient m. E. so viel Aufmerksamkeit wie etwa die Tiraden von Gregor Mayer.

  5. HV ich habe erst vor ein paar Monaten begonnen atv zu schauen. Dési habe ich kein einziges Mal gesehen. Ich glaube – bin aber nicht sicher – dass er nicht mehr dort auftritt.

    tgm is not my cup of tea, er hat seine Meinungen sehr schnell geändert. Nur ein Beispiel: Ich kann mich erinnern an eine atv diskussion vor einigen Jahren, als er sich nicht mehr daran erinnern wollte, dass die Anführer von SZDSZ für die Freiheit von Nazi Diktion eintraten. Wenn jemand Marxist war und seine Meinung geändert hat, dann kann ich das sehr gut verstehen, schwieriger wird es, wenn jemand Marxist war, seine Meinung änderte, um dann wieder Marxist zu werden.

  6. Apropos Klartext nach links und rechts:

    Die Népszabadság hatte in ihrer gestrigen Nummer einen besonderen Scoop: Während Magyar Hirlap und Magyar Nemzet zum Nationalfeiertag (20. August)
    lange Riemen zum Christentum als „nemzetepitö erö“ brachten (Nation-aufbauende Kraft) hatte Népszabadság ein sehr seltenes Grossinterview mit dem Primas der katholischen Kirche, Péter Erdö.

    Er nennt sich übrigens, im Gegensatz zur neo-mediävalen Begriffsrenaissance der Regierung, nicht wie früher üblich Herceg-Primás, Fürstbischof, weil das ein überholter Begriff sei. Sondern nur Primas.

    Und er weist im Interview darauf hin –

    1) dass es Menschen, und Glauben, lange vor dem „Staat“ gab, und dass es den „Staat“ als solchen in Zukunft vielleicht auch nicht mehr geben wird. Er hätte hinzufügen können: Es gab Glauben lange vor der „Nation“, und auch jene wird vielleicht irgendwann passé sein.

    2) Dass es Christen nicht erlaubt ist, Spannungen und Hass in der Gesellschaft zu schüren

    3) Dass in wesentlichen Fragen in Ungarn ein Konsens möglich ist

    4) Und dass der Hirtenbrief der Kirche von 2006 weiterhin Gültigkeit habe. Darin hatte die Kirche – auf dem Höhepunkt der politischen Krise, die von der laut Lendvai „ekelhaften“ Mentalität der Sozialliberalen ausgelöst worden war
    – gesagt, dass Ungarn sich in grosser Gefahr befinde, nämlich in einer Situation, in der die Folgen all seiner historischen Niederlagen das Land in eine tiefe Krise stürzten.

    • Herr Kálnoky! Wo hat die Regierung Kardinal Erdő „Fürtsprimas“ genannt? Dies ist mir neu.
      Meine bescheidene Frage an Seine Eminenz: Und wie lange wird es noch Kirchen geben? Seine Eminenz möge einmal in Zivilkleidung in Rom spazieren und die etnischen Anteile der vorbeieilenden Geistlichen und Nonnen analysieren. Eventuell möge er die Statistiken jener Priester studieren, die der Kirche wegen des längst überholten und unmenschlichen Zölibats den Rücken gekehrt haben. Meines Wissens ist dieser trockene Theologe nicht einmal unter eifrigen Gläubigen beliebt. Spannungen und Hass schüren nicht die „Christen“, sondern die KOMMUNISTEN (msz(m)p & co.). Unabhängig davon sehe ich unter den klerikal-nationalistischen Phrasen der Scheinkoalition (denn die „christdemokratische“ Tartuffe-Gruppierung hält kein nüchtern denkender Mensch für einen Koalitionspartner) immer noch nicht das m. E. wesentlichste Merkmal des neobarocken Horthysmus: Nur derjenige ist guter Bürger, der sich öffentlich seines „Christentums“ rühmt.

      • Missverständnis – die Regierung liebt es, altertümliche Begriffe wie Curia wieder in Gebrauch zu nehmen, das meinte ich. Nicht, dass sie Erdö Hercegprimás genannt hätte.

        Ich persönlich halte Erdö für den ersten wirklich integren Vertreter der katholischen Kirche in Ungarn, nachdem sich der gesamte Klerus in den 50er bis 70er Jahren von den Kommunisten mit Stasipitzeln durchsetzen liess.

        In einem haben Sie Recht: Augrund der Säkularisierung in Europa spiegelt die ethnische Zusammensetzung des Klerus immer mehr die der Gläubigen. Und die sind in Europa kaum noch zu finden. Es wäre schön, wenn eine gewisse Re-Evangelisierung in Europa gelänge, und in Ungarn gibt es – wohl als einziges Land in Europa – einen Versuch quasi von Staats wegen, dies zu fördern.

        Aber auch in Budapest sind viele Priester heute nicht mehr Magyaren. In unserer Kirche am Szervita tér haben wir die Wahl zwischen u.a. einem Iren und einem Österreicher.

        Glaube ist eben nicht dasselbe wie Nation. Und soll es auch nicht sein. Wir wollen ja wohl keine Staatskirche. „Katholisch“ heisst „universal“.

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