SZ zum Fall des Jobbik-Politikers Csanád Szegedi

Die Süddeutsche Zeitung greift die Causa Csanád Szegedi auf.

Der EU-Abgeordnete der rechtsextremen Partei Jobbik („Bewegung für ein besseres/rechteres Ungarn“) war in den vergangenen Jahren vielfach durch rassistische und antisemitische Äußerungen aufgefallen. Nun wurde bekannt, dass Szegedis Großeltern mütterlicherseits selbst Juden waren, nach halachischem Recht (der Glaube wird von der Mutter auf die Kinder übertragen) ist Szegedi somit ebenfalls Jude. Szegedi bekannte sich jedoch nicht zu seiner Herkunft, sondern versuchte, ein Parteimitglied zu bestechen, um das Durchsickern dieser Nachricht zu verhindern.

http://www.sueddeutsche.de/panorama/rechtsextreme-jobbik-partei-in-ungarn-antisemit-entdeckt-seine-juedischen-wurzeln-1.1441842

Szegedi ist mittlerweile aus der Partei ausgetreten.

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15 Kommentare zu “SZ zum Fall des Jobbik-Politikers Csanád Szegedi

  1. Szegedi hat als Jobbik Politiker rassistische Hetze betrieben. Reue hat er bis jetzt keine bewiesen. Kein Sympathieträger.

  2. Der International Herald Tribune beleuchtet den Fall Szegedi ebenfalls: http://www.heraldtribune.com/article/20120814/API/1208140767. In den Kopf dieses Menschen möchte ich mal hineinschauen.

    Eigentlich eine sehr, sehr spannende Geschichte: Warum hat eigentlich die Großmutter Szegedis, die Auschwitz überlebt haben soll, offenbar bis vor Kurzem zu ihren Erlebnissen und zum politischen Engagement ihres Enkels geschwiegen? Bemerkenswert auch das Verhalten der Jobbik-Führung. Nun sind sie Szegedi ja los und bestimmt froh darüber. Allerdings hat man ihm nach außen nur angekreidet, dass er die Partei belogen hätte. Zu Szegedis jüdischer Herkunft selbst, gab es anscheinend keine öffentlichen Kommentare der Jobbik-Spitze.

  3. Warum die Großmutter geschwiegen hat? Ganz einfach, sie kannte die Umgebung und wusste mit Empathie konnte sie nur in Ausnahmefällen rechnen. Das war wahrscheinlich der Grund, warum einige Auschwitzüberlebende auch im Hochsommer Blusen mit langen Ärmeln trugen.

    • Verstehe ich ihn richtig?

      Er, Pfeifer stellt fest: „Szegedi hat als Jobbik Politiker rassistische Hetze betrieben.“

      Weiter erklärt er zum Schweigen der Großmutter des Jobbik Politikers zu dessen rassistischer Hetze , Auschwitzüberlebende hegten gegenüber den sie umgebenden Menschen Misstrauen. Einige brächten das zum Ausdruck und trügen deshalb im Hochsommer Blusen mit langen Ärmeln.

      Ich erlaube mir zwei Fragen!

      Trägt die Großmutter des Jobbik Politikers im Sommer Blusen mit langen Ärmeln?

      Hat ihr Enkelsohn „rassistische Hetze“ betrieben, weil es den unjüdischen Menschen in seiner Umgebung an Empathie fehlte?

      Ich erwarte auf solche dummen Fragen von ihm keine substantiellen Antworten .

      Ich habe ihn längst verstanden.

    • Im Kommunismus spielte der Holocaust eine untergeordnete Rolle in der Erinnerungskultur, zumindest in der DDR. Da standen die Antifaschisten (KPD-Mitglieder, Thälmann usw.) im Vordergrund. In Ungarn wird es ähnlich gewesen sein, auch wenn ich dazu noch keine verlässlichen Angaben dazu gefunden habe.

      Viele ehemals als Juden Verfolgte haben wohl sehr lange geschwiegen. Einige öffneten sich ab Ende der 80er Jahre, wozu der dann allmählich mögliche Austausch mit Gedenkinitiativen, auch in Deutschland, sicherlich beigetragen hat. So habe ich es mir jedenfalls berichten lassen.

      Aber dass eine Großmutter mit einem solchen Schicksal ihren Enkel in einer rechtsextremen Partei agieren lässt, ohne ihn mal ins „Gebet“ zu nehmen, ist schon erstaunlich. Geht Verdrängung aus Furcht, mit dem eigenen Schicksal doch allein gelassen und zurückgewiesen zu werden, so weit? Ich stelle mir das individuell ganz schrecklich vor.

      Bin sehr gespannt, ob wir von Szegedi noch hören werden. Der o. g. IHT-Artikel macht ja interessante Angaben. Angeblich hat er sich nicht nur mit seiner Oma ausgesprochen, sondern auch einen Rabbiner konsultiert und will jetzt sogar nach Auschwitz fahren. Mal sehen, was dabei rauskommt. Der Rabbiner hat vermutlich Recht: Es liegt jetzt nur an Szegedi, welchen Weg er geht.

      • Ohlala, meine Oma war vielleicht in der NS-Frauenschaft und wurde womöglich 1945 von 27 Russen vergewaltigt. Ich hab mich mal mit ihr ausgesprochen und musste danach gleich ’nen Pastor konsultieren. Der hat mich in den Kiefernwald von Halbe geschickt. Was dabei rausgekommen ist, frag ich mich ständig. Der Pastor meinte, alle Wege führen von Halbe nach Golgota und von da nach …. Beim näksten denkMal frag ich ’nen Rabbi oder so.

        Wie geistig verkommen ist, der in dieser Scheiße noch Perlen findet

    • Daran, dass die Großmutter (scheinbar), obwohl sie Auschwitz überlebte, zum antisemitischen und rassistischen Treiben ihres Jobbik-Enkels geschwiegen hat, kann man auch einfach mal „en passant“ die Gesellschaft verantwortlich machen? Wohl kaum, Herr Pfeifer. Da liegt doch wohl in dieser Familie einiges im Argen, wenn eine ungarische Jüdin tatenlos zusieht, wenn ihr Enkel in eine national-sozialistische (so Karl Pfeifer über Jobbik) Partei eintritt. Mit langärmeligen Blusen hat das – da stimme ich Peter Herche zu – aber auch rein gar nichts zu tun.

      Ich jedenfalls sehe das plötzlich zu Tage getretene Judentum Szegedis nicht als Grund, ihn anders zu bewerten als das übrige Volk, das sich in dieser Partei versammelt. Rassist bleibt Rassist. Das Attribut „kein Sympathieträger“ für Szegedi scheint mir da reichlich milde, gerade wenn ich mir ansehe, wie Pfeifer sonst über ungarische Politiker spricht, die nicht einmal ansatzweise an einen Szegedi heranreichen. Und wir erinnern uns: Szegedi wollte sogar Geld dafür zahlen, dass man seine Herkunft verschweigt und er weiter hetzen kann. Wie kaputt muss man eigentlich sein?

      Wir dürfen gespannt sein, ob aus dem Jobbik-Saulus mit jüdischen Wurzeln, der sogar Gründungsmitglied der Ungarischen Garde war, wirklich ein Paulus wird. Dafür ist allerdings mehr von Nöten als ein solches „coming out“. Mein Mitleid jedenfalls hat Szegedi nicht, auch wenn er jezt im Licht der Kameras zu Slómó Köves rennt.

  4. Ungarnfreund, ich habe Auschwitz 1964 besucht und war schockiert, als ich im Raum der Österreich gewidmet war, nicht ein einziges Mal den Hinweis fand, warum die Nationalsozialisten Menschen aus Österreich nach Auschwitz deportiert haben. Man hätte denken können, die kamen hin, weil sie Kommunisten waren.
    Höchstwahrscheinlich war es im Raum, der Ungarn gewidmet war ähnlich.

  5. Ohlala, es geht voran im antifaschistischen Kampf. Nach der Bekehrung des jüdischen Antisemiten und Jobbik-Hetzers bekennt auch Ungarns Zentrale für Terrorabwehr Farbe und zeigt, wozu sie fähig ist. Sie hat am 2. August 2012 den antifaschistischen Kampf gegen den 1944 verstorbenen Gründer der Ungarischen Faschistischen Partei, Gyula Ostenburg-Moravek aufgenommen und ihm posthumus einen sehr ernst gemeinten Brief geschickt.

    Nem volt hiába! Vorwärts und nicht vergessen…

    Die Solidarität!

    Hat eigentlich die Oma des jüdischen Antisemiten und Jobbik-Hetzers, für den Pfeifer und Ungarnfreund soviel Empathie aufbringen eine Opfer-Entschädigung erhalten?

    Bottal ütik most a pénz nyomát?

    http://www.kormany.hu/hu/kozigazgatasi-es-igazsagugyi-miniszterium/hirek/a-zsido-karpotlas-jogszeru-elszamolasanak-szuksegessegerol-egyeztetett-gal-andras-levente-az-usa-ban

    • Bei „Szent Korona Rádió“ und kuruc.info werden häufig Namen von berüchtigten Rechtsextremisten/Freikorpsoffizieren/Antisemiten usw. als Pseudonyme benutzt. Kein Wunder, dass Héjjas Iván, Prónay Pál, Istóczy Győző etc. unter den Hetzartikeln stehen.

  6. Pingback: Der Wolf und die Großmutter « IntercityWanderjahreVidámPark

  7. Halte Szegedi weder für einen Sympathieträger noch für empathiebedürftig, sondern einfach für einen interessanten Fall. Ich würde gern verstehen, was in einem solchen Menschen vor sich geht und bin gespannt, wie er sich weiter verhalten wird. Offenbar hat er sich erst mal gesagt: „Gut, meine Oma ist jüdisch, aber ich nicht – ich bin 100% ungarisch.“ Vielleicht hat er sich noch dazu gedacht: „Juden sind schon üble Menschen, abgesehen natürlich von meiner Oma.“ Der Rabbi dürfte jedenfalls noch einmal erheblich an Szegedis Weltbild gerüttelt haben…

    • Was um Himmels Willen wissen wir denn schon? Ein Neofaschist bekennt sich zu seinem Judentum und wird plötzlich zu einem interessanten Fall? Vielleicht hat er dies, vielleicht hat er das. Alles nur Mutmaßungen. Auch dass der Rabbi an Szegedis Weltbild gerüttelt hat, ist nicht erwiesen. Es gibt wenig, was wir „wissen“: Zum Beispiel, dass Szegedi wohl gerne weiter bei Jobbik gewirkt hätte, sonst hätte er keine EU-Posten vergeben, um sich das Schweigen seiner Fascho-Brüder zu erkaufen. Schon mal auf die Idee gekommen, dass er deswegen den Paulus spielt, weil man ihm den parteipolitischen Boden unter den Füßen weggezogen hat und er nur noch wenig Zeit hat, um sich eine neue Heimat zu suchen (wenn er wieder EU-Parlamentarier werden will)? Vielleicht ist die Welt ja so einfach.

      Jedenfalls ist es meines Erachtens völlig fehl am Platze, im Zusammenhang mit Szegedi plötzlich die Auschwitz-Überlebenden mit langen Hemdsärmeln ins Feld zu führen oder die Gesellschaft zur Verantwortung ziehen zu wollen. Hätte ihm seine Familie Verstand eingeprügelt, wäre er möglicher Weise nicht in Gardeuniform erschienen und hätte gegen seine Glaubensbrüder gehetzt. Und dass seine Oma ihm nichts erzählt hat, dafür kann man auch nicht die böse ungarische Gesellschaft verantwortlich machen.

      • HV, suchen Sie Streit um des Streites willen? Klar, alles Spekulationen. Ich machte doch deutlich, dass ich gern mehr über diesen Fall erfahren oder wissen würde. Natürlich auch um weniger auf Spekulationen angewiesen zu sein. Bei jemandem wie Szegedi muss es doch vor kognitiven Dissonanzen im Moment nur so krachen! Wenn Sie weniger Interesse an derlei individualpsychologischen Fragen haben, sei’s eben drum.

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