Fußballspiel Ungarn-Israel: Regierung verurteilt antisemitische Ausfälle

Die ungarische Regierung hat auf die antisemitischen Ausfälle ungarischer rechtsradikaler Fußballfans während des Freundschaftsspiels am 15. August mit einer Stellungnahme reagiert:

Die ungarische Regierung verurteilt auf das Schärfste das Verhalten derjenigen Fans, die am 15. August einen würdevollen Ablauf des Freundschaftsspiels Israel-Ungarn gestört haben.

Die Regierung schützt die nach dem neuen Grundgesetz garantierten verfassungsmäßigen Rechte in größtmöglichem Umfang und tritt daher entschieden gegen alle Arten von Diskriminierung wegen der Zugehörigkeit zu einer Rasse, Religion oder Nationalität auf. Die Regierung meldet sich auch dann zu Wort, wenn radikale Äußerungen nicht unmittelbar gegen Gesetze verstoßen, und Behörden daher über keine direkte Handhabe verfügen.

Die Regierung betrachtet alle Völker der Welt als Freunde, und bittet auch alle Ungarn, diese Auffassung zu teilen.

(Miniszterpräsidialamt)“

(Übersetzung aus dem Ungarischen: Hungarian Voice)

http://www.kormany.hu/hu/miniszterelnokseg/hirek/a-kormany-allaspontja-az-izraeli-magyar-magyar-labdarugo-merkozes-meltosagat-megzavaro-nezok-magatartasarol

 

Nachtrag vom 24.08.2012:

Auch der ungarische Fußballverband MLSZ hat das Verhalten ungarischer Fans kritisiert. Die WELT berichtet:

http://www.welt.de/newsticker/sport-news/article108775311/Ungarischer-Verband-verurteilt-Verunglimpfungen.html

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74 Kommentare zu “Fußballspiel Ungarn-Israel: Regierung verurteilt antisemitische Ausfälle

  1. Viel deutlichere Worte wären angebracht gewesen. Man darf in solchen Situationen durchaus mal explizit gegen den Antisemitismus auftreten. Und ihn beim Namen nennen.

    Leider hat die Regierung eine gute Möglichkeit verstreichen lassen, in deutlicher Art und Weise gegen dieses Pack Stellung zu beziehen. Dass es geht – wenn man nur will – , zeigte der Fall Schweitzer: Den Worten des Staatspräsidenten Áder war damals nichts hinzuzufügen.

  2. Sehr gut! Angesichts der Stärke der Rechtsextremen im Inland und des Pressebilds im Ausland ist das genau die Sorte Erklärung, die jetzt nötig war. Hoffentlich ist der Text auch auf Ungarisch publiziert worden.

      • Die Regierung braucht sich mE nicht mit dem genauen Inhalt der Störrufe zu befassen. Es reicht mir vollkommen, dass sie das Geschehen „auf das Schärfste verurteilt“. Das ist schon eine sehr deutliche Sprache. Apropos Rollentausch: Waren Sie, HV, nicht immer dagegen, dass sich die Regierung von Dingen distanziert, die sie nicht direkt selbst zu verantworten hat?

      • Wenn die Nationalmannschaft eines anderen Landes zu Gast für ein Freundschaftsspiel ist und einige Ungarn sich so aufführen, sind deutliche Worte der Regierung wünschenswert. Ihr Versuch, mir Widersprüchlichkeit unterzujubeln (das ist wohl heute die Losung des Tages, Herr Pfeifer hat es auch schon versucht), führt schon deshalb in die Sackgasse, weil ich seinerzeit die deutlichen Worte Áders und der Regierung zur Causa Schweitzer begrüßt habe. https://hungarianvoice.wordpress.com/2012/06/06/verbaler-angriff-auf-pensionierten-oberrabiner-in-budapest-lost-emporung-aus/

        Offenbar passt das, was Sie von mir denken oder glauben zu wissen, nicht zu dem, was ich tatsächlich denke. Verwirrend, nicht wahr?

        Die Pressemeldung erinnert mich ein wenig an das Gedruckse von Altkanzler Kohl, der in Zeiten rechtsradikaler Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen sich nur dazu durchringen konnte, Gewalt von links und rechts zu verurteilen. Ist wie immer Geschmackssache.

    • Er kleidet seinen Zweifel an der Redlichkeit der ungarischen Regierung in Worte der Hoffnung:

      „Hoffentlich ist der Text auch auf Ungarisch publiziert worden.“

      Großartig dieses Spiel!

  3. Das ist doch eine klare Aussage.

    Jetzt bin ich aber neugierig, was Herr Pfeifer und Ungarnfreund dazu zu sagen haben.

    Ich vermute, dass sie die Stellungnahme des Ministerpräsidialamtes zu etwas anderem in Beziehung setzen und dadurch die Erklärung in ihrem Wert o. Ä. einschränken werden.

    Jetzt bin ich wirklich gespannt, welche Relativierung ihnen heute einfällt.

      • Nee, ich gebe Ihnen ja Recht. Ohne Selbstgeißelung gibt es keine echte Läuterung.

        Vielleicht sollten sich Orbáns Leute die hier zum Vorbild nehmen:

      • Normalweise distanzieren sie sich doch von dem Geschreibsel von P.H.
        Oder ist – wie einige vermuten – doch PH ihr „Mann für Grobe“?
        Schade, so verspielt man seine Glaubwürdigkeit!

      • Weil ich Herrn Herche darauf hinwies, dass Ungarnfreund nicht so reagiert hat wie er erwartete, bin ich der böse Bube? Ich soll mich von einer Aussage Herches distanzieren, der ich widersprach?

        Wenn das alles ist, was Sie mir vorwerfen können, ist das nicht viel.

      • Szarvasis „Wie einige vermuten“ erinnert mich an das „some people say“ aus dem hervorragenden Film „Outfoxed – Rupert Murdochs war on Journalism“. Ein Stilmittel parteiischer Moderatoren, die Objektivität und eine Beobachterstellung heucheln wollen. Und doch nur ihre eigene Meinung präsentieren:

        Den Film kann ich – ganz unabhängig von Ungarn – übrigens jedem empfehlen.

      • @HV und Peter Herche, sollte das Thema Pester Lloyd nicht auf den Tisch kommen?
        Ich denke, ein Aufhänger könnte sein:
        http://www.pesterlloyd.net/html/1233neuseelandafghanistan.html
        Nicht der Inhalt des Beitrages, sondern der Umgang mit den Kommentierenden ist es.
        Die Geschichte seit Neugründung, Personen, Finanzen, Einfluß, Beziehungen usw. sollten analysiert werden,
        Ziel des PL und seiner Sympatisanten (von denen es im HV-Blog nicht mangelt) ist , Ungarn maximal zu schaden.
        Wer den PL liest und sich nicht anderswo informiert, verzichtet auf den Ungarnurlaub.

      • Der PL ist ein Kampforgan der Opposition, vom Tonfall her herablassender als die ungarische Népszava. Würde ich in meinen Beiträgen diesen Tonfall anschlagen, so hätte ich wahrscheinlich längst Besuch von der berittenen Polizei erhalten. 🙂

        Und was der Chefredakteur von Andersdenkenden hält, kann man hier bei „Kontrovers“ nachlesen. So ist das mit der Toleranz, wenn man selbst definiert, wer sie verdient und wer nicht.

  4. Warum haben die ungarischen Behörden nicht dafür gesorgt, dass die ungarischen Gesetze auch im Stadion respektiert werden?

    Warum haben sie nicht gelernt aus dem Londoner Beispiel, wo die Behörden Rassismus auf den Sportplätzen ahnden?

    Welche Maßnahmen wird die ungarische Regierung treffen, um das Marschieren uniformierter Nazi landauf landab einzustellen?

    • Lieber Herr Pfeifer, wie haben die Behörden in London Rassismus auf den Sportplätzen geahndet? Ich stelle es mir schwierig vor, eine grölende Menge von Fußballfans zum Schweigen zu bringen. Das kann man vielleicht nur hinterher sanktionieren, indem man das nächste Spiel z.B. ohne Zuschauer stattfinden lässt. Solche Sanktionen für ungehobelte Fans gibt es meines Wissens beim DFB. Wenn Sie im letzten Absatz auf Cegléd anspielen: ja, sehr missliche Sache. Aber das ist nicht nur eine Angelegenheit für die Behörden. Da muss die Zivilgesellschaft ran, die örtliche Kirchgemeinde usw.

    • „Warum haben die ungarischen Behörden nicht dafür gesorgt, dass die ungarischen Gesetze auch im Stadion respektiert werden?“
      In allen Ländern Europas werden in vielen Stadien Woche für Woche Gesetze gebrochen. Es wäre schön, wenn es in Ungarn anders wäre, aber…
      Hier die neuesten Rechtsbrüche ungarischer Fußballfans, die die Behörden nicht verhindern konnten:
      http://atv.hu/cikk/20120820_ujpest_fradi_tortek_zuztak_a_szurkolok

      „Warum haben sie nicht gelernt aus dem Londoner Beispiel, wo die Behörden Rassismus auf den Sportplätzen ahnden?“
      England als gutes Beispiel für Fankultur in Fußballstadien zu bringen ist schon erstaunlich. Gerade in England hat es mit dieser Art Hooliganismus angefangen. Die Professionalität der englischen Behörden ist vor diesem Hintergrund logisch: die Behörden haben reichlich Gelegenheit zur Übung, wie sie mit dieser Sorte von Menschen umgehen sollen. Trotzdem ergibt eine Suche bei Google nach Rassismus und Antisemitismus in eglischen Stadien unzählige Treffer mit aktuellen Fällen, wie z. B. :
      http://www.taz.de/!85212/
      http://www.rund-magazin.de/cmsms/news/338/23/

      „Welche Maßnahmen wird die ungarische Regierung treffen, um das Marschieren uniformierter Nazi landauf landab einzustellen?“
      Die Maßnahmen sind bereit getroffen: die uniformierte Marschiererei wurde von der aktueller Regierungsmehrheit unter Strafe gestellt.

  5. Ich teile in diesem Fall Ungarnfreunds Meinung, dessen Entwicklung ich interessiert verfolge, und bin nicht sicher, wie viel deutlicher man gegen Rassismus Position beziehen kann – es sei denn um den Preis, Antisemitismus als etwas grundsätzlich viel Schlimmeres zu bezeichnen als jeglichen anderen Rassismus – etwa Antitziganismus (auch ein „Wandervolk“ und ähnlich ausgerottet von den Nazis).

    Die eigentliche Schwäche der Regierungsverlautbarung ist eine ganz andere. Es fehlt der Begriff „Klasse“. Diskriminierung wegen sozialer Klasse, weswegen Kommunisten wahrscheinlich mehr Menschen umbrachten als je im Holocaust starben, ist der „antikommunistischen“ Regierung kein Wort wert.

    • Das Interessante ist, dass ich gar nicht merke, wie ich mich „entwickele“. Ich versuche einfach nur Maß und Mitte zu halten. Das erfordert manchmal mehr von rechts und manchmal mehr von links zu argumentieren. Mit Krisztián Ungváry bin ich der Meinung, dass es leider zu den fatalen Tendenzen in der ungarischen Erinnerungskultur gehört, die Opfer verschiedener Regime gegeneinander auszuspielen. Das sollte aufhören.

      Trotzdem sehe ich die von BK konstatierte Schwäche der Regierungsmitteilung so nicht, denn die Erklärung ist aus aktuellem Anlass verfasst worden und gegenwartsbezogen. Diskriminierung wegen der Klassenzugehörigkeit hat es historisch im Kommunismus gegeben. Sie spielt aber im heutigen Ungarn keine Rolle. Das ganze Konstrukt „Klasse“ ist verschwunden, außer vielleicht in den Köpfen von ein paar unbedeutenden Betonschädeln jenseits der 80. Bei „Rasse, Religion und Nationalität“ sieht das leider anders aus.

  6. Kollege Kálnoky,

    In Russland konnte der polnische Adelige Feliks E Dserschinski Chef des Tscheka werden. D.h. die Bolschewiki hatten nicht vor, a l l e Adeligen und ihre Nachkommen zu töten. Am meisten wurden nicht Adelige oder ehemalige Kapitalisten verfolgt, sondern Kommunisten, die man beschuldigte „abgewichen“ zu sein.
    Die Nazi aber wollten a l l e Juden töten und unter den ermordeten ca. 6 Millionen Juden oder solche, die so qualifiziert wurden, gab es ca. 1.5 Millionen Kinder.

    In Ungarn wurden Zigeuner bis zum Pfeilkreuzlerputsch in der Regel nicht verfolgt. László Karsai schätzt, in seinem englischen Summary: „…the author estimatesd the number of Hungarian Gypsies interned, deported or enrolled into forced labour companies, to about 5.000 (five thousand). The number of the Gypsie dead is a few hundred in his estimate, orders of magnitude less than, for instance in Kenrick-Puxton’s monograph“ (A cigánykérdés Magyarországon 1919-1945, Út a cigány Holocausthoz, 1992)
    Ganz anders war das in Österreich, wo man die Zigeuner im KZ Lackenbach konzentrierte und nach Auschwitz deportierte.
    .

    • Eine Erklärung (warum Nazismus und Kommunismus nicht vergleichbar waren), vor allem aber: warum man Opfer des Kommunismus und die des Holocaust nicht vergleichen gleichsetzen darf, lieferte seinerzeit Károly Herényi in seinem Kampf um den Einzug ins Parlament:

      “Man darf die Opfer des Holocaust und des Kommunismus nicht gleichsetzen, denn der Umstand, dass jemand Opfer des Kommunismus wurde, war schließlich zu einem Teil seine eigene Entscheidung. Er war Antikommunist, hat abweichende Ansichten vertreten, konnte also selbst darüber entscheiden. Wenn er gewollt hätte, hätte er auch Kommunist werden können. Wenn jemand als Jude oder Zigeuner geboren wird, ist das nicht seine freie Entscheidung. Die beiden Fallgruppen auf eine Stufe zu stellen und als gleichartig oder gleich schwerwiegend zu bezeichnen, ist für mich unannehmbar.”

      Wie ich einem Artikel damals schrieb, ist für mich der Holocaust in seiner Art (industrielle Vernichtung von Menschen) durchaus einzigartig. Die Ideologien sind m.E. aber durchaus vergleichbar, es macht für mich nämlich keinen Unterschied, ob man Menschen wegen ihrer Herkunft/Religion oder aber wegen ihrer Klassenzugehörigkeit in Lager steckt und ermordet.

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2010/03/12/warum-sollte-die-leugnung-kommunistischer-verbrechen-in-ungarn-nicht-strafbar-antworten-bei-klubradio/

      Leider leben wir in einer Zeit, in der jemand, der auf die Vergleichbarkeit der Ideologien vom Ansatz her hinweist, sofort beschuldigt wird, den Nationalsozialismus und den Holocaust zu verharmlosen. Es ist bestimmt reiner Zufall, dass die Mehrheit derer, die so denken und schreiben, dem linken Spektrum zugehörig sind und vor 1989 oft genug die DDR und den Kommunismus als gut gemeintes Experiment betrachteten…

      Ich jedenfalls halte die Ausführungen von Herényi für einen schlechten Scherz. Den Opfern eine Teilschuld zuzuschieben, weil sie sich der Ideologie nicht angeschlossen haben, kann wirklich nicht wahr sein.

    • „…Am meisten wurden nicht Adelige oder ehemalige Kapitalisten verfolgt, sondern Kommunisten, …“

      Mal abgesehen von der Steigerung des Negativen, die Herr Pfeifer vornimmt, wenn er schreibt, dass am meisten nicht Adlige oder ehemalige Kapitalisten verfolgt wurden, sondern Kommunisten, stellt sich die Frage, ob das denn überhaupt stimmt. Ich zum Beispiel habe von 1955 bis 1989 überwiegend unter Kommunisten gelebt. Aber kaum keiner von denen war tatsächlich einer. Aber ich weiß von vielen Opfern der kommunistischen Gewaltherrschaft, dass sie keine Kommunisten waren. Sie waren es nicht einmal heimlich.

      Wenn jemand so vehement die Gräuel der kommunistischen Gewaltherrschaft relativiert, wie es Herr Pfeifer offensichtlich versucht, dann verletzt er die Ideen von Menschlichkeit.

      Kommunismus und Faschismus waren nicht an den Interessen, den Werten und der Würde des einzelnen Menschen orientiert.

      Danach zu unterscheiden, ob einzelne Menschen Opfer der menschenverachtenden Systeme des 20. Jahrunderts wurden, weil sie Adlige, Kapitalisten, Kommunisten, Juden oder Zigeuner waren, heißt, die humanistischen Prinzipien menschlichen Zusammenlebens zu ignorieren.

      Wir sollten allen Opfern ein angemessenes Gedenken bewahren und sie nicht für profane Zwecke instrumentalisieren.

      Es gibt kein „am meisten wurden nicht …“.
      Es gab Opfer und Täter und heute gibt es unsägliche Versuche, die Opfer abzuwerten oder gar eine Täter-Opfer-Umkehr vorzunehmen.

      Sie sollten sich für so etwas zu schade sein, Herr Pfeifer.

      • „Aber kaum keiner von denen war tatsächlich einer.“

        Ich hatte zwei Gedanken auf einmal, die im Widerspruch zueinander stehen.

        Mir ist bis heute tatsächlich noch kein einziger Kommunist persönlich begegnet. Vielleicht gibt es ja trotzdem welche. Deshalb soll es richtig heißen: Kaum einer von denen war tatsächlich einer. Oder hatten die Kommunisten schon alle Kommunisten umgebracht, ehe ich auf die Welt gekommen bin?

    • Es gibt leider nicht nur 1-2 Antisemiten in Ungarn und leider auch wieder immer mehr in ganz Europa.

      Aber wenn gerade Österreicher mit dem Finger auf andere zeigen, wirken sie auf mich geradezu grotesk.

      Von jenen Deutschen gar nicht zu reden, die so tun, als wären Sie die Retter Israels und die Zuflucht für Menschen jüdischen Glaubens, die sich für ein Leben in der Diaspora entschieden haben.

      Lesen Sie nur diesen Artikel auf Zeit-Online von heute und Sie fragen sich nie mehr, warum sich Herr Pfeifer Ungarn zum Beißknochen auserkoren hat:

      http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-08/oesterreich-strache-antisemitismus

  7. PH es ist einfach lächerlich, was Sie da schreiben. Ich habe hier in Österreich sieben (7) Prozesse mitgemacht und mußte mich an den EMGR wenden um Recht gegen die österreichische Justiz zu erhalten. Ich schreibe über Ungarn, aber es ist sicher nicht mein einziges Thema. Und die Regierung Orbán setze ich nicht gleich mit Ungarn.
    Ich kenne diese Art der Argumentation sehr gut aus Österreich, wer die schwarz-blaue Regierung Schüssel kritisiert hat, wurde beschuldigt ein Feind Österreichs zu sein. Kein Wunder, dass Schüssel sich so für Orbán begeistert.
    Die österreichische Justiz – lang hat es gebraucht – hat Verfahren gegen den Finanzminister a.D. Grasser und gegen den Innenminister a.D. Strasser eröffnet. Kein Zufall.

  8. Wo waren alle empörte gewesen als…

    http://www.kronika.ro/index.php?action=open&res=55253
    http://magyarellenesseg.blogspot.de/2011/04/magyargyulolo-transzparens-nem.html

    Für allie diejenigen, die schon Krampf im linken Zeigefinger bekommen haben:
    „ne mutogass ujjal, mert rászoksz a lopásra“

    Leider könnte man in der Sache der Nationalhymnen die deutschen Edelpolitiker mit den ungarischen Fußballhooligans vergleichen. Hmmmm !
    Hasser und Holzköpfe gibt es immer und überall.

    Ha az embernek van egy furkósbotja, mindig akad kutya, amelyiket meg kell büntetni.

    Wie nennt man furkósbot auf österreichisch ?

  9. Sind das da Moldawier, die ein Transparent in ungarischer Sprache mit der Aufschrift „Gyülölunk titeket – Wir hassen Euch“ halten? Interessanter Fall, nur leider kaum geeignet, die ewige These vom „zweierlei Maß“ zu bestätigen. In dem von Ihnen verlinkten Kronika-Artikel werden insbesondere mögliche Sanktionen seitens der UEFA angesprochen.

    Dass ein Länderspiel Ungarn-Moldawien deutsche Journalisten und Mediennutzer nicht interessiert, liegt vielleicht daran, dass beide Mannschaften so schlechten Fußball spielen. Da interessiert auch das Drumherum kaum jemanden, schließlich gehören Fußballrandale weltweit zum Alltag. Dass Moldawier im Zweifel zu Rumänien halten, dürfte nicht weiter verwundern. Und daran, dass das rumänisch-ungarische Verhältnis nicht das Beste ist, haben selbstverständlich beiden Seiten Anteil.

  10. Sind das da Moldawier, die ein Transparent in ungarischer Sprache mit der Aufschrift „Gyülölunk titeket – Wir hassen Euch“ halten? Interessanter Fall, nur leider kaum geeignet, die ewige These vom „zweierlei Maß“ zu bestätigen. In dem von Ihnen verlinkten Kronika-Artikel werden insbesondere mögliche Sanktionen seitens der UEFA angesprochen.

    Dass ein Länderspiel Ungarn-Moldawien deutsche Journalisten und Mediennutzer nicht interessiert, liegt vielleicht daran, dass beide Mannschaften so schlechten Fußball spielen. Da interessiert auch das Drumherum kaum jemanden, schließlich gehören Fußballrandale weltweit zum Alltag. Dass Moldawier im Zweifel zu Rumänien halten, dürfte nicht weiter verwundern. Und daran, dass das rumänisch-ungarische Verhältnis nicht das Beste ist, haben selbstverständlich beide Seiten Anteil.

    • Fragwürdige Argumentation, Ungarnfreund. Nach Ihrer Logik dürften ungarische Fans – unbehelligt von der empörten Weltpresse – gegen Israel hetzen, wenn beide Länder nur schlecht genug Fußball spielten. Und nachdem Fußballrandale, wie Sie sagen, zum Alltag gehören, bräuchte man sich ja dann auch nicht weiter echauffieren und könnte getrost den Mantel des Schweigens darüber breiten.

      Die Weltpresse sieht das freilich anders. Ganz egal wie schlecht das Fußballspiel ist: Antisemitismus wird thematisiert. Zu Recht, wie ich finde.

      Aber zurück zum youtube-Video: Soll wirklich das fußballerische Niveau die Erklärung dafür sein, warum sich keiner im deutschsprachigen Raum für das Phänomen des Ungarnhasses in den umliegenden Ländern interessiert – der zu teils hysterischen Aktionen der dortigen Politik, insbesondere vor Wahlen, führt, d.h. nicht nur im Stadion, sondern auch in der Tagespolitik Wirkungen zeigt? Ist hoffentlich nicht Ihr Ernst, Ungarnfreund.

      Meine Hoffnung ist, dass auch antiungarische Ressentiments in Mittelosteuropa eines Tages in das Bewusstsein der hiesigen Konsumenten von Presseartikeln dringen. Denn so wäre die Möglichkeit gegeben, sich einmal wirklich vertieft mit den gegenseitigen Antipathien zu befassen, mit Ursachen und Lösungen. Etwa auf EU-Ebene. Dazu müsste das Thema allerdings in das Bewusstsein der Interessierten dringen. Die heutigen Berichterstatter müssten hierfür freilich ihre Linie überdenken. Nach deren Lesart sind Ungarn nämlich keine Opfer. Sondern NUR Täter. Auch wenn Friedhöfe, auf denen Ungarn bestattet sind, geschändet werden, wie am vergangenen Wochenende im rumänischen Chinari (ung. Várhegy): http://hetivalasz.hu/vilag/az-eset-mult-szombaton-tortent-53451

      Diese Tendenz zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Berichterstattung. Daher wird auch nur über schwachsinnige Einzelmeinungen über Grenzrevisionen berichtet, aber das Thema „beschränkte Autonomie“, vergleichbar mit Südtirol, nicht einmal in den Mund genommen. Die wenigsten Ungarn wollen Grenzrevision, schon gar nicht die, die in Rumänien oder anderswo vor Ort leben leben. Ungarn oder Székler als Unruhestifter, so die landläufige Meinung. Nicht als Menschen, die ihr Leben in beschränkter Autonomie selbst bestimmen wollen, ohne in Wahlkämpfen als „Krebsgeschwür“ (so der slowakische Politiker Slota über die ungarische Minderheit) bezeichnet zu werden. Aber um die Story von irredentistischen Ungarn zu erzählen, ist den Damen und Herren sogar ein Teppich Beweis genug, der während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft neben Sissi und der Kettenbrücke eine Landkarte des historischen Ungarns zeigte. Keine Schlussfolgerung ist zu dämlich, um sie nicht ins Feld zu führen. Und es findet sich immer ein Politiker, der den Ball aufnimmt (damals die Grüne Ulrike Lunacek). Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, berichtete die Presse sogar, Ungarn hätte 1848/49 Österreicher und Russen angegriffen. Unwissenheit trifft Bösartigkeit. Ist es da nicht die logische Schlussfolgerung, dass Ungarn (nicht Orbán) als Neandertaler oder gar Pestbeule am gesunden Körper der EU gezeichnet wird? Dabei will man doch angeblich nur die Regierung kritisieren…und verfällt in pure Hetze, um sich danach zu wundern, dass die Menschen in Ungarn – ganz nach Macchiavelli – trotz (oder gerade wegen) dieses Umgangs recht stark hinter ihrer Regierung stehen? Versteht man nicht, oder will man nicht verstehen?

      Warum nur bringen Sie so viel Verständnis dafür auf, dass Probleme der genannten Art totgeschwiegen werden und ein verzerrtes, jedenfalls unvollständiges Bild von Ungarn und ganz MOE gezeichnet wird? Es geht hier nicht darum, eine Opfergruppe in den Hintergrund zu drängen, insbesondere nicht darum, Antisemitismus zu relativieren. Ich selbst habe unzählige Male betont, dass ich die Erinnerungskultur in Ungarn für verbesserungswürdig halte. Und es geht erst Recht nicht darum, Täter-Opfer-Umkehr (ein Lieblingswort der heutigen Moralprediger) zu betreiben und Ungarn weinerlich als bloßes Opfer darzustellen. Sondern die historisch bedingte Komplexität der internationalen Beziehungen in MOE zu erklären. Beispiel: Warum ist das Verhältnis Ungarn-Slowakei so schwierig, welche Folgen hat der Hass auf den Alltag? Und wie löst man die Spannungen?

      Es gibt Leute, die meinen, die Lösung läge darin, den Begriff der „Nation“ aus dem öffentlichen Diskurs zu tilgen. Ich prophezeie: In MOE wird das, historisch bedingt, nicht klappen. Westeuropäische Denke klappt dort nicht. Das schrieb auch der von mir hochgeschätzte Historiker K. Ungváry den Herren Gregor Mayer und Bernhard Odehnal ins Stammbuch (in seinem Aufsatz in „Quo vadis, Hungaria“).

      Das fehlende Interesse der Leser ist keine zutreffende Erklärung, finde ich. Es liegt nicht am Publikum, sondern an den Schreiberlingen. Nicht der Zuseher ist dafür verantwortlich, wenn er wegen Dunkelheit nichts sieht, sondern derjenige, der den Scheinwerfer führt. Wer sich für den Hass gegen Roma in Ungarn interessiert, der liest auch Beiträge über antiungarische Ressentiments in der Slowakei, in Rumänien und anderswo. Wenn es was zu lesen gäbe. Aber noch funktioniert der Filter. Noch ist der Scheinwerfer immer auf die selbe Stelle gerichtet.

      Nachtrag:

      Ein Beispiel aus meinem Umfeld: Keiner meiner – auch informierten – Freunde kannte die Probleme um das slowakische Sprachengesetz. Sie waren bestürzt, als ich ihnen berichtete, was im Europa des 21. Jh. möglich ist. Dass Ungarn an der Grenze zur Diktatur steht, meinen hingegen alle erfasst zu haben. Hat wohl auch mit der „Dichte“ der Berichterstattung zu tun.

      • Viele, viele Stichworte, wo man wieder einhaken könnte. Aber ich habe eigentlich nichts Neues zu sagen. Der Mehrheit der Ungarn fehlt meines Erachtens jedes Bewusstsein dafür, dass ihre Nation im 2. Weltkrieg und im Holocaust auch zu den Tätern gehörte. Der Post-Trianon-Opferdiskurs dominiert alles und verstellt den Blick auf die Sichtweisen der anderen beteiligten Völker.

        Wer entsprechende Artikel über das Los von Angehörigen der heutigen ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern Ungarns finden will, der findet sie. Man muss allerdings schon die FAZ heranziehen, während „rechte Umtriebe“ es bis in die deutschen Regionalblätter schaffen. Für diese Asymmetrie gibt es meiner Meinung nach Erklärungen, die jenseits des Vorwurfs der latenten Einseitigkeit und bewussten Falschdarstellung zu suchen sind.

        Wir werden von unserer Tagespresse auch nicht ständig über die neuesten Wendungen in anderen Ländern mit Minderheitenproblemen und schon gar nicht über entsprechende Regionen außerhalb Europas informiert. Wenn sich Rumänen und Ungarn zoffen, liegt einfach sehr viel Raum und eine handfeste Sprachbarriere zwischen Deutschland und den genannten Ländern.

        Bei Antisemitismus ist es historisch bedingt anders, da liegt die Aufmerksamkeitsschwelle niedriger – und das ist i. O. so. Ich finde es völlig abwegig die Reaktionen auf Antisemitismus und Antimagyarismus so einfach gegenüber zu stellen. Abgesehen davon sind diejenigen, die sich am meisten über Antimagyarismus beschweren, oft genug diejenigen, die ihn permament schüren.

        Um eines Ihrer Beispiele aufzugreifen: Es ist unsensibel, unreflektiert und unnötig, irgendwelche historischen Karten von Großungarn aufzuhängen oder auf Teppiche in Brüssel zu drucken. Wir würden doch auch nicht Deutschland in den Grenzen von 1937 zeigen und wenn sich jemand beschwerte, verständnislos mit den Schulter zucken, nach dem Motto: Was wollt Ihr denn? Das war doch noch vor Hitlers Revisionspolitik.

      • „Wir würden doch auch nicht Deutschland“ … genau das ist es, wovon ich sprach. Dieser Maßstab ist eben nicht immer der einzig richtige. Oder: Nicht der einzig mögliche. Ich denke, darauf sollte man sich verständigen können, ohne dem anderen etwas zu unterstellen. Toleranz.

        Das Problem des politisch instrumentalisierten Antimagyarismus – vor allem Jobbik schürt ihn, um sich dann über ihn zu beschweren – ist real. Da stimme ich Ihnen zu. Ist aber doch wohl kein Grund, nicht über das Phänomen zu sprechen. Ohne nähere Prüfung, sind auf Wikipedia immerhin 30 Fälle aufgezählt, in denen Ungarn offenbar (auch) wegen ihrer Herkunft tätlich angegriffen wurden:

        http://hu.wikipedia.org/wiki/Magyarelleness%C3%A9g

        Man sollte den Antimagyarismus nicht totschweigen aus Angst, die gleichen Themen wie Rechtsradikale anzusprechen. Ich denke vielmehr, es wäre seriöse Politik, dieses Thema den Radikalen Kräften endlich zu entreißen. Und damit ihr Monopol zu brechen. Könnte das nicht helfen, die ewigen Reflexe abzuschwächen? Wenn Opfer sich in ihren Sorgen ernst genommen fühlen, hören sie auf, ewig Vergleiche zu ziehen. Hoffe ich jedenfalls.

      • Was den Teppich in Brüssel und andere Großungarn-Darstellungen angeht, bin ich zugegebenermaßen ziemlich intolerant. Das geht mir einfach auf den Keks, weil es von gestern ist, bestenfalls sentimental, schlimmstenfalls chauvinistisch und irredentistisch. Das bin ich wirklich nicht bereit hinzunehmen. Einen anderen als meinen (deutschen?) Blick habe ich nicht, tut mir Leid. (Ich habe mal ein Fragezeichen hinter „deutschen“ gesetzt, weil es natürlich bei uns auch Typen gibt, die Großdeutschland, respektive Großungarn ganz toll finden.)

        Antimagyarismus soll man thematisieren, aber nicht als relativierende und die ungarische Nation spaltende Reaktion auf einen Diskurs über Antisemitismus. Wer über Antimagyarismus reden will, sollte auch gleich mit über Antiromanismus, Antislowakismus (oder wie auch immer das heißt) reden. Oder man redet über übersteigerten Nationalismus hüben wie drüben. Dann wird noch deutlicher, dass das im Grunde alles aus einer Wurzel kommt.

        Schließlich: Wenn man den radikalen Kräften das Thema entreißen will, darf man schon mal nicht dieselbe Sprache benutzen wie sie. Universelle Minderheiten- und Menschenrechte wären dann der Referenzpunkt, nicht irgendwelche vermeintlich speziellen An- und Vorrechte einer bestimmten Nation.

      • 1. „Antimagyarismus soll man thematisieren, aber nicht als relativierende und die ungarische Nation spaltende Reaktion auf einen Diskurs über Antisemitismus.“

        Ich stimme uneingeschränkt zu.

        2. „Wer über Antimagyarismus reden will, sollte auch gleich mit über Antiromanismus, Antislowakismus (oder wie auch immer das heißt) reden.“

        Bei einer vertieften, gerade wissenschaftlichen, Auseinandersetzung wird man das automatisch tun.

        Nur: Ist es zwingend, immer „auch gleich“ (im Sinne von „gleichzeitig“) über die anderen Arten von Diskriminierung zu sprechen? Angenommen, Sie sind Magyare und werden in Bratislava verprügelt, weil Sie ungarisch sprechen. Dürfen Sie nur über Antimagyarismus sprechen, wenn Sie zugleich über den „Antislovakismus“ sprechen?

        Wie passt Ihre Forderung zu Ihrem Ansatz, dass man eine Art von Diskriminierung und Hassgefühl nicht mit einem anderen relativieren soll? So sehen Sie es beim Antisemitismus, und das zu Recht. Aber bei Erwähnung des Antimagyarismus soll man gleich alles andere miterwähnen müssen? Verstehe ich Sie richtig, ist es am Ende doch so, wie es – so Kálnoky gestern – nicht sein sollte, nämlich dass Antisemitismus eine eine gewisse Exklusivität unter den Diskriminierungen für sich beanspruchen darf? Mich überzeugt Ihr Ansatz nicht.

        Der Holocaust ist in seiner Art zweifellos einzigartig, weshalb seinen Opfern angemessen gedacht werden muss. Ohne jede Relativierung.

        Antisemitismus hingegen ist nicht einzigartig: Da gibt es noch hunderte von Diskriminierungen, die von der Denke her vergleichbar sind; Hass auf Moslems, Hass auf Christen, auf Heiden, Diskriminierung nach Nation, Herkunft, Hautfarbe, sexueller Ausrichtung, Diskriminierung von Linkshändern. Ich denke, bei allen Arten gilt, dass man es lassen sollte, als REAKTION auf Kritik an der einen Art von Diskriminierung sofort auf andere Opfer hinzuweisen. Auch hier verbietet sich jede Art von Relativierung. So spielt man nämlich Opfer gegeneinander aus, und das ist schäbig. Weil man persönliches Leid nie relativieren sollte. Ganz egal aus welcher Perspektive man argumentiert.

        Aber zurück zu Ihrer obigen Aussage: Ich stelle mit Befremden fest, dass Sie, wenn ich Sie richtig verstehe, beim Thema Ungarnhass kein gesteigertes Problem mit Relativierung haben. Wer Antimagyarismus erfährt, muss also gleichzeitig alles andere im Auge haben. Ist das nicht eine Sichtweise, die Sie bei Antisemitismus als kritikwürdig bezeichnen? Eine Sichtweise des „stellt Euch nicht so an, andere haben es auch schwer“?

        Irgendwie passt das alles nicht zusammen, finde ich. Oder verstehe ich etwas falsch, Ungarnfreund?

        Sie befinden sich mit Ihrer (scheinbaren) Auffassung in guter Gesellschaft, sie ist – was den Vergleich von Nationalsozialismus und Kommunismus angeht – Standard in Westeuropa. Daher auch der Aufruhr um das „Schwarzbuch des Kommunismus“. Und daher wird es hier noch lange dauern, den Opfern des Kommunismus eine angemessene Stellung neben den Opfern des Nationalsozialismus einzuräumen. Die Deutungshoheit haben nämlich die, die den Kommunismus nicht erlebt oder teils gar nostalgische Vorstellungen davon haben. Die Spreewaldgurke schmeckt, wen interessiert da Bautzen…

        Da fehlt genau die Sensibilität, die Sie an anderer Stelle anmahnen.

      • Antimagyarismus und Antislowakismus bzw. Antimagyarismus und Antiromanismus bedingen sich gegenseitig und schauckeln sich gegenseitig hoch, so meine These. Beide Seiten nehmen sich nicht viel. Hüben wie drüben gibt es vernünftige Menschen, die prima miteinander klarkommen, aber eben auch übersteigerte Nationalisten, die sich und den Gemäßigten das Leben schwer machen.

        Wenn einer in Pressburg ungarisch redet und deswegen angegriffen wird, wird er aus nachvollziehbaren Gründen erst mal nicht über Antislowakismus reden wollen. Aber zu einer ausgewogenen Betrachtung würde das dazu gehören. Gerade von Drittstaatlern kann man diese Ausgewogenheit meines Erachtens ohne Probleme einfordern.

        Antisemitismus wird von Deutschen zweifelsohne bis zu einem gewissen Grade „exklusiv“ wahrgenommen, keine Frage. Wie es Juden in Russland ergeht, interessiert uns aus historischen Gründen einfach mehr, als welche Probleme meinetwegen Polen und Litauer miteinander haben. (Ich wählte bewusst Beispiele außerhalb des Karpatenbeckens.) Das ist erklärbar und bietet wenig Anlass für Problematisierung.

        Wenn Sie mir überzeugend darlegen, wie sich Antisemitismus und Antimagyarismus gegenseitig bedingen und dass beide Seiten gleichermaßen „schuld“ an der Misere sind, dann will ich Ihnen zugestehen, dass man über beides in einem Atemzug reden soll. Ich fürchte aber, dass Ihnen der Nachweis misslingen wird. Das ist eine sehr schiefe Ebene. Neben der Täter-Opfer-Umkehr-Fall droht hier auch gleich noch die Blaming-the-Victim-Falle.

      • Weder ist diese von Ihnen geforderte „gegenseitige Bedingung“ notwendig, noch sehe ich mich in der Beweispflicht. Ich gehe von der Gleichheit der Menschen aus, und davon, dass jedermann gleichen Schutz vor Diskriminierung verdient. Der Grund der Diskriminierung ist ohne jeden Belang. Der Gesetzgeber stimmt mir hier übrigens zu. So lange Ihr Konstrukt der Notwendigkeit einer gegenseitigen Bedingung alles ist, was Sie für die Exklusivität von Antisemitismus ins Feld führen können, ist mir das noch nicht einmal schlüssig dargelegt. Ich bleibe bei meiner o.g. Aussage: Kein Leid einer Opfergruppe darf durch reflexartige Bezugnahme auf andere Opfer geschmälert werden.
        Aber ich glaube zu verstehen, worauf Sie hinauswollen: Antisemitismus verdient Exklusivität, weil er die Juden schuldlos trifft, während Antimagyarismus ein Phänomen sein soll, für das die Magyaren selbst die „Schuld“ tragen. Selbstredend stimme ich der zweiten Aussage nicht zu. Die Theorie von den Minderheiten, die an Diskriminierung selbst schuld sind, erinnert mich nämlich an düsterste Zeiten in der Geschichte. Und an Sippenhaft.

      • „So lange Ihr Konstrukt der Notwendigkeit einer gegenseitigen Bedingung alles ist, was Sie für die Exklusivität von Antisemitismus ins Feld führen können, ist mir das noch nicht einmal schlüssig dargelegt.“

        Drücke ich mich so unklar aus? Dafür dass Antisemitismus (auch in anderen Ländern) durch Deutsche stärker („exklusiver“) wahrgenommen wird als andere Formen der Diskriminierung, habe ich auf naheliegende historische Gründe verwiesen, die näher auszuführen sicherlich nicht nötig ist. Weiter nichts.

        Nochmals: Ich lehne es ab, über Antimagyarismus ALS REAKTION auf einen Diskurs über Antisemitismus zu diskutieren. Das riecht nach Relativierung, nach künstlicher Trennung zwischen jüdischen und anderen Ungarn. Ich finde es hingegen richtig, den Antimagyarismus UNABHÄNGIG vom Phänomen des Antisemitismus zu diskutieren, dann aber im Kontext: Es gibt übersteigerten Nationalismus diesseits und jenseits der ungarischen Landesgrenzen. Beide Seiten befeuern den Konflikt. Einseitige Schuldzuweisungen halte ich hier für fehl am Platze.

        „Aber ich glaube zu verstehen, worauf Sie hinauswollen: Antisemitismus verdient Exklusivität, weil er die Juden schuldlos trifft, während Antimagyarismus ein Phänomen sein soll, für das die Magyaren selbst die ‚Schuld‘ tragen.“

        Zum ersten Teil: Ja, ich sehe in der Tat nicht ein, dass die Juden in Ungarn den Nicht-Juden Gründe für Diskriminierung oder Verfolgung liefern würden. Der Hass der Rechtsextremen gegen Juden in Ungarn ist grund- und sinnlos. Eine Verknüpfung mit dem Phänomen der „exklusiven“ Wahrnehmung von Antisemitismus durch deutsche Beobachter erscheint mir extrem weit hergeholt. Wie oben ausgeführt, sehe ich historisch-politische Gründe dafür, dass es für die Gefahr Antisemitismus eine besondere deutsche Sensibilität gibt. Das ist eigentlich eine totale Binsenweisheit.

        Zum zweiten Teil: Nein, nicht DIE Magyaren tragen Schuld daran, dass MAN sie in den Nachbarländern nicht mag oder umgekehrt. Es sind die Unbelehrbaren auf beiden Seiten, die immer wieder Anlässe zu wechselseitigen verbalen oder gar physischen Angriffen liefern. Mal provozieren die einen, dann wieder die anderen. Im Einzelfall können auch völlig Unbescholtene, friedfertige Menschen Opfer des so erzeugten Klimas werden.

        Das war jetzt hoffentlich Erklärung genug für meinen Standpunkt, wenngleich auf ziemlich theoretischer Ebene. Fortsetzung vielleicht wieder am konkreten Beispiel. Ein solches wird sicherlich nicht allzu lange auf sich warten lassen.

    • Gibt es rechtliche Handhabe, das Pfeifen während einer Nationalhymne zu ahnden? Können Zuschauer belangt werden, wenn sie sich während einer Hymne vom Spielfeld wegdrehen? Ich schäme mich für so etwas und würde mir wünschen, dass es nicht passiert, aber es ist wirklich schwierig, hier in einem rechtstaatlichen Rahmen die richtigen Lösungen zu finden.

      Einige Sprechchöre waren klare Rechtsbrüche, die zu ahnden wäre möglich, wenn die Fanblocks videoüberwacht wären. Vielleicht kommt nun die Videoüberwachung…

    • Jener polnische Adlige, den Herr Pfeifer hier kürzlich lobend erwähnte, fände auch heute noch Lösungen, um Fußballfans zu disziplinieren.
      Würde Sie, Herr Pfeifer, die Einleitung von „operativen Maßnahmen“ gegen ungarische Fußballvereine für begrüßungswert halten?
      Vielleicht finden sich ja in Ihrem Freundeskreis noch ein paar Ehemalige, die wissen, wie ein antifaschistische Kampf geführt werden muss.
      Ich plädiere für Totalüberwachung jedes einzelnen potenziellen Störenfriedes. Um das Spielfeld ließe sich eine Mauer bauen, die dann von Sicherheitskräften mit Schnellfeuerwaffen bewacht wird. Oder wie in dem Militärgerichtssaal auf Guantanamo Bay könnte man die Spieler abgeschirmt in einem Panzerglaskäfig laufen lassen. Die Ton- Und Bildübertragung der Spiele könnte zeitverzögert an die Fernsehstationen geliefert werden.

      Warum tut Fidesz nichts? Weil Orbán sich im nächsten Wahlkampf mit den Hooligans verbünden will, Herr Pfeifer?

      (Oder damit Sie wieder ’nen Knochen zum Festbeißen haben, weil in Österreich selbst Justizia schon weggebissen wurde?)

  11. Wagt hier kein Mensch auszusprechen : es handelt sich n i c h t um Antisemitismus , sondern einfach um Antijudaismus.So ist schon durchaus mit Antimagyarismus nicht nur vergleichbar, sondern identisch. Ich sehe keine zwei Kategorien. Man sollte nicht um den Brei herumreden.
    Man kann doch nicht glauben, daß diese Fußballhooligans etwas gegen Äthiopier, Araber, Hyksos, Malteser,usw. gehabt hätten.
    Nein, es ist nicht gut, aber es gibt seit Jahrtausenden. Was man nicht vernichten kann, sollte man damit leben können,beherrschen und nicht nur den Ungarn zuschieben. Die deutschsprachige Völker ( sic!) sind natürlich nicht mit dem Virus des Antijudaismus befallen. Nein, nur die Ungar !

    • Antijudaimus ist religionsbezogene Judenfeindlichkeit („Die Juden haben unseren Christus gekreuzigt!“), Antisemitismus ist rassenbezogene Judenfeindlichkeit („Der Jude hat fremdes Blut in seinen Adern!“). Es geht dann nicht mehr um die Religion: auch Menschen, die gar keinen jüdischen Glauben praktizieren, fallen noch unter die Verfolgung. Den Rest Ihrer Ausführungen verstehe ich kaum. Aber auf ihren letzten Satz will ich noch eingehen: Deutsche und Österreicher haben aus ihrer Geschichte gelernt; Ungarn stehen damit noch am Anfang. Mit Viren hat das nichts zu tun, eher mit 40 Jahren Kommunismus, der eine echte Reflektion der Shoa und ihrer Vorgeschichte nicht zuließ.

      • Sie, ausgesprochen Sie, brauchen mich nicht über Antijudaismus, Antimagyarismus , Antisemitismus aufzuklären. ( eigentlich über gar nichts ) Sicherlich hätten Sie verstanden, wenn Sie „Äthiopier, Araber, Hyksos, Malteser,usw“ als Aufzählung von semitischen Völker gesehen hätten. Die Araber sind auch Semiten !
        Meiner Meinung nach , hat Ákos Kertész, Heller,… oder Peter Daniel den aktuellen Antijudaismus im Stadion mitverursacht.
        Ja, wer Wind säht , wird Sturm ernten- steht im alten Testament .
        Die Theorie über Verabeitung der Geschichte haben wir alle schon vor Ihnen, auch von Ákos Kertész gehört. Ja, ganz eng genommen haben nur die Westdeutschen aus der „Geschichte gelernt „und die Absuluition (Lossprechung von den Sünden) erkauft. Die Österreicher und die DDR-Bürger waren nur „Opfer “ des Nazismus.
        Da lachen ja die Hühner !

        Bitte verschonen Sie mich…

      • Oha, dass Sie da „semitische“ Völker aufzählen wollten, habe ich in der Tat nicht erkannt. Und von offenbar ins ägyptische Altertum gehörenden Hyksos habe ich noch nie zuvor gehört. Liegt vielleicht daran, dass mir das ganze Rassedenken sehr fremd ist.

        Kertész‘ Worte über die angebliche genetische Disposition der Ungarn waren sicherlich kein feiner Zug. Ich hoffe, Sie stimmen mir darin zu, dass diese Wortwahl gleichwohl ein individuelles Fehlverhalten war. Es ist wie mit der angeblichen „Zigeunerkriminalität“: Kollektive dürfen nicht für individuelles Fehlverhalten in Haftung genommen werden. Schuld ist in der Regel individuell. Gilt übrigens auch für die gemäß Umfragen in Ungarn stärker als in anderen Ländern verbreiteten rechtsextremen Ansichten.

        Was Sie über Österreicher und DDR-Bürger erzählen, kann ich nicht nachvollziehen. Meine Ansicht ist: In der DDR gab es keine echte Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Die NS-Verfolgung von Kommunisten stand in der von oben verordneten DDR-Geschichtspolitik einseitig über allen anderen Opfergruppen. Auch deshalb sind rechte Gesinnungen bis heute in Ostdeutschland stärker verbreitet als in Westdeutschland. Was Österreich angeht, meine ich, dass die früher dort weit verbreitete Ansicht, dass Österreich das „erste Opfer“ der Nazis war und sonst nichts, dort heute nicht mehr Mehrheitsmeinung ist.

        Stimmen Sie zu? Oder welche Hühner lachen hier?

  12. an Ungarnfreund – 22. August 2012 um 22:29

    Was mir einfach auf den Keks geht, dass Deutschen Großungarn und Großdeutschland ständig gleichstellen. Das betrifft sogar einige Deutschen Historiker, die darüber schreiben dass das mittelalterliche Ungarn die Slowakei etc. inbegriffen hat. Die Geschichte muss aber nicht von Vorne nach Hinten, sondern von Hinten nach Vorne gelesen werden. Das ist nicht die Frage der Chauvinismus, lieber Ungarnfreund, dass ist die Frage der Intelligenz. Aus dieser Perspektive gesehen gibt es kein Großungarn, es gibt nur Kleinungarn, und das haben wir heute. Damit müssen wir, Ungarn, zurecht kommen.
    Es wurde nichts unternommen, damit wir diese Grenzen einfacher akzeptieren können: Ungarn wurde für einen Krieg bestrafft bei dem das Land keine Entscheidungsbefugnisse hatte. Man sprach über die Selbstbestimmungsrecht der Völker, aber weder das Volk wurde gefragt, noch die ethnische Grenzen wurden berücksichtigt. Die Region wurde politisch instabiler als zu vor, wirtschaftlich hinkte sie zunehmend den Westen nach, und – ich weiß dass ein richtiger Europäer langweilt dieser Thema- in der letzten 90 Jahren hat eine dramatische ethnische Homogenisierung stattgefunden, was präzedenzlos in der Geschichte des Karpaten-Beckens ist.
    Die Krönung von allem ist, dass wir trotzdem das Buhland der Region blieben. Sie, der Freund von Ungarn sind, sind so nett zu erwähnen, dass auch die Nachbarnländern dafür verantwortlich sind. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in dieser Region nicht alle Völker einander hassen. Österreich, Slowenien und Kroatien hat hervorragende Beziehung zu Ungarn, obwohl alle diese Länder ein Stück aus dem UngarnKuchen abgekriegt haben. Auf das Dreiergrenze Slowenien -Österreich-Ungarn ein mehrsprachiger Schied ruft zur Verständigung unter der Völker. Auf der Brenner Pass, an der Österreich- Italienische Grenze gibt es auch ein mehrsprachiger Schild, auf dem es erklärt wird, dass Süd Tirol nie Italien war. Österreich und Slowenien können sich nicht mal über die Zweisprachige Tafeln einigen, Slowenien hat lange Kroatiens EU-Aufnahme wegen einer territorialen Diskussion blockiert. Aber alle diese Länder werden nicht mal insgesamt so oft mit Nationalismus bezichtigt als Ungarn.
    Aber ist ok, die Welt ist halt nicht vollkommen. Könnten Sie auch unsere Unvollkommenheit tolerieren, dass wir die Karte von Historischen Ungarn mögen? Ich meine, die ist nur ein Symbol, dagegen müssen wir die Realität tolerieren. Denken Sie daran was in einer ähnlicher Situation ein amerikanischer Diplomat gesagt hat: “wenn einem die Zähne ausgeprügelt werden, dem darf man nicht verbieten Falschzähne zu tragen” Ist das wirklich so schwer so viel Empathie aufzubringen, lieber Freund?

    • An Barang: Sie haben vollkommen Recht damit, dass die Ungarn mit „Kleinungarn“ klarkommen müssen. Die Deutschen auch mit „Kleindeutschland“, die Österreicher mit „Kleinösterreich“, die Tschechen mit „Kleintschechien“, die Polen mit „Kleinpolen“, die Schweden mit „Kleinschweden“ und die Serben mit „Kleinserbien“. Die meisten Staaten waren irgendwann in ihrer Geschichte mal größer, als sie heute sind.

      Dass Ungarn keine Nationalitäten-Probleme mit Österreich, Slowenien und Kroatien hat, liegt einfach daran, dass die dortigen ungarischen Minderheiten so klein sind. In Kroatien sind es 50.000, in der Slowakei 500.000. Das sind bedeutende Unterschiede. Jede Minderheit soll Minderheitenrechte genießen können, aber man wird die Mehrheit nicht davon überzeugen, wenn man als Minderheit zu aggressiv auftritt.

      Ihre Großungarnkarten sind, mit Verlaub, nicht zum Aushalten. Ich habe eine regelrechte Allergie dagegen. Wer sich sowas hinhängt, muss sich fragen lassen, warum es eigentlich besser gewesen sein soll, als Ungarn über Slowaken, Kroaten, Rumänen usw. herrschten als heute, wo es bis zu einem gewissen Grade umgekehrt ist.

      Woher kommen denn die ungarischen Ansprüche, die man je nach politischer Einstellung entweder wütend einfordert und „großzügig“ hinten anstellt, aber trotzdem im Hinterkopf behält. Die Landnahme fand nicht in einem leeren Gebiet statt, Stephan war nicht nur Wohltäter, der Abwehrkampf gegen die Osmanen wäre ohne Habsburg nicht denkbar usw.

      Außerdem leben wir heute in einem vereinigten und immer enger zusammenwachsenden Europa; die Bedeutung von Staatsgrenzen ist in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken. Es kommt immer weniger darauf an, wie das Staatsgebilde heißt, in dem man jeweils lebt.

      • „Jede Minderheit soll Minderheitenrechte genießen können, aber man wird die Mehrheit nicht davon überzeugen, wenn man als Minderheit zu aggressiv auftritt.“

        Wenn diese Aussage für alle Arten von Minderheiten gilt, dann stehen Sie kurz vor der Aufnahme in die CSU 🙂

      • „Wer sich sowas hinhängt, muss sich fragen lassen, warum es eigentlich besser gewesen sein soll, als Ungarn über Slowaken, Kroaten, Rumänen usw. herrschten als heute, wo es bis zu einem gewissen Grade umgekehrt ist.“

        Was soll die Frage, warum es besser gewesen sein soll, als Ungarn über Slowaken, Rumänen usw. herrschten?

        Wann herrschten denn in Ungarn die Ungarn?

        Das königliche Ungarn kam im 16. Jahrhundert unter habsburgische Herrschaft, ein großer Teil des Landes und auch das Fürstentum Siebenbürgen war unter osmanische Oberhoheit. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die nur kurze Zeit dauernde Herrschaft der Ungarn über Slowaken, Kroaten und Rumänen ]:) mit Hilfe Russlands und unter Berufung auf die „Heilige Allianz“ blutig niedergeschlagen.
        Dem großen Freund der Ungarn scheinen die basics nicht ganz világos zu sein.

        Oder dachte er an die Zeit nach dem Ausgleich 1867, als Ungarn gleichberechtigter Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn war?

        Wann herrschten jemals Ungarn in Ungarn?

        Es geht ja in Ordnung, dass nach dem 20. August das Korn gedroschen wird, das bis dahin eingefahren wurde. Soll Ungarnfreund doch sein leeres Korn dreschen. Seine Rede ist so wohltönend wie nichts sagend.

        Als Deutschtümler misst er sich wohl nur noch an Karl Pfeifer?

      • „Kleindeutschland“:D)) was ist dann Groß? wenn auch Paris dazu gehört? Kann nicht sein dass eigentlich Sie iwas in der Hinterkopf haben?

        Ihre Meinung zur Minderheiten ist entzückend. Wenn Sie wirklich das meinen was Sie geschrieben haben, sie haben große Möglichkeiten vor sich bei der Jobbik.

        Was die ungarische Herrschaft angeht:
        *Die Slowaken haben 1000 Jahre lang in der ungarischen Königreich gelebt. Die Ungarn in der Slowakei werden voraussichtlich nicht mal 200 Jahren überleben.
        *Kroatien war 700 Jahre lang in Personalunion mit Ungarn. Nach 700 Jahren gestärkt sind sie ausgestiegen, selbstverständlich haben ihre Sprache und Identität noch gehabt. Ähnliches passierte auch anderswo in Europa, fehlt mir gerade nicht ein wo. Könnten Sie mir weiterhelfen?
        *die Rumänen sind Massenhaft vor ihren eigenen Boiaren nach Ungarn geflüchtet. In Siebenbürgen haben sie Schutz bekommen, dafür mussten sie nicht mal ihre Religion aufgeben. Wäre es damals auch in Westen möglich gewesen?

        um ehrlich zu sein, habe ich nie eine Großungarnkarte besitzt. Ich konnte weder die Faszination dafür, noch die Empörung darüber nachvollziehen. Aber Sie überzeugen mich zunehmend dass man iwie signalisieren soll, dass diese Art Status quo fetischistische Geschichteverzerrung und Ignoranz nicht akzeptiert. Was wäre besser dafür geeignet, als eine Großungarnkarte?

      • Wie lange war Ungarn „Groß“und seit wann ist der mitteleuropäische Fleckerlteppich eine Einheit?

      • Wenigstens unterhalte ich Sie alle schön.

        HV, das mit der CSU verstehe ich jetzt wirklich nicht.

        Herche werde ich auch nie verstehen: Hat seine Ungarnliebe was mit Selbsthass zu tun? Lässt er dem Objekt seiner Liebe alles durchgehen, was er zu Hause nicht leiden kann? Wenn einer Ungarntümelei kritisiert, wird ihm das sogleich als Deutschtümelei angelastet — da lachen jetzt wirklich mal die Hühner.

        Barang, das mit Jobbik müssen Sie mir erklären. Wo frühere deutsche Grenzen mal verliefen, werden Sie doch wohl wissen. Ich finde, dass man ihnen genauso wenig hinterhertrauern soll wie früheren ungarischen Grenzen. Klingt das für Sie nach einem Aufnahmeantrag bei Jobbik? Wer weiß, wielange die Slowaken der aggressiven Magyarisierung nach 1867 noch widerstanden hätten, wenn es Trianon nicht gegeben hätte. Sie suchen nach einem weiteren Beispiel für eine Minderheit, die sich selbst behauptet hat? Nehmen Sie die Siebenbürger Sachsen, war aber nur mit extremer Abkapselung zu erreichen. Hängen Sie sich doch mal eine Deutschlandkarte von 1937 oder 1871 hin. Aber erwarten Sie nicht, dass ich daneben stehen und um Verständnis für Ihr Tun werben werde.

        An Frau Széchenyi: Ungarn war vor Trianon größer als danach. Aber vielleicht vermissen Sie ja irgendeine andere als die rein als geografische Größe? Wo Mitteleuropa liegt, ist eine Frage, auf die es sehr viele unterschiedliche Antworten gibt. Die EU ist jedenfalls einmalig in der Geschichte unseres Kontinents. Soviel Freiheit und Einheit war noch nie.

  13. Sind an allem Unglück der Ungarn andere schuld?

    Ist der Hinweis darauf, dass es auch anderswo Antisemitismus gibt, genug um zu verstehen, warum die ungarische Regierung sechs Tage brauchte, um zum Skandal beim Ung.-Isr. „Freundschafts-Match“ etwas zu sagen?
    Müssen die „bösen“ Ausländer (insbesondere Deutsche und Österreicher) Verständnis für die ungarischen Nazi aufbringen, die in schwarzen Uniformen in Roma Wohngegenden marschieren? Gibt es da nicht Gesetze und einen Friedensvertag, die das grassieren von Nazi in Ungarn verbieten?

    • „Ist der Hinweis darauf, dass es auch anderswo Antisemitismus gibt, genug um zu verstehen, warum die ungarische Regierung sechs Tage brauchte, um zum Skandal beim Ung.-Isr. “Freundschafts-Match” etwas zu sagen? „

      Herr Pfeifer, Sie haben auch erst 3 Tage nach dem Vorfall darüber berichtet. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Ereignisse im Stadion am Anfang nicht allgemein bekannt waren. Erst durch einen Blogeintrag und die eingebundenen privaten Videoaufnahmen wurde dokumentiert, was in einem Sektor des Stadions passiert ist. Dieser Blogeintrag wurde 2 Tage nach den Ereignissen ins Netz gestellt. Dann hat es weitere Tage gedauert, bis die Ereignisse in die herkömmlichen Medien kamen und dadurch allgemein bekannt wurden.

    • Ja, so ist das (manchmal „leider“) mit der Versammlungsfreiheit. Die gilt auch für Gesindel. Aber was wichtiger scheint: Es war abermals die Polizei (wir erinnern uns: das ist die, die unter Kontrolle der angeblich nazifreundlichen Fidesz-Partei stehen soll), die den Nazi-Aufmarsch verbot. Und dann kommt ein unabhängiges ungarisches Gericht daher und hebt diesen Beschluss auf.

      Ich weiß schon wieder, wer schuld ist. Orbán! Weil er die Richter ausgetauscht hat. Und deswegen lässt er Anträge von „seiner Polizei“ stellen, die dann von „seinen RIchtern“ abgelehnt werden. Clever, dieser Mann. 🙂

      Scherz beiseite. So ist das in der Demokratie. Gab es 2012 auch in Deutschland. Und zwar Bayern, Hessen und Hamburg. Ein paar Monate bzw. Wochen ist das gerade her.

      Und bevor Sie mir diese Vergleiche vorwerfen: Vergleichen ist legitim, schrieb Karl Pfeifer. Sehe ich auch so. Schließlich sollte einem EU-Land nicht vorgeworfen werden, was in einem anderen auch passieren kann, ohne die ausländischen Berichterstatter in Unruhe zu versetzen.

      Die Entscheidung des Gerichts sollte (bis sie aufgehoben wird) respektiert werden, genau so wie eine ENtscheidung des EGMR zu respektieren ist (so appellierten Sie doch), die das Tragen des Roten Sterns erlaubt. Respekt gegenüber Gerichtsentscheidungen sollte nicht von der persönlichen Sichtweise im Einzelfall abhängen. Oder etwa doch?

    • Die Polizei hat entschlossenes Auftreten gegen jeden Rechtsbruch in Aussicht gestellt. Ich bin gespannt…

      Übrigens: das beeindruckende Bild von einem Naziaufmarsch in Budapest, das im von Herrn Pfeifer verlinkten Artikel zu sehen ist, ist noch unter der Regierungszeit von Ferenc Gyurcsány und seinen „Sozialisten” entstanden.

  14. Ungarnfreund
    22. August, 21.31

    Urlaubsbedingt habe ich erst heute Ihren Kommentar gelesen. Ich muss zugeben, mir feht auch jegliches Bewußtsein, dass meine Nation im 2. Weltkrieg und im Holocaust zu den Tätern gehört haben soll. Komplett! Nämlich deshalb, weil ich heute lebe, und nicht verantwortlich dafür bin, was Generationen vor mir getan haben. Nach Ihrer Argumentation und Ihrer Logik könnten die meisten Menschen das Haus gar nicht verlassen, ohne sich ständig Asche aufs Haupt zu streuen.

    • Darauf gibt es eine einfache Antwort: Als Nachgeborene sind wir nicht für die Vergangenheit verantwortlich, aber vor dem Hintergrund der Geschichte haben wir eine besondere Verantwortung für die Zukunft. Das hat nichts mit Asche auf dem Haupt zu tun. Es würde eher von Reife zeugen, die Fehler früherer Generationen als solche zu erkennen, statt sie zu verleugnen. Ungarn hatte zweifellos Anteil an der deutschen Aggression im Zweiten Weltkrieg und natürlich auch am Holocaust. Gehen Sie mal in das Gedenkzentrum in der Budapester Pava utca. Da bekommen Sie das gezeigt. Dafür sind die heutigen Ungarn nicht verantwortlich, aber für den Umgang mit dieser Vergangenheit schon.

  15. Wer sich nicht mit der Vergangenheit beschäftigt, wird nicht aus ihr lernen.
    Menschen mit einer herangehensweise, wie Sie es beschrieben haben erhöhen die Gefahr, dass sich die Verbrechen der Vergangenheit wiederholen.

  16. Neues Buch, eine Empfehlung:
    Heinz Nawratil:,,Der Kult mit der Schuld“
    >>Die Geschicte dagegen lehrt, dass alle großen Verbrechen
    zwischen Völkern immer von Politikern und niemals von den
    Völkern begangen wurden.<<

  17. Die Hühnen lachen mit ha-ha-ha ! „dass diese Wortwahl gleichwohl ein individuelles Fehlverhalten war.“ Die können und wollen ungarisch lesen:
    z.B. :Spiró György: Jönnek

    Jönnek a dúlt-keblü mélymagyarok megint,

    füzfapoéták, füzfarajongók, jönnek a szarból,

    csönd van. Senki se pisszen. Alantról

    kevéske hűlt költő csontujja int.

    Ó, ha gyilkolni szabadna újra,

    csámcsogva, hersegve szívnák a vért –

    miért is? ki tudja. Trianonért? –

    mered pár utcanév pici csontujja.

    Ez olyan klima: itt folyton beborul,

    ez rendben van, de szégyen, szégyen, szégyen,

    hogy mindenki kussol, hogy mindenki fél,

    és nekünk kell jönnünk, pár csenevésznek,

    hogy bebizonyitsuk:

    nemcsak a szemetek tudnak magyarul.

    1984

    Oder:Mi sokkal jobban gyűlölünk benneteket, mint ti minket!“ Ezt Kornis Mihály írta az Élet és Irodalom hasábjain.

    Oder: Így gondozd a magyarodat.
    Kis segítség magyartartóknak

    – A magyar géniusznak két archetípusa van. A bartók és a puskás. A bartók sovány, a puskás kövér.
    – A magyarod élete lokális, szerelme globális. Mit akar ezekkel a magyarokkal? Was für ein magyar?
    – A csokorba kötött magyart szétbontjuk, és éles késsel ferdén visszavágjuk. Kivétel a fásszárúak, mert azokat törjük vagy kalapáccsal zúzzuk.
    – Nehogy megrohadjon a magyar. Az összement magyart a savó leöntése és Trianon után túrónak használhatjuk…
    – A magyar emlõs. Egy magyar nem csinál nyarat.
    – A magyar a sötét, ahová Európa ugrik.
    – A magyar az új nincs. Az új semmi. Az árnyék.
    – Ki tartson magyart? Kezdõ magyarbarát inkább kanmagyart tartson, ne szukát! Tanácsosabb fajtiszta magyart beszerezni, mint valami bizonytalan származású magyart.
    – Öreg magyart ne vegyünk! A magyart következetesen dicsérjük vagy dorgáljuk! Lágy, barátságos hang: jól van, jó magyar, illetve keményen, határozottan: pfuj, magyar, helyedre!
    – A sárgamagyar… a tágasság érzetét kelti. A narancsmagyar….mámoros. A vörösmagyar….meleg. A jómagyarember…. az már a járásáról megismerszik. Mint komor bikáé. Levegõt minden magyar igényel, de nem huzat formájában. A Kárpát-medence huzatos.
    – A magyar a tartós fogyasztási cikkek kategóriájába tartozik.
    – Olcsó magyarnak híg a leve!

    Esterházy Péter

    Wie haben Sie so tief schön gesagt: „individuelles Fehlverhalten war.“

    Wissen Sie was diese „individuelle Meinungen “ gemeinsam haben ? Ich helfe : fängt mit individuell an.

    Ja, die Österreicher waren und sind Opfer wie die Rosi im Sperrbezirk. Ha.ha.ha !

  18. Herr Hercher,
    „Antisemiten mit Dicken zu vergleichen“…
    Also was könnte Ich noch dazu sagen?
    Keine weiteren fragen.
    Ich habe das Gefühl das ich mich mit ein 15 Jährige Teens unterhalte wenn ich ihre Zeilen lese.

  19. an Ungarfreund – 24. August 2012 um 22:26

    Ich denke auch, dass wir beide diese Karten kennen. Deswegen verstehe ich Sie nicht. Sie wissen genau so wie ich, dass “Kleindeutschland” in der ungarischen Sinne ca. den ehemaligen DDR entsprechen würde. Die anderen Beispielen sind noch schlechter, was meinen Sie z.B. mit Kleintschechen?

    Mit dem Jobbik meine ich, dass normaleweise rechtsradikale Parteien die Minderheiten als aggressiv beschreiben, und die Minderheitsrechte von ihren “Verhalten” abhängig machen. Dagegen ich denke, die Ungarn in der Slowakei sollte erlaubt werden, dass mit ihren ungarischen Arzt ungarisch reden, unabhängig davon, wie “aggressiv” ihre politische Parteien für diese Rechte kämpfen. (Ich verstehe auch nicht ganz, was Sie unter Aggressivität verstehen: wie würden Sie dann das Verhalten der Südtiroler beschreiben?)

    Ich denke die ungarische Minderheit würde sich freuen wenn sie die freundliche Unterstützung der (Tschecho)Slowakei gegenüber den aggressiven Assimilationsverhalten der Ungarischen Königreich eintauschen könnten. Nehmen Sie mal einmal die Mühe, das Minderheitsgesetz von 1868 zu lesen. Es reicht vielleicht auch, wenn Sie mal ein bisschen nachdenken: in der nationalistischen Periode Ungarns van ca. (1830-1920) hat der Anteil der Ungarn in der Ungarischen Königreich von etwa 48% auf 55% geklettert. In der letzten 90 Jahren (1920-2010) hat der Anteil der Slowaken in der heutigen Slowakei von 44 auf 90 % zugenommen.

    Ich denke, Sie haben Recht, außer der Ungarischen Königreich finden Sie keine weitere Beispiele, dass Minderheiten über Jahrhunderten ihre Identität aufrecht halten können. Aber das untermauert ihren Bild über das super nationalistischen Unterdrückung in Ungarn nicht wirklich, oder?

    Sie argumentieren ein bisschen wie Meister Pangloss aus dem Candide. Dagegen, ich denke in dieser Welt gibt auch Ungerechtigkeiten. Jedoch, es kann der Anfang der Versöhnung sein, wenn man das zugibt. Unabhängige Beobachter (wie die Deutschen in diesem Fall) könnten damit anfangen.

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