Fall Csatáry: Verurteilung aus dem Jahr 1945 in Pécs ist Falschinformation

In den vergangenen Tagen wurden zunächst über die ungarische, sodann über die deutsch- und englischsprachige Presse Meldungen verbreitet, wonach der in Ungarn unter Hausarrest stehende mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry bereits im Jahr 1945 von einem Gericht in der ungarischen Stadt Pécs (Fünfkirchen) zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt worden sein soll.

Den Anfang machte die ungarische Wochenzeitung HVG am 19. August 2012. Bereits einen Tag später trug der Pester Lloyd die Nachricht über die vermeintliche Verurteilung in den deutschsprachigen Leserkreis weiter, auch das „Schwäbische Tagblatt“ berichtete. Auch das Portal politics.hu griff das Thema, in englischer Sprache, auf. Weitere Medien berichteten international. Die Verurteilung des Jahres 1945 wurde insoweit in zweierlei Hinsicht diskutiert: Einerseits als Beleg dafür, dass die aktuell vom „Nazijäger“ Efraim Zuroff gegen Csatáry vorgebrachten Anschuldigungen, die die Ermittlungen auslösten, zutreffend seien. Andererseits warf die angebliche frühere Verurteilung Fragen bezüglich des rechtsstaatlichen Grundsatzes auf, wonach niemand wegen ein und derselben Straftat zweimal verurteilt werden darf (ne bis in idem). Eine solche, identische Vorwürfe betreffende Verurteilung stünde einem neuerlichen Prozess möglicher Weise entgegen.

Die Meldung von der Verurteilung in Pécs stellte sich nun als „Ente“ heraus. Csatáry wurde, wie der vom oppositionsnahen Fernsehsender ATV interviewte junge Rechtswissenschaftler Ádám Gellért nach Rückfragen in Pécs und bei der von der HVG angegebenen Quelle herausfand, in Pécs weder angeklagt noch verurteilt. Gellért betonte in einem längeren Interview, er sei mittlerweile „sehr vorsichtig“, was Pressemeldungen angehe. Er berichtet, dass der von HVG als Quelle zitierte Historiker Zoltán Balassa einen Beitrag im Nachrichtenportal felvidek.ma verfasst habe. In diesem wies Balassa auf einen (Zitat) „tendenziösen“ Artikel der kommunistischen Parteizeitung Východoslovenská Pravda vom 24.06.1945 hin, in dem behauptet worden war, dass László Csatáry in Veszprém festgenommen worden sei. Das Blatt hatte gefordert, Csatáry müsse wegen seiner Verbrechen in Kaschau vor den Volksgerichtshof gestellt werden. Ferner zitiert Balssa aus den Memoiren von Artúr Görög, einem Mitglied des Kaschauer Judenrates, der 1960 darüber geschrieben hatte, dass Csatáry seiner Meinung nach 1945 in Pécs verurteilt worden. In beiden Fällen handelte es sich um Mutmaßungen.

In der HVG wurden sodann beide Annahmen als Tatsache abgedruckt. Balassa Zoltán teilte sodann auf Nachfrage von Gellért, der sich aktiv mit dem Fall Csatáry befasst, mit, er habe eine solche definitive Aussage gegenüber HVG nie getätigt. Gellért zeigte sich erstaunt darüber, dass kein Journalist sich in den Archiven des ungarischen Komitats Baranya (Pécs ist die Bezirkshauptstadt dieses Komitats) informiert zu haben scheint. In den Archiven werden bis heute die Verfahrenslisten der kommunistischen Staatsanwaltschaft und des Volksgerichtshofes verwahrt. Gellért schildert weiter, er habe die Archive mit Hilfe der dort täigen Personen gesichtet und herausgefunden, dass es seinerzeit weder eine Anklage noch eine Verurteilung gegen Csatáry gegeben habe.

Folglich steht eine frühere Verurteilung der Einleitung eines erneuten Strafverfahrens nicht entgegen. Zugleich kann auf seinerzeitige Feststellungen nicht zurückgegriffen werden.

Die neuerliche „Zeitungsente“ ist nicht die erste im Fall Csatáry. Bereits vor 2 Wochen stellte sich heraus, dass die – auch in deutschen Zeitungen verbreitete – Behauptung, der Beschuldigte habe bereits 1941 an Deportationen aus Kaschau in die Ukraine mitgewirkt und mehrere hundert Juden der deutschen SS ausgeliefert (Massaker von Kamenec-Podolsk), unzutreffend war. Csatáry war seinerzeit als Polizeibeamter in Kecskemét stationiert. Die Ermittlungen wurden in diesem Punkt eingestellt.

Das Interview mit Ádám Gellért:

http://atv.hu/cikk/video-20120823_gellert_adam

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37 Kommentare zu “Fall Csatáry: Verurteilung aus dem Jahr 1945 in Pécs ist Falschinformation

  1. Gut dass ATV die Arbeit macht, welche eigentlich Aufgabe der königl. TV Sender sein sollte.
    Es ist auch gut, dass dort auch Regierungssprecher, bzw. prominente Fideszfunktionäre zu Wort kommen.
    Gestern wurde in „Egyenes Beszéd“ der Budapester Oberbürgermeister Tarlós gefragt. Er hat eine ganz eindeutige Aussage gemacht über das Csurka Stück „Der sechste Sarg“.

    • Warum ist es die Aufgabe der „königl. TV Sender“, Falschmeldungen privater Zeitungen zu korrigieren?
      Und warum haben Sie es denn so eilig, zum nächsten Thema zu gelangen, Herr Pfeifer? Ist Ihnen die neuerliche Ente im Fall Csatáry etwa unangenehm, weil es ein durchwachsenes Bild auf die Arbeitsweise Ihrer Zunft wirft? Etwa zeigt, dass man voneinander abschreibt, anstatt sich selbst zu informieren?

      • HV Sie meinen also, weil ich Journalist bin, soll ich die Verantwortung dafür tragen, wenn irgendwelche Journalisten in Ungarn abschreiben, anstatt sich selbst zu informieren und glauben tatsächlich deswegen eine ganze „Zunft“ dafür haftbar machen zu müssen.
        In den USA sind jetzt zwei führende Schreiber bei einem Plagiat erwischt worden.
        Ich bin seit 1979 Journalist und mir wurde in diesen letzten 33 Jahren einiges vorgeworfen, aber Plagiat gehört nicht dazu.

        Und wieder einmal haben Sie mich gründlich mißverstanden. Ich fand es lobenswert, dass Sie auf ATV Sendungen aufmerksam machen. Ich empfinde, dass ATV so arbeitet, wie man das von einem öffentlich-rechtlichen Medium erwartet. Die Skandale bei den königl. Medien in Ungarn gibt es. Ich denke da z.B. an eine krude Manipulation einer Daniel Cohn Bendit Pressekonferenz in Budapest und an das Herausschneiden des Bildes eines ehemaligen Richters.

      • Sagte ich, Sie trügen die Verantwortung der Pfuscher in Ihrer Zunft? Nö. Auch dass ich die gesamte Zunft haftbar machen wollte, sagte ich nicht.
        Diese von Ihnen so gern benutzten Sätze wie „Sie meinen also…“ oder „Sie glauben tatsächlich…“ sind lähmend, ermüdend. Oder gehört es neuerdings zum journalistischen Stil, dem Gegenüber etwas unter zu jubeln, Und wenn er nicht widerspricht, dann trifft es zu? Ich weiß, dass es Ihre Strategie ist. Aber ist das journalistisches Handwerkszeug? Klären Sie mich auf.

  2. HV ja Sie haben recht. Es heißt A hatodik koporsó. Der sechste Sarg.
    Die Lektüre dieses Stückes ist all jenen empfohlen, die versuchen Csurka einen Persilschein zu gewähren. In erster Linie stellv. Parlamentspräsident Sándor Lezsák, der erst im Mai Csurka einen solchen verliehen hat und Csurka bestätigte frei von Antisemitismus zu sein.
    Sie schrieben: „Herr Pfeifer? Ist Ihnen die neuerliche Ente im Fall Csatáry etwa unangenehm, weil es ein durchwachsenes Bild auf die Arbeitsweise Ihrer Zunft wirft? Etwa zeigt, dass man voneinander abschreibt, anstatt sich selbst zu informieren?“
    Ich hätte darauf hinweisen können, dass ich in hvg noch nie publizierte und die Journalisten, die abgeschrieben hatten nicht kenne und auch nie etwas von ihnen gelesen habe.
    Nehmen wir an, ich würde in Ihrem Stil von der Zunft der Rechtsanwälte
    weil e i n Rechtsanwalt eine Linke gedreht* hat, schreiben, „die Zunft nimmt es mit den Gesetzen nicht immer ganz genau, kein Wunder, dass viele von Rechtsverdrehern sprechen“,
    Dann würden Sie mir – mit Recht wie ich meine – ein unzulässiges Pauschalurteil vorwerfen. Denn was haben die hart arbeitenden ehrlichen Rechtsanwälte damit zu tun? Gar nichts.
    Da Sie mich fragten, mich angesprochen haben, reagierte ich. Wenn Sie nicht ausdrücklich mir zwei Fragen gestellt hätten, dann hätte ich auch keine Stellung bezogen.

    * Eine Linke drehen bedeutet im österreichischen Sprachgebrauch „etwas Unrechtmäßiges tun“

    • Herr Pfeifer, Sie haben mir den Sonntag heiter gestaltet. Danke dafür.

      „Nehmen wir an, ich würde in Ihrem Stil von der Zunft der Rechtsanwälte weil e i n Rechtsanwalt eine Linke gedreht* hat, schreiben, “die Zunft nimmt es mit den Gesetzen nicht immer ganz genau, kein Wunder, dass viele von Rechtsverdrehern sprechen”,
      Dann würden Sie mir – mit Recht wie ich meine – ein unzulässiges Pauschalurteil vorwerfen. Denn was haben die hart arbeitenden ehrlichen Rechtsanwälte damit zu tun? Gar nichts.“

      Ein netter Vortrag, mit nur einem Schönheitsfehler: Pauschalurteile zu fällen, gehört zu Ihrem Standard-Repertoire. Oder haben Sie nicht – mit Magdalena Marsovszky – Fidesz undifferenziert als völkische Partei bezeichnet? Haben Sie nicht behauptet, Fidesz habe im Wahlkampf 2010 Antisemitismus eingesetzt?

      Und haben Sie – um auf die Anwaltschaft zurück zu kommen – nicht versucht, die Funktion László Grespiks im Vorstand der Budapester Anwaltskammer mit den Worten „Und was soll man über die Budapester Anwaltskammer denken, die einen László Grespik zum Vorstandsmitglied hat?“ der gesamten Kammer, also auch den „hart ehrlich arbeitenden“ Anwälten jedenfalls mit anzukreiden? Es dürfte klar sein, dass bei weitem nicht alle Anwälte in Budapest Gespik gewählt haben.

      Sie erlauben, dass ich amüsiert bin, wenn Sie mich über Pauschalurteile belehren.

      Aber wir wollen nicht destruktiv sein. Ich sprach von einem durchwachsenem Bild Ihrer Zunft. Das beinhaltet bereits die Aussage, dass es nicht alle sind. Was Sie betrifft, fand und finde ich es nur bemerkenswert, wie schnell Sie das Thema wechseln wollen, bloß weg von dieser Falschmeldung über Csatáry. Stattdessen kommen Sie mit Ihrem Standard-Argumenten: Da fliegt plötzlich Lezsák im Raum herum, und auch Cohn-Bendit und die damals unsäglichen Dinge im MTV müssen nochmals eigens betont werden. Und natürlich darf auch Eva Baloghs „Schmankerl“ zu Csurka nicht fehlen.

      Hat alles nichts mit dem Fall Csatáry zu tun, aber es macht ja nichts…

  3. HV interessant, bei Grespik habe ich wirklich gestaunt, wie ein Mann, den ich auf ungarisch als „meghibbant“ (gestört) charakterisieren würde, Staatssekretär, beauftragter Kommissar für Budapest (erste Orbán Regierung) und dann Vorstandsmitglied der Rechtsanwaltskammer werden konnte. Auch wenn nicht alle ihn gewählt haben, wirft das doch ein Licht auf die Zustände in Ungarn.
    Ich bin seit vielen Jahren Mitglied des Journalistenklubs Concordia und glaube nicht, dass eine Person vom Kaliber des Herrn Grespik bei uns Vorstandsmitglied hätte werden können.
    Immer klarer wird es, dass Fidesz eine völkische Partei wird, ich habe das mit vielen Fakten belegt und auch Magdalena. Marsovszky hat das getan. Der Nyirö Skandal und jetzt die Möglichkeit, dass ein antisemitisches Stück an einer städtischen Bühne in Budapest gezeigt werden könnte, weisen in diese Richtung. Tatsache ist auch, dass Fidesz sich bei den letzten Wahlen von István Csurka hat unterstützen lassen. Ich habe jetzt keine Texte aus Fidesz nahen Medien genannt, die auch meine Behauptung belegen.
    Ich pflege meine Behauptungen mit Fakten zu stützen. Und ich habe nachweislich wegen der allzu großen Toleranz, welche die MSZP-SZDSZ Regierung gegenüber den Rechtsextremisten gezeigt hatte, die genauso kritisiert, wie ich jetzt Fidesz kritisiere.
    Es stimmt, Csurkas sechster Sarg hat nur indirekt damit zu tun, dass in Ungarn auch zur Zeit der links-liberalen Koalition ein Mann wie Csatáry leben konnte, ohne dass die Behörden nachgeschaut hätten, wer er ist.
    Und Eva Baloghs Artikel über den „Sechsten Sarg“ und die Tatsache, dass Ungarisch lesende Interessenten das Stück herunterladen und selbst lesen können finde ich sehr lobenswert. Denn es lohnt nicht, über etwas zu diskutieren, was man nicht gelesen hat.
    Abschließend freue ich mich wenn ich Ihre Laune verbessern kann, denn ich habe das Gefühl, dass es leider in Ungarn nicht besser wird. Hoffentlich irre ich mich, aber die unorthodoxe Wirtschaftspolitik bringt nicht die Resultate, welche von den Herren Orbán & Matolcsy angepriesen werden.

      • Istvan Jung, ich spreche nie ex cathedra. Aber können Sie – Hand aufs Herz – einfach alles was ich schreibe, damit wegschieben?
        Was halten Sie zum Beispiel davon, dass bei der Gründung der „Ungarischen Garde“ vor dem Palast des ungarischen Präsidenten die Fidesz Abgeordnete Maria Wittner eine Rede gehalten hat?
        Glauben Sie, dass ein demokratischer Staat – so wie es in Ungarn in der Praxis ausschaut, wo verschiedene Milizen landauf, landab marschieren – noch lange demokratisch bleibt, wenn er aus das Gewaltmonopol verzichtet?
        Als was soll man das vorführen wollen eines kruden antisemitischen Stückes (István Csurka: Der sechste Sarg) verstehen?

  4. „Immer klarer wird es, dass Fidesz eine völkische Partei wird“

    Irgendeinen Zusammenhang zwischen diesem Satz und der Wirklichkeit kann ich mit bestem Willen nicht erkennen.

  5. Hv Tarlós hat gesagt, dass das Ende dieses Stückes inakzeptabel ist. Er hat aber nichts davon gesagt, dass dieses Stück nicht aufgeführt wird.
    Ich denke, wenn irgendein Sumper mit solch einem Machwerk in Wien zu einem Theater gehen würde, dann könnte er damit rechnen, dass ihm der Direktor den Vogel zeigt.
    Und die Lobhudelei für Csurka sagt auch viel über den Sándor Lezsák aus.
    Auch wenn uns der stellv. Vorsitzende des ung. Parlaments erklärt, dass doch Csurka kein Antisemit gewesen ist, wird das von halbwegs objektiven Beobachtern nicht akzeptiert.
    Natürlich wäre es gut, wenn sich Fidesz eindeutig von der rechtsextremen Bagage distanzieren würde. Ich habe schon viele Erklärungen hier gelesen, warum das nicht geschieht. Doch dadurch wird die Chose nicht besser.
    Es ist eine alte ungarische Weisheit: Man kann nicht gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen. Das muss auch dann scheitern, wenn es von Fidesz versucht wird. Ich fürchte das Prinzip von Fidesz lautet in dubio pro Jobbik.

    • Nun bombardieren Sie mich doch nicht mit Ihrem üblichen Staccato, Herr Pfeifer. Alles, was ich sagte, ist: Tarlós hat sich gegen die Aufführung ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund dürfte es schwer für Sie werden, die geplante Aufführung des „sechsten Sarges“ Fidesz in die Schuhe zu schieben.

  6. Klar doch HV wenn in einem städtischen Budapester Theater ein krudes antisemitisches Stück aufgeführt werden sollte, dann hat doch Fidesz damit genauso wenig zu tun wie mit dem Zirkus um das Begräbnis eines Mitglieds des Pfeilkreuzlerparlaments und Bewunderer von Hitler und Goebbels, der nach 1945 ein führendes Mitglied der Pfeilkreuzleremigration wurde. Und auch wenn Frau Wittner bei der Gründung der Ungarischen Garde Taufpatin war dann hat das nach Ihrer Diktion nichts mit Fidesz zu tun. Das unterstellen nur solche Leute wie ich mit dem üblichen Staccato.
    Aber es wird immer schwieriger die Nabelschnur zu leugnen, mit der anscheinend Jobbik noch immer mit Fidesz verbunden wird.

    • Sie haben heute offenbar wieder den „attack mode“ aktiviert. Sie kreisen nämlich herum wie eine wilde Hummel.

      Jetzt lassen wir mal die olle Frau Wittner aus dem Spiel, die hat nämlich mit der Frage des „sechsten Sargs“ gar nichts zu tun. Wie auch Nyirö. Und die Namen Hitler und Goebbels haben mit dem Neuen Theater ebenalls nichts zu tun. Sie haben offenbar die Fähigkeit (oder den Willen) zu dosierter, treffsicherer Kritik vollständig verloren.

      Nehmen Sie es doch endlich zur Kenntnis, auch wenn es schwer fällt: Tarlós sagte, er unterstütze die Aufführung des Stücks nicht. Er gab denjenigen, die dagegen Unterschriften sammeln (zur Erinnerung: Ádám Fischer), sogar ausdrücklich Recht. Alles zu hören im ATV-Interview mit dem Budapester OB. Alles von Ihnen geflissentlich übergangen! Zugleich sagte Tarlós, es fehle ihm die gesetzliche Möglichkeit, sich in Spielpläne einzumischen. Er gab aber seiner Hoffnung Ausdruck, dass man diesen „Hinweis“ auf seine Meinung entsprechend achten werde. Er plädierte also dafür, „A hatodik koporsó“ nicht aufzuführen. Was ist das alles? Etwa Zustimmung zur Aufführung eines antisemitischen Stücks?

      Seinen Sie doch bitte so lieb und verschonen mich von Ihrem krampfhaften Herumrühren und Zusammenwerfen von Nyirö, Csurka, Lezsák, Hitler, Goebbels und Prohászka. Diese Art von Agitprop ist nämlich zunehmend ermüdend bis langweilig. Worauf Sie hinauswollen, weiß jeder, der sich Ihre Kommentare seit Februar 2010 zu Gemüte führt. Ihre Antifa-Bewunderer, die diesen Blog mit teils hochrotem Kopf verfolgen, müssen Sie übrigens nicht überzeugen, die hängen ohnehin an Ihren Lippen und geben Ihnen in allem Recht, was Sie von sich geben. Wenn Ihre Zielgruppe über diese Fanaten hinausgeht, sollten Sie aber so viel Redlichkeit besitzen, um einmal zur Kenntnis zu nehmen, was Tarlós gesagt hat. Anders als im Fall Nyirö, der in der Tat ein unschönes Bild auf Kövér und die Partei Fidesz warf, hat er sich gegen die Aufführung des Csurka-Stücks ausgesprochen. Was also konkret verlangen Sie? Darf man in Ungarn vielleicht eine politische Debatte innerhalb weniger Tage selbst führen (das passiert gerade), ohne dass der Wiener Karl Pfeifer empört aufkreischt, wenn nicht binnen 60 Sekunden das passiert, was er sich vorstellt? Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?

      Um es klar zu stellen: Ich finde, Antisemitismus gehört nirgendwo hin, auch nicht in die Kunst. Aber man sollte Ungarn die Möglichkeit geben, dieses Thema selbst zu lösen. Diese Geduld fehlt Ihnen. Aber gewiss findet Ungarnfreund wieder einen wahren Kern, ich bin schon sehr gespannt!

      Schon bizarr, dass Sie in einem Fall, in dem Fidesz bzw. ein Fideszpolitiker das tut, was Sie immer verlangen – nämlich offen Position für oder gegen etwas zu beziehen – immer noch nicht Ruhe geben können. Trinken Sie doch lieber ein Glas guten Wein, hören Sie ein wenig klassiche Musik Ihrer Wahl und legen Sie sich schlafen. Morgen sieht die Welt wieder besser aus. Und mit etwas Glück erhalten wir in wenigen Tagen die Botschaft, dass das „Új Színház“ den sechsten Sarg doch nicht aufführt. Und Sie, Herr Pfeifer, werden sich diese Lorbeeren nicht anstecken können. Sondern István Tarlós.

  7. HV Heute oder gestern ist ein Interview in Népszava mit dem ehemaligen Direktor Márta des Neuen Theaters in Bpest erschienen. Der hofft, dass Tarlós eine tapfere Entscheidung bezüglich des 6, Sarges fällen wird.
    Im Gegensatz zu Ihnen ist er aber nicht sicher..Ich nehme an, HV Sie verfügen über einen guten Kontakt zu Fidesz und zu Tarlós und wissen schon jetzt wie er sich entscheiden wird.
    Auch ich halte es für möglich, dass Tarlós diese Entscheidung fällt, aber ich kann nicht im vornhinein wie Sie auf das Fell des Bären trinken, denn mir fehlen verständlicherweise diese guten Kontakte.
    In der Zwischenzeit hat sich der Verfassungsjurist Kolláth zur vom Gericht genehmigten Nazizusammenrottung am Bpester Heldenplatz kritisch geäußert.
    Ich bin einverstanden, man sollte Ungarn die Möglichkeit geben, Probleme selbst zu lösen, doch so wie bisher, einen Schritt in die Mitte und zwei Schritte nach rechts, wird es nicht besser..

    Im übrigen erinnere ich mich, wie ich hier attackiert wurde wegen Nyirö. Natürlich habe ich seine politische Tätigkeit gekannt und war erstaunt über den Zirkus der da aufgeführt wurde und über all die Angriffe, denen ich hier ausgesetzt war. Ich sollte den Beweis erbringen, dass Nyirö was antisemitisches geschrieben hat.
    Und ich habe mich gefreut, wie Sie hier zurückgerudert sind.
    Wenn der stellvertetende Parlamentsvorsitzende Lezsák (Fidesz) einen der schlimmsten Antisemiten Ungarns wie Csurka einen Persilschein ausstellt, dann gefällt es Ihnen gar nicht, dass ich dazu Stellung nehme. Aber so wie sich Kövér blamiert hat mit Nyirö, blamiert sich halt Lezsák mit Csurka.

    • „Ich nehme an, HV Sie verfügen über einen guten Kontakt zu Fidesz und zu Tarlós und wissen schon jetzt wie er sich entscheiden wird“

      Sie nehmen wieder einmal etwas an. Und wieder einmal irren Sie sich.
      Meine Informationen haben auch Sie. Tarlós hat sich gegen die Aufführung ausgesprochen. Roma locuta, causa finita.

      Das Eigenlob in Sachen Nyirö sei Ihnen vergönnt. Pfeifer hat eben immer Recht. Jeder Leser kann sich allerdings informieren, was hier in Sachen Nyirö diskutiert wurde: Und dass ich die Rede Kövérs bereits am 23.06.2012 hier mit den Worten kommentierte, Kövér hätte besser getan, keine solche Rede zu schwingen. Also zum 100.-Mal: Lassen Sie es doch einfach sein.

      Ich habe den (höchst subjektiven) Eindruck, dass Sie in den letzten Tagen sehr verärgert sind, Herr Pfeifer. Und das trotz der Tatsache, dass sich Tarlós gegen das Csurka-Stück ausspricht, dass der ungarische Fußballverband die Vorgänge beim Freundschaftsspiel Ungarn-Israel kritisiert und sogar die Regierung (m.E. nicht deutlich genug, aber immerhin) Stellung nimmt. Also, warum die Verärgerung? Zur Zeit rühren Sie wieder mal vieles zusammen. Liegt wohl daran, dass die einzelnen Zutaten nicht ausreichen.

    • Kolláth György, der sympathische Herr mit der Fliege. Der hat übrigens auch andere Ideen: Auf einer MSZP-Veranstaltung hat er gar die Idee aufgeworfen, die MSZP solle darüber nachdenken, die nächste Wahl zu boykottieren.

    • Hält Herr Pfeifer diesen Text von József Nyirő für Antisemitismus?

      „Félre az útból a magyar lelkiségtől idegenkedőkkel! Azokkal, akik az úgynevezett humánum álorcájában a sajtó, az irodalom, a művészet, a lélek és a szellem területén olyan hosszú ideig büntetlenül pusztíthattak bennünket a saját hazánkban! Ennek a felfogásnak, ennek a levitézlett liberális zsidó hagyatéknak, ami sok jóhiszemű magyart is megfertőzött köztünk, ennek a burkolt propagandának a magyar életből el kell tűnnie!”

  8. Ich finde HV’s sicherlich gutgemeinten Ratschschlag kritisch. Ich glaube nicht, dass bei Herrn Pfeifer durch Wein, Musik und Tiefschlaf Besserung eintreten könnte.
    Ich habe ihm neulich sogar mein „Du“ angeboten. Aber er blieb unversöhnlich.

    Wenn Rentner sich über etwas ärgern, kennen sie nämlich kein Pardon.

    Nehmen wir doch einfach diesen Fall als Beispiel: Ein evangelischer Rentner hat Anzeige sowohl gegen den Schmierfink Mario Lars als auch gegen Martin Sonntag, den Geschäftsführer der „Caricatura“ erstattet, weil der in der Ausstellung „Caricatura VI – Die Komische Kunst – analog, digital, international“ im Kulturbahnhof Kassel eine bunte Schmiererei von Lars aufhängen ließ.

    Jetzt könnte man fragen, warum der das tat und die Antwort hieße wohl, die „Caricatura“ heischt um Aufmerksamkeit, was ja legitim ist.

    Und man könnte fragen, warum sich der evangelische Rentner über so viel Aufmerksamkeit für eine niveaulose Schmierei aufregt.

    Jeder wird diese Frage für sich beantworten müssen.

    Ich wundere mich aber, warum sich Frau Marsovszky noch nicht gemeldet hat. Wo Jesus doch ohne Betäubung gekreuzigt wurde. Chefrabbiner Metzger, das ist der gütige Mann mit dem großen schwarzen Hut und dem langen weißen Bart, der sich schwer mit Kompromissen tut, wenn es um Fragen des Glaubens geht, der hat sich kürzlich für Religion und gegen Betäubung ausgesprochen.

    Und Frau Marsovszky schweigt zu alledem, obwohl sie doch Wittner-Expertin ist.
    Ich meine, was da in Kassel abläuft, das ist doch gemeinster Antisemitismus, der da zur Aufführung kommt.

    Und Marsovszky und Merkel schweigen beharrlich, so, als hätten sie HV’s Ratschlag befolgt, also Wein, Musik und Tiefschlaf, während die Rentner landauf landab leiden.

    HV! Ich bin dagegen!

    http://www.hna.de/nachrichten/stadt-kassel/kassel/interview-jesus-karikatur-kirche-sollte-kirche-dorf-lassen-2468478.html

  9. Erfreulich wenn laut HV in Ungarn alles O.K. ist und es nur ein paar kleine Probleme gibt.
    Heute Abend empfehle ich den Deutschlandfunkt einzuschalten und sich unbedingt die Sendung „Oh du mein schönes Ungarn“ Beobachtungen in und um Esztergom (Ortserkundungen) anzuhören.
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1807881/

    Da ich weder der Sprecher von Frau Marsovszky noch der von der „armen Frau Merkel“ bin, kann ich auf P.H. nicht eingehen.

    .

    • „Im mittelgebirgigen Hinterland pilgern Patrioten an kultische Orte zu Gebeten für das ‚Magyarentum‘ -“ Scheint ja wieder eine herrliche Gelegenheit für Hohn und Spott und sich über betende Menschen lustig zu machen!

  10. HV Ich habe Sie nicht zitiert, sondern Ihre Worte gewertet.
    Es gibt Positives aus Ungarn zu melden. Ich hörte heute Abend auf ATV den Chef der TEK, János Hajdu endlich eine glasklare Aussage über die Gefahren des Rassismus und des Rechtsextremismus zu machen.

    Sollten praktische Konsequenzen folgen, dann werde ich über diese Wendung schreiben.
    Denn im Gegensatz zu allen, die mir Ungarnfeindlicheit und ähnliches unterstellen, würde ich mich sehr freuen, wenn es in Ungarn zu einer Änderung kommen würde.

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