Kurier.at: Über Taschenverträge, angebliche Enteigungstendenzen und bemerkenswert gelassene Österreicher

Ein lesenswerter Beitrag zum Thema „Bodenerwerb in Ungarn durch Ausländer“ ohne den sonst üblichen agrarlobbyistischen Unterton erschien im Kurier:

http://kurier.at/nachrichten/burgenland/4509592-enteignungsalarm-ungarn-macht-auf-scharf.php

Der Inhalt des Beitrages hält erfreulicher Weise nicht, was der Titel verheißt. Und schlägt einen anderen Tonfall an als die in den letzten Monaten erschienen Beiträge, die die österreichischen Landwirte stets als unschuldige „Opfer“ des ungarischen Agrarnationalismus darstellten, selbst wenn sie sich über die Umgehung geltenden ungarischen Rechts (über sog. „Taschenverträge“) in den Besitz ungarischen Agrarlandes gebracht hatten. Hintergrund: Der Verkauf von Agrarflächen an Ausländer ist in Ungarn bis 2014 grundsätzlich verboten. Der Kurier schildert die Situation ohne den sonst alles durchdringenden vorwurfsvollen Unterton. Es kommt ein Landwirt zu Wort, der in den 90ern legal Flächen ersteigert hatte und sich daher nicht vor Enteigung fürchtet. Und auch der österreichische Investor Leier, der seit den 80er Jahren in Ungarn tätig ist, betrachtet die Lage entspannt.

En lesenswerter Beitrag, der ohne die selbst im österreichischen Staatsrundfunk ORF angeschlagene Propaganda der österreichischen Agrarlobby auskommt („Ungarn hetzt geen österreichische Bauern“).

 

4 Kommentare zu “Kurier.at: Über Taschenverträge, angebliche Enteigungstendenzen und bemerkenswert gelassene Österreicher

  1. Bestimmt gibt es beides in Ungarn: illegalen und legalen Landerwerb durch Ausländer. Vox populi dürfte zwischen beiden aber nicht groß unterscheiden. Die Kampagne gegen die Taschenverträge beschädigt am Ende auch den Ruf der legal in Ungarn tätigen ausländischen Bauern. Das ist das Ceterum Censeo der österreichischen Politik, wenn ich das richtig sehe.

    Darüber hinaus gibt es immer wieder Geschichten über Fidesz-nahe Bodenspekulanten. So entsteht schnell der Verdacht, dass die ganze ideologiegetränkte Bodenpolitik nur darauf ausgerichtet ist, ungarischen Staatsbürgern einen strategischen Vorteil zu verschaffen, wenn voraussichtlich ab 2014 das Landerwerbsmoratorium für EU-Ausländer fallen sollte. Ich finde übrigens, zehn Jahre nach dem EU-Beitritt ist es nur fair, wenn neben den Arbeitskräften auch das Kapital volle „Niederlassungsfreiheit“ erhält.

    Der Pester Lloyd ist ja leider nicht gerade für seine Unparteilichkeit bekannt, aber dieser Fall (Hubertushof am Südbalaton) lässt doch aufhorchen: http://www.pesterlloyd.net/2011_34/34hubertus/34hubertus.html. Sieht so aus, als sollte da ein ausländischer Investor systematisch aus dem Land gemobbt werden.

    • auch auf die Gefahr hin abzuschweifen:
      Ich bezweifel stark, das der „Fall“ Hubertus Agráripari Bt so ist wie im verlinkten Beitrag dargestellt.Die ungarische Presse hat sich im vergangenem Jahr damit befasst (gut nachzulesen auf index.hu)
      Warum sollte man gerade gegen diese BT vorgehen, wenn es nicht einen ernstzunehmenden Grund dafür geben würde?
      Warum nicht beispilesweise gegen ein Gestüt im Bakony mit ausgedehnten Ländereien und einigem mehr?? (Welches ich übrigens beispielhaft und spitzenmässig finde!!!)
      Aber evtl. geht bei dem einen alles mit rechten* Dingen zu und bei dem anderen nicht?
      *man traut sich das Wort „rechts“ schon kaum noch zu erwähnen, hier also:vorschriftsmässig

      • @Turó Rudi

        Meinen Sie das Szépalma Hotel és Ménesbirtok bei Zirc?
        http://www.szepalma.hu/

        Ein wunderschönes Anwesen mit uraltem Baumbestand. Hat früher den Eszterházys gehört. Nachdem es „legal“ in den Besitz der Schweizer gelangte, lud der tiefreligiöse Herr Vontobel einmal die Honoritäten aus der Umgebung zum Mittagessen ein. Es war köstlich anzusehen, wie ehemalige Parteisekretäre die Hände zum Tischgebet falten. Das Gebet sprach der neue Hausherr höchstpersönlich. Das war Anfang der 90er Entwicklungshilfe pur. Nur die 98 % der Ungarn mit Anpassungsstörungen gingen leer aus.

        „Komm Herr Jesu, sei … “

        Das Menü war dementsprechend schlicht.

        Auf meine Frage, woher das Vermögen des Bankhauses denn stamme, antwortete mir Herr Vontobel, seine Vorfahren wären Raubritter gewesen.

        Die friedliche Transformation des vom Volk geraubten Eigentums in Privatbesitz hätte sich ohne die Hehler aus den entwickelten kapitalistischen Demokratien gar nicht gelohnt. Für Gyurcsány in zweiter Ehe nicht und auch nicht für den frommen Parteisekretär aus Porva, vermute ich.

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