FAZ: Stephan Löwenstein über Antisemitismus in Ungarn

Der neue Ungarn-Berichterstatter der Frankfurter Allgemeinen ZeitungStephan Löwenstein, gibt seinen Einstand. Thema des Beitrages ist Antisemitismus in Ungarn.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/antisemitismus-in-ungarn-die-fuenf-problematischen-prozent-11889232.html

 

Nachtrag vom 22.09.2012:

In die gleiche Stoßrichtung: Kurier.at über „Torten gegen rechte Tiraden“:

http://kurier.at/nachrichten/4513091-budapest-torten-gegen-rechte-tiraden.php

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26 Kommentare zu “FAZ: Stephan Löwenstein über Antisemitismus in Ungarn

  1. Ausgezeichneter Artikel.
    Was mich überrascht hat, dass Reinhard Olt nicht von der FAZ verabschiedet wurde. Möglicherweise ist er noch bei der FAZ. Aber seit längerer Zeit habe ich keinen Artikel von ihm gelesen. Was ist da passiert?

  2. HV Olt ist Deutscher und das gesetzliche Alter für die Pensionierung ist für Männer in A 65. Da muss man aber nicht in die Pension gehen.
    In der Regel gibt es in der FAZ eine kleine Nachricht, wenn ein Korrespondent in die Rente geht oder versetzt wird. Vielleicht habe ich was übersehen?

      • Wenn Sie bei http://www.faz.net/redaktion/ „Löwenstein“ eingeben, erhalten Sie den Hinweis, dass er seit September 2012 Korrespondent in Wien für Österreich und Ungarn ist. Wenn Sie „Olt“ eingeben, kommt eine Fehlermeldung – so übrigens auch bei der Eingabe „Hefty“. Olt hat die FAZ-Redaktion also offenbar verlassen. In welche Richtung ist unklar.

      • Und treiben mit Entsetzen Scherz.

        Mit der Entsendung Stephan Löwensteins als Korrespondent für Österreich und Ungarn nach Wien hat die F.A.Z. eine strategische Entscheidung getroffen.

        Löwenstein, selbst Leutnant der Reserve, gilt als Experte für Verteidigungspolitik. Seine Magisterarbeit schrieb er einst über die Belagerung Wiens 1683 im Spiegel der zeitgenössischen Zeitungen.

        Während der ehemalige Korrespondent des israelischen Radios in Wien und Poster, Karl Pfeifer mir erst kürzlich die Nennung des Kahlenbergs verwehrte und es als böses „Ressentiment“ abtat, geht nun zwei Jahre nach der Ungarnwahl der Experte in Sachen Verteidigung des Abendlandes am Ort jener historischen Schlacht, die Wien den Ruf einbrachte, das Bollwerk gen Osten zu sein, in Stellung.

        Ich will hier keine Parallelen ziehen, sondern nur Fakten nennen. Die Schlacht am Kahlenberg fand im September 1683 statt. Gleichfalls im September schlug der Verteidigungsexperte und Leutnant der Reserve Löwenberg sein Zelt am Fuße des Kahlenbergs auf. 1683 rettete ein Entsatzheer Wien vor der drohenden Niederlage in der Schlacht gegen die Tyrannei aus dem Osten. 2012 kämpfen die Wiener Ungarnhasser verzweifelt um letzte Argumente gegen den Tyrann Orbán und müssen schon auf Axtmörder aus dem fernen Kaukasus, auf die Reservatio mentalis und Mentalsuggestion setzen, um der Ausweglosigkeit ihrer antiungarischen Verleumdungskampagne, der sie ewigen Antisemitismus zugrunde gelegt hatten, zu entkommen.

        Ob Löwenstein, der sich auch mit GPS-Navigationsgerät im Automobil noch etwas orientierungslos im südöstlichen Mitteleuropa zeigt, indem er Nordpol und Südpol verwechselt, den wackeren Antiungaren um Paul Lendvai Entsatz bringen kann, bleibt abzuwarten.

        Da werden Schreiber zu Hyänen

  3. Löwenstein bringt die Dinge auf den Punkt. Die Feldmájer-Zitate und die sonst von der FAZ abgedruckten Beobachtungen treffen genau ins Schwarze. Hier noch eine Anregung an Herrn Löwenstein: Spüren Sie mal den Nuancen in den öffentlichen Äußerungen von Vertretern des MAZSIHISZ als „Platzhirsch“ und Rabbiner Köves von der durch die weltweite Chabad-Lubavitch-Bewegung getragenen EMIH, dem spirituellen und politischen Herausforderer des MAZSIHISZ, nach.

  4. Eine einzige Bemerkung: Herr Löwenstein hat die Himmelsrichtung verpasst. Die Straßenbahnen 28 und 37 fahren in östlicher Richtung durch heruntergekommene Stadtteile zum großen jüdischen Friedhof (X. Bezirk, Kozma utca 6.) Hier befindet sich das große Denkmal der Märtyrer mit den (symbolischen?) Gräbern des unbekannten Deportierten bzw. Zwangsarbeiters, ferner liegen in Gruppen Gräber von Opfern, die auf Todesmärschen in Orten an der ungarischen Westgrenze (etwa Balf oder Hidegség) ermordert wurden.
    Westwärts fährt die Linie 59 durch elegante Viertel ohne ehemalige Industrieanlagen. An deren Endhaltestelle befindet sich ein viel kleinerer jüdischer Friedhof. Sowohl dieser als auch der unter Kozma utca 6 liegen am jeweiligen nichtjüdischen Friedhof.

  5. HV ich bin kein Anhänger irgendeiner Verschwörungstheorie.

    Ungarnfreund, danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, das herauszufinden.

  6. Ich hatte beim Artikel von Herrn Kálnoky schon erwähnt:Es kommt immer darauf an wie man einen Artikel liest:
    Ich frage mich z.B. Was will uns der Autor damit sagen: (suggerieren)
    Israelitischer Friedhof“. …..drängen zum Tor, an dem ein vierschrötiger Glatzkopf mit Knopf im Ohr Ausweise kontrolliert.“

    Am Tor des israelitischen Friedhofes werden die Ausweise der Besucher von einem Glatzkopf (Was bringt wohl der Leser mit Glatzkopf in Verbindung? )
    kontrolliert.
    *Sie haben so viele hochgebildete Leute, Lehrer und Professoren. Sie bringen den Kindern bei, andere zu hassen.“
    ?????
    Da streikt glattweg mein PC, das zu kommentieren

    • Verstehe Ihre Probleme nicht, Rudi. Ich dachte bei dem Glatzkopf einfach an einen 08/15-Security-Typen.

      Was die beiden zuletzt von Ihnen zitierten Sätze aus dem Artikel angeht, bin ich zunächst auch drüber gestolpert. Aber eigentlich ist da nichts Zweideutiges: Der erste Satz bedeutet einfach, dass Rechtsextremismus in Ungarn nicht auf die soziale Unterschicht beschränkt ist. Es ist allgemein bekannt, dass Jobbik gerade in akademischen Kreisen gut verankert, ja aus nationalistisch-konservativen Studentenkreisen hervorgegangen ist.

      Mit dem zweiten Satz empört sich Feldmájer einfach zu Recht darüber, dass solche Leute nicht nur am Rande der Gesellschaft zündeln, sondern an Schulen und Universitäten unterrichten. Man denke nur an den Jobbik-Chef Vona, der Lehrer von Beruf ist, Geschichtslehrer obendrein. Er ist das beste Beispiel dafür, dass eine pädagogische Ausbildung allein noch nicht vor schweren politischen Irrtümern schützt.

      • @ungarnfreund , ich stimme Ihnen mal 100% zu, wollte nur vor Augen führen, dass man es auch so!! lesen kann/könnte!!
        Deswegen als Einführung auch mein Satz:
        *Es kommt immer darauf an wie man einen Artikel liest*

      • An Rudi:

        Ist doch schön, wenn wir uns einmal einig sind.

        Wichtig wäre es z.B. zu fragen, wieso es eigentlich nötig ist, dass private Sicherheitsdienste eine Gedenkveranstaltung auf einem jüdischen Friedhof schützen müssen…

  7. Turó Löwenstein zitiert Dr. Feldmajer: >>Das seien die antisemitischen Vorfälle der jüngeren Zeit: geschändete Friedhöfe, ein öffentlich beschimpfter Rabbiner, ein Schauspieler, den ein Gemeinderat nicht bei einer Veranstaltung dabeihaben will – mit dem Hinweis, dass er Jude sei. Die rechtsextreme und antisemitische Jobbik-Partei hat eine Zustimmung von annähernd 20 Prozent. „Hauptproblem ist der Anstieg von antisemitischen Stimmen in den zwanzig Jahren seit dem Fall des Kommunismus. Der rechte Flügel wird stärker und stärker, und niemand hat in den vergangenen Jahren das verhindern können.“ Und das seien nicht nur ein paar verirrte Rechtsextreme und verrückte Jugendliche. „Sie haben so viele hochgebildete Leute, Lehrer und Professoren. Sie bringen den Kindern bei, andere zu hassen.“ Und es gebe zahlreiche Berührungspunkte und unscharfe Übergänge zu „den Konservativen“.>>

    Da gibt es keinen Glatzkopf und Löwenstein hat auch mit der Erwähnung eines Glatzkopfes, der die Ausweise am Eingang des jüdischen Friedhofs kontrolliert nichts suggerieren wollen.

  8. „Zu „95 Prozent“ könne man in Ungarn ein ganz normales und glückliches, gutes jüdisches Leben führen, sagt Feldmájer. Man habe 40 Synagogen, es gebe jüdische Schulen, Kliniken, Wohlfahrtsvereine oder Jugendklubs. Das ist ihm wichtig, gerade weil Journalisten meist nur nach den „fünf Prozent“ fragen; die seien allerdings „ernsthaft problematisch“.

    Sehr wichtige Sätze von Feldmájer. Tatsache ist, dass in Budapest jüdisches Leben blüht, wie seit vielen Jahrzehnten nicht. Zahlreiche Persönlichkeiten jüdischer Herkunft sind in vielen Bereichen (z. B. Wirtschaft, Kunst, Kultur, usw.) erfolgreich, durch weite Teile der ungarischen Bevölkerung respektiert und beliebt. Das ist die Normalität. Neben dieser Normalität gibt es die Probleme, die auch in diesem Artikel angesprochen werden. In den vergangenen Jahren war die Berichterstattung in den deutschsprachigen Medien aber derart auf die Probleme fokussiert, dass die Wahrnehmung dieser Normalität für die deutschsprachige Öffentlichkeit nicht leicht war.

    Ach wenn man mit einigen Aussagen streiten kann (ob es verrückt ist, dass Nyírő im Lehrplan steht, oder ob die Verehrung für Horthy Anlass für Alarm ist) ist es ein sehr guter Artikel.

    Áder hat dem Beispiel Hollandes noch nicht gefolgt. Frankreich hat über 60 Jahre zu diesem Schritt gebraucht. Der ungarischen Demokratie standen zur Anerkennung der ungarischen Mitverantwortung am Holocaust bis jetzt gute 20 Jahre zur Verfügung. Vielleicht bin ich zu optimistisch, aber ich glaube nicht, dass wir auf die Anerkennung dieser Verantwortung seitens Ungarn noch weitere vierzig Jahre warten müssen.

  9. Halász János,
    Österreich hat 46 Jahre gebraucht, bis der sozialdemokratische Bundeskanzler Vranitzky iim Juli 1991 die österreichische Verantwortung in einer Rede im Nationalrat erwähnte.
    Freilich im österreichischen Fall hatte man sich vorher immer darauf berufen, dass doch Österreich als Staat zwischen 1938 und 45 nicht existierte.
    Der Versuch sich aus der Geschichte herauszuschwindeln endete mit dieser Rede.
    Wie lange das in Ungarn dauern will kann niemand voraussagen. Ich hoffe, dass es nicht so lange dauern wird wie in Österreich.

  10. terrier In Österreich stehen die meisten jüdischen Institutionen auch unter Bewachung. Hier gab es terroristische Angriffe, z. B. gegen die Synagoge in der Seitenstettenstraße. Da wurden Menschen ermordet.
    Im übrigen gab es auch in Ungarn einen terroristischen Angriff gegen russische Juden, die über Ungarn nach Israel auswanderten.
    Wer ist der Hasser, der sich als Freund tarnt? Können Sie uns das ein wenig mit konkreten Angaben belegen?

    • Wo bin ich gelandet ? Bei ÁVH- oder Securitate-Verhör ? Herr Pfeifer, ich möchte mich nicht auf Ihren , mit „Fäkalien“ und „Absonderungen“ glitschig gemachten, Arbeitsplatz verirren.
      Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich nicht ansprechen würden.Die Sprache, die Sie gelegentlich benutzen, beherrsche ich auch (!), aber möchte hier nicht verwenden.Ich hoffe, es war alles soweit verständlich.

  11. Wenn also höflich formulierte Fragen, als AVH oder Securitate-Verhör qualifiziert werden, wenn dann die Sprache des Fidesz-Mitglied und Fidesz Hofjournalisten Zsolt Bayer mir unterjubelt wird, dann kann ich nur sagen, mangels Argumente kommen perfide Unterstellungen.

  12. Pingback: FAZ: “Victor Orbán in Berlin: Der Mann mit dem Zweidrittelhammer” « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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