Ungarn-Themenabend: Club 2 live

http://tvthek.orf.at/live/4665285

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51 Kommentare zu “Ungarn-Themenabend: Club 2 live

  1. Hans Kaiser von der KAS kritisiert die Auswahl der Interviewpartner ebenfalls.

    Lendvai sagt, er habe einige Namen vorgeschlagen. Orbán sei gefragt worden, habe aber nicht auf die Anfrage geantwortet. Das erklärt natürlich nicht das Verhältnis 1:3:9 zu Lasten der Regierungsseite.

      • Pröhle hat darauf entsprechend geantwortet, Klubradio sei ein Parteisender mit MSZP-Förderung. Vradai stellte sogar das in Abrede, obwohl jeder Informierte weiß, dass die MSZP-nahe Tancsics-Stiftung den Sender mit Millionen von Forint unterstützt hatte.

        Man soll so viele MSZP-Sender ins Leben rufen, wie man will. Sie haben für mich eine Daseinsberechtigung, weshalb der peinliche Kleinkrieg der NMHH völlig unangemessen ist. Aber Klubradio könnte wenigstens zugeben, wo er steht.

      • Wahrscheinlich stellt Váradi auf zwei Dinge ab: Die Unterstützung durch die Tancsics-Stiftung fließt offenbar nicht mehr und als sie noch floss, haben die Radio-Macher auch nicht einfach 1:1 gesendet, was ihnen irgend jemand vorgegeben hat. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte.

  2. Ungváry: Ungarn hat deshalb keine konservative Regierung à la Polen (Donald Tusk), weil Ungarn während des 2. Weltkriegs keine Exilregierung hatte!?!?!

  3. Schlussworte:

    – Laut Ungváry muss die ungarische Rechte sich ändern und dazu lernen.
    – Váradi will Harmonie und rosa Wölkchen
    – Pröhle bittet um mehr Gelassenheit und weniger Verbissenheit, Kritik soll realistisch bleiben
    – Kaiser wünscht dem Land, dass die Gräben zugeschüttet werden; auch mehr Toleranz aus Deutschland und Österreich sei wünchenswert
    – Ottrubay sieht sie Zukunft positiv und vertraut der jungen Generation
    – Lendvai behauptet, die Jugend stehe zu einem Großteil rechts von Fidesz und Jobbik – lange Ausführungen zur Notenbank, zu den Oligarchen usw. – und er lobt die Moderation…

  4. Eine Anmerkung des ORF fehlt:

    Diese Aussendung hat garantiert nichts mit den gegenwärtigen Verhandlungen Ungarns mit dem IWF zu tun

  5. Die Moderatorin hat sich um Ausgewogenheit bemüht, aber den Gästen immer wieder bei interessanten Themen das Wort entzogen – schade.

    • Liebe Frau Szechenyi,

      von diesem Bemühen habe ich wenig mitbekommen. Gerade der Anfang war schier unerträglich. Pröhle Polemik vorzuwerfen und die Aussagen im Lendvai-Beitrag mit der Aussage zu kommentieren, es könne doch nicht sein, dass die Kritik unberechtigt sei, denn es gebe ja so viel Kritik (ein klassischer Zirkelschluss!), ist fernab jeder Ausgewogenheit.

  6. Das ist ja ein verheerender Abend gewesen. So lange im ORF aus öffentlichen Geldern finanzierte Beiträge, bei denen das Verhältnis der Wortmeldungen 1:12 zugunsten der RegierungsGEGNER beträgt, sollten etwaige Untriebe in MTV von denen nicht (mehr) kritisiert werden.
    Auch der Club2 war ähnlich einseitig, wenn man bedenkt, dass die inhaltlich ahnungslose Moderatorin immer nur Herrn Pröhle ins Wort gefallen ist, nie aber dem blutaggressiven Ungváry. Auch ihre Schlussanmerkungen waren tendenziös. Wenn man also Ottrubay abzieht (der war geruchs- und geschmacklos; was hat er dort eigentlich mit seinen Anti-Statements verloren?), war also auch dort das Verhältnis 2:4. So gesehen könnte man Schmitzkunz‘ Frage, ob so eine Sendung auch in MTV möglich wäre, ironisch damit beantworten: Nein, eine Sendung mit 4 Regierungskritikern versus 2 Regierungsbefürwortern wäre nur bei Klubrádio denkbar.
    Was ist mit Herrn Pfeifer und Herrn Ungarnfreund? Inhaltlich dürften die beiden Sendungen voll nach deren Geschmack verlaufen sein, aber evtl haben Sie angesichts dieser einseitigen Berichterstattung evtl doch gehörig Katerstimmung?

    • Lendvai begründete das Missverhältnis (auf das Pröhle zu Recht hinwies) – wie Ungarnfreund – auch mit der Sprachbarriere. Komisch nur, dass man gerne einen Übersetzer einbezieht, wenn es um die schwachsinnigen Äußerungen des Jobbik-Taxifahrers geht. Fazit also: Das, was den Ruf der ungarischen Politik und damit Ungarns schädigen kann – Jobbik und seine Thesen gehören dazu – wird übersetzt, Regierungsvertreter sollen aber gefälligst deutsch sprechen, um zu Wort zu kommen. Ferenc Kumin, Gergely Gulyas, György Schöpflin, Antal Rogan – keiner wird gefragt. Und Lendvai versucht dieses Missverhältnis damit zu rechtfertigen, dass Orban nicht geantwortet habe – ob ein Ministerpräsident ggf. Besseres zu tun hat, als Futter für erklärte Regierungsgegner zu liefern? Man sieht ja an den Ausschnitten as Orbans Reden, wie man schnippelt, um einen entsprechenden Eindruck zu erzeugen.

      Wie Sie sagen, Corvinus: Ein Verhältnis von 1:12 (Regierung:Opposition) oder – immer noch katastrophal – 1:9 (Regierung : Linksopposition) ist grob verzerrend. Und da soll keiner mit Verschwörungstheorien kommen und mit AUssagen „die Kritik ist berechtigt, weil es viel davon gibt“ – man muss eben nur die „richtigen“ Leute fragen, um die gewollten Antworten zu bekommen. Wer gefehlt hat, war Janos Desi und György Bolgar. Aber fpür die beiden durfte ja ihre Kollegin Varadi sprechen.

      Ein Abend, der Schaden angerichtet hat. Und zwar vorsätzlich.

      • Lassen Sie mich präzisieren: Die Sprachkenntnisse der Interview-Partner sind ein wichtiger, aber nicht der alleinige Grund dafür, dass wir in den deutschsprachigen Medien immer wieder dieselben Stimmen zu Ungarn hören. Es ist ein ganzes Bündel von Faktoren: Prominenz der Interviewten und sicherlich auch politische Überzeugungen der Journalisten spielen eine Rolle. Ich bin nur gegen die monokausale Erklärung, die allein auf die „Linkslastigkeit“ der deutschsprachigen Medien abstellt.

      • „Die Sprachkenntnisse der Interview-Partner sind ein wichtiger, aber nicht der alleinige Grund dafür, dass wir in den deutschsprachigen Medien immer wieder dieselben Stimmen zu Ungarn hören.“

        Woher stammt eigentlich diese von Ihnen und von Lendvai vertretene Annahme, konservative und/oder regierungsfreundliche(re) Intellektuelle und Journalisten könnten nicht deutsch? (Oder zumindest schlechter, als regierungsfeindliche Journalisten und Intellektuelle.)

      • Ich war vor nicht allzu langer Zeit bei einer Veranstaltung, auf der Gergely Gulyás, Fidesz-Abgeordneter im ungarischen Parlament, in hervorragendem Deutsch über die neue Verfassung referierte. Es schloss sich eine lebhafte Diskussion an, stets höflich, auch Herbert Küpper war anwesend und meldete sich zu Wort. Im Anschluss daran legte eine Handvoll von (ich nenne sie so) „Salon-Marxisten“ los, regierungsfeindliche Flugblätter zu verteilen und die Fragesteller (u.a. mich) wüst zu indoktrinieren, dass in Ungarn Faschismus herrsche, eine Dktatur, dass MSZP nicht halb so verlogen sei wie Fidesz usw usw. – und zerstörte die ganze sachliche Stimmung. Giftzwerge, die sich sogar zu der Aussage verstiegen, Gulyás spreche en katastrophales deutsch – ja, so ist er, manch einer er „Intellektuellen“. Meint, definieren zu können, wer es wert und wer würdig ist, für Ungarn zu sprechen. Diesen Leuten wird man es nie recht machen können.

        Man kann diese Altgardisten getrost ignorieren.

      • Pröhle, Balog, Gulyás u.v.m. sind in der Tat gute ungarische Deutsch-Sprecher, ohne linksliberal zu sein. Man hätte sie sprachtechnisch und politisch-repräsentativ prima in den Film von Morgenthaler / Lendvai aufnehmen können. Warum das nicht geschah, sollte man Morgenthaler / Lendvai fragen. Vielleicht habe ich an anderer Stelle in polemischer Absicht vorschnell generalisiert. Ich dachte da mehr an die Klassiker in deutschsprachigen Ungarn-Beiträgen (Konrad, Dalos, Heller, Kertesz). Bei denen fällt zusammen, dass sie gut Deutsch können und in Deutschland prominent genug sind. Klar, dass sie es öfter in unsere Medien schaffen. Das rechte Lager hat da bestimmt noch immer Nachholbedarf. Welche Veranstaltung HV meint, weiß ich allerdings nicht. Ich stürme bestimmt nicht in Diskussionen, um Leute wie Gulyás wegen angeblich schlechter Sprachkenntnisse zu beschimpfen. Das ist jetzt wirklich nicht fair, HV, das sie mich damit in Zusammenhang bringen.

      • Warum Balog nicht Eingang gefunden hat, erschließt sich jedem halbwegs Informierten relativ schnell. Zeigt man ihn, wird man sich schwer tun, das Bild vom bösen, quasi-diktatorisch geprägten Fidesz zu präsentieren; und genau das Bild wollte präsentiert werden. Balog spricht perfekt deutsch – besser als z.B. Váradi es jemals lernen wird – und ist keiner, der für die Fidesz-Politk das Dogma der Unfehlbarkeit in Anspruch nimmt.

        Umso peinlicher ist es, ihn bei diesem Leipziger Fest per Petition ausladen zu wollen.

      • Tut mir leid, aber diese Logik verstehe ich nicht. Das rechte Lager hat bei seinen Deutschkenntnissen und bei seiner Prominenz in Deutschland Nachholbedarf, weil es von bestimmten, eher linksgerichteten Personen und/oder Plattformen nicht eingeladen wird? Sind diese Einladungen der Maßstab für die eigenen Deutschkenntnisse? Ich glaube, da wird wohl kein Ungar, der nicht die Meinung von Ungváry Rudolf, Váradi Júlia, etc. vertritt, jemals richtig gut deutsch sprechen oder prominent sein können… Aus diesem Blickwinkel muss ich mich auch gleich für meine schlechten Deutschkenntnisse entschuldigen. 😉

      • HV, mir ist bekannt, wie gut Minister Balog Deutsch spricht. So bekannt wie Konrad oder Heller ist er freilich noch nicht. Und er wird von vielen, die ihn nicht kennen, erst mal nicht als unabhängige Persönlichkeit, sondern als Repräsentant seiner Regierung bzw. der sie tragenden Parlamentsmehrheit gesehen.

        Was Leipzig angeht, tut mir Herr Balog, den ich sehr schätze, jetzt schon Leid. Die Linkspartei fährt schwere Geschütze auf. Frau Marsowsky sollte den Leipzigern bereits im Vorfeld erklären, wie es den Roma in Ungarn geht: http://www.barbara-hoell.de/nc/pressemitteilungen/detail/zurueck/politik-8/artikel/leipziger-lichtfest-2012-mit-viel-schatten/

        Es wird Sie vielleicht wundern, HV, aber bei dieser^^ Pressemitteilung platzt mir echt die Hutschnur. Schaue man sich bitte den Lebenslauf von Herrn Balog an: Er war schon in deutsch-ungarischen Oppositionskreisen unterwegs, als MdB Dr. Höll noch SED-Lieder sang.

      • Ja, die „Demokratie“ frisst ihre Kinder. Und die Giftspritze Marsovszky ist nie weit, wenn linke bis linksextreme Aktivisten den rechten Teufel an die Wand malen. Da bilden sich eben bemerkenswerte Koalitionen; anders als Ihnen ist mir die Hutschnur längst geplatzt, und ich bin weder über die Dreistigkeit noch über die Penetranz dieser Leute erstaunt. Bevor ich mich aber zu der Wortwahl des von mir so sehr verehrten Klaus Kinski hinreißen lasse, halte ich mich besser zurück, sonst ziehe ich wieder die Wut des Herrn Pfeifer auf mich – der lässt auf seine Magdalena M. bekanntlich nix kommen. Jene Wissenschaftlerin, die „népi-nemzeti“ mit dem deutschen Schreckensbegriff „völkisch“ anstatt (korrekt) mit volkstümlich/populär übersetzt. Und was Pfeifer und „völkisch“ angeht, empfehle ich diese weitere Schreckensmeldung zur Lektüre:

        http://www.hinterland-magazin.com/pdf/14-67.pdf

        Ich erinnere mich, wie groß die Empörung über ein „Hinterland“ Theater in Budapest war. Und Pfeifer gibt einer Zeitung namens Hinterland ein Interview. Und stellt Fidesz wieder einmal als eine von Antisemitismus durchsetzte Partei dar („Vertreter der
        jetzigen Regierungspartei Fidesz äußern sich häufig – meist in ihrer typischen codierten Sprache – antisemitisch, ohne dass sie mit Widerspruch aus ihrer Partei rechnen müssen.“). Häufig? Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man darüber lachen.

  7. Nun, hab ich mir angetan einige Minuten Club 2 anzusehen.
    Bei der Frage wieso man diese Diskutanten eingeladen hat und keine anderen bin ich bei der Antwort von Lendvai ausgestiegen.
    Mehr ging nicht.
    @corvinus
    *Was ist mit Herrn Pfeifer und Herrn Ungarnfreund? Inhaltlich dürften die beiden Sendungen voll nach deren Geschmack verlaufen sein, aber evtl haben Sie angesichts dieser einseitigen Berichterstattung evtl doch gehörig Katerstimmung*
    Katerstimmung?
    Wohl eher Freudenfeier nach den gestrigen Entscheidungen einiger Richter.

    • @ Turo Rudi:

      Ich kann mich nicht erinnern, dass Varadi und Lendvai darauf hingewiesen haben, dass die Entscheidung der Medienbehörde, Klubradio bei der Bewerbung um die 95,3 MHz Lizenz nachträglich auszuschließen, gerade gestern von einem Budapester Gericht aufgehoben worden ist. Wäre doch eine gute Gelegenheit gewesen darzulegen, dass der angeblichen Behördenwillkür in Ungarn doch rechtsstaatliche Grenzen gesetzt sind. Stattdessen wurde gebetsmühlenartig darauf hingewiesen, man wolle den Sender zerstören.

      Gut, dass es in Ungarn unabhängige Gerichte gibt. Schade, dass diese Garnitur von Regierungskritikern selbst das nicht wahrhaben möchte.

      Varadi und ihr Chef, Arato (der sogar nach Brüssel eingeladen wurde, um seine zweifelhafte Position darzulegen), wünschen sich die paradiesischen Zeiten zurück, in denen Klubradio die Sendelizenz zu Vorzugskonditionen erhielt, dabei ein anderer (Katholischer) Radiosender unter fragwürdigen Vorzeichen rausfiel (quasi in letzter Minute vor dem Fidesz-Wahlsieg) und noch dazu Geld von der befreundeten MSZP auf die Konten floss. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Da können die Herren Arato und Bolgar noch so oft ein Ticket nach Brüssel lösen und sich bei Neelie Kroes ausheulen.

      • Interessant übrigens die Aussage Lendvais, das Mediengesetz sei „harmlos“. Der naive Beobachter fragt sich: Warum dann der ganze Aufruhr um Zensur, angebliche Geldstrafen bei unausgewogener Berichterstattung usw.? Lendvai hat auch dafür eine Antwort: Weil das System Fidesz schlecht ist.

      • Lendvai behauptet, dass in Ungarn mit Werbeeinschaltungen Druck auf die Medien gemacht wird; genau so gut kann ich die Pressefreiheit in Österreich infrage stellen. Gegen Bundeskanzler Faymann wird weiterhin wegen Amtsmissbrauch und Untreue ermittelt (ÖBB Inserate).

      • Und wie war die Werbestrategie öffentlicher Unternehmen während der Jahre 2003-2010? Exakt gleich. Wie gesagt, wir sprechen von einem allgemein verbreiteten (schlechten) Stil des „ich gebs den Meinen im Schlaf“. Schade, dass sich Lendvai seit 2002 nicht für diese Unsitte interessiert hat. Macht seine Kritik ein wenig scheinheilig.

    • Hier bin ich, Rudi und Corvinus. Die Reportage ist nicht ausgewogen. Einzelne Elemente (Bilder, O-Töne) fand ich interessant. Die Diskussion im Anschluss ist typisch dafür wie beim Thema Ungarn ständig alle an einander vorbeireden, ganz so wie hier im Blog, wo auch das Lagerdenken dominiert.

  8. Die Dokumentation wurde zu einer ungünstigen Zeit, um 22.30 Uhr gesendet und der Club 2 begann ganz unüblich um 23.25 Uhr. So, dass ich nur die Doku sah.
    In der Dokumentation wurde auch der Werdegang von Ministerpräsident Orbán geschildert.
    R. Ungváry wies darauf hin, dass ein halbes Jahr nach der Niederschlagung der Revolution 1956 bereits hunderttausende Ungarn für Kádár demonstrieren gingen.
    Interessant, wie Aussenminister Martonyi, der im letzten Moment des Kádárregimes noch schnell der MSZMP beigetreten ist, sich darauf berufen hat, dass doch heute die ungarische Regierung deswegen kritisiert wird, weil sie „christliche Werte“ postuliere.
    Schade, wirklich sehr schade, dass die Autoren nicht Matolcsy vor die Kamera bekamen. Sie hätten, dessen Erfolgsmeldungen über den Aufschwung in Ungarn bringen können.

    • Je weiter der Zusammenbruch des marxistischen Paradieses hinter dem eisernen Vorhang zurückliegt, umso mehr ergeht sich der ORF der Konservierung seines intoleranten linken Weltbildes.

  9. Herr Pfeifer, elegant, wie sie versuchen, mit Nichtssagendem davon abzulenken, dass die „Doku“ so einseitig war, dass selbst Lukaschenko vor Neid erblassen würde.
    Ich denke, dass Rudolf Ungváry gestern in Höchstform war, was die Geschmacklosigkeiten betrifft. Was will er (und was wollen Sie durch Wiederholung davon) sagen, dass es nach 1956 Wendehälse gab? Diese Wendehälse hat es auch davor schon gegeben (vgl Heldenplatz; die mittelalterliche Heroldsformen „Der König ist tot – lang lebe der König“) und wird es auch danach geben. Zuletzt in größerem Maß geschehen in 1989. Das hat nicht mit der Verfassung eines Volkes zu tun. Ein Volk derart zu klassifizieren, ist purer Rassismus (stellen wir uns vor, er hätte statt Ungarn „Juden“ oder „Zigeuner“ gesagt). Natürlich ist es blanker Hohn zu behaupten, dass 1957 niemand am 1. Mai mitmarschieren musste, dass ihm deshalb keine Konsequenzen gedroht hätten.
    Zurück aber zu Herrn J.Reiters und zu meinen Prophezeiungen: Er hat Lendvai und Schiff erraten. Ich habe das Klubradio erraten (wenn auch mit der falschen Bezeichnung – bei der „Doku“ war nämlich von Kulturradio die Rede), und dass der Beitrag so SzDSz-lastig sein wird. (Man müsste das nun auch etwas relativieren, weil die genannten Personen mittlerweile auch sehr starke Freunde/ Förderer von Gyurcsány sind.) Die Gyurcsány-Schönrederei wurde auch vorhergesehen (nicht jedoch die Rülpser von Gyurcsány, dem Europäer himself). Mit Dorottya Karsay lag ich falsch, allerdings könnte man Dopeman auch als erfolgreichen Künstler sehen – oder? Das Ungleichgewicht der Wortmeldungen von linker und rechtsextremer Seite ist ärger ausgefallen, als ich eigentlich angenommen hätte.
    Warum gibt Lendvai solchen politisch Untoten eigentlich noch eine Bühne? Gyurcsány wird nie wieder Ministerpräsident. Und die Parteien, die die Regierung abwechseln können, werden nicht SzDSz (garantiert), DK (sehr wahrscheinlich) oder MSzP (sehr wahrscheinlich) heißen. Á propos: Was ist überhaupt mit Mesterházy & Co los? Von denen habe ich seit einer halben Ewigkeit nichts mehr gehört.

    • Bei 33:45 min im Club 2 wird über das Thema Manipulationen im ÖR-Rundfunk gesprochen. Konkret der Fall des Hinausretuschierens des früheren Obersten Richters Zoltán Lomnici.

      Lendvai spricht darüber, dass „man“ diesen Obersten Richter mittlerweile „abgesetzt“ habe.

      Auch hier kann ein falscher Eindruck entstehen. Die Retusche war ein Skandal, über den ich hier auch berichtete. Aber der betroffene Lomnici wurde bereits im Jahr 2009 von András Baka abgelöst, seine Ablösung hat nichts mit der jetzigen Fidesz-Mehrheit zu tun. Warum kann (oder will) sich Lendvai nicht präzise ausdrücken?

      • Lendvai hat wirklich was durcheinander gebracht: Nicht Lomnici, sondern Baka wurde de facto von Fidesz abgesetzt. Er hat die Regierung kritisiert und dann musste er weg. Dazu hat man den Obersten Gerichtshof in Kuria umbenannt, und behauptet, dies sei eine völlig neue Institution, die natürlich auch einen neuen Leiter brauche. Bakas Amtszeit war aber noch nicht abgelaufen. Dasselbe Spiel trieb man mit dem Ombudsmann für Datenschutz. Dessen Aufgaben wurden einer neuen Behörde übertragen und der alte Ombudsmann wurde über Nacht auf mehr oder weniger elegante Weise entbehrlich. Letzteres ist sogar Gegenstand eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens. Ob sich die EU für Baka einsetzt, weiß ich nicht. Sagen Sie bloß, HV, von alldem hören Sie zum ersten Mal?

      • Halten Sie die Aussage von Lendvai zu Lomnici/Baka für eine bewusste Falschinformation? Ich neige dazu, die Verwechselung der Namen der Tatsache zuzuschreiben, dass Lendvai bei aller Landeskenntnis halt doch schon ein älterer Herr ist, der um diese Uhrzeit vielleicht auch mal was durcheinander bringt.

      • Was reiten Sie denn darauf herum? Tatsache ist, Lendvai hat eine falsche Aussage getroffen. Ich erinnere mich nicht, dass ich ihm „bewusste Falschinformation“ unterstellt habe. Ich weiß nicht, was Lendvai sich in diesem Moment gedacht hat. Sieht man sich aber seinen Bericht zuvor an, scheint mir die Tendenz, Belastendes um jeden Preis liefern zu wollen, erkennbar. Fragen Sie Lendvai und nicht mich, was diese Art der Berichterstattung soll. Ich kann Pröhle nur zustimmen: Halbwahrheiten, pamphletartiges. Willkommen beim ORF.

      • Ich „reite“ aus zwei Gründen „darauf herum“:

        1. Es handelt sich um einen typischen Fall dafür, dass an formal falschen Aussagen trotzdem „etwas dran“ sein kann: Die Amtszeit von Höchstrichter Lomnici (später Opfer der Ausblendaffäre) lief regulär aus und bei Höchstrichter Baka (keine Ausblendaffäre) hat Fidesz per Gesetz an der Amtszeit geschraubt. Die formale Verwechselung der Namen muss an dieser Stelle natürlich kritisiert werden, aber es wird für die Regierung nicht unbedingt besser, wenn man feststellt, dass nicht ein und derselbe, sondern zwei verschiedene (ehemalige) Höchstrichter von den beiden Affären betroffen sind. Das ist meine bekannte Rede vom „wahren Kern“.

        2. In unseren Diskussionen schwingt immer die Frage mit, ob ausländische Journalisten gezielt Falschinformationen über Ungarn lancieren. Ich wollte Ihnen in diesem Fall nichts unterstellen, aber deutlich machen, dass es andere Gründe für journalistische Fehler als gemeines Lügen geben kann: Gutgläubigkeit / Bösgläubigkeit (man glaubt etwas ungeprüft, weil man es für richtig hält, was ein Informant sagt), genereller Zeitmangel beim Recherchieren, hier vielleicht einfach nur Müdigkeit eines älteren Herrn.

        Fazit: Es gibt Ungarn-Kritik und Kritik an der Ungarn-Kritik. Letztere ist mitunter genauso überzogen wie erstere.

  10. Hannibal 105 mit Leichtigkeit kann man ja nicht darüber hinweggehen, wie schnell sich die Meinung von Hunderttausenden geändert hatte, die noch im Herbst der Revolution zustimmten und bereits am 1. Mai 1957 János Kádár zujubelten. Das waren ja nicht einzelne Wendehälse.
    Ungváry deswegen Rassismus vorzuwerfen, geht an der Sache vorbei. Er hat nicht über „die Ungarn“ gesprochen, sondern über diejenigen Hunderttausenden die ohne Zwang am 1. Mai 57 Kádár hochleben liessen.
    Heute so zu tun, als ob die Jahrzehnte des Kádárregimes reiner Zufall gewesen wären und die meisten Ungarn doch Widerstand geleistet hätten, ist genauso falsch, wie die österreichische „Lebenslüge“, die einfach die Zustimmung der Mehrheit zur Volksgemeinschaft in der Zeit nach dem „Anschluss“ Jahrzehnte ausklammerte. Bis dann Kurt Waldheim diese ad absurdum führte.
    Was ich wirklich schade fand, dass es den Autoren der Dokumentation nicht gelungen ist, Matolcsy als Interviewpartner zu gewinnen. Nichts geht über die Erfolge des unorthodoxen Wirtschaftens, die dieser treue Mitarbeiter des ungarischen Ministerpräsidenten immer wieder verkündet. Seine der CNN gegebene Erklärung über das „Hungarian fairy tale“ läßt János Háry als einen wahrheitsliebenden Menschen erscheinen.

  11. Nun Herr Pfeifer, ich würde meinen gerade SIE , der lt.Ihrer eigenen Aussage 4 mal von den damaligen ung. Machthabern ausgewiesen wurden sollten es besser wissen
    und Ungváry der Bürgerrechtler und MEFESZ Gründer erst recht.
    wie das denn wohl 1957 abgelaufen ist.
    Erstens wieviele der dort „aufmarschierten“ waren von den „munkásörök“ ?
    (und wer dort Mitglied war, ist ja wohl nun kein Geheimniss)
    und wie ansonsten die „freiwilligen“ Paraden aussahen, das kennt man gut.
    Das es natürlich Leute gab , die mit Begeisterung dahingingen, steht wohl ausser Zweifel,genau , wie es jetzt begeisterte gibt, die zu einer Milla Demo gehen.
    oder am 3.Oktober ins Wiener Rathaus 😉

  12. Turó Rudi,
    ich kenne diese Art an Geschichte heranzugehen zur Genüge aus Österreich, wo man sogar eine Geschichtslüge in Stein gemeißelt hat. In Wien vor der Albertina zu besichtigen. Ich meine die österreichische Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945.
    Fakt ist, Ungarn hat mehr als drei Jahrzehnte im Kádárregime verbracht. Und lediglich ein paar tausend Ungarn haben keinen Kompromiß mit diesem geschlossen.
    Es macht wenig Sinn im nachhinein die Geschichte umschreiben zu wollen, weil diese nicht in die „nationale“ Narrative hereinpaßt.
    Wenn es also ehemalige MSZMP-Mitglieder in der ungarischen Regierung gibt, dann paßt das auch nur, weil ja die ehemaligen Kommunisten, die zur Fidesz gingen scharf unterschieden werden von den ehemaligen Kommunisten die zur MSZP gingen. Die einen sind die Guten, die anderen die Bösen.
    Was das Wiener Rathaus anlangt, kann ich Sie beruhigen. Dort werden keine Demonstrationen veranstaltet. Ich habe manchen Vortrag schon im Rathaus gehört, wo die Zuhörer die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen.

    • Herr Pfeifer, es lief vor nicht allzu Langem eine Dokumentationsreihe über die ungarische Gschichte im ungarischen Staatsfernsehen („Magyarország története“). Ein Teil dieser Reihe beschrieb die Zeit nach 56. Darin wird berichtet, dass auch nach 56 regelmäßig Demonstrationen gegen die Staatsgewalt gab und zwar ab Anfang der 70er um den 15. März herum um der Revolution von 1848/49 zu gedenken, Mein Vater war regelrecht überrascht als er die Doku sah, er hatte davon nichts mitbekommen – zum Teil weil er Ende der 70er in die DDR auswanderte, aber auch, weil die Medien schwiegen. Er konnte sich lediglich erinnern, dass ihm einer seiner guten Freunde erzählt hatte, er wäre in Budapest auf einer solchen Demonstration gewesen und dort wäre es zur Sache gegangen und ob mein Vater denn nichts davon gehört hätte. Hatte er nicht und er dachte damals der Freund würde übertreiben. So gut haben diese Vertuschungen durch die Staatsmacht funktioniert! Es bleibt jedoch dabei: es gab auch nach 56 Widerstand. Im übrigen schließe ich mich der Bemerkung von Herrn l.hofer an.

      Grundsätzlich bleibt es aber dabei: was hätten die Ungarn denn tun sollen? 50 Jahre Revolution, mit Mistgabeln gegen sowjetische Panzer? Es ist leicht vom sicheren Wien aus Widerstand zu fordern, daran teilnehmen ist eine ganz andere Kategorie. Vergessen wir auch nicht, dass Kádár in gewisser Hinsicht tatsächlich ein Kompromiss war. Ursprünglich war er ein Anhänger der Revolution der zuvor selbst gefoltert wurde. Während der Revolution verschwand er plötzlich und traf geheime Abmachungen mit den Sowjets. Einerseits hat er damit die Revolution verraten andererseits konnte er einige Reformen für Ungarn sichern: Abschaffung der ÁVH, Reisen in den Westen, westliche Konsumgüter, Marktwirtschaft im kleinen Stil… Ich will Kádár nicht loben, ich kann ihn nicht leiden, aber ohne Kádár hätte es wahrscheinlich auch keine fröhliche Baracke gegeben. Er ist keine einfache Gestalt der Geschichte, die man leicht Gut oder Böse zuordnen könnte. Durch Ihren Beitrag, der wie Hohn klingt, beweisen Sie wiedereinmal selbst, dass Sie keine Ahnung von der Materie haben. Ist Ihnen eigentlich klar, dass man sich gar nicht die Mühe machen muss Ihre „Argumente“ zu widerlegen, sondern dass Sie sich regelmäßig selbst derart auseinandernehmen, dass es schlicht überflüssig erscheint sich mit Ihnen auseinanderzusetzen? Sie stellen sich regelmäßig selbst bloß.

      Bezüglich der Mitgliedschaft in der MSZMP denke ich, dass diese zunächst nur ein schlechtes Licht wirft, jedoch noch keinen geselschaftlichen Boykot rechtfertigt. Ich denke, wenn Sie im Sozialismus Karriere gemacht haben, dann wurde Ihnen das Parteibuch eher oder später angeboten. Diejenigen, die es ablehnten, mussten damit rechnen, dass ihre Kariere damit ein Ende hatte oder zumindest, dass sie auf einer Negativliste landeten. Darüberhinaus sagt das Parteibuch nichts darüber aus, ob jemand aktiv an der Diktatur teilgenommen hat. Entscheidend ist, wie die einzelnen Personen darüberhinaus gehandelt haben. Und genau dort sehe ich Defizite bei einigen MSZP-lern. Eine Frau Lendvai soll sich beispielsweise an der Zensur beteiligt haben – etwas, das gerade Journalisten kritisieren sollten. Was ein Herr Biszku getan hat, brauche ich nicht weiter zu erläutern. Ein Herr Gyurcsány hat sich zur Wendezeit im Zuge der Privatisierungen bereichert. Mal abgesehen davon, dass der einer ist, der sein ganzes Leben nur beschissen hat: beschissen bei der Diplomarbeit, beschissen bei der Privatisierung, beschissen bei den Wahlen. Welches Licht wirft das auf seinen Charakter? Andererseits kann es Leute geben, die zwar Mitglied in der MSZMP waren, aber durch Ihre Taten ein anderes Bild zeichnen. Eine umstrittene Person dürfte zum Beispiel Herr Imre Nagy sein, der als Ministerpräsident aktiv am Sozialismus teilgenommen hat, aber andererseits im richtigen Moment stark geblieben ist und sein Leben geopfert hat – letzteres ist etwas, das Otto Normalverbraucher wahrscheinlich nie zustande bringen würde und dem deswegen Respekt gebührt. Ich hoffe damit habe ich Ihre Frage zufriedenstellend beantwortet, sodass Sie aufhören andauernd mit diesem Thema rumzustenkern.

      Zum angesprochenen Video: http://www.youtube.com/watch?v=p85pnjZUyd0&feature=relmfu Leider werden die Demos erst im zweiten Teil, der durch die Gebühren-Stasi für deutsche Nutzer gesperrt wurde, behandelt. Der verfügbare erste Teil behandelt zumindest die Veranstaltung auf der Sie so rumreiten.

  13. @Karl Pfeifer
    „Fakt ist, Ungarn hat mehr als drei Jahrzehnte im Kádárregime verbracht. Und lediglich ein paar tausend Ungarn haben keinen Kompromiß mit diesem geschlossen.“
    Mit diesen Satz beleidigen Sie nicht nur Millionen Ungarn, sondern auch Millionen Ostdeutsche.
    Die meist aus wirtschaftlichen Gründen „paar tausend“ freiwillig weggegangenen Denker und Dichter, die Ungarn lange nach 1956 verlassen haben, sind offenbar Ihre wahren Helden.

  14. Wenn ich sage, die meisten Österreicher haben in der Zeit zwischen 1938 und 1945 keinen Widerstand geleistet, beleidige ich da diese Österreicher oder sage ich etwas, worüber es heute in der österreichischen Historiographie Konsensus herrscht?
    Beleidige ich Ungarn, wenn ich sage, dass in der Zeit der deutschen Besatzung lediglich eine kleine Minderheit aktiven Widerstand geleistet hat?
    Sollte Beleidigung als Kategorie der Geschichtsschreibung eingeführt werden und vielleicht die Geschichte so umgeschrieben werden, damit der nationale Stolz zur Geltung kommen kann?

    Das Kádár-Regime hat zwar mit der sowjetischen Intervention begonnen, doch ab 1962 konnte es mit der stillschweigenden Unterstützung oder wenigstens Duldung der meisten Ungarn rechnen. Das sind die Fakten auch wenn es manchem unangenehm ist, auch wenn es der jetzt postulierten „nationalen Einheit“ nicht passt. Wenn ich zum Beispiel sage, der ungarische Aussenminister Martonyi ist der MSZP sozusagen 5 Minuten vor 12 Uhr beigetreten, kann mich dann dieser wegen Beleidigung klagen? Oder ist das eine Tatsache?
    Die Haltung von Sándor Márai, der keinen Kompromiß mit der Diktatur machen wollte, meine ich, ist beispielhaft.

    • Ich sehe den Zusammenhang nicht, Herr Pfeifer. Was hat Widerstand gegen Kádár mit dem Eintritt Martonyis in die Partei zu tun? Was hat die nationale Einheit mit dem Widerstand zu tun? 56 hat Ungarn gezeigt, dass es sich nicht alles bieten lässt, in Konsequenz kam Kádár an die Macht und man erreichte immerhin die fröhliche Baracke. Hätte man erneut revoltiert, hätte man riskiert, dass die Sowjets einen Betonkommunisten an die Macht hieven und man das erreichte wieder verliert. Zudem hätten die Sowjets wieder Panzer geschickt, unzählige weitere Tode und Verletzte wären die Folge gewesen. Der Status Quo war schlicht alles was man unter diesen Bedingungen erreichen konnte, weshalb dann das eigene Leben riskieren? Natürlich duldet man dann die Situation. Ende der 80er waren die Bedingungen andere und ein Aufbegähren war wieder sinnvoll, aber Sie können diese Phase nicht mit den 60ern und 70ern gleichsetzen. Der Prager Frühling beweist das. Und wie schon angemerkt: bis zu einem bestimmten Maß gab es sogar Widerstand, nur passt der nicht in Ihr Wunschbild. Tut mir leid, aber ich bleibe dabei: was Sie sagen klingt wie „Stellt euch doch nicht so an, sondern hebt eure Ärsche.“, was leicht zu sagen ist, wenn sein eigenes Wohl nicht bedroht ist. Erfahrungsgemäß sind Leute wie Sie die letzten die tatsächlich etwas unternehmen, Sie reißen nur den Mund auf. Und abermals zeigen Sie, wie weit Sie sich von der Realität entfernt haben.

    • Ihr Vergleich mit Österreich ab 1938 hinkt.

      Sie scheinen generell das Mitläufertum aus wohlüberlegten Nutzendenke mit der Akzeptanz der Machtlosigkeit zu verwischen. Warum Sie das tun, weiß ich nicht.

      Bei Ihrer Argumentation müsste man ebenso fragen, warum denn die Sozialdemokratie in Österreich nach dem Justizpalastbrand nicht weiter demonstrierte, warum sie nicht weiterhin – quasi ab dem nächsten Tag – weiterhin Widerstand gegen die Regierung und die Heimwehrbewegung geleistet hat und schließlich zum Ergebnis kommen, dass sich die Österreicher und die Sozialdemokratie eben mit dem System arrangiert haben. Diese Sichtweise ist meiner Ansicht nach eine Verhöhnung der Opfer.

  15. Palóc: Sie bestätigen was ich oben schrieb: „in Konsequenz kam Kádár an die Macht und man erreichte immerhin die fröhliche Baracke. Hätte man erneut revoltiert, hätte man riskiert, dass die Sowjets einen Betonkommunisten an die Macht hieven und man das erreichte wieder verliert. Zudem hätten die Sowjets wieder Panzer geschickt, unzählige weitere Tode und Verletzte wären die Folge gewesen. Der Status Quo war schlicht alles was man unter diesen Bedingungen erreichen konnte, weshalb dann das eigene Leben riskieren?“
    Sie merken gar nicht, dass Sie damit nur die Kádársche Mantra wiederholen. Das liest sich so, als ob Kádár Imre Nagy wegen sowjetischem Druck hat hängen lassen, obwohl heute klar ist, dass dem nicht so ist.

    Dann projizieren Sie einiges auf mich, was nicht stimmt. György Dalos schrieb in seinem Vorwort zu meinem 1996 publiziertem Buch „Nicht immer ganz bequem“ u.a.: „Und die Truppe der berüchtigten Hauptverwaltung III./III. des Innenministeriums schlug zu. Nachdem man Pfeifer im Mai 1979 bei der Einreise an der Grenzstation verbotene Bücher und Journale beschlagnahmt hatte, wurde er in den achtziger Jahren viermal des Landes verwiesen. Mal holten sie ihn bei Hegyeshalom aus dem Autobus heraus, mal ließen sie ihn bis Budapest fahren und schickten ihn von dort nach Wien zurück.
    Selbst in den wenigen Fällen, in denen Pfeifer nach Ungarn einreisen durfte, wurde er zunächst ordentlich schikaniert. Einmal mußte er von Györ nach Hegyeshalom zurückfahren und konnte erst dort wieder in den Zug nach Budapest steigen. Im Frühjahr 1987 wurde ihm bei Hegyeshalom der österreichische Reisepaß weggenommen und er erhielt ihn in Budapest von einem lächelnden Grenzoffizier zurück. Es ging immer um die Verhinderung von Pfeifers Begegnungen mit Dissidenten, Schriftstellern, jüdischen Aktivisten oder katholischen Waffendienstverweigerern.
    Offensichtlich hüteten sich jedoch die ungarischen Behörden davor, den Unbequemen ein für allemal des Landes zu verweisen. Schließlich handelte es sich um den Redakteur der „Gemeinde“, dessen jeweilige Abschiebung durchaus einen Nachrichtenwert für die „Neue Zürcher Zeitung“ oder „Frankfurter Allgemeine“* besaß.“

    Weshalb glauben hier einige Poster mit Unterstellungen ad personam meine Argumente entkräften zu können?

    • Verstehe ich Sie richtig, dass ich mein Beitrag Eine Ausrede für das Dulden des Kádárregimes darstellen soll? Dan leiden Sie wirklich unter Realitätsverlust, denn was ich schrieb, entspricht schlicht den Tatsachen. Die Sowjetunion hätte nie erlaubt, dass Ungarn sich vom Ostblock löst. Wäre es zu einer weiteren Revolution gekommen, hätte man in Moskau durchaus zu dem Schluss kommen können, dass das Experiment der Zugeständnisse namens Kádár gescheitert ist und man jemanden schicken müsste der mal ordentlich aufräumt. In der Folge hätte eine weitere Revolution a) wieder Menschenleben gekostet und b) das bereits Erreichte wieder rückgängig machen können – unterm Strich hätte eine zweite Revolution also durchaus kontraproduktiv sein können. Ich wiederhole: was die Revolution 56 brachte, war das Maximum, dass man unter den politischen Verhältnissen erreichen konnte.
      Wie Sie wieder auf Nagy vs. Kádár kommen, ist mir schleierhaft, denn ich habe mit keinen Worten versucht, Kádár bezüglich der Hinrichtung Nagys zu entschuldigen. Ich habe lediglich Nagy gelobt, weil der nicht einknickte. Dennoch widerspreche ich Ihrer Ansicht, dass es erwiesen ist, Kádár hätte aus eigenem Antrieb gehandelt. Möglicherweise war es Kádárs eigene Entscheidung, ich habe aber bereits auch gegenteilige Ansichten gehört, wenngleich das schon ein paar Jahre her ist. Wie gesagt war Kádár ursprünglich Anhänger der Revolution und es ist meines Wissens auch bekannt, dass Kádár ursprünglich gegen eine Intervention im Prager Frühling gewesen ist, weil er die Reaktion des eigenen Volkes fürchtete. Nagy war nicht erst wegen seiner Rolle während der Revolution beliebt – glauben Sie nicht, dass seine Hinrichtung eine Provokation gegenüber dem Volk und damit ein Risiko gewesen wäre? Ich würde es durchaus für Plausibel erachten, wenn Kádár bereit gewesen wäre Nagy gegenüber Milde walten zulassen (in Form von Gefängnis, Exil oder Hausarrest?), um dann den Staat sogar noch als human darstellen zu lassen, weil er seinen Gegnern vergibt? Ich gebe darüber kein Urteil ab, denn das ist Aufgabe der Historiker. Ich sage nur, es erschiene mir plausibel.

      Im Übriegn finde ich es selbstverliebt, wenn Sie sich hier als großen Helden stilisieren. Ihre Taten in allen Ehren, aber denken Sie nicht auch, dass es ein politisches Problem gewesen wäre wenn sich der ungarische Staat an einem ausländischen Staatsbürger, der Sie als Österreicher waren, vergriffen hätte? Sind Sie je auf den Gedanken gekommen, dass Sie nur deswegen immer wieder nur nach Hause geschickt wurden (ach, Sie armes Pfeiferle… wie konnten diese Unmenschen Ihnen das nur antun?)? Wie Sie sagten: Sie waren zudem Journalist westlicher Medien, Sie zu bestrafen wäre ein Skandal geworden. Ein ungarischer Bürger hätte aber mit weit ernsteren Konsequenzen rechnen müssen, was beispielsweise die Hinrichtungen nach 56 zeigen. Darüberhinaus hätte ein ungarischer Bürger nicht nur um sein eigenes Wohl fürchten müssen, sondern auch um das seiner Familie. Davon mal abgesehen, dass sich eine politische Abkehr hin zum Betonkommunismus kaum auf Ihr Leben hätte ausgewirkt, wohl aber auf das der ungarischen Bürger die in Ungarn lebten. Damit war Ihr Handeln für Sie weitestgehend konsequenzenlos, bei einem Ungarn wäre das aber anders gewesen. Vor diesem Hintergrund empfinde ich Ihren Vergleich als ziemlich arrogant und realitätsfern.

  16. Palóc, Ich zitierte György Dalos und nirgendwo beklagte ich meine Ausweisungen. Obwohl es natürlich nicht angenehm war, am Leben bedroht zu werden, wie mir das anlässlich meiner ersten Ausweisung 1980 geschah.
    Denn damals war ich ein unbekannter free lance Journalist. Allerdings, nachdem ich 1982 Redakteur eines halboffiziellen Organs wurde, war die Ausweisung 1986 der FAZ und der NZZ eine Nachricht wert. Das schreibt Dalos.

    Die Verhunzung meines Namens kommt etwas häufig auf HV vor, ich denke, dass dies nicht geduldet werden sollte. Solche Umgangsformen bin ich nicht gewohnt. Wir haben nicht gemeinsam Schweine gehütet.

    Sie bestätigen, wiederum nur das, was ich behauptet hatte. Ich habe die gleichen Fakten festgestellt. Die ungarische Gesellschaft hat nach 1962 ihren Frieden mit dem Kádárregime gemacht. Ich habe keinen moralischen Zeigefinger erhoben, lediglich die Fakten festgestellt.
    Was mir lächerlich erscheint, ist, wenn jetzt die Geschichte umgeschrieben wird, und behauptet wird, nicht nur eine verschwindend kleine Minderheit, sondern die Mehrheit der Ungarn hätte während der gesamten Kádárperiode Widerstand geleistet.

    • Lieber Herr Pfeifer,
      und was war mit dem passiven Widerstand der Ungarn gegen das durch rohe Gewalt an die Macht gelangte Kádár-Regime?

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