Lendvai im Gespräch mit Olga Kálmán

Paul Lendvai im Gespräch mit Olga Kálmán vom oppositionsnahen Fernsehsender ATV:

http://atv.hu/cikk/video-20121001_paul_lendvai

 

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15 Kommentare zu “Lendvai im Gespräch mit Olga Kálmán

  1. Mich überzeugt der Erklärungsversuch Lendvais, der das grobe Ungleichgewicht der in seiner Reportage zu Wort kommenden Personen zu rechtfertigen sucht (1 Regierungsvertreter, 3 Jobbik-Anhänger, 9 linke und linksliberale Personen), nicht.

    Geradezu putzig erscheint der Versuch Lendvais, seine Rolle beim Film kleinzureden (wer hat wohl Váradi, Ungváry und Schiff besorgt?) und sich als – vom ORF – unabhängiger Publizist darzustellen; ich denke, keiner bezweifelt den „langen Arm Lendvais“ in Fragen der Ungarn-Berichterstattung auch im heutigen ORF. Ist ja nicht schlimm, Einfluss zu haben, aber man sollte auch dazu stehen, wenn man ihn geltend macht!

  2. HV ich habe diesen Film angeschaut und finde es schade, dass Viktor Orbán nicht bereit war ein Interview zu geben. Sonst ist er nicht so zurückhaltend.
    Erst vorige Woche hat Viktor Orbán eine wichtige Rede in Lakitelek gehalten.
    Éva Balogh hat auf ihrer englischsprachigen Website aus dieser Rede einiges zitiert
    http://hungarianspectrum.wordpress.com/2012/10/01/viktor-orbans-wise-friends-in-lakitelek-september-27-1987/
    Und Lévai Julia macht heute auf galamus darauf aufmerksam, dass Magyar Nemzet diese Rede des ungarischen Ministerpräsidenten zensuriert hat.
    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=165338
    Ferenc L. Lendvai bezieht sich auch auf diese Orbán Rede:
    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=165344
    Und schon gestern schrieb darüber Zsofia Mihancsik, die diejenigen kritisiert, die Orbán für nicht zurechnungsfähig halten:
    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=165077

    • Mal unterstellt, man habe Orbán wirklich gefragt (das hat Lendvai behauptet), würde es mich nicht wundern, dass Orbán hier zurückhaltend war. Man kennt ja den Tenor seiner Sendungen, warum sich also für so etwas hergeben? Oder sind Sie so naiv und glauben, man hätte ihm eine faire Chance gegen die Váradis, Ungvárys und Bauers gegeben? Ich habe da meine Zweifel.

      Lendvai sagte ja, im Film sollten die zu Wort kommen, die (angeblich) sonst nirgends (insbesondere nicht in Ungarn) zu Wort kämen. Also klar parteiisch. Vielleicht schlägt Lendvai mal die Népszava, die amerikanische Népszava, die Népszabadság, HVG auf und hört Klubrádió, er wird sich wundern, wer da alles zu Wort kommt, obwohl er/sie so gerne von Unterdrückung der Presse spricht.

    • Also dieser Schmierenjournalist Lendvai hat wirklich nicht die Kragenweite von Orbán.
      Selbst wenn ihm Orbán ein Interview gegeben hätte, wären wir immer noch bei 2:12.

  3. Die Autoren des Filmes haben einiges aus den Reden Orbáns eingefügt. Aussenminister Martonyi wurde befragt und er hat sich nicht darüber beschwert, dass der ORF seine Aussagen manipuliert hätte.
    Orbán wäre nicht schutzlos ausgeliefert gewesen, wenn er auf ein paar Fragen geantwortet hätte.
    Bei aller Kritik am ORF, sollte man doch nicht die gelegentliche Vorgangsweise des königl. ungarischen TV auf das österreichische Fernsehen projizieren.
    Manipulationen wie bei der Budapester Pressekonferenz des Daniel Cohn-Bendit oder wie das Retuschieren von Herrn Lomnici sind beim ORF bislang nicht vorgekommen.

    Nun hat Orbán einiges in Lakitelek erklärt, was von einer katholischen Website kritisiert wird:
    http://katolikusszemmel.wordpress.com/2012/09/30/a-jo-pasztor/
    Prof. Bitó nahm dazu Stellung auf atv im Gespräch mit Olga Kálmán die ihn zur „Blut und Boden“ Rede Orbáns befragt:
    http://atv.hu/belfold/20121001_bito_laszlo
    HV vielleicht können Sie aus dieser Orbán Rede wesentliche Teile zitieren. Meines Wissens nach hat nur Prof. Balogh etwas daraus ins Englische übersetzt. Und die Aussagen des amtierenden ungarischen Ministerpräsidenten sind sicher berichtenswert.

    • Pröhle hat im Nachgespräch nicht zu Unrecht kritisiert, dass Martonyi zwar lange interviewt, aber nur mit Nebensächlichkeiten zitiert wurde…

  4. Ungarns Ministerpräsident sprach am 29.9.2012 u.a. so:
    „Der Turul ist ein Urbild, das Urbild der Ungarn. Wir werden in es hineingeboren, so wie wir in unsere Sprache und Geschichte hineingeboren werden. Das Urbild gehört zum Blut und zum Heimatboden. Von dem Augenblick an, wo wir als Ungarn auf die Welt kommen, schließen unsere sieben Stämme den Blutbund, gründet unser heiliger Stephan den Staat, unterliegen unsere Truppen in der Schlacht bei Mohács, der Turul aber ist das Symbol der nationalen Identität der jetzt lebenden, der schon gestorbenen und der erst noch auf die Welt kommenden Ungarn. (…)

    Diese Statue, die wir heute, am Tag des heiligen Michael, einweihen, ist das Denkmal des nationalen Zusammenhalts. Es erinnert daran, dass jeder Ungar jedem anderen Ungarn Rechenschaft schuldig ist. Die ungarische ist eine Weltnation, denn die Grenzen des Landes und die Grenzen der ungarischen Nation fallen nicht zusammen (…). Dieses Denkmal will uns sagen, dass es nur ein einziges Vaterland gibt, und zwar jenes, welches dazu fähig ist, alle Ungarn diesseits und jenseits der Trianon-Grenzen in einer einzigen Gemeinschaft zu vereinigen.

    Heute ist der Tag des heiligen Michael. Die Heilige Schrift gibt uns für den heutigen Tag Folgendes auf, ich zitiere: „Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen.“ Zitat Ende. (…)

    Wer die Zeichen der Zeit zu lesen vermag, der kann sie lesen. Eine Welt neuer Gesetze kommt auf den europäischen Kontinent zu. Das erste Gebot dieser im Entstehen begriffenen neuen Welt lautet: Die Starken vereinigen sich, die Schwachen zerfallen, das heißt, die Angehörigen starker Nationen halten zusammen, die der schwachen Nationen laufen auseinander. Ich wünsche jedem Ungarn, dass er Ohren haben möge zu hören und dass er die Zeichen lesen möge.“

    derstandard.at/1348284885395/Umstrittene-Blut-und-Boden-Rede-Orbans

    • Ich lese da viel Pathos, aber wenig Griffiges. Was ist denn Ihre Schlussfolgerung? Schließen Sie sich Zsófia Mihancsik an, die darüber phantasiert, dass Orbán mit dieser Rede „den Bürgerkrieg“ vorbereitet?
      Analysieren Sie doch mal die obige Passage, was will uns Orbán damit sagen?

      • Mir fällt zu Orbáns Worten nur ein: sehr, sehr befremdlich. Die Bürgerkriegsthese verstehe ich aber auch nicht. Wie hat die Dame das gemeint?

      • „nem feltétlenül a fegyverek eszközével kell leváltani az Orbán-kormányt“ (Die Orbán-Regierung sollte nicht unbedingt mit Waffengewalt abgelöst werden)
        Péter Kónya bei Olga Kálmán
        http://atv.hu/cikk/video-20121004_konya_peter

        Was soll dieses Geschwätz vom Bürgerkrieg (Mihancsik) und vom Waffengewalt (Péter Kónya)?

  5. HV Wenn Sie mich fragen, dann antworte ich gerne. Hoffe aber von Ihnen auch eine Analyse zu erhalten.
    Der erste Eindruck war, dass ich die Rede für ein wenig verworren halte. Der zweite Eindruck war, er versucht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, auf einer christlichen und einer heidnischen.

    Bürgerkrieg? Nein.
    Dichotomie und ein Schuß Messianismus, wobei er vielleicht den Messias nicht erwartet, sondern glaubt selber einer zu sein? Kann auch sein, dass er das alles nicht ernst meint und zynisch denkt, das erwarten die Fideszwähler die zur Jobbik gegangen sind?
    Interessant fand ich den Kommentar von Prof. Mária Ludassy
    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=165880

    Tatsache ist, dass Magyar Nemzet diese Rede zensuriert hat. D.h. auch Leser dieser regierungsnahen Tageszeitung würden diese Rede nicht nur als pathetisch qualifizieren.
    Orbán wird nicht mehr als Kandidat für die Vizepräsidentschaft der Europäischen Volkspartei zur Verfügung stehen. Ob das auch mit dieser Rede zu tun hat?

  6. So sieht die Spiegelung der innenpolitischen Verwerfungen in Ungarn und ihre Projektion auf Deutschland aus:

    Am 09.10.2012 feiert Leipzig wieder den Jahrestag des Beginns der Friedlichen Revolution von 1989 – diesmal mit dem Ehrengast Ungarn. Schon seit Wochen streitet man in der „Heldenstadt“ ohne Ansehen der Person darüber, ob Minister Zoltán Balog (parteilos), einst in der Opposition gegen den Kommunismus aktiv, jetzt aber Repräsentant der viel gescholtenen Fidesz-Regierung, dort eine öffentliche Rede halten darf.

    Die allerletzte Entwicklung in dieser bizarren Auseinandersetzung sieht so aus: Während der liberale Schriftsteller György Dalos (parteilos) ab 17 Uhr am traditionellen Friedensgebet in der Nikolaikirche teilnehmen und eine Rede zur Demokratie halten wird, organisiert die Konrad-Adenauer-Stiftung zeitgleich (!) eine Podiumsdiskussion mit Minister Balog, dem FAZ-Journalisten i.R. Georg Paul Hefty, zwei CDU-Bundestagsabgeordneten u. a. zum Thema „Freiheit in Ungarn“ in der Alten Börse, was man nur als eine Art Gegenveranstaltung interpretieren kann. Die Leipziger werden also gezwungen, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen. Wer sich eine eigene Meinung bilden und beide Gäste aus Ungarn anhören will, hat erst mal keine Chance dazu.

    Um 20 Uhr wird Minister Balog dann auf Einladung des Leipziger Oberbürgermeisters Jung (SPD) ein kurzes Grußwort auf dem Augustusplatz sprechen. Ich bin jetzt schon gespannt, ob er das einigermaßen in Würde tun kann bzw. was die Protestbewegung sich einfallen lassen wird.

    Müssen wir den Ungarn vielleicht dankbar dafür sein, dass sie uns Gelegenheit bieten, längst verschüttet geglaubte Gräben zwischen Links und Rechts wiederzuentdecken? Oder sollten wir uns an den Kopf greifen und fragen, was dieser politische Kindergarten eigentlich soll? Ich bin noch unentschieden.

    Ach so, hier der Quelltext für meinen Beitrag aus der Leipziger Internetzeitung:

    http://www.l-iz.de/Politik/Leipzig/2012/10/Lichtfest-Leipzig-Monika-Lazar-kritisiert-Parallelveranstaltung-mit-Zoltan-Balog-44110.html.

  7. György Dalos war am Donnerstag bei einer Buchpräsentation in Wien dabei
    In Wien wurde der Nischenverlag von Frau Zsóka Lendvai, (Ehefrau von Paul Lendvai) gegründet. „Unser Name ist unser Programm: Wir möchten eine winzige aber aufregende Nische im deutschen Sprachraum für noch unbekannte oder bereits vergessene Bücher ungarischer Autoren besetzen.“
    Zsóka Lendvai, Verlegerin.
    Das erste Buch des Verlags: Ágnes Zsolt, „Das rote Fahrrad“ „Das von ihrer Mutter postum herausgegebene Tagebuch Évas, eines frühreifen ungarischen Mädchens, ist ein fesselndes und zugleich erschütterndes Zeitdokument über dreieinhalb Monate der kleinen Freuden und des bangen Wartens im Frühjahr 1944 vor der Verschleppung nach Auschwitz. Die – Jahrzehnte nach dem Selbstmord der von Schuldgefühlen geplagten Mutter erschienenen – hebräischen und englischen Versionen nannten Kritiker „die ungarische Anne Frank Geschichte“.
    Bei der Veranstaltung wurde bereits aus den zwei darauf folgenden Büchern gelesen und zwar von den Autoren und den Übersetzern, in ungarischer und deutscher Sprache. György Spiró: Der Verruf. Roman und Lajos Parti Nagy: Der wogende Balaton. Erzählungen.
    Die Präsentation fand in der Alten Schmiede in Wien statt und der Raum war überfüllt. Im Anschluss luden Zsóka und Paul Lendvai zu ungarischem Wein und Pogatschen ein. Leider konnte ich nicht den ganzen Abend bleiben.

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