Budapester Zeitung: Interview mit Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány

Die Budapester Zeitung bringt ein Interview mit Ferenc Gyurcsány:

http://www.budapester.hu/2012/10/%E2%80%9Edie-macht-macht-den-menschen-ungemein-narzisstisch/

Budapester Zeitung: Jan Mainka analysiert die Lendvai/Morgenthaler-Reportage „Nationale Träume“

Der Herausgeber und Chefredakteur der Budapester Zeitung, Jan Mainka, analysiert in einem längeren Beitrag die Reportage „Nationale Träume – Ungarns Abschied von Europa?“, die am 26.09.2012 beim ORF ausgestrahlt wurde.

Während ungarische linksoppositionelle Kreise, die im Film ganz überwiegend zu Wort kamen (neun definitive Vertreter des linken/linksliberalen Spektrums gegenüber nur einem Regierungsvertreter), den Beitrag als „nüchterne Bestandsaufnahme“ lobten (so der für die dpa-Berichte aus Ungarn mitverantwortliche Journalist ud bekennende Antifaschist Gregor Mayer), hagelte es (unter anderem) aus dem Regierungslager heftige Kritik an der Gewichtung.

Mainka analysiert einige der inhaltlichen Fehler und teils bewussten Verdrehungen, die der ORF seinen Zusehern präsentiert hatte.

http://www.budapester.hu/halbwahrheiten-auslassungen-und-verdrehungen/

Der Autor arbeitet zunächst heraus, dass Teile der aktiven ungarischen Opposition völlig umgangen wurden – so z.B. die grüne Oppositionspartei LMP und die Zivilbewegung Milla – und stattdessen Vertreter der vom Wähler atomisierten und nicht mehr im Parlament vertretenen linsliberalen SZDSZ sowie Anhänger von Ferenc Gyurcsány das Bild bestimmen durften. Auch Gyurcsány selbst kam zu Wort, die Macher bemühten sich hier um eine sympathische Dastellung. Ferner sprachen Menschen wie Júlia Váradi, Tamás Bauer und Rudolf Ungváry, die für ihren Hass (ein besseres Wort dafür gibt es nicht) auf Viktor Orbán im Inland wohlbekannt sind.

Verwiesen wird auch auf die Effekthascherei, etwa den Umstand, dass ein ehemaliger Angehöriger des staatlichen Rundfunks im stalinistisch-sozialistischen „Statuenpark“ interviewt wurde – ein bewusster und zugleich plumper Versuch, die heutige Regierung wenigstens optisch-effektmäßig in die Nähe der Diktatur zur rücken.

Bemerkenswert auch, dass der ORF, offenbar in Ungarn-Fragen immer noch allzu sehr am Tropf des Publizisten Paul Lendvai hängend, in dem Beitrag die Aussage vertreten lässt, in den „vergangenen vier Jahren“ seien zahlreiche Morde an Roma passiert – man gewinnt den Eindruck, diese Mordserie habe somit auch etwas mit der Regierungsphase Orbáns seit 2010 zu tun – eine bewusste Verfälschung der Fakten.

Festzustellen ist: Nationale Träume“ hat äußerst dürftigen Informationsgehalt, dient vielmehr der Anti-Regierungs-Propaganda. Lendvai gab dies letztlich dadurch selbst zu, als er sagte, es seien die Menschen zu Wort gekommen, die sonst (angeblich) keine Stimme erhielten; auch die ist zulässig, nur sollte ein öffentlicher Rundfunk davon Abstand nehmen – insbesondere wenn sich die Macher und zu Wort kommenden politischen Akteure (zum Teil mit Recht) über die Einseitigkeit des ungarischen Rundfunks beschweren.

Fest steht auch: Im ORF kommt man bis heute nicht an Lendvai und seinen Ansichten zu Ungarn vorbei – an einem flammenden Gegner des heutigen Ministerpräsidenten, der nicht einmal so tun muss, als würde er beide Seiten zu Wort kommen lassen. Für die Auswahl der interviewten Regierungskritiker zeichnet ganz offensichtlich er allein verantwortlich – Júlia Váradi, Tamás Bauer und Rudolf Ungváry hatten sich (natürlich rein zufällig…)  für die selbe „Demokratische Charta“ eingesetzt, aus der die heutige Gyurcsány-Splitterpartei „Demokratische Koalition“ entstand, für die sich auch Lendvai stark gemacht hatte:

http://www.youtube.com/watch?v=vYpOWWqJFps

Man kennt und unterstützt sich eben.