Boris Kálnoky in der WELT: Ungarns Kampf gegen die Armut der Roma

Der Journalist Boris Kálnoky hat einen längeren Bericht für die Tageszeitung WELT verfasst. Er thematisiert die Situation der ungarischen Roma. Kálnoky sprach unter anderem mit Zoltán Balog, dem Minister für „Humanressourcen“ (ein Mega-Ministerium, das u.a. das Sozial- und Bildungsressort vereint) und der Menschenrechtsaktivistin Kriszta Bodis in Ózd.

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article109681010/Ungarns-Kampf-gegen-die-Armut-der-Roma.html

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20 Kommentare zu “Boris Kálnoky in der WELT: Ungarns Kampf gegen die Armut der Roma

  1. Ich befürchte für diesen Beitrag muss ich Herr Kalnoky ein extra dickes Fell zulegen.Man kann die Tendenz wo es lang geht, schon an den bisherigen Kommentaren in „Der Welt“ dazu erkennen.

    • Man sieht, was die allgemeine Tendenz in der Presseberichterstattung anrichten kann, oder ungarisch: „Vak vezet világtalanokat vakvágányra.“

      Balog, der eine Menge mehr Ahnung von den Problemen der Zigeuner hat als die Jungs und Mädels aus den Redaktionen, als Lügner zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück. Ich selbst habe bei der WELT schon kommentiert. Ich denke, man sollte endlich die Verantwortlichkeiten auf beiden Seiten – Mehrheit UND Minderheit – erkennen, mit Täter-Opfer-Umkehr hat das wenig zu tun. Dass die fehlende Schulbildung der Roma ein Problem ist, ist unbestreitbar; oder wer von den Diskutanten würde Analphabeten ohne jede Grundbildung einstellen? Zur Situation der cigány hat Rolf Bauerdick vor einiger Zeit ein interessantes Interview bei DRadio gegeben:

      http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1367479/

      Ja, er hat in der Sache Recht. Und auch, wenn er (u.a.) über die Leute mit ihrem ewigen Rassismusreflex sagt:

      „Bauerdick: Ja, das ist unerträglich, diese Leute. Nein, es gibt ja wirklich in Deutschland so eine Intellektuellenclique, die also bei jedem Satz, den man sagt, rassistische Umtriebe spüren. Wenn man etwas sagt, was also vielleicht nicht so gut ist für die Roma, dann ist man ein Rassist (…)“

      Der Empfehlung Bauerdicks, diese „Intellektuellenclique“ einfach zu ignorieren, kann man nur folgen. Ich jedenfalls lasse mir keinen Rassismus unterjubeln, wenn ich die Meinung vertrete, dass es ein Problem der Zigeuner (und nicht der bösen rassistischen Mehrheitsgesellschaft) ist, wenn sie ihre minderjährigen Töchter verheiraten und mit Prügeln davon abhalten, die Schule zu besuchen. Das ist sicher nicht die Mehrheit, sondern Exzesse. Aber es gibt sie. Der Unwille, Kinder in die Schule zu schicken, ist aber leider sehr weit verbreitet.

      Nochmals: Verantwortung auf beiden Seiten erkennen. Und da tut Fidesz mehr als in den vergangenen 20 Jahren geschah.

      Ist jedem hier eigentlich bewusst, über welches soziale(ökonomische Pulverfass wir hier sprechen? Wenn es so weitergeht (80% der Zigeuner sind ohne Beschäftigung), und die Geburtenrate so bleibt wie bisher, sind in einigen Jahrzehnten die Mehrheit der in Ungarn lebenden Menschen Angehördige der Zigeuner. Sollen die Damen und Herren Sozialromantiker doch Vorschläge machen, was zu tun ist.

  2. Das Problem ist nicht während der letzten zwei Jahre entstanden. Bereits während des Landreforms nach 1945 wurden die cigány diskriminiert.
    Trotz aller Deklarationen wurde auch während der Volksdemokratie die Diskriminierung nicht beendet. Siehe dazu:
    KEMÉNY ISTVÁN: A magyarországi cigányság helyzete

    http://www.sulinet.hu/oroksegtar/data/magyarorszagi_kisebbsegek/2009/ciganyok/Periferian_roma_szociologiai_tanulmanyok/pages/007_A_magyarorszagi_ciganysag_helyzete.htm

    Seit der Wende gab es viele Deklarationen und wenig Fortschritt. Wir werden ja bald sehen, ob Minister Balog eine Besserung der Lage herbeiführen kann.

    • Bald? Ich glaube nicht, dass das was Balog tut, allzu unmittelbar zu deutlichen Verbesserungen führt. Was er tut, finde ich richtig und sicherlich gibt es da auch einige rasche Erfolge, aber eben nur kleine. Man kann nicht erwarten für ein so umfassendes und tiefgründiges Problem eine Lösung von heute auf morgen zu finden. Etwas anderes zu behaupten wäre vermessen. Das hat schließlich die USA nicht mit der afroamerikanischen oder lateinamerikanischen Bevölkerung nicht geschafft, das schafft Frankreich nicht mit den Algerien und das schafft auch Deutschland nicht mit den Türken, wieso sollte man also von Ungarn etwas anderes erwarten? Balogs Arbeit kann durchaus Früchte tragen, aber ich denke die werden wir frühestens in einigen Jahren ernten können.

  3. „Augen zu und weiter so“ ist keine Lösung

    Das Problem wird von Tag zu Tag grösser. Man muss wissen, dass Sinti und Roma die vielleicht einzigen Bevölkerungsgruppen in Europa ist die ein starkes Wachstum aufweisen.
    Relativ junge Grosseltern haben oft 20 bis 40 Enkelkinder. Die Mädchen beginnen mit 12-14 Jahren zu gebären. Fast alle Kinder wachsen ohne Schul- und Berufsbildung auf.
    Diese Menschen sind nicht weniger begabt als andere, aber ohne Bildung und Sozialisierung in die Gesellschaft sind sie davon ausgeschlossen und dafür verloren.
    Freunde haben sie in der Regel kaum, eine temporäre Ausnahme bilden die Wahlzeiten, danach geschah meistens wenig konkretes.
    Die Regierung von Viktor Orbán ist hier eine positive Ausnahme.
    Die Finanzielle Mittel sind bescheiden, aber diese werden sehr effektiv eingesetzt.
    Man will keine Sozialhilfen für arbeitfähige Menschen ohne Gegenleistung verteilen.
    Die Kinder müssen die Schule besuchen und wenn möglich einen Beruf erlernen.
    All diese Massnahmen sind sehr zu befürworten und dienen allen den aufwachsenden Generationen.
    Die Aufgabe ist riesig und kann jedes Land überfordern.
    Die Italiener und Franzosen haben die aufkommende Gefahren erkannt und gehandelt.
    Aber, die Sinti und Roma sind Europäer, für alle Länder der EU verteilt.
    Die EU muss hier handeln und gemeinsame Strategien entwickeln, da Das Problem wird von Tag zu Tag grösser!

  4. *Die Italiener und Franzosen haben die aufkommende Gefahren erkannt und gehandelt*

    Genau, sie haben sie mal ruck-zuck gleich in ihre Heimatländer zurück verfrachtet und das nicht nur 2012.
    und man handelt ja auch schon:wie sagt doch gleich die Kommissionsvizepräsidentin und EU-Justizkommissarin Viviane Reding
    *Die Mädchen dürften nicht mehr mit zwölf Kinder bekommen, so Reding weiter, und Kinder müssten normal zur Schule gehen. So würden sie später arbeiten und seien von Nutzen für die Gesellschaft.*
    So würden sie später arbeiten und seien von Nutzen für die Gesellschaft???
    Eine herzerfrischende und lehrreiche Aussage.
    Ich stelle mir gerade vor, wie wohl die Kommentare lauten würden, wenn man das hier in Ungarn sagen würde.

  5. Turó Rudi in Ungarn hingegen bringt man öffentlich Pauschalurteile über „cigánybünözés“ an.
    Weder die Kommunisten, noch die nach der Wende folgenden Regierungen sind darangegangen, den Besuch von Schulen zu erzwingen und damit zur Lösung des Problems beizutragen.

    • Genau deshalb finde ich den Ansatz gut, die Sozialhilfe zu streichen bzw. zu beschränken, wenn die minderjährigen Kinder die Schule schwänzen; und das gilt nicht nur für die cigány, sondern für alle, die ihre Kinder rumlungern lassen und ihrer Erziehungspflicht nicht nachkommen. Sehen wir es als Vorsorgemaßnahme des Staates, um das Entstehen künftiger Generationen von Soz-Hilfeempfängern zu bekämpfen. Letztlich müssen diejenigen, die ihren Kindern die Zukunft auf diese Weise verbauen, auch zu spüren bekommen, dass der Staat sie dabei nicht unterstützt.

      Anders als viele andere (z.B. TGM) sehe ich den Anspruch auf Sozialhilfe nicht als gottgegebenes Recht an, sondern bin der Meinung, dass man sich entsprechend verhalten muss, um ihn zu erwerben.

      Gerade weil Sie richtig sagen, dass die Regierungen nach der Wende bislang wenig getan haben, um Schulbesuche zu erzwingen, könnten Sie doch mal etwas Positives über einen solchen Ansatz, wie ihn Balog fährt, sagen. Aber dazu fehlt Ihnen ganz offensichtlich die Größe. Ihnen kommt nur Negatives über die Lippen, wenn es um diese Regierung geht. Denken Sie mal drüber nach 🙂 .

    • Ich möchte kurz beleuchten, weil das im Artikel aus Platzgründen nicht hinreichend möglich war, welche Widerstände auf allen Ebenen auftauchen, wenn man das Problem zu lösen versucht.

      Innerhalb der Regierung – besonders im Innenministerium – scheint man sehr viel mehr als bei Balog ganz auf Verordnungen zu setzen. Links will man einen Erfolg der Regierung um jeden Preis verhindern und feuert in breiten Salven „Rassismus“-Granaten ab. Man will lieber den Roma auf ewig Sozialleistungen geben und dafür ihre Stimmen bekommen, als das Problem zu lösen. Und dann sind da die Roma selbst – sie für begehbare Wege zu interessieren ist nicht einfach, weil das Misstrauen gegen „die da oben“ gross ist.

      Da hilft nur sehr viel Geduld, Präsenz vor Ort und Glaubwürdigkeit – wozu durchaus auch Härte gehört, wo sie helfen kann. Die Roma selbst sind bereit, einander zu disziplinieren, wenn ein sinnvoller Rahmen für Besserung sichtbar ist.

      Die Härte der Regierung ist manchmal leider auch kontraproduktiv, zB mitunter beim Arbeitszwang als Bedingung für Sozialhilfe – viele Roma haben Schwierigkeiten, die geforderten 30 Tage zusammenzubringen, weil die Arbeitsbeschaffungsprogramme den Bedarf nicht decken, und fast alle Arbeitsmöglichkeiten schwarz sind und somit nicht angerechnet werden. Das will man im Innenministerium übrigens nicht verstehen.

      Umso wichtiger und überhaupt für Ungarn wegweisend finde ich die Rechts-Links-Kooperation im Hause Balog.

    • Folgender Beitrag ist auch im Zusammenhang mit den Kommentaren weiter unten zu sehen. Ich finde diese Haarspalterei bezüglich der Begriffe Cigánybünözés(=Zigeunerkriminalität) und Romaproblem unsäglich. Beide Begriffe bezeichnen durchaus ernstzunehmende Probleme, die es zu lösen gilt und für die man deswegen einen Begriff braucht um eine Diskission zu erleichtern. Möglicherweise sind diese Begriffe missverständlich (und deshalb für den Gebrauch eines Politikers, die wir aber nicht sind, nicht zu gebrauchen), aber ich finde zu dieser Interpretation braucht es schon ein wenig Bösartigkeit. Genauso könnte man argumentieren, dass der Begriff Antisemitismus nicht zu gebrauchen ist, weil er eine Feindlichkeit gegen alle semitischen Völker unterstellt, obwohl üblicherweise Judenfeindlichkeit gemeint ist. Auch für den Antisemitismus braucht man einen griffigen Begriff, sodass Antisemitismus mit Recht beibehalten wird. Diese sinnlosen Diskussionen lenken letztlich nur von den eigentlichen Problemen ab. Ich für meinen Teil werde jedenfalls alle 3 Begriffe weiterhin benutzen bis jemand geeignete Ersatzbegriffe vorschlagen kann.

  6. Lieber Herr Kalnóky, vielen Dank für Ihren lesenswerten Beitrag. Gestatten Sie zwei Anmerkungen:

    Sie gehören vermutlich zu den Menschen, die eine Allergie gegen politisch korrekte Sprache haben. Trotzdem möchte ich Ihnen empfehlen, über den Begriff „Roma-Problem“ nachzudenken. Roma an sich sind noch kein Problem. Ich würde empfehlen, ein wenig offener zu formulieren, z.B. „die Probleme der Roma in Ungarn“ o.ä. Machen Sie einen einfachen Selbsttest: Ersetzen Sie überall, wo Sie von Roma-Problemen, Roma-Politik usw. schreiben, das Wörtchen „Roma“ durch das Wörtchen „Juden“. Dann haben Sie plötzlich „Juden-Probleme“, verlangen nach einer „juden-Politik“ usw. Ich mache den Test gelegentlich und erschrecke jedes Mal über das Ergebnis, weil plötzlich die nackte hässliche LTI (Victor Klemperer:Lingua Tertii Imperii, Sprachen des Dritten Reiches) durchschimmert.

    Minister Balog legt normalerweise Wert auf die Feststellung, dass sich seine Integrationspolitik grundsätzlich an alle „sozial Schwachen“ richtet, unabhängig von einer Zugehörigkeit zur Minderheit der Roma. Anders bekäme er viele Maßnahmen in seiner Regierung gar nicht durchgesetzt. Das gilt bestimmt auch für die Kopplung von Arbeitspflicht und Sozialhilfe. Man kann es einfach zusammenfassen: Die meisten Roma sind arm. Vielleicht sind sogar die meisten Armen in Ungarn Roma. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es eigentlich nicht auf die Hautfarbe ankommt.

  7. Lieber Ungarnfreund,

    All das ist selbstverständlich – und ebenso klar ist, dass es ein veritables Roma-Problem in Ungarn gibt. Dadurch, dass wir es klobiger oder umständlicher phrasieren, wird es nicht besser. Worum es konkret geht, ist im Artikel beschrieben – es dürfte also klar sein, was mit „Problem“ gemeint ist, jegliche „Rassismus“-Anmerkung daher unbegründbar.

    Dass Sie bei der Formulierung aufzucken ist normal, Sie sind Deutsch und die Konnotation, die Sie instinktiv herstellen, ist es auch. Ich bin von solchen Empfindlichkeiten vermutlich aufgrund der Herkunft freier, und komme auch nicht auf den Gedanken, etwa bzgl der griechischen Krise statt Europas „Griechenland-Problem“ lieber „Probleme, die mit Griechenland zu tun haben“ zu formulieren. Ungeachtet dessen sind die Leser natürlich deutsch, und so nehme ich mir den Hinweis zu Herzen.

    • Sehr geehrter Herr Kálnoky,

      Sie kommen hier als Gegenbeispiel auch nicht ganz zufällig auf den Begriff „Griechenland-Problem“ – und nicht „Griechen-Problem“. Denken Sie einmal über den Unterschied nach und was uns das über das Wort „Roma-Problem“ sagt. Und „Roma-Problem“ suggeriert, dass vor allem die Roma ein Problem für die Gesellschaft seien, nicht dass es zunächst einmal in erster Linie sie selbst sind, die Probleme haben. Dass Sie das auch genau so gemeint haben, zeigt die kausale Verknüpfung mit dem Erstarken der Neonazis. Die Jobbik-Propaganda setzt schließlich nicht darauf, dass „die Probleme der Roma“ zu lösen seien, sondern darauf, dass die Probleme, die die Mehrheitsgesellschaft angeblich „mit den Roma“ hat, endlich hart angepackt werden müssen. Sehen Sie den Unterschied? Im übrigen finde ich es erfreulich, einzugestehen, dass diese Sprachempfindlichkeiten besonders in Deutschland durchaus logisch und verständlich seien. Nur sollte man diese Einsicht dann in einem deutsch verfassten Artikel in einer deutschen Zeitung nicht unbekümmert außer Acht lassen. Grüße

      • Ist schon gut, Herr Urbaner,

        Ich glaube wir müssen uns da nicht streiten. Ich lasse den Einwand wegen der Konnotationen im deutschen Sprachgebrauch gelten, finde es aber wie vor logisch und semantisch unelegant – denn dann dürfte es ja auch die Formulierung Romastrategie gar nicht geben, wenn es keine Romaprobleme gibt. Aber sei“s drum, nächstes Mal eben anders.

      • Tja, ich finde, „Romastrategie“ suggeriert ja auch nicht, dass es sich um eine Strategie „gegen Roma“ handle, sondern jeder versteht von vornherein, dass es hierbei um Maßnahmen „für Roma“ geht. Eine missverständliche Auslegung seitens der Leserschaft halte ich für sehr unwahrscheinlich. Anders hier: Der Begriff „Roma-Problem“ (und da verhält es sich nicht anders als beim Begriff „Juden-Problem“, um den Sie ja auch einen großen Bogen machen, oder?) legt nämlich nahe, es handle sich um das „Problem mit den Roma“, nicht primär um die „Probleme der Roma“. That’s the difference.
        Schönen Gruß.

    • Es wird ja wohl auf den persönlichen und sachlichen Kontext ankommen. Wer verwendet einen Begriff in was für einem Zusammenhang?

      Schreibt ein Journalist in einer anerkannten Zeitschrift über ein „Romaproblem“ ist die Interpretation „Roma seien ein Problem“ oder dass dies suggeriere, „dass die Roma ein Problem für die Gesellschaft seien“ wohl sehr weit hergeholt. Noch dazu, wenn man den Inhalt des Artikels betrachtet.

      Derselbe Begriff wird in einer Unterhaltung von drei Skinheads in einer Nazikneipe wohl anders zu verstehen sein. Hier wird aber wohl auch eine „politisch korrekte“ Umformulierung wie „Probleme der Roma“ etc nicht helfen.

      Dementsprechend ist der Vergleich mit „Juden-Problem“ auch irreführend, weil es eben keinen ähnlichen Kontext gibt. Da es keine mit der Situation der Roma vergleichbare gesellschaftliche Problematik bzgl. Juden gibt, kann der Begriff „Juden-Problem“ nur negativ-rassistisch verstanden werden. Es handelt sich um einen gänzlich anderen Kontext.

      Man wird wohl auch das Verb „umlegen“ nicht aus der deutschen Sprache verbannen wollen, nur weil es je nach Situation eine neutrale oder negative Bedeutung haben kann.
      Vgl.:
      Zwei Frauen: „Ich lege ihn um.“ (Nämlich den Schal, den Tuch oder ein sonstiges Kleidungsstück.)
      Zwei Buchhalter: „Ich lege ihn um.“ (Nämlich einen bestimmten Buchbetrag auf mehrere Kostenstellen.)
      Zwei Mörder: „Ich lege ihn um“. (…)

      Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie diese Haarspalterei bzgl. bestimmten Ausdrücken, die man im gegebenen Kontext beim besten Willen nicht mißverstehen kann, zur Lösung der eigentlichen Problematik beitragen und eben nicht davon ablenken soll.

      • Natürlich muss man auf Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, gerade das Wort „Judenproblem“ wäre m.E. (nicht nur in Deutschland) undenkbar.
        Allerdings sollte man es tunlichst vermeiden, durch alleinigen Fokus auf eine korrekte Ausdrucksweise davon abzusehen, Probleme, die es gibt, beim Namen zu nennen. Mit wattegebauschten Formulierungen tut man nur den Rattenfängern von rechtsaußen einen Gefallen. Die nehmen für sich in Anspruch, Dinge beim Namen zu nennen; auch wenn sie meist nur heiße Luft verbreiten…

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