Viktor Orbán und Romani Rose: Gegenseitiges Lob und (natürlich) prompte Kritik im Tagesspiegel

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat den Vorsitzenden des Zentralrates der Sinti und Roma in Deutschland, Romani Rose, mit dem ungarischen Verdienstorden (Mittelkreuz) ausgezeichnet. Orbán ehrte Rose für seinen Einsatz beim Wiederaufbau von Häusern in Roma-Siedlungen in Ungarn. Diese waren in den Jahren 2008 und 2009 durch rechtsradikale Straftäter zerstört worden; in dieser Phase kam es zu mehreren Mordanschlägen an Roma.

Der Tagesspiegel berichtet:

http://www.tagesspiegel.de/politik/ungarn-orbn-ehrt-den-vorsitzenden-des-zentralrats-der-roma/7243294.html

Matthias Meisner, der über die Ehrung berichtet, tut sich sichtlich schwer damit, Orbáns Fidesz-Partei kritiklos davonkommen zu lassen. Der Beitrag beginnt bereits mit der Aussage, „Ausgerechnet“ Viktor Orbán habe Romani Rose ausgezeichnet, gerade so, als wäre dies ein zwingender Widerspruch. In den Köpfen der politischen Gegner von Fidesz offenkundig schon, tatsächlich jedoch nicht, denn unter der Regierung Orbáns hat Ungarn erstmals ein Konzept vorgelegt, wie die Probleme der Zigeuner in Ungarn (und in der EU) gelöst werden könnten. Ein Konzept, zu dem von links im wesentlichen verstörtes Grummeln kam – ist es doch wenig erfreulich für manch einen selbsternannten Weltverbesserer, der zugleich natürlich Orbán-Gegner sein muss, zuzugestehen, dass manch ein Ansatz dieser Politik richtig ist. Aber „rechts“ und „Minderheitenpolitik“ vertragen sich im Weltbild vieler eben nicht. Und das Gerede um „Zwangsarbeit“, einem Lieblingsthema linker Medienvertreter im deutschsprachigen Raum (da wurden

Meisner versteigt sich gar zu der Behauptung, Orbán habe dem Rassismus „Kritikern zu Folge“ Vorschub geleistet. Wer diese Kritiker sind, sagt Meisner nicht – er ist es wohl selbst, der so denkt. Als Beleg für die These, nach der „Antiziganismus in weiten Teilen der Bevölkerung Konsens“ sei, nimmt Meisner sodann Bezug auf eine Aussage des bekannt kritischen Spiegel-Korrespondenten Keno Verseck, der – was nicht uninteressant ist – offenbar auch für Anmesty International schreibt. Und auch Kritik an einer vermeintlichen Anknüpfung an der Horthy-Ära fehlt nicht, diesmal in Bezug genommen: Stephan Ozsváth, seit September 2012 ARD-Korrespondent in Wien. Und als Beleg dafür, dass nicht nur linke Kreise Orbán kritisch beäugen, wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass es die Zeitung des Zentralkommitees der deutschen Katholiken sei, die solche Thesen abdrucke. Nun: Ozsváth schreibt auch für die Jungle World. Interessanter als der Ort der Publikation wäre es für die Leser des Tagesspiegel wohl gewesen, zu erfahren, wie viele Horthy-Statuen aufgestellt wurden. Samt und sonders veranlasst übrigend nicht etwa von der Regierung Orbán, sondern von den entsprechenden Gemeinden.

Die codierte Botschaft des Tagesspiegel: Orbáns Ehrung von Romani Rose ist unerhört, denn er selbst treibt Rassismus voran. So einfach ist die Welt, glaubt man Herrn Meisner. Offenbar dürfen nur Linke und Antifaschisten mit Minderheitenvertretern kommunizieren und sie auszeichnen, ein Eindruck, der sich verstärkt, wenn man die von links kommenden hämischen Bezeichnungen der ungarischen Romavertreter ansieht, die mit der Regierung zusammenarbeiten wollen. Da wurde, unter Wegfall sämtlicher sonst geforderter politischer Korrektheit, plötzlich von Alibi-Roma oder Quotenzigeunern geschrieben. So ist es eben, wenn es mehr darum geht, Themen für sich zu beanspruchen, als Probleme anzugehen; Verräter werden nicht geduldet.

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