IWF bezeichnet Matolcsy-Paket als in Teilen „nicht nachhaltig“

Wie das Wall Street Journal berichtet, hat der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer Mitteilung das Maßnahmenpaket der ungarischen Regierung als teilweise „nicht nachhaltig“ und „nicht wachstumsförderd“ bezeichnet:

Several of the economic measures that Hungary has announced in recent weeks aren’t of a sustainable nature and won’t help growth, the International Monetary Fund said in an emailed statement to the Wall Street Journal on Monday.“

As we stated before, we believe that the focus of fiscal adjustment should be on achieving a more balanced consolidation, shifting away from ad-hoc measures,“ said the IMF’s resident representative to Hungary, Iryna Ivaschenko.

Nach Amgabe des WSJ glaubt eine Mehrheit von Analysten nicht mehr daran, dass es zu einer Einigung zwischen IWF und Ungarn über eine Kreditlinie kommen wird. Hingegen hatte Ministerpräsident Viktor Orbán bei Vorstellung des Sparpakets betont, nun seien die meisten Hindernisse aus dem Weg geräumt.

http://online.wsj.com/article/BT-CO-20121119-708998.html

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7 Kommentare zu “IWF bezeichnet Matolcsy-Paket als in Teilen „nicht nachhaltig“

  1. Lieber HV,
    da ich die Seite des Wall Street Journal ohne kostenpflichtige Registrierung nicht öffnen kann, beschränke ich mich auf öffentlich zugängliche Quellen:

    Nicht nur der IWF hält die Massnahmen für nicht ausreichend, auch von viele Analysten wird das Zustandekommen eines Vertrags mit dem IWF in Frage gestellt:
    „Ten of 22 analysts from London to Budapest said Hungary’s negotiations with the IMF and the European Union won’t yield an accord in the next 1 1/2 years, compared with eight who expect a deal and four who give it a 50 percent chance.“
    http://www.bloomberg.com/news/2012-11-18/hungary-imf-pact-doubted-in-analyst-poll.html

    Und der Kommentar auf Portfolio.hu warnt vor den Folgen:
    „This package sends a clear message to the international financial institutions, … The announced measures increase the uncertainty as to whether Hungary will ever be able to secure a financial backstop with the IMF/EU.“

    Als Begründung werden ebenfalls fehlende wachstumsfördernde Massnahmen angemahnt:
    „The structure of the package contradicts what the International Monetary Fund and the European Commission stand for, as they have been repeatedly urging Budapest to refrain from balancing out the budget with measures that hurt growth.“
    http://www.portfolio.hu/en/economy/analysts_doubt_hungary-imf_deal.25158.html

    Fazit:

    1. Dies könnte möglicherweise weitreichende Folgen haben, denn im nächsten Jahre braucht Ungarn dringend frisches Geld, um die Kredite zu refinanzieren, und dann könnten auch die Währungsreserven der Zentralbank knapp werden:
    „Hungary has massive reserves, but may run out of these by spring 2013“
    http://www.portfolio.hu/en/economy/hungary_has_massive_reserves_but_may_run_out_of_these_by_end-march_2013.25156.html

    Informativ ist die folgende Grafik, da sie den Refinanzierungsbedarf nach Monaten und Zusammensetung der Kredite aufschlüsselt:

    2. Und je länger die Regierung wartet um die notwendigen Kurskorrekturen in Bezug auf Wachstumsförderung, Schaffung neuer Arbeitsplätze usw. anzuschieben, desto schwieriger wird es.

    Attila Tibor Nagy vom Forschungsinstitut Meltanyossag:
    “’As elections approach the government can’t pass austerity measures‘ or give up on the flat tax ‚whose biggest beneficiaries are Fidesz voters’”

    Und für das Wahljahr 2014 erwartet Brüssel ein Defizit von 3,5% bei einem Wirtschaftswachstum von nur 0,3%.

    3. Und noch ein Baustelle wartet auf eine Lösung: die Schulden der Kommunen. Und hier zeichnet sich ein neuer Konflikt mit den Banken ab: Denn wenn Orbán auf einen Schuldenschnitt (im Gespräche sind 25%) besteht, dann werden die Rating-Agenturen das möglicherweise als „Default“ bewerten, wie bereits eine der Drei am 9 Nov 2012 androhte!

    Langfristig wird Herr Orbán nicht an Kurskorrekturen herumkommen, und je früher er sie einleitet – desto besser! Denn wir wissen nicht, ob die Krise im Euroraum ausgestanden ist! Und ohne fremde Hilfe (IWF) wird sich die Wirtschaft dann nicht erholen können!

  2. Szarvasi, kann es sein, dass Orbán-Matolcsy glauben, sie könnten mit ihrem „antikolonialistischen“ Kampf mit „Friedensmärschen“ die EU-IWF erpressen?
    Szarvasi, was passiert, wenn Orbán-Matolcsy ihre „unorthodoxe Wirtschaftspolitik“ nicht ändern und Ungarn deswegen zahlungsunfähig wird?

  3. *Mit welchem empfindlichen Übel droht Ungarn dem IWF und der EU denn, Herr Pfeifer?*

    Dazu ist mir ganz spontan folgende tiefschürfende Erkenntniss gekommen:
    Orban an sich ist das Übel
    ;-).

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