Zehntausende demonstrieren gegen Antisemitismus

Am heutigen Sonntag demonstrierten in Budapest Zehntausende auf einer überparteilichen Veranstaltung gegen Antisemitismus und Rassismus. Anlass waren Äußerungen eines Abgeordneten der rechtsradikalen Partei Jobbik, Márton Gyöngyösi, der im Höhen Haus eine Auflistung von Juden gefordert hatte, da diese ein „nationales Sicherheitsrisiko“ darstellten.

Die Veranstaltung ist die erste dieser Art, auf der Politiker des rechten und linken Parteienspektrums gemeinsam teilnahmen.

Der Fidesz-Fraktionsvorsitzende Antal Rogán betonte, Ungarn werde seine Bürger schützen, und erinnerte daran, dass jeder Völkermord des 20. Jahrhunderts mit dem Führen von Listen begonnen habe. Mit Ausnahme ganz vereinzelter Buhrufe wurde Rogán von der Menge positiv empfangen, lediglich ein einzelner Mann schrie empört „Pfui, Ihr habt Jobbik erschaffen“, wurde aber von den Teilnehmern schnell zur Ordnung gerufen.

Der Repräsentant der Vereinigung „Gemeinsam 2014“, Gordon Bajnai, kritisierte ebenfalls heftig die Worte des Jobbik-Abgeordneten Márton Gyöngyösi und sagte, Demokraten dürften keine Angst haben und auch keine verbreiten. Bajnai vermied Seitenhiebe in Richtung des politischen Gegners und betonte auch, die gegenseitigen Beschimpfungen der politischen Lager müssten enden.

Der Vorsitzende des Sozialisten (MSZP), Attila Mesterházy, holte – anders als seine Vorredner – zum Angriff gegenüber der Regierung aus. Er verlangte, Viktor Orbán müsse sich von Jobbik distanzieren. Das Internetportal Index.hu berichtet, dass Mesterházy für diese Wortwahl recht verhaltenen Applaus geerntet habe.

Am Rande der Veranstaltung demonstrierte eine Gruppe von Jobbik-Anhängern. Die Polizei hielt diese jedoch von der Großdemonstration fern.

http://index.hu/belfold/2012/12/02/a_jobbik_osszehozta_a_nagykoaliciot/

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28 Kommentare zu “Zehntausende demonstrieren gegen Antisemitismus

  1. Was vergessen wurde zu erwähnen, die meisten derjenigen die da demonstrierten gehören zur christlichen Glaubensgemeinschaft Hit Gyülekezete, die diese ganze Demonstration finanzierte und möglich machte.
    Wenn keine Taten der Regierung folgen, wenn die Rede von A. Rogán nur eine PR Übung war, dann wird man immer wieder auf diese Demonstration hinweisen können. Und was bedeutet das, wenn die ungarische Regierung nicht müde wird zu erklären, man schütze die Bürger unabhängig von ihrer Abstammung. Ist das nicht eine Selbstverständlichkeit in einem EU-Land?

    • Also ich kann das nicht bestätigen. „Die meisten“, stimmt einfach nicht. Ich war vor Ort und hatte es mit ganz normalen Leuten zu tun, überwiegend der Opposition zuneigend, so weit ich ins Gespräch kam. Die Organisation und „Finanzierung“ lag in den Händen des „Marsch der Lebenden“ und anderer ung-jüd. Organisationen mit Unterstützung von anderen. Das Broadcasting und die Bühnentechnik kam von ATV und Klubradio. das mit der „Hit“ ist ein Bär, den uns vor allem Jobbik, barikad und kuruc aufbinden mussten, um die Sache zu diskreditieren. Und Sinn der Sache war es ja gerade, dass es ziemlich wurscht sei, was man sonst so glaubt und tut, hier hieß es zusammenzustehen. Ich empfand die Teilnahme als eher geringer, unter 10.000 und überhaupt viel zu wenige. Und ja, es wäre gut, wenn man immer auf diese Demo hinweisen könnte, nämlich so: Herr Rogán, Sie waren doch damals auch dabei, was ist nun….?!

      M.S.

    • Herr Pfeifer, kann nicht sein, dass in Ungarn mal einige zehntausend „normale“ Bürger gegen Rechtsextremismus demonstrieren? Warum unterstellen Sie diesen Menschen, dass sie zur christlichen Glaubensgemeinschaft „Hit Gyülekezete“ gehören?

      Können Sie nicht einmal diese Tage innehalten und statt den ewigen Streit den Schulterschluss suchen? Ich empfehle Ihnen einige Sätze aus Bajnais Rede:

      „Sokan üzenték nekem, hogy használjam ki ezt az alkalmat a kormánypártok cinkosságának vagy épp a baloldali kormányzás tehetetlenségének az ostorozására. Nem fogom megtenni!

      Küzdöttem a rezsimmel tegnap és újra küzdeni fogok holnap – mert minden nap új és újabb okot ad rá.

      De ma nem az egymásra mutogatás ideje van. Ma a gyűlölet elleni összefogás ideje van.“

  2. Anfrage an Sender Jerewan: Was heißt: „Kákán is csomót keres? Mi a káka?“
    Die Antwort lautet: „Im Prinzip ja, aber wir heißen inzwischen Radio Eriwan!“

  3. Aber, aber, warum etwas leugnen, was offensichtlich war für viele meiner Freunde, die mir das aus Budapest berichtet haben. Ich finde es ja gut, sogar ausgezeichnet, dass Hit Gyülekezete die meisten Demonstranten gestellt hat.
    Ohne diese Glaubensgemeinschaft hätte diese Demo nur die üblichen 200-300 hauptsächlich ältere Menschen mobilisieren können. Denn mehr haben in der Vergangenheit nach antisemitischen Provokationen nicht demonstriert.
    Was aber auffällt, kein Wort von den historischen Kirchen dazu. Korrigieren Sie mich bitte HV wenn Sie darüber eine Information haben.
    Ich erinnere mich in Wien zusammen mit Nonnen und Pfarrern gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert zu haben. Gab es auch in Budapest Nonnen und Pfarrer die gegen den Antisemitismus demonstriert haben?

  4. Dieser Bericht trifft den Nagel auf den Kopf!
    Viel Gerede, aber wenn es dazu aufgefordert wird etwas zu tun, dann wird der „Applaus verhalten“!

  5. Ungarnfreund ich gebe Ihnen Recht. Doch gibt es noch ein anderes Land in der EU, in dem der Regierungschef im Parlament versichern muss die jüdischen Bürger zu verteidigen?

  6. Ungarnfreund, ich sehe einen Unterschied, zwischen der Behauptung, dass jüdisches Leben in Deutschland willkommen ist und zwischen der Erklärung die Juden schützen zu wollen. Dass ein Mitgliedsstaat der EU alle seine Bürger schützt ist doch eine Selbstverständlichkeit. Weshalb glaubt Viktor Orblán, er müsse soetwas erklären?
    Frau Merkel hat – soweit ich informiert bin – unter ihren engen Freunden keinen Journalisten, der häufig antisemitische Texte transportiert. Viktor Orblán hat solch einen Freund.
    Frau Merkel und ihre Partei macht nirgendwo gemeinsame Sache mit einer Neonazipartei. Orbláns Fidesz arbeitet in zig Gemeinden zusammen mit Jobbik.
    Siehe zum Beispiel Szeged
    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=178404

  7. HV was meinen Sie, weshalb ist Viktor Orbán der einzige Regierungschef in der EU, der solch eine Erklärung abgibt?
    László Kövér hat sich von Jobbik ganz schön anführen lassen, als er den József Nyirö als „székely apostol“ lobpreiste. Und er wurde von Israel deswegen ausgeladen.
    Er möchte keinen zusätzlichen Skandal verursachen und ausgeladen will er auch nicht mehr werden.

    • Ich habe Ihnen eine Frage gestellt.

      Orbán betont diese Selbstverständlichkeit aus einem einfachen Grund: Sie wird von den Gegnern des Fidesz fortwährend in Zweifel gezogen. Nicht nur aus verständlicher Sorge, sondern allzu oft auch aus politischem Kalkül. Aussagen von „Juden, die sich in Ungarn wieder fürchten“ müssten, sind solche Beispiele.

      Bajnai sagte zu Recht, die Hälfte des Landes sei unverdient zu Nazis gemacht worden.

      Auch Sie, Herr Pfeifer, sind m.E. Teil derer, die Fidesz völkische Politik, ergo eine gewisse Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut, unterjubeln.

      Und nun erzählen Sie doch bitte, was Sie meinen, warum Orbán sagte, was er sagte.

  8. Es gibt auch kuriose Meldungen zu Sonntag:
    http://www.rf-news.de/2012/kw49/massenproteste-in-ungarn-gegen-neofaschismus-und-antisemitismus

    „Das Anschwellen antifaschistischer Massenproteste ist ein wichtiges Signal des ungarischen Volkswiderstands und brachte auch die bürgerlichen Parteien bis hin zur ultrareaktionär-nationalistischen Regierungspartei „Fidesz“ in Zugzwang, sich von „Jobbik“ zu distanzieren.“

    Ungarischer Volkswiderstand…

  9. Pingback: Zsolt Bayer ruft mit romafeindlichen Äußerungen internationale Empörung hervor | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

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