FAZ: Löwenstein zu Antisemitismus in Ungarn

Ein lesenswerter Bericht von Stephan Löwenstein zu den Ereignissen der letzten Tage:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/antisemitismus-in-ungarn-ernste-reden-und-voelkisches-spiel-11982161.html

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30 Kommentare zu “FAZ: Löwenstein zu Antisemitismus in Ungarn

  1. „Wir Ungarn – Ihr Juden“, damit hat die FAZ die Ideologie der völkischen Turolokratie (copy right Vitányi) auf den Punkt gebracht.
    Und um dies unter Beweis zu stellen, beschwert sich ein von Fidesz eingesetzter „Nationaler“ darüber, dass G. Konrád im Ausland für einen Ungarn gehalten wird.
    Nun der Pfauentanz (pávatánc) geht weiter, man koaliert auf lokaler Ebene mit Jobbik Neonazi während man im Ausland vorgibt, etwas gegen Jobbik zu haben.

    • “Wir Ungarn – Ihr Juden” – ich finde, das aus Orbáns Worten herauszuhören, wirkt sehr, sehr krampfthaft. Orbán sprach von „jüdischen Landsleuten“, machte also deutlich, dass sie Teil Ungarns bzw. der Ungarn sind. So, wie es auch ist.
      Wenn man in Deutschland davon spräche, dass „wir“ unsere „jüdischen Landsleute“ vor Diskriminierung schützen, käme wohl keiner auf die Idee, das hineinzudeuteln.

      Na ja. Wer suchet, der findet. Während der Vorsitzende von MAZSIHISZ, Péter Feldmájer, die Worte Orbáns begrüßt, schmeißt Karl Pfeifer wieder mit Dreck, und spricht von Pfauentänzen und Turulokratie. Wohl bekomm´s.

      Aber seien wir konstruktiv: Was hätte Orbán sagen sollen, um sich nicht „angreifbar“ zu machen?

    • Wissens Sie, ich will hier niemanden aus der ungarischen Gesellschaft ausschließen und folgendes ließe sich sicherlich auch über mich so sagen. Ich finde nur schon, dass es einen qualitativen Unterschied gibt zwischen denjenigen die in Ungarn leben und täglich mit den Umständen klar kommen müssen und denjenigen die im schönen Ausland leben und dort ein bequemes Leben führen. Ich komme hier auch nicht daher und stelle mich als den absoluten Nationalhelden und Ungarnkenner dar, denn die Wahrheit ist: wenn ich das wäre, wieso bin ich dann nicht sozusagen „an der Front“ (in Ungarn) und versuche die Dinge zu ändern? Stattdessen bin ich weggelaufen und schreibe aus der Ferne. Gut, stimmt bei mir nicht ganz denn mein Wohnort war immer schon in Deutschland, aber ich hätte auch zurückgehen können. Insofern nehme ich hier die Ungarn auch aus, die in den ehemals ungarischen Gebieten leben, dort liegt der Fall etwas anders. Was ich also sagen will, ist, Konrád, Lendvai etc. sind sicherlich Ungarn, aber diese überhöhte Darstellung aus Ihrem Umfeld wird ihnen auch nicht gerecht. Besonders wenn man hört wie mancheiner dieser Leute über Ungarn redet…

      • Ich habe in Ungarn „an der Front“ gekämpft; leider gibt eine Reihe von Leuten, denen Veränderungen nicht passen, so wird man oft als Denunziant oder gar Verräter des Landes dargestellt und in den Rücken „erschossen“
        Was kann ich tun?
        Soll ich bleiben, und mich mich mit dem Umständen abfinden?
        Soll ich gehen
        und schweigend zusehen
        in der Hoffnung
        es wird einmal ein Wunder geschehen?

        Wenn man sein Land nicht lieben würde, aber von alleine keine Wunder geschehen, würde so mancher hier bestimmt nicht posten.

  2. HV das kann jedem passieren, dass man einfach die Anführungszeichen nicht merkt, die ich gesetzt habe.
    „Wir Ungarn – Ihr Juden“, so lautet ein Untertitel in dem von Ihnen angekündigten Artikel der FAZ.
    Der FAZ Korrespondent sieht das so: „Insofern ist der Trennstrich Orbáns beim Thema Antisemitismus umso bemerkenswerter. Zumal er an anderen Stellen offenbar bewusst Unschärfen belässt, wenn es um national-völkische Vorstellungen vom Ungarntum geht. Exemplarisch dafür war eine Rede Ende September in der südungarischen Ortschaft Ópusztaszer. Anlass war die Einweihung eines Denkmals, das einen gewaltigen Greifvogel zeigt, einen „Turul“, der einst nach dem Mythos die Ungarn in ihr heutiges Land getragen haben soll.

    Entsprechend befremdlich mythisch-raunend klingt auch die Ansprache, von der auch Anhänger Orbáns sagen, sie hätten davon eher abgeraten. Aber natürlich glaubt Orbán, ein rationaler Machtpolitiker, nicht, dass das Volk der Ungarn „aus dem Turul-Ei geschlüpft“ sei, wie ein Redner auf einer Oppositionsdemonstration kürzlich spottete. Sondern er versucht, ein Bedürfnis nach nationalem Sentiment zu befriedigen, das sich sonst – so vermutlich das Kalkül – den Rechtsradikalen von Jobbik zuwendet.“ Für oberflächlich Lesende die Anmerkung das stammt nicht von mir, sondern von der FAZ!

    Ich würde sofort Orbáns Worte begrüßen, wenn ich Zeichen sehen würde, dass diese Politik des „Wind aus den Segeln“ nehmen, der extremen Toleranz gegenüber der Nazipartei Jobbik und sogar gegenüber von Neonazi die bewaffnete Übungen in Ungarn abhalten, geändert wird. Bis das geschieht werde ich aber weiter kritisieren – auf die Gefahr von Ihnen gerügt zu werden – wie ich es schon kurz nach der Wende und auch in den „nyóc év“ in den Jahren 2002-2010 getan habe.

    HV es kommt nicht auf das Sagen an, sondern auf die Taten. Und was ich erwarte habe ich gerade mitgeteilt. Ich habe auch rechtzeitig auf das Jobbik Ei József Nyirö, das L. Kövér ausgebrütet hat, aufmerksam gemacht.

    • Ich erwarte zwar nicht wirklich, dass Sie mir antworten, aber dennoch mal eine klare einfache Frage an Sie, Herr Pfeifer: Worin liegt für Sie der wesentliche Unterschied zwischen Nyírö einerseits und sagen wir Wagner oder Karajan andererseits? Und man könnte vielleicht so forsch sein und hier auch nach einem Vergleich zu Luther fragen.

      • Der Unterschied ist ganz einfach. Wagner und Karajaan waren keine Abgeordneten, Nyirö war Abg. des ungarischen Parlaments wo er bereits 1942 wenigstens einRede hielt. Er hat Goebbels mit Lob überschüttet. Er hat noch Anfang 1945 in Sopron für die Fortsetzung des Krieges an der Seite des „3. Reiches“ propagiert.
        Von Karajan ist nichts derlei bekannt.

    • Nette Einleitung Herr Oberlehrer :-), die aber keinen rechten Sinn macht. Was erweckt in Ihnen denn den Eindruck, als hätte ich etwas nicht „bemerkt“? Ich habe die Anführungszeichen sogar so sehr bemerkt, dass ich sie übernommen habe.

      Ich bleibe dabei: „Wir Ungarn – Ihr Juden“, eine Aussage von Löwenstein, der Sie gleich frenetisch zujubelten („“Wir Ungarn – Ihr Juden”, damit hat die FAZ die Ideologie der völkischen Turolokratie (copy right Vitányi) auf den Punkt gebracht.“), ist eine sehr, sehr krampfhafte Auslegung. Und mit Ihrem neuerdings wiedergekauten Schwachsinn von der „Turulokratie“ wird es bösartig. Hören Sie es sich an, stehen Sie dazu. Wer so viel Verachtung hegt wie Sie, sollte das auch offen zugeben, sondern gibt es Magengeschwüre.

      Im Übrigen bezog sich das „Wir Ungarn – Ihr Juden“ Löwensteins nicht auf die von Ihnen jetzt zitierte Passage, sondern auf den entsprechenden Satz Orbán, die Ungarn würden ihre jüdischen Landsleute schützen.

      • Hier der Link zu einem Text, „Informátorunk is a Turul Szövetségnek volt tagja…”, der mir insofern hilfreich war, als ich jetzt die ausgeprägte „Vogelphobie“ unseres „Informators“ besser zu verstehen meine.

        Lesenswert!

        http://www.betekinto.hu/node/195

  3. Mir fällt auf, dass der Nationalismus der ungarischen Nationalkonservativen im Ausland immer wieder falsch interpretiert wird. Es wird angenommen und suggeriert, das dieser Nationalismus alles ausschließt, was nicht rein ungarisch ist. Es wird angenommen, dass das „wir Ungarn” aus dem Munde von Viktor Orbán Juden, Roma oder andere ausschließt. Diese Interpretation ist aber für Ungarn gerade absurd. Wenn jemand versuchen würde, aus dem Ungartum alle auszuschliessen, die nicht-ungarische Wurzeln haben dann bliebe dort kaum jemand übrig. Auch Paul Lendai beschreibt in seinem Buch „Die Ungarn“ den Karpatenbecken, als Schmelztiegel der Völker und schreibt: „Wir begegnen im Laufe der Zeit immer wieder dem Phänomen, dass die Ungarn weniger Blutsbindungen, sondern die Sprache einte, der Glaube an die kulturelle Identifikation des Volkes mit der Sprache. Oder wie es der große Dichter Mihaly Babits am Vorabend des Zweiten Weltkriegs formulierte: „Das Ungartum ist ein historisches Phänomen, und wie es sich entwickelte, ist kein physisches, sondern ein geistiges Phänomen… Sind doch die Ungarn ein vermischtes und sich ständig vermischendes Volk.““

    Als der Fidesz-Politiker Áder Staatspräsident wurde, wurde beim offiziellen Feier zum Amtsantritt das Gedicht „An der Donau“ von Attila József vorgetragen, mit den Zeilen:

    „Anyám kún volt, az apám félig székely,
    félig román, vagy tán egészen az.
    Anyám szájából édes volt az étel,
    apám szájából szép volt az igaz.“

    „Mutter war Kumanin, Vater halb Szekler,
    halb Rumäne oder Rumäne gar.
    Aus der Mutter Mund war mir süß die Speise,
    aus des Vaters Mund das Wahre wunderbar.“

    Da es für eine Volkspartei wie Fidesz keinen Sinn macht auf das Volk zu verzichten gehe ich davon aus, dass das „wir Ungarn” von Viktor Orbán sowohl Juden als auch Roma und Menschen mit anderen Wurzeln einschließt.

    • @ Halász János:

      „Wenn jemand versuchen würde, aus dem Ungartum alle auszuschliessen, die nicht-ungarische Wurzeln haben dann bliebe dort kaum jemand übrig.“

      Bravo Halász János, genau so sehe ich das auch. Nach vielen Jahrhunderten der „Durchmischung“ mit Juden, Türken, Zigeunern und allen anderen, die das Karpatenbecken bevölkerten, stellt der so genannte „mélymagyar“, wie ihn die Rassisten sehen, wohl absoluten Seltenheitswert dar. „Ungar“ sein bedeutet, die Kultur und die Sprache als die eigene anzunehmen.

      Niemand von Verstand glaubt z.B., dass die ungarischen Juden, die 1848/49 für Ungarn gegen Kaiser und Zar kämpften, keine „Ungarn“ waren. Wenn man vom Holocaust als nationaler Tragödie spricht, dann deshalb, weil die nichtjüdischen Ungarn ihre Landsleute jüdischen Glaubens plötzlich aus der Nation ausschlossen und Gehilfen, nicht selten sogar Haupttäter eines Völkermordes wurden.

      • HV Éva Balogh hat gerade heute auf die Schwächen des Geschichtsunterrichts in Ungarn – die natürlich nicht erst 2010 entstanden sind – aufmerksam gemacht.
        http://hungarianspectrum.wordpress.com/2012/12/05/a-distorted-past-haunts-hungarians/
        Halász und HV Ihre Sicht ist sympathisch und sehr optimistisch. Ich fürchte die wird leider nicht von der Mehrheit geteilt.
        Andererseits halte ich eine Änderung für möglich. Die Tatsache, dass nach der Demonstration vorigen Sonntag, der stellvertr. Vorsitzende der außenpolitischer Kommission des ung. Parlaments Márton Gyöngyösi nicht mehr mit Parlamentsdelegationen ins Ausland geschickt wird, ist ein positives Zeichen. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

    • Herr Halász hat da einen wichtigen Punkt. Man sollte zwischen Fidesz-Nationalismus und Jobbik-Nationalismus unterscheiden. Fidesz bemüht sich sichtlich, bedrohte Minderheiten sozusagen im Schoß der Nation aufzunehmen. Achten Sie mal auf die Sprache an Holocaust-Gedenktagen. Da verlautet regierungseitig immer: Ungarn wandten sich gegen Ungarn, der ungarische Staat schützte seine Bürger nicht etc. Das ist eine nationale Variante des Gedenkens, die ich durchaus in Ordnung finde.

      Was Nicht-Magyaren schwer begreiflich zu machen ist, ist freilich die Schmelztiegel-Theorie. Das mag ja alles stimmen, aber für die Nicht-Kenner ist Ungarn, auch aufgrund der hermetisch abgeschlossen wirkenden (nur so wirkenden!) Sprache, erst einmal ziemlich amorph. Dass Ungar nicht gleich Ungar ist, dass es viele Minderheiten oder Minderheitenreste gibt, sieht man von außen kommend erst auf den zweiten Blick. Ich denke, auch viele Ungarn sind sich der Schmelztiegel-Eigenschaft Ihrer Nation nicht wirklich bewusst.

  4. Herr Pfeifer, ich möchte hier nocheinmal meine Frage nach Nyírö aufgreifen. Das hätte ich auch oben tun können, aber ich befürchte, dort wäre mein Kommentar untergegangen.

    Karajan war NSDAP-Mitglied und „dirigierte […] am 20. April 1935 eine Tannhäuser-Vorstellung anlässlich des ‚Führergeburtstags’“ (Wikipedia). Insofern könnte man auch über ihn sagen, er hätte Hitler höchstselbst gelobt. Siehe auch folgenden SZ-Beitrag zu Karajans Verhalten während der NS-Zeit: http://www.sueddeutsche.de/kultur/herbert-von-karajan-und-die-ns-zeit-voellig-gleichgueltig-1.260833-2

    Den genauen Inhalt von Nyírös Äußerungen in Sopron, die Sie ansprachen, kenne ich nicht, insofern ist es schwer diese zu beurteilen. Ausgehend von dem, was Sie uns darüber mitteilten, würde ich meinen, dass es zwei paar Schuhe sind, den Krieg fortzusetzen oder mit dem Holocaust weiterzumachen.

    Ich zweifele nicht daran, dass Nyírö Antisemit war und dafür gibt es keine Ausrede. Auch lässt sich sicherlich der Beiname Széklerapostel kritisieren. Nur waren das auch andere, wie oben ausgeführt, ohne dass dies bei deren künstlerischer Beurteilung eine Rolle spielen würde. Außerdem erinnere ich mich, dass Sie mir vor längerem von einem Österreicher erzählten – ich denke es war ein Politiker, der Name ist mir leider entfallen – der sich während des Krieges ebenfalls am NS-Regime beteiligt hatte. Ihr Standpunkt zu ihm war, dass auch solche Leute eine zweite Chance verdienten. Ein Herr von Weizsäcker hat sich ebenfalls am Krieg beteiligt und wurde später zum Vorzeigedemokraten indem er Präsident der BRD wurde. Müsste man dann nicht gleiches auch Nyírö zuerkennen? Müsste man ihm nicht wenigstens eine Bestattung in Siebenbürgen gewähren?

  5. Palóc. Warum nennen Sie Richard von Weizsäcker einen „Vorzeigedemokraten“? Das klingt doch pejorativ.
    Er war wie viele Millionen Deutsche in der Wehrmacht und er hat sich nach 1945 in einer demokratischen Partei engagiert. Das ist zu respektieren.

    Holocaust und Krieg sind nicht zwei paar Schuhe. Ohne den Zweiten Weltkrieg ist der Holocaust nicht vorstellbar. Nyirö war nicht nur ein Schriftsteller, sondern hat sich ab dem zweiten Wiener Schiedsspruch, mit dem Nordtranssylvanien von Ungarn annektiert wurde, hauptsächlich als Politiker betätigt.
    Die Protokolle des Pfeilkreuzlerrumpfparlaments weisen ihn als einen Propagandisten des Krieges noch im Frühjahr 1945 aus. Und die Verlängerung des Krieges hat noch dazu geführt, dass junge Levente an die Front gebracht wurden, um gegen die Rote Armee zu kämpfen und viele von diesen ihr Leben für eine verlorene Sache verloren, nur damit die Herrschaft der Pfeilkreuzler am westlichen Ende Ungarn um ein paar Tage verlängert werden. Was viele in dieser Diskussion vergessen, auch sehr viele nichtjüdische Ungarn verloren ihr Leben, weil Horthy – ohne Not – 1941 der halben Welt den Krieg erklärt hat.
    Und was die Sache noch erschwert, Nyirö war führendes Mitglied der Pfeilkreuzleremigration nach der Niederlage des „3. Reichs“, und dafür kann kein anerkennendes Wort aussgesprochen werden.
    Er hatte sich nach seiner Flucht aus Ungarn nicht geändert. Obwohl er dies hätte tun können.

    • Ich kann Ihnen versichern, dass „Vorzeigedemokrat“ nicht abwertend gemeint war und kann Ihre Argumentation in dieser Richtung nicht nachvollziehen.

      Ferner verstehe ich nicht wieso Sie den Holocaust so untrennbar mit dem Krieg vermengen. Ich will weder den Krieg noch den Holocaust verteidigen, doch ist es fraglos möglich den Krieg weiterzuführen auch nachdem der Holocaust beendet wurde. Um Ihre Formulierung aufzugreifen: ja, “ Ohne den Zweiten Weltkrieg ist der Holocaust nicht vorstellbar“, aber ohne den Holocaust wäre der Zweite Weltkrieg immernoch möglich gewesen. Wie gesagt: immer noch eine schlimme Sache und ich stimme Ihnen zu, dass eine Verlängerung des Krieges zu verurteilen gewesen wäre.

      Was Nyírö anbelangt, der starb 53, also nur 8 Jahre nach dem Krieg. Ich denke, dass das wenig Zeit ist um in sich zu gehen und seine Ansichten so grundsätzlich zu ändern. Das ist ein Entwicklungsprozess, keine kurzfristige Entscheidung. Und zo so einem Prozess braucht es auch einen gewissen Abstand, vorallem auch zeitlich. In den 50ern war aber der Krieg noch allgegenwärtig. Salopp gesagt: Nyírö hätte heutzutage noch nicht einmal das Rentenalter erreicht gehabt. Meinen Sie wirklich, dass ihm die Weisheit des Alters schon im vollem Umfang vergönnt war?

      Ich bleibe bei meiner Meinung. Man kann auch bei Nyírö sein künstlerisches Werk schätzen und gleichzeitig seine politische Tätigkeit verurteilen.

  6. Palóc,

    welche Vorbildfunktion hat ein rabiater Antisemit, ein Goebbelsbewunderer und ein Kriegshetzter des Pfeilkreuzlersystem für die ungarische Jugend?
    Meiner Meinung nach keine.
    Sie werden mich nicht überzeugen, dass diese Ehrung von Nyirö Fidesz genützt hat. Ich bin der Meinung, dass sie geschadet hat, wenn Fidesz tatsächlich eine normale moderate konservative Partei sein möchte.
    Allerdings wenn Fidesz sich mit Jobbik auf ein Packl hauen möchte,d.h. wenn Fidesz weiterhin mit Jobbik in zig Selbstverwaltungen eng zusammenarbeiten möchte, dann war es eine geniale Taktik.

    • Haben Sie belastbare Daten, in wie vielen ZIG Selbstverwaltungen Fidesz und Jobbik eng zusammenarbeiten? Ich habe nämlich keine. Und wie definieren Sie „eng zusammenarbeiten“? Gemeinsame Beschlüsse zur Renovierung einer Schule? Erneuerung eines Platzes? Oder beanstanden Sie erst Kooperationen, die einen rechtsextremen ideologischen Hintergrund haben? Das täte ich nämlich auch.

      Nachdem Sie dieses Thema seit Tagen so sehr betonen, bitte ich Sie um Fakten.

    • „ein rabiater Antisemit“

      Herr Pfeifer,
      da ich in der letzten Zeit so viel über Nyírő gelesen habe und mir Nyírős Werk vollkommen unbekannt war, wollte ich diese Bildungslücke wenigstens zum Teil schließen und habe mir das Buch „Uz Bence“ gekauft. Ich war auf alles gefasst, nur darauf nicht, wie Nyírő im Kapitel 11. den jüdischen Reisenden Róth Sámi sehr liebevoll und durchaus positiv schildert. Aufgrund dieser Lektüre hat man eher den Eindruck, dass ein Schriftsteller, der sowas schreibt vielleich doch kein Antisemit war. Gibt es Zitate von Nyírő, die das Gegenteil beweisen?

    • Ich habe auch nicht gesagt, dass Herr Nyírö als Vorbild dienlich sein kann. Im Gegenteil: ich habe den Beinamen Széklerapostel hinterfragt. Ich gestehe, dass ich seine Werke nicht kenne und kann seine schriftstellerischen Fähigkeit deshalb nicht beurteilen. Ich bin aber auch kein Mann von Fach, meine Meinung darüber wäre insofern nur subjektiv. Ich kann daher nicht beurteilen, ob seine Werke es wert sind in den Schulstoff aufgenommen zu werten. Doch allein seine Werke sollten dafür ein Kriterium sein und nicht seine Karriere in der Politik. Ganz im Gegenteil: diese Karriere könnte ihn als Schulstoff gerade zusätzlich rechtfertigen, weil man den Schülern seine Fehler vor Augen führen kann, zeigen kann, wie jemand den Pfeilkreuzlern verfallen konnte. Sozusagen als abschreckendes Beispiel. Sicherlich setzt das ein gewisses Maß an Reif bei den Schülern voraus, ist also nichts für die unteren Klassenstufen. Im Endeffekt könnte Nyírö also durchaus sinnvoll für die Behandlung des Faschismus‘ sein, also gerade Ihnen entgegenkommen. Nur leider schließen Sie ihn kategorisch aus. Leider erscheint mich ihre Herangehensweise sehr an „Aug um Aug“ zu erinnern.

  7. HV ich werde versuchen, eine detailliertere Anwort zu geben.
    Es ist jetzt 22.15 Uhr und um 22.30 Uhr möchte ich ein satirisches Programm im TV sehen.
    Vor ein paar Tagen hat der sozialistische Bürgermeister von Szeged (Herr Botka)sich über eine gemeinsame Abstimmung zwischen einem Jobbik Abg. und der Fidesz Fraktion im ATV beschwert und die seltsamen Begleiterscheinungen detailliert geschildert.

  8. “ … welche Vorbildfunktion hat ein rabiater [ … ] , ein [… ] bewunderer und ein [… ] hetzter [sicc!] des system für die ungarische Jugend?“

    Dieselbe, vermute ich einmal, die heute Uralt-Dissidenten, Linke-immer-noch-Bewunderer von Lukács und Hetzer gegen die freiheitlich verfasste demokratische Grundordnung Ungarns haben.

    Nämlich KEINE.

    Aber sie sind Teil einer Geschichte, mit der sich jeder auseinandersetzen sollte.

    Dringendst!

    • Tja, da es die „reinrassigen Ungarn“ nicht gibt, muss jeder von uns damit rechnen, Juden, Zigeuner, Slowaken, Kroaten, Türken oder Deutsche unter seinen Vorfahren zu haben. Nur für die Vonas dieser Welt ist es eben ein Problem. Mir wär’s egal.

      • In der Ahnentafel meiner Enkelkinder, die Ungarn sind, gibt es auch Serben, Polen, Franzosen, Spanier, Afrikaner, Indianer und Portugiesen.
        Nur die Überirdischen fehlen in der Liste. Gott sei Dank!

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