Antisemitismus: Offener Brief an Ádám Fischer

Sehr geehrter Herr Ádám Fischer,

ich habe heute Ihren Beitrag in der WELT gelesen: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article111858613/Ungarns-unabhaengige-Kuenstler-muessen-protestieren.html

Ich teile Ihre Empörung über die Worte von György Fekete, dem Präsidenten der Ungarischen Akademie der Künste. Es ist unerhört, wenn ein hochrangiger Vertreter des ungarischen Kulturbetriebes, ein Mann von politischer Bedeutung und Gewicht, in einer rechtsgerichteten Wochenzeitung unwidersprochen äußert, „György Konrád werde im Ausland als Ungar wahrgenommen, egal, was er sagt„. György Konrád ist Ungar, er ist  insbesondere als Schriftsteller Vertreter der ungarischen Künste, die jene Akademie repräsentieren sollte. Dies mag Fekete zur Kenntnis nehmen, gleich, ob ihr Präsident mit Konráds politischen Ansichten übereinstimmen mag oder nicht. Denn die Sprache ist Teil der ungarischen Identität, die Religion ist es nicht.

Ich vermag auch Ihre Besorgnis, Ihre Wut über Antisemitismus in Ungarn nachzuvollziehen. Zugleich bin ich aber verwundert darüber, dass Sie in Ihrem Beitrag ein wichtiges, in meinen Augen so hoffnungsvolles Zeichen vom vergangenen Wochenende völlig unter den Tisch fallen lassen: Am Sonntag, den 02.12.2012, demonstrierten weit mehr als Zehntausend Menschen auf dem Kossuth-Platz gegen Antisemitismus. Anlass waren Aussagen des Parlamentsabgeordneten Márton Gyöngyösi von der rechtsradikalen Jobbik, der im Parlament offen „Judenlisten“ gefordert hatte. Ohne dass irgend eine Partei – weder rechts, noch links – ihm widersprach. Dieser antisemitische Ausfall ließ aber kurz danach bei allen Parteien endgültig (und endlich!) die Sicherungen durchbrennen. Man versammelte sich, um gemeinsam gegen Rassenhass zu protestieren. Ja, das Bemerkenswerte an dieser Demonstration war, dass Menschen aller politischer Richtungen anwesend waren, etwas, das in Ungarn seit Jahren undenkbar schien. Antal Rogán, Fraktionsvorsitzener der Regierungspartei Fidesz, hielt eine gute, der ehemalige Ministerpräsident Gordon Bajnai gar eine fulminante Rede, lediglich Attila Mesterházy von der MSZP konnte sich Angriffe gegen die Regierung nicht ersparen. Bajnai hingegen betonte das „Gemeinsame“, als er seine Mitbürger dazu aufrief, Antisemitismus zu bekämpfen. Und rief dazu auf, die Anhänger der Regierungsparteien nicht pauschal als Nazis zu verunglimpfen. Der Sonntag war ein Moment der Stille im ewigen Grabenkampf, und man sollte glücklich sein, dass es der Kampf gegen Judenhass war, der diesen Moment möglich machte.

Auch Ministerpräsident Orbán betonte am Montag im Parlament auf Frage des Sozialisten Pál Steiner, die Ungarn würden ihre jüdischen Landsleute verteidigen. Aussagen, die auch von der jüdischen Gemeinschaft MAZSIHISZ begrüßt wurden.

Von diesen Ereignissen ist, anders als von dem üblen Vorgang um György Fekete und dessen Angriff gegenüber Konrád, den man auch als verkappt antisemitisch ansehen kann, keine Rede. Warum nicht, Maestro Fischer?

Ich hoffe, der bereits am 21. November erschienene Beitrag in „Demokrata“, der bis Ende November in Ungarn keinen besonderen Aufruhr verursachte, wird nicht ganz bewusst kurz nach diesem Moment der Hoffnung ins Ausland getragen, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Um postwendend dafür zu sorgen, dass die positiven Untertöne der vergangenen Tage sogleich wieder verstummen mögen.

Ich bin der Auffassung, dass man solche Zeichen, die (auch) die Regierung gesetzt hat, bestärken, wertschätzen und vermehrt einfordern sollte, anstatt sie im ewigen Reflex als unglaubwürdig darzustellen. Leider scheinen Sie anderer Auffassung zu sein, den Glauben daran, dass die Ungarn das Problem des Antisemitismus ohne „fremde Hilfe“ lösen können, aufgegeben zu haben. Ich glaube, anders als Sie, man muss und kann die Wähler des rechten Spektrums motivieren. Aber: Nicht immer ist der Aufruf, das Ausland müsse etwas unternehmen, der richtige Ansatz, die Dinge in eine gute Richtung zu lenken. Denn viele Ungarn empfinden den Reflex, über das Ausland Stimmung zu machen, als Angriff auf ihre Heimat. Wohl wissend, dass die Adressaten solcher Beiträge sehr oft keine vertiefte Landeskenntnis haben und nur das Bild des hässlichen ungarischen Neandertalers, des Nazis, der Pestbeule am gesunden Volkskörper der EU, hängen bleibt. Ein Bild, das in den vergangenen Jahren geradezu zelebriert wurde, mit sämtlichen Überschreitungen der Grenzen des guten Geschmacks. Ohne, dass wichtige Oppositionelle wie Sie diese Maßlosigkeit kritisiert hätten.

Es dürfte eine berechtigte Frage sein, die ich Ihnen stelle: Wieso äußern Sie, als ehemals hoher Vertreter des Budapester Kulturbetriebes, Ihre Kritik nicht IN UNGARN, um dort einen Diskurs über Feketes schlimme Worte anzustoßen? Sagen sie ihm direkt Ihre Meinung! Oder ist der Beitrag in der WELT, der Ruf nach fremder Hilfe, Teil der Hoffnung, die ausländische öffentliche Meinung möge Ungarn als antisemitisches Land in Erinnerung behalten? Treibt Sie gar der Wille an, die von Ihnen mit Grimm betrachtete ungarische Regierung in ein schlechtes Licht zu rücken?

Wahrscheinlich wird Ihr Kommentar nächste Woche im „Újságíró Klub“ bei ATV besprochen, doch bewegt das etwas? Erreichen Sie damit die Menschen, die Sie erreichen müssten, um etwas zu ändern?

Wie anders als politische Schützenhilfe für die in 2010 durch den ungarischen Wähler atomisierte Linksopposition konnte man den Leserbrief des Herrn Schiff verstehen, der pünktlich zur Übernahme der ungarischen Ratspräsidentschaft in der Washington Post schrieb, das Land sei unwürdig, die EU zu führen? György Konrád fordertezuletzt  gar Sanktionen gegen Ungarn und seine demokratisch gewählte Regierung. Und auf den Einwand, dass darunter doch alle Ungarn leiden würden (nicht nur Fidesz-Anhänger), antwortete er selbstgefällig: „Je schneller Orbán abgewählt wird, desto früher wird es den Ungarn wieder besser gehen„. Auch wenn ich die Aussagen Feketes verurteile, frage ich doch: Sind solche Worte vielleicht Zeichen für ein Gemeinschaftsgefühl mit den Ungarn? Dass die Reaktionen in Ungarn, insbesondere die von Zsolt Bayer, oft genug schäbig und inakzeptabel waren, braucht hier nicht erläutert zu werden.

In Deutschland, wo freilich Aussagen wie die von Fekete und Bayer in Mainstream-Publikationen undenkbar wären (leider werden hingegen Aussagen linksextremistischer Art von Seiten gewisser Theaterintendanten geduldet), sieht man in der Regel davon ab, innerdeutsche Probleme als Deutscher über die Auslandspresse lösen zu wollen. Man kritisiert den, der so blöd daherredet, hierzulande. Vielleicht täte Ungarn ein solcher ungarischer Diskurs gut, die Demonstration vom Wochenende zeigt, dass die Menschen bereit sind, sich Antisemitismus entgegen zu stellen. Mehr Kossuth tér, weniger Ausflüge nach Brüssel.

Vielleicht sollten Sie, lieber Herr Fischer, künftig trotz berechtigter Sorge und auch verständlicher Wut das tun, was man von Intellektuellen erwarten darf: Mit Bedacht handeln und stets im Hinterkopf behalten, dass das Echo, welches Sie mit Beiträgen dieser Art hervorrufen („Ungarn = Antisemitismus“), zu einer pauschalen Verurteilung Ungarns und Trotzreaktionen führen kann. Nein, Sie sollen nicht schweigen, sondern sprechen: Eben mit Kritik an der richtigen Stelle. Und akzeptieren, wenn die richtigen Zeichen von den aus Ihrer Sicht falschen Leuten gesetzt werden. Feketes Äußerungen brauchen keine EU, keine Armee, keinen internationalen Aufruhr. Sie brauchen ungarische Empörung, denn die Probleme, die Sie und mich umtreiben, können nur von den Ungarn selbst gelöst werden: „Importierte Kritik“ dürfte das falsche Mittel sein. Sie wirkt feindselig.

Seien Sie unbesorgt: Ungarn wird auch weiterhin kritisch beobachtet werden, selbst wenn die Teilnahme Fidesz´ an der Demo vom Wochenende für ein paar Minuten die Wogen zu glätten scheint. Die Geschehnisse vom letzten Sonntag sind Zeichen der Hoffnung, die man fördern, nicht zertrampeln sollte. Man darf sie nicht durch negative „Gegenpole“ sogleich zu unterdrücken versuchen. Sonst denken die, die dort hingehen, am Ende noch, es hat doch alles keinen Sinn.

Es würde mich freuen, wenn Sie der eine oder andere Gedanke aus meiner Feder zum Nachdenken brächte.

Mit besten Grüßen

Hungarian Voice

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71 Kommentare zu “Antisemitismus: Offener Brief an Ádám Fischer

  1. Guter Brief, HV, gefällt mir. Eine kleine Anmerkung: ein bisschen zu lang und er enthält Wiederholungen, die ermüden (Absätze „Wie anders….“ und „In Deutschland…“ sind zudem für den roten Faden weniger relevant, ich hätte sie weggelassen). Mir ging daher zum Schluss die Puste/Aufmerksamkeit aus…

  2. Wohl eher umgekehrt: die Sicherungen sind wieder angegangen.
    Ich finde es in der Tat unglaubwürdig von Fidesz, wenn man einerseits Antimitesmus verurteilt, andererseits gerade jene Akdemie, deren Präsident Fekete ist, in die Verfassung (sic!) hineinschreibt.
    Magyar Nemzet und Magyar Hírlap hätten Fischers Beitrag sicher mit Kußhand genommen.
    Letztlich ist Ihre Argumentation nicht besser als die von Fekete. Egal, wo Fischer sich äußert, es bleibt doch die Kritik eines Staatsbürgers an seinem Land. (Wenn Orbán bei Merkel ist und etwas über Ungarn sagt, dann schenkt man dem doch auch Beachtung.) Was soll diese Engstirnigkeit? Als könnte man tatsächlich nicht über den eigenen Tellerrand hinaussehen.

    • Ihre Empfindungen in Ehren, aber die Frage bleibt berechtigt: Warum äußert sich Fischer nicht in Ungarn? Mit Tellerranddenken hat das weniger zu tun, denn wenn die Suppe nur auf dem Tisch gekleckert ist, der Teller selbst aber leer bleibt, ist man zwar „über den Tellerrand hinaus“, aber niemandem geholfen.
      Was hat meine Argumentation mit der von Fekete zu tun? Sie wollen hoffentlich nicht ernsthaft behaupten, ich hätte irgendwem abgesprochen, Ungar zu sein…

      • Die von Fischer angesprochenen Probleme Ungarns sind keine exklusiv ungarischen, Ungarn insgesamt ist ein europäisches Problem, nicht als Ungarn, sondern als Problem. Wir werden in Zukunft noch viele kleine und große Ungarns erleben, sozusagen systemisch bedingt. – Diese Deckel-drauf-Mentalität, die bei HV insgesamt vorherrscht und die eigentlich alles ist, was man ernsthaft aus dem ganzen schwülstigen Tant dieses Briefes herauslesen kann, betont wieder den formalen Aspekt vor dem inhaltlichen und verneint die Legitimität einer europäischen Öffentlichkeit.

        Das ist nicht nur intellektuell ziemlich dünn gestrickt, es ist auch sachfremd, zumal es dem „nicht ungarisch fühlen können“-Geschwafel der „Friedensmärschler“ das Wort redet. Die Selektion der in diesem Blog untersuchten Themen, die Aussparung der konkreten Wirkung von Politik auf die Menschen in Ungarn, tut ihr Übriges, um die Übel ja nicht bei der Wurzel zu packen, sondern möglichst zuzudecken. Es ist praktisch nur die regierungsfreundliche Umkehrung der sonst hier kritisierten Fehl- oder Zerrdarstellung über Ungarn in westlichen Medien.

        Es ist also nicht die Vernaderung und tatsächlich mangelnde Abgrenzung des Fidesz von den Inhalten und politischen Forderungen der Jobbik & Co. das Problem, sondern die dem Autor nicht genügend würdigende Außendarstellung eines Lippenbekenntnisses. Wenn das obige Schreiben wirklich die Maximen von HV bezüglich Ungarn bedeuten, dann schreibt er sich selbst an den Rand und lässt in gewisser Weise das Land im Stich, denn diesem ist mit Absichtserklärungen nicht geholfen. Aber das ist natürlich auch seine freie Wahl, hoffe ich.

        Mit freundlichen Grüßen

        M.S.

      • Natürlich liest jeder aus Texten das heraus, was er will. Der Kern der Kritik ging doch in eine klare Richtung: Fischer nimmt gewisse positive Zeichen nicht zur Kenntnis. Er unterschlägt sie, ich vermute: vorsätzlich. Und der Zeitpunkt des Kommentars wirkt auf mich keineswegs zufällig, sondern als Versuch, die Signale, die die Veranstaltung vom letzten Wochenende setzen könnte, zu zertreten. „Europäisch“ an dem Beitrag Fischers ist lediglich der Ruf nach europäischer Hilfe, der Rest ist das, was Sie herauslesen möchten.

        „Intellektuell dünn gestrickt“, „an den Rand schreiben“, der Vergleich mit den „Friedensmärschlern“: Können Sie sich all das nicht mal sparen? Lassen wir mal eben Ihre Überzeugung, die einzig richtige Sichtweise zu vertreten, eine Sekunde beiseite und nehmen wir zur Kenntnis, dass ich kein Wort vom „ungarisch fühlen können“ geschrieben, sondern darauf hingewiesen habe, dass es hilfreich sein könnte, das reflexartige weinerliche Hilferufen im Ausland und das Verschweigen positiver Zeichen einmal sein zu lassen.

        Wen ich „im Stich lasse“ (der letzte Vorwurf dieser Art ging in Richtung Boris Kálnoky, der machte sich gar „mitschuldig“ an den Zuständen in Ungarn…), müssen Sie mir auch noch mal erklären. Ich hoffe nicht diejenigen, die letzten Sonntag demonstriert haben und ein Zeichen setzen wollten. Das wollte ich nämlich nicht. Ich wollte ihr Zeichen gerade hervorheben, etwas, was Fischer leider nicht übers Herz brachte.

  3. Naja, erst verniedlichen Sie das Problem, dann sich selbst. Das ist Zeitverschwendung. Wenn Sie sich weigern, die Probleme wirklich beim Namen zu nennen und Ihnen auch bei mir wieder nur die Form aufstößt, dann lassen wir´s lieber. MfG, Schicker

  4. Ich fand es sehr lesenswert und die Reaktion von M.S. bemerkenswert. Merke: Nichts ist dem linken Lager abscheulicher als moderate bürgerliche Haltung – die muss man diskreditieren, sonst kann man die Rethorik bürgerlich = extrem nicht aufrechterhalten.

    • Das grösste Problem dabei ist, dass dies alles unter dem Deckmäntelchen: „Wir wollen nur das Beste für das Volk“
      geschieht.

  5. Kollege Kálnoky meinen Sie, dass es im linken Lager keine Menschen gibt, die differenzieren zwischen moderaten bürgerlichen Politiker und solche die völkische Ideen propagieren?

  6. HV äußert viele interessante Gedanken. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieser offene Brief wirklich als angemessene Reaktion auf den Artikel Fischers taugt.

    Fischers Text hat einen konkreten Vorfall, nämlich ein fragwürdiges Interview des Präsidenten der ungarischen Akademie der Künste zum Thema. Der Artikel ist eben keine umfassende Erörterung zum Thema Antisemitismus in Ungarn, muss und will es auch nicht sein. Ein Bezug auf die kürzliche Demo erscheint mir hier nicht zwingend notwendig. Wieso gleich wieder eilfertig relativieren und exkulpieren? Die notwendige Kritik an dem Einzelfall Fekete ist meines Erachtens –keine– Pauschalisierung oder Beschimpfung einer Nation.

    Einzig ein Satz in der Zwischenüberschrift geht in die Richtung eines Pauschalurteils: „Europa muss Flagge zeigen gegen Gleichschaltung und Antisemitismus in Ungarn.“ Hier scheint so etwas wie eine künstliche Frontstellung „Europa gegen Ungarn“ auf. Besser wäre: Die Anständigen in Europa müssen grenzüberschreitend zusammenhalten gegen die unverbesserlichen Antisemiten und Rechtsextremisten, die es freilich in allen Ländern dieses Kontinents gibt. Aber jener von mir aufgespießte Satz muss ja nicht unbedingt vom Autor des Textes stammen, wie erfahrene Zeitungsleser wissen.

    Übrigens hat die Welt-Redaktion mit einem Foto von einer Demo gegen Antisemitismus inmitten dieses Textes schon einen interessanten Kontrapunkt gesetzt, der von aufmerksamen Beobachtern sicherlich wahrgenommen wird.

      • Ein Präsident der Akademie der Künste ist aus meiner Sicht kein „führendes Regierungsmitglied“. Da übertreibt Fischer. Die meisten Leser dürften seiner Aussage nicht zustimmen.

        Mich interessiert mehr die Frage, warum Fischer seinen Artikel in Deutschland und nicht in Ungarn veröffentlicht hat. Vor allem zwei Erklärungsansätze bieten sich an:

        – Menschen wie Konrád und Fischer sind Grenzgänger. Sie fühlen sich in beiden Ländern zu Hause, in Deutschland aber mehr geschätzt und besser verstanden (so auch Kertész, der seit Jahren in Berlin lebt und unlängst einem deutschen Archiv seinen Nachlass vermachte).

        – Konrád war selbst mal Präsident der Berliner Akademie der Künste. Wenn er nun vom Präsident der Budapester Akademie der Künste angegriffen wird, interessiert das seine deutschen Freunde sicherlich.

      • Aha, Fischer „übertreibt“. Ich würde es deutlicher, aber immer noch höflich so sagen: Er bedient die Leser mit der Unwahrheit. Ob bewusst oder unbewusst, weiß ich nicht. Aber die führende Rolle Feketes scheint Teil von Fischers Erzählstrang zu sein. Ist es möglich, dass Feketes Antisemitismus nur halb so interessant wäre, wenn er nicht mit Fidesz verknüpft werden könnte?

        Es hätte doch eigentlich gereicht, wenn Fischer geschrieben hätte, dass Fekete von Pál Schmitt im Januar 2012 ernannt worden ist.

      • Sorry, ungenau gelesen. Fischer bezog sich ja nicht auf Feketes Bedeutung in der Regierung, sondern in der Regierungspartei. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, welche Rolle Fekete da spielt. Es scheint aber auch keine überragende zu sein.

      • Ach, ich weiß nicht, HV. Fischer treibt einfach um, dass solche Leute wie Fekete agieren können, ohne in die Schranken gewiesen zu werden. Dafür macht er die Regierungspartei verantwortlich, weil die doch den größten Einfluss auf Fekete haben müsste. Nicht mehr und nicht weniger. Fischer ist ein Freigeist, ein Kosmopolit. Er hat sicherlich eine Abneigung gegen die jetzige Regierung, weil die aus seiner Sicht etwas Anderes, einfach engeres Denken verkörpert. Ich würde Fischer deswegen aber nicht zum Netzbeschmutzer oder Vaterlandsverräter erklären. Für einen Dirigenten ist ein Akademiepräsident wahrscheinlich wichtiger als für einen durchschnittlichen Blogger oder Zeitungsleser. Und Fidesz ist eine pluralistische Partei; da gibt es nun mal auch Leute mit vormodernen Ansichten. Vielleicht gehört dieser Fekete zu dieser Fraktion.

      • Fischer ein „Netzbeschmutzer“?
        Danke Ungarnfreund! Danke!
        Sie zünden seit Freitag jeden Tag eine Kerze mehr an? Das Licht bricht durch in die Dunkelheit.

        http://www.politicalcapital.hu/lista/rainer.htm

        Nur den „Vaterlandsverräter“, den vergessen Sie besser, wenn es um Ungarn geht. Das Wort Vaterland kennen so nur die Deutschen. Darin klingen die Erinnerung an Prinzipien, wie das „Ius primae noctis“ und Kompromisse, wie „Cuius regio, eius religio“an.
        Der Ungarn erlebte immer nur die Willkür der Mächtigen.
        In seiner Sprache gibt es stattdessen die Worte „haza“! Und „anyaföld“! Und „szülőföld“! Sie halfen dabei, die Willkür zu ertragen.

        Was Fischer und die von ihm kritisierten Altkader & Co. angeht, trifft „Netzbeschmutzer“ schon eher den Kern.

        Danke Ungarnfreund!

        http://www.168ora.hu/itthon/mma-tagok-elhatarolodhatnak-fekete-gyorgytol-107201.html

  7. HV Fekete ist ein ungarischer Patriot, der als Belohnung für seine Tätigkeit als Revolutionär im Oktober 1956 schon 1957 eine führende Stellung erhielt als „az Ált. Épülettervezö Váll. müteremvez“. Für seinen heldenhaften Widerstand gegen das Kádárregime erhielt er 1966 den Munkácsypreis und 1981 den Titel „érdemes müvész“ (Magyar ki kicsoda 1990, Seite 160)
    In der heutigen Népszabadság widmet ihm Czene einen Artikel, aus dem hervorgeht, welchen Widerstand Fekete gegen das Kádárregime geübt hat. (Ironie!)
    György Fekete ist Vorsitzender der Kunstakademie und ab 2013 verantwortlich für eine Menge Geld. Und er teilte mit, dass jemand, der im Ausland das jetzige Regime kritisiert auch dann nicht Mitglied der Akademie sein kann, wenn seine künstlerischen Qualitäten ihn dazu berechtigen. So setzt er die Tradition des György Aczél fort.
    Fekete hat also das getan, was bis zur Rogánrede im Fideszkreis geduldet wurde, er hat darauf hingewiesen, dass Konrád lediglich im Ausland als Ungar betrachtet wird und nicht das ist, was völkische Ungarn „igazi magyar“ einen „echten Ungar“ nennen. So zu reden nennt man in Ungarn „zsidózni“, was von vielen Ungarn als ein Ausdruck eines „moderaten“ Antisemitismus betrachtet wird, der weil er nicht explizit ist.

    • Ich habe mit Fekete nichts am Hut. Meine Frage an Ungarnfreund war eindeutig: Ist er, wie Ádám Fischer behauptet, ranghohes Mitglied der Regierungspartei?

      Den Vergleich mit Aczél finde ich gut. Doch meine Frage war eine andere. beantworten Sie sie mir?

    • Die Einschätzung, dass Herr Fekete sozusagen die dunkle Seite Ungarns repräsentiert, teile ich. Aber die Lichtgestalten von der Hauptabteilung III/II, bis 1972 wurden Sie von der III/I geführt, sind auch nicht ganz ohne ….

      Ich hätte da einen konstruktiven Vorschlag. Könnte man nicht allen ehemaligen Inoffiziellen und Offiziellen, die sich einst verpflichtet fühlten, eine Leibrente zahlen?

      Weil, so habe ich Ádám Fischer jedenfalls verstanden, geht es den freiberuflichen Dunkelmännern und Lichtgestalten im Wesentlichen um Geld.

      Ich meine, wenn sich das arme Volk der Ungarn mit einer Leibrente für Alle von seiner Vergangenheit freikaufen könnte, erledigte sich das Antisemitismusgezänk vielleicht von selbst.
      Denke ich mal als Schwarz-Weiß-Seher.

      • Bei Ihren Stasi-Stories, Herr Herche, verliere ich immer schnell den Überblick. Wen glauben Sie im vorliegenden Fall mit einer Leibrente „ruhig stellen“ zu können? Fischer oder Fekete?

      • @ Ungarnfreund
        Ich schrieb „Alle“, am besten gleich ALLE, die als Freiberufler zur Sicherung ihres Lebensunterhalts auf ein Salär von der Akademie angewiesen sind. Vielleicht hört ja das Antisemitismus-Gezänk dann endlich auf.

  8. Sorry, zu schnell geschrieben,
    „Zsidózni“ wird von vielen Ungarn als Ausdruck eines „moderaten“ Antisemitismus betrachtet, weil er nicht explizit ist.
    Also keine Kritik im Ausland und nicht so empfindlich sein. Das wird doch Ádám Fischer sicher beherzigen.

    • Sagen Sie, für einen Journalisten haben Sie bemerkenswert wenig Textverständnis, Herr Pfeifer. Ich stelle die Frage, warum Fischer nicht versucht, die Ungarn zu motivieren, gegen Antisemitismus anzutreten. Warum versucht er es NUR über den Kanal „wir müssen die ungarische Regierung von außen unter Druck setzen“?

      Von „weniger empfindlich sein“ sagte ich kein Wort. Das kann man getrost unter Pfeifer’sche Rabulistik einordnen. Im Gegenteil, wenn Sie aufmerksam lesen, würden Sie sogar sehen, dass ich die Verärgerung Fischers verstehe. Scheint Ihrem prüfenden Blick entgangen zu sein.

  9. HV Ich habe mich nie gescheut hinzuschreiben HV wenn ich Sie meinte. Diesmal habe ich mir eine allgemeine Bemerkung erlaubt, die nicht auf HV bezogen war, sondern auf die Diskussionen auf ATV wo es fast immer von einem pro-Fidesz Diskutanten zu hören ist, dass man doch das Argument des Antisemitismus fälschlich gebraucht und einige Menschen überempfindlich sind. Gerade schaute ich mir eine solche ATV Sendung an. Allerdings sollte ich vielleicht weniger bei Ihnen posten, denn ich besitze nicht die Fähigkeit eines Napoleon mehrere Dinge zur gleichen Zeit zu erledigen. Und da ich in der Regel schnell schreibe mache ich auch Flüchtigkeitsfehler. Ich hätte auch diesmal hinschreiben sollen, auf was ich mich beziehe. Weil ich es nicht tat, haben Sie das verständlicherweise auf Ihren Beitrag bezogen, wofür ich mich in aller Form entschuldige.

    Wenn György Fekete und die von ihm angeführte MMA (Magyar Müvészeti Akadémia) 2.5 Milliarden Forint wird 2013 an die ihm genehmen Künstler und Projekte verteilen, dann macht es keinen Sinn, darüber zu diskutieren, welche Rolle ihm Ádám Fischer in Ungarn zubilligt.
    Eher macht es Sinn darüber zu diskutieren, was für einen Geist dieser Mann repräsentiert.
    Es macht auch keinen Sinn wenn hier ein Poster meint, diejenigen, die sich Herrn Fekete entgegenstellen wären nur neidisch. Damit projiziert der Schreiber vielleicht seine eigene Gesinnung auf Andere.
    In der gestrigen Népszabadság
    http://nol.hu/kult/nem_fogjuk_legitimalni_az_mma_szellemiseget_
    fand ich eine bemerkenswertes Interview mit Gyözö Ferencz, Vorsitzender der Széchenyi Akademie. Es geht ja nicht nur um den einen Satz im Text von Fekete, der sich auf György Konrád bezieht, sondern auch um die Geisteshaltung derer, die (wie Fekete) glauben, sie müßten aus einer vielfältigen ungarischen Kultur eine Monokultur, die ihrem Geschmack entspricht, machen. Das hat Aczél sich nicht getraut. Er hat versucht, die verschiedenen Strömungen gegeneinander auszuspielen. Und er hat versucht, die Künstler von einer Stellungnahme gegen das Kádár-Regime abzuhalten. Was ihm im Fall von György Konrád nicht gelungen ist.
    Wird Fekete dort erfolgreich sein, wo Aczél gescheitert ist? Ich kann nur hoffen, dass dies nicht der Fall sein wird.

    • Es macht immer Sinn darüber zu sprechen, wenn jemand seinen Angriffen und seiner Kritik falsche Fakten zugrunde legt. Dass Sie all das belanglos finden, so lange die Zielrichtung aus Ihrer Sicht stimmt, ist eben so. Es muss aber nicht richtig sein. Wie gesagt: Fekete ist zu kritisieren. Aber man muss ja nichts erfinden…

      • HV Belanglos ist es nicht. Aber es ist ja keine Spezialität der Orbánkritiker sich zu irren. Einen Faktenfehler anzumerken ist schon in Ordnung. Nun passiert in der Hitze einer Diskussion solches nicht nur Ádám Fischer. Mir ist es passiert und ich wage anzunehmen, dass Sie HV auch nicht unfehlbar sind. Wenn ich mich diesbezüglich irre, lassen Sie uns das bitte unbedingt wissen! (Ironie)
        Ich habe auf die Probleme hingewiesen, die mit György Fekete für die ungarische Kultur geschaffen werden und da denke ich ist Ádám Fischers Irrtum, ihn als Mitglied der Regierung zu bezeichnen, ein vernachlässigbarer Fehler.
        Interessant finde ich auch die Diskussion über Zsolt Semjéns Arbeiten an der Universität. Und wie seine Verteidiger diese Kritik als einen „Angriff auf das Christentum“ abqualifizieren. Semjén meinte man hätte ihm seine „Sünde“ vor zwanzig Jahren vorwerfen sollen. Immerhin eine interessante Ansicht, ich dachte nur Straftaten verjähren, aber Semjén meint auch Sünden verjähren. Ich werde einen Freund, der katholischer Priester ist, fragen, wie er das sieht. Immerhin, kann man Semjén nicht seinen akademischen Grad entziehen, denn nach dem damals geltenden Gesetz geht das nicht. Gesetze rückwirkend zu gebrauchen geht für die Budapester Uni nicht, das haben andere gemacht.

      • Das mit dem „Angriff auf das Christentum“ habe ich bei ATV gehört, das sagte wohl ein Abgeordneter der KDNP. Ich habe selten einen solchen Schwachsinn gehört. Das hat alles mit Ádám Fischer nichts zu tun, es ist aber gigantischer Schwachsinn. Wenn Semjén plagiiert haben sollte, dann ist das sicher keine Frage der Religion.

    • Welche Frau versteckt sich hinter dem zumeist männlichen Vornamen Kai, den Eltern laut Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Az. 15 W 102/03 ) erst seit 2004 Söhnen als alleinigen Vornamen geben dürfen?

      Kimmich jetzt als Ethnologin bei den Eingeborenen in den Wäldern Ungarns?

      Bejubelt sich die Sudelkultur-Wissenschaftlerin neuerdings selbst?

  10. Fagaras, danke, ein informativer Artikel. Bin neugierig, ob die „historischen“ Kirchen darauf reagieren.
    Ich fand es auch interessant als ein Schamane im ungarischen Parlament rund um die dort ausgestellte Krone tanzte.

    • Ich bin darüber, dass Frau Marsovszky diesem Beitrag zujubelt, nicht verwundert. Leider fehlt mir die intellektuelle Größe, um die durch den Beitrag geradezu „mäandrierende“ blumige Hochsprache, die wohl lustig wirken soll, ausreichend zu würdigen. Hoffentlich bin ich nicht dumm genug, um die Botschaft zu verkennen: Das böse, böse, intolerante Christentum.

      Dass es sich bei den „Sakralisierern der Nation“, nicht um den Mainstream handeln dürfte (wie viele Ungarn sind praktizierende Christen?), hier also (so meine Einschätzung, die ich leider nicht durch Statistiken belegen kann) eine esoterisch und national gedopte Minderheit zum Zeitgeist hochstilisiert wird, fällt unter den Tisch. Damit die Mehrheit möglichst furchterregend oder auch noch dümmlich wirkt. Gläubige sind ja für Atheisten ohnehin Menschen, die sich nicht selbst helfen können, oder? Überhaupt ist das Christentum ja was ganz Übles, die haben es sogar gewagt, in eine Verfassung des 21. Jahrhunderts einzudringen. Seitdem scheinen Dämme des Respekts gebrochen zu sein, sieht man sich geifernde und „ironische“ Kommentare an.

      Soll Frau Rütten schreiben, wie es ihr gefällt. Ich habe für mich jedoch eine Entscheidung getroffen: Und würde es nicht wagen, über irgend eine Religion so zu schreiben oder zu sprechen. Das ist eine Frage des Respekts. Nicht über das Judentum, nicht über den Islam, nicht über den Buddhismus. Überall gibt es Leute, die intolerant sind. Sie sind aber hoffentlich nirgends in der Mehrheit. Leben und leben lassen.

      Ich weiß, Herr Pfeifer: Alles in dem Artikel ist ironisch gemeint, wie seinerzeit Ihre Aussagen in einem Artikel, in dem Sie von „christlichen Werten“ sprachen, aber Antisemitismus meinten. Aber finden Sie es nicht bezeichnend, dass man im ausklingenden Jahr 2012 sogar eine Diana Bácsfi braucht und aus der Mottenkiste holt? Ich habe von dieser rechtsradikalen, vorbestraften Irren seit 2007 nichts mehr gehört. Dank Frau Rütten weiß ich, dass sie noch lebt. Nur was machen wir beide mit dieser Info?

      Der NZZ mache ich keinen Vorwurf, die hat den Artikel ja nicht geschrieben.

    • Frau Prof. Dr. Dorothee Kimmich hat die Professur für Literaturwissenschaftliche Kulturwissenschaft / Kulturtheorie an der Universität Tübingen inne. Sie hat den Sudelbeitrag in der NZZ nicht zu verantworten. Als Ethnologin, die sich Kimmich oder gar Kai Kimmich nennt, ungarisch spricht und sich hinter „sakralen Kulissen“ verschanzt hat, kommt nur die „wissenschaftliche“ Hochstaplerin Magdolna Marsovszky in Frage.

      Ich habe in Tübingen nachgefragt. Mich verwundert jedenfalls gar nichts mehr.

  11. Ich denke es lohnt aufzuzeigen, wie Menschen Leben, wie Menschen denken. Und wenn christliche Religion mit Elementen des Heidentum irgendwo vermischt wird, dann tun diejenigen, die das aufdecken ein gutes Werk. Nicht das Christentum wird im Artikel verhöhnt, sondern diejenigen wie Bácsfi, die es mißbrauchen.
    Ich stellte Ihnen eine kurze höfliche Frage und sie benützen die Antwort, um zu
    versuchen mich in eine Ecke zu stellen, in der ich nicht bin und zitieren zu diesem Zweck etwas aus dem Kontext.
    Ich publizierte 1987 [Falter Nr. 36] als sich die ÖVP und der HBP Waldheim sich auf „Christliche Werte“ beriefen einen Artikel darüber wie Antisemitismus im Alltagsleben in Österreich funktioniert und widmete einen kurzen Absatz dem, was ich im klerikalfaschistischen Staat in der Volksschule erlebte und beendete diesen Absatz so: „Und doch mußte ich nach dem ‚Anschluß‘ erfahren, um welch lächerliches Vorspiel es sich bloß gehandelt hatte.“
    HV wollen Sie wirklich dem Spiegel [den Journalisten vorhalten] zum Vorwurf machen, dass er ein häßliches Bild zeigt?
    Die NZZ tut gut auch solche Artikel zu bringen.
    Und die historischen Kirchen täten gut, etwas über den Mißbrauch der Religion zu sagen.

    • Ich mache Ihnen keinen Vorwurf und stelle Sie in keine Ecke, in der Sie nicht schon selbst aus freien Stücken Platz genommen hätten. Sie sind auch nicht der Spiegel, der die Wirklichkeit so realitätsnah abbildet, als den Sie sich gerne sehen. Gleiches gilt für die beiden Damen, die den NZZ-Artikel verfasst haben; und auch nicht Frau Marsovszky, die 22 Minuten nach dem Erscheinen des Beitrages, um 6:22 Uhr morgens, in Jubelschreie ausbricht (sie hat wohl sehnsüchtig auf das Erscheinen gewartet wie ich auf die Vorabend-Soaps, aus welchem Grund auch immer 🙂 …).

      Was die Objektivität von Spiegelbildern angeht: Wenn Sie auf demWiener Prater in das Spiegelkabinett gehen, werden Sie durch die Zerrspiegel auch ein wenig entstellt, vielleicht gar hässlich wirken. Mir geht es jedenfalls so. Dies würde ich nicht auf Sie oder mich, sondern den Spiegel zurückführen. Ich hoffe Sie verstehen, worauf ich hinauswill.

      Ich glaube übrigens, dass meine Antwort mindestens so höflich war wie Ihre Frage.

  12. Nun HV dann sind wir einverstanden, dass wir nicht einverstanden sind.
    Wie ich und Sie die ungarische Wirklichkeit sehen ist wirklich nicht so wichtig, man kann sie als die beste aller Welten schildern und man kann versuchen, sie so darzustellen, wie man sie sieht, um mit dem Vorwurf zu leben, man hielte dieser einen Zerrspiegel, wie im Wiener Prater vor und es sei halb so schlimm.
    Die allemeisten Ungarn spüren, wie diese Wirklichkeit ist. Und Frohbotschaften kommen nicht von dort.

    • Es scheint Ihre Vorstellungskraft zu übersteigen, sich einmal kurz vorzustellen, dass Ihr Gegenüber genau das versucht, was auch Sie für sich in Anspruch nehmen: Die ungarische Welt so darzustellen, wie er sie tatsächlich sieht. Auch wenn er mit dem weitgehend sinnlosen Vorwurf umgehen muss, er würde Ungarn als „beste aller Welten“ zu schildern.

      Bei der Beseitigung Ihres schwarz-weiß-Denkens kann ich Ihnen leider nicht behilflich sein. Aber ich glaube, Feindbilder sind kein Zeichen intellektueller Größe. Sie in Frage zu stellen, dürfte die größere geistige Herausforderung sein. Was natürlich erst einmal die Bereitschaft voraussetzt, die Argumente des „Gegners“ zur Kenntnis zu nehmen und ihm nicht zu unterstellen, er wäre bescheuert und würde unkritisch „die beste aller Welten“ präsentieren. Meinen Sie, Sie können dieser Herausforderung irgendwann gerecht werden?

  13. HV zunächst einmal zitierten Sie mich aus dem Kontext gehoben, um etwas zu beweisen, was so nicht stimmt, um mich als einen „Antichristen“ zu zeigen. Denn worauf zielt es, wenn Sie aus einem Artikel den ich 1987 publizierte zwei Wörter zitieren. Ich habe darauf reagiert.
    Ich habe mehrmals darauf hingewiesen, dass ich mit diesem oder jenem Text von Ihnen einverstanden bin. Sicher würde ich nicht hier posten, wenn ich der Meinung wäre, dass Sie nur schönfärben wollen. Sie haben ja auch kritische Texte gebracht.
    Und gerade deswegen kann ich nicht verstehen, warum Sie versuchen den NZZ Artikel madig zu machen. Denn dieser schildert ja sehr reale Begebenheiten.
    Ich verstehe auch nicht warum man nicht über Bácsfi schreiben soll. Ich selbst diskutierte vor einigen Jahren mit TGM in ATV über die damals lauten Neonazi und auch über diese „Dame“. TGM verteidigte vehement das Recht der Bácsfi alles sagen zu dürfen. Ich machte darauf aufmerksam, dass in einer zivilisierten Gesellschaft nicht alles erlaubt ist. Einige Jahre später leugnete TGM Bácsfi verteidigt zu haben.
    Es ist nicht meine Sache die „historischen Kirchen“ gegen solche Scharlatane wie Bácsfi zu verteidigen. Aber ich finde es durchaus korrekt, darauf aumerksam zu machen. .
    In Österreich haben sich die Kirchen eindeutig verhalten, als eine Partei eine fremdenfeindliche Initiative startete. Und als der Anführer der rechtsextremen FPÖ mit einem großen Holzkreuz zu einer Demo gegen den Bau einer Moschee ging, hat Kardinal Schönborn dies eindeutig abgelehnt. Bei allen Meinungsverschiedenheiten die es gibt, ist es nicht fair mich als antichristlich hinzustellen. Oder als einen Menschen, der nur in Kategorien schwarz-weiß denkt.
    Oft genug habe ich darauf hingewiesen, dass meine Kritik an gewissen Zuständen in Ungarn vor 2010 nicht weniger scharf war.

  14. Ich habe den Test mit meiner Frau gemacht: Wir finden den Artikel beide kurios und interessant. Wir wundern uns darüber, was wir alles verpasst haben, als wir zuletzt im Pilisgebirge unterwegs waren. Wir haben sogar Dinge gelernt, z. B. dass Nimrod nicht nur ein Pferdename ist oder woher der Name Emese stammt. Auf die Idee, aus diesem Artikel irgendwelche allgemeinen Schlussfolgerungen über den geistigen Zustand Ungarns o. ä. zu ziehen, würden wir allerdings nicht kommen.

    Daher können wir auch nicht nachvollziehen, was HV und Herrn Herche an diesem Text so erzürnt. War es am Ende bloß der Umstand, dass eine gewisse Frau Marsovszky einen positiven Kommentar dazu hinterlassen hat? Liebe Freunde, aus einem Artikel über eine okkulte Vereinigung in — sagen wir — Südbaden, würdet Ihr doch auch nicht schließen, dass der Autor behaupten will, dass alle Deutschen verrückt geworden seien oder dass man Eurer Heimatland schlecht machen wolle.

    • Se haben offenbar keine Ahnung, was „erzürnt“ sein bedeutet. Zorn sieht bei mir anders aus.

      Es handelt sich um einen der vielen Texte, der eine Minderheit von Esoterikern hernimmt, um das Christentum lächerlich zu machen. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist meine Bewertung. Mein Puls bleibt dabei ruhig, „lieber Freund“.

      Und die Frage, ob sich Frau Marsovszky hinter Kai Kimmich verschanzt, ist interessant. Bemerkenswert ist, dass man über Frau Kimmich nichts im Internet findet. Was es wahrscheinlich sein lässt, dass es sich um eine fiktive Person handelt. Ich kenne nämlich kaum jemanden, der im Internet keine Treffer bringt…

      • Der Text schildert, wie Heidnisches, Christliches und rein Politisches miteinander verwoben werden. Von einer solchen Art Christentum halte ich nichts. Die Verbindung von Kirche und weltlicher Macht hat meiner Überzeugung nach noch nie etwas Gutes hervorgebracht. Daher fällt es mir wahrscheinlich leichter, in einer solchen Darstellung keine Beleidigung des Christentums an sich zu sehen.

  15. Welche Art Christentum ist denn für Ungarnfreund akzeptabel?
    Diese Weltreligion hat mehr als zwei Milliarden Anhänger, die in zahlreichen Konfessionen bzw. Kirchen beheimatet sind.

    Die Edel-Marxistin Rütten und Marsovszky, diesmal als Ethnologin unter dem Pseudonym Kimmich, nehmen das von ihnen geschilderte „magyarische Christentum“ lediglich als Aufhänger, um zu sudeln. In dieser Art berichtete einst der „Stürmer“ über Anhänger der mosaischen Religion,um das Volk Israel zu entwürdigen.

    Marsovszky erschafft Ungarn nach ihrem eigenen Bild. Das ist zu einer hasserfüllten Fratze verzerrt.

    Alfons ist einfach besser.
    (Was beide verbindet ist nur ihr gebrochenes Deutsch.)

  16. Sehr geehrte HV,
    Ich habe Ihren Offenen Brief an mich erst gestern gelesen, ich möchte gleich darauf reagieren. Ich stimme Ihnen in vielem zu. Auch ich finde, dass die Teilnahme des Herrn Rogan an de Kundgebung vom Ende November sehr wichtig war, und dass das wichtigste Ziel, dass nämlich alle demokratischen Kraefte gemeinsam gegen Rassismus und Antisemitismus vorgehen können, dadurch heute (vielleicht und hoffentlich) nicht mehr so unerreichbar erscheint, wie noch vor zwei Wochen. Das hat aber mit meinem Statement in der WELT nichts direkt zu tun, ich weiss nicht, warum ich das dort haette erwaehnen müssen. Es geht hier um einen konkreten Vorfall in der Kulturpolitik, und ich habe als ungarischer Musiker einen ungarischen Schriftsteller gegen einen infamen Angriff des Vorsitzeneden der Ungarischen Kunstakademie in Schutz genommen. Zu Ihrer „berechtigten Frage, warum ich meine Kritik nicht in Ungarn äussere“, kann ich nur erwidern, dass ich allen, die mich fragen, auch gerne antworte. Bei der Premierenfeier unserer neuen Traviata in Brüssel habe ich mit einer Journalistin der WELT gesprochen, die sich für Ungarn interressiert. Ich habe ihr über den empörenden Vorfall erzaehlt, und sie hat meinen Gastkommentar in die Zeitung vermittelt. Ungarische Journalisten waren nicht da. Waeren sie dagewesen, haette ich ihnen das selbe gesagt.
    In einem wichtigen Punkt bin ich anderer Meinung als Sie (und auch als viele andere): ich glaube nicht (oder nicht mehr), dass Kritik aus dem Ausland nur kontraproduktiv ist. Sie erzeugt sicher auch Trotzreaktionen, aber sie hat in letzter Zeit immer öfter auch Positives bewirkt bzw. Negatives verhindert oder zumindest gebremst. Ich denke, auswertige Kritik ist nicht per se falsch. Ausserdem bin ich leidenschaftlicher Europäer, ich glaube nicht an rein interne Angelegenhetiten eines EU Landes. Sind Sie etwa zum Beispiel der Meinung, dass es ausschliesslich Ungarn in Ungarn vorbehalten sein soll, sich mit der wachsenden Horthy-Renaissance und mit der romantischen Grossungarn-Verklaerung sich auseinander zu setzen? Glauben Sie, das man sogar in den EU Laendern, die seinerzeit teilweise oder sogar ganz zu Grossungarn gehörten,darüber keine öffentlichen Diskussionen führen sollte? Ich nicht. Ganz im Gegenteil. Ich denke wirklich, dass Druck aus dem Ausland liberalen Kraeften im Fidesz helfen kann, parteiintern staerker gegen die Bayers und Feketes vorzugehen
    Mich würde freuen, wenn sie sich ihrerseits darüber auch Gedanken machen könnten
    Ich wünsche Ihnen alles Gute
    Adam Fischer

    • Als Tony Blair 2010 vor dem EU-Parlament erklärte, er sei ein „leidenschaftlicher Europäer“, wurde er ausgelacht.
      Er wolle ein „soziales Europa, aber es muss ein soziales Europa sein, das funktioniert“.
      Wer heute meint, dass das seit 2010 andauernde Ungarn-Bashing Positives bewirkt hat, muss ein wahrer Schöngeist sein.
      Wer nicht sieht, dass die Radikalisierung der ungarischen Gesellschaft eine Folge der verfehlten neoliberalen Politik der letzten zwei Jahrzehnte ist, muss wohl auf dem linken Auge blind sein.
      Die Ausgrenzung von Minderheiten ist Reaktion und nicht Ursache.
      Die Kritik an „Ungarn“ mag berechtigt sein, geht aber an der Sache vorbei und löst gar nichts.

    • Lieber Herr Fischer,

      vielen Dank für Ihre Stimme der Vernunft. In einem Punkt würde ich gern eine Nuance hinzufügen: Wenn man Fidesz positiv beeinflussen will, darf man die Partei nicht nur kritisieren, man muss sie auch umarmen. So paradox es klingt, aber die beschwörenden Töne aus EVP-Kreisen hinsichtlich von Orbáns grundsätzlicher Europafreundlichkeit etc. sind sehr wichtig. Immer wenn der Fidesz sich zu Europa bekennt, Rechtsextremismus verurteilt oder für die Gleichberechtigung und den Schutz aller gesellschaftlichen Minderheiten eintritt, muss man ihn darin bestärken. Kritik allein führt nicht zum gewünschten Ergebnis, davon bin ich überzeugt.

  17. Pingback: Adam Fischer's answer to the blog Hungarian Voice | Artists Against Racism.eu

  18. Der Berliner „Rat für die Künste“ kommentiert die ungarische Kulturpolitik: http://www.rat-fuer-die-kuenste.de/dokumente/RfdKUngarn.pdf. Ich finde, diese Art der „Einmischung“ ist auf jeden Fall erlaubt.

    Schlecht finde ich diese Deutung eines Fekete-Interviews: http://pusztaranger.wordpress.com/2012/12/14/gleichgeschaltete-nationalkunst-gegen-die-moderne-demokratie/. Zum Beispiel diese Passage, in der Fekete sagt: „In staatlichen Institutionen soll es keine Beleidigung der Kirche geben. Hier handelt es sich um ein auf den christlichen Traditionen basierendes Ungarn, man muss nicht immer [ungarisches Original: ständig und ewig] provozieren.“

    Kommentar Pusztaranger: „Antisemitische Konnotationen schwingen mit, wer ’ständig und ewig provoziert‘ sind keine ‚Christen‘, lies: ‚Juden‘.“

    Das verstehe, wer will. Wer beim Wort „ewig“ sofort an den „ewigen Juden“ oder sowas denkt, dem ist doch nicht mehr zu helfen. Kunst, die nur provozieren will, geht mir auch auf die Ketten. Fakälsprache, Nackedeis auf der Bühne und Exkremente auf der Leinwand sind stinklangweilig! Wird man wirklich gleich zum Antisemiten, wenn man solche Exzesse nicht mag? Man muss ja nicht unbedingt ins andere Extrem verfallen und Feketes nationalistisches Langweilertum unterstützen, aber hier geht die Wortklauberei wohl zu weit.

    Oder wer überzeugt mich vom Gegenteil?

    • Muahaha, Sie wollen hoffentlich keine sinnvolle Erklärung der Statements von Frau Pusztarangerin von mir. 🙂

      Dieser ewige Drang, zum Antisemitismus zu gelangen, gleicht einer Zwangsneurose und überfordert mich intellektuell. Wenn man keinen Antisemitismus entlarven kann, behilft man sich mit „codiertem“ Antisemitismus. Und das kann alles sein, wie wir von Magdalena Marsovszky aka Kai Kimmich wissen. Und damit es auch jeder versteht oder glaubt, wird dann in Klammern die Erklärung geliefert, wie Äußerungen zu verstehen sein sollen ( „(lies: jüdische Weltverschwörung)“ oder ähnliches). Damit jede Antifa-Dumpfbacke auch weiß, worüber sie sich aufregen muss…gelenktes Denken. Armselig.

      Wenden Sie sich hierfür an Pusztarangerin, Marsovszky, Eva Balogh oder Karl Pfeifer. Oder Dr. Péter Dániel, das ungarische Vollzeitopfer. Man kann Ihnen gewiss helfen…

      Ich wünsche fruchtbare Diskussionen 🙂

    • Mir ist das „lies: Antisemitismus“ bei pusztaranger auch schon mal aufgefallen. Da hieß es, das „ist ungarischer Abstammung“ als „ist Jude / kein Ungar“ zu verstehen sei… Mittlerweile verschwende ich keine Zeit mehr an pusztaranger.

    • Lieber Genosse Ungarnfreund!
      Ihre Solidaritätsbekundung mit den gealzheimerten Stürmern unter den ungarischen Kulturschaffenden findet meine volle Unterstützung. Kunst sollte den „wachsenden künstlerisch-ästhetischen Bedürfnissen der Werktätigen“ entgegenkommen.
      Vorwärts auf dem Bitterfelder Weg!
      Stinklangweilig ist die „vorhandene Trennung von Kunst und Leben ist die „Entfremdung zwischen Künstler und Volk“ ist die Gleichsetzung von Exkrement und Exzess!

      http://galeria.index.hu/belfold/2012/12/15/botrany_a_muveszeti_akademia_kozgyulesen/

      Es lebe der Fortschritt!

      • Von der Budapester Kunsthalle handelt übrigens auch die Magisterarbeit von M.M. aka Kai Kimmich,. die sie einst am Institut für Kulturmanagement Ludwigsburg schrieb:

        „Entwurf einer Marketingkonzeption für die Kunsthalle Budapest“ !

        Es muss wunderbar für sie sein, wenn jetzt viele ihr Steckenpferd reiten.

  19. Ich habe gerade die obige Links (von Pusztarangers) gelesen. Einmalig.
    Die Übersetzung zu übersetzen schon irgendwie komisch.
    Aber quasi Gedanken lesen, und das noch erklären, öffnet eine neue
    Dimension. Vielleicht das ist die Zukunft, oder aber nur einfach urpeinlich.
    Was würde Örkény dazu sagen ?

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