WELT: Auszüge aus dem Streitgespräch zwischen György Dalos und Zoltán Balog

Zoltán Balog, Minister für Humanressourcen in der ungarischen Regierung, und der in Berlin lebende ungarische Schriftsteller György Dalos trafen sich am 18. Dezember 2012 zu einem Streitgespräch im Axel-Springer-Haus in Berlin. WELT-Herausgeber Thomas Schmid moderierte die Diskussion.

http://www.welt.de/politik/ausland/article112263986/Hass-beherrscht-das-Leben-in-Ungarn.html

Ein, wie ich finde, sehr wichtiges Gespräch: Nicht nur inhaltlich, sondern auch als Zeichen des Dialogs, das es setzt.

10 Kommentare zu “WELT: Auszüge aus dem Streitgespräch zwischen György Dalos und Zoltán Balog

  1. Ich muss sagen, dass ich stolz auf meine Zeitung bin, dies zuwege gebracht zu haben. Beide haben sich gut geschlagen – auf mich wirkt Balog gut, weil er konkreter argumentiert, und das ist der einzige Weg, wie man zum Dialog finden kann. Dalos hat leider sehr recht mit seinem Bedauern, dass ein solches Gespräch in Ungarn undenkbar wäre.

    • Ja, da kann die WELT wirklich einen großen Pluspunkt verbuchen. Ich will ganz offen sein, Herr Kálnoky: Nicht alles, was in der Zeitung seit 2010 zu lesen war, kann als Pluspunkt herhalten. Ich werte dieses Gespräch als Zeichen einer Normalisierung. Weg von der Hysterie.

      Dass Balog der Einladung gefolgt ist, finde ich gut, es überrascht mich jedoch nicht besonders: Er spricht ein phänomenales deutsch und ist in der Lage, die ungarische Politik ohne den ganzen Pathos (à la Zsolt Semjén, immerhin stellvertretender MP) zu erklären. Er ist ein Mann der Vernunft. Die größere Überwindung (wenn ich vermuten darf) hat es vielleicht Dalos gekostet, daher gebührt ihm besonderer Dank; er hat wieder einmal bewiesen, dass er es mit dem Dialog ernst meint. Wie seinerzeit, als Sie und Dalos ein lesenswertes Interview für die WELT machten).

      Dass ein solches Gespräch in Ungarn undenkbar ist, hat man gleichermaßen den „árokásók“ beider Seiten zu verdanken. Ich erspare mir die Aufzählung, die Namen sind bekannt. Und hoffe sehr, dass es edlich gelingt (zum Wohl des Landes), diese Leute – sozusagen die Ayatollahs der ungarischen Politik – zurück zu drängen.

      • HV Ich glaube nicht, dass es Herrn Dalos Überwindung kostete 🙂

        Warten wir auf die Auslassungen, ich glaube Dalos will das noch öffentlich kommentieren, was aus dem Gesprächstext gestrichen wurde.

        Bei genauerer Lektüre sieht man deutlich wo die inhaltliche Bruchstelle ist, an der die Seiten nicht zueinanderfinden: Auf der einen Seite verteidigt Balog die Zentralisierung der Macht in Ungarn als nötig, um die Krise zu meistern. Auf der anderen kritisiert Dalos die Verengung der Demokratie als Folge dieser Zentralisierung, ohne aber auf Balogs sachbezogene Begründung einzugehen.

        Das ist aber die Ebene, auf der man die Sache klären muss: Braucht Ungarn einen zentralisierteren Staat? Kann die liberale Demokratie die Krise meisten, hat sie das Werkzeug dazu? Ist der Staat, der nach der Wende gebaut wurde, zu schwach geraten, um handlungsfähig zu sein – weil man nach der Diktatur keinen starken Staat mehr wollte?

        Das sind die eigentlichen Fragen, die einer Antwort bedürfen. Soweit es den veröffentlichen Auszügen zu entnehmen ist, geht Balog diese Fragen offen an, Dalos erwidert nicht inhaltlich.

      • Ich finde beide Persönlichkeiten klasse. Von ihrer Diskussionskultur könnten sich einige hier eine Scheibe abschneiden.

      • *Dass ein solches Gespräch in Ungarn undenkbar ist*,
        na evt bei einem Mocca im Mocca?
        und dann Juilane Nagel mitbringen.

        *Und hoffe sehr, dass es edlich gelingt (zum Wohl des Landes), diese Leute – sozusagen die Ayatollahs der ungarischen Politik – zurück zu drängen.*

        Wem geht es schon um das Wohl des Landes, wenn man Land mit 0-8-15 Volk geichsetzt.
        Es geht doch einzig und allein darum:
        Opposition eröffnet Anti-Orban-Front…weg mit den Taschendiktatoren,

        Nix als hohle Phrasendrescherei:
        O-Ton Harangozo:*hätten die oppositionellen Parteien und Vereinigungen heute verstanden, dass sie „anstelle von Feindseligkeiten gemeinsam eine Lösung finden müssen zur Lösung der Alltagsprobleme der Menschen und der Wiederherstellung des demokratischen Institutionssystems“

        .Zur Lösung der Alltagsprobleme der Menschen?
        Na, da frag ich mich doch: wieso hat man die Alltagsprobleme der Menschen nicht zwischen
        2004 bis April. 2010 lösen können?
        War man da zu sehr mit anderen Dingen beschätigt?
        Offshore Cég gründen, das eigene Schäfchen ins Trocken bringen und ähnlicher netter Dinge?
        Ich glaub ich lese in Zukunft lieber Grimms Märchen.

  2. Das komplette Streitgespräch ist auch als Video direkt abrufbar:

    http://www.welt.de/videos/article112248716/Thomas-Schmid-mit-Gyoergy-Dalos-und-Zoltan-Balog.html

    Das Video ist ein Muss für jeden Ungarninteressierten. Die regierungskritische Positionen, die im Streitgespräch Dalos vertritt, sind für das interessierte Publikum im deutschen Sprachraum gut bekannt. Weitgehend unbekannt ist die Denkweise und Logik der Politiker und Wähler der Regierungsparteien. Dieses Streitgespräch ist eine seltene Gelegenheit die Sichtweise der Nationalkonservativen kennenzulernen.

  3. Ich finde, das Gespräch hätte mehr ergeben, wenn auch nur einem einzigen Frager eingefallen wäre, auch an Herrn Dalos nur eine einzige halbwegs kritische Frage zu richten. Zwar hat er recht, Dialog zu fordern, aber man ja mal fragen ob es denn ein einziges Beispiel dafür gibt seit 1990, dass LInke an der Macht, oder überhaupt Linksintellektuelle, jemals irgendeine Art von Dialog mit Konservativen gesucht hätten.

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