Portfolio.hu: Neuverschuldung im dritten Quartal verschwunden?

Das Internet-Nachrichtenportal Portfolio.hu berichtet über die auf den niedrigsten Stand seit 2000 gesunkene Neuverschuldungsquote des zentralen Haushaltes. Im 3. Quartal 2012 betrug dieses lediglich 0,2% des Bruttoinlandsproduktes. Die ersten drei Quartele brachten eine Neuverschuldung von 1,8%.

Portfolio.hu führt die Zahlen auf eine verbesserte Einnahmensituation und gesunkene Staatsausgaben zurück.

http://www.portfolio.hu/en/economy/hungary_general_government_deficit_disappears_in_q3_2012.25363.html

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7 Kommentare zu “Portfolio.hu: Neuverschuldung im dritten Quartal verschwunden?

  1. HV was halten Sie von diesem APA-Bericht?
    Ungarn: Politisch unberechenbar, verschuldet und rezessionsgeplagt

    Die Wirtschaft in Ungarn ist 2012 in die Rezession getrudelt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte, die Hälfte der Wirtschaftsbranchen stagnierte, die Binnennachfrage sank drastisch.

    Der rechtskonservativen Regierung werden Aktionismus und Unberechenbarkeit vorgeworfen, was Investoren und Kreditgeber abschreckt. Investitionen befinden sich auf einem dramatisch niedrigen Niveau, erinnert Eva Palocz, Generaldirektorin des Budapester Forschungsinstitutes Kopint-Tarki in einen APA-Gespräch. Zugleich seien staatliche Investitionen überwiegend gestoppt worden…
    http://www.format.at/articles/1301/931/349694/ungarn-politisch

    • – Rezession 2012: Stimmt. Minuswachstum von 1,4 % des BIP (laut AHK Ungarn) wird erwartet, das ist in etwa das Niveau von Tschechien (-1,3) und Spanien (-1,4).
      – Auch die rückläufige Binnennachfrage kann ich nachvollziehen: Die teils radikalen Schritte der Regierung haben die Menschen verunsichert, sie halten ihr Geld zusammen (wenn es denn verfügbare Liquidität gibt) und schränken den Konsum auf ein Minimum ein. Vergessen wir hier die Schuldenlast nicht, die auf die Devisenkredite zurückzuführen ist. Wo kein Geld ist, kann ich keins ausgeben.
      – Was die Steuerpolitik angeht, ist die Bezeichnung als „unberechenbar“ und „aktionistisch“ schon korrekt. Da hat die Regierung zweifellos gerade im ersten Jahr sehr viele Fehler gemacht und Investoren verschreckt. Im Moment wirbt man ja recht aktiv mit „roadshows“ um Investoren, und Firmen wie Audi und Knorr-Bremse beteiligen sich aktiv an diesen positiven Kampagnen.
      – Der behauptete staatliche Investitionsstopp dürfte maßgeblich zu der Senkung der Neuverschuldungsquote beigetragen haben. Und auch die EU hat auf Sparmaßnahmen bestanden. Warum lese ich von diesen Sparvorgaben der EU (die angedroht hat, bei Nichtabsenkung des Defizits würden Fonds gesperrt?) bloß nichts in dem Artikel?

      Immerhin erwähnt der Beitrag, dass die Staatsfinanzen bei einem stabilen Umfeld auf den Finanzmärkten 2013 finanzierbar sind (will heißen: ohne IWF). Die Anleihezinsen werte ich als Zeichen von Investorenvertrauen, von „bóvli“ scheinen die Investoren aktuell, trotz katastrophaler Ratings, nichts wissen zu wollen.

      Alles in allem ein durchwachsenes Bild.

  2. Lieber Herr Pfeifer,

    Das ist – ohne jetzt auf die anderen genannten Aspekte eingehen zu wollen – ja gerade das Verblüffende. Ungarn steht in Sachen Schuldenabbau derzeit in einer Klasse für sich. Es ist das einzige Land in Europa, das seine Staatsschulden bei rückläufigem GDP abbauen konnte – obwohl die Schulden ja als Anteil am GDP gemessen werden, also Rezession fast automatisch proportional Schuldenanstieg bedeutet.

    Und das wurde bislang geleistet ohne soziale Explosion wie in Griechenland, weil man eben die Banken und multinationalen Dienstleister belastet, statt die Bevölkerung auszuquetschen.

  3. LIeber Herr Kálnoky,
    Erst unlängst hat Andreas Unterberger in den Salzburger Nachrichten u.a. folgendes geschrieben:
    „Die Regierung vertreibt mit ihrem nationalen Sozialismus ausländische Investoren. Sie will die eigene Bevölkerung schonen und jene Branchen abcashen, in denen primär ausländische Firmen aktiv sind. Als Folge investiert kaum noch jemand in Ungarn, was wiederum die ohnedies hohe Arbeitslosigkeit weiter nach oben treibt.“
    http://www.salzburg.com/nachrichten/kolumne/kontroverse/sn/artikel/eine-schaerfere-eu-gangart-gegenueber-ungarn-42078/

    Die Frage ist, wer bezahlt am Ende die Extrasteuern? In der Regel sind es die Konsumenten. Und das wird auch in Ungarn so sein. Letztes Beispiel der gelbe Scheck.
    Gestern hörte ich Lajos Bokros auf ATV sehr vernünftige Vorschläge zu machen.
    Ob es wirklich klug ist, auf dem freien Markt Anleihen aufzunehmen, für die man doch einen höheren Zins bezahlen muss?

    • Obwohl ich Unterberger in dem einen oder anderen Punkt, den er bislang von sich gegeben hat, Recht gebe, ist es doch starker Tobak, von „nationalem Sozialismus“ zu sprechen. Da ist Unterberger eben ganz Österreicher und fühlt mit den österreichischen Banken und Bauern. Denn die haben es ja sooo schwer.

      Dass kaum noch einer in Ungarn investiere, ist mir neu. Mercedes Benz, Knorr Bremse, Rehau Plastik, Audi-Ausbau für das neue Modell…den einen oder anderen Investor gibt es also durchaus noch.

  4. Herr Pfeifer,
    Die Türkei, allseits als wirtschaftliches Wunderland gepriesen, gibt hier das Vorbild. Wie Ungarn hielt sie den IMF geschickt hin, was die Märkte ruhig hielt – aber begab sich nicht in die Abhängigkeit eines Notkredits. Und wie Ungarn nimmt die Türkei nur Kredite in der Landeswährung auf, was sehr gut klappt, das Interesse am Markt ist gross. Sooo teuer ist es auch nicht: HUF-Anleihen verlieren im Rhythmus der ung. Inflation an Wert, der Zins mus dagegen gerechnet werden. 6 Prozent ist nur teuer für EUR-Anleihen, nicht für HUF-Anleihen.

    Hier ist nicht nur Dummheit am Werk. Im übrigen ist es eine sehr linke Wirtschaftspolitik, empfehlen Sie als Unterstützer der Linken einen härteren Kapitalismus?

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