Kommentar: FIFA verurteilt Ungarn zu einem WM-Qualifikationsspiel in leerem Stadion

Das habt Ihr nun davon, Ihr selbsternannten „tiefen Magyaren“ (mélymagyarok).

Weil Ihr es für nötig empfunden hattet, während eines Freundschaftsspiels zwischen der israelischen und ungarischen Nationalmannschaft in Budapest das Gastteam zu beleidigen (HV berichtete), Euch während der Nationalhymne Israels abzuwenden und (wie Feiglinge in einer großen Menge!) übelste antisemitische Sprüche zu schreien, darf Euer Team eines der kommenden Spiele in der WM-Qualifikation vor leeren Zuschauerrängen abhalten. Noch dazu eines der wichtigsten Spiele, das gegen Rumänien. Ohne die Unterstützung der wahren Fans, ohne den Beistand und den Sportsgeist der allermeisten Freunde des Fußballs. Zu denen gehört übrigens auch Ministerpräsident Viktor Orbán.

Die Enttäuschung der echten Fans wird groß sein. Und Euer Geschrei auch. Das eine zu Recht, das andere nicht.

Kollektivbestrafung gibt es im Regelfall nicht, und das aus gutem Grund. Niemand darf für das Fehlverhalten anderer zur Rechenschaft gezogen werden, dies ist seit Anbeginn dieses Blogs sein Motto. Im Fußball ist das freilich anders. Nicht nur in der deutschen (2.) Bundesliga, auch auf dem internationalen Parkett kommt es mitunter zu Ausfällen von „Fans“ – Euresgleichen! – , da werden Flaschen geworfen und Feuerwerkskörper auf das Spielfeld abgefeuert (gesehen in Italien), da schmeißt Gesocks, wie Ihr es seid, Bananen auf farbige Mitspieler und „begrüßt“ sie mit Affengeschrei (oft genug springt man sogar mit Spielern des eigenen Teams so um!); gerade ostdeutsche Clubs fallen hier auf. Ihr wollt keinen Fußball, keinen Wettkampf der besten Spieler, der talentiertesten Dribbler, der schnellsten Läufer, der härtesten Knochen im Tor. Ihr wollt ein „reinrassiges“ Team, nach Eurer Definition natürlich…

Auch italienische und deutsche Vereine haben schon Bekanntschaft mit den Disziplinierungsmaßnahmen der Verbände gemacht. Weil man weiß, dass man nur ein Zeichen setzen kann, wenn man das Team für seine Fans bestraft. Ihr seid ja nicht oder nur sehr schwer greifbar.

Ganz abgesehen davon, dass Ihr durch Euer Verhalten auch das Prinzip der kollektiven Abneigung lebt, indem Ihr „die Juden“, „die Israelis“ kollektiv beschimpft. Wer sich so verhält, braucht sich über kollektive Bestrafung nicht zu echauffieren.

Nun hat es also die ungarische Nationalmannschaft getroffen. Das tut mir leid, weil das Team, mit so klangvollen Namen wie Puskás und Hidegkúti verbunden, das nicht verdient hat. Euch tut es natürlich noch mehr weh als mir, weil man Euch die Bühne für Eure Randale genommen hat; und das völlig zu Recht. Verantwortlich seid nur Ihr, die Ihr den Gedanken des Freundschaftsspiels, des Fußballs insgesamt, verraten habt. Auf dem Spielfeld geht es mitunter hart zu, Emotionalität auf dem Feld und den Zuschauerrängen ist gewollt. So ist Fußball, jeder, der das Stadion besucht, weiß um die einzigartige Atmosphäre. Rassismus, Antisemitismus und Beleidungen gehören aber nirgendwo hin, vor allem nicht ins Stadion. Ihr seid das Krebsgeschwür des Fußballs: Rassisten, Hooligans, Krawallmacher. Leute, die vom Leben so wenig Anerkennung erfahren, dass sie es nötig haben, aus einer Menge heraus andere wüst zu beleidigen und Gewalt zu fördern. Ihr seid es, die aus dem Sport einen Krieg machen. Und das wollen echte Fans nicht.

Ich befürchte, Ihr werdet es auch durch diese Maßnahme nicht begreifen. Werdet von Antimagyarismus schwafeln, obgleich doch auch Bulgarien Entsprechendes widerfahren ist. Und, wie oben aufgezeigt, so etwas im Fußball durchaus üblich ist.

Allerdings bleibt zu hoffen, dass Ihr künftig von den wahren Fußballfans oder den Ordnungskräften im Stadion diszipliniert werdet. Das allein ist der Zweck dieser Kollektivbestrafung. Weil die FIFA eben keine Jurisdiktion in Ungarn hat und nicht in der Lage ist, Euch einzeln vor den Kadi zu ziehen, wo Ihr eigentlich hingehört.

Der ungarische Fußballverband hat sich schon von Euch distanziert, Ihr steht also allein. Und das völlig zu Recht. Ungarn braucht „Patrioten“ wie Euch nicht, Leute, die einmal im Stadion ausfallend werden und ein anderes Mal das Gebäude des staatlichen Rundfunks in Schutt und Asche legen. Ihr habt Ungarn, zum x-ten Mal, einen Bärendienst erwiesen, und müsst nun damit leben.

Ungarn braucht Menschen, die sich für seine Interessen mit Argumenten einsetzen. Und keine Drecksproleten, die das Land vor der ganzen Welt unmöglich machen. Also: Schweigt still und haltet endlich Euer dummes Maul!

Ihr wollte ja auch nicht, dass Euren Nationalspielern im Ausland dasselbe widerfährt. Oder soll Gábor Király (1860 München) fortan mit Salamis beworfen werden?

http://www.welt.de/sport/fussball/wm-2014/article112598849/Rassismus-Fifa-bestraft-Ungarn-und-Bulgarien.html