DRadio: Krisztián Ungváry im Interview

Der ungarische Historiker Krisztián Ungváry spricht mit Deutschlandradio Kultur über die Vertreibung der Ungarndeutschen nach dem zweiten Weltkrieg und den kürzlich eingeführten Gedenktag:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1982403/

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20 Kommentare zu “DRadio: Krisztián Ungváry im Interview

  1. Mein Hinweis auf die Doppelfunktion der Minderheitenpolitik in Ungarn, die immer mit einer gewissen Wirkungsabsicht nach außen verbunden ist, hat an anderer Stelle eine heftige Kontroverse ausgelöst. Nun, meine Herren, ohne allzu sehr triumphieren zu wollen, sehe ich die folgenden Ungváry-Zitate aus diesem Interview durchaus als Bestätigungen meiner damaligen Beobachtungen:

    „Allerdings denke ich nicht, dass das deshalb entstanden ist, weil damit meinetwegen unbedingt eine riesige Geste gegenüber Deutschland gemacht wurde, sondern eher deshalb, weil das in der tagespolitischen Diskussion eher von anderen Dingen vielleicht ablenkt.“

    „Und mit dieser Geste, Vertreibung als solches als verbrecherische Tat anzuerkennen, dient man natürlich auch der Erinnerung an die ungarischen Opfer, ganz klar.“

    „Herr Ungváry, wenn ich das jetzt richtig verstehe, dann steckt in diesem Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen in Ungarn auch indirekt eine Aufforderung an die Nachbarn, also an die Tschechen, an die Polen, an die Slowaken, entsprechend auch ihre Politik nicht unbedingt vielleicht den Deutschen, aber doch den Ungarn gegenüber anzupassen? Ungváry: Ja, sicherlich ist das auch eine Erwägung. Man wollte auch mit gutem Beispiel vorangehen andererseits, das kann man ja auch sagen. Das alles führte dazu, dass auch dieser Gedenktag entstehen konnte.“

    Übrigens habe ich noch so eine defätistische These, die vielleicht erklären hilft, wieso dieser Gedenktag gerade jetzt eingeführt wurde und nicht schon früher, z. B. von der 1. Orbán-Regierung: Der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt sieht sich nicht nur als Vertreter der sudetendeutschen Volksgruppe, sondern hat auch eine besondere Sympathie für Ungarn, erklärtermaßen wegen der dortigen durchaus beispielgebenden Minderheitenpolitik, der Haltung zu den Benes-Dekreten, deren Bekämpfung in Deutschland ja nie Regierungspolitik war (außer vielleicht in Bayern) etc. pp. Dieser Bernd Posselt hat in den letzten beiden Jahren immer wieder in die publizistische Auseinandersetzung um die Bewertung der Regierung Orbán ein- und für diese Partei ergriffen. Dafür hat er Mitte 2012 sogar einen schönen Orden bekommen: http://www.kormany.hu/hu/kulugyminiszterium/hirek/martonyi-janos-kulugyminiszter-magas-allami-kituntetest-adott-at-bernd-posselt-europai-parlamenti-kepviselonek. Es würde mich nicht wundern, wenn sich herausstellte, dass der Gedenktag für die Ungarndeutschen auf diese Kontakte zurückzuführen ist. Sozusagen auch als kleines Dankeschön an Bernd Posselt.

    Bevor sich jetzt wieder alle aufregen, möchte ich zum Schluss gern noch einmal darauf hinweisen, dass ich die Einführung dieses Gedenktags grundsätzlich sehr begrüße. Das hält mich aber nicht davon ab, seine Entstehung sozusagen realpolitisch zu deuten.

    • Was Sie damals schon nicht verstanden haben, ist, dass sich die meisten hier durchaus bewusst sind, dass Ungarn mit seiner Minderheitenpolitik durchaus auch und bewusst im Interesse der ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern handelt. Der Punkt ist nun, dass Sie damals nicht zustimmten, dass Ungarn auch so gehandelt hätte, wenn es diese Minderheitenprobleme anderswo nicht selbst hätte, wenn es in den Nachbarländern keine ungarischen Minderheiten geben würde. Das wiederum würde bedeuten, dass Ungarn in diesen Dingen eigentlich nichtdazu in der Lage ist, das moralisch Richtige zu tun, sondern das nur sozusagen zufällig aus egoistischen Gründen tut. Ich habe Sie seinerzeit zweimal direkt darauf angesprochen, ob es das ist was Sie sagen wollten. Sie haben beide Male geantwortet, aber das gesagte nicht einmal richtig gestellt. Daraus folgt, dass Sie Ungarn offensichtlich für zumindest teilweise moralisch zurückgeblieben halten, weil Sie denken, dass Ungarn hier eigentlich nicht dazu in der Lage ist, das Richtige zu tun, sondern aus reiner Berechnung heraus agiert. Tut mir Leid, aber da brauchen Sie sich nicht wundern, wenn Ihr Gegenüber verärgert reagiert.

      Wenn Ungarn hier handelt, weil es sich AUCH für seine Minderheiten einsetzen möchte, halte ich das für legitim. Man kann nicht fordern, was man anderen selbst nicht einräumt – gerade das wäre moralisch fragwürdig, da scheinheilig. Und ich bleibe dabei: in Fragen Minderheitenpolitik ist Ungarn eher ein Vorbild, das sehen auch die Sorben so.

      • Auf der Regierungsseite im Internet können wir über eine gute und gelungene Gedenkveranstaltung lesen: http://www.kormany.hu/hu/emberi-eroforrasok-miniszteriuma/hirek/senkit-nem-lehet-a-nemzetbol-kitagadni. Eingangs wird mit Worten Minister Balogs eine Grundüberzeugung wiedergegeben, die ich sehr richtig und auch vor dem Hintergrund der aktuellen Bayer-Kontroverse für bemerkenswert halte:

        „Balog Zoltán a magyarországi németek elhurcolásának emléknapján hangsúlyozta, hogy senkit nem lehet a nemzetből kitagadni. Megjegyezte, ‚ma is vannak még, akik ragaszkodnak ahhoz, hogy kollektívan el lehet ítélni népeket és népcsoportokat‘.“

        Mit einem solchen positiven, inklusiven Nationenkonzept bzw. einer solchen Kritik an einem negativen, exklusiven Nationalismus à la Jobbik oder Bayer kann ich viel anfangen.

        Palóc, Sie missverstehen leider weiterhin, was ich über die Doppelfunktion der ungarischen Minderheitenpolitik gesagt habe, und sehen sich dadurch bestätigt, dass ich Ihrer Deutung meiner Ausführungen, wie Sie schreiben, angeblich nicht widersprochen hätte. Nun gut, das ist hart am Zirkelschluss. Aber ich möchte heute eigentlich nicht mit Ihnen streiten. Grundsätzlich stimme ich Ihrem Schlusssatz zu: Ja, na klar ist das System der Minderheitenpolitik in Ungarn positiv. Aber es wird erstens auch mit Blick auf die Nachbarn betrieben und lässt sich zweitens nun einmal nicht so ohne Weiteres dorthin spiegeln. Um es ganz plastisch zu machen: Das politische Gewicht der 500.000 Ungarn in der Slowakei ist einfach ein anderes als das der vermutlich weniger als 50.000 Slowaken in Ungarn. Zugespitzt: Ungarn kann es sich eher leisten, großzügig zu den Minderheiten zu sein, weil diese (abgesehen von den Roma) zahlenmäßig sehr, sehr klein und darüber hinaus bereits weitgehend assimiliert sind.

      • Bleiben Sie also weiterhin auf den Standpunkt, dass Ungarn ohne seine Minderheiten in den Nachbarstaaten diese Minderheitenpolitik gegenüber den Minderheiten in Ungarn nicht betreiben würde? Schließen Sie die Möglichkeit, dass Ungarn diese Dinge dennoch tun würde, kategorisch aus? Zweifeln Sie an der Ehrlichkeit Ungarns im Umgang mit seinen Minderheiten? Das sind drei Fragen, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, wo kein Eiertanz nötig ist. Ich stelle Ihnen diese Frage nun schon zum 4. Mal, wenn Sie also wieder drumherumk reden, dann werden Sie sich das wohl gefallen lassen müssen, wen Ihnen jemand vorwirft, dass Sie Ungarns Minderheitenpolitik für bloßen Egoismus halten und Ungarn unterstellen in diesen Dingen eigentlich unfähig zu sein das moralisch Richtige zu tun. Ich meine ich war wirklich geduldig mit Ihnen, dass Sie dieses Missverständnis ausräumen könnten, und verstehe nicht, warum Sie bisher nicht klar Stellung zu dieser Frage beziehen konnten.

        Was Ihre Ausführungen in Ihrem obigen Beitrag angeht, stimme ich Ihnen zu, jedoch bleibe ich bei meinem Standpunkt, dass Ungarn auch dann einen fortschrittlichen Umgang mit Minderheiten pflegen würde, selbst wenn es die ungarischen Minderheiten nicht geben würden oder diese in optimalen Verhältnissen leben würden, also damit keine politischen Ziele zu verbinden wären.

      • Palóc, Ihre erste Frage ist rein hypothetischer Natur. Darauf kann man eigentlich nur antworten: Woher soll ich das wissen, wie die Minderheitenpolitik in Ungarn aussehen würde, wenn es in den Nachbarländern keine Auslandsungarn gäbe? Allenfalls können wir uns mit Vergleichen herantasten: Deutschland macht keine solche Minderheitenpolitik, obwohl einige Vertreter hier lebender Gemeinschaften wie Polen oder auch Türken sich durchaus mehr kulturelle Autonomie wünschen. Wir machen echte Minderheitenpolitik eigentlich nur auf der Ebene einiger Bundesländer, z. B. zu Gunsten von Sorben, Friesen und Dänen, die einen historisch gewachsenen und geografisch klar abgegrenzbaren Siedlungsschwerpunkt haben. In Frankreich, wo von jeher ein zentralistisches Staatsverständnis vorherrscht, gibt es noch weniger Minderheitenschutz als in Deutschland. Oder nehmen Sie Ungarn nach dem Ausgleich (oder von mir aus, um Herrn Kálnoky nicht zu ärgern, zehn Jahre nach dem Ausgleich): Minderheitenschutz war damals geradezu ein Fremdwort.

        Da ich auf die erste Frage nicht eindeutig antworten kann, muss ich Ihre zweite Frage verneinen: Nein, ich schließe es nicht kategorisch aus, dass Ungarn eine ausgefeilte Minderheitenpolitik betreiben würde, selbst wenn es die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern nicht gäbe. Wir sind hier aber voll im spekulativen Bereich und können maximal mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten: Also, die Wahrscheinlichkeit, dass Ungarn eine ausgefeilte Minderheitenpolitik hätte, wäre meines Erachtens schon geringer, wenn es die Auslandsungarn nicht gäbe. Ich hoffe, Sie kommen klar mit dieser Aussage. Denken Sie an den Vater der ungarischen Minderheitenpolitik, nämlich Antall József. Der hat nicht nur das System mit den 13 Minderheiten erfunden, sondern auch den Satz geprägt, er sei der Ministerpräsident von 15 Millionen Ungarn, obwohl das Land nur 10 Millionen Einwohner hat. Beide Seiten der Medaille, die innere und die äußere Dimension der Minderheitenpolitik, gehören einfach zusammen.

        Zu Ihrer dritten Frage: Nein, ich zweifle grundsätzlich nicht an der „Ehrlichkeit“ der ungarischen Minderheitenpolitik. Ob sie ideal ist, darüber lässt sich freilich streiten. Von Ungarndeutschen hört man manchmal die Klage, dass 13 anerkannte Nationalitäten eigentlich zu viele seien. Nicht hinter allen stünden reale Gemeinschaften. Das in Ungarn gebräuchliche Schlagwort „Ethnobusiness“ bringt das zum Ausdruck. Es gibt Missbrauchsmöglichkeiten, unter deren Existenz „ehrlich“ für die Minderheitensache Engagierte leiden, weil manche Kritiker die Minderheitenvertreter pauschal verdächtigen, Fördergelder widerrechtlich zu beziehen etc.

        Oder ein anderes Beispiel für berechtigte Kritik an der ungarischen Minderheitenpolitik: Ab 2014 können Minderheitenvertreter ins Parlament gewählt werden. Die Wähler müssen sich aber entscheiden, ob sie neben dem Direktkandidaten für eine Minderheiten- oder für eine Parteienliste stimmen wollen. Diesen Entscheidungszwang finde ich nicht gut. Man kann sich schon fragen, ob die Minderheitenvertreter nicht mehr erreichen können, wenn sie sich gleich für eine ganz normale Parteienliste aufstellen lassen, weil sie dann nämlich keine Einzelkämpfer sind, sondern — genügend Überzeugungskraft vorausgesetzt — eine ganze Fraktion hinter sich wissen können. Ein Stück Symbolismus ist schon dabei bei diesem neuen Minderheitenwahlsystem.

    • Sehr geehrter triumphierender Ungarnfreund,

      Ich möchte meine Argumentation zu ihren Schaufensterbemerkung nicht wiederholen: ich denke nicht dass die an seiner Gültigkeit verloren hat. Aber erlauben Sie mir einige Bemerkungen zur Ungvarys Wörter:
      1. Ungvary hat ein grösser Vorteil zu Ihnen: er hat über sich nie behauptet, dass er ein Freund der Ungar wäre: daher für ihn eine schlechtmütige Interpretation der ungarischen Politik bleibt erlaubt. Zumal, in seinem Fall, kann man das auch al seine Art Selbstkritik betrachtet werden.
      2. Ungvary neigt zum bombastischen, aber nicht unbedingt sehr begründeten Äußerungen. Ich würde weder seine Wörter zum den liberalen Horthy Elite noch zum dem Heldentum des zweiten ungarischen Armee bei dem Don überwerten. Ich würde Sie daran erinnern, dass er sich eine Weile für Persona non Grata in Deutschland gemacht hat, nachdem er die Aufteilung der Tschechoslowakei in 1938 damit begründet hat, dass die Tschechoslowakei konnte nicht der Heimat ihre Nationalitäten werden☺
      3. Wenn man über die Schaufensterpolitik von Ungarn argumentiert muss man die ungarische Politik nicht nur immoralisch sondern auch ganz verblödet halten. Weil die Politik der Gesten seit 20 nicht funktioniert. Präsident László Sólyom hat sich für die nationalistische Übertreibungen der 19. Jhs Ungarn bei unseren Nachbarländer entschuldigt. Irgendwelche Gegenzug: Fehlanzeige. In Gegenteil: als er am 21. August in die Slowakei reisen wollte, wurde er an der Grenze aufgehalten: ihm wurde unterstellt, dass er an den Einzug das ungarischen Arme in die Tschechoslowakei in 1968 erinnern wollte. Ungarn akzeptiert und unterstützt die kollektive Rechte der Minderheiten seit mehr als 20 Jahren. Gibt es iwelche Nachbarland der sich deswegen unter Druck gesetzt fühlt? Selbstverständlich nicht. Oder die Dörfer an der Österreichischen Grenze tragen stolz ihre deutsche Namen in Ungarn, auch wenn die Deutschen vertrieben wurden. Irgendwelche ähnliche Geste in Österreich: natürlich keine: die meisten Burgenländer wissen heute gar nicht mehr, dass ihr Dorf auch eine ungarische Name hat. Was für ein Narr müsste man sein zu denken, wenn wir jetzt einen Gedenktag für die deutsche Vertrieben einführen, unsere Nachbarländer würden Asche auf ihren Haupt streuen, und die ungarische Minderheit mehr lieben?

      • Interessante Anmerkungen, Balazs. Erstens hoffe ich, dass Ungváry nicht einmal in eine solche Situation wie Konrád kommt, dass ihm jemand sein Ungarntum abspricht, weil er etwas Kritisches über Ungarn sagt. Zweitens war Ungvárys größte „Unmöglichkeit“ in den Augen mancher Deutscher vermutlich eher seine Kritik an der berühmten Wehrmachtsausstellung. Nun ja, er ist nun einmal Experte für Orden und Uniformen und stellte deswegen eben fest, dass auf manchen dort präsentierten Fotos gar keine Wehrmachtsangehörigen zu sehen waren. Drittens unterliegt das Schicksal der Auslandsungarn periodischen Schwankungen. Das slowakische Sprachengesetz ist ein perfektes Beispiel. Eingeführt wurde es unter dem Autokraten Meciar, nach seinem Abtreten wieder deutlich entschärft, von der Fico-Slota-Koalition erneut verschärft und dann unter Radicova wieder etwas entschärft. Wer weiß, vielleicht kippt es ganz, wenn demnächst mal das slowakische Verfassungsgericht entscheidet (wie lange dauert das eigentlich?). Wie stark die politische Stimmung in der Slowakei gegenüber den Ungarn schwankt, hat viel mit dem Auftreten der Regierung in Budapest zu tun. Das glaube ich schon, auch wenn sich die eine oder andere Geste nicht sofort im Verhältnis 1:1 positiv oder negativ niederschlagen mag. Viertens finde ich Ihre Kritik an der Situation im Burgenland interessant, denn HV beschreibt die dortigen Verhältnisse als geradezu idyllisch. Meine These: Die geringe Zahl der burgenländischen Ungarn, ihre perfekte Assimilation und ihre vielleicht auch materiell begründete Treue zu Wien erlaubt den Österreichern eine gewisse Großzügigkeit gegenüber den bei ihnen lebenden magyarischen Vettern.

      • Da muss ich mich entschuldigen: heute war ich in Oberpullendorf: Felsöpulya ist ausgeschildert.

  2. .@Ungarnfreund

    „Bevor sich jetzt wieder alle aufregen, …“

    Nee, ich finde Ihre Beiträge eher langweilig.Immer nur Bullshit aus Niedertracht.
    Ich hab die Wörter gleich mal im Duden nachgeschlagen.Im Duden steht es schwarz auf weiß „Bullshit“ und „Niedertracht“. Der Duden erklärt allesl:

    http://www.duden.de/rechtschreibung/Bullshit
    http://www.duden.de/rechtschreibung/Niedertracht

    Aber was Ihre Gedankengänge mit der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn, mit Herrn Posselt und der Einführung eines Gedenktages zu tun haben könnten, das weiß auch der Duden nicht. In dem steht nur Bullshit und Niedertracht.

    „Ungarnfreund“ geht mit seinem Geschwafel ins Leere
    http://www.duden.de/suchen/dudenonline/Ungarnfreund
    oder richtiger, der Duden verweist bei „Ungarnfreund“ auf „Gartenfreund“. Ich denke mal alternativ, ich denke es weiter und komme auf Kuhfladen oder Bullshit, aber das ist dem Gartenfreund doch schnuppe. Der kennt nur Dünger.

    Ist irgendwie scheißegal, was Ungarnfreund von sich düngt. Darüber regt sich doch keiner
    mehr auf. Ist halt der Klugscheißer vom Dienst auf Hungarian Voice …
    … der Güllepapst

  3. Den Wahn der Narren und seine Folgen kann man sicherlich nie vergessen. Der Wahn eines Hitler, eines Stalin, die Dummheit, Naivität und Kurzsichtigkeit eines in Yalta und Potsdam alles verschenkenden Roosevelt, das Ausrotten von Millionen Menschen, die Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang, brachte die größte seelische und moralische Misere!
    Und da helfen der Aufruf zur Auseinandersetzung, zur Bewätigung und Aufarbeitung der Vergangenheit und schöne Reden genausowenig, wie der provozierende Ton so mancher Kommentare. Was aber helfen kann ist nur, wenn jeder in sich kehrt, jeder bereit ist zu zeigen, zu beweisen und durchzuführen, seinen Nächsten zu respektieren, zu achten und zu lieben. Nur darin besteht gleichsam die wahre Reue auf der einen Seite, und das echte Verzeihen können auf der anderen.

  4. Ich denke, dass es in erster Linie darauf ankommt, dass die Historiker erforschen und publizieren, „wie es eigentlich gewesen ist“.
    Was mir während der Kádárzeit aufgefallen ist, war die Bemühung nachzuweisen, dass unter den ungarischen Nazifreunden, diejenigen deutscher Abstammung überräpresentiert waren, was mich wieder an diejenigen erinnert, die mit der gleichen „Methode“ versuchen, die Geschichte der 133 Tage dauernden „Räterepublik“ zu erklären. Beides halte ich für falsch.
    Es gab aber auch ausgezeichnete Bücher während der Kadarzeit über den Volksbund und über diejenigen Donauschwaben, die unter der Führung eines katholischen Pfarrers sich dieser Richtung widersetzten.
    Eine andere Frage, die zu untersuchen wäre, inwieweit spielten bei der Vertreibung die Eigentumsverhältnisse eine Rolle. D.h. ob es stimmt, dass gewisse deutschsprachige Ungarn nur deswegen vertrieben worden wurden, weil sie gut geführte Bauernhöfe zurückließen.

    • … „wie es eigentlich gewesen ist“ …

      Cicero wird die Phrase zugeschrieben: historia magistra vitae (est).

      Andere meinen, dass sich keine Lehren aus der Geschichte ziehen lassen, weil sich jede historische Situation anders darstellt und keineswegs mit anderen vergleichbar ist.

      Was war, ist sowieso egal.

      Diesen Eindruck vermittelt zum Beispiel das epochale Werk des großen ungarischen Historikers mit Sowjetdiplom, der sich als Nußknacker wieder an Ungarn versucht hat. In seinem Elsbeth gewidmeten Werk über die letzten zwanzig Jahre des Tausendjährigen Reiches ergießt es sich erst „…als Metapher für den nationalen Tod“, ehe sich Dalos auf Pfeifersche Höhen schwingt:
      Auf Seite 60 stell er die rhetorische Frage: „Was geschah wirklich?“

      Als hätten sich die zwei Freunde, Karl und Georg abgesprochen !

      Aber lieber Herr Pfeifer! Es stellten sich 25 000 Kämpfer [sicc!] mit achtzig Kanononen auf der einen Seite 70 000 kampfbereiten Türken mit dreihundert Kanonen und waren Ihnen unterlegen.

      „Trotzdem erwies sich nicht das militärische, sondern das moralische Fiasko als tragischer …“, so György Dalos auf Seite 63.

      Auf den 240 Seiten des vielfach ausgezeichneten Schriftstellers, fängt er laut Klappentext „in seinem prägnanten, brilliant geschriebenen Überblick die mehr als tausendjährige Geschichte seines Landes bis zur unmittelbaren Gegenwart ein und vermittelt seinen Lesern die Essenz des ungarischen Lebens“.

      György Dalos: Ungarn in der Nußschale, Ein Jahrtausend und zwanzig Jahre, Geschichte meines Landes, beck’sche reihe, 2. durch ein neues Kapitel erweiterte Auflage, München 2012

      Ich habe es aufmerksam gelesen. Der kommunistische Staatssicherheitsdienst kommt bei Dalos nicht vor. Moralisch hat er Oberwasser. Er weiß 80 Millionen Deutsche und die paar Österreicher hinter sich. Ungarn hat er in eine Nußschale gequetscht. Er lässt Land und Leuten keine Chance.

      denn, … „wie es eigentlich gewesen ist“ … , bestimmen DIE!

      (Mit denen sich Frau Széchenyi ruhig versöhnen möge. Sie sagen ihr nicht nur, wo ’s lang geht, sondern auch wie es eigentlich gewesen ist.)

  5. Wie es gewesen ist, steht im Hirtenbrief von FürstPrimas Kardinal Mindszenty vom 17. Oktober 1945:

    „Weil uns heute – wie auch in der jüngsten Vergangenheit – weder Rassen-noch sonst welche Gesichtspunkte Beschränkungen auferlegen, weil wir den Menschen, den Nächsten, den Mitbürger mit dem Auge Jesu sehen, darum müssen wir unser Wort auch im Interesse der staatstreuen Deutschen erheben. All das, was im vergangenen Jahrzehnt im Zusammenhang mit dem Deutschtum von außen und von innen gegen unser Vaterland geschehen ist, halten wir für unentschuldbar und verurteilen es auf entschiedenste Weise. Aus dieser Einstellung machten wir auch damals kein Geheimnis. Ebenso müssen wir aber auch gegen die Verallgemeinerung leider Gottes vorgekommener Fehler – sogar großer Fehler- in den Kreisen unseres heimatlichen Deutschtums und gegen dessen kollektive Bestrafung Stellung nehmen.
    Schon im Frühjahr machten wir die zuständigen Stellen auf das aufmerksam, was nun eingetreten ist.
    Die Vertreibung unseres heimatlichen Deutschtums von Haus und Gut begann auf einer Art und Weise, für die wir beim besten Willen weder eine menschliche noch eine christliche Bezeichnung anwenden können. Wenn nur die Schuldigen bestraft würden, würden wir schweigen. Aber es werden solche zu Sündenböcken gestempelt und beseitigt, denen gar keine Schuld nachgewiesen werden kann. Ja, man kreidet ihnen sogar als Schuld an, was ihnen auf Grund des Naturrechtes zusteht, zum Beispiel die Muttersprache. Tun wir nicht dasselbe, was wir in der Tschechoslowakei den Ungarn gegenüber angewendet nicht nur als empörend, sondern auch als unerträglich empfanden!
    Wenn gegen jemand durch das zuständige Gericht nach einem Beweisverfahren kein rechtsgültiges Urteil gefällt wurde, darf er nicht durch ein Machtwort seines Besitzes beraubt, aus seinem Obdach, von seinem durch eigenen und der Ahnen Schweiß getränkten Boden und von der Familie verjagt werden.
    Wenn es ungerecht war, Juden durch Gendarmen abführen zu lassen, ist es auch ungerecht, Polizisten zu derartigen Funktionen abzukommandieren. Wir erheben unser Wort im Interesse unschuldiger Kinder, Alter und Kranker gegen die Völker-Ghettos und gegen die voreiligen Umsiedlungen. Diese führen letztlich zu einer gänzlichen Rechtsunsicherheit und stürzen das Land in größte Verpflegungsschwierigkeiten.
    Es ist des ungarischen Staates und der Demokratie, die voll Stolz Menschenrechte verkündet, unwürdig, denjenigen keine Sicherheit bieten zu können, die nur Mitglieder waren in gewissen Vereinigungen, vor allem, wenn sie dies nur gezwungenermaßen waren. Wir denken hier gleichermaßen an ungarische und fremdsprachige staatstreue und ehrliche Mitbürger, die nur dem Namen nach der betreffenden Vereinigung und Partei angehörten. Noch unwürdiger ist es, jemanden dafür zu bestrafen.
    Zur Regelung derartiger Angelegenheiten halten wir nur erfahrene und unparteische Männer als geeignet, die gewissenhaft und verantwortungsbewußt denken können, auch in Zeiten überhitzter Leidenschaften.
    Das Vaterland ist unsere Mutter. Nur der Mode, dem Zeitgeist willfahrend darf der Staat niemals gegen natürliche Rechte, wie die persönliche Freiheit, Freisein von Angst und Schrecken, auftreten. König Stephans Weisheit bezeichnete unseren Weg in der völkischen Minderheitsfrage, und es lebt heute noch in uns jenes erhebende Bewußtsein, daß in einem Land mit verschiedenen Nationalitäten nur die Liebe, das gegenseitige Verstehen und die Ehrfurcht walten dürfen. Wir schaden uns nur selbst, wenn wir aus guten Freunden Feinde machen. Wer weiß, ob nicht das, was wir diesseits des Flusses tun, sich jenseits gegen uns wendet?
    Übrigens sind auch sie durch Christi teures Blut erlöste Seelen, denen gegenüber eine Kain-Leidenschaft nicht am Platze ist. Ebenso hat der verallgemeinernde blinde Haß keine Daseinsberechtigung unter Christen und Mitbürgern. Umso weniger, als das Deutschtum – abgesehen von den letzten fünfzehn Jahren – die lenksamste, verständnisvollste und treueste Minderheit des Landes war, diesem Beamte, Künstler, Freiheitshelden, Bauern, Gewerbetreibende und Arbeiter schenkte. Wegen einer fünfzehnjährigen Schuld einer Schicht darf die andere unschuldige und durch Jahrhunderte treue Schicht nicht verallgemeinernd bestraft werden, umso weniger, als unseres Volkes Blutgefäße so abgenommen haben wie im 17. Jahrhundert.
    Menschliches Mitgefühl und die geschichtsbekannte ungarische Menschlichkeit verlangen wir für diejenigen deutschen Brüder, die dem Vaterland gegenüber keine Schuld auf sich geladen haben, sowie die Beachtung des sittlichen Grundsatzes: „Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen“ (Mt. 7,12)
    Für die unmenschliche Verfolgung der Juden haben wir die Strafe bereits empfangen; dafür, was jetzt geschieht, kann uns eine noch schwerere Strafe und Verantwortung erwarten.
    Stellen wir die Herrschaft der Gesetze wieder her, den Geist der Liebe, des Friedens und des Verständnisses: „Gnade euch und Friede von Gott unserem
    Vater und dem Herrn Jesus Christus“ (Rom 1,7): Den Menschen guten Willens werde endlich einmal wirklicher Friede und dem allmächtigen Herrn dadurch Ehre zuteil. Amen.“

  6. Ungarnfreund | 21. Januar 2013 um 22:37

    Danke für das Kompliment sehr geehrter Ungarnfreund, aber die Ehre ist Ihre. Ihre Anmerkungen sind noch viel interessanter.

    Ich habe z.B. bis jetzt gedacht, dass die Anerkennung und finanziellen Unterstützung von allen Minderheiten in Ungarn, wenn auch schaufensterisch, aber auf jeden Fall eine sehr positive Tat ist. Es sieht so aus, dass ich mich geirrt habe.

    Dann ihre berechtigte Kritik an dem neuen ungarischen Wahlsystem. Hier bekommen die Minderheitsmitglieder anstatt ihren Parteilistenstimme (die nur etwa 70% Gewicht im Vergleich zu Direktstimme hat) eine zweite Direktstimme, die aber 4mal übergewichtet wird. Diese Stimme kann auch nicht verloren gehen: wenn die Anzahl der Stimmen nicht ausreicht, bekommen die Minderheiten einen Abgeordneten mit begrenzten Mandat. Ich habe bis jetzt gedacht, dass dieses ein schönes Beispiel für die positive Diskrimination ist. Sie sagen nein, das ist eine Diskrimination.

    Dann, Sie schreiben, dass in Ungarn nach dem Ausgleich der Minderheitsschutz zum Fremdwort geworden ist. Ich hätte geschworen, daß es genau umgekehrt gewesen ist. Nach dem Ausgleich hat das ungarische Parlament das Recht zurückerlangt eigenständig Gesetze zu erlassen. Das finde ich an sich schon eine Entwicklung: Ungarn war ja selbst eine Minderheit innerhalb der Monarchie: bis diesem Zeitpunkt stark in ihren Rechten gekürzt. Was hat dieses Parlament mit diesem Mandat angefangen? Als erstes hat die Gleichstellung der Juden gesichert. Dann, das erste Minderheitsschutzgesetz der Welt entlassen. Noch in demselben Jahr hat autonomische Rechte für Kroatien gegeben. Ich dachte all dieses haben die Interessen der Minderheiten gedient. Sie sagen nein, die Minderheiten waren gerade ab diesem Zeitpunkt nicht mehr geschützt.

    Sie haben Verständnis, dass die Slowakei mit der Minderheitsrechten hinter Ungarn bleibt: 500.000 Ungarn ist ja doch 10% der Bevölkerung: da ist ja nicht so einfach. Daraus würde ich ableiten, dass Sie bei einem Land, wo 50% der Bevölkerung zu Minderheiten gehört, noch mehr Verständnis haben. Aber nein, sie bemängeln die kollektive Rechte der Minderheiten in der Königreich Ungarn, zu einer Zeit, wann diese Rechte noch gar nicht erfunden waren. Sie schreiben „ die politische Stimmung in der Slowakei gegenüber den Ungarn schwankt, hat viel mit dem Auftreten der Regierung in Budapest zu tun“, woraus man folgen könnte, dass Sie einsehen, dass die Panslawische Ideen bzw. der offene Gebietsansprüche Rumäniens an Ungarn, nicht gerade einfacher machten die Minderheitsrechte zu erweitern. Aber nein, da irre ich mich wieder, damals hätte Ungarn seinen Nachbarn mit mehr Rechte der Minderheiten besänftigen müssen.

    Wie soll ich sagen, sehr interessant.

    • Werter Balázs, Sie sind ja geradezu ein Meister darin, meine Aussagen zu verdrehen. Ich habe verstanden, dass Sie in diesem Fall mit „interessant“ eigentlich „Blödsinn“ meinen, möchte Ihnen aber versichern, dass ich Ihre obigen Anmerkungen, insbesondere die zu Ungváry, ohne Sarkasmus „interessant“, im Sinne von „originell“ fand. Lassen Sie mich dann Ihre einzelnen Punkte eingehen:

      – Anzahl der anerkannten Minderheiten: Reden Sie einfach mal vertrauensvoll mit den Vertretern der größeren dieser Minderheiten. Sie werden feststellen, dass viele die Zahl 13 für übertrieben halten. Ich maße mir da kein endgültiges Urteil an, habe aber Verständnis für die Kritik. Manche dieser Gemeinschaften sind so klein, dass sie vielleicht in gemeinnützigen Vereinen besser aufgehoben wären.

      – Wahlsystem: Ich nehme zur Kenntnis, dass ich Sie nicht überzeugen konnte, bleibe aber dabei: Ein Minderheitenvertreter, der auf einer normalen Parteiliste gewählt wird, hat im Zweifel eine ganze Fraktion hinter sich, die er natürlich von seinen Zielen überzeugen muss. Wen hat im Vergleich dazu ein einzelner Minderheitenvertreter (noch dazu mit reduziertem Mandat) hinter sich? Er ist vielleicht sichtbarer, aber möglicherweise auch weniger durchsetzungsfähig. Lassen wir die Wahlen 2014 erst einmal kommen. Aber man kann schon fragen, ob das neue System mehr als Symbolik ist.

      – Bitte lesen Sie einmal auf der Internetseite der slowakischen Botschaft Berlin (mein Standardbeispiel, zugegeben) nach, was dort in sehr zugespitzter Form über „DIe Periode der starken nationalen Unterdrückung“ zu lesen ist: http://www.botschaft-slowakei.de/App/WCM/ZU/BerlinZU/main.nsf?Open. Versuchen Sie doch wenigstens einmal, die Perspektive der anderen einzunehmen. Kleiner Ausgleich mit Kroatien hin oder her. Sie können nicht bestreiten, dass es damals zu einer verschärften Politik der Magyarisierung kam, die letztlich die zentrifugalen Kräfte gestärkt hat und die wir heute unter Gesichtspunkten des Minderheitenschutzes scharf kritisieren würden. Meine These: Das Köngreich Ungarn hat sich im Zeitalter des Nationalismus genauso als Völkergefängnis erwiesen wie zuvor schon das „große“ Habsburgerreich. Ob es Wege zum friedlichen Ausgleich mit allen Minderheiten gegeben hätte, bleibt spekulativ. Dass natürlich nicht nur Budapest, sondern auch radikale Elemente auf den Seiten der Minderheiten zum Scheitern dieses Experiments beitrugen, ist ebenso klar. Einseitigen Zuweisungen von historischer Verantwortung will ich gar nicht das Wort reden.

      – Wenn es für Sie keinen Unterschied macht, ob eine große Minderheit konzentriert an der Grenze oder eine kleine Minderheit verstreut im ganzen Land lebt, kann ich Ihnen leider nicht helfen. Mir leuchtet es ein, dass unter diesen Umständen Reziprozität nur schwer herzustellen ist. Das ist keine normative, sondern eine rein realpolitische Aussage. So ist die Welt nun einmal.

      – Meine Feststellung zur Konjunktur der Ungarnpolitik in der Slowakei bezog sich übrigens auf den Zeitraum ab 1993. Die Politik Pressburgs wird nicht nur, sondern auch von der jeweiligen Politik Budapests mitbestimmt und umgekehrt. Ich weiß wirklich nicht, was Sie an dieser intellektuell eigentlich sehr schlichten Anmerkung auszusetzen haben.

      • @ Uraltklischee „Königreich Ungarn = Völkergefängnis“

        Die Aufsplitterung der Donaumonarchie in schwache und kleine Nationalstaaten brachte dem zentral- und osteuropäischen Raum weder Vorteile noch Fortschritt, sondern die Diktatur.
        Und heute leben mehr Minderheiten unter fremder Herrschaft als je zuvor in Ungarn.

      • Sehr geehrter Herr Ungarnfreund,
        ich schätze ihre Höflichkeit, ich schätze auch die Zeit, was Sie mit diesem Blog verbringen. Ich würde also sehr gerne Ihnen zumindest in einigen Fragen zustimmen: aber das geht nicht. Ich verstehe ihre Logik einfach nicht.
        Wahlsystem: Sie plädieren also für MinderheitsAbgeordneter, die an den Fraktionen gebunden sind. Diese Möglichkeit gibt es aber schon, und bleibt auch erhalten. Z.B. Farkas Florian, Roma Abgeordneter ist das Mitglied der Fideszfraktion, und wird wahrscheinlich auch im nächsten Parlament Mitglied sein. Die Wahl der MinderheitsAbgeordneter ist eine zusätzliche Möglichkeit, und bietet Chancen für kleinere Minderheiten, die für die Parteien nicht interessant genug sind. Ich verstehe also nicht ihre „berechtigte“ Kritik. Eine extra Stimme nur für die Bürger der Minderheiten geht nicht: so eine Konstruktion wurde schon am Anfang der 90-er Jahren von der Verfassungsgericht abgelehnt. Und damit würden Sie wahrscheinlich auch einverstanden sein, wenn jemand eine extra Stimme für die Ungarn in der Slowakei verlangen würde.
        Bei der Betrachtung der Frage der Minderheiten gibt es grundsätzlich zwei Herangehensweisen: (1) idealistisch, die auf die Menschenrechte konzentriert (2) Realpolitisch: basiert auf den Abwegen zwischen Vorteile und Nachteile; konzentriert auf der Interesse der „Nation“. Sie verwenden die erste Herangehensweise wenn es um das ungarische Königreich geht, und die zweite wenn es um die Slowakei von heute geht. Warum? Die Slowakei ist nicht Ungarn schuldig die ungarische Minderheit zu fördern. Er moderner Staat, Mitglied der Europäischen Union hat in dieser Frage keine Wahl. Die Bürger haben auch ihre Pflichte: Steuer zahlen, im Heer zu dienen etc. dafür muss eine moderne Staat die Erhaltung der kulturellen Identität einer Minderheit unter stützen, und darf das nicht vom Verhalten einen Nachbarlandes abhängig machen. Noch weniger darf Vorwände aus den Geschehen vor 100 Jahren basteln. Sie halten sich bei anderen Fragen so sehr an der demokratischen Prinzipien fest, warum zeigen Sie in dieser Hinsicht so viel Verständnis?
        Ich denke schon, dass ich das ungarische Königreich auch von dem Sichtpunkt der Minderheiten betrachten kann. Das ist nämlich Teil der ungarischen Curriculum. Jeder, der ein Abitur in Ungarn hat, musste sich mit dem ungarischen Nationalismus, und mit der Unterdrückung der Minderheiten auseinandersetzen. Die von Ihnen verlinkten Seite, der slowakischen Botschaft, ist also nicht deswegen schlecht, weil die Geschehens aus der Slowakische Perspektive darstellt. Sondern die ist schlecht, weil sich selbst widerspricht, und mich wundert dass es Ihnen das nicht auffällt. Diese Seite (in Einklang mit Ihnen) behauptet, dass die Unterdrückung der Minderheiten durch den Ausgleich ermöglicht wurde. Dann belegen Sie die Unterdrückung damit, dass die Slowaken im ungarischen Parlament unterrepräsentiert waren. Im Parlament, der durch den Ausgleich überhaupt existierte. Ist das nicht witzig? Dann wird die Problematik der Adeligen und des Zensus angesprochen. Zwei Problemen, woran gerade die rapide wirtschaftliche Entwicklung und die bürgerliche Reformen nach dem Ausgleich sehr viel gemindert haben. Dagegen wird der wichtigste Grund der Unterrepräsentation der Minderheiten nicht angesprochen: nämlich der Fakt, dass die Wahlkreise zugunsten der Ungarn gezogen wurden. Ist das vielleicht deswegen so, weil die Slowakei diesen Trick auch heute nutzt, um die ungarische Minderheit zu unterdrücken? Aberwitzig wird aber diese Seite wenn die Tschechoslowakei als Paradies der Minderheiten beschrieben wird. Damit war, nicht nur Ungváry, sondern auch Hlinka nicht einverstanden: er hat selbst in der 20-er behauptet, dass die Slowaken in der Tschechoslowakei so unterdrückt werden, als nie zuvor in dem Ungarischen Königreich. (Übrigens Hlinka war nicht nur ein „Ungarnfresser“ sondern auch ein selbstbewusster Antisemit. Er hat sich gerne mit A. Hitler verglichen. Wie kommt es, dass der offizielle Hlinka-Kult niemanden in Europa stört?)

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