Was haben „Zigeuner“ und „Star Wars“ gemeinsam?

Dieser Beitrag betrifft abermals nicht nur Ungarn. Aber sein Thema geht auch an Ungarn nicht vorbei, ganz im Gegenteil. Oder wie der Ungar sagt: Sőt! Vielleicht ist er am Ende sogar geeignet, die Menschen in Ungarn ein wenig zu beruhigen. Weil er zeigt, dass das Koordinatensystem auch in anderen Teilen Europas nicht ganz zu stimmen scheint…

Dass man die in Ungarn lebende Minderheit der „Zigeuner“ (cigány) nicht als solche bezeichnen darf, ohne in den Verdacht des wenigstens unterschwelligen Rassismus und Antiziganismus zu geraten, ist bekannt. Kein Beitrag im Spiegel oder der TAZ verwendet diesen Begriff. Er ist „verbrannt“. Weil auch die Nazis diesen Begriff benutzt haben sollen.

Bei dieser Bewertung scheint es kein bisschen zu stören, dass das im Deutschen eingeführte Wort „Roma„, als Mehrzahl für „Rom“, streng genommen nur die männlichen Angehörigen der Volksgruppe umfasst und damit Fauen kategorisch ausgrenzt. Die Frauen sind nämlich Romni (Singular), Plural: Romnija. Also entspräche „Sinti und Roma“ nicht dem dank Emma eingeführten „BürgerInnen“ …egal. Jemand hat sich nun einmal gedacht, dass man „Zigeuner“ nicht mehr sagen darf, und damit: Amen. Von dieser Position lässt der politisch durchkorrigierte Durchschnittsbürger selbst dann nicht ab, wenn er- zumeist mit staunendem Blick – erfährt, dass es in Teilen Mittel- und Osteuropas, z.B. in Ungarn, kaum Sinti gibt (was die Aufteilung in „Sinti und Roma“ weitgehend sinnlos erscheinen lässt) und sich die unterschiedlichen Volksgruppen selbst stolz als „cigány“, also: Zigeuner, bezeichnen. Damit bringen sie ihre Freiheit von den Clans zum Ausdruck, denn die Roma und Romnija müssen nicht selten an den „König“ ihres Volkes (cigányvajda, deutsch: Wojwode) Zahlungen entrichten oder sich ihm in irgend einer Weise unterordnen.

Ist man erst einmal so weit, die Schwelle der absoluten Ahnungslosigkeit von der Kultur des Wandervolkes hinter sich zu lassen und die Bezeichnung Sinti ind Roma zu hinterfragen, geht es weiter: Wo sind z.B. die Béas geblieben, oder die Oláh-Zigeuner? Sie mögen „Roma“ im weitesten Sinne sein, aber dennoch: Die Volksgruppe scheint also durchaus diffiziler, als man mit den eingeführten Begriffen zum Ausdruck zu bringen meint. Warum also das Ganze? Um Menschen eine Begrifflichkeit zuzuordnen, die sie in weiten Teilen selbst ablehnen? Nur um gewissen Interessenvertretungen und ihrer Agenda einen Gefallen zu tun?

Bevor der Einwand kommt: Der Begriff des Zigeuners lässt sich meines Erachtens nicht einmal ansatzweise mit der pejorativen Bezeichnung Farbiger als „Neger“ oder gar „Nigger“ vergleichen. Denn ich kenne keinen dunkelhäutigen Menschen, der sich selbst als „Neger“ oder gar „Nigger“ bezeichnen würde – es sei denn in der Slang-Sprache US-amerikanischer Ghettos.

Wir sollten uns stattdessen fragen, ob der Kampf um die Worte – im Fall der Cigány – zur Linderung der alltäglichen Schwierigkeiten beiträgt, in denen die Zigeuner in Ungarn und anderen Teilen (besonders) Mittelosteuropas leben. Wird die Diskriminierung milder, wenn man nicht mehr Zigeuner, sondern Sinti und Roma benachteiligt? Und ist nicht derjenige, der bereit ist, „Zigeunern“ Arbeit zu geben und ihnen trotz weit überdurchschnittlicher Quoten beim Schulabbruch oder Analphabetismus aus der Misere zu helfen, tatkräftiger in seiner Unterstützung als derjenige, der sich mit dem Kampf um Begrifflichkeiten begnügt und sich hinter seiner schön gestutzten Thujenhecke und einem wohltemperierten Glas Zinfandel in akademischen Debatten verirrt? Wer den Krieg der Worte gewonnen hat, steht ohnehin schon fest. Die Frage ist, wer den Kampf gegen Armut und Intoleranz gewinnen wird.

Welche Auswüchse, ja paranoide Extreme die ewige Suche nach dem bösen Diskriminierer bisweilen zu Tage fördert, zeigen aktuelle Debatten im deutchsprachigen Raum um die Umformulierung von alten Kinderbüchern, in denen es von politischer Inkorrekheit nur so zu wimmeln scheint. Ein Bereich, in dem sich die Anti-Diskriminierungsstellen so richtig austoben können.

Und es kommt noch schlimmer. Als eingefleischter Fan der Kino-Klassiker „Star Wars“ kenne ich den fiesen Bösewicht „Jabba the Hutt“, Jabba den Hutten also, der in „Return of the Jedi“ einen der Helden bei sich gefangen hält.

Jabba, der Bösewicht, haust in einem finsteren Palast, der nach den Vorstellungen des Star Wars Regisseurs George Lucas so aussieht:

Jabba´s Palast

Nun hat die Firma LEGO das Thema Star Wars – 30 Jahre nach Erscheinen der Rückkehr der Jedi-Ritter – aufgegriffen und (u.a.) Jabba´s Palast für die Kleinen nachgebaut. Der kostet etwa 140 Euro und sieht so aus:

Jabba´s Palast von LEGO (Bild: LEGO)

Gar nicht so schlecht getroffen, finde ich. Man kann sogar die Palastmauern öffnen und mit dem dicken Jabba, der schönen Prinzessin Leia, dem in Carbonit eingefrorenen Helden, Han Solo, und anderen Gestalten spielen. Möge die Macht mit Euch sein!

Die Freude unter dem Weihnachtsbaum scheint aber für einen Österreicher nicht sonderlich groß gewesen zu sein. Der erkannte in dem Palast einen bösartigen Abklatsch der Hagia Sophia in Istandbul und einer Moschee in Beirut, gab das Spielzeug postwendend zurück (nach Auffassung der türkischen Kulturgemeinde in Österreich „zu Recht“) und petzte den ungeheuerlichen Vorfall. Ein riesen Fass öffnete sich. Die Kulturgemeinde plärrte gar „Volksverhetzung“, weil die Palastwachen angeblich alle aussähen wie „Orientalen“, und das könne ja wohl nicht sein. Für den, der noch nicht genug gelesen hat, hier das Meisterwerk in voller Länge:

http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=312

Ja, wer Rassismus und Diskriminierung berufsmäßig sucht, der findet. Und entblödet sich nicht, Bezugnahmen auf Phantasy-Filme als bösartigen Rassismus, ja: sogar als Sraftat der Volksverhetzung, zu titulieren. Da werden Begriffe von denen, die die Meinungshoheit für sich beanspruchen, beinahe willkürlich mit rassistischem Konnex versehen. Da werden Spielsachen, einfache Spielsachen, zu volkerrechtswidrigen Hetzartikeln. Man glaubt, die ganze Welt habe den letzten Funken Verstand verloren. Wehe dem, der sich heute noch als Cowboy verkleidet!

Die ungarischen Leser wissen jetzt immerhin, dass Europa auch an anderen Ecken und Enden mitunter ein wenig spinnt. Weil man sich mit Worten, Spielsachen, Bagatellen und Nichtigkeiten also, befasst. Lieber Gespenstern hinterher rennt, anstatt wirklichen Rassismus zu bekämpfen. Und dabei nolens volens riskiert, durch zu viele „Es brennt“ Rufe die Menschen so sehr abzustumpfen, dass sie dann, wenn wirklich Not am Mann ist, sich mit einem „Nein, nicht schon wieder dieses Gerede“ gelangweilt wegzudrehen.

Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus gehören, ebenso wie Homophobie und Verfolgung aufgrund anderer persönlicher Merkmale und Einstellungen, bekämpft. Aber bitte dort, wo sie sind. Lasst George Lucas und seine Figuren im Spielzimmer in Frieden. Und gestattet denen, die den Sprachgebrauch der cigány verwenden und von Zigeunern sprechen, ohne dies abwertend zu meinen, dieses Stück verbaler Freiheit einfach.

http://www.welt.de/wirtschaft/article113147353/Lego-wehrt-sich-gegen-Rassismus-Vorwurf.html

20 Kommentare zu “Was haben „Zigeuner“ und „Star Wars“ gemeinsam?

  1. Ich vermisse in der Romadebatte immer den Hinweis, dass „Rom“ auf Ungarisch „Ruine“ bedeutet und sich niemand, der Ungarisch spricht, freiwillig so nennen würde. „Rom vagyok“ – „Ich bin eine Ruine“… Nein, wirklich nicht. Daher sagen viele ungarische „Zigeuner“ heute, seitdem sie den Begriff kennen, „roma vagyok“, was grammatikalisch falsch ist.
    Auf einer der ersten Arc-Plakatausstellungen gab es ein schönes Plakat, welches einen armen Angehörigen der Minderheit zeigte. Darunter stand: „Régen cigány voltam, ma már roma vagyok, de még mindig ugyanolyan csóró“ – „Früher war ich ein Zigeuner, heute bin ich ein Roma, aber immer noch derselbe arme Schlucker“. Das trifft es ziemlich gut.

    Allerdings verbinde ich mit dem Spruch noch etwas anderes. Ich zitierte ihn in meiner Bachelorarbeit (Jus), entschied mich aber, in dieser konsequent auf den Begriff „Zigeuner“ zu verzichten. Wieso? Weil ich finde, dass es inzwischen mehr Leute gibt, auch viele „Roma“ selber, die den Begriff für vorbelastet halten, als solche, die ihn noch verwenden. Auch war ich im Rahmen eines kleinen Einsatzes bei der Zigeunermission (wir sammelten Spenden und ich fuhr mit, als die Spenden übergeben wurden) Zeuge, als eine ältere Dame ihren Bruder, der im Gefängnis sass, abschätzig als Zigeuner bezeichnete – dabei war sie Angehörige derselben Minderheit, anscheinend wird der Begriff in ihren Kreisen jedoch sehr wohl pejorativ verstanden.

    Eine Gefahr ist, dass ohne einen Sammelbegriff für die vielen „Zigeuner“- Minderheiten die Problematik, welche überall dieselbe ist, nicht als eine Problematik wahrgenommen wird. Mit dieser Gefahr müssen wir aber leben, immerhin möchte ich als Ungar auch nicht, dass meine Probleme als „osteuropäische“ behandelt werden, auch wenn ich von aussen als „Osteuropäer“ wahrgenommen werde und mich manchmal auch als solcher bezeichne.

  2. @Joe DiMaggio , wäre doch auch mal interesant in diesem Zusammenhang zu erfahren, wie denn die Solidarität der *ähem* Rom(a) untereinander ist?? Ich meine, wenn man sich mit dem Thema genauer befasst, sollte einem auch darüber einiges auffallen.
    und wenn wir schon mal dabei sind:Wann werden wohl Lieder von Daliah Lavi und Alexandra verboten werden??
    Ausserdem schon interessant, dass sich die Roma in West-Ungarn entschieden gegen den Zuzug der Roma aus Ostungarn wehren und nicht gerne mit ihnen in einen Topf geworfen werden wollen.
    und „oh wunder“ die Roma in West-Ungarn sogar der Meinung sind, dass die kommunale Arbeit (in einschlägigen Kreisen auch gerne Zwangsarbeit genannt) eine grosse Hilfe für sie darstellt.
    (Was man denen wohl bezahlt hat für diese Meinungsäusserung? )

  3. Ich stimme HV zu: Nicht jeder, der von Zigeunern spricht, hat diesen Sprachgebrauch reflektiert oder verbindet damit etwas Abwertendes. Als jemand, der in Deutschland zur Mehrheitsbevölkerung gehört, orientiere ich mich dort an der Bezeichnung, die die meisten hier lebenden Angehörigen dieser Minderheit vorziehen: Sinti und Roma (in Österreich interessanterweise in umgekehrter Aufzählung: Roma und Sinti). Ihre Begründung erscheint mir nachvollziehbar: Das Wort Zigeuner ist ursprünglich eine Fremdbezeichnung. Sie wurde durch die im Porajmos (Romanes für Holocaust) gipfelnde abwertende Verwendung durch die Nazis im Prinzip verbrannt. Zugespitzt formuliert: Wem in Auschwitz ein Z + Nummer eintätowiert worden ist, dem kann man nicht verdenken, dass er sich, sofern er überlebte, nach dem Krieg von dem Begriff Zigeuner distanzierte und sich auf die Eigenbezeichnung Sinti und Roma besann.

    Die wichtigste deutsche Interessenvertretung dieser Minderheit nennt sich dementsprechend: Zentralrat DEUTSCHER Sinti und Roma. (Man beachte übrigens den feinen Unterschied zur Bezeichnung: Zentralrat der Juden IN DEUTSCHLAND.) Gleichwohl gibt es auch in Deutschland Menschen und Gruppen, die sich weiterhin ganz bewusst als Zigeuner bezeichnen. Menschen aus dem Umfeld des Zentralrats halten das für falsch. Aber letztlich ist das ein Diskurs, der innerhalb der Minderheit geführt werden muss, und in den sich Angehörige der Mehrheitsbevölkerung höchstens sehr zurückhaltend einmischen können.

    Auch in Ungarn setzt sich im Übrigen die Bezeichnung Roma zunehmend durch. Wichtigstes Zeichen für diesen Wandel im Sprachgebrauch: Die frühere Landesselbstverwaltung der Zigeuner (OCÖ) wurde nach den letzten Minderheitenwahlen 2010/11 in Landesselbstverwaltung der Roma (ORÖ) umbenannt. Die neue Mehrheit in der ORÖ ist Fidesz-nah, verkörpert durch den Vorsitzenden Flórian Farkas, der zudem Fidesz-Abgeordneter im Parlament ist. Man kann die Umbenennung also nicht als Ausfluss einer „linksliberalen politischen Überkorrektheit“ o.ä. interpretieren oder gar als Spinnerei abtun.

    Richtig ist auch der Hinweis von Basti: Rom bedeutet im Romanes nicht nur Mann, sondern auch Mensch. Diese sprachliche Gleichsetzung von Mann und Mensch bietet durchaus Anlass, über das Verhältnis der Geschlechter innerhalb der Minderheit nachzudenken, ist aber keine exklusive Erscheinung, sondern findet sich in vielen Sprachen wieder.

    Vor dem Hintergrund des oben Ausgeführten kann ich die Prämisse, wonach nicht jeder, der von Zigeunern spricht, diesen Sprachgebrauch reflektiert hat oder damit etwas Abwertendes verbindet, wie folgt zu einer Schlussfolgerung ergänzen: Angehörige der Mehrheitsbevölkerung sollten auch nicht besserwisserisch auf der Bezeichnung Zigeuner bestehen, wenn Minderheitenvertreter dies kritisieren, selbst wenn ein Teil der Minderheit diese Bezeichnung selbst noch verwendet. Es ist nicht ganz leicht, in einer Situation sprachlichen Wandels immer den richtigen Ton zu treffen. Letztlich wird man den Kontext beachten müssen, in dem jemand die eine oder andere Bezeichnung verwendet, um den jeweiligen Sprachgebrauch richtig einzuordnen.

  4. Die Kritik an dem Lego-Bausatz scheint mir übrigens übertrieben, wenn man das Star-Wars-Vorbild kennt. Wer einseitige Türkenbilder sucht, kann gleich mit Géza Gárdonyis „Sternen von Eger“ anfangen. (Interessant ist hier auch die Figur des etwas einfältigen, aber treuen Zigeuners Sárközy.) Trotzdem würde ich nicht verlangen, dass man dieses Buch auf den Index der verbotenen Bücher setzt. Besser wäre es, jugendliche Leser ggf. dazu anzuhalten, nicht von diesem Roman von 1899, der im 16. Jahrhundert spielt, auf einen vermeintlichen Volkscharakter der Türken im 21. Jahrhundert o.ä. zu schließen.

    • Danke, lieber Ungarfreund !
      Vielen herzlichen Dank, dass der Gárdonyi noch gerade schaffte, nicht auf den
      Index zukommen. Ich bin nämlich, ein große Verehrer von ihm.
      Puuuuh, das war knapp!

    • Aha. Übertrieben. Im Sinne von überzogen? Dann wüsste ich gerne, wie viel Kritik Sie als gerechtfertigt angesehen hätten.

      Meiner Meinung nach ist die Kritik an LEGO nämlich vollkommen neben der Sache.

      • Mein Standpunkt: Wir sollten erst einmal zur Kenntnis nehmen, dass sich Menschen durch dieses Spielzeug verletzt fühlen. Da hilft es nicht, die Kritik einfach für schwachsinnig zu erklären, sondern da muss man Gespräche führen. Genau das tut Lego ja nun auch, wenn ich das richtig verstanden habe. Was gar nicht geht, ist die überzogene Art und Weise wie Lego hier kritisiert wird. Der Vorwurf der Volksverhetzung ist absurd, denn man wird Lego schwerlich nachweisen können, dass die Firma gezielt Stimmung gegen Muslime im Allgemeinen oder Türken im Speziellen machen wollte.

        Wenn Sie und Ihre Forum-Freunde einen echten Grund zur Aufregung brauchen, dann empfehle ich Ihnen den gestrigen Ungarn-Beitrag bei „Titel, Thesen, Temperamente“ mit dem schönen Titel „Intellektuellen-Hatz in Ungarn“ inklusive einer ziemlich krassen An- und Abmoderation. Da ist mir kurz vorm Zubettgehen noch mal echt die Kinnlade runtergefallen. Bei aller berechtigten Kritik an der Akademie der Künste und ihrem Leiter Fekete: So geht es meines Erachtens wirklich nicht. Siehe: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/ndr/ungarn-108.html.

      • Ich habe Sie und die anderen, mit denen ich hier immer streite, der Einfachheit halber in einen Topf geworfen. Sehen Sie’s mir nach. Die Diskussion über Ungarn polarisiert eben.

    • Ich habe das Buch gleich zweimal gelesen, komfortabler Weise sogar auf deutsch, obwohl das schon einwenig her ist. Ich kann mich gerade mal an zwei Türken erinnern, die hinlänglich beschrieben wurden: Jumurdzsák und der andere, dessen Namen ich vergessen habe und der sich durch ungarisches Schweinefleisch bestechen ließ. Zwar ist Jumurdzsák keine positive gestalt, jedoch kann ich mich nicht erinnern, dass das Buch seine Charaktereigenschaften auf seine Nationalität zurückführen würde oder dass er für diese als repräsentiv dargestellt wurde. Der andere Türke wurde eher positiv gezeichnet. Es gab da noch die Szene in Istanbul, jedoch meine ich gehört zu haben, dass diese Begebenheiten nicht frei erfunden waren. Insofern verstehe ich nicht, wieso man überhaupt einen Zusammenhang zwischen dem Buch und dem Index sieht. Meines Wissens ist das Buch übrigens immernoch Pflichtlektüre in Ungarn.

      • Der sympatische Türke ist Tulipán, der am Anfang gefangen genommen und am Leben gelassen wird, weil er Schach spielen kann. Tulipán verschwindet aus der Handlung nach dem missglückten Attentat auf Sulejman II. Jumurdschak ist dagegen keine „böse“ Figur. Er handelt nach den Prinzipien des kämpferischen Islam und erleidet durch die erzwungene Wegnahme seines Talismans Unglück, das er um jeden Preis beheben will. Ich bin gespannt, wann einige Gutmenschen das Streichen von „Egri csillagok“ aus ungarischen Lehrplänen fordern werden. Siehe noch: Markt Twain: Tom Sawyers Abenteuer bzw. Huckleberry Finn. Da wird auf eine empörende Weise immer von „Niggern“ gesprochen, was für einen 68-er als Stein des Anstoßes, Ausgrenzung und politisch weitgehend unkorrekt gilt.

  5. „Rassismus, Ausgrenzung und Angst beherrschen das öffentliche Leben in Ungarn. […] Europa schweigt – warum eigentlich?“ (ttt-Beitrag im Ersten, siehe Link Ungarnfreund)
    Da schaudert es den Forum-Freund bei solch gewaltigem Wortgeklingel. Frau Balassa muss wirklich taub sein, wenn Sie das Getöse der letzten Jahre in Europa nicht gehört hat. Zum Glück leiht ihr dafür Das Erste ein Ohr – warum eigentlich?

  6. Rassismus, Ausgrenzung und Angst beherrschen das öffentliche Leben in Ungarn. Ministerpräsident Orbán hat aus Brüssel offenbar nichts zu befürchten. Europa schweigt – warum eigentlich?
    Solch eine Aussage ist schon interessant………viele Mitbürger sagen immer.Das ist Budapest.!
    Auf ganz Ungarn bezogen schon sehr übertrieben…..

  7. https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/01/26/was-haben-zigeuner-und-star-wars-gemeinsam/#comment-12162
    @ungarnfreund
    auch auf die Gefahr hin, vom Stöckchen aufs Hölzchen zu kommen.

    „Wir sollten erst einmal zur Kenntnis nehmen, dass sich Menschen durch dieses Spielzeug verletzt fühlen“
    Wovon fühlen sich denn zur Zeit irgendwelche Leute nicht verletzt?
    Irgendwelche hab ich aus dem Grunde geschrieben, weil ich mich frage: fühlen sich die Betroffenen wirklich verletzt oder meint schlicht irgend ein Profilneurotiker sich äußern zu müssen? Ich erinnere nur an die Diskussion über das Mohr Bier oder ob man den Begriff „Neger“ streichen soll etcpp.
    Ich frag mich momentan echt, wo leben wir momentan?
    Aber langsam glaub ich auch, wenn ich nen Negro esse bin ich ein Rassist.
    Man merkt, es wirkt bei mir schon.

    • In Österreich bedeutet „ich bin Neger“, dass man pleite ist; politisch korrekt müßte es heißen „ich bin Afroafrikaner“.
      Und als Frau werde ich zum „Mensch mit Mentruationshintergrund“ … ?

  8. Interessant: Die Sinti Allianz Deutschland fordert die Einführung des Namens Zigeuner als Sammelbegriff, da die Doppelbezeichnung Sinti und Roma nicht die Vielfalt der Volkgruppe gerecht wird (Wikipedia).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s