Solidarität mit den Széklern!

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Nein, dieser Beitrag hat nicht das Ziel, die Einheit Rumäniens in Zweifel zu ziehen. Er soll auch nicht dafür eintreten, Ungarn in den Grenzen vor dem Frieden von Trianon zu bewerben.

Es geht um Solidarität. Um Solidarität mit der – nach den Katalanen – größten regionalen Minderheit in Europa, den Széklern.

Die Székler, eine ungarischsprachige Minderheit in Rumänien, bevölkern in einer Zahl von ca. 700.000 Personen das Széklerland und bilden in diesem Siedlungsgebiet die Bevölkerungsmehrheit (in einzelnen Teilen liegt der Bevölkerungsanteil noch höher, im Kreis Harghita z.B. bei über 80%). Ihr Verhältnis zum übrigen Rumänien ist nicht immer frei von Konflikten. Und das liegt nicht nur an dem in Harghita ansässigen Eishockeyclub HSC Csíkszereda (rum.: Miercurea Ciuc), der seit 2007 ununterbrochen rumänischer Meister geworden ist und dabei regelmäßig Wutanfälle und rassistische Ausfälle des Erzfeindes Bukarest ans Tageslicht fördert. Und dabei ein wenig an Asterix erinnert. Auch die Bestrebungen der Székler, die ungarische Sprache zu verwenden und der Wunsch nach Autonomie, sorgt für Unmut in den politischen Kreisen Rumäniens, die für eine „nationale Einheit“ ohne Wahrnehmung der Belange von ethnischen Minderheiten eintritt.

Anlass der jüngsten Querelen ist die Verfügung zweier rumänischer Gebietsverwaltungen, die den Széklern das Hissen der „Széklerflagge“ an öffentlichen Gebäuden untersagt. Und das, obwohl erst kürzlich gerichtlich festgestellt worden war, dass das Hissen der Flagge erlaubt sei. Diese, allein die Széklerfahne betreffende Verfügung rief sogar das ungarische Außenamt auf den Plan und dazu, von „symbolischer Aggression“ zu sprechen. Rumänien wiederum verbat sich jede Einmischung.

Voilà, da ist er wieder, der rumänisch-ungarische Konflikt. Die Frage nach der Ursache und der Verantwortung kann ewig gestellt, und – je nach Standpunkt – schier beliebig beantwortet werden. Zumeist hört man von den provozierenden, nationalistischen Separatisten, den mittelosteuropäischen „Neandertalern“. Das Bild des ungarischen oder wenigstens ungarisch sprechenden Unruhestifters in MOE hat sich im kollektiven Gedächtnis der Zeitungsleser längst manifestiert. Dass es sich bei den Széklern aber um eine Minderheit handelt, die um ihre Rechte kämpft und zum Teil durchaus richtige Ansätze von Autonomie vertritt, wird fast kategorisch ausgeblendet. Und leider fehlt hier, obgleich es doch um eine Minderheit geht, die europäische Empörung und Solidarität völlig.

Ich hingegen vertrete die Auffassung, dass man, wenn man für Minderheiten eintritt, das auch hier tun sollte. Sympathische Katalanen, hilfsbedürftige Zigeuner, aber böse Székler? Nein. Und so ist das Hissen der Széklerfahne kein Zeichen von Missachtung gegenüber Rumänien. Es ist vielmehr ein Zeichen der Identität einer Minderheit. Ein Zeichen, das vor dem Hintergrund der historischen Befindlichkeiten in Mittelosteuropa respektiert werden sollte. Darum „hisse“ ich – auf Anregung eines Lesers – diese Flagge gerne als Zeichen der Solidarität. So wie es der bekannte rumänische Fernsehreporter Lucian Madruta vor wenigen Tagen tat. Der sagte schon im Dezember: „Rumänien ist nur mit seinen nationalen Minderheiten vollständig!“ Man könnte auch sagen: eine Einheit. So wie auch Europa nur dann vollständig ist, wenn man alle Teile zusammenfügt. Und dabei keinen Einheitsbrei produziert, sondern eine Mixtur aus unterschiedlichsten Zutaten kombiniert.

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28 Kommentare zu “Solidarität mit den Széklern!

  1. Meine Solidarität haben alle Individuen und Gruppen, die ihre ihnen zustehenden natürlichen und bürgerlichen Rechte nichtekommen, sprich, die Freiheit, so zu leben, wie es ihnen passt ohne dass es andere einschränkt. Also die Székler sollen meinetwegen jede kulturelle, kommunale oder sonstige Autonomie bekommen, meinetwegen auch einen eigenen Staat. Jawoll. Ist mir ganz gleich. Sie hissen im heutigen Zusammenhang aber nicht die Székler-Flagge und sie kämpfen nicht für Freiheit und Gerechtigkeit, sondern sie hissen die Fetzen von Tökés und Fidesz. Mehr nicht. Leider. Hätte nicht gedacht, dass Sie auf diese billigen Mätzchen reinfallen. Jaja, ich weiß, diese Ausdruckseise, entsetzlich. Schönen Abend!

    • Ich freue mich, dass auch Ihrer Auffassung nach nichts gegen eine kulturelle oder kommunale Autonomie spricht. Ich kann mich nicht erinnern, dieses Bekenntnis jemals im Lloyd gelesen zu haben. Aber schön, dass wir uns mal einig sind. Was uns allerdings unterscheidet, ist dass mir diese Frage nicht „ganz gleich“ ist.
      Hisst Lucian Madruta auch die Fetzen von Tökés und Fidesz?
      Ebenfalls einen schönen Abend.

      • Nun, der Lloyd hat heute Rumänien empfohlen, das Hissen der Flaggen freizugeben, es ist risikolos, entwaffnet die Manipulatoren und wäre ein Zeichen politischer Reife. Daher wird es wohl auch nicht geschehen. Mir ist die Frage insofern „gleich“, weil ich unter gelebten und verwirklichten EU-Bedingungen all die zu Recht geforderten oder auch herbeigejammerten Rechte als vorhanden – und wo nicht, als einklagbar – betrachte, egal ob nun in einer deklarierten Autonomie oder in einer ganz natürlich wachsenden Koexistenz. Meine Einschätzung ist, dass diese Rechte so lange verwehrt werden, so lange auch nur eine Seite (meistens sind es dann doch zwei Seiten) politisches Kapital herausschlagen kann. Das macht es langwierig und mühsam. Und Orbán, Ponta, Fico etc. verlangsamen alles noch mehr. Ich geh jetzt auf ein Bier, als außerhalb des Fußballs gleichberechtigter Quotenpiefke in meinem Wiener Grätzel. Auf bald, M.S.

      • „Nun, der Lloyd hat heute Rumänien empfohlen, das Hissen der Flaggen freizugeben, es ist risikolos, entwaffnet die Manipulatoren und wäre ein Zeichen politischer Reife.“
        Hier sehe ich keinen Dissens zwischen uns. Aber vielleicht brauchen Sie das „Aneinanderreiben“. Viel Spaß beim Feierabendbier. Ich hoffe, das Ottakringer bekommt Ihnen (brrr…) 🙂

  2. M.S. was sie hier schreiben ist eine Schande! Für sie ist die Székler Flagge ein Fetzen? Unerhört, ich bin tief empört und beleidigt. Was hat für die Székler heilige Flagge mit Fidesz oder Tőkés zu tun? Es gehört diesem Volk seit jahrhunderten. Ist für sie die Ungarische Flagge ein Fetzen, oder die amerikanische oder israelische auch? Wenn sie kein Mitgefühl mit Székler haben, versuchen Sie ihr Mund zu halten, es were besser für sie und für uns Ungarn und Székler auch. Was ist für sie heilig, was würden sie sagen, wenn jemand darüber so schreiben würde wie sie jetzt über der Székler Flagge? Mit diesem Kommentar werden sie kein Erfolg haben, meiner Meinung nach.

  3. Seit der Wende und bis 2010 haben verschiedene ungarische Regierungen eine nüchterne Politik der Verständigung mit den Nachbarn geführt. Diese Politik hat zwar nicht alleProbleme gelöst, aber Spannungen abgebaut und den Menschen beiderseits der Grenzen genützt.
    Wenn die Menschenrechte rumänischer Staatsbürger ungarischer Nationalität nicht gewährleistet sind, dann gäbe es die Möglichkeit, dass Ungarn mit Rumänien darüber verhandelt und wenn das kein Ergebnis bringt, bleibt die EU an die man sich wenden könnte.
    Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, z.B. den Nationalismus aufzuputschen, um von der eigener Mißwirtschaft abzulenken. Wer das macht, kann sich ruhig auf die rumänischen Nationalisten verlassen, die ihrerseits bereit sind ihre Fahnen zu schwenken.
    Es darf bezweifelt werden, dass mit Fahnenschwenken den Széklern wirklich geholfen wird.
    Möglicherweise möchte man mit solcher Politik ethnische Ungarn aus Rumänien dazu bringen nach Ungarn zu übersiedeln? Das würde natürlich die Lage der in Rumänien bleibenden Ungarn keineswegs verbessern und den rumänischen Nationalisten nur Auftrieb gewähren.

    • Wie ich gestern schrieb: Je nach Standpunkt gibt man unterschiedlichen Akteuren die Schuld. Für Sie sind es immerzu die bösen Ungarn, die anfangen. Die anderen reagieren nur. Der Gedanke, dass die Situation in Rumänien, die zum Teil gelebte Missachtung der nationalen Minderheiten, deren „Nationalismus“ aufputscht und die Székler teilweise radikalisiert, kommt Ihnen einfach nicht in den Sinn. Es würde Ihre Kreise stören, die Ungarn mal nicht als Schuldige darzustellen.

      Die auf „Entspannung gerichtete“ Politik der von Ihnen so milde beurteilten Gyurcsánys und Bajnais hat das Slowakische Sprachengesetz, das 2009 und damit vor dem bösen Fidesz kam, nicht verhindert. Und das war der schlimmste Rückfall in 20 Jahren Demokratie. Scheinbar bringt es nichts, immer nur nachzugeben. Aber ich wäre auf Ihre Erklärung gespannt.

      Und ja, man hätte verhandeln müssen. Und den EU-Beitritt Rumäniens mit klaren Autonomieforderungen bündeln müssen. Die MSZP/SZDSZ waren aber nicht bereit, sich für die Minderheiten im Ausland einzusetzen. Wie 2004 bei der Volksabstimmung.

      • „Die MSZP/SZDSZ waren aber nicht bereit, sich für die Minderheiten im Ausland einzusetzen. Wie 2004 bei der Volksabstimmung.“

        Die „Sensibilität“ der MSZP für die Probleme der ungarischen Minderheiten wurde sehr schön demonstriert in einem Auftritt von Tibor Sanyi bei ATV (ab 7:20):
        http://7atv.hu/videotar/20130206_demonstraciok_gyulan

        Da stellt sich die Frage, wie sich eine politische Kraft für die Belange der Minderheiten einsetzen kann, deren prominenter Vertreter nicht zwischen den Begriffen Staatsangehörigkeit und Nationalität unterscheiden will, oder mit Hilfe des Beispiels von asiatischen Migranten in den USA zu erklären versucht, dass die Ungarn in Rumänien keine Ungarn, sondern Rumänen sind.

        Dieses Gespräch wurde im nachhinein durch ein anderes Gespräch noch interessanter:
        http://atv.hu/cikk/video-20130207_szanyi_tibor

        Szanyis Erinnerungen, wen er warum in Gyula rumänisch begrüßen wollte, haben sich nur in einem Tag wesentlich geändert.

  4. Wie kann man sich zwischen alle Stühle setzen und sich PL und HV in Einstimmigkeit bringen? Indem man vertritt, dass der Einheitsstaat sowieso überholt ist, dass Kulturleben und Erziehung sich selbst verwalten sollen, und nicht an den Staat gekoppelt sind, der ganz andere Aufgaben hat, und dass das gleiche auch für das Wirtschaftsleben zu gelten hätte. Freiheit für das Kulturleben, Gleichheit aller im Staat, zusammenarbeitend im Wirthschaftsleben. Also ziemlich das Gegenteil vom Moloch EU.

  5. HV Es ist schon tendenziös und voreingenommen, wenn Sie mir einseitiges Lob für Gyurcsány-Bajnai unterstellen. Wenn ich alle ungarische Regierungen zwischen 1990 und 2010 lobte wegen deren Zurückhaltung, dann lobte ich auch die MDF Regierung 1990-1994 und die Fidesz-Regierung 1998-2002.
    Und mit solchen Unterstellungen (ich würde einseitig den Ungarn die Schuld zuschieben u.ä.m.) ersparen Sie sich auf meine Fragen einzugehen. Schade, ich hoffte auf meine Fragen eine Antwort zu erhalten.
    Sie erwähnen auch nicht, dass das slowakische Sprachengesetz modifiziert wurde.
    Die Frage, die beantwortet werden soll, wem nützt eine nationale Aufschaukelung?
    In der heutigen FAZ befindet sich eine Meldung: „Neubeginn im Minderheitenstreit, Vilnius und Warschau suchen gemeinsam nach einer Lösung“ In Litauen machen die Polen 6,6 Prozent der Bevölkerung aus. „Aus polnischer Perspektive hat die abgewählte konservative Regierung in Litauen zu wenig dafür getan, die Situation der Polen im Land zu verbessern. Warschau verweist auf Probleme mit Straßenschildern in polnisch besiedelten Gebieten und tadelt, dass polnische Schulkinder bei litauischen Abiturprüfungen benachteiligt würden. Vilnius hält dem entgegen, dass von 170 polnischen Auslandsschulen immerhin 80 in Litauen stünden.“
    Ich denke, dass solche Verhandlungen beiden Seiten etwas bringen können. Die nationalistische Aufschaukelung in Ungarn und Rumänien jedoch, wird wenn sie so weitergeht, nur der ungarischen Minderheit schaden.

    • @ Karl Pfeifer:

      Schön, dass Sie mir vorwerfen, tendenziös und voreingenommen zu sein. Mögen sich die Leser ein Bild machen. Welche Fragen haben Sie denn gestellt, auf die ich mir so angeblich eine Antwort erspare?

      Ich sprach hier nicht von „Lob“ für Gyurcsány und Bajnai, sondern davon, dass Sie ihnen gegenüber milde waren. Ich denke, da habe ich Recht. Meine Aussage betraf das Sprachengesetz. Es wurde 2009 eingeführt, wie passt das zu der ach so erfolgreichen Politik der Regierungen vor Orbán 2010?

      Es wurde geändert. Erklären Sie bitte, wie und wann.

      • Ich habe allen Regierungen von der Wende (1990) und bis 2010 Lob gespendet. Und Sie verengen das auf Gyurcsány-Bajnai. Sie beschweren sich über das slowakische Sprachengesetz verlieren aber kein Wort darüber, dass dieses modifiziert wurde.
        Dazu finden Sie in diesem Artikel Fakten
        Are relations between Hungary and Slovakia beginning to thaw?
        Oct 5, 2010″…Slovak Parliamentary Vice-Chair and Most-Hid Party Chairman Bela Bugar told journalists on 24 September that the new version of the law had finished “a period of fear for our citizens who were afraid to use their own language at offices, even if there was a reason or not to fear something.”
        http://csis.org/blog/are-relations-between-hungary-and-slovakia-beginning-thaw

        THE HAGUE, 4 January 2010 – The OSCE High Commissioner on National Minorities, Knut Vollebaek, issued the following statement today:
        http://www.osce.org/hcnm/51811
        Ich fragte
        „Möglicherweise möchte man mit solcher Politik ethnische Ungarn aus Rumänien dazu bringen nach Ungarn zu übersiedeln?“
        und frage, will man mit solchen Affären die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen der Bevölkerung ablenken?

      • Die Frage ist einfach zu beantworten: Nein, das schließe ich aus. Warum Széklern das Wahlrecht im Ausland geben, um sie dann ins Inland zu locken? Den Versuch, politisches Kapital zu schlagen, kann ich nicht ausschließen. So ist die Politik eben. Wenn ich mir die MSZP und ihren erbärmlichen Versuch ansehe, ihr Verhalten bei der Volksabstimmung 2004 vergessen zu machen, finde ich das alles harmlos.

        Ich verenge nicht, sondern stelle einen Zusammenhang mit dem Jahr 2009 her. Wer war da schon Jahre an der Regierung, Herr Pfeifer?

    • Es gibt nicht ein Fragezeichen in Ihrem vorangegangenen Beitrag…

      Was nun Ihre naive Ansichten über Verhandlungen angeht, es sind zwanzig Jahre vergagngen in denen versucht wurde zu verhandeln – weitgehend ergebnislos, denn die Assimilation der Auslandsungarn schreitet weiter voran. 20 Jahre sind eine lange Zeit, wie lange sollte man denn noch warten, dass der Gegenüber aus dem Quark kommt? Worauf denn? Was soll denn auf einmal passieren, dass die rumänische / slowakische Seite plötzlich bereit wäre Zugeständnisse zu machen? Den Ungarn rennt nun mal die Zeit weg, soll man da seelenruhig die Hände in den Schoss legen und warten? Es ist leider ziemlich offensichtlich, dass demokratische Mittel ausgehen um die Situation rechtzeitig zu verändern. Eine Radikalisierung ist daher logische Konsequenz. Eine Sache, die Sie selbst jetzt nicht einsehen wollen. Es könnte ja schließlich sein, man käme auf den Gedanken, das Problem wäre zu wenig thematisiert worden, damit es auf die politische Tagesordnung kommt. Wessen Aufgabe wäre es denn gewesen zu thematisieren? Doch nicht etwa u. a. der Medien?

  6. Örülök neki, hogy tetszett a javaslatom és gratulálok, hogy ilyen egyértelmü szavakat talált. Ilyen helyzetek mutatják, hogy mégis van egy féle nemzeti összetartozás.

    Schön zu sehen wie die Pfeifers und Schickers hier wieder geifern, denn mit dieser Aktion trifft HV offensichtlich genau ins Schwarze. Sie, die sie nach „never change a running system“ (weil ich unübersetzte fremdsprachliche Wendungen in Foren und Blogs hasse: „verändere nie ein funktionierendes System“) leben und in deren Weltanschauung ein bischen Patriotismus nicht passt, Ihnen scheint die Flagge an ihrer Weltbild zu rütteln. Wie kann es sein, das Menschen so viel Bedeutung einem Symbol beimessen, das eine Gesellschaft repräsentiert? Wieso kann jemandem seine eigene nationalen Identität so wichtig sein? Wo doch alle Menschen grundsätzlich gleich sind, wo man doch nur die individuellen Unterschiede respektieren müsste. Gibt es vielleicht doch einen anderen Weg zu einer moralischen Gesellschaftsordnung als den Ihren? Nein, denn es kann nicht sein was nicht sein darf.

    Ich würde mich freuen, wenn man mir erklären würde wieso die Széklerflagge ein Fetzen ist wo die deutsche beispielsweise eine Fahne ist. Und wieso die Széklerflagge ein Symbol von Fidesz und Tökés ist – gibt es etwa eine Verschwörung der Fidesz die Jahrhunderte zurückreicht? Auch teile ich Ihre Einschätzung, Herr Pfeifer, zu den Entwicklungen der letzten 20 Jahre nicht. Möglicherweise hat das Setzen auf Beruhigung der Lage den Széklern insoweit genutzt als das sie in Frieden leben konnten, aber hinsichtlich ihrer nationalen und kulturellen Identität hat diese Politik nur geschadet. Und am Ende ist das meines Erachtens den persönlichen Frieden nicht Wert, dann lieber einmal den Dreck aufwühlen und damit die Probleme ein für alle Mal lösen, selbst wenn es kurzfristig weh tut. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Übrigens: dieser Tage läuft auf ProSieben ein Spot der gegenseitige Toleranz bewirbt und dabei auch den Nutzen nationaler Minderheiten für die Mehrheit anführt. Zwar denke ich, dass sich der ein oder andere Sorbe verschaukelt vorkommen könnte, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls: gilt dieser Gedanke etwa nur für Deutschland, nicht aber für die Slowakei und Rumänien?

    • Danke für den Link. Der Artikel selbst ist ganz okay, er zeichnet zumindest ein klares Bild davon wer hier verantwortlich für die Angelegenheit ist: die rumänische Seite die sich an die Urteile des eigenen Verfassungsgerichts nicht hält. Spätestens hier müsste die EU auch ein Wörtchen abgeben, denn die Regierung handelt hier entgegen der Verfassung. Ob andererseits Orbán tatsächlich so dringend Stimmen braucht, wage ich zu bezweifeln. Die LMP zerfällt, die MSZP dümpelt weiter in ihrem Delirium, die Jobbik – nach Pfeifers eigenen Aussagen – schwächelt, die DK war nie ernstzunehmen und Bajnai kommt auch nicht wirklich vom Fleck. Insofern ist Fidesz momentan alternativlos. Außerdem denke ich nicht, dass die Wirtschaftspolitik der Fidesz derart schlimm ist wie man das beim Spiegel suggeriert. Viele Menschen haben ernshafte Schwierigkeiten, aber ob das tatsächlich die Folge der Wirtschaftspolitik der Regierung ist, wage ich anzuzweifeln. Vielmehr versucht sie die Situation in Ordnung zu bringen die vorher schon katastrophal war und die sie nicht zu verantworten hat. Man kann natürlich darüber streiten, ob sie das schafft. Außerdem muss man über sozialen Kahlschlag in anderen Staaten vielleicht nicht so herziehen wenn man sich Schröder vor Augen hält.
      Anders fällt mein Urteil über die Kommentare auf der Seite des Spiegels aus. Sie zeigen wunderbar wie wenig die Leute hier in Deutschland verstehen um welche grundlegende Probleme es sich handelt: nämlich das eine europäische Kultur (die Székler) um ihr Überleben kämpft. Das ist wirtschaftlichen Schwierigkeiten mindestens ebenbürtig. Woran liegt das, dass die Leute diese Situation nicht verstehen? In mei9nen Augen daran, dass sie nicht hinreichend und ausreichend tiefgründig über die Sachlage informiert werden. Machen Sie doch den Selbstversuch und googeln Sie doch mal über den Schwarzen März – in deutscher und englischer Sprache werden Sie kaum mehr als eine Handvoll Quellen finden und die sind nicht mal besonders ausgiebig. Sie müssen schon ein halbes oder ganzes Stündchen investieren und wissen wonach Sie suchen müssen um das Buch von Elöd Kincses in englischer Sprache zu finden. Für die mangelnde Aufklärung der Leute sehe ich die Verantwortung jedenfals in erster Linie bei den Medien, die diese Thematik lieber ausklammern, weil sie nicht in ihr Weltbild passt und damit ihr Meinungsmonopol bedrohen.

      • Wie sehr man hier in den aktuell eingeführten Denkmustern gefangen zu sein scheint, belegt schon die Überschrift. Da führen die Ungarn „Krieg“, der Artikel lässt aber eine andere Schlussfolgerung zu. Warum dann diese Überschrift?

      • „Krieg“ lässt sich besser verkaufen, schätze ich. Ich denke tatsächlich, dass wir im Bereich Medien ein Problem haben – „wir“ meine ich hier ganz allgemein. Ein Staat kann nicht die Hohheit über die Medien haben, das ist klar, denn es ist durchaus so, dass die Medien auch ein Werkzeug zur Erhaltung der Demokratie sind, das der Staat aushöhlen würde. Andererseits sind sie auch nicht mehr als ein Werkzeug, keines Falls sind sie die unfehlbaren Hüter der Demokratie. Das Problem an der Sache ist, dass Medien teil des Marktes sind, dass heißt sie unterliegen der Konkurrenz und müssen Geld verdienen. Gut, Konkurrenz haben sie fast abgeschafft, denn alle Medien schreiben weitgehend inhaltlich denselben Brei. Mehr noch: wenn Sie die einzig wichtige Seite auf Pusztarange anschauen, nämlich http://pusztaranger.wordpress.com/about/, dann werden Sie feststellen wie vernetzt die Medien sind. Ob direkt oder indirekt, alle hängen mit allen irgendwie zusammen. Ein Input in diesem Netz regt alle Knoten an und erzeugt überall Output. Dass die einzelnen Knoten die ihnen zugestellten Information nicht unbedingt Prüfen, zeigt der Artikel Pfeifers über jene Rede Orbáns im EU-Parlament der mittlerweile in die Analen Ihres Blogs eingegangen ist. Anders ausgedrückt: einer lässt einen Pubs und weil ihn alle verstärken, denkt man es sei ein Wind, dabei ist es nach wie vor nur heiße Luft. Man könnte hier von kartellartigen Zuständen reden die zu einem Meinungsmonopol in den Medien geführt haben. Einerseits führt dass dazu, dass also alle dasselbe schreiben, siehe Berichterstattung Ungarn. Andererseits geht es nur noch darum, wer besser Aufmerksamkeit erhaschen kann, deswegen der „Krieg“. Das mag paranoid klingen, aber ich rede hier eigentlich auch nicht von einer Verschwörung. Das ist kein Gepflecht hinter dem eine einzelne steuernde Macht stünde, sondern ein dezentrales indem jeder nach dem eigenen Vorteil handelt und da jeder im selben Boot sitzt, alle gleich handeln. Das führt nun dazu, dass das Demokratie-Werkzeug Medien sich selbst ausschaltet, weil es nicht mehr unbedingt die Wahrheit berichtet, sondern das, was sich am besten verkauft und auch noch in einer Form, die sich am besten verkaufen lässt. Diese bequeme Position werden die Medien aber nicht freiwillig aufgeben, siehe das Verhalten der Pfeifers und der Schickers dieser Welt auf anders lautende Berichterstattung sowie das ungarische Mediengesetz – sie sind wie die Maden im Speckmantel. Das erklärt auch warum sich gut verkaufende Stories teilweise konserviert werden, wie im Falle der Affäre Brüderle, nämlich damit sie ausgenutzt werden können wenn sie sich besser verkaufen und dann voll ausgekostet werden können. Auch der Fall Wulff ist ähnlich gelagert: wieso gleich die ganze Geschichte erzählen wenn man sie scheibchenweise verteilen kann um gleich mehrere Ausgaben gut absetzen zu können? Ich kan keinen der beiden Politiker besonders leiden und in beiden Fällen liegt ein Fehlverhalten vor, aber in beiden Fällen fiel mir auch auf, dass die Medien sich auffällig (negativ) verhielten.
        Das ist nun ein Problem, dass man eigentlich lösen müsste, wofür es keine einfache Lösung gibt und das ein heises Eisen für jeden Politiker darstellt.

  7. HV dieser Konflikt nützt vielleicht in erster Linie der Ponta-Regierung, die so wie in Ungarn die Verwaltung umorganisiert, nur mit dem Unterschied, dass sie Regionen einführt. Und da kann es leicht passieren, dass die Szekler sich dann getrennt in ein paar Regionen wiederfinden. Natürlich sind an diesem Konflikt nicht nur ungarische Nationalisten sondern auch die rumänischen beteiligt. Wer also von ungarischer Seite Öl ins Feuer gießt, hilft gerade den Kräften in Rumänien, die nicht bereit sind den Ungarn in Rumänien Minderheitenrechte zu garantieren.
    Ein aufschlußreicher ungarischer Artikel beleuchtet das Problem detailliert:
    http://kitekinto.hu/karpat-medence/2013/02/07/mi_all_a_szekely_zaszlo_korul_kialakult_roman-magyar_mbotrany_mogott/

  8. Jetzt werden aber einige graue Haare bekommen
    A román parlamentre is kitűzik a székely zászlót.
    und wem haben wir das zu verdanken?
    Dem Stern am Himmel der Meinungfreiheit -> dem PL.
    er war es doch der
    Zitat:
    “Nun, der Lloyd hat heute Rumänien empfohlen, das Hissen der Flaggen freizugeben, es ist risikolos, entwaffnet die Manipulatoren ..etcpp.

  9. Ich bin froh, dass ich verkünden kann, dass gerade mehrere Zehntausend (die Rede war von 30.000) Menschen in Marosvásárhely für Autonomie demonstrieren. Darüber hinaus soll es weltweit Sympathiedemos gegeben haben, beispielsweise in Kanada. Froh bin ich, weil ich den Eindruck gewinne, dass die Leute nach mehr als 20 Jahren endlich begreifen, dass mit Gerede allein nichts zu gewinnen ist. Schön ist auch, dass trotz kleinerer Gegendemos heute keine Ausschreitungen wie in den Tagen des Schwarzen Märzes mehr zu erwarten sind. Ich glaube, dass sich hier auch zeigt, dass die Bevölkerung nicht mehr so klar hinter der RMDSZ steht, deren Politik eigentlich keine Demos wünscht und die meiner Meinung nach immermehr zu einer Marionettenregierung verkommen ist (vielleicht abgesehen von Hunor Kelemen).

    Ich wünschte HV hätte die Möglichkeiten einen Live-Stream einzurichten…

  10. @Paloc
    Ob sich heutzutage überhaupt noch jemand an den schwarzen März erinnert?
    Noch dazu wo die Roma den Ungarn zu Hilfe kamen?

    • Gerade auch weil die Roma den Ungarn zu Hilfe kamen sollte man sich daran erinnern, denn das Beispiel zeigt, dass man kooperieren kann und zwar erfolgreich.

      Zielt Ihre Frage auf Ungarn, Deutschland (bzw. Westen) oder ganz allgemein ab? Im Falle des Westens dürfte die antwort eindeutig sein: kaum jemand dürfte jemals etwas vom Schwarzen März gehört haben. Traurigerweise. Sie können sich gerne davon vergewissern indem Sie mal nach dem Schwarzen März googeln. Wäre er besser bekannt, würde vielleicht so manch einer die Anliegen der Ungarn nicht so leichtfertig als nationales Getue abtun oder zumindest vorsichtiger argumentieren. Was Ungarn angeht, ich hörte es soll so manchen jungen Spund geben der nach Siebenbürgen reist und sich wundert, dass dort so viele ungarisch sprechen. Das kann ich nicht bestätigen, aber meine Familie gehört den Dörflern an und denkt eher patriotisch. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass die sogenannten „kosmopolitischen“ Städter weniger gut über die Verhältnisse der ungarischen Minderheiten bescheid wissen und damit auch über den Schwarzen März. Wie gesagt: traurigerweise. Aufklärungsarbeit wäre angebracht.

  11. „Wie gesagt: traurigerweise. Aufklärungsarbeit wäre angebracht.“
    Da mögen Sie recht haben.
    Allerdings verschwinden solche Ereignisse wie sie in Marosvásárhely, 1990. am 19.März passierten gerne im Nebel der Geschichte.Wichtig ist derzeit doch nur, dass die wahren Demokraten (ich verkneif mir das Wort Heuchlerbande) mal ganz schnell in Kolosvár ihre ach so edlen Ziele dem in ihren Augen ach so dämlichen Volk unterbreiten.
    Mir kommen gleich die Tränen.

    http://www.kisalfold.hu/belfold_hirek/tiltakozok_fogadtak_kolozsvaron_mesterhazy_attilat_/2315755/

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