Vermögenszuwachs mit Fragezeichen: Das neue Haus von Marcell Zsiga (Fidesz)

Der Fidesz-Parlementsabgeordnete Marcell Zsiga (33) ist, neben seiner Tätigkeit im Hohen Haus, auch noch stellvertretender Bürgermeister in der ungarischen Stadt Miskolc. Der Jungpolitiker hat nun, nach Presseberichten, Ende 2012 ein Haus in Miskolctapolca, einem Vorort von Miskolc, erworben. Der Kaufpreis soll bei relativ günstigen, jedoch marktgerechten 40 Mio. HUF, etwa 130.000 EUR, gelegen haben. Der Verkäufer soll ein Arzt gewesen sein, der ins Ausland ausgewandert ist – was im Hinblick auf die Abwanderung von Ärzten aus Ungarn eine eigene Geschichte wert wäre…

Bis hierher ist die Story des dynamischen Jungpolitikers Zsiga aber noch nichts außergewöhnliches. Interessant wird sie aber unter zwei Aspekten:

1. Wenn man die Vermögensaufstellungen Zsigas, die Parlamentarier jährlich abzugeben haben, in den beiden Jahren 2012 und 2013 miteinander vergleicht. Zsiga gab im Jahr 2012 ein Vermögen in Höhe von ca. 10 Mio. HUF an, und verfügte über ein Darleben. 2013 war das Vermögen auf 1,6 Mio HUF zusammengeschmolzen, Zsiga aber um ein Haus im Wert von 40 Mio. HUF „reicher“. Man könnte nun sagen: Auch hier kein Grund zur Aufregung, schließlich nimmt fast jeder Normalbürger einen Kredit auf, wenn er ein Haus erwirbt, und legt einen Betrag als Eigenkapital ein. Man könnte also mutmaßen, dass Zsiga etwa 9 Mio. HUF seines Privatvermögens als Eigenkapital eingelegt und den Rest finanziert hätte. Nur: Ein Kredit, weder von der Bank noch von einer Privatperson, ist in der Vermögensaufstellung von 2013 nicht auffindbar. Wie die Tageszeitung Blikk (entspricht etwa der deutschen „Bild“) berichtet, hatten weder Zsiga noch seine Frau, die für ein bescheidenes Gehalt in der Justiz arbeitet (Schätzungen: ca. 150.000 HUF pro Monat), realistische Möglichkeiten, den ominösen Differenzbetrag von rund 31 Mio. HUF (40 Mio. Kaufpreis – 9 Mio. Eigenkapital) wärend des Jahres 2012 anzusparen. Nicht einmal Zsiga, der im Jahr 2012 von sich Reden machte, als er sagte, es wäre ohne weiteres möglich, von 47.000 HUF im Monat zu leben. Selbst wenn der Abgeordnete (der nach Pressemeldungen nie einen Job in der freien Wirtschaft bekundete) diese Art von Sparsamkeit an den Tag gelegt hätte, das er Empfängern der Stütze in Ungarn zumutet, wäre er innerhalb von knapp 12 Monaten wohl kaum auf 8 Mio. HUF Ersparnisse gekommen.

Und damit stellt sich die Frage, die man als damalige Opposition so gerne (und oft genug zu Recht) an die MSZP-Politikerstellte: Woher haste das Geld, Kumpel? Eine Schenkung, ein Erbe, hat Papi oder „Piroska néni“ bezahlt, hattet Ihr Glück im Casino? Wir sind – ebenso wie die ungarische Gesellschaft – auf Erklärungen gespannt. Einstweilen antwortete Zsiga auf Anfragen der Presse nicht.

2. Interessant auch ein weiterer Aspekt mit dem Hauskauf Zsigas: Kaum war Marcell samt Familie eingezogen, bekam er auch noch eine nagelneue Zufahrt zu seinem Gründstück. Die alte Holperpiste, die u.a. zu seinem Haus führt, wurde – ziemlich genau bis zu Zsigas Anwesen – innerhalb von 3 Wochen komplett erneuert, aufgeteert und mit Abflusskanälen versehen (Bilder hier auf „vastagbör“). Kosten für den Steuerzahler: 7 Mio. HUF. Die Stoßdämpfer van Marcells Auto, einem VW Passat Bj. 2005, werden es ihm hoffentlich danken. Die Nachbarn holpern zu ihren, eine Ecke weiter gelegenen, Häusern weiter. Die Stadtverwaltung von Miskolc gab eine Erklärung heraus und erklärte die Arbeiten damit, es handle sich um Maßnahmen, die zur Beseitigung von Schäden erforderlich gewesen seien, die das Hochwasser verursacht hätte. Zsigas Haus liegt allerdings an einem Hügel…

Viele Fragen. Und für den einen oder anderen sicher auch ein Indiz dafür, dass – egal welche politische Elite Ungarn regiert – bemerkenswerter Weise immer die eigene Riege zu Vermögen gelangt oder vom „Ermessen“ der Behörden profitiert. Was sicher die Heftigkeit der Auseinandersetzung zwischen den politischen Lagern erklärt: Es geht schließlich um Verteilung des Honigtopfes. Und so wird auch nachvollziehbar, warum nur zu selten Geld übrig bleibt: Man verfrühstückt es eben lieber selbst, als es dem Gegner zu überlassen. Und wenn die ungarische Politik ihrem Namen gerecht wird, kommt zeitnah der Konter: Der wird nicht etwa lauten, dass „wir“ alles richtig machen, sondern dass „die“ noch mehr Geld gestohlen haben.

http://www.blikk.hu/blikk_aktualis/mibol-vette-meg-40-millios-hazat-zsiga-marcell-2173693

http://index.hu/belfold/2013/02/11/nem_tudni_mibol_vett_40_millios_hazat_zsiga/

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6 Kommentare zu “Vermögenszuwachs mit Fragezeichen: Das neue Haus von Marcell Zsiga (Fidesz)

  1. Ein Betbruder dieses Schlags /Kader der Tartuffe-Partei wird solche Anschuldigungen niemals zugeben. Dies prägt sie genauso wie die Kommunisten (=mszp-isten)

  2. Zsiga:

    „A háznak csupán fele az enyém, az országos napilap csúsztat, megtéveszti az olvasókat. A jövedelmemből ki tudtam gazdálkodni az ingatlan árának egy részét, de igazából családi összefogással sikerült megvásárolni” – válaszolta lapunk kérdésére.
    Azt is elmondta: úgy gondolja, gyűlölet kampány folyik ellene, amely mögött az MSZP áll, ezért a párt ellen rágalmazás miatt feljelentést tett.“

    http://www.boon.hu/zsiga-marcell-elmondta-hogy-mibol-vette-a-hazat/2191609

  3. Index.hu berichtet, dass der Immunitätsausschuss des Parlaments heute beschlossen hat, kein Verfahren gegen Zsiga zu eröffnen. Dieser habe belegt, dass das Geld, was er für den Hauskauf verwendet habe, aus legalen Mitteln stamme. Woher es stammt, wurde in Anbetracht der „nicht öffentlichen Sitzung“ verschwiegen. Die Öffentlichkeit weiß nun also, dass es ohne weiteres möglich ist, als Parlamentarier eben mal 20 Mio. HUF nebenbei heranzukarren. Wie das gehen soll, behalten die Hohen Herren aber lieber für sich, sonst könnte der Normalbürger ja auch so etwas versuchen… 🙂

    http://index.hu/belfold/2013/02/25/zsiga_kimagyarazta_a_hazvasarlast/

    Es ist natürlich ganz und gar ausgeschlossen, dass die Mitglieder des Ausschusses – und zwar unabhängig vom Parteibuch – in ihrer Entscheidung von der Angst mitbestimmt wurden, selbst einmal unangenehme Fragen zu ihrem Vermögen gestellt zu bekommen (Ironie!).

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