Nézöpont: Untersuchung zur Ungarn-Berichterstattung der internationalen Presse

Die Ungarn-Berichterstattung der ausländischen Presse war bereits in zahllosen Fällen Thema dieses Blogs. Nun hat sich das Meinungsforschungsinstitut Nézöpont die Arbeit gemacht, eine Analyse zu erstellen und zu veröffentlichen.

http://nezopontintezet.hu/files/2013/02/Nezopont_Mediamuhely_Elemzes.pdf

Interessante Ergebnisse:

– die Negativberichte über Ungarn in deutschen und österreichischen Publikationen sind deutlich stärker vertreten als z.B. in Großbritannien und den USA.
– zu den „neutraleren“ Nachrichtenquellen zählen die Agenturen Reuters und Bloomberg, die FAZ und auch das Wall Street Journal.
– beim Standard und der Süddeutschen Zeitung überwiegen die Negativberichte deutlich

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8 Kommentare zu “Nézöpont: Untersuchung zur Ungarn-Berichterstattung der internationalen Presse

  1. @HV, auch wenn es ihr Steckenpferd ist, es gibt genügend Gründe, warum es viele Journalisten für ihre Pflicht halten, die Öffentlichkeit über die Vorgänge in Ungarn zu informieren. 😉

    Auch der Generalsekretär des Europarats Thorbjörn Jagland hält es für seine Pflicht, auf die Folgen der Verfassungsänderungen aufmerksam zu machen und fordert Regierung und Parlament auf, die Abstimmung über die Verfassungsänderungen zu verschieben:

    „Ich habe Bedenken, ob die Verfassungsänderungen mit dem in der Satzung des Europarates verankerten Prinzip der Rechtsstaatlichkeit vereinbar sind. Die ungarische Regierung führt die Übergangsbestimmungen, die vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden, wieder ein. Dies lässt den Eindruck entstehen, dass sich die Regierung mithilfe ihrer Zweidrittelmehrheit über die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs hinwegzusetzen beabsichtigt, wodurch das demokratische Grundprinzip der gegenseitigen Kontrolle gefährdet werden könnte. Es handelt sich um eine wichtige und komplexe Frage, die eingehend von Experten untersucht werden muss. Folglich wäre ein Gutachten der Venedig-Kommission erforderlich.“

    http://hub.coe.int/de/web/coe-portal/press/newsroom?p_p_id=newsroom&_newsroom_articleId=1365046&_newsroom_groupId=10226&_newsroom_tabs=newsroom-topnews&pager.offset=0

    Das Wirtschaftsportal Portfolio.hu berichtete bereits darüber, die übrige Presse wird sicher bald folgen!
    http://www.portfolio.hu/en/economy/council_of_europe_calls_upon_hungary_to_delay_vote_on_constitutional_changes.25689.html

      • @HV
        Das fand ich auch sehr mutig. Aber auf die richtige Analyse folgte Schweigen. Andere Kommentatoren haben sich diesem Thema mit mehr Engagement (und Glaubwürdigkeit) angenommen.

        Zum Beispiel der Politiker Michael Georg Link (FDP) in einem Namensbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05.03.13, der auch auf der Webseite des Auswärtigen Amtes abgedruckt ist.
        http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Interviews/2013/130305-StM_L_FAZ.html

        Darin heißt es: „Dass Ungarn in der Kritik der Medien steht, liegt nicht an den Medien.“
        Ein sehr wichtiger Satz, der deutlich macht, dass die internationale Medienkritik manchmal notwendig ist.

        Und dann führt er drei Punkte auf, die ihm als erklärter „Freund Ungarns“ wichtig sind:
        1. „Als Freund Ungarns wünsche ich mir erstens, dass Ungarn weiter unter Beweis stellt, dass es über wirksame, auf Gewaltenteilung beruhenden Kontrollmechanismen verfügt.“
        2. „Ich wünsche mir zweitens, dass die Zweidrittelmehrheit, auf die sich die Regierung stützt, mit Augenmaß genutzt wird. Auch eine Zweidrittelmehrheit ist kein Freifahrschein.“
        3. „Ich wünsche mir drittens, dass Ungarn die Ratschläge der EU-Kommission und des Europarats annimmt.“

        Auch das Ungarische Helsinki Committee und das Károly Eötvös Institut positionieren sich in einem offenen Brief an die Abgeordneten der Regierungsparteien eindeutiger.
        http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=194678&catid=79&Itemid=115
        Die deutsche Übersetzung kann der geneigte Leser bei Pusztaranger. nachlesen.

        Solche Sätze liest man von HV vergeblich. Aber vielleicht kommt das noch, vielleicht auch nur als Reaktion auf das Presseecho 😉

    • Und der Europarat-Politiker Nils Muiznieks empfahl – nach dem Wahlerfolg der „Goldenen Röte“ in Griechenland – die Presse solle sich gegen rechte Parteien positionieren. Zugleich forderte er, die Presse solle deutlich machen, daß es sich bei diesen Parteien nicht um „normale demokratische Parteien“ handle…

  2. Kommunikatonsprofi Ferenc Kumin nahm sich Zeit, einen offenbar interessanten, leider nicht im Volltext verfügbaren Kommentar der britischen Financial Times zu dekonstruieren: http://ferenckumin.tumblr.com/ Ich sehe die Unterschiede zwischen deutsch- und englischsprachiger Presse auch. Das ist aber keine 100%-Regel. Außerdem steht uns Deutschen Ungarn viel näher als den Inselbewohnern. Kein Wunder, dass wir da mit etwas mehr Intensität und auch Emotionalität rangehen.

  3. Pingback: snipsnap

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